{"id":9381,"date":"2015-09-05T05:30:54","date_gmt":"2015-09-05T05:30:54","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9381"},"modified":"2015-09-04T09:02:41","modified_gmt":"2015-09-04T09:02:41","slug":"zu-martin-walser-5-walser-und-die-krimis-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9381","title":{"rendered":"Zu Martin Walser (5): Walser und die Krimis \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ein angesehener Schriftsteller zur Feder greift, um Kriminalromane zu schreiben, dann r\u00fcmpft mancheiner die Nase. Oder es wird einfach die Tatsache unter den Tisch gekehrt, dass einer einmal zu diesem Zwecke die Feder ergriff \u2026<\/p>\n<p>Anders kann ich es mir nicht erkl\u00e4ren, dass von keinem anderen als <a href=\"http:\/\/Ehttps:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=martin+walser\" target=\"_blank\">Martin Walser<\/a> beflissentlich die Ver\u00f6ffentlichung von immerhin sechs Krimis, die allerdings als H\u00f6rspiele gestaltet wurden, verschwiegen wird, z.B. bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Walser\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a> kein Wort.<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/www.fernsehlexikon.de\/wp-content\/Tatort_Vorspann.jpg\" alt=\"Tatort \u2013 TV-Reihe der ARD (seit 1970)\" title=\"Tatort \u2013 TV-Reihe der ARD (seit 1970)\" \/><\/ul>\n<p>Nicht verschweigen konnte man bis jetzt seine Mitt\u00e4terschaft bei dem Schreiben zu einem Drehbuch f\u00fcr eine Folge der ARD-Reihe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tatort_%28Fernsehreihe%29\" target=\"_blank\">Tatort<\/a>. Ich habe es <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=9339\" target=\"_blank\">erst j\u00fcngst erw\u00e4hnt<\/a> (seinen Schwiegersohn <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edgar_Selge\" target=\"_blank\">Edgar Selge<\/a> betreffend, Schauspieler wie seine Frau, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franziska_Walser\" target=\"_blank\">Franziska Walser<\/a>, Martin Walsers Tochter). Es handelt sich um eine Tatort-Folge aus Hamburg mit den Ermittlern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stoever_und_Brockm%C3%B6ller\" target=\"_blank\">Paul Stoever<\/a> (Manfred Krug) und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stoever_und_Brockm%C3%B6ller\" target=\"_blank\">Peter Brockm\u00f6ller<\/a> (Charles Brauer) aus dem Jahr 1989: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tatort:_Armer_Nanosh\" target=\"_blank\">Armer Nanosh<\/a>. Das Drehbuch hierzu schrieb Martin Walser zusammen mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Asta_Scheib\" target=\"_blank\">Asta Scheib<\/a>.<\/p>\n<p>Das Walser durchaus gro\u00dfe Sympathie f\u00fcr seinen Schwiegersohn hegt, l\u00e4sst sich daraus ersehen, dass er eine Rolle haupts\u00e4chlich f\u00fcr diesen verfasst hat, wenn es dann am Ende auch die Rolle des \u2026 ist &#8211; aber ich will nicht zu viel verraten. Okay, es ist nicht einer der besten Tatort-Folgen. Interessant ist er aber trotzdem \u2026<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ul0aBxINEUw\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nTatort (220) aus Hamburg (1989): Armer Nanosh<\/p>\n<p>Nun, ich taste mich langsam voran. Bevor ich zu den anfangs erw\u00e4hnten sechs Kriminal-H\u00f6rspielen komme (als Stichwort sei bereits der Name <a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?q=martin+walser+tassilo\" target=\"_blank\">Tassilo<\/a> genannt), sei noch auf eine Kurzgeschichte von Martin Walser hingewiesen, die der L\u00e4nge wegen wohl nur mit anderen Werken in Buchform erschienen ist; diese hier aber nicht aufgef\u00fchrt zu haben, k\u00e4me einem Verbrecher gleich, gelt?<\/p>\n<p>Um es gleich zu sagen: Die Walser\u2019sche Erz\u00e4hlung hat <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcel_Reich-Ranicki\" target=\"_blank\">Marcel Reich-Ranicki<\/a> als Herausgeber in <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3458358854\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3458358854&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Die besten deutschen Erz\u00e4hlungen<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3458358854\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, also die nach Ansicht Reich-Ranickis besten deutschen Erz\u00e4hlungen, ver\u00f6ffentlicht. Neben Goethe, Brecht, Namensvetter Robert Walser, Kafka u.v.a. darf Martin Walser in dieser Auswahl nicht fehlen, auch wenn sich zu Lebzeiten Reich-Ranickis beide nicht immer wohlgesonnen waren.<\/p>\n<p>Es handelt sich um die Erz\u00e4hlung <em><strong>Selbstportr\u00e4t als Kriminalroman<\/strong><\/em>:<\/p>\n<p><em>&#8222;Unser Freund&#8220; hat ein nicht n\u00e4her beschriebenes Verbrechen begangen.<\/em><\/p>\n<p>Unser Freund hat ein harmloses Verbrechen begangen. Er h\u00e4lt sein Verbrechen f\u00fcr harmlos. Er tut zumindest so, als halte er sein Verbrechen f\u00fcr harmlos. Er ist nicht bereit zuzugeben, dass sein Verbrechen ein ernsthaftes, ein schlimmes Verbrechen sein k\u00f6nne. Er ist sehr empfindlich, wenn jemand auf sein Verbrechen zu sprechen kommt.<\/p>\n<p><em>Sobald jemand sein Verbrechen erw\u00e4hnt, braust er auf. Erst wenn man ihn hemmungslos f\u00fcr sein Verbrechen lobt, beruhigt er sich. Dann l\u00e4chelt er wie ein dreizehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen, dem man sagt, es sehe hundertmal verf\u00fchrerischer aus als Marilyn Monroe. Unser Freund behauptet allerdings, es sei ihm peinlich, gelobt zu werden und beschuldigt sich erneut des Verbrechens.<\/em><\/p>\n<p>Ja, wer denn nicht, sagen wir dann! Ob er uns jemanden sagen k\u00f6nne, der in der Geschichte der Menschheit irgendeine Rolle spiele, und kein Verbrechen begangen habe! Schon eine Rolle zu spielen, oder spielen zu wollen in der Geschichte der Menschheit, sei ja der Beginn jedes gro\u00dfen Verbrechens &#8230;<\/p>\n<p><em>Unser Freund verd\u00e4chtigt uns alle, dass wir l\u00fcgen, wenn wir ihn loben, und er unterstellt uns, dass wir auf der Seite des Inspektors st\u00fcnden.<\/em><\/p>\n<p>Der Inspektor, also. Die gro\u00dfe Gegenfigur unseres Freundes. Er redet andauernd von diesem Inspektor. [&#8230;]<br \/>\nDer Inspektor ist ein Verbrecher, der nicht den Mut gehabt hat, etwas zu begehen. <\/p>\n<p><em>Der Inspektor verfolgt unseren Freund, und der beobachtet jeden seiner Schritte, ist genaugenommen mehr hinter dem Inspektor her als der hinter ihm. Inzwischen hat jedoch der Inspektor das Interesse an unserem Freund verloren.<\/em><\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr einen, dem das Verfolgtwerden zum Lebensinhalt geworden ist, offenbar das Schlimmste.<\/p>\n<p>(Quelle. <a href=\"http:\/\/www.dieterwunderlich.de\/Walser_selbstportrat.htm\" target=\"_blank\">dieterwunderlich.de<\/a>)<\/p>\n<p>Das klingt nach <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=5432\" target=\"_blank\">Kafkas Prozess<\/a> &#8211; und im \u201aInspektor\u2018 l\u00e4sst sie der eben jene fr\u00fchere Kritiker-Papst Reich-Ranicki erkennen (vergleiche <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=7381\" target=\"_blank\">Zu Martin Walser (4): Tod eines Kritikers<\/a>). Eine literarische Finger\u00fcbung des \u201aAutors vom Bodensee\u2018.<\/p>\n<p>F\u00fcr heute genug: zu den sechs genannten Kriminal-H\u00f6rspielen von Martin Walser in den n\u00e4chsten Tagen mehr &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein angesehener Schriftsteller zur Feder greift, um Kriminalromane zu schreiben, dann r\u00fcmpft mancheiner die Nase. 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