Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Neues aus der Provinz (02)

Früher galt Deutschland als das Land der Ordnung, der Zuverlässigkeit und der Pünktlichkeit. Unter Ordnung wurde dabei durchaus etwas anderes verstanden, als das, was rechte Spinner meinen. „Made in Germany“, ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts als Schutz vor vermeintlich billiger und minderwertiger Importware in Großbritannien eingeführt, war ein Siegel für Qualität.

Heute können wir darüber nur lachen. Deutschland stufe ich gern auf das Niveau einer Bananenrepublik zurück (BRD). Es läuft immer weniger so, wie es eigentlich laufen sollte. Fehler machen wir alle. Aber wenn man wie ich innerhalb einer Woche mit so vielen Fehlern, Irrtümern bzw. Aussetzern konfrontiert wird, dann stellt sich die Frage, ob das nicht eigentlich schon deutscher Alltag geworden ist. Ober liegt es an dem Provinziellen in unsere Alltäglichkeit?!

Neues aus der Provinz
Neues aus der Provinz

Hurricane Festival 2022

Nach zwei Jahren ging es also wieder los, das Hurricane Festival in Scheeßel. Und statt Regen und Gewitter war es diesmal durch die Trockenheit auf dem Gelände sehr staubig. Mal was anderes … – Scheeßel ist von Bremen oder Hamburg aus mit den Zügen des Metronoms erreichbar. Für die Tage des Festivals verbot nun die Metronom Eisenbahngesellschaft kurzfristig die Mitnahme von Fahrrädern und Bollerwagen. Dafür karrten die Festivalbesucher ihre sieben Sachen in mehreren Koffern an, die in der Summe dem Volumen derer von Bollerwagen kaum nachstanden. Und: viele der Besucher wollten, da sie in der Nähe wohnen (z.B. in Tostedt) die Nacht zu Hause verbringen und mit dem Metronom nach Hause fahren. Nur schlecht, wenn der erste Zug am Tag um 0 Uhr 51 (wie schon das Wochenende zuvor) ausfällt, der nächste erst knapp anderthalb Stunden später fährt. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit also für den Arsch, lieber Metronom!

Zensus 2022 – Gebäude- und Wohnungszählung

Als Eigentümer einer Doppelhaushälfte hatten meine Frau und ich die Aufforderung erhalten, online einen entsprechenden Fragebogen zur Gebäude- und Wohnungszählung im Rahmen des Zensus 2022 auszufüllen. Was wir dann auch taten. Einige Zeit später kam erneut ein Schreiben. Dieses betraf aber ein Grundstück mit Gebäude, bei dem wir weder Eigentümer noch Verwalter sind. Immerhin konnte das bei der Online-Abfrage auch angegeben werden. Dann allerdings wollte man von uns wissen, wer der ’neue‘ Eigentümer ist. Es wird also davon ausgegangen, das wir früher einmal Eigentümer waren und jetzt wissen, wer der neue Eigentümer ist. Um das Formular absenden zu können, habe ich irgendeinen Blödsinn eingetragen. So ganz scheint mir der Fragebogen nicht durchdacht zu sein.

Hurra, die Post ist da

Immer wieder andere Zusteller und es kommt, wie es wohl kommen muss: In unserem Briefkasten liegt die Post des Nachbarn. Und unsere Post landet eine Straße weiter im Briefkasten. Kann vorkommen, sollte es aber nicht …

Ein Arzttermin in der Vergangenheit

Vielleicht nicht die Krönung, aber auch ein Ärgernis: Da für den Tag, an dem ich bei meinem Hausarzt anrief, kein Termin mehr frei war, sollte ich am kommenden Tag morgens kommen. Ich war dann pünktlich da, aber die Sprechstundenhilfe hatte mich zwar für den gleichen Wochentag, aber eine Woche zuvor, also zu einem Termin in der Vergangenheit eingetragen. Eigentlich sollte das nicht möglich sein, solche Termine einzutragen. Und so durfte ich auf einen Termin in der Zukunft hoffen …

Was mir und hier passierte, kann natürlich in einer Stadt genauso passieren. Aber manche deutsche Stadt besticht zunehmend durch einen Hauch, der nach Provinz müffelt. Schrieb ich da etwas von Bananenrepublik?!

Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]

Im 3. Kapitel des Ulysses von James Joyce wird auf Proteus, dem „Alten vom Meer“, einem frühen Meeresgott der griechischen Mythologie Bezug genommen. Wir begleiten Stephen Dedalus, einen der Hauptpersonen dieses Romans, auf seinem Spaziergang am Strand von Sandymount, einem Küstenvorort von Dublin.

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Inhalt des 3. Kapitels: Proteus (Strand)

Das Kapitel 3 ist im Stil eines elitären, männlichen Monologs verfasst.

Der Meeresgott Proteus ist ein Meister der Verwandlung. Als Menelaos, der König von Sparta (und Gemahl der Helena, die nach Troja entführt wurde und damit den Trojanischen Krieg auslöste), sich an ihn wandte, um eine Weissagung zu erhalten, verwandelte er sich in eine Vielzahl von Tieren und Gestalten, bevor er ihm schließlich – von dessen Geduld ermattet – eine Antwort gab.

Im Proteus-Kapitel des Ulysses ist es ein Hund, der diese Verwandlungen durchmacht – jedoch in der Phantasie von Stephen, der den Hund bei seinem Spaziergang am Strand von Sandymount beobachtet. Das Umhertollen des Hundes, bis dieser schließlich auf einen Hundekadaver trifft („Ach, du armes Hundeaas, du! Hier liegt des armen Hundeaases Aas.“ – Und nicht ganz zufällig hatte auch Buck Mulligan Stephen als „Hundeaas“ bezeichnet), beschreibt Joyce in einer furiosen kraftvollen und metaphernreichen Prosa.

Das Kapitel ist geprägt vom Gedankenstrom Stephens. Der Wechsel zwischen Realem und Gedachtem erfolgt unangekündigt und wird dem Leser häufig erst im Nachhinein bewusst. Der Spaziergang hat offensichtlich kein Ziel – eine Rückkehr zum Martello Tower kommt nicht in Betracht, und ein anderes Zuhause hat Stephen nicht. Er fragt sich, ob er seiner Tante einen Besuch abstatten sollte, doch während er nachsinnt, verpasst er den Weg zu ihr („An der Abzweigung zu Tante Sara bin ich schon vorbei. Geh’ ich denn nicht hin? Anscheinend nicht.“). Schließlich lässt er sich nieder und schreibt einige Gedichtzeilen. Zum Ende des Kapitels erblickt er einen Dreimaster, „ein schweigendes Schiff“, das „heimwärts, stromauf“ fährt – ein Hinweis darauf, dass Stephen in Dublin keine Heimat mehr sieht.
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 3. Kapitels

Es ist lediglich Stephen Dedalus, der dieses Kapitel gestaltet, das wir als Gedankenstrom Stephens, also als Monolog, wie er sich im Kopf abspielt, erleben. Mit diesem Kapitel endet auch der erste [Telemachie] der drei Hauptteile dieses Romans, der uns aus der Sicht eben dieses Stephan Dedalus geschildert wurde.

Anmerkungen zu diesem 3. Kapitel

Ich hoffe besonders bei den Übersetzungen (Französisch, Italienisch, Lateinisch) die ‚richtigen Worte‘ gefunden zu haben (der Google-Übersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen).

S. 53: maestro di color che sanno [Meister der Wissenden – Dante über Aristoteles in der Göttlichen Komödie]
des Diaphanen [des Durchscheinenden]
Los Demiurgos [Schöpfer, eigentlich Handwerker -> William Blake]
S. 54: delin [eigentlich ein Vorname]
Adam Kadmon [in der Kabbala der ursprüngliche Mensch]
Velin [Pergamentpapier]
S. 55: lex aeterna [„ewiges Gesetz“ – Plan der göttlichen Weisheit und Liebe]
konsubstantiell [die Abendmahllehre betreffend: die sakramentale Einheit von Leib und Blut Jesu Christi mit Brot und Wein]
Arius [Priester aus Alexandria, 3./4. Jh.)]
Kontransmagnificundjudenpengtantialität [‚Kunstwort‘ bezogen auf die Wesensgleichheit von Gott und Gott-Sohn]
Omophorion [Kleidungsstück der orthodoxen Priester]
Mananaan [Sagengestalt der irischen Mythologie]
Kotte [Kate, kleines Haus]
S. 56: Duces-tecum … [Zwangs- …]
Requiescat [Ruhe]
All’erta [Achtung]
aria di sortita [Arie zum Eintritt einer handelnden Person in einer Oper]
S 57: Joachim Abbas [italienische Theologe, 12./13. Jh.]
Descende, calve, ut ne nimium decalveris [Steige herab, Kahlkopf, damit du nicht noch kahler gemacht werdest – bezogen auf eine Meditation des Johannes Abbas]
Ziborium [Behälter mit geweihter Hostie -> Altar}
die Kusen [im Original: Pyx = Gefäß mit geweihtem Brot]
Occam [Wilhelm von Ockham, Theologe, Vorbild für „Der Name der Rose“]
Hypostasis [Wesensmerkmal der personifizierten göttlichen Gestalt]
S. 58: O si, certo! [O ja, natürlich]
Epiphanie [Erscheinung]
Mahamanvantara [sankrit: ein großer Tag]
Pico della Mirandola [italienischec Philosoph, 15. Jh.]
S. 59: Qui vous a mis dans cette fichue position? [Wer hat dich in diese verdammte Position gebracht]
C’est le pigeon, Joseph [Es ist die Taube …]
lait chaud [heiße Milch]
lapin [Hase]
gros lots [Jackpot]
M. Leo Taxil [Erfinder der Fake News – um 1900]
C’est tordant, vous savez. Moi je suis socialiste. Je ne crois pas en l’existence de Dieu. Faut pas le dire à mon père. [Es ist urkomisch, wissen Sie. Ich bin Sozialist. Ich glaube nicht an die Existent Gottes. Sage es nicht meinem Vater]
Il croit? [Er glaubt?]
Mon père, oui. [Mein Vater, ja]
P.C.N. – physiques, chimiques et naturelles [physikalisch, chemisch und biologisch]
S. 60: mou en civet [weicher Eintopf]
Boul‘ Mich‘ [Boulevard St. Michel]
Lui, c’est moi [Er ist ich]
Encore deux minutes [Noch 2 Minuten]
Fermé [Geschlossen]
Columbanus, Fiacrius und Scotus [irische Missionare u.a.]
Euge! [gut erledigt]
Pantalon Blanc et Culotte Rouge [Unterhaltungsmagazin]
S. 61: Belluomo [gut aussehend, schöner Mann]
chaussons [Kuchen, eigentlich Hausschuh]
pus des flan breton [mehr bretonischer Flan = Art Pudding]
Un demi setier! [ein halbes Setier = Volumenmaß]
Il est irlandais. Hollandais? Non fromage. Deux irlandais, nous, Irlande, vous savez? Ah oui! [Ist es Irisch? Holländisch? Kein Käse! Zwei Iren, wir, Irland, wissen Sie? Ah, ja …]
S. 62: Dalcassians [gälisch-irischer Stamm]
Arthur Griffith [irischer Politiker, – 1922 Präsident]
Barchent [Mischgewebe]
Vieille ogresse … dents jaunes [altes Ungeheuer … gelben Zähnen]
bonne à tout faire [gut in allem]
Moi faire … Tous les messieurs [Ich tue … alle Herren]
S. 63: Mon fils [mein Sohn]
S. 64: Panther-Sahib und seinen Pointer [„Herr“, Europäer, der einen P. erlegt hat – Zeiger, Wegweiser]
Segge [Sauergrasgewächs]
Un coche ensablé [eine sandige Kutsche]
S. 65: Torques [fester Halsreif aus Metall]
Terribilia meditans [schreckliche Dinge]
Prätendent [Ansprucherheber]
Perkin Warbeck [trat im 15. jh. gegen den englische König an]
Lambert Simnel [Hochstapler im 15./16. Jh., gab sich als englischer König aus]
Natürlich, … [Im Original auch deutsch]
S. 67: Tatters! [wohl Name des Hundes]
Parder [Raubkatze]
Harun al Raschid [8./9. Jh. Kalif -> 1001 Nacht)]
S. 68: Gannef [jiddisch für Gauner]
frate porcospino [Mönch Stachelschwein]
S. 69: Omnis caro ad te veniet [alles Fleisch wird zu dir kommen]
Cassiopeiae [eigentlich Mutter der Andromeda]
S. 70: piuttosto [eher]
Et vidit Deus. Et erant valde bona. [Und Gott sah … und es war (sehr) gut]
S. 71: Tripudium [ein Tanz]
Tiens, quel petit pied! [Hey, was für ein kleiner Fuß!]
diebus ac noctibus iniurias patiens ingemiscit [Tag und Nacht beklagt er das Unrecht, das er erleidet]
S. 72: Mich dürstet []… wie Jesus am Kreuz]
Lucifer, dico, qui nescit occasum [L., sage ich, der die Gelegenheit kennt …]
S. 73: Già [bereits]
Übermensch [im Original: superman]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]

Neues aus der Provinz (01)

Nach langer Zeit habe ich mit meiner Frau einmal wieder unsere Provinz (auf etwa halben Weg zwischen Bremen und Hamburg gelegen) für einen Tag verlassen. Der Anlass war leider ein trauriger. Für etwa neun Stunden hielten wir uns in Bremen auf (stimmt nicht ganz – ein Abstecher nach Achim war auch dabei).

Als ehemaliges Stadtkind könnte geschlossen werden, dass ich im Ländlichen weniger gern verweile. Aber hier gibt es genug zu tun und zu erleben, so dass ich auf die stete Hektik der Großstadt durchaus verzichten kann.

Hurricane Festival 2022

Ab morgen (eigentlich schon ab heute Abend) ist es soweit: Nach zwei Jahren Corona-Pause startet endlich wieder das Hurricane Festival. Der Acker beim Eichenring in Scheeßel liegt fast vor unserer Haustür, also auch in der Provinz, wenn auch die Line-up alles andere als provinziell ist.

Und wie ich bereits vor acht Jahren hier anmerkte: Hurricane sagt doch alles: Sturm und Regen: ein Matschbad gehört mit zur Tradition. Aber was nicht ist, soll ja noch werden. 😉

Ja, die Wetteraussichten sind vor allem für den Sonntag nicht die besten: Regen und Gewitter sind angesagt. Also alles wie gehabt …

Backe, backe Brioche

Brötchen und Brote habe ich schon öfter selbst gebacken. Jetzt habe ich mich an eine Brioche gewagt. Eine Brioche ist ein nur leicht gesüßtes, weiches Hefegebäck und das französische Pendant zum deutschen Hefezopf. Sie enthält jedoch deutlich mehr Butter und ist daher unfassbar flaumig und zart. 

Brioche – selbst gebacken
Brioche – selbst gebacken

Ist doch ganz gut gelungen. Das Rezept findet Ihr hier. Wir essen die Brioche mit Sahnequark und Marmelade (zuvor kommt bei mir auch noch ein Klecks Nuss-Nougatcreme hinzu).Frisch aus dem Ofen reicht auch ein wenig Butter für einen vollkommenen Genuss.

Ein Jungspecht klopft an

In unserem Garten versammeln sich jede Menge Vögel. In diesem Jahr trauen sich auch größere Vögel wie Ringeltauben, Spechte, selbst Elstern und sogar Krähen zu uns. Ist eben ziemlich dschungelmäßig.

Ein Jungspecht klopft bei uns an
Ein Jungspecht klopft bei uns an

Heute war es u.a. ein Jungspecht, der wohl nicht so recht wusste, wie er sich verhalten soll und eine ganze Weile an einem Baumstumpf hing. Er wartete vielleicht auf ein Elternteil, um weitere Anweisungen entgegen zu nehmen …

Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]

Heute nun meine ‚Aufarbeitung‘ des 2. Kapitels des Romans Ulysses von James Joyce, das Nestor gewidmet ist. Nestor ist ein Helden der griechischen Mythologie und dort als Herrscher von Pylos bekannt. In Homers Ilias führt Nestor neunzig Schiffe nach Troja.

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Inhalt des 2. Kapitels: Nestor (Schule)

Dieses Kapitel ist im Stile eines informellen Kathechismus verfasst. Das Wort „Katechismus“ bedeutet wörtlich „von oben herab tönen“ und davon abgeleitet „unterrichten“. Das Kapitel spielt in einer Schule

in diesem Kapitel geht Stephen Dedalus seiner Arbeit als Hilfslehrer in Geschichte nach. Auch hier gibt es autobiographische Hintergründe. Im Jahr 1904 unterrichtete Joyce an der Clifton School in Dalkey. Dem Schulleiter Francis Irwin ist die Figur des patriotischen Mr. Deasy im Ulysses nachempfunden.

Mit zwei Personen kommt Stephen im Laufe des Kapitels näher ins Gespräch. Nach dem Ende der Schulstunde, als die Schüler sich eilig zum Hockeyspielen verabschieden, ist es zunächst der schüchterne Cyril Sargent, der ihn um Hilfe bei Mathematik-Aufgaben bittet. Stephen sieht sich selbst in dem Schüler: „Meine eigene Kindheit krümmt sich da neben mir.“ Schließlich begibt er sich in das Arbeitszimmer von Mr. Deasy, um sich sein Gehalt abzuholen. Dort muss er sich Auslassungen über die grassierende Rinderseuche, über Sparsamkeit und den Sinn des Lebens anhören. Mr. Deasy als Nestor ist hier nicht im übertragenen Sinne eines Weisen und Ratgebers zu verstehen, sondern ganz analog zur Odyssee: Dort sucht Telemach (Stephen) den alten König Nestor auf, um Informationen über seinen Vater zu erhalten. Doch Nestor weiß nichts über dessen Verbleib und hält ihn lediglich mit seiner Beredsamkeit auf.

Der Leserbrief, den Mr. Deasy im Zusammenhang mit der Maul- und Klauenseuche Stephen übergibt, damit er ihn an bekannte Redakteure der Tagespresse weiterreiche, verweist auf damals aktuelle politische Hintergründe. So schrieb Joyce selbst 1912 einen Aufsatz über „Politik und Viehkrankheit“. England nutzte einzelne Fälle der Viehkrankheit für ein Embargo gegen das selbstbewusste Irland, das auf die Exporte nach England angewiesen war. Irland sollte in seine Schranken verwiesen werden.

Einige Motive des Telemach-Kapitels (Kapitel 1) werden wieder aufgegriffen. So erweist sich Mr. Deasy ebenso wie bereits Haines als unverhohlener Antisemit: Die „jüdischen Kaufleute haben ihr Zerstörungswerk bereits begonnen. Old England liegt im Sterben.“ Der irische Freiheitskampf gegen England taucht im Gespräch mit Mr. Deasy ebenfalls mehrfach auf, etwa mit Verweisen auf Daniel O’Connell und die Orange Logen. Auch das Mutter-Motiv wird thematisiert: Zunächst in jenem Nonsens-Rätsel, das Stephen seiner Schulklasse in Gedichtform präsentiert – der Fuchs, der seine Großmutter begräbt, ist letztlich Stephen selbst, den noch der Verlust seiner Mutter schmerzt. Und Cyril Sargent lässt Stephen an seine Mutter denken: „Und doch hatte ihn eine geliebt, hatte ihn auf ihren Armen getragen und in ihrem Herzen.“
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 2. Kapitels

Neben Stephen Dedalus, der uns bereits im ersten Kapital begegnet ist, sind das zwei Personen, die eine Rolle spielen, der Schulleiter Mr Deasy und der Schüler Cyril Sargent. Daneben tauchen noch einige weitere Schüler auf (Cochrane, Blake), die aber keine weitere Bedeutung haben.

Mr. Garrett Deasy gilt als Narr und Antisemit und ist Direktor der Schule. Stephen lässt seinen lächerlichen Brief (Maul- und Klauenseuche) im Evening Telegraph drucken, in deren Redaktion man Witze darüber macht.

Deasy zeichnet sich durch eine Vielzahl kleiner körperlicher Details aus, die ihn antiquiert und heruntergekommen erscheinen lassen Diese unattraktiven körperlichen Eigenschaften stimmen mit seiner Angewohnheit überein, nicht auf das zu hören, was andere Leute sagen, und seinem griesgrämigen Beharren darauf, unerwünschte Ratschläge zu geben. In einem späteren Kapitel erfahren wir, das Deasy von seiner Frau getrennt (aber nicht geschieden) ist.

Cyril Sargent ist ein eher unfähiger Schüler von Dedalus, erinnert Stephen aber an eigenes Versagen.

Anmerkungen zu diesem 2. Kapitel

S. 41: Amor matris [Mutterliebe]
Genetivus subjectivus [Genetiv in Hinsicht auf den Urheber: Liebe der Mutter]
und objectivus [Genetiv in Hinsicht auf das Objekt: Liebe zur Mutter] – im Lateinischen wird beides gleich gebildet
S. 45: O’Connell [irischer Politiker]
Orange-Logen [radikale Protestanten in Nordirland]
Fenier [Mitglied eines irischen Geheimbundes für die Trennung Irlands von Graoßbritannien]
Croppies [Personen mit kurz geschnittenem Haar]
Per vias rectas [auf dem richtigen Weg]
S. 46: Ventilierung [Überlegung]
S. 47: Tjoste [mittelalterlicher Zweikampf]
in nuce [in Kürze]
S. 50: Ulster [altirische Provinz, heute Nordirland]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]

Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]

Nach und nach werde ich hier die 18 Kapitel des Romans Ulysses von James Joyce, soweit ich sie gelesen habe, aufarbeiten. Im Augenblick lese ich das 10. Kapitel, habe von den gut 1000 Seiten gerade einmal etwas über 330 Seiten (also rund 33 %, mithin 1/3 des Romans) geschafft. Gut Ding braucht Weile. Also habt etwas Geduld mit mir (das Jahr ist noch ziemlich jung).

Noch einmal für die, die zwar schon irgendeinmal etwas vom Ulysses gehört haben, aber eigentlich nicht wissen, um was es in diesem Roman geht: Joyce beschreibt im Ulysses in 18 Episoden einen Tag, den 16. Juni 1904, im Leben des Leopold Bloom, seines Zeichens Anzeigenakquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung. In Anlehnung an Homers Irrfahrten des Odysseus lässt er den Leser an den (Irr-)Gängen seines Protagonisten durch Dublin teilhaben.Eine weitere ‚wichtige Figur ist die des Stephen Dedalus, der schon aus Joyce‘ früherem Roman Ein Porträt des Künstlers als junger Mann bekannt ist.

Leopold Bloom entspricht dabei Odysseus, dem König von Ithaka (Ulysses steht englisch für Odysseus, von lateinisch Ulixes), einer der Helden des Trojanischen Krieges und angeblich der Erfinder des Trojanischen Pferdes.mit dessen Hilfe die Griechen Troja erobern konnten.Seine im Trojanischen Kriege vollbrachten Taten werden von Homer (nein, nicht der Simpson) in der Ilias, seine zehnjährige Irrfahrt auf der Heimreise in der Odyssee (Wanderungen des Odysseus) geschildert. Während all seiner Abenteuer zeichnete er sich vor allem durch außergewöhnlichen Verstand und listige Ideen aus. Nach seiner Rückkehr tötete er Penelopes Freier (Penelope ist Odysseus‘ Frau) und übte wieder die Regierung in Ithaka aus.

Die 18 Kapitel von Joyce‘ Roman beziehen sich mehr oder weniger auf Homers Odyssee. Übrigens die Frau von Bloom entspricht dabei der Frau des Odysseus, Penelope. Als Sohn Telemachos muss Stephen Dedalus ‚herhalten‘.

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Mit Stephen Dadalus beginnt dann auch der Roman:

Inhalt des 1. Kapitels: Telemachos (Martello-Turm)

Dieses Kapitel ist im Stile eines normalen Romans verfasst.

16. Juni 1904, es ist etwa acht Uhr am Morgen. Stephen Dedalus begibt sich auf die Brüstung des Martello Tower von Sandycove, etwa 14 km vom Stadtzentrum Dublins entfernt, zu seinem Mitbewohner Buck Mulligan. In diesem Wehrturm wohnte Joyce 1904 tatsächlich für etwa eine Woche mit dem Medizinstudenten und Hobbyschriftsteller Oliver St. John Gogarty (1878–1957), der das Vorbild für Buck Mulligan darstellt. Joyce hatte Hoffnungen, die Freundschaft mit Gogarty in diesem Turm wieder aufleben zu lassen, als Künstlergemeinschaft im Sinne einer Renaissance irischen Freigeistes. Doch das erste Kapitel gibt Zeugnis von der zerbrochenen Beziehung. Den permanenten selbstverliebten Sticheleien Mulligans begegnet Stephen nur mehr mit noch mürrischerer Introvertiertheit.

Noch berührt vom kürzlichen Tod seiner Mutter, beschwert sich Stephen bei Mulligan über die nächtlichen Eskapaden des elitären Engländers Haines (ähnlich dem französischen haine, der Hass), der zu dieser Zeit ebenfalls dort nächtigt. Auch die Figur Haines’ entspricht einer realen Person: dem Studenten Samuel Chevenix Trench aus Oxford, der hier als Symbol für einen überheblich-freundlichen britischen Kolonialismus eingesetzt wird – oder wie Joyce es formuliert – „Horn eines Stieres, Huf eines Pferds, Lächeln eines Sachsen.“ Trench wurde von Gogarty hofiert, und so nutzt Joyce dieses Duo als Sinnbild für das usurpierte Irland: Mulligan als Verräter Irlands und kleingeistiger Versemacher, Haines als der nachsichtige, reiche Engländer, der Irland mit dem überheblichen Auge eines Touristen in Augenschein nimmt.

Nach einem kargen Frühstück verkündet Haines, in die Bibliothek zu gehen. Mulligan möchte erst ein Bad in der See nehmen. Nachdem alle den Turm verlassen haben, unterhalten sie sich noch einige Minuten, dann macht sich Stephen allein auf den Weg. Ihm wird klar, dass er am Abend nicht in sein Domizil zurückkehren wird. Wie Telemachos in der Odyssee bricht er auf, um – im übertragenen Sinne – seinen verschollenen Vater zu suchen, den er später in Leopold Bloom finden wird.
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 1. Kapitels

Im Ulysses verkörpert Stephen Dedalus einen modernen Telemachus, der auf der Suche nach einem geistigen Vater ist, obwohl der junge Mann selbst als Intellektueller zu beschreiben ist. Ihm fehlt viel mehr ein vaterähnlicher älterer Freund, der ihm die „Schule des Lebens“ näher bringt – diese Rolle nimmt im Verlauf des Ulysses immer stärker die eigentliche Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom, ein. Der erste Teil des Ulysses ist Stephen Dedalus gewidmet. Die ersten drei Kapitel führen den Leser in die stark vergeistigte Gedankenwelt und die soziale Umwelt der Figur ein. In diesem ersten Teil des Werkes sind die autobiographischen Züge an Dedalus besonders hervortretend.

Buck Mulligan ist ein Medizinstudent mit einer zynischen Sicht auf den menschlichen Zustand, den er als „spöttisch und tierisch“ beschreibt. Paradoxerweise ist er auch der beständigste fröhliche Charakter in Ulysses und wird als ständiges Streben nach der nächsten Gelegenheit dargestellt, zu essen, zu trinken und fröhlich zu sein. Er gilt weithin als Held, weil er Männer vor dem Ertrinken gerettet hat, und scheint bei allen Charakteren des Buches sehr beliebt zu sein, mit Ausnahme von Stephen Dedalus (der ihn als „Bastard“ und „kontaminierten, doppelten Grobian“ abtut) und in geringerem Maße Leopold Bloom.

Haines kommt hauptsächlich in „Telemachus“ vor. Er ist ein Engländer, der bei Buck Mulligan im Martello Tower wohnt, und er hat ein Interesse an irischer Folklore und dem Landleben entwickelt. Stephen verachtet ihn von Anfang an, und Stephen ist besonders beunruhigt über einen Traum, den Haines in der Nacht zuvor hatte, in dem er von einem schwarzen Panther schwärmte. Stephen fragt wiederholt, wann Haines gehen wird, und obwohl Mulligan versucht, Stephen zu ermutigen, ist klar, dass er nicht die Absicht hat, Haines in absehbarer Zeit abzuwerfen. Haines steht stellvertretend für eine englische Haltung gegenüber den Iren, die um die Jahrhundertwende üblich war. Die Haltung wurde manchmal als „die Iren mit Freundlichkeit töten“ beschrieben. Haines ist zu Recht neugierig auf die irische Literatur und Geschichte und schlägt vor, eine Sammlung von Stephens Sprüchen zu erstellen. Haines Interesse ist jedoch rein akademisch und spekulativ. Er hält Irland für ein kurioses Studienobjekt, zeigt aber keinerlei Empathie für die Menschen dort.

Anmerkungen zu diesem 1. Kapitel

Um es gleich zu sagen: Der Roman enthält viele Zitate (z.B. aus der Bibel bzw. aus kirchlichen Texten, aus den Werken von Shakespaeare – hier besonders im 9. Kapitel) und Bezüge auf die irische Geschichte (Personen, Ereignisse), aber auch auf das damalige Zeitgeschehen (z.B. der Brand und Untergang einer Raddampfers in New York einen Tag zuvor – Kapitel 10, S. 308). Die Anzahl der erwähnten Personen ist zwar geradezu endlos lang, die meisten spielen aber keine wesentliche Rolle (z.B. Händler), sind daher eher zu ‚vernachlässigen‘.

S. 7: Introibo ad altare Dei [Gehe zum Altar Gottes]
eucharistisch [zum Abendmahl gehörig]
S. 8: Chrysostomos [Goldmund – vergl. auch Hermann Hesse: Narziß und Goldmund]
S. 9: Epi oinopa ponton [Auf weinfarbenem Meer … (weiter: segelnd zu anderen Menschen) aus: Homer: Odyssee)
S. 10: Thalatta! [Meer! als Freudenschrei]
Hyperboreer [Angehöriger eines sagenhaften nordischen Vokes]
S. 12: Caliban [Unhold bei Shakespeare: Der Sturm]
Jalapen [Abführmittel]
S. 13: … omphalos [Nabelschnur]
S. 15: Doktor Sir Peter Teazle [fiktiver Charakter aus dem Stück ‚School of Scandal‘]
Loyola [Mitbegründer der Jesuiten]
„Und nimmer geht beiseit‘ und sinn‘ …“ [Verse von W.B. Yeats]
S. 16: Fergus [urkeltischer Name -> 1. König von Galloway/Heiliger]
S. 17: Ghul [Dämon]
Liliata rutilantium. Turma circumdet. Iubilantium te virginum.[eigentlich: Liliata rutilantium te confessorum turma circumdet: iubilantium te virginum chorus excipiat“ – Möge die Schar der Beichtväter, leuchtend wie Lilien, dich umgeben. Möge der Chor der jubelnden Jungfrauen dich aufnehmen]
S. 19: Janey Mack [in Dublin Ausruf i.S.v. „Jesus“]
S. 20: In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. [Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes]
Mabinogion [Sammlung mitelalterl. walisischer Erzählungen]
Mary Ann [Gestalt aus einem derben irischen Lied]
S. 21: Wenn die mal ihre Röcke hißt [weiter: und wie ein Mann pisst!]
S. 24: Dere gewizzede biz [Gewissensbiss]
S. 27: Billy Pitt [William P., ehemaliger Premierminister von Großbritannien]
Japhet [Sohn von Noah, neben Sam und Ham Stammvater (der nordischen Völker)]
S. 28: … der in die See nickt über seinem Fuß [NICHT statt nickt aus Shakespeare: Hamlet]
Muglin [Leuchtturm]
S. 30: Famaliaris [Kofferwort aus Fama=Gerücht, Ruf – und familiaris= zur Familie gehörig]
S. 31: et unam sanctam catholicam et apostolicam ecclesiam: [und die heilige katholische und apostolische Kirche]
Missa Papae Marcelli [Musikmesse für Papst Marcellus II (1555) von Giovanni P. Da Palestrina]
Photius [im 9. Jh. Patriarch von Konstaninopel]
Konsubstantialität [Lehre von der Wesensgleichheit von Gott-Vater und Gott-Sohn]
Nom de Dieu! [im Namen Gottes]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel

Abschied von Heinz Besch († 07.05.2022)

Nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb am 07. Mai im Alter von 79 Jahren mein Schwager Heinz Besch. Die Beisetzung findet am 10. Juni auf dem Waller Friedhof in Bremen statt.

Mit Heinz verbindet mich eine lange Zeit des gemeinsamen Musizierens. Vor 50 Jahren gründeten wir beide zusammen mit meinem Bruder und dem Bruder meiner Schwägerin eine Coverband, die später unter dem Namen „Black Out“ zahlreiche Auftritte in Bremen und Umgebung hatte („Black Out“ ist die Schweine-Dachboden-und-Keller-Mucke-Band). Also so etwas wie eine Familienkapelle! Musikalischer Grundstock waren die Instrumentalstücke von den Shadows, der nach und nach erweitert wurde. Das Repertoire reichte von Stimmungsliedern bis hin zu Stücken von Eric Clapton, Cat Stevens und Jethro Tull (‚We used to know“ – oft als Endlos-Session). Zuletzt kamen auch einige eigene Lieder hinzu. Heinz spielte die Rhythmusgitarre und sang die von ihm ausgewählten Stücke.

Black Out – 1972-1989
Black Out – 1972-1989

Gern erinnere ich mich an die vielen Europapokalabende am Fernseher, z.B. schaute ich mit Heinz auch jenen denkwürdigen 7:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Inter Mailand am 20. Oktober 1971, das durch einen Büchsenwurf wiederholt werden musste. Gladbach schied nach einem 2:4 und 0:0 (im Nachholspiel) leider aus dem Wettbewerb des Landesmeister aus.

Und dann gab es viele Feierlichkeiten – zu Silvester oder auf dem Campingplatz von Heinz und Inge, meiner Schwester. Nach den Übungsstunden ging es oft auch noch gemeinsam auf die Piste in Bremens Viertel.

Hier war Heinz Besch in seinen Elementen:
Heinz in seinen Elementen
Juni 1972 Dachboden in Bremen-Oberneuland
26. August 1972 Spanferkelessen auf dem Campingplatz in Ottersberg
8. November 1975 beim Auftritt in der Gaststätte ‚Zum Minister‘ (heute ein indisches Restaurant)
1. September 2012 Feier von Heinz‘ 70. Geburtstag Vereinsheim des Kleingärtnerverein Nürnberg e.V., Bremen

Die letzte große Feierlichkeit gab am 1. September vor 10 Jahren. Anlass war Heinz‘ 70. Geburtstag. Aber auch ein Jahr zuvor hatten wir uns alte Haudegen von ‚Black Out‘ (bis auf unseren Schlagzeuger Jochen) getroffen. Damals gab es Spekulationen über eine Reunion der Gruppe. 😉
Bruder Armin, meine Wenigkeit und Heinz
Bruder Armin, meine Wenigkeit und Heinz

Hier noch einmal einige Instrumentalstücke von ‚Black Out‘ als Playlist mit Heinz an der Rhythmusgitarre, Armin als Sologitarrist, Jochen am Schlagzeug und ich an der Bassgitarre.

Black Out plays the Music of The Shadows (1)
Black Out plays the Music of The Shadows (2)

siehe auch: Eine Kerze für Inge († 21.07.2015)

Sie sind wieder da!

Als am letzten Spieltag der Bundesligasaison 2020/2021 Werder sein Heimspiel verlor und Köln zu Hause gegen den Bereitsabsteiger Schalke knapp gewann – und damit der Relegationsplatz für die Bremer flöten war und der Abstieg unabwendbar: Da fürchteten viele Fans um die Zukunft der Bremer. Bisher war Bremen ohne den SV Werder undenkbar. Aber nun …?!

siehe meine Beiträge: Nie mehr erste Liga?
Versenkt!

In Bremen verzeichnete man durch den Abstieg den Abgang bisher wichtiger Spieler. Neben dem Sturm mit Rashica und Sargent tat der Verlust von Augustinsson und den beiden Eggestein-Brüdern doch ziemlich weh. Und unter dem neuen Trainer Markus Anfang ging der Start in der 2. Liga dann auch ziemlich in die Hose. Werder dümpelte lediglich im Mittelfeld herum.

Siehe meinen Beitrag: SV Werder Bremen: Endlich 2. Liga 😉

Wie gut, dass dann das eigentlich Undenkbare passierte: Der Trainer hatte in leidvollen Corona-Zeiten seinen Impfpass gefälscht und wurde daher gefeuert. Für ihn kam endlich der schon zuvor so sehr gewünschte Ole Werner als Trainer an die Weser. Und mit ihm der Stürmer Marvin Ducksch aus Hannover.

Und mit Werner und Ducksch in einem unnachahmlichen Zusammenspiel mit Niclas Füllkrug legten gleich eine Superserie von sieben nacheinander gewonnenen Spielen hin. Ducksch und Füllkrug kommen am Ende dieser Zweitligasaison auf zusammen 39 Treffer, von denen sie sich viele Tore gegenseitig auflegten.

Füllkrug und Ducksch – die Garanten für Werders Wiederaufstiegs
Füllkrug und Ducksch – die Garanten für Werders Wiederaufstiegs

So ganz ohne Schwitzen kamen die Werder-Fans natürlich nicht aus. Da gab es eine ‚kleine‘ Serie mit dämlichen 1:1-Unentschieden. Und nach dem wohl besten Saisonspiel auf Schalke mit Werders 4:1-Sieg verloren die Bremer nach 2:0-Führung noch mit 2:3 gegen Holstein Kiel auf eigenem Platz. Ich habe mich selten so geärgert: Wie bescheuert muss man sein … Aber am Ende ging es dann doch klar: Werder ist als Zweitplatzierter wieder in der 1. Bundesliga!

Wer auf Kommentare hier in meinem Block zu Werders Gang durch die 2. Liga rechnete, dem habe ich enttäuschen müssen. Mir war nicht danach, auch wenn ich online immer nah am Spielgeschehen war (Gut, es gab noch zwei Beiträge hier, die auch mit Werder Bremen zu tun hatten: Flach – Zwei Jahre Rentnerdasein: Willi liest … Fußball-Bücher). Natürlich wollte ich immer wissen, wie Werder gespielt hat. Nun also dieser ‚erlösende‘ Post: Sie sind wieder da! Und sie bleiben – hoffen wir es – auch für lange Zeit!

Mein Mitleid hält sich zwar in Grenzen, aber nach dreimal 4. Plätzen in Liga 2, hat es der HSV diesmal immerhin auf Platz 3 geschafft und damit die Relegation gegen den Bundesliga-Drittletzten, Hertha BSC Berlin, erreicht. Vier Jahre 2. Liga (ja, mein Freund, diese Saison war die vierte) und endlich ein Hauch von Bundesligaluft im Volksparkstadion. Da kamen den HSV-Fans die Tränen in die Augen, auch wenn die 1. Bundesliga mindestens noch zwei Spiele entfernt ist. Ich wünsche den Hamburger allein deshalb alles Gute, um neben dem unsäglichen Wolfsburgern und jetzt wieder den Bremern einen weiteren Verein aus dem Norden in Deutschlands höchster Fußballliga der Männer vertreten zu sehen. Sat1 überträgt übermorgen und am kommenden Montag die beiden Spiele ab 20 Uhr 30.




Willi rides a bicycle 2022 (02): Tiere unterwegs

Inzwischen ist es bereits Mai geworden; das Wetter bei uns im Norden – die letzte Zeit zwar trocken, aber doch oft reichlich mit kühlem Wind ausgestattet – soll sich nun auch temperaturmäßig ab Montag deutlich verbessern: 20 ° C und mehr. Das hatte mich aber bisher nicht davon abgehalten, die eine oder andere kleinere Radtour zu unternehmen, wie Fotos aus einem anderen Betrag zeigen.

Es ist nicht gerade die Wildnis, durch die ich radle, aber doch viel Natur, Landschaft eben. Und vieles ist kultiviert (Äcker und Wiesen), manches aber auch unberührt und allein der Erdgöttin überlassen, mag sie nun Demeter (bei den Griechen) oder Ceres (bei den Römern) oder ganz einfach ‚Mutter Erde‘ (Terra mater) genannt werden. Und hier finden sich neben einer üppigen Pflanzenwelt auch viele Tiere, Nutztiere oder wildlebende Tiere.

Schafe in der Lüneburger Heide bei Höpen 2021
Schafe in der Lüneburger Heide bei Höpen 2021

Zunächst (auf meiner Facebookseite zu finden), Tieraufnahmen, die ich im letzten Jahr gemacht habe:

Und zuletzt Fotos, die ich in diesem Jahr 2022 ‚geschossen‘ habe, ohne ein Tier zu verletzten:

Noch ’n Toast?! – Klaus Höppner verstorben

Am 14. April d.J. verstarb nach schwerer, kurzer Krankheit Klaus Höppner im Alter von 78 Jahren. Am heutigen Nachmittag fand seine Beisetzung statt. Klaus wir werden Dich vermissen!

Meine Familie kannte Klaus schon viele Jahre. Er war ein ruhiger, eher wortkarger Mann, der aber zur Bestform auflief, wenn er zu seinen ausgedehnten Reisen durch die Wüsten Afrikas und Asiens angesprochen wurde (siehe unten). Und viele Jahre gab es im August mit weiteren Bekannten die fröhlichsten Flusskrebsessen bei ihm und seiner Frau im Garten. Allein die werden uns unvergessen bleiben. Klaus war für den Toast ‚zuständig‘. Immer wenn die Toastbrotscheiben fertig waren, fragte er in die Runde: Noch ’n Toast?! Wir hatten sehr viel Spaß miteinander.

Klaus Höppner beim Flusskrebseessen: Noch 'n Toast?!
Klaus Höppner beim Flusskrebseessen: Noch ’n Toast?!

Unsere beiden Söhne waren noch im Kindesalter, als uns Klaus eine Auswahl seiner Dias von den Reisen durch die Wüsten zeigte und zu jedem Bild auch eine Anekdote zu erzählen wusste. Von einer seiner Reisen hat er auch ein Buch veröffentlich: Cowboys der Wüste – Mit einer Kamelkarawane durch den Sudan

Klaus Höppner mit zwei seiner selbst erstellten Fotobücher (2013)
Klaus Höppner mit zwei seiner selbst erstellten Fotobücher (2013)

Viele Jahre nach seinen Reisen hat er seine vielen Dias gesichtet und daraus Fotobücher erstellt. Zuletzt arbeitete er daran, Texte zu diesen Bildern zu schreiben. Leider ist er damit nicht fertig geworden. In dem Kreiszeitung Wochenblatt (Ausgabe Nordheide) vom 28.09.2021 (S. 4) gab es einen Artikel über Klaus Höppner, der sich seinen Wüstenreisen widmet:

7.000 Kilometer durch die Wüste
Klaus Höppner schloss sich als junger Erwachsener Kamel-Karawanen an und reiste so durch Afrika und Asien

mi. Tostedt. „Ich war nie ein Abenteurer“, sagt Klaus Höppner (69) aus Tostedt. Wer sich anhört, was er auf seinen ausgedehnten Reisen nach Afrika und Asien erlebt und gesehen hat, mag das kaum glauben. Insgesamt 7.000 Kilometer hat Klaus Höppner während verschiedener Reisen in den Jahren 1976 bis 1987 meist auf dem Kamelrücken zurückgelegt. Er durchquerte die Thar-Wüste in Indien und die Nubische Wüste in Ägypten, begleitete die Salzkarawanen der Tuareg im Niger, trieb Kamele vom Sudan nach Ägypten und fuhr in Mali mit einer Piroge auf dem Niger bis Timbuktu. Jahre später hat er jetzt Hunderte seiner alten Dias gesichtet, sortiert und aus dem Material mehrere Fotobücher erstellt. Beim Durchblättern werden längst vergessene Erlebnisse wieder wach.

„Ich wollte den alten ‚Orient‘ erleben“, sagt Klaus Höppner. Schon als Kind habe ihn diese fremde Welt fasziniert. Als Erwachsener fuhr er zunächst mit Reisegruppen nach Afrika und Asien. „Dann habe ich mir gesagt, wenn Du den Orient richtig erfahren willst, dann musst mit den Leuten dort leben“. Er kündigte seinen Job, nahm den Flieger nach Afrika und begleitet eine Salzkarawane der Tuareg. Die Reise war kein Touristentrip: Der Europäer musste mit anpacken. Bis spät in die Nacht wurde geritten, zu essen gab es meist eine Mischung aus Hirse und saurer Kamelmilch. „Schmeckt wie Buttermilch mit Kieselsteinen“, erinnert sich Klaus Höppner. Behandelt wurde er nicht immer freundlich, aber mit Respekt. Nach dieser anstrengenden, aber vor allem faszinierenden Erfahrung zog es Klaus Höppner immer wieder zurück. „Ich habe im Sommer gearbeitet, dann gekündigt, um im Winter loszuziehen“. Sechs solcher Trips hat er bis 1987 unternommen. Dann wurde es immer schwerer schnell einen neuen Job zu finden. Er wird sesshaft, arbeitet als Schiffahrtskaufmann und heiratet.

Eine Situation ist ihm von seinen Reisen besonders in Erinnerung geblieben: „Im Iran wurde ich von den Revolutionsgarden als vermeintlicher US-Spion festgesetzt. Die Männer waren zwar freundlich zu mir, aber auf dem Weg in die Stadt gerieten wir in einen Schusswechsel, das war wirklich gefährlich“, erinnert er sich. Sein eindrucksvollstes Erlebnis war ein Kamelritt durch die vom Vollmondlicht ganz in Silber getauchte nächtliche Wüste. Für solche Eindrücke habe er Strapazen, Risiken und auch die Einbußen bei der Rente gerne in Kauf genommen. Klaus Höppner: „Ich war kein Abenteurer, sondern ein Orient-Romantiker“.

Willi rides a bicycle 2022 (01)

Keine Angst, liebe Ulyssesianer, ich habe es noch nicht aufgegeben, die Niederschrift der Irrfahrten des Mr. Leopold Bloom und des Herrn Stephen Dedalus durch Irlands Hauptstadt, Dublin, am Tage des Herrn 16. Juni 1904 zu lesen. Ich bin immerhin beim Kapital 5 (von 18) angekommen, wenn das auch nur gerade mal 10 % des gesamten Romans ausmachen. Aber das Wetter zeigt sich in diesen Tagen von seiner sonnigen Seite. Und so wäre es geradezu sündhaft (irgendwie lässt Joyce grüßen), diese Tage nicht draußen an der frischen Luft zu verbringen, die Natur zu genießen, fünfe gerade sein zu lassen – und was da so alles liegen gelassen werden kann.

So bin ich ‚die Tage‘ mit meinem Fahrrad (genauer: Pedelec) viel unterwegs, den Fotoapparat immer parat (sic!). Und so komme ich auf das Abenteuer Ulysses beizeiten zu sprechen (schreiben). Gut Ding braucht Weile. Hier zumindest einige Fotos von meinen fahrrädrigen Ausflügen (damit keiner behaupten kann, der Willi ist nur ein fauler Sack)..

Wolkenpanorama 2022 über Tostedt/Harburg
Wolkenpanorama 2022 über Tostedt/Harburg

Und damit ich nicht vom Fleische falle, so gönne ich mir unterwegs schon mal u.a. eine Donauwelle und trinke dazu ein Käffchen … – und lasse die Wolken über mich gleiten …

Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel

Ojemine, es sind schon wieder zwei Jahre (Welttag des Buches 2020) vergangen, seitdem ich mir vorgenommen habe, endlich (!!!) den Ulysses von James Joyce zu lesen. Und wer es glaubt oder nicht: Das erste Kapitel habe ich mir tatsächlich zu Gemüte geführt. Bevor ich mich hier zu den einzelnen der 18 Kapitel des über 1000 Seiten starken Romans auslasse, möchte ich doch einige Infos zu diesem Joyce’schen Werk loswerden.

James Joyce (© Suhrkamp Verlag)
James Joyce (© Suhrkamp Verlag)

Am gleichen Tag wie James Joyce habe ich Geburtstag, den 2. Februar. James Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Dublin geboren, wo er in schwierigen und ärmlichen Familienverhältnissen aufwuchs. Joyce studierte am University College von Dublin moderne Sprachen, u.a. Englisch, Französisch und Italienisch. 1902 ging er nach Paris, um ein Medizinstudium zu beginnen. Er wandte sich dort aber dem Schreiben zu und führte einen ausschweifenden Lebensstil. 1903 kehrte er nach Dublin zurück, konnte dort jedoch nicht Fuß fassen. Mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Nora Barnacle siedelte er 1904 auf den Kontinent über und lebte hauptsächlich in Triest.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er mit seiner Familie nach Zürich, wo sein bekanntestes Werk Ulysses entstand. Der Roman wurde 1918-1920 in Auszügen in der amerikanischen Zeitschrift »The Little Review« abgedruckt; 1921 wurde er wegen obszöner Inhalte verboten. 1922 erschien Ulysses schließlich in (zensierter) Buchform in der Pariser Buchhandlung »Shakespeare and Company«. Das war genau am 2. Februar 1922 – also vor jetzt über 100 Jahren (und wieder an einem 2. Februar).

1920 zog Joyce auf Einladung seines Freundes Ezra Pound nach Paris, wo er bis zu Frankreichs Besetzung im Zweiten Weltkrieg lebte. Dort entstand sein letzter Roman Finnegan’s Wake (Finnegans Totenwache), der 1939 veröffentlicht wurde. James Joyce starb am 13. Januar 1941 in Zürich. (Quelle: suhrkamp.de)

Der »Ulysses« ist bis heute die ultimative Herausforderung für jeden Freund der Weltliteratur. Im Grunde ist alles ganz einfach: James Joyce erzählt, was seinem Helden Leopold Bloom an nur einem einzigen Tag des Jahres 1904 in seiner Heimatstadt Dublin widerfährt. Dies allerdings ist sehr weit verzweigt, schließt mächtig strömende Gedanken und jede Menge Sprach-Abenteuer mit ein. – Georg Goyert war der erste Übersetzer des Romans ins Deutsche; seine »Ulysses«-Übertragung wurde von James Joyce autorisiert. 1975 erschien dann eine neue Übersetzung von Hans Wollschläger, die ich als einmalige Sonderausgabe 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main – vorliegen habe.

Joyce beschreibt im Ulysses in 18 Episoden einen Tag, den 16. Juni 1904, im Leben des Leopold Bloom, seines Zeichens Anzeigenakquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung. In Anlehnung an Homers Irrfahrten des Odysseus lässt er den Leser an den (Irr-)Gängen seines Protagonisten durch Dublin teilhaben.

James Joyces Ulysses ist der Roman eines Tages, des 16. Juni 1904. Die beiden Protagonisten, Stephen Dedalus, der schon aus Joyces früherem Roman Ein Porträt des Künstlers als junger Mann bekannt ist, und der Annoncenakquisiteur Leopold Bloom sowie eine ganze Reihe weiterer Figuren werden im Verlauf dieses Tages von acht Uhr morgens bis tief in die Nacht in ihren Bewegungen durch die Stadt Dublin, in Gesprächen, bei der Arbeit, vor allem aber in ihren Gedanken und Erinnerungen verfolgt. Dabei wird die Stadt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zum Leben erweckt: Die Wege der Protagonisten durch Dublin lassen sich minutiös nachvollziehen, wir sehen sie in einer Schule, am Strand, auf einer Beerdigung, in einer Zeitungsredaktion, einem Museum, einer Bibliothek, in einer Reihe von Kneipen und Restaurants, einem Krankenhaus und schließlich auch im Bordellviertel, das damals zu den größten Europas zählte. Joyce sagte einmal, Dublin könnte, wenn es vollständig zerstört werden sollte, nach der Lektüre seines Romans wiederaufgebaut werden. Aber auch das Leben der Romanfiguren läßt sich fast vollständig rekonstruieren, und die Schilderung des einen Tages ist damit ebenso umfassend wie ein Roman, der die Biographien seiner Helden von der Geburt an nachzeichnet.

Ulysses ist zudem der Roman einer Epoche, der literarischen Moderne, und er lädt ein zu einer Reise durch eine Fülle sprachlicher und stilistischer Möglichkeiten, die von Joyce neu entwickelt oder zitiert und variiert wurden. Jedes Kapitel ist einer anderen literarischen Technik gewidmet, die Palette reicht von der einfachen Erzählung, vielfältigen Parodien und Sprachspielen, Experimenten mit dem musikalischen Potential der Sprache, zu einem Durchgang durch die Stile der literarischen Prosa vom Mittelalter bis in die Moderne, zur Darstellung von Halluzinationen in Form eines Dramas – bis schließlich, am Ende des Tages, nicht nur die Figuren ermüdet sind, sondern auch die Sprache einen Zustand der Erschöpfung erreicht hat. Am Schluß steht dann der berühmte Monolog von Leopold Blooms Frau, Molly, die im Bett vor dem Einschlafen auf mehr als sechzig Seiten ohne Punkt und Komma ihre Sicht der Welt und ihres Lebens wiedergibt.
(aus: Ulysses: Kommentierte Ausgabe – hier: Leseprobe)

Nach diesem ersten gelesenem Kapitel des Uysses überlegte ich, ob ich mir vielleicht doch die kommentierte Ausgabe zulege. Aber ich habe mich anders entschieden: Anhand des englischen Originals und der hierzu ausführlich im Internet kommentierten Textteile versuche ich, das mir vielleicht fehlende Wissen anzueignen. Was z.B. die Textpassagen in lateinischer Sprache betrifft, so nutze ich den Google Übersetzer.

Folgende Websites dienen mir dabei, mein Verständnis des Ulysses-Romans zu erweitern:

Wikipedia/Ulysses (dt.)
Joyceproject
Ulyssesguide
Columbia University New York/ Ulysses: A marked up version.