{"id":8078,"date":"2014-01-18T07:36:36","date_gmt":"2014-01-18T06:36:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=8078"},"modified":"2014-01-16T12:44:51","modified_gmt":"2014-01-16T11:44:51","slug":"heute-ruhetag-45-stanislaw-przybyszewski-androgyne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=8078","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (45): Stanislaw Przybyszewski &#8211; Androgyne"},"content":{"rendered":"<p>Stanis\u0142aw Przybyszewski (1868 &#8211; 1927) war ein polnischer Schriftsteller, der zu Beginn seiner Laufbahn auf Deutsch schrieb. Er entwickelte ein gro\u00dfes Interesse f\u00fcr Satanismus sowie die Philosophie von Friedrich Nietzsche und begann ein Boh\u00e8me-Leben. Zu seinen Freunden in dieser Zeit geh\u00f6rten Edvard Munch, Richard Dehmel und August Strindberg, die sich in ihrer Berliner Stammkneipe Zum schwarzen Ferkel trafen. 1895 wurde er Mitbegr\u00fcnder der Zeitschrift Pan, ver\u00f6ffentlichte daneben aber auch in Karl Kraus&#8216; Fackel und in der Freien B\u00fchne.<\/p>\n<p>Als Vermittler zwischen der deutschen und den slawischen Literaturen gilt Przybyszewski auch in der Tschechoslowakei, wo er kurze Zeit wohnte und literarisch befruchtend wirkte, bevor er 1919 wieder nach Polen zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p>Hier arbeitete er intensiv am Aufbau des neuen polnischen Staates mit. Przybyszewski starb 1927 im Alter von 59 Jahren, also in einem Alter, in dem ich mich jetzt nur noch zwei Wochen lang befinde (wenn Ihr wisst, was ich meine &#8230; \ud83d\ude09 ).<\/p>\n<p>Seine Erz\u00e4hlung \u201eAndrogyne\u201c fand ich auf einer Werkliste mit \u201e100 erotischen Klassikern\u201c beim <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/\" target=\"_blank\">Projekt Gutenberg\u2013DE auf Spiegel Online<\/a>; <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/2793\/1\" target=\"_blank\"><strong>hier<\/strong><\/a> ist sie auch nachzulesen, da sie urheberrechtsfrei, genauer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gemeinfreiheit\" target=\"_blank\">gemeinfrei<\/a> ist. Zur Erz\u00e4hlung (bis auf ihren Inhalt selbst) habe ich leider nichts gefunden. So habe ich in ihr etwas quergelesen und muss sagen, dass sie etwas schw\u00fclstig-hochtrabend klingt. Aber wer sich an einem solchen schmuddelig feucht-kalten Abend daran erw\u00e4rmen m\u00f6chte, bitte &#8230;<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Es war sp\u00e4te Nacht, als er nach Hause kam.<\/em><\/p>\n<p><em>Er setzte sich an den Schreibtisch und sah gedankenlos auf einen herrlichen Blumenstrau\u00df hin, der mit einem breiten roten Band umwunden war.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf dem einen Ende stand in goldenen Buchstaben ein mystischer, weiblicher Name.<\/em><\/p>\n<p><em>Nichts weiter.<\/em><\/p>\n<p><em>Und wieder empfand er diesen langen, fliederweichen Schauer, der ihn durchzuckte, als man ihm diesen Strau\u00df auf die Estrade hinaufreichte.<\/em><\/p>\n<p><em>Man hat ihn ja mit Blumen beworfen, soviel Kr\u00e4nze regneten nieder zu seinen F\u00fc\u00dfen \u2013 aber dieser Strau\u00df mit diesem roten Band und dem mystischen Namen \u2013 wer mag ihn wohl hinaufgeschickt haben?<\/em><\/p>\n<p><em>Er wu\u00dfte es nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Als ob eine warme, kleine Hand die seine erfa\u00dft \u2013 nein! nicht erfa\u00dft, \u2013 sich woll\u00fcstig einschmeichelte, hineink\u00fc\u00dfte mit hei\u00dfen Fingern &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Und sie, deren Name ihn so verwirrte &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Vielleicht hat sie die Blumen gek\u00fc\u00dft, bevor man sie ihm reichte, ihr Gesicht in das weiche Blumenbett eingew\u00fchlt, bevor sie es zum Strau\u00df gewunden, das reiche Armgewinde von Blumen an ihr Herz gedr\u00fcckt und sich nackt und lustkeuchend \u00fcber das Blumenlager gew\u00e4lzt &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Und das Gebl\u00fcte atmete noch den Duft ihres K\u00f6rpers, zitterte noch das kauernde, hei\u00dfe Lispeln ihres Verlangens &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Sie liebte ihn ja, sie kannte ihn schon lange, ganze Tage hat sie zitternd durchdacht, bevor sie wagte, ihm diese Blumen zu schenken &#8230; Er wu\u00dfte es, ganz genau wu\u00dfte er es &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Er wu\u00dfte sicher, da\u00df sie ihn liebte, denn solche Blumen schenken nur M\u00e4dchen, die lieben.<\/em><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><em>Ein M\u00e4dchengesicht tauchte auf: ein heller, heiliger Klang in den schwarzen Sturmakkorden, der helle Widerschein eines blassen Sternes in dem sch\u00e4umenden Gischt dunkler Wogen, \u2013 nie fr\u00fcher hatte er es gesehen, aber er kannte es, er kannte es gut, dies M\u00e4dchengesicht &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Er wachte auf: rieb sich die Augen, ging in dem Zimmer auf und ab, aber er konnte die Vision dieses Gesichtes nicht los werden: halb Kind, halb Weib.<\/em><\/p>\n<p><em>Ja, ja \u2013 sie war es sicher. Sie lie\u00df ihm den Blumenstrau\u00df auf die Estrade reichen.<\/em><\/p>\n<p><em>Er dachte nach, woher seine pl\u00f6tzliche Gewi\u00dfheit, da\u00df sie es war.<\/em><\/p>\n<p><em>Jemand Fremdes hat ihm die Blumen hinaufgereicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Und er dachte und gr\u00fcbelte &#8230;<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stanis%C5%82aw_Przybyszewski\" target=\"_blank\"><strong>Stanislaw Przybyszewski <\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/2793\/1\" target=\"_blank\">Androgyne<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stanis\u0142aw Przybyszewski (1868 &#8211; 1927) war ein polnischer Schriftsteller, der zu Beginn seiner Laufbahn auf Deutsch schrieb. Er entwickelte ein gro\u00dfes Interesse f\u00fcr Satanismus sowie die Philosophie von Friedrich Nietzsche und begann ein Boh\u00e8me-Leben. 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