Kategorie-Archiv: Tostedt

Tostedt – Kuh- und Schweinekaff in der Heide – 900 Jahre alt – und Umgebung

Konzert in Tostedt: Barockmusik mit dem Ensemble ‚Chiesa del Villaggio‘

Es ist schon einige Zeit her, da habe ich hier Kuriose Musikinstrumente vorgestellt. Unter dem Motto ‚Musik zum Leben‘ war am 6. November das Ensemble Chiesa del Villaggio (zu Deutsch „Dorfkirche“) zu Gast in der Johanneskirche in Tostedt. In der Triobesetzung mit Gisela Helms (Blockflöten), Roswitha Conrad (Viola da Gamba – zu Deutsch: Beingeige) und Andreas Bartelsen (Cembalo) ließen sie Werke des Barock unter anderem von Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann und Arcangelo Corelli erklingen. Dabei spielten sie auf Instrumenten, die Kopien historischer Bauweise sind, und gerade dadurch einen besonders runden, warmen Klang haben. Im Konzert erzählten sie von ihren Instrumenten und stellen die Komponisten vor.

© Chiesa del Villaggio: Barockmusik mit Blockflöten, Viola da Gamba und Cembalo
© Chiesa del Villaggio: Barockmusik mit Blockflöten, Viola da Gamba und Cembalo

Als ehemaliger E-Bassist in einer Musikgruppe und als Anhänger der Musik von Jethro Tull, dessen Mastermind Ian Anderson die Querflöte als eines der Hauptinstrumente in die Rockmusik einführte, interessierte mich das Konzert in besonderer Weise (Viola da Gamba und Blockflöten). Aber auch ein Cembalo, bei dem anders als beim Klavier die Saiten nicht mit Hämmerchen angeschlagen, sondern mit Plektren – sogenannten Kielen – gezupft werden, wollte ich einmal ‚live‘ hören

Als Ensemble Chiesa del Villaggio arbeiten die drei Musiker erst seit kurzem zusammen. Jedoch begleitet die Musik alle drei schon ihr ganzes Leben lang. Gisela Helms lernte im Kindesalter die Blockflöte kennen und verfeinerte ihr Spiel bei namhaften Musikern der Hamburger Hochschule für Musik. Roswitha Conrad studierte in Hannover und ist in Lüneburg als Musikschullehrerin und Leiterin diverser Ensembles. Andreas Bartelsen ist studierter Kirchenmusiker und kann nun im Ruhestand sich ganz der Musik widmen.

Das Konzert wurde veranstaltet vom Verein TösterKultur e.V.. Dank der Unterstützung des Lüneburgischen Landschaftsverbands war der Eintritt frei.

Da die Kirche nicht beheizt war, ergaben sich für die Musiker einige Probleme: Die Viola musste öfter nachgestimmt werden. Und die Blockflöten wurden zunächst ‚warm‘ gehalten. Trotzdem waren die 80 Minuten barocker Musik ein hörenswertes Ereignis, das im nächsten Jahr auch in weiteren Kirchen im norddeutschen Raum zu erleben sein wird.

Opa, lass das Fahren sein

Individualität wird bei uns in Deutschland bei vielen über den Gebrauch von Autos definiert – mit einem Namen: Individualverkehr! Eine ach so sehr ausgeprägt unverwechselbare Persönlichkeit wird dabei über die Automarke bestimmt. Kein Auto, keine Persönlichkeit (oder eine eher merkwürdige). Und da wir es auf den Straßen mit Individuen zu tun haben und wir diesen ihre ach so sehr geliebte Freiheit nicht beschränken dürfen, so rasen unsere die Freiheit liebenden Mitmenschen auch noch im hohen Alter über den Asphalt.

Vor einer Woche ereignete sich bei uns in Tostedt ein schwerer Verkehrsunfall (ich würde es eher Mordanschlag nennen), bei dem ein 83-jähriger Mann mit seinem PKW eine Fußgängerin mit Kinderwagen übersah und schwer verletzte:

[…] am Freitag, 28.10.2022 kam es in der Straße Zinnhütte zu einem schweren Verkehrsunfall. Gegen 10:55 Uhr wollte ein 83-jähriger Mann mit seinem Pkw von einem Grundstück in die Straße einbiegen. Dabei übersah er eine 35-jährige Frau, die auf dem Gehweg unterwegs war und einen Kinderwagen vor sich herschob. Der Mann erfasst die Frau mit seinem PKW und verletzte sie dadurch schwer. Der Kinderwagen mit dem wenige Monate alten Kleinkind darin kippte um. Hierdurch wurde das Kind leicht verletzt. Die Mutter kam mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik, das Kind wurde zu weiteren Untersuchungen mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. (Quelle: news.de)

Augenzeugen berichteten, das der Autofahrer zunächst über die Füße der Frau gefahren war, die in ihrer Not mit einer Hand auf die Kühlerhaube des Autos schlug, um den Fahrer zum Halten zu bewegen und ihr Kind zu schützen. Stattdessen gab der Fahrer noch einmal Gas und überfuhr die Frau. – Leider habe ich keine weiteren Information über den Zustand der Frau und hoffe nur, dass sie den ‚Anschlag‘ überlebt hat und bald wieder gesund wird.

Schon vor einiger Zeit hatte ein über Achtzigjähriger in der Nähe dieses ‚Tatortes‘ einen Radfahrer überrollt, dieses aber nicht gemerkt. Erst als die Polizei aufgrund von Zeugenaussagen den Fahrer zu Hause aufsuchte, gab dieser zu Protokoll, er hätte es rumpelt gehört, sich aber keine weiteren Gedanken gemacht. Der Radfahrer starb noch am Unfallort.

Und vor einige Jahren schrieb ich in dem Beitrag Davongekommen:

Diese Woche am Montag verlor ein 82-Jähriger die Kontrolle über seinen Wagen und rammte [eine] Eisdiele. „Glücklicherweise war die Terrasse noch unbesetzt, so dass kein Unbeteiligter verletzt wurde“, so ein Polizeisprecher. „Die im Lokal anwesenden Personen kamen mit dem Schrecken davon.“ Auch der Fahrer sei körperlich unverletzt geblieben. Nach Angaben des Sprechers hat er vermutlich Gas- und Bremspedal verwechselt.

Autofahrer rast in Eisdiele in Tostedt
Autofahrer rast in Eisdiele in Tostedt

Von Unfällen dieser Art, wie diese sich in letzter Zeit zu häufen scheinen, könnte ich hier noch viele weitere aufführen. In anderen Ländern müssen alte Menschen, wenn sie noch weiter ihren PKW nutzen wollen, in regelmäßigen Abständen Tests auf ihre Fahrtauglichkeit machen (z.B. in Finnland einmal im Jahr). Bei uns in Deutschland werden solche gesetzlich verpflichtende Fahreignungstests für Senioren immer wieder diskutiert. Getan hat sich bisher NICHTS. So argumentiert z.B. der ADAC: Menschen ab 65 Jahren verursachten etwa 16 Prozent der Unfälle mit Verletzten, obwohl sie 21 Prozent der Bevölkerung ausmachten. „Ältere Autofahrer verhalten sich im Straßenverkehr in alle Regel vorsichtig, eher defensiv und vorausschauend“, so der Automobilclub.

Für mich ist das ein sehr schwaches Argument. Der Prozentsatz der Autofahrer und Autofahrerinnen ab 65 Jahre dürfte in Verhältnis zu ihrem Anteil an der Bevölkerung weitaus geringer sein als in anderen Altersgruppen. Zudem kann ein Test nicht schaden, da dieser auch die alten Menschen schützt. Vor allem allerdings sollten alte Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind (meist ein Grund, weshalb diese nicht aufs Autofahren verzichten wollen) oder wenn sie sich für den Schulterblick nicht mehr komplett umdrehen können, von vornherein ihren Waffenschein Führerschein abgeben, denn im Falle eines Unfalls, sind diese nicht mehr in der Lage, anderen Unfallopfern schnell zu helfen, geschweige sich selbst zu helfen. (siehe u.a. autozeitung.de aus 2019)

Ich gebe es zu, dass mich der Unfall mit der Frau und dem Kind sehr betroffen gemacht hat. Ich bin Großvater eines gerade sieben Monate alten Kindes. Und die Mutter dieses Kindes in in etwa so alt wie die schwer verletzte Frau.

Freitags fahre ich (mit dem Fahrrad) zum Wochenmarkt und stelle mein Rad bei dem Kaufhaus in unserem Ort ab, der in der Ortsmitte ein großes Areal mit Parkplätzen bereit hält. Um die Mittagszeit sind es vor allem Rentner, die hier einkaufen und natürlich mit dem Auto vorfahren. Manche würden am liebsten bis ins Kaufhaus hineinfahren wollen, andere kurven herum und gefährden oft genug Fußgänger (oder Radfahrer wie mich) durch ihre chaotische Fahrweise. Wenn sie dann kaum noch aus ihren Fahrzeugen herauskommen, weil sie absolut klapprig auf den Beinen sind, dann überkommt mich ein unbeschreiblicher Horror: Liebe Leute, gebt endlich Eure Führerscheine ab!

Um eines klarzustellen: Ich sage nicht, dass alte Autofahrer und -fahrerinnen schlechte Autofahrer sind. Sind sie aber nicht mehr fit oder gar gesundheitlich angeschlagen, dann eignen sie sich nicht mehr zum Fahren. Hier ein Schnell-Check, der hilft, seine Fahrtauglichkeit einzuordnen:

1. Verlieren Sie beim Fahren manchmal die Orientierung?
2. Haben Sie Schwierigkeiten, andere Verkehrsteilnehmer, Ampeln oder Verkehrszeichen zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren?
3. Haben Sie Probleme, das Gas-, Kupplungs- oder Bremspedal zu betätigen?
4. Hören Sie Motorengeräusche, Schaltung oder Signale anderer Verkehrsteilnehmer (manchmal) spät oder schlecht?
5. Finden Sie es schwierig, den Kopf zu drehen und über Ihre Schulter zu blicken?
6. Werden Sie im dichten Verkehr oder auf unbekannten Straßen nervös?
7. Hupen andere Autofahrer häufig wegen Ihres Fahrverhaltens?
8. Verursachen Sie in letzter Zeit häufiger kleinere oder „Beinahe“-Unfälle?
9. Fühlen Sie sich beim Fahren unsicher?
10. Werden Sie schläfrig oder wird Ihnen schwindelig, nachdem Sie Ihre Medikamente eingenommen haben?
(Quelle: t-online.de)

Abenteuer 9-Euro-Ticket – 600 km von Tostedt nach Mannheim

Ja, auch ich und meine Frau haben während der drei Monate Juni bis August das 9-Euro-Ticket genutzt. Es begann damit, dass wir – leider aus traurigem Anlass – nach Bremen fahren mussten. Damit hatten wir die Kosten für Juni schon wieder hereingeholt. Außerdem musste meine Frau zweimal, ich einmal nach Buchholz zu Arztbesuchen (wir hatten diese Termine bewusst so legen lassen).

Im Juli starteten wir in Sottrum eine Wanderung zu den Sanddünen von Voßberge, die uns einen erneuten Abstecher von Ottersberg nach Bremen bescherte. Ende Juli ging es in das durch die Künstlerkolonie bekannte Worpswede. Anfang August fuhren wir (wieder über Bremen) nach Ottenbüttel, um dort das Sandhausener und das Hamberger Moor zu erkunden.

In soweit war das natürlich vom Bahnfahren her noch kein Abenteuer. Die Züge waren halbwegs pünktlich (okay, in Ottersberg nach Tostedt fiel ein Zug aus, weshalb wir den Abstecher nach Bremen machten) und wir hatten immer Sitzplätze.

Das eigentliche Abenteuer war die Fahrt von uns aus (Tostedt) nach Mannheim im Personennahverkehr, um unseren älteren Sohn und seine Freundin zu besuchen. Schnell stand die Reiseroute fest: Start um 7 Uhr 47 in Tostedt – fünfmal umsteigen (Bremen – Osnabrück – Duisburg – Koblenz und Mainz) – Ankunft in Mannheim um 17 Uhr 15 – wenn alles gut geht. Wie ich den Nahverkehr von uns aus nach Hamburg oder nach Bremen kenne, war die Chance, das alles klappt, nicht sehr groß. Schnell war auch geklärt, dass wir am Donnerstag starten, in Mainz einen Abstecher machen, um am Freitag in Mannheim einzutreffen. Und nur so aus Jux und Laune konsultierte ich die Website vom Flixbus bzw. Flixtrain. Und tatsächlich sollte da genau am Donnerstag, genau unserer Zeitplanung entsprechend, ein Flixtrain von Bremen (bis Bremen mussten wir sowieso einen Nahverkehrszug nehmen) nach Mainz fahren: Fahrtkosten gerade einmal 20 € pro Nase. Und da ich erholt aus Mannheim nach Hause kommen wollte (fünfmal umsteigen an einem Montag würde dem entgegenstehen) buchte ich einen ICE von Mannheim nach Bremen zum Sparpreis von zusammen 100 €.

Aber am Nachmittag vor der Abreise kam verflixt die Nachricht vom Flixtrain, dass der Zug storniert wäre. Ein Grund wurde nicht genannt. Super, also doch im Nahverkehr über Mainz nach Mannheim.

Um 7 Uhr 47 sollte es also mit dem Regionalexpress (RE) des Metronom nach Bremen losgehen. Eigentlich stehen wir immer zwei Stunden vor einer Abfahrt auf, um uns zu duschen, schnell noch etwas zu frühstücken und um den unumgänglichen Gang aufs Töpfchen vorzunehmen. Unser Weg zum Bahnhof ist kurz und zu Fuß zu erledigen. Aber die Erfahrung aus zwei vorhergehenden Monaten mit 9-Euro-Ticket hatte uns gelehrt, dem RE zu misstrauen. Dieser fährt von uns nach Bremen und hält nur noch in Rotenburg/Wümme, um aber besonders am Morgen zugunsten der Regionalbahn (RB), die an allen Unterwegsbahnhöfen hält (und die Pendler auch von dort aufnimmt), auszufallen.

So standen wir also bereits um 5 Uhr auf – und siehe da: Der 7-Uhr-47-Zug fiel aus. Mit der späteren Regionalbahn hätten wir unseren Anschluss in Bremen verpasst, also visierten wir die 7-Uhr-15-RB an. Und da schon alles schneller bei uns ging, erwischten wir auch noch den RE um 6 Uhr 32, der sich allerdings als Bummelzug entpuppte.

Jetzt hatten wir also gewissermaßen eine ganze Stunde Vorsprung. In Bremen kamen wir immerhin pünktlich an (hatte auch gute Sitzplätze und Platz für unser Gepäck) und hatten etwas Zeit, um noch etwas für ein 2. Frühstück einzukaufen. Dann ging es super pünktlich um 8 Uhr 07 weiter nach Osnabrück, dort um 9 Uhr 47 weiter nach Duisburg. Hatten wir zuvor genügend Zeit für das Umsteigen, so sollte es in Duisburg mit nur acht Minuten sehr knapp sein. Und wie es kommen musste: Der Zug hatte sehr bald Verspätung, die nicht mehr einzuholen war. Wir planten schon eine Weiterfahrt bis Düsseldorf, da unser Zug auf Gleis 3 eintreffen, der Zug nach Koblenz aber auf Gleis 2 abfahren sollte. Eben nicht der gleiche Bahnsteig. Aber Glück im Unglück: Wir kamen auf Gleis 4 an – und der RRX (Rhein-Ruhr-Express) von National Express stand verspätet auf dem gleichen Bahnsteig gegenüber. Nichts wie raus aus dem Zug und in den RRX eingestiegen. Dieser war zwar ziemlich voll, aber wir bekamen doch noch Sitzplätze – und die Fahrt erwies sich als das, was wir uns erträumt hatten: Nähe zur ansässigen Bevölkerung! Die zwei Stunden Fahrt (oft am linken Rheinufer entlang) vergingen wie im Fluge.Wir haben uns mit zwei Herren bestens unterhalten und bekamen wertvolle Tipps für die Weiterfahrt von Koblenz nach Mainz („Nehmen Sie nicht den Zug in Richtung Frankfurt, da reisen alle Flugreisende mit!“).

Okay, in Koblenz war unser Zug nach Mainz natürlich längst enteilt. Und der nächste Zug, die RB 28, sollte um 14 Uhr 30 fahren, kam verspätet an (auch hier die dem Durchhalten gewidmeten, sich sukzessiv steigernden Durchsagen – zunächst: „Der Zug hat voraussichtlich 5 Minuten Verspätung!“ – und dann doch: „… 10 Minuten …!“ – um zuletzt 15 Minuten später zu kommen) und war – eigentlich kein Zug Richtung Frankfurt – proppevoll. Die Sicht auf den Rhein interessierte uns zunächst nur nebenbei. Aber nach einer knappen halben Stunde hatten meine Frau und ich dann doch noch Sitzplätze – nebeneinander sogar. Gegen 16 Uhr 15 (laut unserer vorherigen Planung sollten wir um 16 Uhr 08 ankommen) waren wir dann am Mainzer Hauptbahnhof. Die eine Stunde ‚Vorsprung‘ hatte sich also aufgebraucht. So hatten wir die geschätzten 530 km von uns nach Mainz in 9 ¾ Stunden geschafft. Und waren eigentlich noch ganz gut drauf, um uns die Altstadt anzugucken, einen Happen zu essen und auch noch in einem Irish Pub einen Pint of Guinness zu trinken.

Im Hotel durften wir am folgenden Freitag bis um 12 Uhr bleiben, sodass wir nach dem Frühstück noch einmal in die Altstadt (mit dem Bus und dem 9-Euro-Ticket) fuhren, den Dom besichtigten und auf dem Wochenmarkt, der nicht nur schön gelegen, sondern auch eine riesige Auswahl parat hatte, kleine Einkäufe zu erledigen.

26.08.2022 – Abfahrt 11 Uhr 52 ab Mainz – nach MANNHEIM
26.08.2022 – Abfahrt 11 Uhr 52 ab Mainz – nach MANNHEIM

Dann lag nur noch eine geschätzt 70 km lange Strecke vor uns: Von Mainz nach Mannheim! Anstatt mit einem RE zu fahren, nahmen wir die S-Bahn der Linie 6 um 11 Uhr 52 – weiterhin auf der linken Rheinseite fahrend. Die Bahnstrecke hier ist ein rechtes Nadelöhr und wird von jeder Art von Bahn genutzt, eine eigene S-Bahn-Strecke gibt es nicht. So kam es, wie es kommen musste: Wir wurden ständig von anderen Zügen überholt (auch von dem später gestarteten RE, der, anders als unsere Bahn, offensichtlich überfüllt war – klar, an einem Freitag zur Mittagszeit wollen alle schnell nach Hause). So wurde aus der fast doppelten Fahrzeit (gegenüber dem RE) eine annähernd dreifache. Aber das war uns egal. Um 14 Uhr 15 waren wir nach etwa 600 km im Nahverkehr mit dem 9-Euro-Ticket in unserem Hotel in den Quadraten.

Die Rückfahrt mit dem ICE am Montag, den 29.08., um 10 Uhr 39 ab Mannheim nach Bremen (planmäßige Ankunft dort sollte 16 Uhr 15 sein) war viel eher abenteuerlich. Wegen einer Stellwerkstörung und dann noch „Personen im Gleis“ wurden wir bis Koblenz rechtsrheinisch umgeleitet (so hatten wir immerhin auch eine Sicht auf die linke Rheinseite), was uns eine Verspätung von rund 45 Minuten einbrachte. Und am Ende hatte die Deutsche Bahn AG (DB) Glück im Unglück: Da die letztendliche Verspätung bei knapp unter einer Stunde lag, braucht sie uns keine 25 % des Fahrpreises erstatten. Die Stunde wurde dann aber doch noch mehr als voll gemacht – mit dem Metronom, der noch etwa 20 Minuten drauflegte.

Ab in die Brombeeren

Meine leider viel zu früh verstorbene Schwester Inge war eine Pflaumenliebhaberin, genauer: sie liebte Pflaumen- bzw. Zwetschgenkuchen über alles. Kein Wunder, wurde sie im September geboren, in der Zeit, in der diese Steinobstgewächse geerntet werden. Auch ich und meine Familie lieben Pflaumenkuchen.

Aber noch sind wir Ende August/Anfang September, und da gibt es noch reichlich Brombeeren. Wie Pflaume und ihre Unterart, die Zwetschge, so gehören auch Erd-, Him- und Brombeere zur Familie der Rosengewächse. Aber der Belehrung genug.

Obwohl die kultivierten Beeren nicht gerade billig sind und auch nicht den Geschmack wildwachsender oder im eigenen Garten gezogener Früchte haben, so haben wir uns auf dem Wochenmarkt doch reichlich schadlos daran gehalten. Besonders meine Frau liebt Beeren/Bären aller Art.

Wie gesagt: Wild wachsende Beerenfrüchte haben ein Vielfaches an Geschmack, an Aroma. Auf Waldspaziergängen oder bei einem Ausflug in die zwei Moore bei Oldenbüttel haben wir noch viele Heidelbeeren, auch Blau- oder bei uns in Norddeutschland Pickbeeren genannt, gefunden. Ein Fest für den Gaumen!

Heidelbeeren auf die Kralle
Heidelbeeren auf die Kralle

Auf einer kleinen Radtour unweit von Fintel im Landkreis Rotenburg/Wümme in der Nähe des Feienbuschs Moores (wieder ein Moor) fand ich diese herrlichen Brombeeren – geradezu im Überfluss, da wohl bisher von keinem anderen entdeckt:

Ab in die Brombeeren
Ab in die Brombeeren

Aber wir haben auch Brombeersträucher im eigenen Garten, die in diesem Jahr besonders viele Früchte tragen. Der ältere meiner beiden Söhne, ein Hobby-Dendrologe, erklärt die große Menge an Früchten mit dem viel zu trockenem Wetter und der damit verbundenen Hitze. Wenn Bäume und auch Sträucher unter Nährstoffmangel und Wasserknappheit leiden, blühen diese häufiger und intensiver. „Forstleute kennen den Begriff der Notfruktifikation, man kann auch Angstblüte dazu sagen. Unnötig Kraft zu verausgaben, wäre für einen geschwächten Baum kaum sinnvoll – es sei denn, um das Überleben seiner Art zu sichern, bevor es mit ihm zu Ende geht.“ (Quelle: sandsteinblogger.de)

Brombeeren aus dem eigenen Garten
Brombeeren aus dem eigenen Garten

Verlassen wir das Haus oder kommen wir sonstwie an den Brombeeren vorbei, so begutachten wir den Stand der Reife der Früchte. Und so wandert dann die eine oder andere Beere schnell über den Mund in den Magen.

Willi rides a bicycle 2022 (02): Tiere unterwegs

Inzwischen ist es bereits Mai geworden; das Wetter bei uns im Norden – die letzte Zeit zwar trocken, aber doch oft reichlich mit kühlem Wind ausgestattet – soll sich nun auch temperaturmäßig ab Montag deutlich verbessern: 20 ° C und mehr. Das hatte mich aber bisher nicht davon abgehalten, die eine oder andere kleinere Radtour zu unternehmen, wie Fotos aus einem anderen Betrag zeigen.

Es ist nicht gerade die Wildnis, durch die ich radle, aber doch viel Natur, Landschaft eben. Und vieles ist kultiviert (Äcker und Wiesen), manches aber auch unberührt und allein der Erdgöttin überlassen, mag sie nun Demeter (bei den Griechen) oder Ceres (bei den Römern) oder ganz einfach ‚Mutter Erde‘ (Terra mater) genannt werden. Und hier finden sich neben einer üppigen Pflanzenwelt auch viele Tiere, Nutztiere oder wildlebende Tiere.

Schafe in der Lüneburger Heide bei Höpen 2021
Schafe in der Lüneburger Heide bei Höpen 2021

Zunächst (auf meiner Facebookseite zu finden), Tieraufnahmen, die ich im letzten Jahr gemacht habe:

Und zuletzt Fotos, die ich in diesem Jahr 2022 ‚geschossen‘ habe, ohne ein Tier zu verletzten:

Noch ’n Toast?! – Klaus Höppner verstorben

Am 14. April d.J. verstarb nach schwerer, kurzer Krankheit Klaus Höppner im Alter von 78 Jahren. Am heutigen Nachmittag fand seine Beisetzung statt. Klaus wir werden Dich vermissen!

Meine Familie kannte Klaus schon viele Jahre. Er war ein ruhiger, eher wortkarger Mann, der aber zur Bestform auflief, wenn er zu seinen ausgedehnten Reisen durch die Wüsten Afrikas und Asiens angesprochen wurde (siehe unten). Und viele Jahre gab es im August mit weiteren Bekannten die fröhlichsten Flusskrebsessen bei ihm und seiner Frau im Garten. Allein die werden uns unvergessen bleiben. Klaus war für den Toast ‚zuständig‘. Immer wenn die Toastbrotscheiben fertig waren, fragte er in die Runde: Noch ’n Toast?! Wir hatten sehr viel Spaß miteinander.

Klaus Höppner beim Flusskrebseessen: Noch 'n Toast?!
Klaus Höppner beim Flusskrebseessen: Noch ’n Toast?!

Unsere beiden Söhne waren noch im Kindesalter, als uns Klaus eine Auswahl seiner Dias von den Reisen durch die Wüsten zeigte und zu jedem Bild auch eine Anekdote zu erzählen wusste. Von einer seiner Reisen hat er auch ein Buch veröffentlich: Cowboys der Wüste – Mit einer Kamelkarawane durch den Sudan

Klaus Höppner mit zwei seiner selbst erstellten Fotobücher (2013)
Klaus Höppner mit zwei seiner selbst erstellten Fotobücher (2013)

Viele Jahre nach seinen Reisen hat er seine vielen Dias gesichtet und daraus Fotobücher erstellt. Zuletzt arbeitete er daran, Texte zu diesen Bildern zu schreiben. Leider ist er damit nicht fertig geworden. In dem Kreiszeitung Wochenblatt (Ausgabe Nordheide) vom 28.09.2021 (S. 4) gab es einen Artikel über Klaus Höppner, der sich seinen Wüstenreisen widmet:

7.000 Kilometer durch die Wüste
Klaus Höppner schloss sich als junger Erwachsener Kamel-Karawanen an und reiste so durch Afrika und Asien

mi. Tostedt. „Ich war nie ein Abenteurer“, sagt Klaus Höppner (69) aus Tostedt. Wer sich anhört, was er auf seinen ausgedehnten Reisen nach Afrika und Asien erlebt und gesehen hat, mag das kaum glauben. Insgesamt 7.000 Kilometer hat Klaus Höppner während verschiedener Reisen in den Jahren 1976 bis 1987 meist auf dem Kamelrücken zurückgelegt. Er durchquerte die Thar-Wüste in Indien und die Nubische Wüste in Ägypten, begleitete die Salzkarawanen der Tuareg im Niger, trieb Kamele vom Sudan nach Ägypten und fuhr in Mali mit einer Piroge auf dem Niger bis Timbuktu. Jahre später hat er jetzt Hunderte seiner alten Dias gesichtet, sortiert und aus dem Material mehrere Fotobücher erstellt. Beim Durchblättern werden längst vergessene Erlebnisse wieder wach.

„Ich wollte den alten ‚Orient‘ erleben“, sagt Klaus Höppner. Schon als Kind habe ihn diese fremde Welt fasziniert. Als Erwachsener fuhr er zunächst mit Reisegruppen nach Afrika und Asien. „Dann habe ich mir gesagt, wenn Du den Orient richtig erfahren willst, dann musst mit den Leuten dort leben“. Er kündigte seinen Job, nahm den Flieger nach Afrika und begleitet eine Salzkarawane der Tuareg. Die Reise war kein Touristentrip: Der Europäer musste mit anpacken. Bis spät in die Nacht wurde geritten, zu essen gab es meist eine Mischung aus Hirse und saurer Kamelmilch. „Schmeckt wie Buttermilch mit Kieselsteinen“, erinnert sich Klaus Höppner. Behandelt wurde er nicht immer freundlich, aber mit Respekt. Nach dieser anstrengenden, aber vor allem faszinierenden Erfahrung zog es Klaus Höppner immer wieder zurück. „Ich habe im Sommer gearbeitet, dann gekündigt, um im Winter loszuziehen“. Sechs solcher Trips hat er bis 1987 unternommen. Dann wurde es immer schwerer schnell einen neuen Job zu finden. Er wird sesshaft, arbeitet als Schiffahrtskaufmann und heiratet.

Eine Situation ist ihm von seinen Reisen besonders in Erinnerung geblieben: „Im Iran wurde ich von den Revolutionsgarden als vermeintlicher US-Spion festgesetzt. Die Männer waren zwar freundlich zu mir, aber auf dem Weg in die Stadt gerieten wir in einen Schusswechsel, das war wirklich gefährlich“, erinnert er sich. Sein eindrucksvollstes Erlebnis war ein Kamelritt durch die vom Vollmondlicht ganz in Silber getauchte nächtliche Wüste. Für solche Eindrücke habe er Strapazen, Risiken und auch die Einbußen bei der Rente gerne in Kauf genommen. Klaus Höppner: „Ich war kein Abenteurer, sondern ein Orient-Romantiker“.

Willi rides a bicycle 2022 (01)

Keine Angst, liebe Ulyssesianer, ich habe es noch nicht aufgegeben, die Niederschrift der Irrfahrten des Mr. Leopold Bloom und des Herrn Stephen Dedalus durch Irlands Hauptstadt, Dublin, am Tage des Herrn 16. Juni 1904 zu lesen. Ich bin immerhin beim Kapital 5 (von 18) angekommen, wenn das auch nur gerade mal 10 % des gesamten Romans ausmachen. Aber das Wetter zeigt sich in diesen Tagen von seiner sonnigen Seite. Und so wäre es geradezu sündhaft (irgendwie lässt Joyce grüßen), diese Tage nicht draußen an der frischen Luft zu verbringen, die Natur zu genießen, fünfe gerade sein zu lassen – und was da so alles liegen gelassen werden kann.

So bin ich ‚die Tage‘ mit meinem Fahrrad (genauer: Pedelec) viel unterwegs, den Fotoapparat immer parat (sic!). Und so komme ich auf das Abenteuer Ulysses beizeiten zu sprechen (schreiben). Gut Ding braucht Weile. Hier zumindest einige Fotos von meinen fahrrädrigen Ausflügen (damit keiner behaupten kann, der Willi ist nur ein fauler Sack)..

Wolkenpanorama 2022 über Tostedt/Harburg
Wolkenpanorama 2022 über Tostedt/Harburg

Und damit ich nicht vom Fleische falle, so gönne ich mir unterwegs schon mal u.a. eine Donauwelle und trinke dazu ein Käffchen … – und lasse die Wolken über mich gleiten …

‚Stormgebrus‘ über Norddeutschland

Ganz so schlimm habe ich es bisher noch nicht in meinem Wohnort Tostedt erlebt. Dass das Wetter schon mit wenigen Ausnahmen seit Wochen Regen und gehörigen Sturm oder beides gleichzeitig im Gepäck hat, Schietwedder nennen wir das hier in Norddeutschland, wird kaum einem entgangen sein. Aber heute Morgen war es dann doch eine absolute Spitzenleistung: Mit über 100 km/h in Böen brauste der Orkan Ylenia über Tostedt hinweg. Wir sind hier immerhin nicht an der Küste und nicht im Gebirge. Dort mag das sicherlich öfter vorkommen. Aber hier? In Tostedt? Auf dem flachen Land?

'Stormgebrus' über Tostedt mit über 100 km/h
‚Stormgebrus‘ über Tostedt mit über 100 km/h

Und morgen am Freitag gegen Abend soll es mindestens noch einmal so dicke kommen. Als würde das Wetter den 60. Jahrestag der Sturmflut von 1962 – auf den Tag genau – feiern wollen.

Weihnachtlicher Treckerumzug durch Tostedt (19.12.2021)

Am 4. Advent (19.12.2021) fand in der Vorweihnachtszeit bei uns in Tostedt unter dem Motto „Ein Funken Hoffnung“ (sicherlich bezogen auf die Coronapandemie) ein weihnachtlicher Treckerumzug der Landwirte aus den Kreisen Harburg und Stade statt …


Ein Funken Hoffnung – weihnachtlicher Treckerumzug durch Tostedt 19.12.2021

Wir zu sehen ist, blinkte es in vielen Farben, manchmal eher grell als schön. Aber irgendwie hatte es schon etwas, als etwa 150 landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge durch meinen Wohnort kurvten. Zuvor hatte ich mit meiner Frau unseren diesjährigen Weihnachtbaum ‚geschlagen‘. Und nachdem der letzte weihnachtlich geschmückte Traktor gen Ortsmitte verschwand, gönnte wir uns (meine Frau, eine ihrer Freundinnen und ich) einen kräftigen Eierpunsch mit einem ordentlichen Schuss Rum zum Aufwärmen … 😉

Wilseder Berg (Lüneburger Heide)

Wenn man wie wir am Rande der Lüneburger Heide wohnt, dann sollte auch die höchste Ergebung der Heide, der Wilseder Berg (169,2 m), einmal besucht werden. Am Samstag haben wir es mit Bekannten und deren Kinder endlich geschafft. Mit dem Auto sind wir ‚angereist‘ und haben dieses auf dem Parkplatz in Niederhaverbeck (direkt an der L121, Niederhaverbeck 14, 29646 Niederhaverbeck. Koordinaten: N53.150891  E9.908516 ) abgestellt. Von dort aus ist der Wilseder Berg überall ausgeschildert (direkter Weg ca. 4,5 km, 60 min).

Wilseder Berg (Lüneburger Heide) Willi guckt in die Heide
Lüneburger Heide vom Wilseder Berg

Es war ein trockener und angenehm frischer Tag. Also genau richtig, um sich auf den Weg zu machen. Auf dem Rückweg tranken wir Kaffee in der Wiesenwirtschaft Heidekönig oberhalb des Parkplatzes in Niederhaverbek: Empfehlenswert ist der Buchweizenkuchen mit Füllung, aber auch die Wildbeerentorte oder die Heidelbeer-Buttermilchtorte. Absolut lecker und wirklich preiswert.

Bundestagswahl 2021 und Stichwahl in Tostedt

Dr. Peter Dörsam weiterhin Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt

Die Arithmetik von Rolf Aldag (CDU) ist nicht aufgegangen. Bei der Erstwahl zum Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt erhielt er rund 25 %, addiert mit den 22 % von Herrn Zirkel (Zusammen für Tostedt) und Frau Michel (FDP), die sich beide zur Stichwahl für Herrn Aldag ausgesprochen hatten, wären das 55 %. Der Amtsinhaber und unabhängige Kandidat, Dr. Peter Dörsam, erreichte bei der Stichwahl 57,2 % und ließ dank gleichzeitiger Bundestagswahl bei einer Wahlbeteiligung von 67,8 % Herrn Aldag mit 42,8 % dann doch deutlich hinter sich. Den Witz mit dem ‚Zirkel‘-Schluss erspare ich mir.

Dr. Peter Dörsam – Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt
Dr. Peter Dörsam – Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt

Gratulation an Dr. Peter Dörsam, dem die zuvor verbreiteten Fake News nicht schaden konnten, im Gegenteil. Warum erinnert mich das an die Bürgermeisterwahl von 2014? Ich erwarte eine Entschuldigung von Herr Aldag in dieser Sache!

Frauenpower im Wahlkreis 36 Harburg

Nachdem er bei den Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017 das Direktmandat für den Wahlkreis 36 Harburg gewann, musste sich Michael Grosse-Brömer (CDU) diesmal Svenja Stadler (SPD) geschlagen geben. Sie zieht mit 31,0 % gegen 29,1 % der Erststimmen von Herrn Grosse Brömer bei dieser Wahl direkt in den Bundestag ein. Dieser bleibt allerdings über die Landesliste seiner Partei (Platz 2) dem Bundestag erhalten. Eine Schlappe für die CDU im Kreis. Den Erfolg macht Nadja Weippert von den Grünen komplett. Gratulation an Frau Stadler.

Planlos, schusselig und weltfremd

Die Union verliert die Bundestagswahl (24,1 %), aber Armin Laschet, der sich diese Niederlage ankreiden muss, will Bundeskanzler werden. Zuvor planlos im Wahlkampf hatte er mit unglücklichen Bildern zu kämpfen. So war es gestern symptomatisch, wie er seinen falsch gefalteter Stimmzettel für die vielen Fotografen und Kameramänner noch einen Moment festhält, bevor er ihn in die Wahlurne steckt. Auf den Fotos sind seine beiden Kreuze deutlich erkennbar.

Laschet verspricht eine „Zukunftsregierung“ mit Grünen und FDP (‚Jamaika‘-Koalition), aber viel Zukunft mit ihm und z.B. einem Friedrich Merz wird die Union nicht bieten können. Weltfremd nenne ich das.

Die SPD erringt dank Olaf Scholz 25,7 % und ist jetzt eigentlich am Zug, die Regierung zu bilden. Mit Scholz als Bundeskanzler käme neben einer ‚Ampel‘-Koalition (gleichfalls mit Grünen und FDP) als insgesamt dritte Möglichkeit wieder eine GroKo (große Koalition zwischen SPD und Union) in Frage, was aber keiner wirklich will.

Wir dürfen gespannt sein, zu welcher Koalition es kommen wird. Die Grünen, mit 14,8 % wieder drittstärkste Partei im Land, tendieren zur SPD, die FDP (11,5 %) zu CDU/CSU. Der One-Man-Showman Lindner (FDP) hat aber Gemeinsamkeiten mit den Grünen entdeckt. Es sieht also vieles nach einer ‚Ampel‘-Koalition aus, es sei denn, Lindner & Co. ziehen wieder den Schwanz ein wir vor vier Jahren.

Die Linke bleibt zwar unter 5 %, ist aber dank dreier Direktmandate ebenfalls wieder im Bundestag vertreten. Zum ersten Mal seit 60 Jahren hat der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) wieder an einer Bundestagswahl teilgenommen. Dieser vertritt die dänische Minderheit und die nationalen Friesen. Da die 5-%-Klausel für diese Partei nicht gilt, reichte die Anzahl ihrer Wähler, um einen Sitz im Bundestag zu bekommen.

Mit 10,3 % und vielen Direktmandaten in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist auch die rechtsextreme AfD wieder im Bundestag vertreten. Immerhin ist es ein Lichtblick, dass sie in Corona-Zeiten nicht weiter zulegen konnte, im Gegenteil real 200.000 Wähler verlor – trotz höherer Wahlbeteiligung (76,6 % 2021 zu 76,2 % 2017). Okay, über 700.000 (1,6 %) sind an die „Querdenker“-Partei (dieBasis) gegangen.