{"id":925,"date":"2007-08-17T00:34:43","date_gmt":"2007-08-16T22:34:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=925"},"modified":"2007-11-19T14:34:23","modified_gmt":"2007-11-19T12:34:23","slug":"was-ist-blos-mit-ian-los-teil-81-tull-und-fogerty-in-concert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=925","title":{"rendered":"Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 81: Tull und Fogerty in Concert"},"content":{"rendered":"<p><em>Hallo Wilfried, Hallo Lockwood,<\/em><\/p>\n<p><em>inzwischen fand nun auch das Jethro Tull Konzert in Calw statt, und wie ich \u00fcber das Laufi-Forum erfahren habe war es wohl schon \u00fcber eine Woche vorher ausverkauft. Wie sch\u00f6n f\u00fcr Mr.Anderson! Ich hatte mir ja  die Option offen gelassen, dort vielleicht auch noch hinzugehen, das hatte sich dann nat\u00fcrlich er\u00fcbrigt &#8211; ohne Ticket. Ich hatte aber auch sowieso nach dem Konzert auf Kreta schon beschlossen, dass Calw nicht mehr unbedingt notwendig ist. K\u00e4me dagegen Mr. Fogerty n\u00e4chste Woche noch einmal vorbei, w\u00e4re ich sofort wieder mit von der Partie. Der ist allerdings inzwischen l\u00e4ngst nach Canada weiter gejettet. Also vielleicht noch ein kurzes abschlie\u00dfendes Resumee der beiden Konzerte im Vergleich.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn man einmal den Gesamteindruck der beiden Bands betrachtet, dann f\u00e4llt Einem doch auf, dass Jethro Tull einen ziemlich angegrauten Eindruck machen. Der J\u00fcngste der Truppe wird wohl noch Mr. O&#8217;Hara sein, ich sch\u00e4tze ihn auf Ende 40. Er macht neben Mr. Anderson auch noch den lebhaftesten Eindruck, wirkt auf mich aber eher albern und kasprig. Von Doane Perry hinter seinem Schlagzeug sieht man kaum etwas, und die beiden Anderen sind wei\u00dfhaarige Herren. Mr. Goodier wird wohl auch so um die 60 sein, und Mr. Barre wirkt auf mich bereits wie 70 &#8211; irgendwie erinnert er mich an Walter Ulbricht. Jedenfalls habe ich mich bei seinem Anblick unwillk\u00fcrlich gefragt, ob man ihm nicht einen Stuhl bringen sollte &#8211; kann man von einem Herrn in diesem Alter noch erwarten, dass er fast 2 Stunden lang steht? Da kann Mr. Anderson h\u00fcpfen und t\u00e4nzeln wie er will, insgesamt bleibt der Eindruck es zumindest teilweise mit Rentnern zu tun zu haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Mitglieder der Mannschaft von Mr. Fogerty werden alle etwa 20 bis 30 Jahre j\u00fcnger sein als er, der \u00c4lteste ist vielleicht noch der Drummer mit Mitte 40. Der sieht aber aus wie ein Preisboxer und scheint auch eine entsprechende Kondition zu haben. Wie er sein Instrument bearbeitet hat mir erstmals ins Bewu\u00dftsein gebracht, dass Drummer wohl ein Knochenjob f\u00fcr Hochleistungssportler sein muss. Fogerty selbst wirkt 30 bis 40 Jahre j\u00fcnger als er ist, und wenn dann gar noch die Kinder auf die B\u00fchne kommen&#8230; Insgesamt hat man jedenfalls den Eindruck es mit einer fitten und frischen Truppe zu tun zu haben und macht sich nicht st\u00e4ndig insgeheim Sorgen, ob f\u00fcr den Ernstfall auch ausreichend Bahren und Rollst\u00fchle bereitstehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Apropos Rollst\u00fchle &#8211; wirklich sehr gelungen, Deine kleine Photomontage mit dem Ausblick auf Mr. Anderson&#8217;s weitere B\u00fchnen-Karriere, lieber Wilfried. Und einfach genial, den Mikrophon-St\u00e4nder auch gleich f\u00fcr den Tropf zu verwenden. Ob Anderson allerdings wirklich gleich zwei Krankenschwestern braucht &#8211; man sollte ihn vielleicht auch nicht zu sehr verw\u00f6hnen&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Zur\u00fcck zu unseren beiden Protagonisten. Was erwarten denn Fans von ihren bewunderten Idolen? Sie sind unsere Stellvertreter, die f\u00fcr uns auf der B\u00fchne das sind oder tun, was wir selbst gern sein oder tun w\u00fcrden, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer aber nicht k\u00f6nnen. Das was Mr. Anderson in den 70ern auf der B\u00fchne geboten hat &#8211; wow, das war&#8217;s, das h\u00e4tte ich auch gern gemacht! Aber der Mr. Anderson der heutigen Tage repr\u00e4sentiert nichts mehr, das ich gerne sein oder tun wollte. Ich sitze da und frage mich: &#8222;Wer ist das?&#8220;, und ich habe keine Antwort. Er erscheint mir fremd, was in seinem Kopf vorgeht kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Und so springt da auch kein Funke \u00fcber.<\/em><\/p>\n<p><em>Was Mr. Fogerty betrifft, hatte ich schon vor ein paar Wochen beim Betrachten <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=DksGi7B5BdM\" TARGET=\"_blank\">dieses Videos<\/A> (&#8222;Midnight Special&#8220; live 1970 in London) pl\u00f6tzlich das seltsame Deja-Vu-Erlebnis als s\u00e4he ich mich selbst in meinem Sch\u00e4fer-Outfit auf der B\u00fchne herumspringen. Das ist bei <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eGmYhCTSSNU\" TARGET=\"_blank\">Fogerty 2007 live<\/A> (&#8222;Old Man Down The Road&#8220; in Paris) auch nicht anders, ich habe immer irgendwie das Gef\u00fchl mir selbst zuzuschauen. Ja, wenn ich da oben auf der B\u00fchne stehen w\u00fcrde, dann w\u00fcrde ich es wohl genauso machen. (Bl\u00f6dsinn, ich w\u00fcrde vermutlich zittern wie Espenlaub, stottern, st\u00e4ndig \u00fcber meine eigenen F\u00fc\u00dfe stolpern &#8211; aber lassen wir das&#8230;)<\/em><\/p>\n<p><em>Au\u00dferdem ist mir dieser Tage bewu\u00dft geworden, dass die Fl\u00f6te des Mr. Andersons in einer Hinsicht auch ein Handikap darstellen kann. Bislang ist mir die Wahl dieses Instruments immer als reiner Geniestreich erschienen. Nicht nur dass die Fl\u00f6te den einzigartigen und unverwechselbaren Sound von Jethro Tull gepr\u00e4gt hat, sie war dar\u00fcber hinaus noch dekorativ, vielseitig als Requisit einsetzbar und lie\u00df ihm auf der B\u00fchne vollen Bewegungsspielraum. W\u00e4hrend des Spielens musste er zwar auch am Mikrophon stehen, in den reichlichen Pausen dazwischen konnte er damit aber \u00fcber die ganze B\u00fchne toben, sie schwingen wie ein Schwert oder einen Zauberstab, damit drohen wie mit einem Kn\u00fcppel, das Publikum dirigieren oder sonstige akrobatische \u00dcbungen vollbringen.<\/em><\/p>\n<p><em>Schaut man sich dagegen <A HREF=\"http:\/\/www.kretakatzen.de\/Diverse\/ccr_5.jpg\" TARGET=\"_blank\">Mr. Fogerty anno 1970<\/A> an, dann f\u00e4llt auf mit welch kurzer Leine er \u00fcber seine Gitarre mit dem Amp verbunden ist. Eigentlich sieht er aus wie ein Kettenhund, der an der H\u00fctte h\u00e4ngt (heute sind solche Haltungsbedingungen \u00fcbrigens aus Tierschutzgr\u00fcnden nicht mehr zul\u00e4ssig). Sein Bewegungsspielraum erstreckt sich vom Amp bis zum Mikrophon und zwei Schritte nach rechts oder links. Dazu hat er st\u00e4ndig dieses sperrige Instrument umh\u00e4ngen, das er auch noch bedienen muss. Da sind die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr akrobatische \u00dcbungen doch stark begrenzt.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Fortschritt der Technik hat dazu gef\u00fchrt, dass Mr. Anderson heute an keinem Mikrophon mehr stehen muss und Mr. Fogerty an keinem Amp mehr h\u00e4ngt. Beide k\u00f6nnen w\u00e4hrend sie spielen mit ihren Instrumenten frei \u00fcber die B\u00fchne turnen, und das tun sie denn auch. Und jetzt f\u00e4llt der Nachteil der Fl\u00f6te auf, zumal Mr. Anderson heutzutage wesentlich mehr fl\u00f6tet als in den 70ern: Sie schr\u00e4nkt die Mimik doch erheblich ein. Es d\u00fcrfte schwer sein beim Fl\u00f6ten zu l\u00e4cheln, lachen w\u00fcrde ich f\u00fcr v\u00f6llig unm\u00f6glich halten. Mr. Anderson versucht dies auszugleichen, indem er die verschiedensten Grimassen schneidet und mit den Augen rollt, aber so richtig komisch kann ich das nicht finden. Er wirkt dabei eher skurril, in Kombination mit dem schwarzen Kopflappen und dem dunkel gef\u00e4rbten Bart sogar teilweise regelrecht finster. Solche Probleme hat Mr. Fogerty nicht. Er kann beim Gitarre Spielen ungehindert gute Laune verst\u00f6men, und genau das tut er auch (und au\u00dferdem hat die Gitarre auch noch den Vorteil, da ss sie den Bauch verdeckt&#8230;).<\/em><\/p>\n<p><em>Fazit: Ein Konzert wird vor allem durch die Atmosph\u00e4re und die Stimmung zu einem Erlebnis. Dazu ist n\u00f6tig: Gute Musik, guter Sound und ein oder mehrere Menschen auf der B\u00fchne, die das mit Begeisterung r\u00fcberbringen. Was die musikalische Qualit\u00e4t betrifft ist f\u00fcr meinen Geschmack Jethro Tull die bessere Truppe, das gleicht John Fogerty durch den wesentlich besseren Gesang aber mindestens wieder aus. Der Sound war in beiden F\u00e4llen gut und dem Musikstil angemessen, durch die gutgelaunte und sympathische Art von John Fogerty kam aber deutlich mehr Stimmung auf. Mr. Anderson hatte v\u00f6llig recht, als er vor ein paar Jahren in einem Interview sagte, das Publikum wolle auf der B\u00fchne echte, authentische Menschen sehen. Wie das aussieht kann er sich bei John Fogerty anschauen.<\/em><\/p>\n<p><em>**********************************************************************<\/em><\/p>\n<p><em>Lieber Wilfried, Du hast einiges zu meinem Fogerty Konzertbericht und dem Vergleich mit Mr. Anderson geschrieben, und in den meisten Punkten kann ich nicht mit Dir \u00fcbereinstimmen. Vielleicht habe ich ja manches missverst\u00e4ndlich ausgedr\u00fcckt bzw. wichtige Details nicht erw\u00e4hnt, so dass nicht deutlich werden konnte, was ich meine. Deshalb m\u00f6chte ich einzeln auf Deine Bemerkungen eingehen und sie dazu zitieren.<\/em><\/p>\n<p><small>Bekanntlich hinken Vergleiche. Und so kann man Herrn Fogerty schlecht mit Herrn Anderson vergleichen&#8230;<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Die Vergleiche, die hinken, sind Vergleiche nach dem Prinzip &#8222;A ist eigentlich das Gleiche wie B&#8220;, denn zwei verschiedene Dinge sind nie wirklich gleich. Ich stelle aber st\u00e4ndig Vergleiche an nach dem Prinzip &#8222;A ist ganz anders als B&#8220;, und solche Vergleiche k\u00f6nnen nicht hinken. Sicher wird es Dich nicht wundern wenn ich sage, dass ich der Meinung bin man kann Mr. Fogerty hervorragend mit Mr. Anderson vergleichen, ich tue das nun schon seit zwei Monaten exzessiv und nach meinem Daf\u00fcrhalten mit gro\u00dfem Erfolg (wenn ich mich hier auch einmal selbst loben darf&#8230;). Mir ist durch diese Vergleiche schon einiges klar geworden, das ich vorher nicht so deutlich gesehen habe, und nur dazu sollen sie ja dienen. Mr. Fogerty ist daf\u00fcr deshalb so perfekt geeignet, weil er in praktisch jeder Hinsicht das exakte Gegenteil von Mr. Anderson zu sein scheint, es ist einfach faszinierend. Und wie ich schon einmal bemerkt habe: Manche Dinge erkennt man besser, wenn man sie vor einem kontrastfarbigen Hintergrund betrachtet. Mir geht es jedenfalls so.<\/em><\/p>\n<p><em>Vielleicht klingen meine Ausf\u00fchrungen zu Mr. Fogerty immer wieder so, als wollte ich Mr. Anderson nahelegen ein zweiter Fogerty zu werden. Das w\u00e4re nat\u00fcrlich Bl\u00f6dsinn. Ein Fogerty gen\u00fcgt, einen zweiten brauche ich auch nicht, und es ist ja gerade das Phanastische, dass es nicht <u>nur<\/u> Anderson und nicht <u>nur<\/u> Fogerty gibt, sondern beide, und au\u00dferdem auch noch Mark Knopfler, Al Stewart, Cat Stevens (ja, mit denen bin ich auch noch nicht fertig, aber dazu ein andermal&#8230;) und noch viele Andere mehr. Eben Vielfalt und damit f\u00fcr jede Lebenssituation, jede Stimmung, jedes Bed\u00fcrfnis die passende Musik und den passenden Musiker. Daran m\u00f6chte ich bestimmt nichts \u00e4ndern.<\/em><\/p>\n<p><small>Herrn Anderson wird man wohl kaum in den Klamotten auf der Stra\u00dfe antreffen, mit denen er aufgetreten ist&#8230; Wie ist das mit Herrn Fogerty? Tr\u00e4gt er auch im normalen Leben Jeans, karierte Hemden und dazu sein \u201aMarkenzeichen\u2019, das rote Halstuch? Vielleicht bevorzugt er in Wirklichkeit Designer-Klamotten?!<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Ich wei\u00df nicht, was Mr. Fogerty zuhause in seinem Wohnzimmer tr\u00e4gt, aber ich habe noch kein Bild von ihm gesehen (ob jetzt Konzert, Fernsehstudio, Interview, Preisverleihung, H\u00e4ndesch\u00fctteln mit Politikern oder Treffen mit Fans auf der Strasse), auf dem er etwas anderes angehabt h\u00e4tte als irgendeine durchschnittliche Hose (meist Jeans) und irgendein durchschnittliches Hemd (kariert, gestreift, einfarbig, Jeanshemd, was auch immer, auf jeden Fall ohne R\u00fcschen und nicht von Armani), eine zeitlang erschien er auch im Cowboy-Stil. Ob er das Halstuch nur zu Auftritten tr\u00e4gt, wei\u00df ich nicht, das ist aber auch schnuppe, oder? Auf jeden Fall finde ich ein Halstuch als &#8222;Markenzeichen&#8220; bedeutend sympathischer als eine Penisverl\u00e4ngerung per Fl\u00f6te (hoffentlich kommt Deine Seite jetzt nicht auf den Index&#8230;). Im Gegensatz zu Mr. Anderson, der auf der B\u00fchne deutlich andere Kleidung tr\u00e4gt als zuhause (schwarze Schlabber-Klamotten) oder auf der Strasse (irgendwas Durchschnittliches, meist auch schwarz), scheint die Kleidung des Mr. Fogerty wesentlich weniger zu variieren. Grunds\u00e4tzlich w\u00fcrde ich von niemandem erwarten, dass er auf der B\u00fchne das Gleiche tr\u00e4gt oder sich genauso benimmt wie auf der Strasse. Schlie\u00dflich ist er nicht auf der Strasse, sondern auf einer B\u00fchne. Und damit, ob er als Mensch &#8222;echt&#8220; wirkt, hat das auch nichts zu tun.<\/em><\/p>\n<p><small>Gut, sein Auftreten wirkt authentisch. Aber IST das wirklich der reale John Fogerty oder doch nur ein Trugbild &#8230;?<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Diese Frage mutet fast philosophisch an. Vielleicht kann <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OrqfiqNvYNE&#038;mode=related&#038;search=\" TARGET=\"_blank\">dieses Video<\/A> etwas Licht ins Dunkel bringen. Es ist eine Live-Aufnahme von 1998 aus einem Fernsehstudio, und Fogerty sagt ein paar Worte zu seinem Song &#8222;Lodi&#8220;, bevor er ihn spielt. Man merkt, er ist unsicher, er f\u00fchlt sich nicht wohl in seiner Haut und wirkt geradezu sch\u00fcchtern. So etwas spielt niemand. Das ist kein &#8222;Image&#8220;, das man sich &#8222;zulegt&#8220;. Das ist es, was ich mit &#8222;echt&#8220; meine. Mr. Anderson h\u00e4tte diese Worte sicher ganz anders vorgetragen. Anderson ist Schauspieler, Fogerty nicht. Wenn Fogerty &#8222;locker-flockig&#8220; wirkt oder quietschvergn\u00fcgt mit seiner Gitarre auf- und abh\u00fcpft, dann weil er sich gerade wirklich so f\u00fchlt, spielen kann der so etwas nicht. Der kann \u00fcberhaupt nichts spielen (au\u00dfer Gitarre nat\u00fcrlich, und das ist wohl auch das Einzige, das er spielen will).<\/em><\/p>\n<p><em>Dass Mr. Fogerty im Prinzip ein unsicherer Mensch ist, merkt man auch beim Auftritt auf der B\u00fchne. Er wirkt in der Anfangsphase nerv\u00f6s, fl\u00fcchtet sich nach ein paar wenigen Worten in den n\u00e4chsten Song. Singen kann er besser als reden. Ein Auftritt im Fernsehstudio vor ein paar handverlesenen Zuschauern, die ihn and\u00e4chtig und still auf den St\u00fchlen sitzend anstarren (wie im oben verlinkten Video), kommt ihm \u00fcberhaupt nicht entgegen. Er braucht die Best\u00e4tigung durch das Publikum. Wenn er die bekommt, kann man ihm geradezu zusehen, wie er aufbl\u00fcht. Es ist mir noch nie zuvor so deutlich bewu\u00dft geworden, wie die Reaktion des Publikums auf denjenigen wirken kann, der oben auf der B\u00fchne steht &#8211; es ist eine Wechselwirkung, bei der sich die Stimmung gegenseitig hochschaukelt, bis nach ein paar Songs die pure Party herrscht. Dann, wenn Fogerty sp\u00fcrt, dass er die Herzen seines Publikums gewonnen hat, ist er &#8222;locker-flockig&#8220; und bewegt sich auf der B\u00fchne als w\u00e4r&#8217;s sein Wohnzimmer, vorher nicht. So habe ich es jedenfalls erlebt, und ich halte das f\u00fcr echt.<\/em><\/p>\n<p><em>Ganz abgesehen davon glaube ich, dass man rein intuitiv ziemlich genau sp\u00fcrt, ob jemand auf der B\u00fchne etwas spielt, was er eigentlich nicht ist. Erst recht springt es beim direkten Vergleich ins Auge. Deshalb hier einmal drei &#8222;Versionen&#8220; von Mr. Fogerty im Vergleich &#8211; welchen w\u00fcrdet Ihr f\u00fcr den echten halten? Den <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-b63FdW8wiY&#038;mode=related&#038;search=\" TARGET=\"_blank\">geschniegelten Dressman-Verschnitt<\/A> von 1997, in einem Filmstudio aufgenommen (Old Man Down The Road &#8211; das habe ich mit Absicht gew\u00e4hlt, damit man den Vergleich mit der Version aus Paris 2007 hat). Der wirkt auf mich so k\u00fcnstlich wie die bonbonfarbigen Kulissen, vor denen er aufgenommen wurde, und von dem will auch \u00fcberhaupt keine Stimmung r\u00fcberkommen. Ich finde diese Live-Aufnahmen zu &#8222;Premonition&#8220; einfach f\u00fcrchterlich, das ist Hollywood pur.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann ist Mr. Fogerty also vielleicht doch eher <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Z-5XgI244xo\" TARGET=\"_blank\">der gro\u00dfe Heroe der Rockgeschichte<\/A>, ein bi\u00dfchen auf Mick Jagger getrimmt, 2005 im Wiltern Theatre in LA gefilmt (Fortunate Son)? Der wirkt nicht ganz so steril, aber \u00fcberzeugen kann er mich auch nicht. Was ich dabei bemerkenswert finde ist die Tatsache, dass die professionellen Live-Aufnahmen von Mr. Fogerty alle einen Eindruck von ihm vermitteln, den er im tats\u00e4chlichen Live-Auftritt so nicht macht. Die Filmemacher sind offensichtlich darauf getrimmt, ihr &#8222;Objekt&#8220; in einem (nach ihrem Daf\u00fcrhalten) m\u00f6glichst positiven Licht erscheinen zu lassen &#8211; hollywood-m\u00e4\u00dfig eben &#8211; und da kommt unterm Strich immer irgendwie ein geschniegelter Held raus. Durch Perspektive, Kameraf\u00fchrung und Schnitt kann man da wohl doch einiges machen, vielleicht gab es auch Regieanweisungen (im Filmstudio bestimmt). Den &#8222;echten&#8220; Mr. Fogerty scheint man dem Publikum nicht zumuten zu wollen. Trotzdem kommt <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=p0tjeWNnLnA\" TARGET=\"_blank\">hier<\/A> (Looking Out My Backdoor, ebenfalls 2005 in LA) doch zumindest teilweise etwas Nat\u00fcrlichkeit durch.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn man wissen will wie Fogerty 2007 live tats\u00e4chlich wirkt, dann muss man sich ein Amateur-Video anschauen. Deshalb hier jetzt eine Aufnahme von einem &#8222;<A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EjIx8DedRew\" TARGET=\"_blank\">Privat-Auftritt<\/A>&#8220; (wohl vor seiner Studenten-Verbindung &#8211; leider ist der Sound teilweise miserabel) vom Juni diesen Jahres (ja, wenn man als Studenten-Verbindung so ein Mitglied hat, dann kann man schon mal eine Party steigen lassen&#8230;). Und da wirkt Fogerty so, wie ich ihn in Abenberg erlebt habe &#8211; kein gro\u00dfer Held sondern eher ein gro\u00dfes Kind, das tolpatschig \u00fcber die B\u00fchne turnt. Und gerade weil er so tolpatschig wirkt bin ich mir ziemlich sicher, dass er das nicht vor dem Spiegel einstudiert hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich stelle immer wieder fest wie wichtig es ist einen Vergleich zu haben, um sich ein Urteil bilden zu k\u00f6nnen. Vor dem Konzert in Iraklio hatte ich keinen Vergleich, mein letzter Konzertbesuch lag ca. 20 Jahre zur\u00fcck, mein letztes Rockkonzert fast 30 Jahre. Da f\u00e4llt einem vieles einfach nicht auf, weil man es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4lt. Erst nach dem Fogerty-Konzert ist mir klar geworden, was ich in Irakio alles <u>nicht<\/u> gesehen habe, bzw. dass ich garnicht wei\u00df, was ich in Iraklio gesehen habe. Was von dem, das Mr. Anderson auf der B\u00fchne auff\u00fchrt, ist echt? Und mit &#8222;echt&#8220; meine ich &#8211; ich denke das ist inzwischen deutlich geworden &#8211; spontaner Ausdruck der Pers\u00f6nlichkeit, der Gedanken oder Gef\u00fchle im aktuellen Augenblick.<\/em><\/p>\n<p><em><A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Yd4p3Zij09o&#038;mode=related&#038;search=\" TARGET=\"_blank\">Dieses Video<\/A> (Thick As A Brick live 1972), <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZrwRCVJgn8s\" TARGET=\"_blank\">dieses Video<\/A> (Aqualung live 1975) oder<br \/>\n<A HREF=\"http:\/\/de.youtube.com\/watch?v=V29mhOGu5uE\" TARGET=\"_blank\">dieses Video<\/A> (Songs From The Wood live 1977) zeigen mir einen &#8222;echten&#8220; Menschen: Den original Ian Anderson in seiner B\u00fchnen-Version. Was er tut ist nicht einstudiert und heruntergespult, darin steckt echte Begeisterung f\u00fcr die eigene Musik, sie wird &#8222;vorgelebt&#8220;. Das kann man sp\u00fcren und das wirkt ansteckend. Aber was ist <A HREF=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=n3FSl4Svy5M&#038;mode=related&#038;search=\" TARGET=\"_blank\">das<\/A> (Bouree live 2007)? Ist da noch Begeisterung, Freude an der Musik und ein echtes, spontanes Bed\u00fcrfnis, dazu zu &#8222;tanzen&#8220;,  oder ist das nur noch Routine und Choreographie? Steht er nicht immer bei der gleichen Musikpassage auf einem Bein, weil das halt dazu geh\u00f6rt und vom Publikum mindestens x-mal erwartet wird?<\/em><\/p>\n<p><small>Nur stellt sich die Frage, ob Ian Anderson auf der B\u00fchne wirklich das darstellen m\u00f6chte, was er ansonsten im wirklichen Leben ist, oder besser: <b>sein muss<\/b>. Ich denke nein. Eher versucht er sich auf der B\u00fchne so zu geben, wie er ist (oder <b>glaubt zu SEIN<\/b>) &#8230;<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Das sehe ich alles ein bi\u00dfchen anders. Ich w\u00fcrde nicht unterscheiden in &#8222;wirkliches Leben&#8220; und &#8222;B\u00fchne&#8220;, sondern in Privatleben, Gesch\u00e4ftsleben und B\u00fchne, und alle drei sind Bestandteile des wirklichen Lebens des Mr. Anderson. Im Privatleben ist er nach eigenen Angaben ein eher ruhiger und in sich zur\u00fcckgezogener Mensch. Im Gesch\u00e4ftsleben wird er sich noch am ehesten an Normen anpassen m\u00fcssen, was ihm aber vermutlich nicht schwer f\u00e4llt, und auf der B\u00fchne &#8222;l\u00e4sst er die Sau raus&#8220;. Im Privatleben w\u00fcrde er es nie wagen sich so zu benehmen, wie er sich auf der B\u00fchne benimmt, das hei\u00dft aber nicht, dass er im Privatleben &#8222;echter&#8220; w\u00e4re als auf der B\u00fchne oder umgekehrt. Es sind einfach zwei verschiedene Seiten seiner Pers\u00f6nlichkeit, die er an zwei verschiedenen Orten auslebt, da ist eine so wirklich und echt wie die andere. So war es jedenfalls in den 60ern und 70ern. Was das darstellen soll, was er heute auf der B\u00fchne auff\u00fchrt, wei\u00df ich nicht so recht &#8211; siehe oben.<\/em><\/p>\n<p><small>Weil sich in den Jahren sein Aussehen so dramatisch ver\u00e4ndert hat, f\u00fchrt das nat\u00fcrlich dazu, dass, was fr\u00fcher glaubhaft wirkte, heute f\u00fcr viele wie ein schlechter Witz erscheint&#8230;. Ich stelle mir Ian Anderson in den Klamotten fr\u00fcherer Jahre vor (das Tampa-Kost\u00fcm lassen wir einmal au\u00dfen vor): S\u00e4he der gealterte Ian Anderson nicht \u00e4hnlich l\u00e4cherlich aus?<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Das k\u00e4me auf&#8217;s Kost\u00fcm an, ein paar seiner B\u00fchnen-Outfits waren eigentlich ziemlich &#8222;zeitlos&#8220;. Wie w\u00e4r&#8217;s mit dem schottischen Clan-Chef oder <A HREF=\"http:\/\/www.kretakatzen.de\/Diverse\/monkey_1.jpg\" TARGET=\"_blank\">diesem recht neutralen Anzug<\/A> &#8211; langer Mantel hat ihm immer gut gestanden und macht schlank.<\/em><\/p>\n<p><small>Ich f\u00fcrchte fast, wir kritisieren Herrn Anderson, weil er alt geworden ist \u2013 optisch alt. Sein B\u00fchnen-Outfit passt nicht mehr zu dieser \u00e4u\u00dferen Erscheinung, die er heute darstellt. Oder anders gesprochen: Herr Anderson gen\u00fcgt nicht mehr unseren Anspr\u00fcchen, Erwartungen, was auch immer.<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Ich kritisiere Mr. Anderson nicht, weil er alt geworden ist. Wenn er tats\u00e4chlich alt geworden ist, dann sollte er sich allerdings auch entsprechend benehmen. Wenn er sich wie ein 30-J\u00e4hriger benehmen will, dann sollte er sich auch wenigstens entsprechend kleiden, damit man wei\u00df woran man ist. Sein jetziges B\u00fchnen-Outfit passt zu \u00fcberhaupt nichts &#8211; zu keinem Alter und zu keinem Aussehen.<\/em><\/p>\n<p><small>Aber machen wir hier nicht zu viel Wirbel um \u00c4u\u00dferlichkeiten?<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>B\u00fchnen-Auftritte sind eine \u00c4u\u00dferlichkeit, sie haben \u00c4u\u00dferlichkeiten zum Inhalt und man bezahlt Eintritt f\u00fcr diese \u00c4u\u00dferlichkeiten. Sonst kann ich auch zuhause eine Platte auflegen, und dann ist es mir egal, was Mr. Anderson w\u00e4hrend der Studioaufnahmen getragen hat oder wie er sich benommen hat. Inzwischen glaube ich, dass ich &#8211; was Jethro Tull und Mr. Anderson betrifft &#8211; damit auch am besten beraten bin.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><small>Gehen wir vielleicht nicht sogar Herrn Anderson auf dem Leim \u2013 oft genug kam die Weisheit in Form des Narrentums einher. Und macht sich nicht der zum Narren, der andere f\u00fcr einen solchen h\u00e4lt?<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Dazu m\u00fcsste in der Narretei irgendein Sinn oder eine Weisheit erkennbar sein. Welche Weisheit steckt in Penisverl\u00e4ngerungen? (Ich wei\u00df, ich sollte dieses Wort jetzt wirklich nicht nochmal schreiben, sonst wird Dir noch der Webspace gesperrt &#8211; was schreibe ich blo\u00df stattdessen?)<\/em><\/p>\n<p><small>Wir denken zu wissen, wer wir sind und sind entt\u00e4uscht, wenn andere uns anders sehen. Aber wissen wir das wirklich? Sind wir nicht zu oft mit uns selbst besch\u00e4ftigt &#8230; und haben uns dabei selbst l\u00e4ngst aus dem Blick verloren? Aber jetzt werde ich philosophisch &#8230;<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Im Prinzip glaube ich, dass die meisten Menschen schon sich selbst am besten kennen. Dass Andere einen h\u00e4ufig anders sehen, wird meistens daran liegen, dass sie niemals alles sehen k\u00f6nnen. Und wie man sich selbst aus dem Blick verlieren kann, wenn man sich mit sich selbst besch\u00e4ftigt, verstehe ich jetzt nicht ganz, ich f\u00fcrchte das ist mir wirklich zu philosophisch&#8230; \ud83d\ude09<\/em><\/p>\n<p><small>In einem \u00e4hneln sich die beiden Herren. Beide haben ein ganz bestimmtes Image aufgebaut, so unterschiedlich es auch sein mag. Fogerty ist der Naturbursche, der locker-flockig seine Lieder herunterspult. Anderson dagegen der eher unnahbare Intellektuelle, der sich gern in kurioser Kost\u00fcmierung zeigt.<\/small><\/p>\n<\/p>\n<p><em>Also erst einmal: Fogerty spult garnichts herunter, ich glaube das habe ich bereits deutlich gemacht. Ihm merkt man die Freude an seiner Musik an und sie wirkt echt. Wenn jemand spult, dann ist es Anderson, der hat auch viel mehr Routine darin. Unnahbar kann ich ihn aber auch nicht finden, eher eigenwillig. Einigen wir uns vielleicht auf &#8222;<A HREF=\"http:\/\/www.kretakatzen.de\/Diverse\/fogerty_5.jpg\" TARGET=\"_blank\">Fogerty, der nette Junge von nebenan<\/A>&#8220; und &#8222;<A HREF=\"http:\/\/www.kretakatzen.de\/Diverse\/anderson_04.jpg\" TARGET=\"_blank\">Anderson, das intellektuelle Genie<\/A>&#8220; (die Bilder stammen aus Interviews, wie Du siehst, lieber Wilfried, nutze ich inzwischen exzessiv die Standbild-Technik &#8211; vielen Dank noch f\u00fcr den Tipp!).<\/em><\/p>\n<p><em>Und jetzt f\u00e4ngt es aber erst an interessant zu werden, denn ein Image legt sich niemand von ungef\u00e4hr zu, und es ist ja nicht so, dass es nichts mit dem Tr\u00e4ger dieses Images zu tun h\u00e4tte. Ein Image ist eigentlich nichts anderes als eine Erweiterung des Aussehens um eine Art Aura, die sich aus dem gew\u00f6hnlich zu erwartenden Verhalten einer Person ergibt. Das kann so weit von der tats\u00e4chlichen Pers\u00f6nlichkeit nicht entfernt liegen, sonst ist es schwer es l\u00e4ngere Zeit aufrecht zu erhalten, und die beiden Herren halten ihres jetzt schon seit 40 Jahren aufrecht. So ein Image sagt etwas dar\u00fcber aus, welche Reaktionen seiner Umwelt der Tr\u00e4ger des Images erzielen m\u00f6chte, und es spiegelt seine Anspr\u00fcche und Erwartungen an sein Ansehen wider.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Anspr\u00fcche des Mr. Anderson an sein Ansehen sind offensichtlich hoch. Er erscheint uns als &#8222;Minstrel&#8220;, also als Musiker f\u00fcr die feinen Herrschaften, als Landbaron und als schottischer Clan-Chef, aber auch als Hexenmeister, Astronaut oder gar als Superman (oder was sonst soll dieses Tampas-Kost\u00fcm bedeuten, eine \u00c4hnlichkeit mit einem Superman-Anzug ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen). Offensichtlich hat er ein Anerkennungs-Defizit. Und ich vermute, dass dies in seinem suboptimalen schulischen Erfolg begr\u00fcndet ist, der wohl den Anspr\u00fcchen und Erwartungen seiner Familie (und vielleicht auch seinen eigenen) nicht gen\u00fcgen konnte.<\/em><\/p>\n<p><em>Was den Bildungsstand des Mr. Anderson angeht, bin ich n\u00e4mlich anderer Meinung als Du, lieber Wilfried. Die sp\u00e4rlichen Informationen aus Wikipedia, die Du zitiert hast, waren mir auch bekannt, nur interpretiere ich sie anders. Wenn Mr. Anderson ab 1964 (ich nehme mal an, ab Herbst) ein College of Art besucht hat, dann wird er wohl vorher die Schule verlassen haben, also vermutlich vor den Sommerferien. Da war er 16 Jahre alt. Glaubst Du wirklich, dass Mr. Anderson im Alter von 16 Jahren Abitur gemacht hat? Ich kenne das britische Schulsystem nicht im Detail, aber ich nehme mal an man kommt auch dort mit 6 Jahren in die Schule und muss bis zum Abitur 12 Klassen absolvieren, macht 18. Sollte Mr. Anderson so hochbegabt gewesen sein, dass er ein oder zwei Schuljahre \u00fcbersprungen und schon mit 16 ein Abitur abgelegt h\u00e4tte, dann w\u00e4re das doch sicher irgendwo besonders erw\u00e4hnt, oder? Kunst und Musik kann man auch mit mittlerem Bildungsabschluss studieren, dazu braucht man kein Abitur. Und einen unserer Mittleren Reife vergleichbaren Abschluss wird er nach 10 oder 11 Jahren Grammar School (da will ich mich nicht festlegen, da ich den britischen Stichtag f\u00fcr die Einschulung nicht kenne) wohl haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Anerkennung findet man in jungen Jahren vor allem durch gute schulische Leistungen, jedenfalls in einem Elternhaus, in dem die Kinder &#8222;auf Erfolg getrimmt&#8220; werden (wie es Anderson ja selbst ausgedr\u00fcckt hat). Seine wenig erfolgreiche Schulkarriere und das vermutlich damit verbundene geringe Ansehen in seiner Familie (wom\u00f6glich ist er der Einzige ohne Abitur) scheint ihn bis heute zu belasten. Und so tut er alles um m\u00f6glichst gebildet und intellektuell zu wirken, damit man ihm diesen Mangel nicht mehr anmerkt. Au\u00dferdem muss er st\u00e4ndig sich und seiner Umwelt beweisen, dass er daf\u00fcr auf anderen Gebieten der Beste und Gr\u00f6\u00dfte ist &#8211; das Thema hatten wir ja bereits.<\/em><\/p>\n<p><em>Schauen wir uns im Gegensatz dazu Mr. Fogerty an, dann f\u00e4llt auf, dass er sehr geringe Anspr\u00fcche an sein Ansehen zu stellen scheint, man k\u00f6nnte auch sagen er hat \u00fcberhaupt keine. Wer sich in Stallklamotten mit Bubikopf der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert, erwartet weder Ehrfurcht noch Bewunderung. Er will wirklich  nur als der einfache, nette Junge erscheinen, offensichtlich hat er ein Beliebtheits-Defizit. Das k\u00f6nnte verschiedene Gr\u00fcnde haben. Wie ich an anderer Stelle schon einmal erw\u00e4hnt habe war er wohl in seinem eigenen famili\u00e4ren Umfeld nicht besonders beliebt, weil er seinem in Ungnade gefallenen Vater zu \u00e4hnlich sah (ich kenne so einen Fall aus der eigenen Verwandtschaft, das ist f\u00fcr den Betroffenen nicht besonders komisch). Da Fogerty sich so betont schlicht, harmlos und volksnah gibt, w\u00e4re es m\u00f6glich, dass er bereits die Erfahrung gemacht hat, dass man sich bei seinen Zeitgenossen unbeliebt macht, wenn man mehr kann, mehr wei\u00df oder erfolgreicher ist als sie. Auch Perfektionisten, die an Andere dieselben Anforderungen stellen wie an sich selbst, bzw. am besten gleich alles im Alleingang selbst machen, weil Andere es doch nie gut genug hinbekommen, sind nicht gerade beliebt. Ich spreche hier gewisserma\u00dfen aus eigener Erfahrung, aber nach allem, was ich \u00fcber Mr. Fogerty inzwischen wei\u00df, m\u00fcsste sich das mit seinen Erfahrungen decken. In seiner CCR-Zeit war er wohl aus diesen Gr\u00fcnden bei seiner eigenen Truppe nicht besonders beliebt.<\/em><\/p>\n<p><em>Um es noch einmal kurz zusammenzufassen: Mr. Anderson, <A HREF=\"http:\/\/www.kretakatzen.de\/Diverse\/anderson_01.jpg\" TARGET=\"_blank\">der geniale Intellektuelle<\/A>, m\u00f6chte von einer geistigen Elite akzeptiert, geachtet und bewundert werden. Dass er sich gleichzeitig durch seinen elit\u00e4ren Anspruch bei Vielen unbeliebt macht, scheint ihn nicht zu st\u00f6ren. Durch sein Image kaschiert er seinen eher m\u00e4\u00dfigen Bildungsstand und erzielt das Ansehen und die Anerkennung, nach der er strebt. Mr. Fogerty, <A HREF=\"http:\/\/www.kretakatzen.de\/Diverse\/fogerty_17.jpg\" TARGET=\"_blank\">der einfache, nette Junge<\/A>, m\u00f6chte m\u00f6glichst von der ganzen Welt geliebt werden. Dass er sich dazu vielleicht etwas schlichter geben muss, als er eigentlich ist, und Manche deswegen auf ihn herabschauen, scheint ihm nicht weh zu tun. Durch sein Image kaschiert er die Tatsache, dass er ein eher introvertierter, zielstrebiger Perfektionist ist und in seinem privaten Umfeld eher unbeliebt und isoliert.Wie man sieht, kann so ein Image auf den ersten Blick t\u00e4uschen, bei genauerer Betrachtung aber doch einiges \u00fcber seinen Tr\u00e4ger verraten. Im Prinzip stellt es bei beiden Herren genau das als St\u00e4rke heraus, was eigentlich ihre Schw\u00e4che oder besser gesagt ihr &#8222;wunder Punkt&#8220; ist. Und mit diesen Worten beschlie\u00dft Frau Professor Dr.h.c. Kretakatze ihre heutige Psychologie-Vorlesung. Sie hofft, niemanden in seinem wohlverdienten Urlaub \u00fcber Geb\u00fchr angestrengt zu haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Lieber Lockwood, bevor ich meinen heutigen Beitrag beende m\u00f6chte ich mich bei Dir f\u00fcr die zahlreichen Komplimente bedanken, mit denen Du mich in letzter Zeit bedacht hast &#8211; ich wei\u00df ja garnicht, wie mir geschieht. Meine Kritik an Mr. Anderson ist erfrischend &#8211; ob er das auch so s\u00e4he? Mein Konzertbericht ist plastisch &#8211; offensichtlich hat sein Inhalt doch zu Missverst\u00e4ndnissen gef\u00fchrt, oder zumindest ist nicht wirklich deutlich geworden, was ich zum Ausdruck bringen wollte. Meine &#8222;kretischen Erz\u00e4hlungen&#8220; k\u00f6nnten jeden Reiseberichterstatter vor Neid erblassen lassen &#8211; ooh &#8211; wegen ihrer L\u00e4nge &#8211; ach so. Ja, ich hatte viel Zeit&#8230;  Aber es war ein wirklich sch\u00f6ner, erholsamer Urlaub, so einen k\u00f6nnte ich gleich nochmal brauchen. Nach 4 Wochen Arbeit ist die Erholung inzwischen dahin.<\/em><\/p>\n<p><em>Noch kurz ein paar Worte zu Deiner Verwunderung dar\u00fcber, dass ich \u00fcber mein eigenes Bild \u00fcberrascht war. Vielleicht ist es eine Erkl\u00e4rung wenn ich sage, dass es von mir kaum Photos gibt, bis zu diesen Aufnahmen war mein neustes Bild ein Passphoto aus dem Jahr 2001. Nat\u00fcrlich sehe ich mich jeden Tag beim Z\u00e4hneputzen im Spiegel, aber da sehe ich immer das Gesicht mit dazu, und dem sieht man schon an, dass ich keine 15 mehr bin. Eigentlich sieht man sich selbst doch kaum jemals mit Abstand, oder?<\/em><\/p>\n<p><em>Liebe Gr\u00fc\u00dfe an Euch beide, ich hoffe Euer Urlaub ist so erholsam wie meiner war<br \/>\nKretakatze<\/em><\/p>\n<p><em><B>PS.:<\/b> Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle einmal die rhetorische Frage gestellt, was ich hier eigentlich tue und warum ich mir seit Wochen die Finger wund schreibe. Inzwischen ist es mir langsam klar geworden (Euch ist es wahrscheinlich schon viel l\u00e4nger klar): Lieber Wilfried, ich bin anscheinend gerade auf einem Selbstfindungs-Trip und mi\u00dfbrauche daf\u00fcr Dein Weblog.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich muss sagen, so ein Selbstfindungs-Trip ist garnicht so \u00fcbel, und ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass Mr. Anderson auch mal einen brauchen k\u00f6nnte. Irgendwo zwischen 1980 und 1990 muss er sich verloren haben, es w\u00e4re Zeit, dass er sich mal wieder findet. Vielleicht sollte man ihm einen zum Geburtstag schenken? Leider kenne ich kein Reiseb\u00fcro, das solche Trips im Angebot h\u00e4tte. Da muss man sich schon als Individualreisender selbst auf die Socken machen, Schreibmaschinchen nicht vergessen. Es ist eine Abenteuer-Reise, man wei\u00df morgens nie, wo man abends sein wird. Und das geht so: Man schreibt einfach unreflektiert allen Mist auf, der einem gerade durch den Kopf geht, und schickt das zur Ver\u00f6ffentlichung an Willi. Das macht richtig Spa\u00df!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Wilfried, Hallo Lockwood, inzwischen fand nun auch das Jethro Tull Konzert in Calw statt, und wie ich \u00fcber das Laufi-Forum erfahren habe war es wohl schon \u00fcber eine Woche vorher ausverkauft. Wie sch\u00f6n f\u00fcr Mr.Anderson! 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