{"id":8365,"date":"2014-05-09T06:11:30","date_gmt":"2014-05-09T05:11:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=8365"},"modified":"2014-05-07T12:32:58","modified_gmt":"2014-05-07T11:32:58","slug":"aldous-huxley-schone-neue-welt-ein-roman-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=8365","title":{"rendered":"Aldous Huxley: Sch\u00f6ne neue Welt &#8211; Ein Roman der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p><em>Neil Postman<\/em> beruft sich in seiner Kritik am Medium Fernsehen <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=8359\" target=\"_blank\">Wir am\u00fcsieren uns zu Tode<\/a> auf <em>Aldous Huxley<\/em> und seinen Roman <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;index=books&#038;keywords=huxley%20sch%C3%B6ne%20neue%20welt&#038;linkCode=ur2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Sch\u00f6ne neue Welt<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> und schreibt in der Einleitung zu seinem Buch:<\/p>\n<p><em>\u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/George_Orwell\" target=\"_blank\">Orwell<\/a> f\u00fcrchtete diejenigen, die B\u00fccher verbieten. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aldous_Huxley\" target=\"_blank\">Huxley<\/a> bef\u00fcrchtete, da\u00df es eines Tages keinen Grund mehr geben k\u00f6nnte, B\u00fccher zu verbieten, weil keiner mehr da ist, der B\u00fccher lesen will.\u201c \u201eDieses Buch handelt von der M\u00f6glichkeit, da\u00df Huxley und nicht Orwell recht hatte.\u201c<\/em> (aus der Einleitung, S. 7f.)<\/p>\n<p>Neben George Orwells finsterer Zukunftsversion <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/1984_%28Roman%29\" target=\"_blank\">\u201e1984\u201c<\/a> ist Aldous Huxleys <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sch%C3%B6ne_neue_Welt\" target=\"_blank\">\u201eSch\u00f6ne neue Welt\u201c<\/a> eines der bekanntesten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dystopie\" target=\"_blank\">dystopischen<\/a> Romane (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anthony_Burgess\" target=\"_blank\">Anthony Burgess<\/a> nennt solche <em>Anti-Utopien<\/em> in seinem Buch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/1985_%28Roman%29\" target=\"_blank\">\u201e1985\u201c<\/a> <em>Kakotopien<\/em>, zu griech. \u03ba\u03b1\u03ba\u03cc\u03c2 (kak\u00f3s): schlecht).<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/41VzRQU7VCL.jpg\" alt=\"Aldous Huxley: Sch\u00f6ne neue Welt - Ein Roman der Zukunft\" title=\"Aldous Huxley: Sch\u00f6ne neue Welt - Ein Roman der Zukunft\" \/><\/ul>\n<p>Ich habe das Buch in einer Taschenbuchausgabe des Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main \u2013 Band 26 \u2013 1321. \u2013 1350. Tausend: August 1987 (Original: <em>Brave new World<\/em>, 1932) vorliegen und jetzt nach 26 Jahren zum 2. Mal gelesen (gewisserma\u00dfen als Erg\u00e4nzung zu Postmans TV-Kritik). Die erste deutsche Ausgabe kam ebenfalls 1932 unter dem Titel <em>\u201eWelt \u2013 wohin?\u201c<\/em> (<a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/weltwohineinroma00huxluoft\" target=\"_blank\">Download dieser Erstver\u00f6ffentlichung<\/a> u.a. als PDF) heraus, die zweite 1950 unter dem ge\u00e4nderten Titel <em>\u201eWackere neue Welt\u201c<\/em> in der \u00dcbersetzung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herberth_E._Herlitschka\" target=\"_blank\">Herberth E. Herlitschka<\/a>. In dieser vom Verfasser autorisierten Fassung ist die Handlung nach Berlin und Norddeutschland verlegt. Auch einige Namen von Figuren der Handlung wurden ver\u00e4ndert: Im Original sind viele Personen nach bekannten britischen Kapitalisten benannt, in der deutschen Ausgabe entsprechend nach deutschen Kapitalisten. 1978 erschien eine deutsche \u00dcbersetzung von Eva Walch, die wieder die originalen Orte und Namen verwendet. Inzwischen erschien im S. Fischer-Verlag eine neue \u00dcbersetzung von Uda Str\u00e4tling, die auch die Eigennamen des Originals unver\u00e4ndert l\u00e4sst.<\/p>\n<p><em>\u201eDie \u201asch\u00f6ne neue Welt\u2019, die Huxley in diesem Roman beschreibt, ist die Welt einer konsequent verwirklichten Wohlstandsgesellschaft \u201aim Jahre 632 nach Ford\u2019, einer Wohnstandsgesellschaft, in der alle Menschen am Luxus teilhaben, in der Unruhe, Elend und Krankheit \u00fcberwunden, in der aber auch Freiheit, Religion, Kunst und Humanit\u00e4t auf der Strecke geblieben sind. Eine totale Herrschaft garantiert ein genormtes Gl\u00fcck. In dieser vollkommen \u201aformierten\u2019 Gesellschaft erscheint jede Art von Individualismus als \u201aasozial\u2019, wird als \u201aWilder\u2019 betrachtet, wer \u2013 wie einer der rebellischen Au\u00dfenseiter dieses Romans \u2013 f\u00fcr sich fordert: \u201aIch brauche keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirkliche Gefahren und Freiheit und Tugend! Ich will S\u00fcnde!\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>Huxley schrieb dieses Buch Anfang der drei\u00dfiger Jahre<\/em> (des vorigen Jahrhunderts). <em>In seinem Essayband \u201aDrei\u00dfig Jahre danach\u2019 (\u201aBrave New World Revisited\u2019) konnte er seine Anti-Utopien an der inzwischen ver\u00e4nderten Welt messen. Er kommt darin zu dem Schlu\u00df: sozialer und technischer Fortschritt und verfeinerte Methoden der psychologischen Manipulation lassen erwarten, da\u00df diese grausige Voraussage sich in einem Bruchteil der veranschlagten Zeitspanne verwirklichen werde.\u201c<\/em><br \/>\n(aus dem Klappentext)<\/p>\n<p><em>\u201eAlles in allem sieht es ganz so aus, als w\u00e4re uns Utopia viel n\u00e4her, als irgend jemand es sich vor nur f\u00fcnfzehn Jahren h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen. Damals verlegte ich diese Utopie sechshundert Jahre in die Zukunft. Heute scheint es durchaus m\u00f6glich, da\u00df uns dieser Schrecken binnen eines einzigen Jahrhunderts auf den Hals kommt; das hei\u00dft, wenn wir in der Zwischenzeit davon absehen, einander zu Staub zu zersprengen.\u201c<\/em> (Aldous Huxley)<\/p>\n<p>Aldous Huxley wurde am 26. Juli 1894 in Godalming\/Surrey geboren. Er stammt aus einer angesehenen Gelehrtenfamilie, wurde in Eton erzogen und studierte in Oxford. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Journalist und Kunstkritiker. Unter dem Einflu\u00df der buddhistischen Lehre und der politischen Ereignisse in Europa entwickelte er sich in den drei\u00dfiger Jahren vom am\u00fcsiert beobachtenden Satiriker zum leidenschaftlichen Reformator, der die Welt durch eine universale mystische Religion zu heilen versucht. Huyley starb im Jahre 1963.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sch%C3%B6ne_neue_Welt#Titel\" target=\"_blank\">Titel des Buchs<\/a> bezieht sich auf einen Dialog im 8. Kapitel des Romans, in dem aus Shakespeares Drama Der Sturm zitiert wird (5. Akt, Vers 181-183): <em>\u201eO, wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O<\/em> brave new world, <em>that has such people in&#8217;t!<\/em>\u201c (O Wunder! Was gibt&#8217;s f\u00fcr herrliche Gesch\u00f6pfe hier! Wie sch\u00f6n der Mensch ist! O <em>Sch\u00f6ne neue Welt<\/em>, die solche B\u00fcrger tr\u00e4gt!)<\/p>\n<p><strong>Zum Inhalt:<\/strong> <em>Der Roman spielt um das Jahr 632 A.F., was dem Jahr 2540 traditioneller Zeitrechnung entspricht. Nach dem Ende des Neun-Jahre-Kriegs im Jahre 150 A.F. (2058 A.D.) wurde der \u00fcberwiegende Teil der Menschheit in einem einzigen Weltstaat unter einer Weltregierung zusammengefasst. Zu diesem Zeitpunkt begann die \u201emoderne Zivilisation\u201c, in der sich Menschen nicht mehr auf nat\u00fcrliche Weise vermehren und von Eltern erzogen heranwachsen, sondern in staatlichen Brut- und Aufzuchtszentren geschaffen werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Dabei werden die Menschen in verschiedene Kasten eingeteilt: Die Alphas bilden die h\u00f6chste Kaste und \u00fcbernehmen die wichtigsten und verantwortungsvollsten Aufgaben. Die Epsilons hingegen, die niedrigste Kaste, entstehen, indem man den Embryos Sauerstoff entzieht und sie so zu geistig beschr\u00e4nkten Menschen heranz\u00fcchtet, die dementsprechend untergeordnete Aufgaben \u00fcbernehmen. Die Anzahl der jeweiligen Kastenmitglieder richtet sich dabei nach den aktuellen staatlichen und wirtschaftlichen Bed\u00fcrfnissen.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Beginn macht der Direktor des \u201eCentral London Hatchery and Conditioning Centre\u201c (in der deutschen \u00dcbersetzung die \u201eBrut- und Normzentrale Berlin-Dahlem\u201c) eine Gruppe Studenten als neue Mitarbeiter mit dem Ablauf des Betriebs vertraut: Menschliche Embryonen und F\u00f6ten entwickeln sich in k\u00fcnstlichen Geb\u00e4rmuttern, genannt \u201eFlaschen\u201c. Weitere Stationen der F\u00fchrung sind der Kindergarten, in dem Babys durch L\u00e4rm und Stromschl\u00e4ge konditioniert werden, B\u00fccher und Blumen zu f\u00fcrchten, ein Schlafsaal, in dem die Kinder durch \u201eSchlaflernen\u201c mit moralischen Vorstellungen indoktriniert werden, und der Garten, wo Kinder angehalten werden, sich mit sexuellen Spielen zu vergn\u00fcgen. Dort trifft die Gruppe auf Mustapha Mond (dt. Mustafa Mannesmann), den Weltaufsichtsrat f\u00fcr Westeuropa. Dieser erkl\u00e4rt den Studenten die Geschichte des Weltstaates und preist dessen Erfolge, wie etwa das Ausl\u00f6schen starker Gef\u00fchle und die sofortige Befriedigung jedes Wunsches.<\/em><\/p>\n<p><em>Lenina Crowne (dt. Lenina Braun), eine Beta und Mitarbeiterin des Zentrums, wird von ihrer Freundin Fanny (dt. Stinni) kritisiert: Lenina treffe sich zu oft und ausschlie\u00dflich mit Henry Foster (dt. Henry P\u00e4ppler), dies widerspreche der staatlich gew\u00fcnschten Promiskuit\u00e4t. Lenina gibt zu, sich von dem eigenbr\u00f6tlerischen, extrem intelligenten, aber wegen eines \u201eFabrikationsfehlers\u201c k\u00f6rperlich unterentwickelten Alpha-Mann Bernard Marx (dt. Sigmund Marx) angezogen zu f\u00fchlen. Bernard leidet unter seiner relativen Kleinw\u00fcchsigkeit und kompensiert seinen Minderwertigkeitskomplex durch nonkonformistische Ansichten und aufr\u00fchrerische Bemerkungen. Sein einziger Freund ist der gutm\u00fctige Alpha Helmholtz Watson (dt. Helmholtz Holmes-Watson), der Bernards rebellische Attit\u00fcde toleriert. In seiner Freizeit ist Bernard verpflichtet, an einer Orgy-Porgy-Gruppe teilzunehmen, die sich regelm\u00e4\u00dfig zu gemeinsamem Singen und Tanzen und anschlie\u00dfendem Gruppensex trifft, wobei sie die Droge \u201eSoma\u201c konsumieren.<\/em> (Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sch%C3%B6ne_neue_Welt\" target=\"_blank\">de.wikipedia.org<\/a>)<\/p>\n<p>1998 wurde der Stoff als <em>Geklonte Zukunft<\/em> (Originaltitel erneut Brave New World) von Dan Wigutow Productions f\u00fcr das Fernsehen nach 1980 ein weiteres Mal <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sch%C3%B6ne_neue_Welt#Film\">verfilmt<\/a>. In tragenden Rollen waren u. a. Peter Gallagher (Bernard Marx), Rya Kihlstedt (Lenina Crowne), Tim Guinee (John), Sally Kirkland (Linda), Miguel Ferrer (DHC) und Leonard Nimoy (Mustapha Mond) zu sehen. Ich habe den Film im englischen Original gesehen. Wie so oft in US-amerikanischen Verfilmungen endet diese mit einer Art Happy End (Bernard\/Sigmund und Lenina werden Eltern und fl\u00fcchten in ein so genanntes Reservat) und f\u00fchrt damit die Romanvorlage ad absurdum (<a href=\"http:\/\/thepiratebay.se\/torrent\/7549570\/Brave_New_World_%281998%29_%5Bcokekoala%5D_mp4_PROPER\" target=\"_blank\">Download des Films<\/a> im engl. Original).<\/p>\n<p>Ich habe die in Berlin und Norddeutschland spielende \u00dcbersetzung. Als Vorbemerkung schrieb der \u00dcbersetzer zur Ausgabe von 1932:<\/p>\n<p><em>\u201eDa die Handlung dieses utopischen Romans nicht an den Ort gebunden ist, erschien es dem \u00dcbersetzer ratsam, sie vom englischen auf deutschen Boden zu verpflanzen. Denn es ist ganz einerlei, ob einer seinen Somarausch in London oder in Berlin mit einer in Dahlem oder Blommsbury aufgenormten Beta erlebt. Die Wonnen, die den braven Weltstaatsb\u00fcrger P\u00e4ppler in der Dom-Diele erwarten, werden vermutlich denen, die Kollege Foster im Westminister Abbey Cabaret mit seiner Lenina genie\u00dft, zum Verwechseln \u00e4hnlich sein, und Unzufriedene, die normwidriger geistiger \u00dcberschu\u00df keinen Gefallen an ihnen finden l\u00e4sst, werden als gemeingef\u00e4hrliche Revoluzzer verbannt werden m\u00fcssen, ob sie nun Sigmund oder, nach anderem ber\u00fchmten Muster, Bernard hei\u00dfen. Einen simplen John oder Michel aber wird hier wie dort nichts anderes \u00fcbrigbleiben, als sich aufzuh\u00e4ngen.\u201c<\/em> H.E.H.<\/p>\n<p>Im Roman (entgegen der Verfilmung) endet die Geschichte mit dem Freitod von John (dt. Michel), genannt der \u201eWilde\u201c. Zuvor war er in die Verbannung geschickt worden und suchte sich zum Leben einen verlassenen Leuchtturm aus. Witzigerweise befindet sich dieser Leuchtturm in der N\u00e4he meines Wohnsitzes:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Wilde hatte sich den alten Leuchtturm auf dem H\u00fcgelr\u00fccken zwischen Schneverdingen und Amelinghausen zur Einsiedelei erw\u00e4hlt. Das Geb\u00e4ude war aus Eisenbeton und vorz\u00fcglich erhalten, fast zu komfortabel, wie der Wilde bei der ersten Besichtigung fand, fast mit zu viel Luxus ausgestattet.\u201c<\/em> (S. 210 f.)<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/schoene_neue_welt_leuchtturm.jpg\" alt=\"Verbannung von John\/Michel: Leuchtturm zwischen Schneverdingen und Amelinghausen\" title=\"Verbannung von John\/Michel: Leuchtturm zwischen Schneverdingen und Amelinghausen\" \/><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neil Postman beruft sich in seiner Kritik am Medium Fernsehen Wir am\u00fcsieren uns zu Tode auf Aldous Huxley und seinen Roman Sch\u00f6ne neue Welt und schreibt in der Einleitung zu seinem Buch: \u201eOrwell f\u00fcrchtete diejenigen, die B\u00fccher verbieten. 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