{"id":8446,"date":"2014-05-31T06:12:33","date_gmt":"2014-05-31T05:12:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=8446"},"modified":"2014-05-28T10:17:36","modified_gmt":"2014-05-28T09:17:36","slug":"heute-ruhetag-50-klabund-%e2%80%93-li-tai-pe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=8446","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (50): Klabund \u2013 Li Tai-pe"},"content":{"rendered":"<p><em>Li Tai-pe [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Li_Bai\" target=\"_blank\">Li Bai<\/a>, auch Li Po] lebte in China von 699 bis 762 nach Christi Geburt. Als ewig trunkener, ewig heiliger Wanderer wandert er durch die chinesische Welt. Kunstsinnige Herrscher beriefen den erlauchten Vagabunden an ihren Hof, und oft genug erniedrigte und erh\u00f6hte sich der Kaiser zum Sekret\u00e4r des Dichters: wenn Li Tai-pe nach einem Zechgelage ihm seine Verse im Morgengrauen in den Pinsel diktierte. Der Kaiser, der den Dichter und Menschen br\u00fcderlich liebte, machte ihn zum kaiserlichen Beamten, setzte ihm eine Rente aus und gab ihm als Zeichen seiner h\u00f6chsten Gnade ein kaiserliches Prunkgewand zum Geschenk \u2014 f\u00fcr einen Chinesen damaliger Zeit die h\u00f6chste Ehrung. Li Tai-pe schleifte das kaiserliche Gewand durch alle Gossen der Provinz und lie\u00df sich an Abenden voll Trunkenheit als Kaiser huldigen. Oder er hielt, in des Kaisers Kleidern, rebellische Ansprachen an die Trinkkumpane und das herbeigelaufene Volk. Er starb im Rausch, indem er bei einer n\u00e4chtlichen Bootfahrt aus dem Kahne fiel. Die Legende l\u00e4\u00dft ihn von einem Delphin erretten, der ihn, w\u00e4hrend in den L\u00fcften engelhafte Geister ihn betreuen, aufs Meer hinaus und in die Weite der Unsterblichkeit entf\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p><em>Sein Volk verg\u00f6tterte ihn und errichtete ihm einen Tempel; der kunstreichste der chinesischen Lyriker wurde auch der volkst\u00fcmlichste. Noch heute genie\u00dft er in China, dem klassischen Lande des Literatentums, ein Ansehen, wie es nicht einmal Goethe bei den Deutschen genie\u00dft. W\u00e4hrend eifrige Kommentatoren fortgesetzt am Werke sind, seinen Versen spitzfindige, tiefsinnige und geistreiche Erkl\u00e4rungen unterzulegen, singen junge und alte Burschen seine unsterblichen Lieder auf den Stra\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p>Nachwort zu den Nachdichtungen (geschrieben im M\u00e4rz 1915 \u2013 diese beruhen nicht auf dem chinesischen Originaltext, sondern auf \u00dcbersetzungen): <em>Du Fu<\/em> an <em>Li Tai-pe<\/em> &#8211; <em>Klabund<\/em><\/p>\n<p>Zu <em>Klabund<\/em> selbst habe ich mich schon einmal hier im Zusammenhang mit seinem kleinen Roman <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5075\" target=\"_blank\">Borgia<\/a> ge\u00e4u\u00dfert. Klabund (<em>\u201dKLAbautermann und VagaBUND\u201d<\/em>) lebte von 1890 bis 1928 und hie\u00df eigentlich Alfred Henschke. <\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><strong>Im Fr\u00fchling<\/strong><\/p>\n<p><em>Wenn Leben innerer Tr\u00e4ume Widerschein \u2013<br \/>\nWozu sich an die blasse Stirne schlagen?<br \/>\nBerauschen will ich mich an allen Tagen<br \/>\nUnd schlafe trunken vor den S\u00e4ulen ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Wimpern heb ich auf \u2013 und bin erwacht.<br \/>\nEin Vogel singt in bl\u00fchenden Geweben.<br \/>\nIch frage ihn, in welcher Zeit wir leben.<br \/>\nEr sagt: da Fr\u00fchling V\u00f6gel singen macht.<\/em><\/p>\n<p><em>Ersch\u00fcttert bin ich: wenn ich weinen geh.<br \/>\nIch gie\u00df den Becher voll. Die Lippe trinkt.<br \/>\nIch singe laut, bis Mond im Blauen blinkt.<br \/>\nVergesse Mond und Lied und<\/em> Li Tai-pe.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/gutenb\/autoren\/signatur\/klabund.gif\" alt=\"Signatur: Klabund\" title=\"Signatur: Klabund\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klabund\" target=\"_blank\"><strong>Klabund<\/strong>:<\/a> <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/2542\/1\" target=\"_blank\">Li Tai-pe<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Li Tai-pe [Li Bai, auch Li Po] lebte in China von 699 bis 762 nach Christi Geburt. Als ewig trunkener, ewig heiliger Wanderer wandert er durch die chinesische Welt. 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