{"id":9533,"date":"2016-01-13T12:35:42","date_gmt":"2016-01-13T12:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9533"},"modified":"2016-01-13T12:43:06","modified_gmt":"2016-01-13T12:43:06","slug":"unwort-des-jahres-2015-gutmensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9533","title":{"rendered":"Unwort des Jahres 2015: Gutmensch"},"content":{"rendered":"<p>Die Rechtsextremen-Szene hat ihren eigenen Jargon. Dabei werden oft Begriffe \u00fcbernommen und in ihrem Wortsinne umgekehrt. Das Wort <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=gutmensch\" target=\"_blank\">\u201aGutmensch\u2018<\/a> dient so der Verh\u00f6hnung von Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzen, und damit als \u201eKampfbegriff gegen Andersdenkende\u201c.<\/p>\n<p>Jetzt wurde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gutmensch\" target=\"_blank\">\u201aGutmensch\u2018<\/a> zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unwort_des_Jahres_%28Deutschland%29\" target=\"_blank\">Unwort des Jahres<\/a> 2015 gew\u00e4hlt, nachdem das Wort bereits 2011 auf den zweiten Platz gelandet war. Ich finde das gut so. Wer \u201eToleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert\u201c, wer diejenigen, \u201edie sich ehrenamtlich in der Fl\u00fcchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Fl\u00fcchtlingsheime stellen\u201c, zu beleidigen sucht, wird auf diese Weise blo\u00dfgestellt. Wer andere mit diesem Unwort bedenkt, offenbart lediglich seine dumme Arroganz, Uneinsichtigkeit, ja sein ganzes asoziales Verhalten.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/unwort_2015_gutmensch.jpg\" alt=\"Unwort des Jahres 2015: Gutmensch\" title=\"Unwort des Jahres 2015: Gutmensch\" \/><\/p>\n<p>Leider wird der Ausdruck nicht nur im rechtsextremen Lager benutzt, sondern auch von Journalisten zur Pauschalkritik an einem &#8222;Konformismus des Guten\u201c. Vielleicht l\u00e4sst die Brandmarkung als Unwort des Jahres solche Journalisten ihr Schreiben \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich steht die Wahl des Wortes \u201aGutmensch\u2018 im Zusammenhang mit dem, was immer wieder als Fl\u00fcchtlingskrise bezeichnet wird. Und geradezu zwangsl\u00e4ufig w\u00e4ren wir damit bei den Ereignissen der Silvesternacht am K\u00f6lner Hauptbahnhof. Dazu ist bis heute sehr viel geschrieben worden. Vor allem viel Unsinn. Keine Angst, ich werde mich h\u00fcten, hier meinen Senf dazu beizutragen. Aber so ganz entkommt Ihr mir dann doch nicht.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst verweise ich auf einen Gastbeitrag der t\u00fcrkischst\u00e4mmige Autorin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Necla_Kelek\" target=\"_blank\">Necla Kelek<\/a> (58) auf <em>rp-online.de<\/em>: <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/nrw\/staedte\/koeln\/gastbeitrag-zu-koeln-und-den-folgen-es-gibt-kein-schluessiges-konzept-fuer-integration-aid-1.5680719\" target=\"_blank\">Kaum einer hat sich Gedanken gemacht, wer da ins Land kommt<\/a><\/p>\n<p>Frau Kelek ist nicht unumstritten. Zu den vielen hunderttausend jungen m\u00e4nnlichen Fl\u00fcchtlingen schreibt sie: \u201eIhre Sozialisation ist von Gewalt, der Unterwerfung der Frauen durch die M\u00e4nner, von Homophobie und Antisemitismus, von Unterwerfung des Einzelnen unter die religi\u00f6se Gemeinschaft, von der Familie, dem Clan gepr\u00e4gt.[ \u2026] alle kommen mit der kulturellen Pr\u00e4gung eines islamischen Welt- und Menschenbildes hierher, das sich von dem libert\u00e4ren Freiheitsbegriff unserer Zivilgesellschaft fundamental unterscheidet.\u201c<\/p>\n<p>Damit hat sie meiner Meinung durchaus Recht. Sie schreibt dann aber weiter: \u201eDas Ergebnis ist ein Kulturschock, der sich in Gewalt und \u00dcbergriffen entladen hat.\u201c \u2013 siehe K\u00f6ln. Ich f\u00fcrchte, dass hier extrem verallgemeinert wird. Ein Problem vieler (fast aller) Wortmeldungen in diesen Tagen. Die jungen Fl\u00fcchtlinge kommen nach Deutschland durchaus mit der Einsicht, dass hier vieles anders ist und dass sie sich den Gegebenheiten anpassen, dass sie sich integrieren m\u00fcssen, wenn sie bleiben wollen. Ausnahmen gibt es nat\u00fcrlich immer. Und die haben sich in K\u00f6ln \u201avorgestellt\u2018.<\/p>\n<p>Aber genug. Oder doch noch nicht ganz. Ich empfehle einen Beitrag von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_Fischer_%28Jurist%29\" target=\"_blank\">Thomas Fischer<\/a>, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof, auf zeit.de: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2016-01\/sexmob-koeln-kriminalitaet-strafrecht-fischer-im-recht\/komplettansicht\" target=\"_blank\"><strong>Unser Sexmob<\/strong><\/a>. Sein ironischer, gar polemischer Ton mag manchen vielleicht abschrecken; ich finde diesen aber durchaus dem Thema angemessen. Denn so langsam glaube ich, dass wir in einem Irrenhaus leben. Und dem kann man nur noch mit einer Prise Humor begegnen. Herr Fischer geht mit viel gesundem Menschenverstand an die Sache. Und besonders unsere Politiker, allen voran Frau Merkel, bekommen ihr Fett weg. Ich empfehle dabei, die Kolumne bis zum Ende zu lesen. Von meiner Seite ist dem nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen. Nun aber wirklich genug!<\/p>\n<p>Noch eines: Leider predigt auch ein Bundesrichter mit seinem Text tauben Ohren. Und die, die etwas missverstehen wollen, werden es auch missverstehen. Wenn es aber gelingt, den oder die eine(n) nachdenklich zu machen, so w\u00e4re das schon ein Erfolg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rechtsextremen-Szene hat ihren eigenen Jargon. Dabei werden oft Begriffe \u00fcbernommen und in ihrem Wortsinne umgekehrt. Das Wort \u201aGutmensch\u2018 dient so der Verh\u00f6hnung von Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzen, und damit als \u201eKampfbegriff gegen Andersdenkende\u201c. 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