{"id":9830,"date":"2016-09-28T06:53:21","date_gmt":"2016-09-28T06:53:21","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=9830"},"modified":"2016-11-07T09:05:38","modified_gmt":"2016-11-07T09:05:38","slug":"betongold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=9830","title":{"rendered":"Betongold"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=9820\" target=\"_blank\">Kommunalwahlen in Niedersachsen<\/a> liegen hinter uns. Viele der angetretenen Parteien versprachen, mehr Wohnraum zu schaffen und stellten dabei die Forderung nach \u201abezahlbarem Wohnen\u2018. Allerdings muss ein Mehr an Wohnraum nicht unbedingt mit dessen Bezahlbarkeit korrespondieren \u2013 wie wir es auf dem Immobilienmarkt beobachten k\u00f6nnen:<\/p>\n<p><em>Mehrere Hunderttausend Deutsche sind in den vergangenen Jahren in die Gro\u00dfst\u00e4dte und Uni-St\u00e4dte gezogen, dort wurden aber bisher nicht gen\u00fcgend neue Wohnungen hochgezogen. Zugleich stecken viele Sparer und Investoren Geld in Wohnungen, 2015 war ein Rekordjahr auf dem Immobilienmarkt. Die Folge: In Hamburg stiegen die Mieten seit 2010 um 12 Prozent, in M\u00fcnchen um 14 Prozent, in Berlin um 26 Prozent. Diese Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft bilden nur den Durchschnitt &#8211; in den Innenst\u00e4dten steigen die Mieten noch schneller. Dort verzeichnen die Gutachten f\u00fcr den Mieterbund auch die deutlichsten Verst\u00f6\u00dfe gegen die Mietpreisbremse.<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.nwzonline.de\/politik\/warum-werden-wohnungen-immer-teurer_a_31,1,705358637.html\" target=\"_blank\">NWZ online<\/a>)<\/p>\n<p><em>Hypothekenkredite sind wegen der Niedrigzinspolitik der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) historisch g\u00fcnstig. F\u00fcr langfristige Darlehen lag der Zins Ende des zweiten Quartals nach Angaben der Deutschen Bundesbank im Schnitt bei gerade einmal 1,8 Prozent. Zugleich herrscht bei Investoren Anlagenotstand, weil viele Finanzprodukte wegen der Niedrigzinsen kaum noch etwas abwerfen.<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.aerztezeitung.de\/praxis_wirtschaft\/finanzen_steuern\/article\/917514\/betongold-7-wichtige-fragen-anleger.html\" target=\"_blank\">\u00c4rzteZeitung<\/a>)<\/p>\n<p>Auf der einen Seite wird Wohnraum dringend gesucht. Die Zuwanderung Hunderttausender Fl\u00fcchtlinge nach Deutschland sorgt zudem daf\u00fcr, dass mehr Unterk\u00fcnfte gebraucht werden. Auf der anderen Seite wirft der Finanzmarkt kaum Ertr\u00e4ge ab, sodass Anleger in so genanntes Betongold fl\u00fcchten und auf steigende Immobilienpreise resp. Mieten setzen.<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/betongold.jpg\" alt=\"Betongold\" title=\"Betongold\" \/><\/ul>\n<p>Daneben gehen die Aktien von Immobilienkonzernen wie \u201aDeutsche Wohnen\u2018 oder \u201aVonovia\u2018 geradezu durch die Decke. Verantwortlich daf\u00fcr sind die Minuszinsen bei Staatsanleihen, die etwa Versicherungen in die Immobilienaktien treibt. Zugleich profitieren die Immobilienkonzerne von den extrem niedrigen Zinsen und kaufen kr\u00e4ftig zu. Der Wohnungsmarkt wird zunehmend \u201aindustrialisiert\u2018 und ger\u00e4t mehr und mehr in die H\u00e4nde von Konzernen. Verlierer sind dabei Menschen, die in Ballungsr\u00e4umen auf der Suche nach g\u00fcnstigem Wohnraum sind. Und trotz niedriger Zinsen wird es auch f\u00fcr den H\u00e4uslebauer immer schwerer, f\u00fcr sich erschwingbare Immobilien zu erwerben.<\/p>\n<p>Was ist aber mit der Mietpreisbremse? <\/p>\n<p><em>Seit Juni 2015 gibt es das Gesetz zur Mietpreisbremse, inzwischen gilt sie in Hunderten von St\u00e4dten in 11 der 16 Bundesl\u00e4nder. Vermieter d\u00fcrfen dort bei der Wiedervermietung nur noch zehn Prozent mehr als die orts\u00fcbliche Vergleichsmiete des Mietspiegels verlangen. Ausnahmen gibt es bei Neubauten, nach umfassender Modernisierung und wenn die Miete schon vorher h\u00f6her war. Doch wer sich als Vermieter nicht an die Bremse h\u00e4lt, muss keine Nachteile f\u00fcrchten. Fliegt er auf, muss er von dem Zeitpunkt an niedrige Einnahmen f\u00fcrchten &#8211; R\u00fcckzahlungen oder Bu\u00dfgelder nicht.<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.nwzonline.de\/politik\/warum-werden-wohnungen-immer-teurer_a_31,1,705358637.html\" target=\"_blank\">NWZ online<\/a>)<\/p>\n<p>Dank <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mario_Draghi\" target=\"_blank\">Herrn Draghi<\/a>, dem Pr\u00e4sidenten der Europ\u00e4ischen Zentralbank, und seiner Null-Prozent-Politik wird nicht nur die private Altersvorsorge vieler B\u00fcrger, wer die sich leisten kann, zum Fiasko, auch der Immobilienmarkt erf\u00e4hrt einen dramatischen Wandel, der durch die angesprochene \u201aIndustrialisierung\u2018 die Schere zwischen arm und reich weiter auseinanderklaffen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Unter diesen Aspekten sollten unsere Kommunalpolitiker ihr Versprechen, mehr und dabei bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sehen.<\/strong> Ein m\u00f6glicher und nach meiner Meinung durchaus guter Weg ist die Gr\u00fcndung einer Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, an der u.a. die dem Landkreis Harburg angeh\u00f6rigen Kommunen und die Sparkasse Harburg-Buxtehude beteiligt sein sollen. <em>\u201eMit einem Stammkapital von 45 Millionen Euro soll dieses Vorhaben umgesetzt werden, wovon der Landkreis 17 Millionen Euro, die Sparkasse Harburg-Buxtehude 4,5 Millionen Euro und die zw\u00f6lf Kommunen gemeinsam 23,5 Millionen Euro beitragen. Mindestens 70 Prozent des Stammkapitals sind f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Gesellschaft erforderlich. Davon will diese in einem Zeitraum von f\u00fcnf Jahren im Landkreis 1.000 Wohnungen bauen. 30 Prozent sozialer Wohnungsbau sind darin vorgesehen.\u201c<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.kreiszeitung-wochenblatt.de\/seevetal\/politik\/gruendung-einer-kommunalen-wohnungsbaugesellschaft-im-grundmodell-herrscht-einigkeit-d79510.html\" target=\"_blank\">kreiszeitung-wochenblatt.de<\/a>).<\/p>\n<p>Ein anderer Weg w\u00e4re der, private Investoren \u201adie Sache\u2018 machen zu lassen. Davon gibt es zz. in meiner Heimatgemeinde Tostedt scheinbar einige. <em>Zum einen m\u00f6chte das Ingenieurb\u00fcro Gottschalk in der Triftstra\u00dfe 14 zwei H\u00e4user mit je acht Wohneinheiten errichten, daf\u00fcr allerdings den Ententeich im Herzen Tostedts dazu von 1.800 auf 800 Quadratmeter verkleinern. Die Mehrheit des Planungsausschusses teilte aber die Meinung der B\u00fcrger, die sich als &#8222;Teich-Verteidiger&#8220; formiert haben: Der ortsbildpr\u00e4gende historische Teich d\u00fcrfe auf keinen Fall verkleinert werden.<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.kreiszeitung-wochenblatt.de\/tostedt\/politik\/diskussion-um-den-tostedter-ententeich-mitgefuehl-kann-nicht-basis-gemeindlicher-planungen-sein-d76590.html\" target=\"_blank\">kreiszeitung-wochenblatt.de<\/a>).<\/p>\n<p>Der Teich soll erhalten bleiben und daf\u00fcr das Bauvorhaben etwas kleiner ausfallen: Es sollen acht allerdings luxuri\u00f6s ausgestattete Wohnungen geplant sein, die dann f\u00fcr Otto Normalverbraucher wohl kaum bezahlbar sein d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es auch einen <a href=\"http:\/\/www.kreiszeitung-wochenblatt.de\/tostedt\/politik\/elf-meter-klotz-fuer-tostedts-ortsmitte-bauantrag-fuer-bahnhofstrasse-im-ausschuss-d81776.html\" target=\"_blank\">Bauantrag f\u00fcr das Grundst\u00fcck Bahnhofstra\u00dfe 25<\/a> in der Ortsmitte: Geplant war zun\u00e4chst ein viergeschossiges, rund elf Meter hohes Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus mit einer 30 Meter breiten Geb\u00e4udefront. Zu wenige Parkpl\u00e4tze, ein zu massives und zu hohes Geb\u00e4ude und nicht ber\u00fccksichtigte, gesch\u00fctzte B\u00e4ume \u2013 der Planungsausschuss fordert <a href=\"http:\/\/www.kreiszeitung-wochenblatt.de\/tostedt\/politik\/nachbesserungsbedarf-bei-konzept-fuer-tostedter-wohn-und-geschaeftshaus-konzept-wird-ueberarbeitet-d82211.html\" target=\"_blank\">Nachbesserung<\/a>. Nun soll statt der 30-Meter-Stra\u00dfenfront nur noch eine Geb\u00e4udebreite von 18 Metern verbaut und ein gr\u00f6\u00dferer Abstand zur Stra\u00dfe eingehalten werden. Der ge\u00e4nderte Plan sieht auch den Erhalt der gro\u00dfen Kastanie vor. Das oberste Geschoss soll versetzt, in der Fachsprache \u201eabgetreppt\u201c werden. Entstehen k\u00f6nnten in der Bahnhofstra\u00dfe 25 ca. 20 Zwei- bis Vierzimmer-Wohnungen mit Balkons bzw. Terrassen und f\u00fcnf Gewerbe-Einheiten. Bei der n\u00e4chsten Sitzung des Planungsausschusses am 24.11. kommt dieses Bauprojekt erneut auf die Tagesordnung. Ob diese Wohnungen bezahlbar sein werden, danach scheint niemand zu fragen.<\/p>\n<p>Vom <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=9797\" target=\"_blank\">Bauvorhaben Am Bahnhof 9\/9a in Tostedt<\/a> habe ich hier an derer Stelle schon \u00f6fter geschrieben. Wie es aussieht, so ist die Mehrzahl der Ratsmitglieder der Gemeinde Tostedt begeistert von dem Bauvorhaben, denn gleich 100 Wohneinheiten in der unmittelbaren N\u00e4he des Bahnhofs, was will man mehr. Die kleinen T\u00fccken \u00fcbersieht man dabei ganz schnell. Eine der T\u00fccken ist, dass dieses Bauvorhaben von acht Wohnh\u00e4usern ganz offensichtlich als Anlageobjekt f\u00fcr Investoren vorgesehen ist. Zwar wurde vom jetzigen Bauherrn eine Miete von 8 \u20ac pro qm versprochen. Aber wird es dabei auch am Ende wirklich bleiben? F\u00fcr Investoren gilt der Grundsatz der Gewinnmaximierung. Und wenn der Markt es hergibt, dann d\u00fcrften die Mieten auch hier schnell in die H\u00f6he schie\u00dfen. Davon, einen Teil als Sozialwohnungen auszuweisen, wollte der Bauherr nichts wissen.<\/p>\n<p>Letztlich sei es Sache der Politik, zu entscheiden, wie Tostedt sich entwickeln soll, so Samtgemeinde-B\u00fcrgermeister Dr. Peter D\u00f6rsam. Es gab schon einmal politische Entscheidungen in Tostedt, die leider in die falsche Richtung gingen (Stichwort Krech-Siedlung). Tostedt ist keine Stadt, wenn wohl auch einige Politiker vieles daf\u00fcr tun, den Stadtstatus f\u00fcr den Ort zu bekommen. Der l\u00e4ndliche Charakter \u00fcberwiegt nun einmal. Und daran sollten sich geplante Bauvorhaben halten. Das gilt f\u00fcr Haush\u00f6he, f\u00fcr die Gesamtgr\u00f6\u00dfe des Objektes wie auch f\u00fcr den Baustil. <\/p>\n<p>Ja, die Politik hat es in der Hand, wohin sich ein Ort wie Tostedt entwickelt. W\u00fcnschen wir ihr ein hoffentlich gl\u00fcckliches H\u00e4ndchen bei ihren Entscheidungen. Immerhin ist an den letzten Entscheidungen z.B. des Planungsausschusses der Gemeinde Tostedt zu erkennen, dass dieser nicht jeden planerischen Gr\u00f6\u00dfenwahn mitmacht.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang sei auf die undurchsichtigen Machenschaften beim Verkauf der bayerischen <a href=\"https:\/\/www.gbw-gruppe.de\/\" target=\"_blank\">GBW-Gruppe<\/a>, einer der mit rund 30.000 Wohnungen gr\u00f6\u00dften Wohnungsgesellschaft in S\u00fcddeutschland, hingewiesen. Lt. Markus S\u00f6der, dem bayerischen Finanzminister, sollte die GBW bayerisch bleiben. Eine <a href=\"http:\/\/www.br.de\/nachrichten\/inhalt\/akte-gbw-konstrukt-100.html\" target=\"_blank\">Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR)<\/a> ergab aber, dass die Suche nach den Investoren ins europ\u00e4ische Steuerparadies Luxemburg und in die Niederlande f\u00fchre. Im Zentrum steht ein geschlossener Immobilienfonds. Das Ganze diene einer \u201eaggressiven Steueroptimierung\u201c. Und die Mieter? \u201eIn M\u00fcnchen-Moosach leben Menschen, die sich andere Viertel der Stadt schon lange nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Jetzt werden die Wohnbl\u00f6cke von der GBW modernisiert. Die Mieten steigen.\u201c \u2013 \u201eBeim GBW-Deal bewahrheiten sich die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen: Sozial schwache Mieter f\u00fchlen sich durch Mieterh\u00f6hungen und Schikanen zum Ausziehen gedr\u00e4ngt.\u201c (siehe und h\u00f6re hierzu den Podcast auf Bayern2: <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/podcast\/mp3-download\/bayern2\/mp3-download-podcast-die-akte-gbw.shtml\" target=\"_blank\">Die Akte GBW<\/a> bzw. siehe: <a href=\"http:\/\/www.br.de\/mediathek\/video\/sendungen\/quer\/161027-quer-gbw-100.html\" target=\"_blank\">Die GBW-Aff\u00e4re<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kommunalwahlen in Niedersachsen liegen hinter uns. 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