{"id":9374,"date":"2015-09-03T06:31:08","date_gmt":"2015-09-03T06:31:08","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9374"},"modified":"2015-09-03T06:45:49","modified_gmt":"2015-09-03T06:45:49","slug":"ben-lyttleton-elf-meter-die-kunst-des-perfekten-strafstosses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9374","title":{"rendered":"Ben Lyttleton: Elf Meter \u2013 Die Kunst des perfekten Strafsto\u00dfes"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/UEFA_Champions_League_2011\/12#Finale\" target=\"_blank\">Champions-League-Finale 2012<\/a>, FC Bayern M\u00fcnchen gegen FC Chelsea, Elfmeterschie\u00dfen. Wie schaffte es Torwart <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Petr_%C4%8Cech\" target=\"_blank\">Petr \u010cech<\/a>, sechsmal in die richtige Ecke zu springen? Und warum versagten auf Seiten der Bayern ausgerechnet erfahrene Spieler wie Schweinsteiger und Robben?<\/em><\/p>\n<p><em>Auf der Suche nach dem Geheimnis des perfekten Elfmeters sprach<\/em> Ben Lyttleton <em>mit Spielern, Trainern und Sportwissenschaftlern. Er erfuhr, welcher Teufel Panenka ritt, als er den entscheidenden Elfmeter im EM-Finale 1976 elegant \u00fcber Sepp Maier hob. Er diskutierte mit Jens Lehmann, warum die Deutschen so gut im Elfmeterschie\u00dfen sind. Und er lernte, welche k\u00f6rperlichen und mentalen Faktoren den Sch\u00fctzen beeinflussen. Gleichzeitig erz\u00e4hlt dieses Buch von den gr\u00f6\u00dften Elfmeterdramen, den sichersten Sch\u00fctzen, den besten Elfmeterkillern, aber auch von tragischen Helden wie Roberto Baggio, der im WM-Finale 1994 den entscheidenden Schuss vergab.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=9334\" target=\"_blank\">Wie berichtet<\/a>, habe ich mich vor einiger Zeit f\u00fcr ein Abonnement der Monatszeitschrift <a href=\"http:\/\/www.11freunde.de\/\" target=\"_blank\">11 Freunde \u2013 Magazin f\u00fcr Fu\u00dfballkultur<\/a> entschieden.  Mir gef\u00e4llt das ganz einfach, wie hier witzig, sogar auf gewissem h\u00f6heren literarischen Niveau \u00fcber Fu\u00dfball gefachsimpelt wird. Wirklich empfehlenswert. Als Abonnent kann man an immer neuen Auslosungen teilnehmen und dabei vor allem B\u00fccher \u00fcber Fu\u00dfball gewinnen. Ich habe es \u00f6fter gewagt \u2013 und gewonnen! Vielen Dank!<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/williz_dauerkarte_11freunde.jpg\" alt=\"WilliZ Dauerkarte bei \u201a11 Freunde\u2018\" title=\"WilliZ Dauerkarte bei \u201a11 Freunde\u2018\" \/><\/ul>\n<p>Eigentlich habe ich bei solchen Sachen kein Gl\u00fcck. Aber diesmal klappte es. Und das Buch, das ich gewann, habe ich inzwischen mit viel Spa\u00df gelesen: <a href=\"http:\/\/www.werkstatt-verlag.de\/?q=autor\/ben-lyttleton\" target=\"_blank\">Ben Lyttleton<\/a> &#8211; <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3730701762\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3730701762&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Elf Meter<\/strong>: Die Kunst des perfekten Strafsto\u00dfes<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3730701762\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> &#8211; aus dem Englischen von Olaf Bentk\u00e4mper \u2013 Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel Twelve Yards. The Art and Psychology oft he Perfect Penalty \u2013 <a href=\"http:\/\/www.werkstatt-verlag.de\/\" target=\"_blank\">Verlag Die Werkstatt<\/a>, G\u00f6ttingen 2015.<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/51RfwnosXnL._SX312_BO1,204,203,200_.jpg\" alt=\"Ben Lyttleton: Elf Meter \u2013 Die Kunst des perfekten Strafsto\u00dfes\" title=\"Ben Lyttleton: Elf Meter \u2013 Die Kunst des perfekten Strafsto\u00dfes\" \/><\/ul>\n<p>In einer der Ausgaben der \u201e11 Freunde\u201c (#163 Juni 2015) hatte dann auch schon der stellvertretende Chefredakteur des Magazins, <a href=\"http:\/\/www.11freunde.de\/ueber-uns\" target=\"_blank\">Tim J\u00fcrgens<\/a>, eine Rezension des Buches geschrieben (die ich hier sicherlich ungestraft wiederholen darf):<\/p>\n<p><strong><em>Die Entschl\u00fcsselung des Elfmeter-Codes<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Wie viel besser w\u00e4re es um den englischen Fu\u00dfball bestellt, g\u00e4be es mehr Typen wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matthew_Le_Tissier\" target=\"_blank\">Matt Le Tissier<\/a>? Im Gegensatz zu seinen Kollegen empfand es das Enfant terrible n\u00e4mlich stets als Hochgenuss, Strafst\u00f6\u00dfe auszuf\u00fchren: \u201aIch mochte es, wenn das ganze Stadion auf mich schaute, das tat meinem Ego gut. Au\u00dferdem war es die einfachste Art, ein Tor zu schie\u00dfen, vor allem, wenn ich nicht mal laufen musste.\u201c Da aber nicht jeder Profi diese Leichtigkeit empfindet, macht es sich der renommierte englische Autor Ben Lyttleton zur Aufgabe, das Geheimnis des perfekt geschossenen Elfmeters zu entschl\u00fcsseln. Zur Bew\u00e4ltigung dieser Sisyphosaufgabe sprach der mit einer Vielzahl prominenter Sch\u00fctzen und Torh\u00fcter und wertete zahllose Statistiken \u00fcber Anlaufwinkel, bevorzugte Torecken, Reaktionszeiten und situative Entscheidungen Einzelner aus. So erf\u00e4hrt der Leser, dass Miro Klose bei allen Elfmetern, die er ausf\u00fchrte, als sein Team nicht im R\u00fcckstand war, stets in seine \u201anat\u00fcrliche\u2018 Torecke schoss. Wir lernen, dass <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Panenka\" target=\"_blank\">Antonin Panenka<\/a> 1976 kein Affektt\u00e4ter war, sondern zwei Jahre lang an der Strafsto\u00dftechnik feilte, die ihn im EM-Finale ber\u00fchmt machte. Und dass bei Shootouts gegen die Niederlande 63 Prozent der Torh\u00fcter die richtige Ecke der Oranje-Sch\u00fctzen ahnen. Jede Frage, die wir uns je zum Elfmeter stellten, wird abendf\u00fcllend und anhand historischer Ereignisse beantwortet und in Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten \u00fcberf\u00fchrt. Diese lesen sich mitunter zwar ein bisschen wie eine Di\u00e4t, die zu Bewegung und Obst r\u00e4t: \u201aLass dich nicht verunsichern\u2018, \u201aEntscheide dich f\u00fcr eine Ecke und zaudere nicht\u2018, \u201aH\u00f6re nicht auf Medien\u2018. Dennoch: Diese Scheinwissenschaft ist ein gro\u00dfer Spa\u00df. Lyttleton \u00fcberl\u00e4sst nichts dem Zufall: Er beschreibt minuti\u00f6s den Tagesablauf der Teams beim ersten Shootout der WM-Geschichte, um nachzuweisen, warum 1982 die deutsche Elf einen psychologischen Vorteil gegen\u00fcber Frankreich hatte. Die Versuchsanordnungen sind so vielf\u00e4ltig, dass der Leser gut gelaunt durch 320 anekdotengeschw\u00e4ngerte Seiten schm\u00f6kert, um am Ende doch  festzustellen, dass kein Elfmeter wie der andere ist und im Ernstfall die Psyche jede \u00fcberzeugende Statistik ad absurdum f\u00fchrt. Oder wie Lothar Matth\u00e4us \u00fcber den Unterschied der DFB-Elf zu den \u201aThree Lions\u2018 bei der WM 1990 sagte: \u201aWir machten uns keinen Kopf. Statt gro\u00df dr\u00fcber nachzudenken, konzentrierten wir uns.\u2018<\/em><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Tp2HZNheCZ8\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nAnton\u00edn Panenka \u2013 letzter Elfmetersch\u00fctze im Endspiel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft_1976\" target=\"_blank\">Europameisterschaft 1976<\/a> in Jugoslawien<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Panenka#Der_Panenka-Heber\" target=\"_blank\">Der Panenka (oder Panenka-Heber)<\/a> hat es mir \u00fcbrigens angetan. Und so habe ich noch zwei weitere auf diese Weise geschossene Strafst\u00f6\u00dfe gefunden, die von keinen anderen als von <em>Zidane<\/em> bzw. <em>Messi<\/em> geschossen wurden.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/dpW74gnIm0Y\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zin%C3%A9dine_Zidane\" target=\"_blank\">Zin\u00e9dine Zidane<\/a> mit einem Panenka bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_2006\" target=\"_blank\">WM 2006<\/a> im Endspiel 2006<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/bc2PH47nZSc\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lionel_Messi\" target=\"_blank\">Lionel Messi<\/a> mit einem Panenka in einem Spiel der spanischen Liga 2015<\/p>\n<p>Wenn man \u00fcberlegt, dass viele Meisterschaften durch Strafst\u00f6\u00dfe und durchs Elfmeterschie\u00dfen entschieden werden, dann wird einem schnell klar, welche Bedeutung diesen zukommt. Kein Geringerer als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johan_Cruyff\" target=\"_blank\">Johan Cruyff<\/a> behauptete, man k\u00f6nne das Elfmeterschie\u00dfen nicht trainieren. Sicherlich sind die Bedingungen im Training v\u00f6llig andere als z.B. bei einem Turnier wie eine Weltmeisterschaft. Aber es ist sicherlich hilfreich, das Schie\u00dfen von Elfmetern zuvor \u2013 vom Ablauf her \u2013 trainiert zu haben. Je mehr man diesen Ablauf verinnerlicht hat, umso gr\u00f6\u00dfer werden die Erfolgsaussichten sein. Wer nach 120 Spielminuten \u00fcberhastet \u201aam Punkt\u2018 antritt, verringert diese mit Sicherheit:<\/p>\n<p><em>\u201aSich Zeit zu nehmen, bedeutet keine Treffergarantie, aber zumindest verschie\u00dft man nicht wie so viele andere Spieler aus meinen Studien, weil man sich nachl\u00e4ssig und unachtsam auf den Schuss vorbereitet hat\u2018, betonte [der norwegische Sportpsychologe Geir] <a href=\"http:\/\/www.geirjordet.com\/About.html\" target=\"_blank\">Jordet<\/a>. \u201aIndem man sich auf eine Strategie konzentriert, die auf gesicherten Daten basiert, hat man sich selbst und die Situation gleich besser im Griff und erh\u00f6ht seine Erfolgsaussichten. Sich eine Sekunde mehr Zeit zu nehmen, um durchzuatmen, wirkt entspannend und erh\u00f6ht die Konzentration, und wenngleich es die Spieler nicht direkt in einen meditativen Zustand versetzt, kann es die nachteiligen Auswirkungen von Stress ein wenig d\u00e4mpfen.\u201c<\/em> (S. 48)<\/p>\n<p>Apropos Cruyff: Er geh\u00f6rte wie viele andere prominente Fu\u00dfballspieler zu denen, die sich am liebsten vor dem Elfmeterschie\u00dfen gedr\u00fcckt haben. Aber zumindest einmal schrieb er Elfmetergeschichte, als er 1982 mit Ajax Amsterdam in einem Ligaspiel mit Hilfe seines Mitspielers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jesper_Olsen\" target=\"_blank\">Jesper Olsen<\/a> einen Elfer auf kuriose, aber durchaus regelkonforme Art verwandelte: Beim Spiel in der niederl\u00e4ndischen Eredivisie zwischen Ajax und Helmond Sport am 5. Dezember 1982 spielte Johan Cruyff einen Elfmeter kurz ab, worauf Olsen den gespielten Ball dem Niederl\u00e4nder zur\u00fcckspielte, der dann den verdutzten Torh\u00fcter ganz einfach bezwingen konnte. Allerdings soll Cruyff samt Olsen wohl nicht die \u201aUrheberrechte\u2018 daran haben.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MJHN1mN5SCg\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nJohan Cruyff und Jesper Olsen: Elfer der kuriosen Art (1982)<\/p>\n<p><em>Da die durchschnittliche Trefferquote vom Punkt etwa 78 % betr\u00e4gt, ist bei jedem Elfmeterschie\u00dfen mit einem Fehlschuss zu rechnen. Dieser Wert sinkt auf 71 % bei Weltmeisterschaften, was [\u2026] ein Hinweis darauf ist, wie sich der erh\u00f6hte Druck auf die Spieler auswirkt. F\u00fcr Mannschaften, die auf England treffen, steigt der Wert allerdings. [\u2026] In den sieben Elfmeterschie\u00dfen, die England bei Welt- und Europameisterschaften bestritten hat, trafen die Gegner 83 % (29 von 35) ihrer Sch\u00fcsse. Die Engl\u00e4nder selbst verwandelten nur 66 % (23 von 35).<\/em> (S. 45)<\/p>\n<p>Ausgangspunkt des Buchs sind die Probleme englischer Nationalspieler beim Elfmeterschie\u00dfen. Aber dabei bleibt es nicht: Neben Anleitungen, die durch Statistiken aller Art untermauert werden, und vielen Anekdoten erfahren wir als Leser am Ende dann auch noch einiges zur Geschichte des Strafsto\u00dfes und der Entscheidungsfindung bei KO-Spielen durch das Antreten und Schie\u00dfen \u201avom Punkt\u2018. <em>\u201eUnterhaltsam, brillant, meisterhaft\u201c<\/em> nennt die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/The_Sunday_Times_%28Vereinigtes_K%C3%B6nigreich%29\" target=\"_blank\">Sunday Times<\/a> das Buch und trifft damit den Nagel auf den Kopf (oder vom Punkt ins Tor). Daher sei dieses Buch jedem Fu\u00dfballfan w\u00e4rmstens ans Herz gelegt. Ich habe es auf jeden Fall mit Genuss gelesen.<\/p>\n<p>siehe u.a.:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.textundtext.de\/2010\/07\/alle-fakten-zum-elfmeterschiesen\/\" target=\"_blank\">Alle Fakten zum Elfmeterschie\u00dfen<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.alltagsforschung.de\/die-psychologie-des-fusballs\/\" target=\"_blank\">10 psychologische Fakten \u00fcber Fu\u00dfball<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Champions-League-Finale 2012, FC Bayern M\u00fcnchen gegen FC Chelsea, Elfmeterschie\u00dfen. Wie schaffte es Torwart Petr \u010cech, sechsmal in die richtige Ecke zu springen? Und warum versagten auf Seiten der Bayern ausgerechnet erfahrene Spieler wie Schweinsteiger und Robben? Auf der Suche nach dem Geheimnis des perfekten Elfmeters sprach Ben Lyttleton mit Spielern, Trainern und Sportwissenschaftlern. 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