{"id":877,"date":"2007-06-14T13:04:31","date_gmt":"2007-06-14T11:04:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=877"},"modified":"2007-06-14T13:04:31","modified_gmt":"2007-06-14T11:04:31","slug":"was-ist-blos-mit-ian-los-teil-72-favourite-guitarists-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=877","title":{"rendered":"Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 72: Favourite Guitarists (1)"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Kretakatze, lieber Wilfried,<\/p>\n<p>Wilfrieds Zeitdokumente von Black Out sind gute Beispiele daf\u00fcr, dass auch mit geringem technischem Aufwand gute Musikaufnahmen m\u00f6glich sind. Mich w\u00fcrde interessieren, wie es zum Ende der Gruppe gekommen ist. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht jedem der beteiligten Musiker leicht gefallen ist.<\/p>\n<p>Wilfried, wirst Du die aktuelle intensive Besch\u00e4ftigung mit John Fogerty zum Anlass nehmen, Dir sein Konzert in Hamburg anzusehen ? Ich denke, die Gefahr, dass sich seine Fans immer noch aus 7j\u00e4hrigen rekrutieren, ist eher gering. Eine pers\u00f6nliche Inaugenscheinnahme einer unserer Zielpersonen k\u00f6nnte unsere Diskussion gewiss zus\u00e4tzlich beleben. Allerdings muss ich zugeben, dass ich pers\u00f6nlich kein gro\u00dfer Freund von Open-Air-Konzerten bin, wegen Akustik und Stimmung, you know. <\/p>\n<p>Ich bin Dir sehr dankbar f\u00fcr Deine Frage nach den Lieblingsgitarristen. Eine wirklich gute Idee und ein sehr sch\u00f6nes Thema. Nat\u00fcrlich sch\u00e4tzen wir alle die Saitenk\u00fcnste des Martin Lancelot Barre. Seine Verdienste um die musikalische Qualit\u00e4t von Jethro Tull kann man nicht \u00fcberbewerten. Er ist allerdings nicht mein Lieblingsgitarrist. Das hat \u00fcberhaupt nichts mit seinen F\u00e4higkeiten an der Rockgitarre zu tun, sondern einzig und allein damit, dass Jethro Tull f\u00fcr mich eine Folk-Rock &#8211; Band ist, mit der Betonung auf Folk. Mit anderen Worten: Mir gefallen der Gesang (der weiteren Vergangenheit) des Mr. Anderson und die akustischen Saiteninstrumente besser als die Aspekte der Rockmusik, die Mr. Barre in das Spektrum der Gruppe einbringt. <\/p>\n<p>Mein favourite Guitarist ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brian_May\" target=\"_blank\">Brian May<\/a> von Queen. Er und seine Red Special. Die beiden geh\u00f6ren zusammen wie John Wayne und die Winchester. Trotz meines wenig musikalischen Geh\u00f6rs w\u00fcrde ich die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Red_Special\" target=\"_blank\">Red Special<\/a> unter hundert anderen Gitarren heraush\u00f6ren. Das wohl popul\u00e4rste Zeugnis seiner Kunst legte Mr. May mit dem Solo in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-m69BrvJNfg\" target=\"_blank\">Live-Version von Brighton Rock<\/a> ab: Durch eine spezielle Spieltechnik (Echo- und Delay-Effekte) ist er in der Lage, mit sich selbst mehrstimmig zu spielen (der Mehrstimmen-Effekt beginnt etwa bei Minute 2:20, aber es lohnt sich, das ganze Video anzusehen). Diese Live-Version h\u00f6rte ich erstmals auf dem Album Live Killers Ende der 70er Jahr. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von dem Echo-Effekt. Ich wusste nur, dass dort mehr als eine Gitarre zu h\u00f6ren ist. Damals dachte ich, dass sich ein anderes Bandmitglied mit einer Gitarre bewaffnet hat um Mr. May zu unterst\u00fctzen. Aber, meine lieben Freunde, ein Mr. May hat keine Unterst\u00fctzung n\u00f6tig.<\/p>\n<p>(Wem das Brighton-Rock  &#8211; Solo gefallen hat, mag zus\u00e4tzlich auf eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Hs87GuoOvYo&#038;NR=1\" target=\"_blank\">kleine Gitarrenschule<\/a> von Mr. May klicken.)<\/p>\n<p>Neben dem einzigartigen Klang seines Instruments und seinem virtuosen Spiel ist es einfach seine sympathische Erscheinung, die ich an ihm sch\u00e4tze. \u00c4hnlich wie Mr. Barre blieb Mr. May als graue Eminenz bescheiden im Hintergrund. Er hat auch sch\u00f6ne H\u00e4nde, der Lange. F\u00fcr mich war er mindestens ebenso entscheidend f\u00fcr den Queen-Sound und den Erfolg der Gruppe wie Mr. Mercury seligen Gedenkens. <\/p>\n<p>Jimmy Page von Led Zeppelin z\u00e4hle ich ebenfalls zu den ganz gro\u00dfen. Obwohl: Seine Auftritte gefallen mir nicht immer. Ich habe irgendwann einmal einen Auftritt der Gruppe gesehen, bei dem er eine 3-st\u00f6ckige Gitarre umgeschnallt hatte. Mehr Instrument als Page. Man konnte nur noch vermuten, wer sich hinter diesem Instrument befand. Das ist in meinen Augen reine Protzerei. Dessen ungeachtet steht das Led Zeppelin &#8211; Album \u201ePhysical Grafitti\u201c weit oben auf meiner pers\u00f6nlichen Bestenliste.<\/p>\n<p>(Das w\u00e4re vielleicht auch ein interessantes Thema: Die Lieblings-Alben unserer Dreier-Runde, getrennt nach JT und dem Rest der Welt).<\/p>\n<p>Beim Schreiben dieser Zeilen wird mir klar, dass ich die Leistung eines Gitarristen nicht objektiv beurteilen kann. F\u00fcr mich ist entscheidend, ob das, was er spielt, mir gef\u00e4llt. Ein Beispiel: M\u00f6glicherweise ist Ricky King der beste Gitarrist aller Zeiten, aber von mir wird er niemals auch nur einen einzigen Punkt bekommen. <\/p>\n<p>An Wilfried: Als ich vom Evangelischen Kirchentag in K\u00f6ln h\u00f6rte, habe ich tats\u00e4chlich daran gedacht, ob Familie Albin sich daran beteiligen wird. Diese Frage ist nun beantwortet. Leider scheinen die Kirchentage ganz sch\u00f6n ins Wasser zu fallen; das ganze Rheinland liegt seit Tagen unter einer Gewitterfront. <\/p>\n<p>Ich teile den Eindruck von Kretakatze, dass Mr. Anderson in seinen Texten fast nie politisch geworden ist. Er hat einige gesellschaftskritische Texte geschrieben (Thick As A Brick, Aqualung, Cross Eyed Mary&#8230;), aber zu Innen- oder Au\u00dfenpolitik hat er sich so gut wie nie ge\u00e4u\u00dfert. Ungew\u00f6hnlich f\u00fcr einen Intellektuellen. <\/p>\n<p>Dass er sich, seine Musik, Texte und sein Publikum f\u00fcr etwas Besonderes h\u00e4lt, versucht er erst gar nicht zu kaschieren. Ich denke da an ein Interview mit ihm, in dem er sinngem\u00e4\u00df sagt: &#8222;Ich erwarte nicht, dass jeder K\u00fcnstler solche Texte schreibt wie ich. Es muss auch Texte f\u00fcr Fu\u00dfballfans geben.&#8220; Das klingt nicht blo\u00df latent arrogant. Ein wenig egozentrisch ist er schon, unser Mr. Anderson. In diesem Zusammenhang: Deine Einsch\u00e4tzung, liebe Kretakatze, dass Jethro Tull de facto ein Solo-Unternehmen ist, teile ich uneingeschr\u00e4nkt. Die Bezeichnung Jethro Tull f\u00fcr seine h\u00e4ufig wechselnde Ansammlungen von Studiomusikern halte ich f\u00fcr den reinsten Etikettenschwindel. Das bringt mich wieder auf den guten Mr. Barre. Welche Rolle spielt er wirklich im Andersonschen Musiktheater ? Ist er ein Freund, den man nicht im Regen stehen lassen will ? Oder ist er eine musikalische S\u00e4ule, ohne die das Potenkimsche Gebilde namens Jethro Tull zusammenbrechen w\u00fcrde ? Ich w\u00fc\u00dfte dazu gerne die Meinung des Mr. Barre. Mr. Anderson&#8217;s Meinung dazu interessiert mich nicht; dem kann man sowieso nichts glauben. <\/p>\n<p>Liebe Kretakatze, die von Dir vorgestellten CCR-Songs \u201eHideaway\u201c und \u201eFortunate Son\u201c wirken sehr ernst, traurig, melancholisch. Wenn man diese beiden Lieder h\u00f6rt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass sehr viele Kinder zu den CCR-Fans z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Den von Dir getippten Text von JT habe ich nicht erkannt. Ich musste nachschlagen. Der Text ist aus dem Lied \u201eSilver River Turning\u201c aus dem Album \u201eNightcap\u201c. \u201eNightcap\u201c geh\u00f6rt zu den sp\u00e4ten Alben der Gruppe, die ich mir schon gar nicht mehr gekauft habe. Zu viele Metamorphosen sind im vorausgegangen.<\/p>\n<p>Ich erlaube mir, dass o.g. Antikriegslied von CCR als Br\u00fccke zu missbrauchen, um auf zwei weitere Antikriegslieder aus dem britischen Umfeld aufmerksam zu machen. Es sind Lieder des zeitgen\u00f6ssischen schottischen Liedermachers Eric Bogle, die oft von K\u00fcnstlern aus dem irisch-schottischen Dunstkreis interpretiert werden. Beide Lieder haben die Schrecken des Ersten Weltkriegs zum Inhalt: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZrQnnZJ68Xo\" target=\"_blank\">The Green Fields of France<\/a> behandelt den jungen Gefreiten Willi McBride, der in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben Frankreichs ums Leben kam. Durch dieses Lied ist Willi McBride wohl der bekannteste Gefallene des Ersten Weltkriegs geworden. Das Lied geh\u00f6rte zum Repertoire unserer lokalen Irish-Folk &#8211; Gruppe und ich kann Euch versichern, dass ich dabei jedesmal eine G\u00e4nsehaut bekam. Der S\u00e4nger konnte den Eindruck vermitteln, er habe selbst an der Somme im Sch\u00fctzengraben gelegen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GPFjToKuZQM\" target=\"_blank\">The Band played Waltzing Mathilda<\/a>, hier in einer Version von den Pogues, handelt von der furchtbaren Schlacht um Gallipoli. Und Wilfried hat Recht; dieses Lied ist auch von Tom Waits interpretiert worden. Anmerkung des Autors: Ich verstehe nicht, warum das th in Mathilda nicht wie das englische ti-\u00e4dsch ausgesprochen respektive gesungen wird.<\/p>\n<p>Meine Lieben, ich w\u00fcnsche Euch einen sch\u00f6nen Sonntag und einen sanften Einstieg in die neue Woche !<\/p>\n<p>Wenn ich mich recht erinnere, steht Kretakatze kurz vor ihrem verdienten Urlaub, oder ?<br \/>\nBis bald<br \/>\nLockwood<\/p>\n<p>09.06.2007<\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p><em>Hallo Wilfried, Hallo Lockwood,<\/em><\/p>\n<p><em>ich f\u00fcrchte mit meiner Bemerkung zu Kate Bush habe ich etwas \u00fcberzogene Erwartungen geweckt. Tats\u00e4chlich war ich nat\u00fcrlich auch Anno 1978 von ihrem Titel Wuthering Heights begeistert. Nun ist sie auch ungef\u00e4hr so alt wie ich, h\u00f6chstens ein paar Monate \u00e4lter, und es war damals etwas Neues f\u00fcr mich, dass jemand im gleichen Alter in den Charts war. Ich habe auch ein paar Fernsehauftritte von ihr gesehen und fand ihre Darbietung ziemlich stark &#8211; da sie halt nicht nur einfach dasteht und singt, sondern ihre Lieder praktisch darstellt. Ihre Stimme fand ich anfangs ziemlich gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig &#8211; sie klingt doch etwas kindlich-qu\u00e4kend &#8211; aber bei einem Titel wie Wuthering Heights kann einen das auf Dauer nicht st\u00f6ren. Das ist der Urschrei des Verlangens, und den kann ich auch f\u00fcnfmal hintereinander h\u00f6ren, ohne dass es mir langweilig wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Das war es dann aber auch schon mit Kate Bush und mir f\u00fcr die n\u00e4chsten knapp 30 Jahre. Anfang diesen Jahres kam ich zu dem Schluss, dass ich mir ein paar Lieder aus dem Internet herunterladen sollte von Musikern, von denen ich vielleicht ein oder zwei St\u00fccke gut finde, so dass sich die Anschaffung einer ganzen CD nicht lohnt. Kate Bush und ihr Wuthering Heights standen ganz oben auf meiner Liste. Dann hatte ich da noch so vage in Erinnerung, dass es in den 70ern noch ein anderes St\u00fcck von Kate Bush gegeben hatte, das mir gefallen hatte, ich konnte mich nur weder an Melodie noch Titel erinnern. Schlie\u00dflich habe ich meinen Sohn gefragt, ob er eine Idee h\u00e4tte wo man im Internet nach so etwas suchen k\u00f6nnte, und er hat mir YouTube empfohlen. Das war der Anfang vom Ende meines Nachtschlafs. Den gesuchten Song von Kate Bush habe ich allerdings nicht gefunden, wahrscheinlich habe ich mir den nur eingebildet.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun finde ich Kate Bush&#8217;s Musik durchaus sehr anh\u00f6rbar, ich habe aber keinen anderen Titel gefunden, bei dem mich die Melodie irgendwie angesprochen h\u00e4tte, und ich habe auf der Suche nach dem &#8222;verlorenen Lied&#8220; wirklich so ziemlich alles durchgeklickt. Aber ich habe vollstes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn sie Dich , lieber Lockwood, mehr anmacht als &#8211; sagen wir mal John Fogerty (nein, das sollte nur ein Scherz sein&#8230;). Dass ein geschlechtsloser Au\u00dferirdischer mit dem von Dir verlinkten Video viel anfangen k\u00f6nnte, wage ich allerdings zu bezweifeln. Ich f\u00fcrchte man muss ein Geschlecht haben, um dieses Video zu verstehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine Bemerkung vielleicht noch zu &#8222;Room For The Life&#8220;: Mich erinnert Kate Bush&#8217;s Gesang in diesem Lied an Vogelgezwitscher. Nett anzuh\u00f6ren, aber f\u00fcr mich ohne greifbare Melodie. Allerdings finde ich, es passt recht h\u00fcbsch zu einem zwitschernden V\u00f6gelchen, wie sie sich da in ihrem Nest r\u00e4kelt&#8230; Ich glaube den geschlechtslosen Au\u00dferirdischen hast Du gerade gefunden.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch Deine Videos zu den Pogues habe ich angeschaut, aber ich f\u00fcrchte, das ist nicht meine Welt. Mir erschienen sie beide d\u00fcster und trist, was aber auch an den Bildern liegen k\u00f6nnte. Deshalb habe ich noch ein paar weitere Videos angeklickt, aber mit denen bin ich auch nicht viel gl\u00fccklicher geworden. Irgendwie scheinen alle diese Lieder denselben &#8222;Hauruck&#8220;-Rhythmus zu haben, den ich als eint\u00f6nig, schwerf\u00e4llig und zu simpel empfinde. Er erinnert mich stark an deutsche Volksmusik.  Und die Texte, soweit ich etwas verstehen konnte, sprechen mich auch nicht gerade an. Eigentlich hatte ich mir die irische Volksmusik etwas &#8222;filigraner&#8220; und beschwingter vorgestellt. Sorry, aber ich f\u00fcrchte, mit dieser Musik kann ich nichts anfangen.<\/em><\/p>\n<p><em>Themawechsel! Diese Mail habe ich mit entt\u00e4uschten Erwartungen begonnen, und ich denke das ist ein interessantes Thema. Wir alle leben in dem Korsett der Erwartungen, die unsere Umwelt an uns hat, oder von denen wir denken, dass unsere Umwelt sie an uns hat. Eigentlich tun wir st\u00e4ndig nichts anderes, als uns Gedanken dar\u00fcber zu machen, was unsere Mitmenschen von uns erwarten, und uns zu bem\u00fchen diese Erwartungen zu erf\u00fcllen &#8211; oft auch v\u00f6llig unbewu\u00dft. Man m\u00f6chte niemanden entt\u00e4uschen. Ich denke das gilt in noch viel h\u00f6herem Ma\u00dfe f\u00fcr K\u00fcnstler, die davon leben, dass sie Erwartungen erf\u00fcllen oder gar \u00fcbertreffen. Was erwarte ich also z.B. von unseren Hauptakteuren Anderson und Fogerty?<\/em><\/p>\n<p><em>Von Mr. Fogerty um 1970 erwarte ich zun\u00e4chst einmal, dass sein Hemd kariert ist. Das klingt wie ein Witz, ist aber keiner. Zu Fogerty&#8217;s Erscheinungsbild geh\u00f6rt einfach, dass er kariert aussieht, und wenn er nicht kariert ist, dann bin ich entt\u00e4uscht. Es gibt 2 oder 3 Videos, in denen die Karos auf seinem Hemd so kontrastarm sind, dass es aus einiger Entfernung wie einfarbig aussieht. Das sticht mir sofort ins Auge. Ich bin verwirrt und irritiert. Kann es sein, dass das Hemd nicht kariert ist? Ich starre aufs Hemd, kneife die Augen zusammen, ob ich dann vielleicht doch Karos erkennen kann, auf die Musik achte ich schon l\u00e4ngst nicht mehr. Dann geht die Kamera n\u00e4her ran und ich sehe &#8211; ah, da sind ja doch Karos drauf, alles in Ordnung, ich kann aufatmen und mich erleichtert zur\u00fccklehnen. Und dann erst denke ich &#8222;Spinnst Du eigentlich?&#8220;. Es ist ein interessantes psychologisches Ph\u00e4nomen, das sich sicher lohnen w\u00fcrde n\u00e4her zu ergr\u00fcnden. Zur rein optischen Gew\u00f6hnung &#8211; und der Mensch gew\u00f6hnt sich bekannterma\u00dfen nur ungern um &#8211; kommen die Zweifel an der eigenen Menschenkenntnis. Da denkt man, man kennt einen Menschen seit \u00fcber 35 Jahren, und dann muss man pl\u00f6tzlich feststellen: Er tr\u00e4gt auch unkarierte Hemden. So etwas verunsichert.<\/em><\/p>\n<p><em>Desweiteren erwarte ich, dass das, was er singt, <u>nicht<\/u> klingt wie <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oMlp4vLbWLA\" TARGET=\"_blank\">Mary Don&#8217;t You Weep<\/A>. Nach diesem Video h\u00e4tte <u>ich<\/u> fast geheult, ich habe zweimal <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6d2L5-raoIY\" TARGET=\"_blank\">Witch&#8217;s Promise<\/A> gebraucht, um die Fassung zur\u00fcckzuerlangen. Auch ich habe meine Erholungsvideos, und gegen s\u00fc\u00dflich-schmalztriefend, was ich besonders schlecht verkrafte, hilft Witch&#8217;s Promise am besten. Ansonsten habe ich eigentlich keine besonderen Erwartungen, das \u00dcbliche eben. Er sollte was singen, wenn m\u00f6glich dazu ein bi\u00dfchen Gitarre spielen, und falls er was sagt, keinen allzu gro\u00dfen Bl\u00f6dsinn reden. Das war&#8217;s dann auch schon.<\/em><\/p>\n<p><em>Sollte ich jetzt aber ein neues Video entdecken mit der \u00dcberschrift &#8222;Jethro Tull &#8211; Thick As A Brick 1972 live Part2&#8220; von TullTapes (nein, Ihr braucht jetzt nicht danach zu suchen, das gibt&#8217;s nicht, das ist nur Wunschdenken), dann w\u00fcrde ich einen Meter hoch vom Stuhl aufspringen, eine Flasche Champagner kaltstellen&#8230; nein, ich will Euch jetzt nicht mit dem ganzen Vorbereitungs-Prozedere langweilen. Vermutlich w\u00fcrde ich auch nichts von alledem tun, da ich reflexartig innerhalb von Millisekunden dieses Video anklicken w\u00fcrde, bevor mein Gehirn auch nur an Champagner denken kann. Was ich dann erwarten w\u00fcrde, w\u00e4re nicht weniger als ein Paradoxon: Ich w\u00fcrde erwarten, dass ich etwas zu sehen bekomme, das ich nicht erwarte. Etwas Sensationelles eben, das ich mir noch nicht einmal vorstellen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn man es geschafft hat, in seinen Mitmenschen eine derartige Erwartungshaltung aufzubauen, dann hat man eigentlich ausgespielt, dann sitzt man in der Falle. Solche Erwartungen kann man auf Dauer nicht erf\u00fcllen, da bleibt nur noch eins: Man schert sich einen feuchten Sch***rott um das, was von einem erwartet wird, und tut etwas ganz anderes. Am besten das genaue Gegenteil, oder einfach sonst etwas Schreckliches, F\u00fcrchterliches, Entsetzliches. Jedenfalls irgend etwas, mit dem man erreicht, dass diese unerf\u00fcllbaren Erwartungen so heftig entt\u00e4uscht werden, dass sie eines j\u00e4hen Todes sterben. Diese Strategie scheint Mr. Anderson nun schon seit einigen Jahrzehnten zu verfolgen.<\/em><\/p>\n<p><em>Bei mir hatte er damit Erfolg. Meine Erwartungen sind inzwischen auf knapp \u00fcber den absoluten Nullpunkt gesunken. Finde ich ein neues Video mit der \u00dcberschrift &#8222;Jethro Tull &#8211; Thick As A Brick 2007 live&#8220;, dann gehe ich folgenderma\u00dfen vor: Ich mache zuerst einige entspannende Atem\u00fcbungen. Dann spreche ich mir selbst Mut zu, indem ich mir sage, dass es eigentlich nichts Schlimmeres geben kann als das, was ich bereits gesehen habe, und dass ich das ja auch \u00fcberlebt habe. Schlie\u00dflich klammere ich mich am Stuhl fest und klicke das Video an. Wenn ich das Video \u00fcberstanden habe, ohne vom Stuhl gefallen zu sein, und ohne laute Entsetzensschreie von mir gegeben zu haben, dann f\u00fchle ich mich bereits positiv ber\u00fchrt. &#8222;Hm&#8220;, denke ich mir, &#8222;das war ja garnicht so schlimm, da kann ich ja auch mal ins Konzert gehen.&#8220; Wenn man bei seinen Fans eine derartige Erwartungshaltung erzeugt hat, ist das eine Basis, auf der man aufbauen kann. Von da an kann es eigentlich nur noch aufw\u00e4rts gehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Um es noch einmal kurz zusammenzufassen. Ein einfaches Konzept, wie das von Mr. Fogerty &#8211; eing\u00e4ngige Melodie, starke Stimme, kariertes Hemd &#8211; l\u00e4sst sich durchaus 40 oder mehr Jahre durchhalten, solange einem die daf\u00fcr notwendigen Melodien einfallen, die Stimme mitmacht und es karierte Hemden gibt. Dieses Gl\u00fcck war Mr. Fogerty bislang beschieden. Ein Konzept wie das von Mr. Anderson &#8211; jedes Jahr etwas neues, jedes Jahr besser und jedes Jahr sensationeller als im Jahr zuvor &#8211; l\u00e4sst sich unm\u00f6glich 40 Jahre durchhalten. Es ist erstaunlich genug, und beweist Mr. Anderson&#8217;s Genialit\u00e4t, dass es ihm etwa 10 Jahre lang gelungen ist. Allerdings erkl\u00e4rt das auch noch nicht, warum Mr. Anderson ins Gegenteil verfallen musste: Seine Fans fast j\u00e4hrlich mit neuen Fehlgriffen zu schockieren.<\/em><\/p>\n<p><em>Nachdem ich nun k\u00fcrzlich meine tiefenpsychologischen F\u00e4higkeiten an Mr. Fogerty angewandt und ihn bis auf den Grund seiner Seele durchleuchtet habe, w\u00e4re es wohl eigentlich an der Zeit, nun auch Mr. Anderson dieselbe Behandlung angedeihen zu lassen. Nur muss ich zugeben &#8211; da bin ich v\u00f6llig \u00fcberfordert. Nicht in meinen k\u00fchnsten Phantasien kann ich mir vorstellen, was in seinem Kopf vorgeht. Deshalb bin ich ja \u00fcberhaupt in diesem Weblog gelandet. Urspr\u00fcnglich war ich hier von YouTube mal hergesurft, um ein paar Videos anzuschauen. Dann habe ich diesen Link gesehen &#8222;Was ist blo\u00df mit Ian los?&#8220;. &#8222;JA!&#8220; habe ich mir gesagt, &#8222;Das ist doch genau das, was ich auch gerne w\u00fc\u00dfte. Vielleicht steht&#8217;s ja hier.&#8220; &#8211; klick. Leider, so muss ich gestehen, lieber Wilfried und lieber Lockwood, wurde ich bitter entt\u00e4uscht. Ich mu\u00dfte feststellen, dass Ihr auch nicht mehr wisst als ich, ja dass Ihr bereits mit so einfachen Fragen wie Haar- und Augenfarbe v\u00f6llig \u00fcberfordert seid. Da habe ich beschlossen, Euch ein wenig hilfreich unter die Arme zu greifen. An dem Versuch der Beantwortung der Frage &#8222;Was ist blo\u00df mit Ian los?&#8220; kann aber auch ich nur hoffnungslos scheitern.<\/em><\/p>\n<p><em>Lieber Wilfried, zu Dir, der Gruppe &#8222;Black Out&#8220; und Deinen Gesangsk\u00fcnsten bin ich jetzt noch garnicht gekommen. Aber das verdient eingehende eigene Betrachtung, und deshalb werde ich mich dar\u00fcber erst in meiner n\u00e4chsten Mail auslassen. Solange schon einmal vielen Dank, dass Du Dir die M\u00fche gemacht hast die alten Aufnahmen auszugraben und aufzubereiten. Das muss auch entsprechend gew\u00fcrdigt werden &#8211; in meiner n\u00e4chsten Mail&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Seid lieb gegr\u00fc\u00dft<br \/>\nKretakatze<\/em><\/p>\n<p><em>PS.: Und hier jetzt wie versprochen die Videos zu diesen beiden Textpassagen vom letzten Mal:<\/p>\n<p><\/em>&#8230;<br \/>\nTake me back down where cool water flows,<br \/>\nLet me remember things I love,<br \/>\nStopping at the log where catfish bite,<br \/>\nWalking along the river road at night&#8230;<br \/>\n&#8212;<br \/>\nI walked down that boulder road,<br \/>\nThrough a child&#8217;s eye saw places where I used to go.<br \/>\nWhere I crawled barefoot with a fishing pole<br \/>\nTo the rock that overlooked that steelhead hole&#8230;<br \/>\n&#8230;<em><br \/>\nDen catfish hat Mr. Fogerty im <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mHsGg_Qy5u8&#038;NR=1\" TARGET=\"_blank\">Green River<\/A> gefangen, w\u00e4hrend Mr. Anderson dem steelhead (ich nehme mal an, das ist eine Fischart) in <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=soE_3V3t7tg\" TARGET=\"_blank\">Silver River Turning<\/A> (mit komplettem Text in der Beschreibung des Videos) aufgelauert hat. Die Texte sind sich so \u00e4hnlich, aber wenn man die beiden Titel so kurz hintereinander h\u00f6rt, sticht einmal wieder der enorme Unterschied in Art und Qualit\u00e4t der Musik ins Ohr &#8211; es sind extreme Gegens\u00e4tze.<\/em><\/p>\n<p>10.06.2007<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/babelfish.altavista.com\/babelfish\/trurl_pagecontent?url=https:\/\/www.willizblog.de\/?p=877&#038;lp=de%5Fen\" target=\"_blank\">English Translation for Ian Anderson<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Kretakatze, lieber Wilfried, Wilfrieds Zeitdokumente von Black Out sind gute Beispiele daf\u00fcr, dass auch mit geringem technischem Aufwand gute Musikaufnahmen m\u00f6glich sind. Mich w\u00fcrde interessieren, wie es zum Ende der Gruppe gekommen ist. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht jedem der beteiligten Musiker leicht gefallen ist. Wilfried, wirst Du die aktuelle intensive Besch\u00e4ftigung &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=877\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Was ist blo\u00df mit Ian los? 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