{"id":9649,"date":"2016-04-20T11:54:29","date_gmt":"2016-04-20T11:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9649"},"modified":"2016-04-20T11:58:38","modified_gmt":"2016-04-20T11:58:38","slug":"franz-kafka-briefe-an-milena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9649","title":{"rendered":"Franz Kafka: Briefe an Milena"},"content":{"rendered":"<ul><em>Briefe schreiben hei\u00dft sich vor den Gespenstern entbl\u00f6\u00dfen, worauf sie gierig warten. Geschriebene K\u00fcsse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den Gespenstern auf dem Wege ausgetrunken.<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=kafka\" target=\"_blank\"><strong>Franz Kafka<\/strong><\/a> an <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Milena_Jesensk%C3%A1\" target=\"_blank\">Milena Jesensk\u00e1<\/a> (S. 199)<\/ul>\n<p><em>Zu Beginn des Jahres 1920<\/em> [Ende 1919] <em>hatte Franz Kafka Milena kennengelernt. Zwischen ihr und Kafka entstand eine innige Freundschaft. Schon Kafkas Tageb\u00fccher haben uns die wirkliche Tiefe dieser Freundschaft gezeigt. Doch ahnen wir dort nur, was sich hier in diesen zum ersten Mal im Taschenbuch ver\u00f6ffentlichten Briefen offenbart: ein Liebesroman, eine Orgie an Verzweiflung, Seligkeit, Selbstzerfleischung und Selbsterniedrigung.<\/em> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Willy_Haas\" target=\"_blank\">Willy Haas<\/a> im Klappentext)<\/p>\n<p><em>\u201eIn der r\u00fccksichtslosen Enth\u00fcllung menschlicher Gr\u00f6\u00dfe und Schwachheit, Leidenschaft und Feigheit, kann dieser Band als Lebensdokument nur etwa mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean-Jacques_Rousseau\" target=\"_blank\">Rousseaus<\/a> \u201aBekenntnissen\u2018 verglichen werden.\u201c<\/em> (Die Welt)<\/p>\n<p><em>Kafkas Briefe an Milena Jesensk\u00e1 sind das pers\u00f6nlichste, ja das leidenschaftlichste Dokument, das wir von ihm haben.<\/em> (Umschlagtext)<\/p>\n<p>Kafkas <a rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3596253071\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3596253071&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21\" target=\"_blank\"><strong>Briefe an Milena<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3596253071\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> habe ich als Band 756 aus dem Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main \u2013 84. \u2013 88. Tausend: April 1976 \u2013 vorliegen. \u00a9 1952 Schocken Books Inc., New York City, USA<\/p>\n<p>Schon vor einiger Zeit <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=5610\" target=\"_blank\">schrieb ich<\/a>: \u201eEigentlich bin ich kein Voyeur, der sich in das Privatleben eines Schriftstellers zu schleichen w\u00fcnscht.\u201c  Bei einem wie Kafka, der oft ausf\u00fchrlich Tagebuch und intensiv und \u00fcber eine lange Zeit seines Lebens sehr <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Kafka#Briefe\" target=\"_blank\">pers\u00f6nliche Briefe<\/a> schrieb, hat man schnell erkannt, dass z.B. <em>seine Briefe seine hohe Sensibilit\u00e4t belegen und seine Sicht der bedrohlichen Aspekte seiner Innenwelt und seine \u00c4ngste angesichts der Au\u00dfenwelt vermitteln. Manche Autoren halten daher Kafkas Briefe nicht nur f\u00fcr eine Erg\u00e4nzung seines literarischen Werks, sondern sehen sie als Teil davon. Besonders seine [\u2026] Briefe an Milena geh\u00f6ren zu den gro\u00dfen Briefdokumenten des 20. Jahrhunderts.<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/kafka_milena_jesenska.jpg\" alt=\"Franz Kafka &#038; Milena Jesensk\u00e1\" title=\"Franz Kafka &#038; Milena Jesensk\u00e1\" \/><\/p>\n<p>Milena Jesenska arbeitete als Journalistin in Wien und \u00fcbersetzte Texte vom Deutschen ins Tschechische. Franz Kafka hatte sie wohl Ende 1919 bei einem Besuch des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Caf%C3%A9_Arco\" target=\"_blank\">Caf\u00e9 Arco<\/a> in der Prager Altstadt (Ecke Plaster-\/Hybernergasse) mit ihrem Mann <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Polak\" target=\"_blank\">Ernst Pollak<\/a> fl\u00fcchtig kennengelernt. Bald darauf bat sie Kafka, einige seiner Texte ins Tschechische \u00fcbersetzen zu d\u00fcrfen. So \u00fcbersetzte sie 1919 mit Kafkas Erlaubnis seine Erz\u00e4hlung \u201eDer Heizer\u201c, die im April 1920 erschien, sowie weitere seiner Prosatexte vom Deutschen ins Tschechische, worauf sich ihre Beziehung zum Schriftsteller vertiefte. Aus dieser haupts\u00e4chlich aus brieflichen Kontakten und wenigen Begegnungen bestehenden Beziehung resultiert ein umfangreicher Briefwechsel, von dem allerdings nur noch Kafkas Briefe erhalten sind. Den ersten Brief schrieb Kafka im April 1920 aus Meran-Untermais an Milena. Die ersten Brief sind datiert. Sp\u00e4tere Briefe enthalten meist nur noch den Wochentag (teilweise auch nummeriert) und lie\u00dfen sich zun\u00e4chst nur schwer der Reihenfolge nach sortieren (siehe <em>Briefe an Milena<\/em> als <a href=\"http:\/\/www.odaha.com\/sites\/default\/files\/BriefeAnMilena.pdf\" target=\"_blank\">PDF mit Datierung<\/a>).<\/p>\n<ul><em>Wurde mir der Liebespfeil in die Schl\u00e4fen geschossen, statt ins Herz?<\/em><br \/>\nFranz Kafka an Milena Jesensk\u00e1 (S. 163)<\/ul>\n<p><em>Die aus Prag stammende Journalistin war eine lebhafte, selbstbewusste, moderne, emanzipierte Frau von 24 Jahren. Sie lebte in Wien und befand sich in einer auseinandergehenden Ehe mit dem Prager Schriftsteller Ernst Pollak. Nach ersten Briefkontakten kam es zu einem Besuch Kafkas Ende Juni\/Anfang Juli 1920 in Wien. Voller Begeisterung berichtete der Zur\u00fcckgekehrte seinem Freund Max Brod von der viert\u00e4gigen Begegnung.<\/em> Im August 1920 trafen sich beide dann mindestens noch einmal in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gm%C3%BCnd_%28Nieder%C3%B6sterreich%29\" target=\"_blank\">Gm\u00fcnd<\/a> an der tschechisch-\u00f6sterreichischen Grenze. <em>Doch wie schon bei Felice Bauer, mit der Kafka zweimal verlobt war, wiederholte sich auch bei Milena das alte Muster: auf Ann\u00e4herung und eingebildete Zusammengeh\u00f6rigkeit folgten Zweifel und R\u00fcckzug (siehe u.a.: <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=7069\" target=\"_blank\">Kafkas Beziehungen zu Frauen<\/a>). Kafka beendete nach der Verschlimmerung seiner Krankheit (Lungentuberkulose) schlie\u00dflich die Beziehung im November 1920, woraufhin auch der Briefwechsel abrupt abbrach. Der freundschaftliche Kontakt zwischen beiden riss allerdings bis zu Kafkas Tod nicht ab. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurden wiederum einige vereinzelte Briefe gewechselt, und am Ende seines Lebens \u00fcbergab ihr Kafka einige seiner Tageb\u00fccher.<\/em><\/p>\n<p>Man erahnt es aus den Briefen Kafkas, welch starke Pers\u00f6nlichkeit Milena Jesensk\u00e1 gewesen sein musste. Er war begeistert von ihr. Aber die Beziehung <em>scheiterte an der Angst Kafkas vor der sinnlichen und tatkr\u00e4ftigen Milena, auch an der Angst vor der Konkurrenz mit dem \u00fcberm\u00e4chtig scheinenden Pollak. Er traute sich nicht zu, die energische, selbst\u00e4ndige Frau ganz f\u00fcr sich zu gewinnen. Was er an ihr liebte, wurde ihm zur Bedrohung und zum Verh\u00e4ngnis.<\/em><\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.zeitzug.com\/autoren\/milena-jesenska.html\" target=\"_blank\">Milena war ein lebendiges Feuer<\/a> (zeitzug.com)<br \/>\nund <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1983\/02\/wer-war-milena\" target=\"_blank\">Wer war Milena?<\/a> (zeit.de)<\/p>\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong> <em>Zuf\u00e4llig wurden vierzehn Briefe entdeckt, die Milena Jesensk\u00e1, Journalistin, \u00dcbersetzerin, Widerstandsk\u00e4mpferin und einstige Freundin Franz Kafkas, in der Gefangenschaft geschrieben hat. Nach ihrer Festnahme durch die Gestapo im November 1939 waren das Gef\u00e4ngnis in Dresden und das ber\u00fcchtigten Pankr\u00e1c\u2013Gef\u00e4ngnis in Prag, schlie\u00dflich das Konzentrationslager Ravensbr\u00fcck ihre Leidensstationen.<\/em><\/p>\n<p><a rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3108091026\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3108091026&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21\" target=\"_blank\">Neue Rundschau 2015\/2: <strong>Briefe von Milena Jesensk\u00e1 aus dem Gef\u00e4ngnis<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3108091026\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> &#8211; Hg. Hans J\u00fcrgen Balmes, J\u00f6rg Bong, Alexander Roesler, Oliver Vogel &#8211; 288 S., Hardcover, Fischer Verlag, 2015<\/p>\n<p><em>Die bewegenden Briefe an ihren Vater und ihre Tochter Honza sind ersch\u00fctternde Zeugnisse, in denen Milena Jesensk\u00e1 \u00fcber sich und ihre Familie schreibt, \u00fcber Hoffnungen und Hoffnungslosigkeit. Sie will Mut machen, trotzalledem. Zwischen den Zeilen liest man aber auch ihre Verzweiflung, ausgel\u00f6st vor allem durch ihre nicht oder nur notd\u00fcrftig behandelten Krankheiten. Das sind \u00fcberraschende T\u00f6ne nur f\u00fcr die, die sie noch immer nur im Kafka-Kontext wahrnehmen. Bekannt wurde sie durch die erstmals 1949 ver\u00f6ffentlichten Erinnerungen von <em>Margarete Buber-Neumann<\/em> &#8218;Gefangene bei Stalin und Hitler&#8216; und &#8218;Kafkas Briefe an Milena&#8216;. Die Briefe werden hier von Alena Wagnerov\u00e1 (s. hier auch: <a href=\"http:\/\/www.letnapark-prager-kleine-seiten.com\/kafkas-nichte-prag.html\" target=\"_blank\">Alena Wagnerova; Kafkas Nichte &#8211; Prag<\/a>) zum ersten Mal ediert und erl\u00e4utert. 2014 wurden die Briefe, zusammen mit anderen Schriften, B\u00fcchern und Fotos von Milena Jesensk\u00e1 und ihren Weggef\u00e4hrten im tschechischen Kulturministerium in Prag gezeigt.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.letnapark-prager-kleine-seiten.com\/kurz-und-gut.html\" target=\"_blank\">Letnapark \u2013Prager kleine Seiten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Briefe schreiben hei\u00dft sich vor den Gespenstern entbl\u00f6\u00dfen, worauf sie gierig warten. Geschriebene K\u00fcsse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den Gespenstern auf dem Wege ausgetrunken. Franz Kafka an Milena Jesensk\u00e1 (S. 199) Zu Beginn des Jahres 1920 [Ende 1919] hatte Franz Kafka Milena kennengelernt. 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