{"id":8582,"date":"2014-07-04T06:35:37","date_gmt":"2014-07-04T05:35:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=8582"},"modified":"2014-07-03T08:40:17","modified_gmt":"2014-07-03T07:40:17","slug":"heute-ruhetag-51-helmut-wordemann-der-ermordete-fusball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=8582","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (51): Helmut W\u00f6rdemann &#8211; Der ermordete Fu\u00dfball"},"content":{"rendered":"<p>Nun heute und morgen finden bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_2014\" target=\"_blank\">Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft in Brasilien<\/a> die <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=8579\" target=\"_blank\">vier Spiele des Viertelfinals<\/a> statt, also von Ruhetag kann nicht die Rede sein. Trotzdem oder gerade deshalb m\u00f6chte ich hier eine kleine Fabel von einem gewissen Herrn Helmut W\u00f6rdemann zum Besten geben, die sich um jenes Sportger\u00e4t dreht, um das in diesen Tagen soviel Aufsehens gemacht wird. Dass dieser Fu\u00dfball hier von einem rostigen Nagel gemeuchelt wird, geschieht ihm ganz recht.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/wm2014_fussball_am_strand.jpg\" alt=\"Fu\u00dfball am Strand (Copacabana)\" title=\"Fu\u00dfball am Strand (Copacabana)\" \/><\/p>\n<p>Diese kleine Fabel mag also zur Entspannung nach spannenden Spielen dienen. Viel Spa\u00df beim Lesen! Zum Thema <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?q=fu%C3%9Fball+in+der+literatur\" target=\"_blank\">Fu\u00dfball und Literatur<\/a> vielleicht an einem der n\u00e4chsten Tagen noch etwas mehr &#8230;<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/5259\/299\" target=\"_blank\"><strong>Der ermordete Fu\u00dfball<\/strong><\/a><\/p>\n<p><em>Es war einmal ein Fu\u00dfball, der war rundum gl\u00fccklich, wenn er auf&#8217;s Feld geworfen und von 22 Spielern hin und her getreten wurde. Er stieg und fiel, tanzte \u00fcber den Rasen, rutschte quietschend von einem Fu\u00df zum anderen, gab sich selbst einen jauchzenden Drall, wenn er seinen Flug stabilisieren wollte. Kurzum, er nutzte seine Kugelform aus, um auf der Erde und in der Luft umherzutollen und sich auszutoben.<\/em><\/p>\n<p><em>Dass er von den mehr oder weniger geschickten Tritten und gelegentlichen Handw\u00fcrfen der Spieler abh\u00e4ngig war, st\u00f6rte ihn nicht im geringsten.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbIch habe doch keinen Antriebsmotor im Leib,\u00ab erkl\u00e4rte er keuchend, wenn sich jemand \u00fcber seinen blinden Gehorsam wunderte, \u00bbich bin doch auf die Kraft anderer angewiesen. Wenn ich nicht tue, was sie wollen, bleibe ich im Schrank liegen oder komme auf den M\u00fcll. Neinnein, das ist schon in Ordnung so.\u00ab Mit keck zur Seite rollenden Augen f\u00fcgte er manchmal hinzu:\u00bbUnd wenn ich ausbrechen will, finde ich schon einen Dreh und fliege kurz oder lang ins Aus. Aber das lohnt sich kaum, da ich ja ununterbrochen gebraucht werde. Tjaaa, es gibt viele Fu\u00dfb\u00e4lle, aber in einem Spiel wird immer nur einer geduldet.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>In diesen wunderbaren Ball, der Himmel und Erde zu beherrschen schien, verliebte sich ein kl\u00e4glicher Nagel, ein Nichtsnutz, der sich halb aus seinem Arbeitsplatz im Torbalken gel\u00f6st hatte, um den Spielen zusehen zu k\u00f6nnen. Daf\u00fcr nahm er gerne in Kauf, dass er in der wechselhaften Witterung schnell zu rosten begann. Ja, nachdem er sich in den Fu\u00dfball verliebt hatte, war er sogar froh dar\u00fcber, denn der Ball war ja auch dauernd dreckig.<\/em><\/p>\n<p><em>Bei jedem Spiel starrte der Nagel erwartungsvoll auf die Torj\u00e4ger.Er hoffte aber nicht etwa, dass ein Tor fiel. Er lauerte vielmehr auf die Fehlsch\u00fcsse, auf einen ganz bestimmten Fehlschuss, auf den f\u00fcr ihn einzig interessanten Schuss, auf den Schuss, der ihm den Ball zuspielte.<\/em><\/p>\n<p><em>Eines Tages, nach unendlich langer Wartezeit, geschah dann das Wunder seines kr\u00e4nkelnden Lebens: Der Ball traf ihn mit voller Wucht. Und er durchbohrte ihn mit der ganzen Leidenschaft seiner Liebe.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbDer ist hin,\u00ab sagte der Linienrichter zu einem Jungen, \u00bbhol&#8216; einen neuen Ball. Und bring&#8216; auch gleich den Platzwart mit, der soll den Nagel entfernen!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbWarum hast du das getan?\u00ab fragte Bl\u00e4schen murmelnd der Fu\u00dfball, als er im Abfalleimer neben dem Nagel lag.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbIch liebte dich,\u00ab stammelte der Nagel, \u00bbich konnte ja nicht wissen, dass du so empfindlich bist. Um ehrlich zu sein, so zusammengeknautscht gef\u00e4llst du mir gar nicht mehr. Ich hab&#8216; mich in dir get\u00e4uscht. Du bist ein Windbeutel, sonst gar nichts.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Der Fu\u00dfball st\u00f6hnte tief und weh auf und hauchte sterbend seine letzten Worte:<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbWer nicht mit mir umgehen kann, wie soll der mich verstehen? Wenn doch solche Gesch\u00f6pfe ihre dummdreiste Nase nicht in anderer Leute Angelegenheiten steckten. W\u00e4re er doch geblieben, wo er hingeh\u00f6rte! Der Kerl h\u00e4tte sich in seinen Balken verlieben sollen, das w\u00e4re eine dauerhafte und gl\u00fcckliche Ehe gewesen. Ach, ich habe mich immer gerne mit F\u00fc\u00dfen treten lassen, warum muss so ein kleiner Nagel mich kaputtmachen? Was f\u00fcr ein Leben! Was f\u00fcr ein Tod!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/autor\/773\" target=\"_blank\"><strong>Helmut W\u00f6rdemann<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/5259\/1\" target=\"_blank\">100 Fabeln<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun heute und morgen finden bei der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft in Brasilien die vier Spiele des Viertelfinals statt, also von Ruhetag kann nicht die Rede sein. 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