{"id":9090,"date":"2015-03-08T06:14:46","date_gmt":"2015-03-08T06:14:46","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9090"},"modified":"2015-03-06T17:25:27","modified_gmt":"2015-03-06T17:25:27","slug":"heute-ruhetag-53-mendele-moicher-sforim-die-fahrten-binjamins-des-dritten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9090","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (53): Mendele Moicher Sforim &#8211; Die Fahrten Binjamins des Dritten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=martin+walser\" title=\"Martin Walser in WilliZ Blog\" target=\"_blank\">Martin Walser<\/a> hat, wie berichtet (siehe: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=9083\" title=\"Martin Walser: Shmekendike blumen\" target=\"_blank\">Martin Walser: Shmekendike blumen (Duftende Blumen)<\/a>), die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jiddische_Literatur\" title=\"Jiddische Literatur\" target=\"_blank\">jiddische Literatur<\/a> f\u00fcr sich entdeckt. Im Mittelpunkt seines als Buch erschienenen Essays steht <a href=\"http:\/\/www.yivoencyclopedia.org\/article.aspx\/Abramovitsh_Sholem_Yankev\" title=\"Sholem Yankev Abramovitsh\" target=\"_blank\">Scholem Jankew Abramowitsch<\/a> bzw. Schalom Jakob Abramowitsch (in englischer Schreibweise Sholem Yankev Abramovitsh), der unter dem Namen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mendele_Moicher_Sforim\" title=\"Mendele Moicher Sforim\" target=\"_blank\">Mendele Moicher Sforim<\/a> (Mendele Moykher Sforim, d.h. Mendele der Buchh\u00e4ndler) seine B\u00fccher ver\u00f6ffentlichte. Abramovitsh (um uns auf diese Schreibweise festzulegen) lebte von 1835 bis 1917 und gilt als einer der Begr\u00fcnder der neuen jiddischen Literatur.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/mendeledervaylik\/\" title=\"Sholem Yankev Abramovitsh\" target=\"_blank\">Abramovitsh<\/a> verfasste seine Werke zun\u00e4chst in Hebr\u00e4isch. Seine gro\u00dfen Romane und Erz\u00e4hlungen schrieb er dann aber in Jiddisch, um damit ein breites j\u00fcdisches Publikum zu erreichen. Sein Wirken und sein literarisches Werk bewegen sich zwischen gegens\u00e4tzlichen Polen: auf der einen Seite finden wir die satirische Beschreibung des Ghettojuden, auf der anderen Seite verzeihende Liebe und Engagement f\u00fcr das j\u00fcdische Volk. Einige seiner Werke sind auf Deutsch nachzulesen. <\/p>\n<p>Hier m\u00f6chte ich den  Schelmenroman <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Fahrten_Binjamins_des_Dritten\" title=\"Die Fahrten Binjamins des Dritten\" target=\"_blank\">Die Fahrten Binjamins des Dritten<\/a> in seiner deutschen \u00dcbersetzung vorstellen.<\/p>\n<p>Binjamin ist ein j\u00fcdischer Don Quijote (so auch der Untertitel der polnischen \u00dcbersetzung), der mit seinem Sancho Pansa Senderl, das Weib seine Umwelt mit allerlei phantastischen Gestalten ausschm\u00fcckt. Diese sind alten j\u00fcdischen Legenden und Volksm\u00e4rchen entnommen. Bei allem Spott \u00fcber volkst\u00fcmlichen Aberglauben und Weltfremdheit spiegelt sich in der Thematik auch eine messianische Sehnsucht nach Heimkehr zu den Quellen der Vorv\u00e4ter.<\/p>\n<p>Leider habe ich keine Transliteration des jiddischen Textes gefunden: Jiddisch ist eine aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene westgermanische, mit hebr\u00e4ischen, aram\u00e4ischen, romanischen, slawischen und weiteren Sprachelementen angereicherte Sprache. Geschrieben wird Jiddisch allerdings mit hebr\u00e4ischen Schriftzeichen, die nach gestimmten Regeln in lateinische Buchstaben umschrieben (\u201atransliteriert\u2018) und so auch f\u00fcr uns lesbar werden. Nur folgenden Ausschnitt konnte ich im Netz ausfindig machen:<\/p>\n<p><em>ikh hob, borekh hashem, azoy vi ir kukt mikh on oto, a matone fun zayn libn nomen, a keyle a kol negine, un davn musfim yomim neroim in der svive, ikh bin a moyel un a matse-redler eyner in der velt, ikh fir amol oys a shidekh, fir ikh oys; ikh hob a shtot, azoy vi ir kukt mikh on oto, in der shul. haynt halt ikh aykh, tsvishn undz zol es blaybn, a sheynkl, vos melkt zikh tsu bislekh; ikh hob a tsig, vos melkt zikh kinehore zeyer gut, un hob nit vayt fun danen a raykhn korev oto, vos lozt zikh unter a shlekhter tsayt oykh a bisl melkn. haynt khuts di ale zakhn, zog ikh aykh oto, iz got a tate un di kinder yisroel zaynen rakhmonim bney rakhmonim&#8230;.<br \/>\n<\/em><br \/>\n[<a href=\"http:\/\/yiddish.haifa.ac.il\/tmr\/tmr05\/tmr05012.txt\" title=\"Mendele moykher-sforim: Masoes binyomin hashlishi\" target=\"_blank\">Mendele moykher-sforim: Masoes binyomin hashlishi<\/a>]<\/p>\n<p>F\u00fcr den Interessierten gibt es im Netz allerdings eine <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/wanderings_benjamin_ol_librivox\" title=\"Lesung auf Hebr\u00e4isch\" target=\"_blank\">Lesung des Romans auf Hebr\u00e4isch<\/a>.<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/ul>\n<p><strong>Kapitel 1: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/die-fahrten-binjamins-des-dritten-7411\/1\" title=\"Kapitel 1: Wer Binjamin ist ...\" target=\"_blank\"><em>Wer Binjamin ist, woher er stammt und wie ihn die Reiselust \u00fcberkommen hat<\/em><\/a><\/strong><\/p>\n<p><em>Alle meine Tage \u2013 so erz\u00e4hlt uns Binjamin der Dritte selber \u2013, n\u00e4mlich bis zu meiner grossen Reise, habe ich in Tunejadowka verbracht. Dort bin ich geboren, dort bin ich erzogen worden und dort habe ich mein frommes Weib, die Frau Selde, sie soll leben, geheiratet. Das St\u00e4dtchen Tunejadowka ist ein verlorenes Nest, abseits von der Poststra\u00dfe und von der Welt derma\u00dfen abgeschnitten, da\u00df, wenn es sich einmal ereignet und einer kommt dorthin angereist, sich T\u00fcren und Fenster \u00f6ffnen, um den Ank\u00f6mmling zu bestaunen. Die Nachbarn befragen einander dann, zum Fenster hinausgebeugt: Ha, wer mag das wohl sein? Woher ist der so pl\u00f6tzlich aus heiler Haut hier aufgetaucht? Was mag so einer hier suchen? Steckt nicht irgendeine Absicht dahinter? Es kann doch nicht sein, da\u00df man einfach sich aufmacht und hierher reist! Sicherlich ist etwas dabei, das ergr\u00fcndet werden mu\u00df. Jeder will dabei seine Weisheit, seine Weltl\u00e4ufigkeit erweisen, unz\u00e4hlige aus der Tiefe des Gem\u00fcts gesch\u00f6pfte Vermutungen lassen sich vernehmen; alte Leute erz\u00e4hlen Geschichten und Fabeln von Reisenden, die in dem und dem Jahr angekommen waren, Witzbolde machen dar\u00fcber nicht eben anst\u00e4ndige Sp\u00e4\u00dfe, die M\u00e4nner streicheln ihre B\u00e4rte und l\u00e4cheln dazu, die alten Weiber weisen sie scheinbar zurecht, indem sie sie anschreien und zugleich lachen, junge Frauen entsenden einen schalkhaften Blick aus gesenkten Augen, halten die Hand vor den Mund und ersticken fast vor verstohlenem Lachen. Das Gespr\u00e4ch \u00fcber diese Angelegenheit rollt von Haus zu Haus, wie ein Schneeball, der im W\u00e4lzen immer gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer wird, bis er ins Bethaus beim Ofen anlangt, an den Ort, wo alle Unterhaltungen \u00fcber alle Dinge schlie\u00dflich landen, sowohl \u00fcber Familiengeheimnisse als auch \u00fcber Politik, Stambul betreffend, den T\u00fcrken und den \u00d6sterreicher; sowohl \u00fcber Geldgesch\u00e4fte, zum Beispiel \u00fcber Rothschilds Verm\u00f6gen im Vergleich mit dem der gro\u00dfen Gutsbesitzer und anderer Magnaten, als auch Ger\u00fcchte \u00fcber Verfolgungen, etwa \u00fcber die sagenhaften \u00bbRoten Juden\u00ab und dergleichen. Das alles wird der Reihe nach von einem besondern Komitee ehrw\u00fcrdiger, ernsthafter M\u00e4nner durchgenommen, die den ganzen Tag bis sp\u00e4t in die Nacht sich dort aufhalten, die Weib und Kinder dar\u00fcber preisgeben und mit allen diesen Gesch\u00e4ften sich treulich befassen, der Sache ganz um ihrer selbst willen hingegeben, ohne f\u00fcr ihre M\u00fche und Plage auch nur einen zerbrochenen Heller zu empfangen. Von diesem Komitee gelangen die Angelegenheiten oft ins Dampfbad und auf die oberste Bank und werden dort in einem Plenum st\u00e4dtischer Hausv\u00e4ter endg\u00fcltig entschieden; damit ist alles festgelegt und besiegelt, so da\u00df hinterher alle K\u00f6nige des Morgen- und des Abendlandes sich auf den Kopf stellen k\u00f6nnten, sie w\u00fcrden nichts mehr dagegen ausrichten. Der T\u00fcrke ist mehr als einmal schon in einem solchen Plenum auf der obersten Bank fast ins Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt worden, und wer wei\u00df, was aus ihm geworden w\u00e4re, wenn nicht einige aufrechte Hausv\u00e4ter ihm zu Hilfe geeilt w\u00e4ren. Auch Rothschild, der \u00c4rmste, hat dort einmal fast zehn bis f\u00fcnfzehn Millionen verloren, daf\u00fcr hat ihm einige Wochen darauf Gott geholfen: man war da oben in bester Stimmung, die Birkenbesen wurden geschwungen und unter ihrem wohlt\u00e4tigen Einflu\u00df gew\u00e4hrte man Rothschild einen Profit von ungef\u00e4hr hundertf\u00fcnfzig Millionen Rubel.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Bewohner von Tunejadowka sind zwar fast alle, nicht euch gesagt, gro\u00dfe Habenichtse und arme Schlucker, aber man mu\u00df gestehen, da\u00df sie lustige Habenichtse, fr\u00f6hliche Bettler sind, von begeistertem Gottvertrauen erf\u00fcllt. Fragte man einen Bewohner von Tunejadowka etwa, von welchem Einkommen und wie er sich ern\u00e4hrt, so w\u00fcrde er zuerst verwirrt dastehen und keine Antwort darauf wissen. Bald aber wird er zu sich kommen und in aller Unschuld erwidern: \u00bbIch, so arm ich auch lebe, ich, ach es gibt einen Gott, sag ich Euch, der seine Gesch\u00f6pfe nicht verl\u00e4\u00dft, er schickt einem zu und wird gewi\u00df auch weiter zuschicken, sag ich Euch!\u00ab \u2013 \u00bbDennoch, was treibt Ihr? Habt Ihr ein Handwerk oder sonst einen Beruf?\u00ab \u2013 \u00bbGelobt sei Gott, ich hab, Er sei gepriesen, so wie Ihr mich da seht, eine Gabe von Seinem lieben Namen, ein k\u00f6stliches Instrument, eine Singstimme und bete an den hohen Feiertagen \u203aMussaf\u2039; in der Umgebung. Ich bin auch ein Beschneider und ein Mazzot-R\u00e4dler, wie es kaum noch einen gibt. Manchmal bringe ich auch eine Heiratspartie zustande. So wie Ihr mich da seht, habe ich einen angestammten Sitz in der Schul, au\u00dferdem unterhalte ich, unter uns, einen kleinen Ausschank, der etwas abwirft. Ich besitze eine Ziege \u2013 m\u00f6ge sie der b\u00f6se Blick verschonen \u2013, die reichlich Milch gibt, und nicht weit von hier wohnt mir ein reicher Verwandter, der in schlimmen Zeiten sich auch etwas melken l\u00e4\u00dft. Jetzt, abgesehen von alledem, sage ich Euch, ist ja Gott ein Vater und seine Kinder Israel sind barmherzige Kinder von Barmherzigen. Ihr seht ja \u2013 man darf sich nicht vers\u00fcndigen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/e\/ea\/Mocher-sforim.jpg\" alt=\"Mendele Moicher Sforim aka Sholem Yankev Abramovitsh\" title=\"Mendele Moicher Sforim aka Sholem Yankev Abramovitsh\" \/><\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/autor\/mendele-moicher-sforim-1291\" title=\"Mendele Moicher Sforim\" target=\"_blank\"><strong>Mendele Moicher Sforim<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/die-fahrten-binjamins-des-dritten-7411\/1\" title=\"Die Fahrten Binjamins des Dritten\" target=\"_blank\">Die Fahrten Binjamins des Dritten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Walser hat, wie berichtet (siehe: Martin Walser: Shmekendike blumen (Duftende Blumen)), die jiddische Literatur f\u00fcr sich entdeckt. Im Mittelpunkt seines als Buch erschienenen Essays steht Scholem Jankew Abramowitsch bzw. 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