{"id":7956,"date":"2013-12-15T08:13:35","date_gmt":"2013-12-15T07:13:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=7956"},"modified":"2013-12-13T11:36:59","modified_gmt":"2013-12-13T10:36:59","slug":"heute-ruhetag-44-charles-dickens-weihnachtslied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=7956","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (44): Charles Dickens &#8211; Weihnachtslied"},"content":{"rendered":"<p>Bei Charles Dickens und Weihnachten denken viele gleich an seine Weihnachtsgeschichte, auch als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/A_Christmas_Carol\" target=\"_blank\">Weihnachtslied<\/a> bekannt (was dem englischen Titel A Christmas Carol n\u00e4her kommt), die man vor allem aus einer der vielen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/A_Christmas_Carol#Verfilmungen\" target=\"_blank\">Verfilmungen<\/a> her kennt. Selbst Donald Duck und vor allem Dagobert Duck als Ebenezer Scrooge, einem alten, grantigen Geizhals, mussten daf\u00fcr herhalten. Gelesen haben d\u00fcrften aber nicht gerade viele \u2013 wenigstens bei uns \u2013 die Geschichte.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung handelt eben von jenem Ebenezer Scrooge, der in einer einzigen Nacht zun\u00e4chst Besuch von seinem verstorbenen Teilhaber Jacob Marley und dann von drei weiteren Geistern erh\u00e4lt, die ihm schlie\u00dflich dazu verhelfen, sein Leben zu \u00e4ndern. Das Buch enth\u00e4lt stark sozialkritische T\u00f6ne, mit denen Dickens die Missst\u00e4nde in England im 19. Jahrhunderts anprangern wollte. Parallelen zu heute w\u00e4ren erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Hier nun zum Nachlesen \u2013 auch <a href=\"http:\/\/www.gutenberg.org\/ebooks\/30368\" target=\"_blank\">im englischen Original<\/a> (und <a href=\"http:\/\/www.gutenberg.org\/ebooks\/19505\" target=\"_blank\">als H\u00f6rbuch im Original<\/a>).<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Charles Dickens hat noch weitere Weihnachtsgeschichten geschrieben, die sich ebenfalls lohnen, gelesen zu werden:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/6270\/1\" target=\"_blank\">Drei Weihnachtsgeschichten<\/a> (Der Behexte und der Pakt mit dem Geiste, Die Silvesterglocken, Auf der Walstatt des Lebens. \u00dcbersetzer: Gustav Meyrink)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/6271\/1\" target=\"_blank\">Vier Weihnachtsgeschichten<\/a> (Der Weihnachtsabend, Das Heimchen am Herde, Der Kampf des Lebens, Die Silvester-Glocken)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/6269\/1\" target=\"_blank\">Weihnachtserz\u00e4hlungen<\/a> (Doktor Marigold, Mrs. Lirripers Fremdenpension, Die Geschichte des Schuljungen, Die Geschichte des armen Verwandten. \u00dcbersetzer: Carl Kolb\/Julius Seybt)<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Marley war tot, damit wollen wir anfangen. Kein Zweifel kann dar\u00fcber bestehen. Der Schein \u00fcber seine Beerdigung ward unterschrieben von dem Geistlichen, dem K\u00fcster, dem Leichenbestatter und den vornehmsten Leidtragenden. Scrooge unterschrieb ihn, und Scrooges Name wurde auf der B\u00f6rse respektiert, wo er ihn nur hinschrieb. Der alte Marley war so tot wie ein T\u00fcrnagel.<\/em><\/p>\n<p><em>Versteht mich recht! Ich will nicht etwa sagen, da\u00df ein T\u00fcrnagel etwas besonders Totes f\u00fcr mich h\u00e4tte. Ich selbst m\u00f6chte fast zu der Meinung neigen, da\u00df das toteste St\u00fcck Eisen auf der Welt ein Sargnagel sei. Aber die Weisheit unsrer Altvordern liegt in den Gleichnissen, und meine unheiligen H\u00e4nde sollen sie dort nicht st\u00f6ren, sonst w\u00e4re es um das Vaterland geschehen. Man wird mir also erlauben, mit besonderem Nachdruck zu wiederholen, da\u00df Marley so tot wie ein T\u00fcrnagel war.<\/em><\/p>\n<p><em>Wu\u00dfte Scrooge, da\u00df er tot war? Nat\u00fcrlich wu\u00dfte er&#8217;s. Wie sollte es auch anders sein? Scrooge und er waren, ich wei\u00df nicht seit wieviel Jahren, Kompagnons. Scrooge war sein einziger Testamentsvollstrecker, sein einziger Verwalter, sein einziger Erbe, sein einziger Freund und sein einziger Leidtragender. Und selbst Scrooge war von dem traurigen Ereignis nicht so schrecklich mitgenommen, um nicht selbst am Begr\u00e4bnistag ein vortrefflicher Gesch\u00e4ftsmann sein und ihn mit einem unzweifelhaft guten Handel feiern zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun bringt mich die Erw\u00e4hnung von Marleys Begr\u00e4bnistag wieder zu dem Ausgangspunkt meiner Erz\u00e4hlung zur\u00fcck. Es gibt keinen Zweifel, da\u00df Marley tot war. Das mu\u00df scharf ins Auge gefa\u00dft werden, sonst kann in der Geschichte, die ich erz\u00e4hlen will, nichts Wunderbares geschehen. Wenn wir nicht vollkommen fest \u00fcberzeugt w\u00e4ren, da\u00df Hamlets Vater tot ist, ehe das St\u00fcck beginnt, so w\u00e4re durchaus nichts Merkw\u00fcrdiges in seinem n\u00e4chtlichen Spaziergang bei scharfem Ostwind auf den Mauern seines eigenen Schlosses. Nicht mehr, als bei jedem anderen Herrn in mittleren Jahren, der sich nach Sonnenuntergang rasch zu einem Spaziergang auf einem luftigen Platz entschlie\u00dft, zum Beispiel auf dem Sankt-Pauls-Kirchhof.<\/em><\/p>\n<p><em>Scrooge lie\u00df Marleys Namen nicht ausstreichen. Noch nach Jahren stand \u00fcber der T\u00fcr des Speichers \u00bbScrooge und Marley\u00ab. Die Firma war unter dem Namen Scrooge und Marley bekannt. Leute, die Scrooge nicht kannten, nannten ihn zuweilen Scrooge und zuweilen Marley; aber er h\u00f6rte auf beide Namen, denn es galt ihm beides gleich.<\/em><\/p>\n<p><em>Oh, er war ein wahrer Blutsauger, dieser Scrooge! Ein gieriger, zusammenkratzender, festhaltender, geiziger alter S\u00fcnder: hart und scharf wie ein Kiesel, aus dem noch kein Stahl einen warmen Funken geschlagen hat, verschlossen und selbstgen\u00fcgsam und ganz f\u00fcr sich, wie eine Auster. Die K\u00e4lte in seinem Herzen machte seine alten Gesichtsz\u00fcge starr, seine spitze Nase noch spitzer, sein Gesicht runzlig, seinen Gang steif, seine Augen rot, seine d\u00fcnnen Lippen blau, und sie klang aus seiner kr\u00e4chzenden Stimme heraus. Ein frostiger Reif lag auf seinem Haupt, auf seinen Augenbrauen, auf dem starken struppigen Bart. Er schleppte seine eigene niedere Temperatur immer mit sich herum: in den Hundstagen k\u00fchlte er sein Kontor wie mit Eis, zur Weihnachtszeit machte er es nicht um einen Grad molliger.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00c4u\u00dfere Hitze und K\u00e4lte wirkten wenig auf Scrooge. Keine W\u00e4rme konnte ihn w\u00e4rmen, keine K\u00e4lte fr\u00f6steln machen. Kein Wind war schneidender als er, kein Schneegest\u00f6ber erbarmungsloser, kein klatschender Regen einer Bitte weniger zug\u00e4nglich. Schlechtes Wetter konnte ihm nichts anhaben. Der \u00e4rgste Regen, Schnee oder Hagel konnten sich nur in einer Art r\u00fchmen, besser zu sein als er: sie gaben oft im \u00dcberflu\u00df, und das tat Scrooge nie und nimmer.<\/em><\/p>\n<p><em>Niemals kam ihm jemand auf der Stra\u00dfe entgegen, um mit freundlichen Blicken zu ihm zu sagen:\u00bbMein lieber Scrooge, wie geht&#8217;s, wann werden Sie mich einmal besuchen?\u00ab Kein Bettler sprach ihn um eine Kleinigkeit an, kein Kind fragte ihn, wie sp\u00e4t es sei, kein Mann und keine Frau hat ihn je in seinem Leben nach dem Weg gefragt. Selbst der Hund des Blinden schien ihn zu kennen, und wenn er ihn kommen sah, zog er seinen Herrn in einen Torweg und wedelte dann mit dem Schwanz, als wollte er sagen: \u00bbGar kein Auge, blinder Herr, ist besser als ein b\u00f6ses Auge.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Doch was k\u00fcmmerte all das den alten Scrooge? Gerade das gefiel ihm. Allein seinen Weg durch die engen Pfade des Lebens zu wandern, jedem menschlichen Gef\u00fchl zu sagen: \u00bbBleibe mir fern\u00ab; das war es, was Scrooge gefiel.<\/em><\/p>\n<p>aus: Erste Strophe: Marleys Geist<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/gutenb\/autoren\/signatur\/dickens.gif\" alt=\"Signatur: Charles Dickens\" title=\"Signatur: Charles Dickens\" \/><\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Dickens\" target=\"_blank\"><strong>Charles Dickens<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/3423\/1\" target=\"_blank\">Weihnachtslied<\/a><\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=6598\" target=\"_blank\">Heute Ruhetag (27): Charles Dickens \u2013 Oliver Twist<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Charles Dickens und Weihnachten denken viele gleich an seine Weihnachtsgeschichte, auch als Weihnachtslied bekannt (was dem englischen Titel A Christmas Carol n\u00e4her kommt), die man vor allem aus einer der vielen Verfilmungen her kennt. 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