{"id":9591,"date":"2016-02-23T11:13:35","date_gmt":"2016-02-23T11:13:35","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9591"},"modified":"2016-02-23T11:49:55","modified_gmt":"2016-02-23T11:49:55","slug":"deutsch-fuer-besorgte-buerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9591","title":{"rendered":"Deutsch f\u00fcr \u2018besorgte B\u00fcrger\u2019"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich so in Rage schreit und schreibt, vergisst gern jegliche Rechtschreibung, die grammatischen Regeln und kennt als Zeichensetzung nur noch ein Vielfaches des Ausrufungszeichens. Wahrscheinlich wurde im Deutschunterricht auch nicht richtig aufgepasst. F\u00fcr all die \u201abesorgten B\u00fcrger\u2018, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, m\u00f6chte ich hiermit helfen, ihren Hass in m\u00f6glichst wohlartikulierte Worte fassen zu lernen.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/tastatur_besorgte_buerger.gif\" alt=\"Tastatur f\u00fcr \u201abesorgte B\u00fcrger\u2018\" title=\"Tastatur f\u00fcr \u201abesorgte B\u00fcrger\u2018\" \/><\/p>\n<p>Beginnen m\u00f6chte ich mit den Tuwort (T\u00e4tigkeitswort, Zeitwort, Verb) <strong>\u201asein\u2018<\/strong>, das nicht mit dem besitzanzeigenden F\u00fcrw\u00f6rter (Possessivpronomen) \u201asein\u2018 zu verwechseln ist (mein, dein, sein, wobei mein und dein als solches schon allein nicht zu verwechseln sind). Es ist ein ziemlich schwieriges Tuwort, da es unregelm\u00e4\u00dfig gebildet wird.<\/p>\n<p>Verben, also Tuw\u00f6rter, werden \u00fcber das Tempus (die Zeit) und f\u00fcr Personen samt Numerus (Anzahl) ausgebildet. Bekanntlich (wirklich?) gibt es grammatisch die 1. Person, die 2. und die 3. Person als Einzahl (Singular) und Mehrzahl (Plural). Zu der Zeitbildung kommen wir gleich. Erst einmal bleiben wir bei der Gegenwart (Pr\u00e4sens). Damit ergibt sich das Folgende f\u00fcr das Tuwort <strong>\u201asein\u2018<\/strong>:<\/p>\n<p><strong>Einzahl:<\/strong><br \/>\n<em>Ich bin<br \/>\nDu bist<br \/>\nEr, sie, es ist<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehrzahl:<\/strong><br \/>\n<em>Wir sind<br \/>\nIhr seid<br \/>\nSie sind<br \/>\n<\/em><br \/>\nNun, meine lieben \u201abesorgten B\u00fcrger\u2018: Es w\u00e4re zu sch\u00f6n, wenn es bei dieser einzigen Aussageform (Modus) bliebe. Neben der Wirklichkeitsform (Indikativ) wie oben gibt es nat\u00fcrlich auch noch die M\u00f6glichkeitsform (Konjunktiv) und die Befehlsform (Imperativ). Die Grundform (Infinitiv) mit zu (\u2026 zu sein) sollte nicht ganz vergessen werden.<\/p>\n<p>In der M\u00f6glichkeitsform hei\u00dft das:<\/p>\n<p><strong>Einzahl:<\/strong><br \/>\n<em>Ich sei<br \/>\nDu seiest, seist<br \/>\nEr, sie, es sei<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehrzahl:<\/strong><br \/>\n<em>Wir seien<br \/>\nIhr seiet<br \/>\nSie seien<\/em><\/p>\n<p>Mit dem Konjunktiv befindet Ihr Euch meist auf Kriegsfu\u00df und benutzt daf\u00fcr gern den Indikativ (<em>Er hat gesagt, dass er zum Pegida-Aufmarsch geht.<\/em> anstatt <em>Er sagte, dass er zum Pegida-Aufmarsch gehe.<\/em>)<\/p>\n<p>Der Imperativ ist einfach: <em>Sei! Sei ein Mensch und kein Tier!<\/em><\/p>\n<p>Neben der Zeit der Gegenwart gibt es noch zwei weitere \u201anormale\u2018 Zeiten wie Vergangenheit (Pr\u00e4teritum) und Zukunft (Futur I) und die jeweiligen vollendeten Formen wie vollendete Gegenwart (Perfekt), vollendete Vergangenheit (Plusquamperfekt) und vollendete Zukunft (Zukunft II). Das nat\u00fcrlich auch jeweils in Wirklichkeits- und M\u00f6glichkeitsform.<\/p>\n<p>Begn\u00fcgen wir uns hier erst einmal (Eure K\u00f6pfe rauchen sicherlich schon!) mit der Vergangenheit in der Wirklichkeitsform:<\/p>\n<p><strong>Einzahl:<\/strong><br \/>\n<em>Ich war<br \/>\nDu warst<br \/>\nEr, sie, es war<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehrzahl:<\/strong><br \/>\n<em>Wir waren<br \/>\nIhr wart<br \/>\nSie waren<\/em><\/p>\n<p>Die Zukunft wird \u00fcbrigens mit dem Hilfsverb werden gebildet (ich werde sein usw.). Den Genus verbi, die T\u00e4tigkeits- (Aktiv) und Leidensform (Passiv), lassen wir erst einmal au\u00dfen vor, zumal mit dem Tuwort \u201asein\u2018 als verbindendes Tuwort (Kopula) lediglich ein Zustandspassiv (z.B. \u201adie T\u00fcr ist ge\u00f6ffnet\u2018) gebildet wird. Ich will hier niemanden \u00fcberfordern.<\/p>\n<p>Grau ist bekanntlich alle Theorie (so Mephisto in Goethes Faust). Kommen wir zu einer kleinen praktischen \u00dcbung:<\/p>\n<p><strong>Wir sind das Volk!<\/strong> schreit ihr. (1. Person in Gegenwart Indikativ)<br \/>\n<strong>Ihr meint, ihr w\u00e4rt das Volk!<\/strong> Na, welche Form ist das?<br \/>\n<strong>Ihr seid ein Dreck!<\/strong> bekommt ihr \u00f6fter als Antwort. Und das?<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Lektion werden wir uns mit den Tuw\u00f6rtern <em>\u201aschie\u00dfen\u2018<\/em> und <em>\u201aschei\u00dfen\u2018<\/em> besch\u00e4ftigen \u2013 und deren Etymologie, also Herkunft und Geschichte (und ob beide einen gemeinsamen Ursprung haben).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich so in Rage schreit und schreibt, vergisst gern jegliche Rechtschreibung, die grammatischen Regeln und kennt als Zeichensetzung nur noch ein Vielfaches des Ausrufungszeichens. Wahrscheinlich wurde im Deutschunterricht auch nicht richtig aufgepasst. 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