{"id":9667,"date":"2016-05-02T12:36:41","date_gmt":"2016-05-02T12:36:41","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9667"},"modified":"2016-05-03T11:37:46","modified_gmt":"2016-05-03T11:37:46","slug":"gaengelei-macht-arbeit-unmoeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9667","title":{"rendered":"\u201eG\u00e4ngelei macht Arbeit unm\u00f6glich\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kreiszeitung-wochenblatt.de\/seevetal\/panorama\/kein-einzelfall-tagesmuetter-geben-job-auf-weil-zusammenarbeit-mit-dem-landkreis-nicht-funktioniert-d77129.html\" target=\"_blank\"><em><strong>Aus der Kreiszeitung-Wochenblatt Nordheide vom 30.04.2016<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Leider kein Einzelfall: Tagesm\u00fctter aus Seevetal geben Job auf, weil die Zusammenarbeit  mit dem Landkreis nicht funktioniert<\/em><\/p>\n<p>\u201eWir geben auf. Wenn man immer die Drohung im Nacken hat, dass einem die Pflegeerlaubnis entzogen wird, kann man nicht gut arbeiten.\u201c Die beiden Tagesm\u00fctter Nicola Kariofilis (37) und Ramona Kipp (35) aus Seevetal finden klare Worte. Vor einigen Wochen waren die beiden ausgebildeten Erzieherinnen noch auf der Suche nach neuen R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr ihr\u201eKinderhaus\u201c in Fleestedt (das WOCHENBLATT  berichtete). Jetzt haben sie die schwere Entscheidung getroffen,  ihre Gro\u00dftagespflege  zum 31. Juli zu schlie\u00dfen. \u201eDie Umst\u00e4nde zwingen uns zu diesem Schritt\u201c, sagt Nicola Kariofilis.<\/p>\n<p>Neben den Schwierigkeiten, neue R\u00e4ume zu finden &#8211; derzeit ist das \u201eKinderhaus\u201c noch im Sporthaus in Fleestedt untergebracht, das Geb\u00e4ude soll bald abgerissen werden &#8211; waren es vor allem Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Landkreis, die den Erzieherinnen die Freude an der Arbeit als Tagesmutter verleidet haben. \u201eEs gab \u00fcberhaupt kein Miteinander, die Atmosph\u00e4re war schlecht,  wir f\u00fchlen uns geg\u00e4ngelt und kontrolliert, obwohl wir Unterst\u00fctzung br\u00e4uchten\u201c, beschreibt Ramona Kipp die Situation. \u201eBei diesen Rahmenbedingungen geht man einfach nicht gern zur Arbeit\u201c, sagt Nicola Kariofilis.<\/p>\n<p>Die beiden Frauen aus Seevetal sind nicht die einzigen, die ihren Job als Tagesmutter  an den Nagel h\u00e4ngen, weil  es Schwierigkeiten mit der zust\u00e4ndigen Abteilung der Kreisverwaltung gibt. Auch im Bereich Winsen gibt es \u00e4hnliche F\u00e4lle.<\/p>\n<p>Auf Nachfrage des WOCHENBLATT, ob die Stadt wisse, dass Tagesm\u00fctter aufgegeben haben, weil die Kooperation mit dem Kreis problematisch war, best\u00e4tigt Stadtsprecher Theodor Peters: \u201eKlare Antwort: Ja. Das ist bei uns an verschiedenen Stellen aufgelaufen.\u201c Vor allem Eltern h\u00e4tten sich bei der Stadt \u00fcber die Zust\u00e4nde beschwert. \u201eWir haben uns deswegen auch schon an den Landkreis gewandt\u201c, so Peters. Die Probleme f\u00fchren derzeit dazu, dass in Winsen einige Betreuungspl\u00e4tze f\u00fcr Kinder fehlen.<\/p>\n<p>Dass es im Getriebe der zust\u00e4ndigen Abteilung \u201eBesondere Leistungen f\u00fcr Kinder  und Jugendliche\u201c knirscht, ist auch bei Kreissprecher Johannes Freudewald angekommen. \u201eWir wurden in den vergangenen 14 Tagen auf aktuelle Probleme in der Zusammenarbeit  angesprochen und f\u00fchren dazu Gespr\u00e4che mit verschiedenen Stellen\u201c,  so Freudewald. Die Kritik nehme man sehr ernst. \u201eWir pr\u00fcfen jeden Einzelfall genau und werden uns auch mit den zust\u00e4ndigen Mitarbeitern zusammensetzen.\u201c  Personelle  Ver\u00e4nderungen seien derzeit nicht geplant, so Freudewald auf Nachfrage. Grunds\u00e4tzlich st\u00fcnden im Bereich  der Kindertagesbetreuung Qualit\u00e4t und Verantwortung f\u00fcr das Kindeswohl absolut im Vordergrund.<\/p>\n<p>Nicola Kariofilis und Ramona Kipp haben ihre Verantwortung in  den vergangenen Jahren immer sehr ernst genommen. Der Schritt,  das \u201eKinderhaus\u201c nach insgesamt sieben Jahren zu schlie\u00dfen, fiel ihnen schwer. \u201eWir verstehen, dass der Kreis die Qualit\u00e4t im Auge hat, aber derzeit wird das Gegenteil erreicht. Viele Dinge werden unn\u00f6tig verkompliziert\u201c, sagt Nicola Kariofilis. Einen neuen Job zu finden, war f\u00fcr die beiden Frauen \u00fcbrigens kein Problem. Gut ausgebildete Erzieherinnen werden \u00fcberall h\u00e4nderingend gesucht.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/landkreis_harburg_jugend_gaengelei2016.jpg\" alt=\"Ausschnitt aus Kreiszeitung-Wochenblatt Nordheide vom 30.04.2016 (S. 36)\" title=\"Ausschnitt aus Kreiszeitung-Wochenblatt Nordheide vom 30.04.2016 (S. 36)\" \/><\/p>\n<p><strong>Das kritisieren die Tagesm\u00fctter<\/strong><\/p>\n<p>\u2022  Die Auflagen f\u00fcr Wohnungen bzw. H\u00e4user, in denen eine Gro\u00dftagespflege eingerichtet werden darf, sind nur sehr schwer zu erf\u00fcllen. Der vorhandene Ermessensspielraum wird von den zust\u00e4ndigen Mitarbeitern  des Bauamtes nicht ausgenutzt.  Notar, Architekt, Antr\u00e4ge &#8211; das alles kostet zu viel Zeit und Geld.<br \/>\n\u2022 Auch als ausgebildete Erzieherin sollte Ramona  Kipp nach knapp einem Jahr \u201eBabypause\u201c u.a. noch einmal einen Kursus absolvieren, einen Eignungstest ablegen, die Pflegeerlaubnis beantragen und ein Konzept erstellen.<br \/>\n\u2022 Trotz regelm\u00e4\u00dfiger  Gespr\u00e4che zwischen den Tagesm\u00fcttern und der zust\u00e4ndigen Abteilung hielt die Sachbearbeiterin es nicht f\u00fcr n\u00f6tig, darauf  hinzuweisen, dass der notwendige Kursus nur zweimal im  Jahr stattfindet und lie\u00df es drauf ankommen, dass Ramona Kipp die Anmeldefrist um wenige Tage ver- passt. Dass sie nachtr\u00e4glich in den Kurs hineinrutscht, konnte nicht erm\u00f6glicht werden.<br \/>\n\u2022 Die Betreuung der Kinder wird durch immer mehr B\u00fcrokratie begleitet, Abl\u00e4ufe werden  verkompliziert. Der Arbeitsaufwand abseits der Tagespflege wird immer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><strong>Weniger B\u00fcrokratie, mehr Mut und Verstand<\/strong> &#8211; Kommentar von Katja Bendig<\/p>\n<p>Kreissprecher Johannes Freudewald spricht von Einzelf\u00e4llen &#8211; doch das Problem ist ein grunds\u00e4tzliches.  Daf\u00fcr spricht allein schon, dass gleich von mehreren Seiten \u00c4hnliches berichtet wird. Sicher &#8211; Tagesm\u00fctter und -v\u00e4ter m\u00fcssen kontrolliert werden, das Kindeswohl muss an vorderster Stelle  stehen. Ob man es f\u00f6rdert, wenn man den betreuenden Personen mit Misstrauen begegnet, auf Paragrafen und Verordnungen pocht, statt konstruktive L\u00f6sungen im Blick zu haben, darf bezweifelt werden.<\/p>\n<p>Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben &#8211; da kann das Netz aus Kontrollen noch so engmaschig sein. Wenn man diesen Gedanken einmal zu Ende denkt,  kann man darauf kommen, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit eindeutig der bessere Weg ist.  Dazu braucht es verwaltungsseitig Personal,  das in der Lage und mutig  genug ist,  eigene Entscheidungen mit Augenma\u00df zu treffen.<\/p>\n<p>Leidtragende in diesem Fall sind die Eltern. Sie sind darauf angewiesen, einen Betreuungsplatz f\u00fcr ihr Kind zu finden. Durch die kommunalen Angebote an Krippen und Kitas kann diese Nachfrage schon lange nicht mehr allein befriedigt werden.<\/p>\n<p>Die Kreisverwaltung sollte sich beeilen, das Vertrauen zu den Tagesm\u00fcttern und -v\u00e4tern wieder herzustellen. Weniger B\u00fcrokratie, mehr Verstand &#8211; das hilft manchmal schon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Kreiszeitung-Wochenblatt Nordheide vom 30.04.2016 Leider kein Einzelfall: Tagesm\u00fctter aus Seevetal geben Job auf, weil die Zusammenarbeit mit dem Landkreis nicht funktioniert \u201eWir geben auf. 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