{"id":8202,"date":"2014-03-01T07:39:42","date_gmt":"2014-03-01T06:39:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=8202"},"modified":"2014-02-28T11:48:43","modified_gmt":"2014-02-28T10:48:43","slug":"heute-ruhetag-48-gustav-meyrink-%e2%80%93-der-golem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=8202","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (48): Gustav Meyrink \u2013 Der Golem"},"content":{"rendered":"<p>Gustav Meyrink (eigentlich Gustav Meyer * 1868 in Wien; \u2020 1932 in Starnberg), war ein \u00f6sterreichischer Schriftsteller.<\/p>\n<p>Die Zentren seines literarischen Schaffens waren Prag und M\u00fcnchen. Zu beiden pflegte er zeitlebens eine innige Hassliebe.<\/p>\n<p>Als einer der Ersten im deutschen Sprachraum (nach Paul Scheerbart und E. T. A. Hoffmann) verfasste Meyrink phantastische Romane. W\u00e4hrend sein Fr\u00fchwerk mit dem Spie\u00dfb\u00fcrgertum seiner Zeit abrechnet (<em>Des deutschen Spie\u00dfers Wunderhorn<\/em>), befassen sich seine sp\u00e4teren, h\u00e4ufig im alten Prag spielenden Werke haupts\u00e4chlich mit \u00fcbersinnlichen Ph\u00e4nomenen und dem metaphysischen Sinn der Existenz.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Golem\" target=\"_blank\">Der Golem<\/a> ist wohl der bis heute bekannteste Roman von Gustav Meyrink. Er erschien erstmals in den Jahren 1913 und 1914 als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Die Wei\u00dfen Bl\u00e4tter; 1915 wurde er in Buchform ver\u00f6ffentlicht, also vor 99 Jahren.<\/p>\n<p>Dieser Roman gilt als ein Klassiker der phantastischen Literatur. Es handelt sich bei dem Roman nicht um eine Adaption der j\u00fcdischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Golem\" target=\"_blank\">Golem-Sage<\/a> im engeren Sinn, sondern um ein impressionistisches Traumbild vor dem Hintergrund der Sage. Der Golem soll eine alte sagenhafte Gestalt gewesen sein, von dem man sagt, er gehe alle dreiunddrei\u00dfig Jahre in Prag um. Rabbi L\u00f6w soll ihn 1580 am Ufer der Moldau nach verlorengegangenen Vorschriften der Kabbala aus Lehm geschaffen haben, weil er sich einen Gehilfen w\u00fcnschte, der die Juden besch\u00fctzen sollte.<\/p>\n<p>Der Roman spielt im fr\u00fchen 20. Jahrhundert und beginnt mit dem anonymen Erz\u00e4hler der Geschichte, der &#8211; zu Besuch in Prag &#8211; vor dem Zu-Bett-Gehen in einem Buch \u00fcber das Leben Buddha Gotamas gelesen hat. Er f\u00e4llt in einen unruhigen Halbschlaf und gleitet in eine Traumwelt, in der er Ereignisse erneut durchlebt, die sich vor mehr als drei\u00dfig Jahren im Prager Judenviertel zugetragen haben.<\/p>\n<p>&#8230; siehe hierzu auch meinen alten Beitrag: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=101\" target=\"_blank\">Gustav Meyrink: Der Golem<\/a>. Wenn auch nicht erst alle 33 Jahre, so taucht <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=golem\" target=\"_blank\">der Golem<\/a> in diesem Blog \u00f6fter auf als gedacht &#8230;<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Schlaf<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Das Mondlicht f\u00e4llt auf das Fu\u00dfende meines Bettes und liegt dort wie ein gro\u00dfer, heller, flacher Stein.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn der Vollmond in seiner Gestalt zu schrumpfen beginnt und seine rechte Seite f\u00e4ngt an zu verfallen, \u2013 wie ein Gesicht, das dem Alter entgegengeht, zuerst an einer Wange Falten zeigt und abmagert, \u2013 dann bem\u00e4chtigt sich meiner um solche Zeit des Nachts eine tr\u00fcbe, qualvolle Unruhe.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich schlafe nicht und wache nicht, und im Halbtraum vermischt sich in meiner Seele Erlebtes mit Gelesenem und Geh\u00f6rtem, wie Str\u00f6me von verschiedener Farbe und Klarheit zusammenflie\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich hatte \u00fcber das Leben des Buddha Gotama gelesen, ehe ich mich niedergelegt, und in tausend Spielarten zog der Satz immer wieder von vorne beginnend durch meinen Sinn:<br \/>\n\u00bbEine Kr\u00e4he flog zu einem Stein hin, der wie ein St\u00fcck Fett aussah, und dachte: vielleicht ist hier etwas Wohlschmeckendes. Da nun die Kr\u00e4he dort nichts Wohlschmeckendes fand, flog sie fort. Wie die Kr\u00e4he, die sich dem Stein gen\u00e4hert, so verlassen wir \u2013 wir, die Versucher, \u2013 den Asketen Gotama, da wir den Gefallen an ihm verloren haben.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Und das Bild von dem Stein, der aussah wie ein St\u00fcck Fett, w\u00e4chst ins Ungeheuerliche in meinem Hirn:<\/em><\/p>\n<p><em>Ich schreite durch ein ausgetrocknetes Flu\u00dfbett und hebe glatte Kiesel auf.<\/em><\/p>\n<p><em>Graublaue mit eingesprengtem glitzerndem Staub, \u00fcber die ich nachgr\u00fcble und nachgr\u00fcble und doch mit ihnen nichts anzufangen wei\u00df, \u2013 dann schwarze mit schwefelgelben Flecken wie die steingewordenen Versuche eines Kindes, plumpe, gesprenkelte Molche nachzubilden.<\/em><\/p>\n<p><em>Und ich will sie weit von mir werfen, diese Kiesel, doch immer fallen sie mir aus der Hand, und ich kann sie aus dem Bereich meiner Augen nicht bannen.<\/em><\/p>\n<p><em>Alle jene Steine, die je in meinem Leben eine Rolle gespielt, tauchen auf rings um mich her.<br \/>\nManche qu\u00e4len sich schwerf\u00e4llig ab, sich aus dem Sande ans Licht emporzuarbeiten \u2013 wie gro\u00dfe schieferfarbene Taschenkrebse, wenn die Flut zur\u00fcckkommt, \u2013 und als wollten sie alles daransetzen, meine Blicke auf sich zu lenken, um mir Dinge von unendlicher Wichtigkeit zu sagen.<\/em><\/p>\n<p><em>Andere \u2013 ersch\u00f6pft \u2013 fallen kraftlos zur\u00fcck in ihre L\u00f6cher und geben es auf, je zu Worte zu kommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Zuweilen fahre ich empor aus dem D\u00e4mmer dieser halben Tr\u00e4ume und sehe f\u00fcr einen Augenblick wiederum den Mondschein auf dem gebauschten Fu\u00dfende meiner Decke liegen wie einen gro\u00dfen, hellen, flachen Stein, um blind von neuem hinter meinem schwindenden Bewu\u00dftsein herzutappen, ruhelos nach jenem Stein suchend, der mich qu\u00e4lt \u2013 der irgendwo verborgen im Schutte meiner Erinnerung liegen mu\u00df und aussieht wie ein St\u00fcck Fett.<\/em><\/p>\n<p> [&#8230;]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gustav_Meyrink\" target=\"_blank\"><strong>Gustav Meyrink<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/1557\/2\" target=\"_blank\">Der Golem<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gustav Meyrink (eigentlich Gustav Meyer * 1868 in Wien; \u2020 1932 in Starnberg), war ein \u00f6sterreichischer Schriftsteller. 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