{"id":9364,"date":"2015-08-28T09:49:39","date_gmt":"2015-08-28T09:49:39","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9364"},"modified":"2015-08-28T09:54:12","modified_gmt":"2015-08-28T09:54:12","slug":"tilman-spreckelsen-das-nordseegrab-ein-theodor-storm-krimi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9364","title":{"rendered":"Tilman Spreckelsen: Das Nordseegrab &#8211; ein Theodor-Storm-Krimi"},"content":{"rendered":"<p>Als ich mit meiner Frau aus unserem <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=9144\" target=\"_blank\">Kurzurlaub in Sizilien<\/a> kommend am <a href=\"http:\/\/www.bahnhof.de\/bahnhof-de\/Koblenz_Hbf.html\" target=\"_blank\">Koblenzer Hauptbahnhof<\/a> Anfang Mai d.J. am sehr fr\u00fchen Morgen auf unseren Zug nach Bremen warteten (<a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=9154\" target=\"_blank\">der Bahnstreik<\/a> war da noch im vollen Gange), hatten wir einige Zeit, um uns mit Fr\u00fchst\u00fcck und Lekt\u00fcre zu versorgen. So kaufte meine Frau u.a. den Roman <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3596194830\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3596194830&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Das Nordseegrab: Ein Theodor-Storm-Krimi<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3596194830\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> von <a href=\"http:\/\/www.fischerverlage.de\/autor\/Tilman_Spreckelsen\/18635\" target=\"_blank\">Tilman Spreckelsen<\/a>.<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/51HZVem80bL._SX327_BO1,204,203,200_.jpg\" alt=\"Tilman Spreckelsen: Das Nordseegrab - ein Theodor-Storm-Krimi\" title=\"Tilman Spreckelsen: Das Nordseegrab - ein Theodor-Storm-Krimi\" \/><\/ul>\n<p>Apropos <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/sizilien.html\" target=\"_blank\">Sizilien<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodor_Storm\" target=\"_blank\">Theodor Storm<\/a>: Im August 2000 (also vor nun 15 Jahren) weilte ich mit Frau und beiden S\u00f6hnen anl\u00e4sslich einer sizilianischen Hochzeit schon einmal auf der gro\u00dfen Mittelmeerinsel. Dort in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marina_di_Ragusa\" target=\"_blank\">Marina di Ragusa<\/a> fand gerade ein <em>Bouquinistenmarkt<\/em>, \u00e4hnlich wie in <a href=\"http:\/\/help-tourists-in-paris.com\/2014\/03\/26\/die-bouquinisten-in-paris\/\" target=\"_blank\">Paris an der Seine<\/a>, statt, also ein Markt mit alten B\u00fcchern. Bei meinem Faible f\u00fcr B\u00fccher (auch besonders f\u00fcr alte B\u00fccher) kamen wir nicht umhin, dort ein wenig zu st\u00f6bern. Und so fiel uns Theodor Storms Roman <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Schimmelreiter\" target=\"_blank\">Der Schimmelreiter<\/a> \u2013 in deutscher Sprache \u2013 in die H\u00e4nde. Der \u00e4ltere meiner beiden S\u00f6hne wollte das Buch unbedingt haben, vielleicht des Titels wegen. So kauften wir es. Die letzten Tage dort im S\u00fcden fanden wir unseren Sohn immer wieder hingebungsvoll im Buch lesend. Dazu muss gesagt werden: Sohnemann war damals gerade zehn Jahre alt.<\/p>\n<p>Urlaubszeit ist, wie \u00f6fter an dieser Stelle gesagt, auch Lesezeit. Nachdem meine Frau dem Theodor-Storm-Krimi gelesen hatte, nahm ich ihn mir w\u00e4hrend meines diesj\u00e4hrigen Sommerurlaubs vor. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Husum\" target=\"_blank\">Husum<\/a> (vor Jahren habe ich dort einmal bei einer Radtour in der <a href=\"http:\/\/www.jugendherberge.de\/de-de\/jugendherbergen\/husum527\/portraet\" target=\"_blank\">Jugendherberge<\/a> \u00fcbernachtet, bin auch sonst schon \u00f6fter durch die Stadt gekommen), Theodor Storm und ein Kriminalfall \u2013 ein Mix, der Spannung verspricht.<\/p>\n<p><em>Husum 1843: Die Stadt ist in Aufregung. Ein Bottich voll Blut, darin eine Leiche, die sich als Wachspuppe erweist. Wenig sp\u00e4ter wird ein echter Toter gefunden. Der junge Anwalt Theodor Storm sp\u00fcrt dem Geheimnis nach, in alten Dorfkirchen und vor den Deichen Husums. Ihm und seinem Schreiber Peter S\u00f6t schl\u00e4gt die ohnm\u00e4chtige Wut armer Bauern entgegen und das arrogante Schweigen der Reichen. Bis er auf ein fast vergessenes Schiffsungl\u00fcck st\u00f6\u00dft, auf eine alte Schuld und einen M\u00f6rder, der diese Schuld eintreiben will.<\/em><br \/>\n(aus dem Klappentext)<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/storm_krimi_landkarte.jpg\" alt=\"Husum und Umgebung im 19. Jahrhundert\" title=\"Husum und Umgebung im 19. Jahrhundert\" \/><\/p>\n<p><em>Was die Nordsee sich holt, gibt sie nicht mehr frei. Aber ihre Opfer sind nicht vergessen. \u2013 Husum im Jahr 1843: Eine falsche Leiche und eine echte, ein Schiffsungl\u00fcck, das keines war, und ein M\u00f6rder, der Rache will: der junge Anwalt und zuk\u00fcnftige Dichter Theodor Storm st\u00f6\u00dft zusammen mit seinem geheimnisvollen Schreiber Peter S\u00f6t auf Wut, Schweigen und eine alte Schuld.<\/em><\/p>\n<p>Zum Autoren: Tilman Spreckelsen wurde 1967 in Kronberg\/Ts. geboren. Er studierte Germanistik und Geschichte in Freiburg und arbeitet heute als Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Mit diesem Roman gewann er den <a href=\"http:\/\/www.storm-gesellschaft.de\/storm-gesellschaft\/theodor-storm-preis\/\" target=\"_blank\">Theodor-Storm-Preis<\/a> 2014. Begr\u00fcndet wurde das wie folgt: <em>\u201eSubtiles, von Ideenreichtum funkelndes Fortschreiben von Storms erz\u00e4hlten Welten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Man merkt ziemlich schnell, dass Tilman Spreckelsen nicht unbedingt ein Autor von Kriminalromanen ist. Er macht den Fehler, den jeder Anf\u00e4nger macht, der sich an Krimis wagt: Er tr\u00e4gt etwas zu dick auf. Damit verzettelt er sich ziemlich schnell. Auch gibt es ein Zuviel an auftretenden Personen, sodass man manchmal nicht wei\u00df, von wem gerade die Rede ist. Nicht umsonst hat der Autor am Ende des Buchs eine dem Leser hilfreiche Liste der wichtigsten Personen angef\u00fcgt:<\/p>\n<p><strong>Die wichtigsten Personen<\/strong> (S. 266 f.):<\/p>\n<p>Heinrich Bandmann, <em>Kaufmann aus Hamburg<\/em><br \/>\nChristian Ulrich Beccau, <em>Untergerichtsadvocat<\/em><br \/>\nPeter Behrens, <em>Gastwirt in Schwabstedt<\/em><br \/>\nHinrich Bohn, <em>Gemeinderat in Schwabstedt<\/em><br \/>\nHenning Brauer, <em>Gemeinderat in Schwabstedt<\/em><br \/>\nClaus Clausen, <em>Schreiber von Johann Casimir Storm<\/em><br \/>\nJohann Dames, <em>Kaufmann aus Husum<\/em><br \/>\nHarro Feddersen, <em>Primaner<\/em><br \/>\nJohann Fenner, <em>Gastwirt<\/em><br \/>\nAugust Gl\u00e4ser, <em>Apotheker<\/em><br \/>\nBottilla Sophia Greol, <em>Dienstm\u00e4dchen<\/em><br \/>\nPeter Heyne, <em>Kaufmann in Friedrichstadt<\/em><br \/>\nSophia Heyne, <em>seine Witwe<\/em><br \/>\nThede Honnens, <em>Trinker aus Mildstedt<\/em><br \/>\nReinhard, Hermann Ludwig Karl von Kaup, <em>B\u00fcrgermeister von Husum<\/em><br \/>\nHeinrich Friedrich Kramer, <em>Landvogt in Husum<\/em><br \/>\nHans von Krogh, <em>Amtmann<\/em><br \/>\nJohann Kuhlmann, <em>Arzt<\/em><br \/>\nPaul L\u00fcdersen, <em>Kaufmann in Husum<\/em><br \/>\nHinrich M\u00f6llers, <em>Kaufmann in Pl\u00f6n<\/em><br \/>\nKnut Petersen, <em>Gemeinderat in Schwabstedt<\/em><br \/>\nCarl Ernst Schmidt, <em>Vermieter von Storms Kanzleir\u00e4umen<\/em><br \/>\nAnton Setzer, <em>Amtsverwalter<\/em><br \/>\nHanne, Laura und Sophie Setzer, <em>T\u00f6chter des Amtsverwalters Setzer<\/em><br \/>\n<strong>Peter S\u00f6t<\/strong>, <em>Schreiber von Theodor Storm (und <strong>Ich-Erz\u00e4hler<\/strong>)<\/em><br \/>\nJohann Steffens, <em>Armenh\u00e4usler aus Schwabstedt<\/em><br \/>\nJohann Casimir Storm, <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Koog\" target=\"_blank\">Koog<\/a>schreiber, Abgeordneter und Anwalt in Husum, Vater von Theodor und Helene Storm<\/em><br \/>\nHelene Storm, <em>Theodors Schwester<\/em><br \/>\n<strong>Theodor Storm<\/strong>, <em>Anwalt in Husum<\/em><br \/>\nFriedrich Johann Christian Tostensen, <em>Pf\u00f6rtner im Schloss<\/em><br \/>\nChristian Vorlauf, <em>Geisterseher in Schwabstedt<\/em><\/p>\n<p>So ist das Buch in erster Linie eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert, denn Spreckelsen hat die Hintergr\u00fcnde der damaligen Zeit sehr genau recherchiert \u2013 oder wie es auf der R\u00fcckseite des Buchs steht: Historisch genau, atmosph\u00e4risch dicht, nordisch gut: Theodor Storm und sein Gehilfe ermitteln<\/p>\n<p>F\u00fcr einen echten Krimifan fehlt es nat\u00fcrlich an \u201aPsychologie\u2018 in dem Roman. Nun geschehen Verbrechen hier meist aus der Not der T\u00e4ter heraus. Und die reichen Kaufleute \u00e4hneln in ihrer Arroganz heutigen Industriellen. Aber etwas mehr Farbe, besonders bei der Person des Theodor Storm, h\u00e4tte ich mir schon gew\u00fcnscht. Er bleibt recht blass.<\/p>\n<p>Trotzdem hat mir dieser Krimi sehr gut gefallen. Sicherlich hat es mit diesem ungew\u00f6hnlichen Mix (Historie, Storm, der Norden, Mord) zu tun. Und es kann ja nur noch besser werden. Spreckelsen plant einen zweiten Band mit Storm und seinem Gehilfen, dem Schreiber Peter S\u00f6t. Dieser soll zu Weihnachten spielen und sich um eine Mordserie um eine religi\u00f6se Sekte ranken.<\/p>\n<p><strong>Fragen an Tilman Spreckelsen:<\/strong><\/p>\n<p>In &#8218;Das Nordseegrab&#8216; geht es um ein Schiffsungl\u00fcck, bei dem es nicht mit rechten Dingen zugeht, um ehrenwerte Kaufleute und betrogene Bauern. Wie haben Sie Atmosph\u00e4re und Alltagsdetails des 19. Jahrhunderts recherchiert? Gab es solche Mordf\u00e4lle wirklich?<\/p>\n<p><em>Die Details waren mir sehr wichtig: ich wollte wissen, was man 1843 in Husum f\u00fcr ein St\u00fcck Butter bezahlen musste, auf welchem Weg man von Storms Wohnung zum Hafen kam, welche Kartenspiele bei vornehmen und einfachen Leuten beliebt waren oder was in diesem Jahr die Attraktionen der Schausteller auf dem Pfingstmarkt der Stadt waren. Ich habe alte Reisebeschreibungen gelesen, juristische Texte, das damalige Husumer Wochenblatt, Storms Briefe \u2026 Ich habe die H\u00e4user in Husum besucht, in denen Storm lebte oder seine Freunde traf. Und viele der Verbrechen, die ich schildere, haben so oder so \u00e4hnlich tats\u00e4chlich stattgefunden. Nur dass sie bei mir in einem gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang stehen.<\/em><\/p>\n<p>Theodor Storm kennt man als Dichter und Autor von &#8218;Der Schimmelreiter&#8216;. Wie kamen Sie darauf, Storm als Ermittler zu entdecken?<\/p>\n<p><em>Storm war Jurist und hat damit immerhin eine zehnk\u00f6pfige Familie ern\u00e4hrt \u2013 das ist nur heute wenig bekannt. Ich wollte mir vorstellen, wie er als junger Anwalt \u2013 noch ohne Familie \u2013 nach dem Studium wieder nach Husum zur\u00fcckkehr, manchmal einen Mandanten betreut, einen Chor gr\u00fcndet, sich verliebt und sonst ziemlich in den Tag hinein lebt, immer ein bisschen unter der Fuchtel seines erfolgreichen Vaters. Und dann pl\u00f6tzlich tief in einem Fall steckt, ohne es richtig zu merken.<\/em><\/p>\n<p>Ihr Kriminalroman spielt an der Nordseek\u00fcste in Husum. Was hat Sie an diesem Landstrich gereizt, was ist das Besondere an dieser Gegend?<\/p>\n<p><em>Der Himmel, das Meer, Husums wundervolle Altstadt \u2026 Da ist vieles noch so wie zur Zeit Theodor Storms. Ganz spannend ist, wie sich dort die Grenze zwischen Land und See immer wieder verschoben hat und noch heute verschiebt. Wer vor Husum bei Ebbe durchs Watt l\u00e4uft, hat unter den F\u00fc\u00dfen eine versunkene Welt. All die alten D\u00f6rfer mit ihren Kirchen, H\u00e4usern, Brunnen und \u00c4cker, die sich das Meer geholt hat! Wahrscheinlich muss man wie Storm in einer solchen Landschaft leben, um den >Schimmelreiter< zu schreiben.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich mit meiner Frau aus unserem Kurzurlaub in Sizilien kommend am Koblenzer Hauptbahnhof Anfang Mai d.J. am sehr fr\u00fchen Morgen auf unseren Zug nach Bremen warteten (der Bahnstreik war da noch im vollen Gange), hatten wir einige Zeit, um uns mit Fr\u00fchst\u00fcck und Lekt\u00fcre zu versorgen. 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