{"id":9524,"date":"2016-01-07T10:03:11","date_gmt":"2016-01-07T10:03:11","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9524"},"modified":"2016-01-07T10:10:01","modified_gmt":"2016-01-07T10:10:01","slug":"jacques-tati-die-ferien-des-monsieur-hulot-1953","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9524","title":{"rendered":"Jacques Tati: Die Ferien des Monsieur Hulot (1953)"},"content":{"rendered":"<p>Zum Jahreswechsel sendete <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\" target=\"_blank\">arte<\/a> gleich <a href=\"http:\/\/cinema.arte.tv\/de\/dossier\/schwerpunkt-jacques-tati\" target=\"_blank\">f\u00fcnf Filme<\/a> von <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;index=dvd&#038;keywords=jacques%20tati&#038;linkCode=ur2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Jacques Tati<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, dem genialen franz\u00f6sischen Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseur, dem Botschafter einer poetisch-burlesken Welt, die der Filmgeschichte ihren Stempel aufgedr\u00fcckt hat.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jacques_Tati\" target=\"_blank\">Jacques Tati<\/a> (b\u00fcrgerlich Jacques Tatischeff; 1907 &#8211; 1982) <em>kam von der B\u00fchne, wo er mit pantomimischen Szenen Erfolg hatte, in denen er Sportarten und Reisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln parodierte. Anfang der 1930er Jahre tauchte er erstmals in Kurzfilmen auf, etwa als Tennis-Champion.<\/em><\/p>\n<p><em>1947 hatte Tati seinen Durchbruch mit dem ersten selbst geschriebenen und inszenierten Langfilm Jour de f\u00eate (Tatis Sch\u00fctzenfest).<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/jacques_tati_monsieur_hulot_ferien.jpg\" alt=\"Jacques Tati: Die Ferien des Monsieur Hulot (1953) - \u00a9 Les Films de Mon Oncle\" title=\"Jacques Tati: Die Ferien des Monsieur Hulot (1953) - \u00a9 Les Films de Mon Oncle\" \/><\/p>\n<p>Sein zweiter Film <em>Les Vacances de Monsieur Hulot<\/em> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Ferien_des_Monsieur_Hulot\" target=\"_blank\">Die Ferien des Monsieur Hulot<\/a>) spielt im H\u00f4tel de la Plage (das heute noch als leicht ver\u00e4ndertes Hotel existiert) in einem Urlaubsort am Meer (Saint-Marc-sur-Mer, nahe Saint-Nazaire im D\u00e9partement Loire-Atlantique). Er zeigt zum ersten Mal Tatis Alter Ego Hulot, einen liebensw\u00fcrdigen Individualisten mit Hut und langer Pfeife, der mit den T\u00fccken der modernen Zivilisation und den neuzeitlichen Umgangsformen einen permanenten Kampf austr\u00e4gt. Der Film gewann 1953 den Louis-Delluc-Preis, das Drehbuch war 1956 f\u00fcr einen Oscar nominiert. Ein wesentliches Kennzeichen des Films ist der fast vollst\u00e4ndige Verzicht auf Dialoge. Die Hauptfigur Monsieur Hulot, die Verk\u00f6rperung eines tollpatschigen Antihelden, gibt so gut wie kein verst\u00e4ndliches Wort von sich. Er spricht nur ein Wort, n\u00e4mlich seinen Namen Hulot, den er dann auch noch kurz buchstabiert. Im Grunde funktioniert der Film wie ein Stummfilm. Von den wenigen Dialogen, die zudem in den verschiedenen Sprachen der G\u00e4ste \u2212 Franz\u00f6sisch, Deutsch und Englisch \u2212 gesprochen werden, gehen die meisten in lauten Hintergrundger\u00e4uschen unter oder sie sind bis auf ein paar Wortfetzen bis zur beinahe vollst\u00e4ndigen Unverst\u00e4ndlichkeit verst\u00fcmmelt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5hkiXFdFkJ4\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nJacques Tati: Die Ferien des Monsieur Hulot (1953) [leider fehlt hier das Ende des Films, die Verabschiedung der Urlaubsg\u00e4ste]<\/p>\n<p>Ich habe mir den Film \u201ezwischen den Jahren\u201c nach vielen Jahren wieder einmal angeschaut. Um es gleich zu sagen: Der Film l\u00e4sst sich nicht mit heutigen Filmkom\u00f6dien vergleichen, die so oft die Tendenz haben, \u00fcberdreht zu sein. Tatis Hulot kommt eher auf leisen Sohlen daher, wenn sein altmodisches Auto auch gleich zu Beginn des Films f\u00fcr viel Krach sorgt. Denke ich da z.B. an die zuletzt geschauten <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=9518\" target=\"_blank\">Schweiger-Tatorte<\/a>, so mutma\u00dfe ich, dass dieser Film einem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/TilSchweiger\/photos\/a.189168211213857.42000.187849168012428\/758496110947728\/?type=3&#038;theater\" target=\"_blank\">Til Schweiger<\/a> nat\u00fcrlich nicht gefallen wird. Er ist nicht \u201ekompromisslos, atemlos, viril\u201c genug und leider auch ohne \u201eNon Stop Action\u201c  a la Schweigers Tatorte. Daf\u00fcr ist der Film \u201eDie Ferien des Monsieur Hulot\u201c allerdings in die Filmgeschichte eingegangen (die Schweiger-Filme hat man kaum gesehen, dann schon vergessen \u2026)<\/p>\n<p><em>Der Film ist der erste, in dessen Mittelpunkt Monsieur Hulot steht, die von Tati erschaffene Figur des vertr\u00e4umten, biederen, linkischen Einzelg\u00e4ngers, der ebenso ber\u00fchmt werden sollte wie sein Erfinder und in allen sp\u00e4teren Filmen des Regisseurs auftrat.<\/p>\n<p>In einer kleinen Pension in der Bretagne bringt die Ankunft des exzentrischen Monsieur Hulot, der hier seine Urlaubstage verbringen will, die beschauliche Ruhe der Ferieng\u00e4ste durcheinander.<\/em><\/p>\n<p><em>Vor dem Hintergrund des damals im Zuge des bezahlten Urlaubs gerade erst aufkommenden Massentourismus inszeniert Tati mit h\u00f6chstem k\u00fcnstlerischem Fingerspitzengef\u00fchl eine nicht abrei\u00dfende Reihe poetischer Gags.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit dem ihm eigenen Perfektionismus fertigte Tati insgesamt drei Fassungen des Films an: Nach der Originalfassung, die 1953 in die Kinos kam, folgte Anfang der 1960er ein Neuschnitt, in dem Tati mehrere Einstellungen auswechselte und Musik und Tonmischung neu erstellte. Die dritte Fassung (Ende der 1960er Jahre) war f\u00fcr eine neue Zuschauergeneration bestimmt. Neben mehreren Umschnitten f\u00fcgte Tati eine neu gedrehte Szene hinzu: Der speziell inszenierte Gag war eine Anspielung auf Spielbergs Der wei\u00dfe Hai, der 1975 in den Kinos weltweit Furore machte und das Bild vom Strand als Ort der Unbeschwertheit f\u00fcr Millionen von Urlaubern f\u00fcr immer ver\u00e4nderte. Diese dritte und letzte Fassung wird auf ARTE gezeigt.<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/sites\/de\/olivierpere-de\/\" target=\"_blank\">Olivier P\u00e8re<\/a>)<\/p>\n<p>Tatis Alter Ego, der Monsieur Hulot, war das Vorbild f\u00fcr viele nachfolgende Komiker. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mr._Bean_%28Comedysendung%29\" target=\"_blank\">Mr. Bean<\/a> g\u00e4be es mit Sicherheit ohne M. Hulot nicht. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_Waalkes\" target=\"_blank\">Otto Waalkes<\/a> (dank an meinen alten Kumpel <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/willizblog\/posts\/1242553295761784?comment_id=1242568319093615&#038;reply_comment_id=1242599285757185&#038;comment_tracking={%22tn%22%3A%22R%22}&#038;pnref=story\" target=\"_blank\">Hajo Graue<\/a>) \u201ahat sich die Gangart des M. Hulot zu eigen gemacht\u2018. Und wer kennt nicht den ber\u00fchmten Sketch \u201aZimmerverw\u00fcstung\u2018 von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Loriot\" target=\"_blank\">Loriot<\/a>: \u201eDas Bild h\u00e4ngt schief!\u201c. Hier hat sich Loriot bei M. Hulot bedient. Zzun\u00e4chst der Loriot-Sketch:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/dq3E0iXRY7o\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nLoriot: Zimmerverw\u00fcstung (\u201cDas Bild h\u00e4ngt schief!\u201d)<\/p>\n<p>Und hier der kleine Filmausschnitt aus Tatis Film: <em>Bei dem Versuch, ein Bild gerade zu r\u00fccken, hinterl\u00e4sst Hulot ein Zimmer mit einigen demolierten und besch\u00e4digten Gegenst\u00e4nden.<\/em> Okay, ganz so extrem wie Loriot treibt es M. Hulot nicht:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ZIF5WALshI8\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nAusschnitt aus: Jacques Tati: Die Ferien des Monsieur Hulot (1953) (\u201cDas Bild h\u00e4ngt schief!\u201d)<\/p>\n<p>Und ich erinnere mich an ein Feuerwerk aus einen der Filme um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pink-Panther-Reihe#Inspektor_Jacques_Clouseau\" target=\"_blank\">Inspektor Clouseau<\/a> (mit Peter Sellers), das auch \u201aunbeabsichtigt\u2018 entz\u00fcndet wurde.<\/p>\n<p> <em>\u201eWie eine Perlenschnur sind die Gags aufgereiht, verbunden von einer \u00fcberaus liebenswerten Intelligenz und einem romantischen Charme, der \u00fcber Chaplins kalkuliertes Spiel weit hinausgeht. Eine z\u00e4rtlich-erfreuliche Typen-Kom\u00f6die, die sich gegen jede filmische Einordnung nicht nur im franz\u00f6sischen Kino sperrt.\u201c<\/em> (Lexikon des Internationalen Films)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Jahreswechsel sendete arte gleich f\u00fcnf Filme von Jacques Tati, dem genialen franz\u00f6sischen Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseur, dem Botschafter einer poetisch-burlesken Welt, die der Filmgeschichte ihren Stempel aufgedr\u00fcckt hat. Jacques Tati (b\u00fcrgerlich Jacques Tatischeff; 1907 &#8211; 1982) kam von der B\u00fchne, wo er mit pantomimischen Szenen Erfolg hatte, in denen er Sportarten und Reisen mit &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=9524\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Jacques Tati: Die Ferien des Monsieur Hulot (1953)<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9524"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9524"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9524\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9524"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}