{"id":837,"date":"2007-05-08T01:30:09","date_gmt":"2007-05-07T23:30:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=837"},"modified":"2007-05-07T10:37:45","modified_gmt":"2007-05-07T08:37:45","slug":"albert-camus-der-fremde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=837","title":{"rendered":"Albert Camus: Der Fremde"},"content":{"rendered":"<p><em>Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich wei\u00df es nicht. Aus dem Altersheim bekam ich ein Telegramm: &#8222;Mutter verschieden. Beisetzung morgen. Vorz\u00fcgliche Hochachtung.&#8220; Das besagt nichts. Vielleicht war es gestern.<\/em><\/p>\n<p>Mit diesen lakonischen Worten beginnt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Camus\" target=\"_blank\">Albert Camus<\/a>&#8218; erster Roman <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Fremde\" target=\"_blank\">&#8222;Der Fremde&#8220;<\/a>, eigentlich nur eine Erz\u00e4hlung von knapp 120 Seiten, 1940 entstanden und 1942 &#8211; wie eines seiner philosophischen Hauptwerke &#8222;Der Mythos des Sisyphos &#8211; Ein Versuch \u00fcber das Absurde&#8220; &#8211; ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Das fr\u00fche Meisterwerk schildert in einer Sprache von kristallener H\u00e4rte und Klarheit die Geschichte eines jungen Franzosen, der unter der unerbittlichen Sonne Algiers bar aller Bindung ohne Liebe und Teilnahme gleichg\u00fcltig dahinlebt, bis ihn ein l\u00e4cherlicher Zufall zum M\u00f6rder macht. Im Scheitern seiner scheinbar absolut freien Existenz erf\u00e4hrt er, da\u00df Leben Miterleben hei\u00dft.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/albert_camus.jpg\" alt=\"Albert Camus\" \/><\/p>\n<p>Albert Camus war franz\u00f6sischer Philosoph und Schriftsteller, 1913 in Algerien geboren, 1957 mit dem Nobelpreis f\u00fcr Literatur ausgezeichnet und am 4. Januar 1960 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Man z\u00e4hlt ihn zu den Vertretern des Existenzialismus wie Jean-Paul Sartre, mit dem er zun\u00e4chst befreundet war, sich sp\u00e4ter aber wegen grunds\u00e4tzlicher Meinungsverschiedenheiten entzweite (f\u00fcr den Marxisten Sartre endet die Revolte im Endziel Kommunismus, bei Camus ist die Revolte &#8218;endlos&#8216;).<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Philosophie Camus&#8216; ist das Absurde des Lebens, die Sinnlosigkeit. Dem kann der Mensch nur durch die Revolte, durch ein t\u00e4gliches sich Aufb\u00e4umen, entgehen. Morgens, wenn ich aufstehe, so lebe ich trotzdem (trotz der Sinnlosigkeit) und m\u00fche mich um menschliche Solidarit\u00e4t. Wesentlich ist dabei die Gleichg\u00fcltigkeit, die Indifferenz, gegen\u00fcber dem Leben. So tue ich Gutes, nicht weil es einen Sinn macht, sondern aus v\u00f6lliger &#8218;Gleichg\u00fcltigkeit&#8216;.<\/p>\n<p>&#8222;Der Fremde&#8220; ist ein Beispiel f\u00fcr diese &#8218;Gleichg\u00fcltigkeit&#8216; dem Leben gegen\u00fcber. Er lebt scheinbar in den Tag hinein. Aber dieses Leben hat seine Ordnung und muss jeden Tag neu gelebt werden. Ein dummer Zufall l\u00e4sst ihn einen Araber t\u00f6ten. Absicht? Notwehr? Es war die Sonne!<\/p>\n<p>Den Prozess gegen ihn erlebt er ebenso indifferent. Erst in der Verk\u00fcndigung des Todesurteils gegen ihn d\u00e4mmert es ihm, wie die ganze Absurdit\u00e4t des Lebens \u00fcber ihn hereinbricht. Pl\u00f6tzlich beginnt er dagegen zu rebellieren. Er anerkennt seine Situation als unausweichlich und akzeptiert sich nun auch als ein Teil seiner Welt. Damit und in der Erwartung seiner Hinrichtung l\u00e4sst er das Absurde des Lebens hinter sich.<\/p>\n<p>siehe auch meine Beitrag. <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=324\" target=\"_blank\">Mythos Kafka &#8211; Mythos Camus<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich wei\u00df es nicht. Aus dem Altersheim bekam ich ein Telegramm: &#8222;Mutter verschieden. Beisetzung morgen. Vorz\u00fcgliche Hochachtung.&#8220; Das besagt nichts. Vielleicht war es gestern. 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