{"id":9135,"date":"2015-04-24T04:15:55","date_gmt":"2015-04-24T04:15:55","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9135"},"modified":"2015-04-23T04:31:49","modified_gmt":"2015-04-23T04:31:49","slug":"9135","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9135","title":{"rendered":"Leo Rosten: Jiddisch &#8211; eine kleine Enzyklop\u00e4die"},"content":{"rendered":"<p>Mit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jiddisch\" title=\"Jiddisch\" target=\"_blank\">jiddische Sprache<\/a> habe ich mich <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?s=jiddisch\" title=\"Jiddisch in WilliZ Blog\" target=\"_blank\">hier in meinem Blog<\/a> schon \u00f6fter befasst. Es ist nach allgemeiner Meinung eine aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene westgermanische, mit hebr\u00e4ischen, aram\u00e4ischen, romanischen, slawischen und weiteren Sprachelementen angereicherte Sprache, die von den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aschkenasim\" title=\"Aschkenasim\" target=\"_blank\">aschkenasischen Juden<\/a> (die Juden in Mittel-, Nord- und Osteuropa und ihre Nachfahren, z.B. die in die USA ausgewandert sind) gesprochen und geschrieben wurde und noch wird. Geschrieben wird diese Sprache <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jiddisch#Schrift\" title=\"Jiddisch in hebr\u00e4ischer Schrift\" target=\"_blank\">mit hebr\u00e4ischen Buchstaben<\/a>, f\u00fcr die es allerdings unterschiedliche Transliterationen in lateinische Buchstaben gibt.<\/p>\n<p>Von dem \u00e4lteren meiner beiden S\u00f6hne habe ich mir jetzt ein lexikarisches Werk ausgeliehen und gelesen, das von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Leo_Rosten\" title=\"Leo Rosten (engl. Wikipedia)\" target=\"_blank\">Leo Rosten<\/a> verfasst, inzwischen erg\u00e4nzt und kongenial ins Deutsche von <a href=\"http:\/\/www.dtv.de\/autoren\/lutz-w_wolff_898.html\" title=\"Lutz-W. Wolff (\u00dcbersetzer)\" target=\"_blank\">Lutz-W. Wolff<\/a> \u00fcbersetzt und bearbeitet wurde: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423209380\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423209380&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkId=TAKHFU2FFOFLOWPU\" target=\"_blank\">Jiddisch: Eine kleine Enzyklop\u00e4die<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3423209380\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>.<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/www.dtv.de\/_cover\/165\/jiddisch-9783423209380.jpg\" alt=\"Leo Rosten: Jiddisch - eine kleine Enzyklop\u00e4die\" title=\"Leo Rosten: Jiddisch - eine kleine Enzyklop\u00e4die\" \/><\/ul>\n<p><em>Was<\/em> chuzpe, koscher <em>und<\/em> meschugge <em>hei\u00dft, wissen Sie sicher. Einen<\/em> bagel, gefilte fisch <em>oder<\/em> lox <em>haben Sie vielleicht auch schon gegessen. Aber wissen Sie, was das alles mit der Tora, dem Talmud und dem j\u00fcdischen Glauben zu tun hat? Jiddisch ist diejenige europ\u00e4ische Sprache, die dem Deutschen am n\u00e4chsten steht. Wenn es heute im amerikanischen Slang hunderte von deutsch\/jiddischen Lehnw\u00f6rtern gibt, dann verdanken wir das nicht zuletzt den j\u00fcdischen Auswanderern, die ihre aus dem Mittelhochdeutschen stammende Sprache nach Amerika importiert haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Leo Rosten hat Ende der sechziger Jahre ein vergn\u00fcgliches Hausbuch geschaffen, das jiddische W\u00f6rter, j\u00fcdische Geschichte, Folklore und Witze mit einer zwanglosen Einf\u00fchrung in die Grundelemente des Judaismus verbindet und uns so mit einer Welt vertraut macht, die uns fast verloren gegangen w\u00e4re. F\u00fcr die vorliegende deutsche Ausgabe wurde das Buch mit vielen Stichworten angereichert, die uns aus der deutschen Alltagssprache vertraut sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Leo Rosten wurde 1908 in Lodz geboren. Aufgewachsen ist er in einem Arbeiterviertel Chicagos. Seine \u203aHyman Kaplan\u2039-Romane beruhen auf Personen aus dieser Umgebung. Sein Humor, der mit <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7559\" title=\"Scholem Alejchem\" target=\"_blank\">Scholem Alejchem<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5809\" title=\"Mark Twain\" target=\"_blank\">Mark Twain<\/a> verglichen wird, machte ihn bald popul\u00e4r, aber keines seiner B\u00fccher hatte eine so nachhaltige Wirkung wie die \u203aJoys of Yiddish\u2039, die nicht weniger als 17 Auflagen und Neuausgaben erlebten. Leo Rosten starb am 19. Februar 1997.<\/em><br \/>\n(<a href=\"http:\/\/www.dtv.de\/autoren\/leo_rosten_2068.html\" title=\"... aus dem Klappentext\" target=\"_blank\">aus dem Klappentext<\/a>)<\/p>\n<p>Wer sich f\u00fcrs Judentum, f\u00fcr die Religion des Judaismus und speziell f\u00fcr die jiddische Sprache interessiert, dem sei das vorliegende Buch w\u00e4rmstens ans Herz gelegt. Es ist als Lexikon konzipiert. Aber wer einmal einen Blick hingeworfen hat, wird es bald von A bis Z durchlesen wollen, vielleicht nicht in einem Rutsch, eher nach und nach. Es ist nicht nur aufschlussreich, sondern \u00e4u\u00dferst am\u00fcsant verfasst; zu vielen Stichworten gibt es auch typisch <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=6836\" title=\"j\u00fcdische Witze\" target=\"_blank\">j\u00fcdische Witze<\/a>. Ich mag den j\u00fcdischen Humor.<\/p>\n<p>Viele der jiddischen W\u00f6rter stammen aus dem Deutschen, genauer: aus dem Mittelhochdeutschen. Aber es gibt auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_deutscher_W%C3%B6rter_aus_dem_Hebr%C3%A4ischen_und_Jiddischen\" title=\"Liste deutscher W\u00f6rter aus dem Hebr\u00e4ischen und Jiddischen\" target=\"_blank\">viele hebr\u00e4ische Begriffe<\/a>, die \u00fcber das Jiddische in den deutschen <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?s=wortschatz\" title=\"Wortschatz\" target=\"_blank\">Wortschatz<\/a> eingeflossen sind. Fast jeder benutzt diese Begriffe, ohne deren Herkunft zu kennen: Bammel haben oder Massel haben (bzw. etwas vermasseln), blau machen\/sein, Schmiere stehen, Tacheles reden (nein, kommt nicht aus dem Griechischen), einen guten Rutsch w\u00fcnschen &#8211; oder auch W\u00f6rter wie Pleitegeier, Reibach, Tinnef, Techtelmechtel oder Zoff.<\/p>\n<p><em>Viele heutige <a href=\"http:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Jiddische_Sprichw%C3%B6rter\" title=\"jiddische Sprichw\u00f6rter\" target=\"_blank\">Redensarten, Grunds\u00e4tze und Sprichw\u00f6rter<\/a> entstammen in dieser oder jener Formulierung dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Talmud\" title=\"Talmud\" target=\"_blank\">Talmud<\/a> [eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, das aufzeigt, wie die Regeln der Tora in der Praxis und im Alltag von den Rabbinern verstanden und ausgelegt wurden \u2013 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tora\" title=\"Tora - die f\u00fcnf B\u00fccher Moses\" target=\"_blank\">Tora<\/a>, der erste Teil der Bibel: die f\u00fcnf B\u00fccher Moses]:<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eUrteile im Zweifel f\u00fcr den Angeklagten.\u201c<br \/>\n\u201eAuch der Dumme kann fromm sein.\u201c<br \/>\n\u201eAchte auf den Inhalt, nicht auf die Verpackung.\u201c<br \/>\n\u201eEine gute Tat f\u00fchrt zur n\u00e4chsten.\u201c<br \/>\n\u201eDu sollst deinem Kind nicht drohen. Bestrafe es oder vergib ihm.\u201c<br \/>\n\u201eBeginne den Unterricht stets mit einer heiteren Erl\u00e4uterung.\u201c<br \/>\n\u201eB\u00f6se Nachbarn z\u00e4hlen das Einkommen eines Mannes, nicht seine Unkosten.\u201c<br \/>\n[\u2026]<br \/>\n\u201eWenn man in Rom ist, soll man seinen Br\u00e4uchen folgen.\u201c<br \/>\n\u201eEnde gut, alles gut.\u201c (Das vor allen Dingen!)<\/em><br \/>\n(S. 599)<\/p>\n<p>Anhand eines Begriffs (fefillin bzw. tfiln = Gebetsriemen) zeige ich auf, wie sich dieses Lexikon gestaltet. Apropos Gebetsriemen: Viele haben diese zwar auf Bildern schon einmal gesehen, was sie aber bedeuten, wissen die wenigsten. Hier (auch nur in Ausz\u00fcgen) der Text dazu:<\/p>\n<p><strong>tefillin<\/strong> siehe <em>tfiln<\/em>.<\/p>\n<p><strong>tfiln<\/strong> (f. Pl.)<br \/>\nAus dem hebr\u00e4ischen tefil\u00edn \u201ePhylakterien, Gebietsriemen\u201c. Hebr\u00e4isch tefil\u00e1 \u201eGebet\u201c.<\/p>\n<p>In Amerika: tfiln, tefillin, t\u2018fillin<\/p>\n<p>Gebietsriemen. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tefillin\" title=\"Tefillin - Gebetsriemen\" target=\"_blank\">Tefillin<\/a> sind zwei lange, d\u00fcnne Lederriemen mit denen sich fromme Juden zwei quadratische Lederkapseln (von etwa f\u00fcnf Zentimeter L\u00e4nge und Breite) am linken Arm und an der Stirn befestigen, wenn sie beten. Die Kapseln enthalten kleine Pergamentstreifen mit vier Schriftversen aus Exodus (13,1-10; 13,11-16) und dem Deuteronomium (6,4-9; 11,13-21) in hebr\u00e4ischer Sprache. Die Tefillin werden von erwachsenen orthodoxen Juden beim Morgengebet getragen.<\/p>\n<p>Der Gebrauch der Tefillin geht auf Exodus 13,9 zur\u00fcck, wo es hei\u00dft: <em>\u201eDarum soll dir\u2019s ein Zeichen sein in deiner Hand und ein Denkmal vor deinen Augen, auf dass des Herrn Gesetz sei in deinem Munde.\u201c<\/em> Widerholt wird dieses Gebot im Deuteronomium 6,8.<\/p>\n<p>Die Art und Weise, wie Tefillin angelegt werden, ist genau vorgeschrieben. Sie werden, zum Zeichen der Ehrfurcht, im Stehen getragen. Die eine Kapsel wird auf der Innenseite des linken Arms unmittelbar \u00fcber dem Ellenbogen getragen (auf diese Weise ist sie beim Beten in der N\u00e4he des Herzens); der Riemen wird sieben Mal um den linken Unterarm geschlungen. Die andere Kapsel wird auf der Stirn getragen, meist oberhalb des Haaransatzes; der Riemen wird um den Kopf geschlungen und verknotet. Die losen Enden werden \u00fcber die Schulter gelegt und h\u00e4ngen nach vorn. Schlie\u00dflich wird das Armband dreimal um den Mittelfinger der linken Hand gewickelt (das steht f\u00fcr den hebr\u00e4ischen Buchstaben <em>schin<\/em>, mit dem der kabbalistische Gottesname <em>Schaddai<\/em> beginnt).<\/p>\n<p>Das ganze Ritual hat die psychologische Wirkung, dass es dem Betenden hilft, weltliche Sorgen abzusch\u00fctteln und sich auf den Gottesdienst zu konzentrieren. [\u2026]<\/p>\n<p>Am Sabbat wurden keine Gebietsriemen getragen. Der Sabbat war ein heiliger Tag und bedurfte zus\u00e4tzlicher Heiligung durch die Gebetsriemen nicht. [\u2026]<\/p>\n<p>All dies deutet daraufhin, dass es sich bei den \u201ePhylakterien\u201c \u2013 das griechische Wort <em>phylakterion<\/em> bedeutet \u201eSchutz\u201c oder \u201eFestung\u201c \u2013 urspr\u00fcnglich um eine Art Amulett handelte. Die Juden glaubten, dass jeder, der die Tefillin tr\u00e4gt, vor Schaden gesch\u00fctzt sei, weil \u201eGottes Glanz\u201c auf ihn falle. Deshalb war es auch verboten, die Gebetsriemen mit dem Gebetsschal zu verdecken. Es war sogar \u00fcblich, die Tefillin auf der Stra\u00dfe zu tragen, aber da dies die Aufmerksamkeit von Antisemiten erregte und Verfolgungen ausl\u00f6ste, setzt sich diese Sitte nie wirklich durch. [\u2026]<br \/>\n(S. 606 f.)<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/tefillin_gebetsriemen.jpg\" alt=\"Tefillin \u2013 Gebetsriemen der Juden\" title=\"Tefillin \u2013 Gebetsriemen der Juden\" \/><\/ul>\n<p><em>\u201eDieses W\u00f6rterbuch ist eine Freude.\u201c<\/em> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Viola_Roggenkamp\" title=\"Viola Roggenkamp\" target=\"_blank\">Viola Roggenkamp<\/a> in der \u201aZeit\u2018)<\/p>\n<p><em>\u201eLeo Rostens Standardwerk erkl\u00e4rt die jiddischen Begriffe \u00e4u\u00dferst am\u00fcsant mit Synonymen, Anekdoten und Witzen  Es ist also auch ein Lexikon des j\u00fcdischen Lebens, der j\u00fcdischen Soziologie und Geschichte wie auch der Religion. Die deutsche Ausgabe wurde nicht nur kongenial \u00fcbersetzt, sondern auch kommentiert und um viele wichtige Teile erg\u00e4nzt. Rostens Buch zu lesen ist ein Vergn\u00fcgen.\u201c<\/em> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arno_Lustiger\" title=\"Arno Lustiger\" target=\"_blank\">Arno Lustiger<\/a> in der \u201aWelt\u2018)<\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.jiddisch.org\/\" title=\"Jiddische Seiten - Yiddishe Saiten\" target=\"_blank\">Jiddische Seiten &#8211; Yiddishe Saiten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der jiddische Sprache habe ich mich hier in meinem Blog schon \u00f6fter befasst. 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