{"id":849,"date":"2007-05-18T01:20:40","date_gmt":"2007-05-17T23:20:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=849"},"modified":"2007-05-18T01:20:40","modified_gmt":"2007-05-17T23:20:40","slug":"was-ist-blos-mit-ian-los-teil-62-von-anderson-befreit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=849","title":{"rendered":"Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 62: Von Anderson befreit"},"content":{"rendered":"<p><em>Hallo Wilfried,<\/em><\/p>\n<p><em>welch ein Fu\u00dfballtag geht heute zu Ende: f\u00fcr Bremen ist die Meisterschaft gelaufen, die Alemannia steigt ab und Schalke-Fan m\u00f6chte ich heute auch nicht sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Focus&#8216; \u201eHouse of the King\u201c erinnert tats\u00e4chlich ein wenig an die Musik von JT. Aber nur wegen der Fl\u00f6te. Andere Parallelen konnte ich nicht entdecken.<\/em><\/p>\n<p><em>Deine Fotomontage ist wieder sehr gelungen. Es ist eines der seltenen Bilder, dass den Meister ohne Armbanduhr zeigt. Oder hast Du sie wegretuschiert ? Jedenfalls ist mir klar geworden, dass ich Mr. Anderson unrecht getan habe: Ich wusste nicht, dass der Stoffwickel auf seinem Sch\u00e4del ein Verband ist. Jedenfalls scheint er darunter eine hartn\u00e4ckige Wunde zu haben. Der arme Kerl !<\/em><\/p>\n<p><em>Ich stelle fest, dass die Diskussion \u00fcber Literatur mindestens genau so viel Material bietet wie \u00fcber Mr. Anderson und Co. Also, ans Werk: Du schreibst, \u201eDie Entdeckung des Himmels\u201c sei ein ernsthafter Roman. Diese Ansicht kann ich nicht uneingeschr\u00e4nkt teilen. Das Buch gipfelt darin, dass ein Astronom mit dem Teleskop das Domizil von Gott, seinen Heiligen und Engeln entdeckt und die pl\u00f6tzlich Entdeckten darauf mit Panik reagieren. Das kann nicht so ernst gemeint sein. Auch die R\u00fcckf\u00fchrung der Gesetzestafeln in das Heilige Land ist in meinen Augen eine Allegorie. Ein Bild daf\u00fcr, dass der Sch\u00f6pfer die Menschen satt hat (ich kann Seinen Standpunkt ja verstehen, aber als zeitloser und allm\u00e4chtiger Gott h\u00e4tte er um das Scheitern der Menschheit wissen m\u00fcssen). Die Bewohner des Himmels werden personifiziert und in strenge Hierarchien eingeteilt. Wie in einem milit\u00e4rischen Apparat oder einer Stadtverwaltung. Auch das spricht nicht daf\u00fcr, dass der Autor gro\u00dfe Anspr\u00fcche an die Authentizit\u00e4t stellt.<\/em><\/p>\n<p><em>Mulisch stellt h\u00f6here Anspr\u00fcche an die Phantasie und den Horizont des Lesers als Irving. Beiden gemein ist, dass sie tolle Geschichten erz\u00e4hlen ! Wer mehrere B\u00fccher von Irving gelesen hat, stellt fest, dass sich einige Themen wiederholen (Wikipedia berichtet ausf\u00fchrlich dar\u00fcber): Neuengland, Wien, B\u00e4ren, \u00e4ltere Frauen,  kleingewachsene M\u00e4nner, Ringen, usw.. Ich finde diese Wiederholungen nicht st\u00f6rend; da die wiederkehrenden Themen in den einzelnen Romanen stark variiert werden, hat man als Leser nie das Gef\u00fchl, den Abklatsch eines vorangegangen Romans zu lesen. Ich habe noch nicht alle Werke von Irving gelesen. Unsere Leihb\u00fccherei hat nicht alle Werke von ihm im Programm. Jedenfalls werde ich die Leiterin der B\u00fccherei fragen, ob sie die Irving-Sammlung nicht erg\u00e4nzen kann. Es gibt drei gro\u00dfe Romane, die ich noch auf meiner Agenda habe: Garp, der Wassertrinker und die befreiten B\u00e4ren. Bisher gelesen habe ich: \u201eWitwe f\u00fcr ein Jahr\u201c, \u201eGottes Werk und Teufels Beitrag\u201c (diesen deutsche Titel finde ich grauenhaft), \u201eOwen Meany\u201c, \u201eEine Mittelgewichtsehe\u201c, \u201eDie vierte Hand\u201c, \u201eHotel New Hampshire\u201c, vom \u201eZirkuskind\u201c nur das erste Viertel und \u201eBis ich dich finde\u201c werde ich an diesem Wochenende zu Ende lesen. Wenn ich mich frage, welchen Irving-Roman ich f\u00fcr den besten halte, kann ich keine klare Antwort geben. Es ist entweder Owen Meany oder die Witwe. Gottes Werk kommt nat\u00fcrlich auch in die engere Wahl.<\/em><\/p>\n<p><em>Falls Du Interesse daran haben solltest, den Schwerpunkt unseres Gedankenaustauschs von Ian Anderson in Richtung John Irving zu verlagern, w\u00fcrde ich das sehr begr\u00fc\u00dfen. In Deinem Blog hast Du ja eine eigene Rubrik f\u00fcr diese Disziplin. Vielleicht teilst Du mir mit, welche Romane Du bisher gelesen hast (vielleicht sogar alle ?), damit wir aus dieser Schnittmenge die Basis f\u00fcr weitere Diskussionen bilden k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit im Dienste der Sch\u00f6nen K\u00fcnste.<\/em><\/p>\n<p><em>Also, schlafe wohl, Du Prinz der Heide !<\/em><\/p>\n<p><em>Lockwood<\/em><\/p>\n<p>12.05.2007<\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p><em>Hallo Lockwood,<\/em><\/p>\n<p><em>na da habe ich mit meinem <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=830\" target=\"_blank\">Irving-Beitrag<\/a> ja in ein Wespennest gestochen. Und schon umschwirren die Viecher in Form von dicken W\u00e4lzern mein holdes Haupt (meine Vorliebe f\u00fcr Stabreime ist Dir vielleicht schon einmal aufgefallen, oder?). Ich h\u00f6re da eine gewisse Anderson-M\u00fcdigkeit bei Dir heraus. Kein Wunder bei \u00fcber 60 Beitr\u00e4gen von uns beiden zu diesem Thema.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun, von John Irving habe ich im Laufe von nunmehr fast zehn Jahren einige Romane gelesen. Angefangen hat es bei mir mit \u201eGarp\u201c. Wie ich auf Irving kam, wei\u00df ich gar nicht mehr genau. Da gibt es ja einige Verfilmungen (gesehen habe ich aber nur Gottes Betrag \u2013 und auch erst, nachdem ich von Irving schon einiges gelesen hatte). Garp war wohl eine Sonderausgabe f\u00fcr damals 18 DM, und ich bin in einer Buchhandlung dar\u00fcber gestolpert. Als ich dann diesen Roman gelesen hatte, habe ich mir weitere gekauft \u2013 und bis heute (teilweise mehrmals, aber das kommt bei mir \u00f6fter vor) \u201eWitwe f\u00fcr ein Jahr\u201c, \u201eGottes Werk und Teufels Beitrag\u201c, \u201eOwen Meany\u201c und \u201eDie vierte Hand\u201c gelesen. Das war es wohl, so glaube ich.<\/em><\/p>\n<p><em>Irving ist nicht unbedingt der ganz gro\u00dfe Schriftsteller. Aber seine Geschichten haben etwas Faszinierendes. Liest man erst einmal, dann kommt man so schnell nicht wieder davon los. Der S\u00fcchtigkeitsfaktor ist sehr gro\u00df. Es sind dies die skurrilen Typen, die bei all ihren Macken doch viel Menschlichkeit ausstrahlen.<\/em><\/p>\n<p><em>Deinen Vorschlag, den Schwerpunkt unseres Gedankenaustausches in Richtung Irving zu verlagern, muss ich mir aber noch reiflich \u00fcberlegen. Literatur ja \u2013 aber Festlegung auf einen Autoren \u2013 eher nein. Vielleicht k\u00f6nnte man Irving ja als Ausgangspunkt f\u00fcr eine literarische Reise um die Welt nehmen.<\/em><\/p>\n<p><em>Irving ist f\u00fcr mich typisch amerikanisch \u2013 wenn auch in einem positiven Sinne (als Gegenst\u00fcck zu George W. Bush \u2013an der <a href=\"http:\/\/us.cnn.com\/ELECTION\/2004\/pages\/results\/electoral.college\/\" target=\"_blank\">Nord-Ost-K\u00fcste<\/a> konnte Bush ja nicht punkten). Seine Romane sind fast alle hollywood-reif (und viele wurden ja auch in Hollywood verfilmt), vielleicht etwas zu sehr filmreif.<\/em><\/p>\n<p><em>So sehr mir diese schr\u00e4gen Typen bei Irving gefallen, auf Dauer w\u00e4re es mir dann doch etwas zu viel an \u201eEigenwilligkeit\u201c. Es muss nicht todernst zugehen in einem Roman, wirklich nicht. Ich habe dieser Tage den \u201eStiller\u201c von Max Frisch gelesen und habe mich gewundert, wie modern das Buch heute noch ist. Geradezu k\u00f6stlich ist es, wie Frisch da eine Ehe beschreibt (auch wenn es hier eine K\u00fcnstlerehe zwischen einem Bildhauer und einer Ballerina ist), \u00fcber die Macken der Frauen und M\u00e4nner herzieht &#8230; so dass man sich selbst immer wieder erkennt.<\/em><\/p>\n<p><em>Und es gibt eine literarische \u201eFolklore\u201c, Autoren aus L\u00e4ndern, die wir wohl nie besuchen werden, die uns aber durch ihre Schriftsteller sehr nahe kommen k\u00f6nnen. Ich habe da u.a. eine Vorliebe f\u00fcr s\u00fcdamerikanische Literatur (Garcia Marquez\u2019 100 Jahre Einsamkeit ist wirklich lohnenswert. Oder der Peruaner Vargas Llosa).<\/em><\/p>\n<p><em>Soviel f\u00fcrs erste.<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/tull_2007_dr_bogenbroom.jpg\" alt=\"Dr. Bogenbroom mit Patienten\" \/><\/p>\n<p><em>Zu dem kleinen Bildchen mit der Neuformation von Jethro Tull: Da ich keinen Grund hatte, Herr Anderson ohne Armbanduhr darzustellen, so tr\u00e4gt er tats\u00e4chlich keine Uhr auf dem Bild. Irgendwie hat mich der wei\u00dfe Kittel (nun, es ist wohl ein wei\u00dfes Hemd) von Herrn O\u2019Hara zu den kleinen Ver\u00e4nderungen an dem Bild inspiriert. Bemerkenswert fand ich auch, wie and\u00e4chtig Martin Barre, das Fr\u00e4ulein Calhoun (die Duschhaube ist geradezu genial) und Doane Perry (die H\u00e4nde gefaltet) dastehen; wo ist nur die linke Hand von Herrn Anderson? Mir sind da noch einige Sachen in den Sinn gekommen, aber ich wollte nicht, dass das Ganze am Ende als jugendgef\u00e4hrdend eingestuft wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun denn &#8230;<\/em><br \/>\n<em>Wie soll ich wohl schlafen angesichts der Sturmflut an Kommentaren, Mails u.\u00e4. Homer Wells d\u00fcrfte besser geschlafen haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Nichts desto trotz (zum Trotz)<\/em><\/p>\n<p><em>Wilfried, der Heideprinz (und was ist mit K\u00f6nig \u2026.z.B. von Niedersachsen?!)<\/em><\/p>\n<p><em><strong>P.S.<\/strong> Das war ja heute fast anderson-frei.<\/em><\/p>\n<p>15.05.2007<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/babelfish.altavista.com\/babelfish\/trurl_pagecontent?url=https:\/\/www.willizblog.de\/?p=849&#038;lp=de%5Fen\" target=\"_blank\">English Translation for Ian Anderson<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Wilfried, welch ein Fu\u00dfballtag geht heute zu Ende: f\u00fcr Bremen ist die Meisterschaft gelaufen, die Alemannia steigt ab und Schalke-Fan m\u00f6chte ich heute auch nicht sein. Focus&#8216; \u201eHouse of the King\u201c erinnert tats\u00e4chlich ein wenig an die Musik von JT. Aber nur wegen der Fl\u00f6te. Andere Parallelen konnte ich nicht entdecken. 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