{"id":9371,"date":"2015-09-01T09:02:39","date_gmt":"2015-09-01T09:02:39","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9371"},"modified":"2015-09-01T09:02:39","modified_gmt":"2015-09-01T09:02:39","slug":"tschingis-aitmatow-dshamilja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9371","title":{"rendered":"Tschingis Aitmatow: Dshamilja"},"content":{"rendered":"<ul><em>Ich schw\u00f6re es, die sch\u00f6nste Liebesgeschichte der Welt.<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Louis_Aragon\" target=\"_blank\">Louis Aragon<\/a><\/ul>\n<p><em>Im zentralasiatischen nord\u00f6stlichen Kirgisien, irgendwo im Tal des Kukureufluses, im Sommer des dritten Kriegsjahres, 1943, hat sie sich abgespielt, \u201edie sch\u00f6nste Liebesgeschichte der Welt\u201c (Aragon). Said, der damals F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige, der nicht wu\u00dfte, wie Liebe sich zutr\u00e4gt, erz\u00e4hlt sie mit gro\u00dfem Erstaunen.<br \/>\n<\/em>(aus dem Klappentext)<\/p>\n<ul><em>Ich war ersch\u00fcttert. Die ganze Steppe schien zu erbl\u00fchen, zu wogen, die Dunkelheit wich, und in der unendlichen Weite sah ich die Liebenden. Sie bemerkten mich nicht, sie hatten alles auf der Welt vergessen und wiegten sich im Takt des Liedes. Ich erkannte sich nicht wieder. Und dennoch: das war Danijar in seinem offenen, abgewetzten Uniformhemd, aber seine Augen schienen in der Dunkelheit zu leuchten. Und das war meine Dshamilja, die sich an ihn lehnte, aber sie war so stille und scheu, und an ihren Wimpern blitzten Tr\u00e4nen. Das waren zwei neue, unendlich gl\u00fcckliche Menschen. Und war das denn nicht das Gl\u00fcck? Danijars Lieder galten nur ihr, er sang f\u00fcr sie, er sang von ihr.<\/em><br \/>\nTschingis Aitmatow: Dshamilja(S: 96)<\/ul>\n<p>Mit seiner kleinen Erz\u00e4hlung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Djamila\" target=\"_blank\">Dshamilja<\/a> und <em>Danijar<\/em> hat der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kirgisen\" target=\"_blank\">Kirgise<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tschingis_Aitmatow\" target=\"_blank\">Tschingis Aitmatow<\/a> eine wunderbare Liebesgeschichte geschrieben, die sicherlich auch uns, die wir fernab der asiatischen Steppe leben, auf besondere Weise ber\u00fchrt. Denn sie spielt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Talas_%28Kirgisistan%29#Tschingis_Aitmatow\" target=\"_blank\">in einem Dorf namens Talas<\/a> am Flu\u00df Kukureu im Nordosten Kirgisiens (Talaskaja Oblast) an der Grenze zu Kasachstan und \u2013 wie bereits erw\u00e4hnt \u2013 vor l\u00e4ngerer Zeit im Jahr 1943. Aber auch wenn uns die beiden Liebenden von Ort und Zeit so weit entr\u00fcckt sind, mit dieser Erz\u00e4hlung kommen sie uns ganz nah. Wer mag da dem guten Louis Aragon widersprechen: Es ist wirklich die sch\u00f6nste Liebesgeschichte der Welt!<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/www.weltderwoerter.de\/media\/autoren\/aitmatow-tschingis\/dshamilja.jpg\" alt=\"Tschingis Aitmatow: Dshamilja\" title=\"Tschingis Aitmatow: Dshamilja\" \/><\/ul>\n<p>Die Erz\u00e4hlung <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;index=books&#038;keywords=dshamilja&#038;linkCode=ur2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Dshamilja<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> &#8211; aus dem Russischen von Gisela Drohla \u2013 habe ich als suhrkamp taschenbuch 1579 \u2013 erste Auflage 1988 \u2013 Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, vorliegen und zum ersten Mal vor nun 27 Jahren (eben 1988) gelesen. <\/p>\n<p>Zum Inhalt: <em>Said, ein 15-j\u00e4hriger Junge, erz\u00e4hlt die Liebesgeschichte seiner Schw\u00e4gerin Djamila. W\u00e4hrend Djamilas ungeliebter Mann, Sadyk, im Zweiten Weltkrieg an der Front k\u00e4mpft, lernt sie Danijar bei den t\u00e4glichen Getreidefuhren zum Bahnhof mit ihm kennen. Er ist ein teilinvalider Frontheimkehrer, scheu, tr\u00e4umerisch und von den Menschen im Dorf gemieden. Erst als er eines Tages ein Lied singt, bemerkt Djamila, dass in ihm ungeahnte Qualit\u00e4ten stecken. Er singt von der Landschaft und vom Leben und auch Said ist hingerissen von ihm. Djamila und Danijar verlieben sich ineinander und Said, der bisher versucht hat, Djamila von M\u00e4nnern fernzuhalten, da er selber auf eine f\u00fcr ihn noch unbegreifliche Weise in Djamila verliebt ist, billigt dies. Durch den Gesang Danijars entdeckt er sein eigenes k\u00fcnstlerisches Ausdrucksverlangen als Maler. Nach Sadyks Heimkehr von der Front eskaliert die Situation und die zwei Verliebten verlassen das Dorf und brechen so die Tradition, um miteinander leben zu k\u00f6nnen. Auch Said verl\u00e4sst das Dorf und folgt seiner Berufung als Maler.<\/em><\/p>\n<p><em>Der merkw\u00fcrdige Reiz von \u201eDshamilja\u201c beruht darauf, [\u2026] da\u00df wir das alles von innen erfahren durch Menschen, f\u00fcr die das alles nat\u00fcrlich ist, keiner Erkl\u00e4rung bedarf, so da\u00df der Erz\u00e4hlflu\u00df jene au\u00dferordentliche Leichtigkeit gewinnt, die der modernen, an einer Reportagekrankheit leidenden Literatur, in der alles vorher auf Karteikarten geschrieben zu sein scheint, so sehr fehlt.<\/em> (Louis Aragon: Vorwort \u2013 S. 14 f. \u2013 Leseprobe: <a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/download\/blickinsbuch\/9783518460948.pdf\" target=\"_blank\">Vorwort zum Buch<\/a>)<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/bc\/Tschingis_aitmatow_20070309.jpg\/220px-Tschingis_aitmatow_20070309.jpg\" alt=\"Tschingis Aitmatow\" title=\"Tschingis Aitmatow\" \/><\/ul>\n<p>Der Autor, <em>Tschingis Aitmatow wurde 1928 im Dorf Sheker, Kirgisien, geboren. Mit f\u00fcnfzehn war er der Sekret\u00e4r des Dorfsowjets in Sheker. Genau in dieser Zeit spielt \u201eDshamilja\u201c. 1946 studierte er an der Technischen Hochschule in Dshambul Veterin\u00e4rmedizin. Nach dreij\u00e4hriger Arbeit auf dem Experimentiergut des Wissenschaftlichen Viehzuchtforschungsinstituts von Kirgisien geht Aitmatow 1956 bis 1958 an das Literatur-Institut \u201eMaxim Gorki\u201c nach Moskau. Aitmatows Name repr\u00e4sentiert \u2013 auch in der westlichen Welt # die beste zeitgen\u00f6ssische Sowjetliteratur.<\/em><\/p>\n<p><em>Bereits in den 1970er Jahren distanzierte er sich vom sozialistischen Realismus, sein Roman Der Richtplatz (auch: Die Richtstatt) gab 1987 wichtige literarische Impulse f\u00fcr die Perestroika.<\/em><\/p>\n<p><em>1988\u20131990 war Aitmatow Vorsitzender des kirgisischen Autorenverbandes. In der Zeit der Perestroika war er als parlamentarischer Vertreter (Oberster Sowjet der UdSSR) aktiv, seit Ende 1989 auch als Berater Michail Gorbatschows. 1990 wurde er der letzte sowjetische Botschafter in Luxemburg. Bis M\u00e4rz 2008 war er Botschafter f\u00fcr Kirgisistan in Frankreich und den Benelux-Staaten und lebte in Br\u00fcssel.<\/em><\/p>\n<p><em>Nachdem der an Diabetes erkrankte Aitmatow bei Dreharbeiten im Wolgagebiet im Mai einen Schw\u00e4cheanfall erlitten hatte, verstarb er am 10. Juni 2008 im N\u00fcrnberger Klinikum nach drei Wochen an den Folgen einer schweren Lungenentz\u00fcndung.<\/em><\/p>\n<p>Hannes Wader wurde durch die Erz\u00e4hlung zu seinem Lied <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=alTgYBfczQY\" target=\"_blank\">\u201eAm Fluss\u201c<\/a> inspiriert (<em>\u201eEs wird Abend, siehst du auch die alten Weiden dort am Flu\u00df? Komm, in ihren Schatten k\u00fchlst du deinen m\u00fcden Fu\u00df \u2026\u201c<\/em>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schw\u00f6re es, die sch\u00f6nste Liebesgeschichte der Welt. Louis Aragon Im zentralasiatischen nord\u00f6stlichen Kirgisien, irgendwo im Tal des Kukureufluses, im Sommer des dritten Kriegsjahres, 1943, hat sie sich abgespielt, \u201edie sch\u00f6nste Liebesgeschichte der Welt\u201c (Aragon). Said, der damals F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige, der nicht wu\u00dfte, wie Liebe sich zutr\u00e4gt, erz\u00e4hlt sie mit gro\u00dfem Erstaunen. 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