Archiv für den Tag: 16. Dezember 2008

Doch mehr als das übliche Chaos

Ja, es ist mehr als das übliche Chaos. Als ich gestern wie gewohnt ab Tostedt mit dem ME 81141 um 5 Uhr 56 nach Hamburg Hbf fahren wollte, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass der Zug von bisher sechs auf nunmehr vier Waggons gekürzt wurde. Heute kam hinzu, dass die neuen Stammplatzreservierungen angezeigt wurden (mein Stammplatz wurde dabei offensichtlich anderweitig vergeben), wobei Fahrgäste aus Buchholz/Nordheide nach meinem Eindruck bevorzugt behandelt wurden.

Die Stammplatzreservierungen sind eine Erfindung der metronom Eisenbahngesellschaft GmbH, die u.a. den Nahverkehr zwischen Bremen und Hamburg bedienen. Wer über ein Jahresabonnement der Bahn bzw. eine HVV-Abo-Karte verfügt, kann sich wochentags einen Stammplatz im Zug seiner Wahl jeweils für eine Hin- und Rückfahrt reservieren lassen. Das hat allerdings zur Folge, dass in manchen Zügen fast jeder zweite Platz stammplatzreserviert ist.

Der Metronom

Bisher hatte ich einen Stammplatz. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, weder über die Online-Reservierung auf der metronom-Website, noch über eMail diese Reservierung zu verlängern (erschwerend kommt für mich hinzu, dass mein Abo am 31.12. ausläuft und ich die neue Abo-Marke erst in den nächsten Tagen erhalten werde).

metronom-Stammplatzcard

Heute also wurden die neuen Stammplatzreservierungen angezeigt. Und da ich keinen dieser Stammplätze mehr habe, musste ich am Ende froh sein, wenigstens noch einen dieser wenig komfortablen, da sehr beengten Klappsitze ergattert zu haben.

Ich frage mich, warum die metronom Eisenbahngesellschaft öfter schon statistische Erhebungen durch Befragungen und Fahrgastzählungen durchführt, wenn gewissermaßen im Gegenzug ein zumindest ab Tostedt vollbesetzter Zug zur beginnenden Hauptverkehrszeit von sechs auf vier Waggons gekürzt wird. Wo bleibt da der Sinn?

Der technische Hintergrund hierfür ist wohl der, dass der Zug in Hamburg Hbf. ausgesetzt und später dann als MEr (Metronom regional), die nur mit vier Waggons fahren, wieder eingesetzt wird. Das ist zwar schön und gut, interessiert die Fahrgäste, die morgens auf dem Weg zur Arbeit schon gleich in einem überfüllten Zug stehen dürfen, nur sehr wenig. Einem Hohn gleich ist dann die sicherlich wohlgemeinte, aber völlig überflüssige Ansage der Zugbegleiterin, die die neuzugestiegenen Fahrgäste begrüßt und ihnen eine angenehme Fahrt wünscht.

Eine entsprechende Beschwerde habe ich bereits per Internet-Formular versandt. Ich hoffe nur, dass es mehr als ein beschwichtigendes Schreiben ist, das ich zur Antwort erhalte. Sechs statt der jetzt vier Waggons wäre die einzig richtige Antwort.

Nachtrag: Die Antwort von lobundtadel@online-kundenzentrum.de des Metronom möchte ich nicht vorenthalten:

Im MEr-Verkehr zwischen Tostedt und Hamburg kommt es mit dem zzt. noch aktuellen Fahrplan morgens zu ausgeprägten Kapazitätsengpässen. Die MEr-Züge sind teilweise so voll, dass kaum noch Fahrgäste hineinpassen. Da wir keine zusätzlichen Wagen zur Verfügung haben, mit denen wir die MEr-Züge verlängern könnten, bleibt uns nur die Möglichkeit, die Kapazitäten durch Tauschen von Zugverbänden zu erhöhen. Gemeinsam mit Betrieb und Vertretern des Fahrgastbeirates haben wir alle Vor- und Nachteile diskutiert und entschieden, den überfüllten MEr als Sechs-Wagen-Zug zu fahren. Als Folge des Tauschs muss aus dem ME 81141 leider ein Zug mit vier Wagen werden. Wir wissen, dass diese Konstellation zu anderen Problemen führen kann, daher werden wir diese beiden Züge in den ersten Wochen des neuen Fahrplans sehr genau beobachten und dann bald entscheiden, ob dieser Zugumlauf langfristig beibehalten wird.

Geradezu rührend fand ich den Zusatz:

Für weitere Anliegen kontaktieren Sie uns gern erneut.

Nun, denn … Da wird also ein Loch dadurch gestopft, indem ein anderes aufgerissen wird. Eine grandiose Strategie. Könnte man auch horizontale Umverteilung nennen. Schauen wir, was aus den “sehr genauen Beobachtungen” wird. Ich fürchte, es wird beim jetzigen Missstand bleiben: Genau beobachtet heißt nicht gut gehandelt!