Kategorie-Archiv: Literatur

WilliZ Welt der Literatur

Na denn, Moin!

Na denn man tau, also los geht’s!

„Moin“ ist viel mehr als nur ein Grußwort, es steht für die liebenswerten Eigenheiten einer ganzen Region und verkörpert ein einzigartiges Lebensgefühl, das predigt „man immer schön sinnig bleiben. Dat löppt sich ans torecht“.

Höchste Zeit, diesem eine ganze Region verbindenden Wörtchen zu huldigen und ihm sein eigenes Buch zu widmen. Das erste Buch, das die tiefe Verbindung zwischen Land und Leuten und Meer und Moin erklärt, die Mointropolen des Nordens vorstellt und in die Lehre der „Moinologie“ einführt.

Aber, genug gesabbelt… Moin!

(aus: Olaf Nett: Das Buch Moin)

Es ist ein köstliches Buch, das sicherlich nicht nur in den Hände von Norddeutschen richtig platziert ist – da kann manche(r) noch dazulernen -, sondern auch Urlaubern norddeutscher Lande (und die es werden wollen) einen Einblick in das harte und entbehrungsreiche Leben an der Küste vermittelt.

Na denn, Moin!
Na denn, Moin!

Hier (in der norddeutschen Tiefebene) beginnt nämlich alles mit Moin – und endet mit Moin. Es handelt sich um eine Begrüßungsformel, die ursprünglich aus dem Niederländischen kommt (moi = schön): Een moien Dag („Einen schönen Tag!“).

Aber bei Moin bleibt es in diesem Buch nicht allein. Da erfährt der werte Leser/die werte Leserin noch einiges mehr, z.B. von den fünf Genitivformen, die hier benutzt werden, von den Mointropolen von Kiel über Hamburg bis Bremen – dass „Jo.“ ein vollständiger Satz ist ((das Wort ist Subjekt, Prädikat und Objekt in einem) – Kulinarisches kommt nicht zu kurz – und dass mit dem Wort Watt dank des Niederdeutschen aufschlussreiche Sätze gebildet werden können.

Schön ist natürlich, dass mir einige Sachen eingefallen sind, die in dem Buch NICHT auftauchen, die ich an anderer Stelle in diesem Blog aber erwähnt habe: Da gibt es den für die Region um Elbe und Weser schönen Spruch: Komm inne Puschen!, was als Aufforderung gilt, so langsam in Gang zu kommen. Und dann noch das schöne ‚ölf‘ wie zwölf statt elf (da schlägt es 13).

MOIN! Und? — Ja nee … Muss ja!

Irische Woche: 4 Romane aus Irland

Mit dem Lesen des Jahrhundertromans Ulysees von James Joyce habe ich eine kleine Pause eingelegt und dafür andere Bücher (auch schon älteren Datums) von der irischen Insel gelesen. Irische Romane gibt eine ganze Menge, meist idyllisch oder gar herzschmelzend angelegt, immer die grüne Insel idealisierend. Oder mit Mord und Totschlag.

Ich habe die folgenden vier Romane von meinem Schwager ‚geerbt‘, der nach einem Umzug keinen Platz mehr für diese hatte. Er ist ein Irland-Liebhaber (nicht nur des Whiskeys und der irischen Musik wegen) und trennte sich eher schweren Herzens von diesen literarischen Werken, die einerseits einen aufschlussreichen Blick in die irische Seele werfen, andererseits Zeugnis des besonderen irischen Humors sind, der immer mit Seitenhieben auf die Engländer, die das Land jahrhundertelang besetzt hielten, bestückt ist.

Ich will erst gar nicht lange rumfackeln. Nur soviel sei gesagt: Leider sind die aufgeführten Romane nicht immer mehr in deutscher Sprache, dafür aber im englischen Original erhältlich. Ich will auch gar nicht erst meinen Senf dazugeben, sondern die durchaus aufschlussreichen Klappentexte nutzen, die in jeder Hinsicht das aussagen, was auch ich dazu zu sagen (schreiben) hätte.:

Dermot Bolger: Journal Home

Der Roman Journal Home von Dermot Bolger erschien im Original 1990.- aus dem Englischen von Thomas Gunkel – Verlag Hitzeroth, Marburg, 1992

Dermot Bolgers junge Helden aus einer gesichtslosen Vorstadt Dublins sind auf der Suche nach Heimat und sozialer Wärme. Vertrieben und geflohen aus dem brüchigen Idyll der Sozialhäuschen und Vorgärten übernehmen sie in der Metrolole einen Lebenstil, dem Spiel und Rausch, Sex und Drogen, Kleinkriminalität und Mord anhängen. Schließlich bleibt ihnen nur eine erneute Flucht, an deren Ende sie Asyl in einem Wohnwagen auf dem Lande finden – und einen Moment privaten Glücks. „Journal Home“, die Geschichte von Hano, Shay und Katie, ist der Roman der lost generation der europäischen Metropolen.

Im Dublin der 80er Jahre spielt der Roman, mit dem der Ire Dermot Bolger zu einem der erfolgsreichsten zeitgenössischen Schriftsteller seines Landes geworden ist. In dem dritten und wichtigsten Prosawerk, das vom Independent als „der bester Roman über Dublin seit Joyce“ gelobt wurde, erzählt Dermot Bolger vom Alptraum einer trostlosen und grausamen Stadt, überspült von Arbeitslosigkeit, Drogen, Kriminalität und politischer Korruption. Er zeichnet das Bild einer Diaspora in der Einöde der Vorstädte, wo die Zuwanderer vom Lande gestrandet sind. Dort ringt die junge Generation um Orientierungen und ist auf der Suche nach einer neuen Heimat und einer eigenen Identität. „Journal Home“ zeigt zwei, die auf dieser Suche gescheitert sind: Hano und Katie, auf der Flucht vor der Polizei, verfolgt aber auch von der Chimäre des guten alten, heimeligen Irland. Darüber hinaus ist „Journal Home“ auch eine Geschichte über die Mühen des Erwachsenenwerdens.

Dermot Bolgers Beschreibung Irlands mit all seinen „unheiligen“ Entwicklungen ist das Porträt eines Landes, das Gefahr läuft, nicht nur seine zur wirtschaftlichen Emigration gezwungenen Jugendlichen, sondern auch seine „Seele“ und Identität zu verlieren. „Bolger hat uns ein Meisterwerk geliefert, das für jeden, der am modernen Irland interessiert ist, zur Pflichtlektüre werden sollte (The Scotsman)
(aus dem Klappentext)

„Das Exotische der Bordelle und des Sternenlichts, der verbotenen Frucht und der heimlichen Eroberung, wie es von Joyce im ‚Ulysses‘ dramatisiert wurde, werden durch Shays trostlose, moderne Landschaft ersetzt … Bolger beschwört überzeugend die Verwirrtheit einer Seele, die auf dem Sprung in die Freiheit plötzlich verwaist.“ (The Sunday Times)

„Von nun an muß sich jeder, der an der irischen Literatur interessiert ist, mit diesem Porträt des wahren modernen Irland befassen. Es ist ein Buch, auf das jeder gewartet hat. Ohne Zwifel ist es der wichtigste und relevanteste irische Roman der letzten zwanzig Jahre, ein echter Meilenstein.“ (The Independent)

„Trotz all seines grausigen Realismus ist ‚The Journal Home‘ stilistisch ein Lesevergnügen. Der Roman besitzt Humor (wenn auch meistens einen rabenschwarzen) und eine Wärme der Charaktere, die bewegt.“ (The Scotman)

Inzwischen hat sich wirtschaftliche Lage Irlands deutlich ‚entspannt‘. Trotzdem kommt dem Roman eine besondere Bedeutung zu, da das, was in den 1980-er Jahren für Irland galt, inzwischen z.B. für junge Menschen aus der Ukraine und eben auch aus Russland zutrifft.

Dermot Bolger: Journal Home / Robert McLiam Wilson: Eureka Street, Belfast
Dermot Bolger: Journal Home / Robert McLiam Wilson: Eureka Street, Belfast

Robert McLiam Wilson: Eureka Street, Belfast

Der Roman Eureka Street, Belfast von Robert McLiam Wilson erschien im Original 1996 – aus dem Englischen von Christa Schuenke – Fischer-Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1999

Ein temporeicher, verrückter und witziger Roman eines jungen irischen Autors über eine Cluque von Freunden in Belfast -allesamt schräge Vögel – und deren Versuche, aus einer chaotischen Welt das Beste zu machen.

Die Eureka Street in Belfast ist keine sehr gute Adresse, aber sie liegt im Zentrum des Einzugsbereichs von Chuckie, Jake, Slate, Septic Ted und Donal, einer Truppe von langjährigen Freunden, samt und sonders schräge Vögel und in einem bürgerlichen Sinne nicht eben wohlgeraten. Chuckie, 30, der einzige Protestant unter ihnen, fett und clever, kommt dank eines schwunghaften Scheingeschäfts mit Riesengummipenissen plötzlich zu sehr viel Geld, und von da an zu immer größerem Reichtum, denn er produziert ständig neue Ideen, wie er anderen Leuten vorzugsweise jedoch Institutionen, das Geld aus der Tasche ziehen kann.

Weniger glücklich ist Jake, 29. Freundin Sarah hat ihn soeben verlassen und ist nach London zurückgekehrt, weil sie die ständigen Bombenanschläge in Belfast nicht länger ertragen kann. Als Jake sich daraufhin an eine Kellnerin heranmacht, schlägt deren Freund, ein Cop, ihn kurz und wirkungsvoll zusammen, woraufhin eine politisch korrekte Bekannte ihm einen Beauftragten von amnesty international auf den Hals schickt. Jake, der den männlich korrekten Denkzettel in Ordnung findet, hat größte Mühe, den amnesty-Mann abzuwimmeln.

Wie ein rotern Faden zieht sich durch die denkwürdnigen Geschichten des umtriebigen Freundeskreises um Chuckie und Jake eine unerklärliche Inschrift: Unter all den bekannten Graffiti findet sich überall an Belfasts Handwänden die Buchstabenkombination NEG.

McLiam Wilson hat einen hinreißenden Roman über irische Freaks und das Lebensgefühl einer ganzen Generation geschrieben – und eine Liebeserklärung an Belfast.
(aus dem Klappentext)

Spike Milligan: Puckoon – eine irische Dorfgeschichte

Spike Milligan, der Autor des Romans, wurde 1918 in Ahmednagar in Indien geboren. Er begann seine Karriere als Musiker und wurde bekannt als komischer Autor und Schauspieler in Film und Theater sowie durch die legandäre britische Radioserie „Goon Show“, deren Hauptaktuer und -autor er neben Peter Sellers war. Der Roman Puckoon ist leider nur noch im englischen Original bzw. im Antiquariat erhältlich – deutsch von Arnd Kösling – Deutscher Taschenbuch Verlag, München – ungekürzte Ausgabe Januar 1998

    Several and a half metric miles North East of Sligo, split by a cascading stream, her body on Earth, her feet in water, dwells the microcephalic community of Puckoon.
    Einige und eine halbe metrische Meilen nordöstlich von Sliog, geteilt von einem stürzenden Fluß, den Körper auf der Erde, die Füße im Wasser, lebt die kleinköpfige Gemeinde Puckoon.

Geld! Das war das Problem. Father Rudden hatte alles versucht, um Mittel zu beschaffen, er war sogar zur Bank gegangen. „Seien Sie kein Dummkopf, Father“, hatte der Direktor gesagt, „tun Sie die Pistole weg!“

„Ein böser, irrwitzig komischer und furios ausufernder Roman.“ (H.G. Pflaum in der ‚Süddeutschen Zeitung‘)

Anfang der zwanziger Jahre [des 20 Jahrhunderts] wird die Grenze zwischen Nord und Süd der irischen Provinz Ulster neu gezogen: schnurstracks und haargenau mitten durch den Gottesacker von Puckoon. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf, denn Father Rudden ist überzeugt, daß eine römisch-katholische Seele ihre ewige Ruhe keinesfalls in nunmehr britisch-protestantischer Erde finden kann. Also schart er seine Schäfchen um sich, um nächstens eine Eshumierung samt einem Sargtransfer in die Republik vorzunehmen. (aus dem Klappentext)

„Ein Sammelsurium schrulliger Typen und komischer Einfälle … Wer ‚Puckoon‘ gelesen hat, weiß, aus welcher Quelle die Jungs von Monty Python ihren verschrobenen Humor geschöpft haben.“ (Badische Neue Nachrichten)

Spike Milligan: Puckoon – eine irische Dorfgeschichte / Maria Edgeworth: Castle Rackrent
Spike Milligan: Puckoon – eine irische Dorfgeschichte / Maria Edgeworth: Castle Rackrent

Maria Edgeworth: Castle Rackrent

Aus dem Englischen übertragen von Helga Schulz – Deutscher Taschenbuch Verlag, München – Oktober 1996. Dieser Roman von Maria Edgeworth ist ebenfalls nur im englische Original erhältlich.

Irland um 1780. Der alte Verwalter Thady erzählt vom Schicksal der Herren von Rackrent, die den Whiskeypunsch lieben und ihren Schuldenbergen am liebsten mit Hilfe reicher Frauen zu Leibe rücken …

Ein irischer Tagebuch von ganz besonderer Art – Mit diesem 1800 erschienenen Buch schuf Maria Edgeworth den ersten realistischen „Heimatroman“ irlands.

Irland, vor 1782. Auf Castle Rackrent haust seit Generationen eine Familie anglo-irischer Grundbesitzer, und der langjährige Mayordomus, der alte Thady, erzählt ihre Geschichte. Aber so sehr er sich bemüht, seine Herrschaften im günstigsten Licht erscheinen zu lassen, so sehr entlarvt sein köstlicher Bericht sie als typische irische Grundherren: Sie lieben ihren Whiskeypunsch, frönen ihren Hobbys und ignorieren im übrigen ihre Schulden. Über drei Generationen reicht diese tragi-komische Familiensaga, die noch heute vieles über das typisch irische Naturell verrät.

Mit diesem 1800 erschienenen Buch, das hier in Neuüersetzung vorgelegt wird, schuf Maria Edgeworth den ersten ‚Heimatroman‘, indem sie in einer realistischen Schilderung den inneren Bezug zwischen der irischen Landschaft und ihren Bewohnern deutlich machte.
(aus dem Klappentext)

Maria Edgeworth wurde am 01.01.1767 in England geboren und starb am 22.05.1849. Sie war mit Walter Scott befreundet, der ihr Werk sehr schätzte. Ihre schriftstellerische Laufbahn begann mit Kinder- und Jugendbüchern für die große Familie ihres Vaters, später verfaßte sie Kurzgeschichten und Romane; die bedeutendsten waren ‚Castle Rackrent‘ (1800) und ‚The Absentee‘ (1812), die beide das Schicksal irischer Grundbesitzerfamilien zum Thema haben.

Quiz zum Wochenende (4): Franz Kafka

Nach langer Zeit einmal wieder mein Quiz zum Wochenende. Und da ich ein Leser von den Werken Franz Kafkas bin, so habe ich heute vier Fragen, die wohl auch der Kafka-Kenner nicht unbedingt beantworten kann, oder doch?

Quiz zum Wochenende (4): Franz Kafka
Quiz zum Wochenende (4): Franz Kafka

Die Fragen 1) und 3) beziehen sich auf Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“. Frage 2) hat mit seinem Roman „Der Verschollene“ (auch: Amerika genannt) zu tun. Und in der letzten Frage 4) geht es um Kafkas Roman „Das Schloss“:

1. Wie heißt die Schwester von Gregor Samsa?
2. Wie ist der Geburtsname von Karl Roßmanns Mutter?
3. Welches Hobby hat Gregor Samsa?
4. Wie heißt der Schlossherr in Kafkas „Das Schloss“?

Hier die Auflösung der vier Fragen:
Lösungen zum Kafka-Quiz

Abenteuer Ulysses von James Joyce (08): 7. Kapitel – Äolus [Odyssee]

Im 7. Kapitel des Ulysses macht sich James Joyce über den Journalismus lustig. Dieser Teil des Texts ist wie eine Zeitung geschrieben, daher achte auf die Überschriften der jeweiligen Textabschnitte.

Äolus bzw. Aiolos steht für den von Zeus als Herrscher über die verschiedenen Winde eingesetzte Günstling der Götter. Er gilt als Stammvater der Hellenen. Äolus nahm Odysseus und seine Gefährten gastfreundlich auf und bewirtete sie einen Monat. Vor der Heimfahrt gab er Odysseus einen Schlauch aus Rindsleder mit Winden, der verschlossen bleiben sollte. Gleichzeitig ließ er für Odysseus’ Heimfahrt günstige Westwinde wehen. Der Schlauch wurde jedoch von den Gefährten des Odysseus kurz vor Erreichen Ithakas geöffnet. Infolgedessen entwichen alle Winde, und die Schiffe wurden zu der Insel des Äolus zurückgetrieben. Als Odysseus Äolus erneut um günstige Winde bat, wurde er als ein den Göttern Verhasster abgewiesen.

Äolus ist im Roman die Presse, der Ansturm der Informationen stellt die Winde dar, die in wirbelnden Schlagzeilen zusammengeflickt werden müssen.

Seite 1 des  Evening Telegraph vom 16. Juni 1904
Seite 1 des Evening Telegraph vom 16. Juni 1904, dem Tag, an dem der Roman spielt – rekonstruiert und digitalisiert von Ian Gunn und Mitarbeitern der Split Pea Press in Edinburgh. Source: www.splitpea.co.uk.

Inhalt des 7. Kapitels: Äolus (Zeitungsredaktion)

Stilistisch ist das Kapitel also wie eine Zeitung gegliedert mit Überschrift und den eigentlichen Beitragen, dem Zeitungstext.

In der Setzerei der Tageszeitung versucht Bloom eine Annonce in der Nachmittagsausgabe zu platzieren. Nachdem er das Büro seines Vorgesetzten verlassen hat, kommt Stephen herein, um den Leserbrief für Mr. Deasy abzugeben. Er erzählt den Zeitungsleuten eine Dubliner-Geschichte von zwei alten Jungfern.

Das Kapitel ist eigentlich als Fließtext verfasst, wird jedoch optisch gegliedert, indem es abschnittweise mit den Inhalt zusammenfassenden Überschriften versehen wird. So entsteht der Eindruck von Zeitungsartikeln. Ein Absatz, in dem der Postwagen beschrieben wird, trägt dabei zum Beispiel den Titel „THE WEARER OF THE CROWN“ („Der Träger der Krone“), oder wenn Bloom sich mit der Zitronenseife in seiner Tasche beschäftigt, heißt es: „ONLY ONCE MORE THAT SOAP“ („Nur einmal noch die bewusste Seife“).

Die Titel sind so gewählt, dass sie tatsächlich journalistische und feuilletonistische Themen aufgreifen könnten, der Inhalt des Kapitels wird somit ironisch gebrochen. Gegen Ende werden die Überschriften dann ins Absurde gedreht, verdoppelt und verdreifacht: „DIMINISHED DIGITS PROVE TOO TITILLATING FOR FRISKY FRUMPS. ANNE WIMBLES, FLO WANGLES – YET CAN YOU BLAME THEM?“ („Verringerte Finger erweisen sich als zu prickelnd für fröhliche alte Frauenzimmer. Anne popelt, Flo pupt – doch kann man’s verübeln?“) (Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 7. Kapitels

Während seines Besuchs der Zeitungsredaktion begegnet unser ‚Held‘ Leopold Bloom gleich mehreren Personen, Angestellte der Setzerei, der Redaktion und andere. Zunächst Red Murray, ein Angestellter, der Anzeigen in der Setzerei ausschneidet und archiviert, dann Davy Stephens, dem Boten des Evening Telegraph – und den livrierten Portier, William Brayden.

Weiter geht es zu „Nannettis Korrekturkabinett“. Joseph Patrick Nannetti ist der Herausgeber des Freeman, nebenbei Stadtrat und will OB von Dublin werden.

Auch Stephen Dedalus, der andere der Hauptakteure des Romans, tritt auf. Des weiteren J.J. O’Molley, ein junger Anwalt, dessen Praxis allerdings schlecht läuft. Bloom schätzt ihn.

Der Chefredakteur des Freeman’s Journal, Myles Crawford, Alkoholiker, hängt an der Vergangenheit des Sensationsjournalismus, bittet Stephen Dedalus etwas zu schreiben. Crawford stellt den Windgott Äolus dar.

Weiter begegnen wir einem Mr. O’Madden Burke, der über die Geschichte Dublins schreibt. Es gibt da noch weitere Personen, die aber keine große Rollen spielen.

Anmerkungen zu diesem 7. Kapitel

Nichts Neues: Auch in diesem Kapitel gibt es einige Redewendungen usw., die vielleicht der Erklärung bzw. Übersetzung bedürfen: Ich hoffe auch hier bei den Übersetzungen (z.B. Italienisch, Lateinisch) die ‚richtigen Worte‘ gefunden zu haben (der Google-Übersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen):

S. 164: hibernisch [irisch]
S. 165: Esquire [Herr, Anrede als Höflichkeitebezeugung]
S. 170: spationiert [Test, gesperrt mit Zwischenräumen]
S. 172: mangiD, kcirtaP [rücwärts: Patrick Dignam]
Haggadah-Buch [Erzählungen/Handlungsanweisungen im religiösen Leben der Juden]
S. 173: Schema Jisrael Adonai Elohenu [Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist eins]
S. 174: Erin [latiniserter Name Irlands]
Gemme [geschnittener Schmuckstein]
Zephir [Südwestwind]
Xenophon [Schüler des Sokrates]
S. 175: Chatterton, der Vize-Kanzler … Hedges Eyre Chatterton [Großonkel von Ned Lambert, einer der im Roman auftretenen Personen]
S. 177: transzendent, transluzent [übersinnlich, durchscheinend]
dorisch [altgriechischer Kunststil der Dorer]
S. 179 Creticus [Versfuß]
Äolsharfe [Harfe, die durch Wind in Schwingungen gerät]
S. 182: Cortège [Prozession]
S. 183: Kalumet [indianische Friedenspfeife]
S. 184: imperatorisch, imperativ [gebieterisch, befehlend]
S. 187: Kyrie eleison [Herr, erbarme dich]
Kyrios [Herr -> Gott oder Jesus Christus]
S. 188: Sallust [römischer Statthalter von Afica Nova]
Rows of cast steel [Reihen aus Gussstahl]
Generalgouverneur von Finnland erschossen [geschah am 17.06.1904, also eigentlich einen Tag später]
S. 189: De omnibus zusammis [Küchenlatein: Alles ‚zusammen‘]
S. 192: And Able was I ere I saw Elba [Und Abel war ich, bevor ich Elba sah]
S. 193: … la tua pace [dein Frieden]
che parlar ti piace [dass du gerne redest]
mentreche il vento, come fa, si tace [während der Wind, wie er es tut, schweigt]
per l’aer perso [für den verlorenen Bereich]
quella pacifica oriafiamma [dieses friedliche Oriafiamma = Kriegsfahne frz. Könige [12. – 15. Jh]
di rimirar fè più ardenti [leidenschaftlicher zu erinnern]
S. 194: Demosthenes [altgriechischer Redner]
Occurrences [Vorkommnisse]
S. 195: lex talionis [gesetzlich zulässige Vergeltung -> Auge um Auge]
S. 196: Afflatus [Inspration]
A.E. [A.E. Russell, Rauschebart, Prophet, Dichter, Philosoph, Wirtschaftstheoretiker, Esoteriker,
Theosoph – siehe S. 260 ff. Des Romans]
S. 197: Impromptu [Improvisation in der Musik]
S. 199: Triremen, Quadriremen [Schiffstypen]
S. 200: unexpektorisch [(nicht) Schleim auswerfend]
Akascha-Chronik [Esoterik: übersinnliches ‚Buch des Lebens‘; Himmel, Äther -> sankrit]
S. 201: Fuit Ilium! [für Troja = Illium]
S. 202: Vestalin [jungfräuliche Pristerin im alten Rom]
S. 204 L.m.i.A. [im Original: KMA = Kiss my arse]
S. 205: L.m.i.m.k.i.A. [im Original KMRIA = Kiss my royal irish arse]
Nulla bona [Nichts gut]
S. 207: Sophist [Wortverdreher]
Antisthenes [altgriechischer Philosoph -> Kynismus/Zynismus [Bedürfnislosigkeit]]
S. 208: Studiker [Student]
deus nobis haec otia fecit [Gott schenke uns diese Muße [Vergil]]
Horatio [Horaz, römischer Dichter zur Zeit Augustus‘]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (06): 5. Kapitel – Lotophagen [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (07): 6. Kapitel – Hades [Odyssee]

Abenteuer Ulysses von James Joyce (07): 6. Kapitel – Hades [Odyssee]

Zwischenbericht: In diesen Tagen lese ich das 14. Kapitel (Die Rinder des Sonnegottes) des Romans Ulysses, mit dem ich mich aus ersichtlichen Gründen etwas schwer tue: Eine Übersetzung ist fast nicht möglich, da das Original von James Joyce von Alliterationen und alten germanischen Wörtern geprägt ist und in dem die Entwicklung des Sprachstils und der Sprache vom Altenglischen bis zum zeitgenössischen Dubliner Slang das Wachstum des Embryos im Mutterleib widerspiegelt. Der Übersetzer Hans Wollschläger beginnt die Übersetzung dieses Kapitels in althochdeutscher Sprache (oder was man dafür halten könnte). So habe ich mich daran gemacht, wiederum diesen Text in ein heute lesbares Deutsch zu übertragen.

Aber heute geht es ja vorerst um das 6. Kapitel, dessen Titel auf den Hades, den Ort der Toten in der griechischen Mythologie, verweist. Leopold Bloom fährt mit anderen Personen zum Glasnevin Friedhof zur Beerdigung von Patrick „Paddy“ Dignam, der am Montag gestorben war (sich zu Tode gesoffen hat, als Parallele zum Gefährten Elpenor von Odysseus, der betrunken vom Dach von Kirkes Haus stürzte).

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Inhalt des 6. Kapitels: Hades (Friedhof)

Stilistisch dreht es sich in diesem Kapitel um die Darstellung von Inkubismus, was die Psychoanalyse als Inkubation bezeichnet. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die Verarbeitung von Traumata (bei Leopold Bloom der Tod von Vater und Sohn) bewusst oder unbewusst in verschiedenen Phasen vollziehen, wobei sich unbewusste Prozesse erst nach und nach organisieren (systematisieren), um mit einer bestimmten Stärke auftreten lassen.

Nachdem Bloom sich für die Beerdigung frisch gemacht hat, fährt er mit der Kutsche zur Beisetzung. In der Kutsche sitzt auch Stephens Vater, Simon Dedalus. Bloom erblickt Stephen – zum ersten Mal an diesem Tag kreuzen sich ihre Wege – und macht Simon auf ihn aufmerksam: „Da ist grad ein Freund von Ihnen vorbeigegangen, Dedalus, sagte er. – Wer denn? – Ihr Sohn und Erbe.“
Das Gespräch der Passagiere dreht sich – neben Alltäglichem wie der Straßenbahn – um den Tod, um Arten des Sterbens und um Begräbnisse. Entsprechend beherrscht dieses Thema die Gedanken Blooms, für den es unbewusst zum einen mit dem Tod seines Vaters, der sich das Leben genommen hat, zum anderen mit dem Tod seines ersten Kindes – seines Sohnes Rudy, der bereits als Kind starb – verknüpft ist. Immer wieder geht es deshalb bei seinen Reflexionen auf dem Friedhof um Vater-Sohn-Beziehungen, aber auch um die ersten Jahre seiner Ehe, um Schwangerschaft und die Mutter-Kind-Beziehung: „Nur Mutter und totgeborenes Kind werden zusammen in einem Sarg beerdigt. Seh den Sinn schon ein. Ganz klar. Schutz für den Kleinen so lange wie möglich, selbst in der Erde noch.“

Nachdem der Sarg in die Erde gelassen ist, streift Bloom über den Friedhof und denkt noch lange über den Tod nach: „Meins liegt da drüben, nach Finglas zu, die Grabstelle, die ich gekauft hab. Mama, die arme Mama, und der kleine Rudy.“

Der Titel des Kapitels verweist auf den Hades, den Ort der Toten in der griechischen Mythologie. (Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 6. Kapitels

Neben dem Hauptakteur dieses Romans, Leopold Bloom, treffen wir u.a. auf Simon Dedalus, dem Vater von Stephen, der zweiten Hauptperson. Simon war einst erfolgreich, gilt als angesehener, geselliger Lebemann, ist aber inzwischen ein abgestürzter Alkoholiker, der in Selbstmitleid und Trauer um seine gestorbene Frau Mary vergeht und alles Geld vertrinkt. Er lässt seine Töchter Dilly, Maggy und Boody hungern und schimpft über Stephens Lebensstil als Künstler. Weitere Personen sind Martin Cunningham, ein einflussreicher, intelligenter, scharfsinniger und sehr gläubiger Mensch (ein „Gesicht wie Shakespeare“). Er ist der Kopf der Gruppe um Power und M’Coy. Außerdem begegnen wir Tom Kernan, einem Handlungsreisender mit Zylinder und Agent für die Firma Pulbrook Robertson & Co., Ned Lambert, einem Saatguthändler, der im Getreidespeicher in Marys Abbey arbeitet – weiter Hynes, einem Reporter und Antisemit, und Corny Kelleher, Sargbauer und Mitarbeiter im Bestattungsunternehmen. Weitere Personen in diesem Kapitel sind u.a. John Henry Menton, Anwalt und ehemaliger Arbeitgeber des Verstorbenen, Patrick „Paddy“ Dignam, und John O’Connell, dem Friedhofsaufseher – sowie Father Coffery (coffin = „Sarg“), dem Priester auf der Beerdigung, der die Absolution erteilt.

Anmerkungen zu diesem 6. Kapitel

Auch in diesem Kapitel gibt es einige Redewendungen, die vielleicht der Erklärung bzw. Übersetzung bedürfen: Ich hoffe auch hier bei den Übersetzungen (Italienisch, Lateinisch) die ‚richtigen Worte‘ gefunden zu haben (der Google-Übersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen):

S. 132: Voglio e non vorrei [Ich würde und möchte nicht]
Mi trema un poco il [Es schüttelt mich ein wenig]
Vom Stamme Reuben [1. Sohn Jakobs, Stammvater eines der 12. Stämme Israels]
S. 135 Hans Gerstenkorn [John Barleycorn – ironische Bezeichnung für Alkohol]
S. 137 Mater Misericordiae [Mutter Barmherzigkeit]
S. 140 Bugabu [wie im Original – wohl: Schiffsname]
S. 143 Harpy(i)e [Mischwesen der griech. Mythologie – Vogel mit Frauenkopf, bösartig, lassen die Geister der Toten nicht in Ruhe / Stürme]
S. 144: Artane [Vorort von Dublin]
S. 146 Schmeh [eigentl. Schmäh = Schwindelei]
Non intres in judicium cum servo tuo, Domine. [Geb nicht ins Gericht mit deinem Diener, Herr – Psalm 142]
S. 147: Et ne nos inducas in tentationem. [und führe uns nicht in Versuchung]
S. 148: Ri – ra – rutsch, wie fahren mit der Kutsch [im Original: The ree the ra, the ree the ra the roo]
O’Connell bzw. Dan O‘ [Daniel O’Connell – irischer gewaltloser Kämpfer gegen England]
S. 150: Madame Marion Tweedy [Geburtsname von Marion Bloom]
S. 152: habeat corpus [einen Körper haben]
S. 154 De mortuis nil nisi prius. [Nichts über die Toten bis auf den ersten]
Iden des März [13./15. des Monats – Errmordung von Cäsar]
S. 160: Eulogie [Segensspruch]
S. 161: Plinthe [Steinplatte]
S. 163: Affidavit [eidliche Versicherung]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (06): 5. Kapitel – Lotophagen [Odyssee]

Abenteuer Ulysses von James Joyce (06): 5. Kapitel – Lotophagen [Odyssee]

Komme ich heute zum 5. Kapitel des Ulysses von James Joyce, das sich auf Odysseus‘ Besuch bei den Lotophagen bezieht. Wie die Gefährten des Odysseus im Land der Lotophagen, der Lotosesser, der narkotisierenden Kraft der Lotus-Frucht willenlos erliegen, begleiten hier ‚Drogen‘ Leopold Bloom auf seinem Weg. Sie locken in Gestalt von Werbung, katholischem Ritual, Blumen, Tee oder Körperpflege.

James Joyce (© Suhrkamp Verlag)
James Joyce (© Suhrkamp Verlag)

Inhalt des 5. Kapitels: Lotophagen (Badeanstalt)

Wie schon kurz angesprochen, so versucht dieses Kapitel stilistisch die hypnotische Natur u.a. der Religion darzustellen.

Bloom beginnt seine Wanderung durch Dublin. In diesem Kapitel, das Joyce dem Narzissmus zugeordnet hat, sind Körperpflege und -geruch die vorherrschenden Themen, das Motiv der Blume (Lotos) durchzieht den Text. Auf Umwegen geht Bloom zum Postamt und holt einen Brief ab. Wir erfahren, dass er unter dem Pseudonym „Henry Flower“ mit einer gewissen Martha [Clifford] korrespondiert, wodurch diese Konnotation seines Namens verstärkt wird. Der Brief enthält eine zerdrückte gelbe Blume: „Er riß mit Ernst die Blume aus der Nadelheftung, roch ihren fast gar keinen Ruch und brachte sie an seiner Herztasche an. Blumensprache. Die mögen sie, weil keiner sie hören kann.“ Das Postskriptum des Briefes („PS: Sag mir doch, was für ein Parfum benutzt Deine Frau.“) beschäftigt ihn den ganzen Tag.

In Sweny’s Drogerie kauft Bloom die berühmte Zitronenseife („Süßes zitroniges Wachs“), deren Duft ihn ebenfalls den ganzen Tag – und somit den ganzen Roman – begleiten wird. Sogar der Körpergeruch des Drogisten spielt während des Kaufes in Blooms Gedanken eine Rolle: „Der Drogist blätterte Seite um Seite zurück. Sandgelb verschrumpelt, so riecht er scheints auch.“ Danach trifft Bloom auf einen flüchtigen Bekannten („Bantam Lyons’ schwarznägelige Finger entrollten den Stab. Braucht auch mal ne Waschung. Daß wenigstens der gröbste Dreck runterkommt.“). Durch ein Missverständnis meint dieser, Bloom hätte ihm einen Tipp für das nachmittägliche Pferderennen gegeben.

Das Kapitel endet mit der Vorfreude auf sein Bad in einer öffentlichen Badeanstalt, einer beruhigten narzisstischen Betrachtung seines Körpers im Wasser: „Er sah im Geiste seinen bleichen Leib darin ruhen, lang ausgestreckt und nackt […] und sah die dunklen verstrickten Löckchen seines Büschels fluten […], eine schlaffe flutende Blume.“
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 5. Kapitels

In diesem Kapitel steht der Hauptakteur Leopold Bloom fast allein im Mittelpunkt. Erwähnenswert ist höchstens seine Begegnung mit C.P. Charley M’Coy. Dieser ist Teil der Gruppe um Cunningham, dem wir mit Bloom im Wagen zum Friedhof (6. Kapitel: Hades) kennenlernen. M’Coy arbeitet im Leichenschauhaus bei Louis Byrne. Außerdem läuft ihm Bantam Lyons über den Weg. Beides sind aber nur Nebenfiguren.

Anmerkungen zu diesem 5. Kapitel

Ich hoffe besonders bei den Übersetzungen (Französisch, Italienisch, Lateinisch) die ‚richtigen Worte‘ gefunden zu haben (der Google-Übersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen).

S.100: dolce far niente [süßes Nichtstun]
S. 104: die Peri [gute Fee]
Esprit de corps [Korpsgeist, z.B. beim Militär]
S. 112: S.J. [Jesuit]
Ecce Homo [Sehet, welch ein Mensch – siehe auch Friedrich Nietzsche]
S. 114: I.H.S. [In hoc salus – darin ist das Heil]
Invincibles [Unbesiegbare – Gangsterbande]
S. 115: Stabat Mater [schmerzerfüllte Mutter]
Quis est homo [Wer ist der Mann/Mensch]
S. 119: Luffas [Kürbisgewächs – Schwamm]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]

Abenteuer Ulysses von James Joyce (05): 4. Kapitel – Kalypso [Odyssee]

    „Allgemeiner Durst. Wäre ein ganz schönes Geduldsspiel, quer durch Dublin, ohne an einer Kneipe vorbei.“
    (Ulysses, S. 82)

Was lange währt … Nun, ich habe das 13. Kapitel des Ulysses von James Joyce hinter mir gelassen und nebenbei auch noch zwei andere aus Irland stammende Romane gelesen (dazu natürlich später mehr). Es wird also Zeit, endlich hier mit dem 4. Kapitel fortzufahren (wohin auch immer!).

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Inhalt des 4. Kapitels: Kalypso (zu Haue bei den Blooms)

Das Kapitel 4 ist im Stil einer mehr oder weniger normalen Erzählung verfasst und macht sich lustig über die großen Helden von einst. Damit beginnt der 2. Haupteil des Romans, der mit ‚Odyssee‘ überschrieben ist und die Kapitel 4 bis 15 (von insgesamt 18) ausmacht, die die ‚Irrfahrten‘ des Leopold Bloom beschreiben.

Zur gleichen Zeit wie Mulligan bereitet auch Leopold Bloom das Frühstück in seinem Haus in der Eccles Street 7 für seine Frau Molly und dann für sich zu. Der Leser wird mit der Gedankenwelt Blooms vertraut gemacht. Die äußeren Handlungen und Eindrücke vermischen sich mit seinen persönlichen Empfindungen und Gedanken. Beim Metzger Dlugacz in der Nachbarschaft kauft er eine Schweineniere, die er dann brät: „Den feinen Tee-Dunst riechen, Dampf von der Pfanne, zischende Butter. Nahe sein ihrem schwellenden bettwarmen Fleisch. Ja, ja.“ Dadurch verstößt Bloom gleich bei seinem ersten Auftreten gegen die jüdischen Speisegesetze. Er bringt Molly das Frühstück und die Morgenpost ans Bett, die einen Brief ihres Liebhabers Blazes Boylan enthält („Während er das Rouleau in sanften Rucken halb hochließ, bemerkte sein rückwärtiges Auge, wie sie einen Blick auf den Brief warf und ihn dann unter ihr Kissen steckte.“). Fast brennt ihm die Niere an – beim Frühstück liest er dann in der Küche den Brief seiner Tochter Milly.

Danach begibt sich Bloom mit der Zeitung auf das Klohäuschen im Hofe, um sich zu erleichtern: „In Ruhe las er, seinen Drang noch unterdrückend, die erste Spalte und begann, schon nachgebend, doch mit Widerstreben noch, die zweite. Auf ihrer Mitte angelangt, gab er seinen letzten Widerstand auf und erlaubte seinen Eingeweiden, sich zu erleichtern, ganz so gemächlich, wie er las, und immer noch geduldig lesend, die leichte Verstopfung von gestern ganz verschwunden. Hoffentlich ists nicht zu groß, geht sonst mit den Hämorrhoiden wieder los. Nein, grade richtig. So. Ah! Bei Hartleibigkeit eine Tablette Cascara sagrada.“ Seine Gedanken drehen sich auch um eine bevorstehende Beerdigung, an der er teilnehmen muss. Bevor er das Klohäuschen betritt, achtet er darauf, seine Hosen nicht dreckig zu machen. Am Ende des Kapitels versucht er herauszufinden, zu welcher Uhrzeit die Beerdigung stattfinden soll.

Der Titel des Kapitels verweist auf Molly, die hier mit der Nymphe Kalypso, die von Odysseus verlassen wird, in Verbindung gebracht wird. Am Abend, bei Blooms Rückkehr, wird sie Penelope sein.
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 4. Kapitels

Poldy (Leopold Bloom), Annoncenakquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung, entspricht Odysseus und ist somit die eigentliche Hauptfigur dieses Romans. Sein Außenseiterstatus beruht darauf, dass er ein Jude in einer römisch-katholischen (und häufig antisemitischen) Umwelt ist, Kind von Ausländern; urspr. Familienname: Viräg, ungarisch „Blume“, Pseudonym Henry Flower.

Molly (Marion Bloom, geborene Tweedy) ist seit 15 Jahren Blooms Ehefrau, Sopranistin, Affäre mit Blazes Boylan. Sie ist Halbspanierin, ihre Mutter stammt aus Gibraltar, wo ihr Vater stationiert war.

Erwähnung findet auch deren beider 15-jähirige Tochter Milly (Millicent Bloom, geboren am 15.06.1889), die an ihren Vater aus Mulligar geschrieben hat, wo sie bei einem Photographen in der Lehre geht, und Rudy (Rudolf), der früh verstorbene Sohn. Außerdem werden viele andere Personen genannt, die in dem Roman aber eher untergeordnete Rollen spielen (z.B. Hugh ‚Blazes‘ Boylan, Mollys Manager und ehemaliger Liebhaber, Sänger, oder J.C. Doyle, Gesangspartner von Molly).

Anmerkungen zu diesem 4. Kapitel

Hier wieder einige Erläuterungen zum besseren Verständnis:

S. 81: Kurat [Hilfspriester]
S. 86: Sandowsche Übungen [nach Eugen S., dt. Kraftsportler]
S. 89: La ci darem [la mano] [aus Mozarts Don Giovanni: Dort reichen wir uns gegenseitig die Hände
Voglio e non vorrei [Ich würde und möchte nicht]
S. 90: Metempsychose [Seelenwanderung]
S. 91: Paul de Kock [frz. Romanschriftsteller]
S. 95: Titbits [‚Leckerbissen‘, Zeitschrift]
S. 97: Cascara sagrada [pflanzliches Abführmittel]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]

Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel – Proteus [Telemachie]

Im 3. Kapitel des Ulysses von James Joyce wird auf Proteus, dem „Alten vom Meer“, einem frühen Meeresgott der griechischen Mythologie Bezug genommen. Wir begleiten Stephen Dedalus, einen der Hauptpersonen dieses Romans, auf seinem Spaziergang am Strand von Sandymount, einem Küstenvorort von Dublin.

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Inhalt des 3. Kapitels: Proteus (Strand)

Das Kapitel 3 ist im Stil eines elitären, männlichen Monologs verfasst.

Der Meeresgott Proteus ist ein Meister der Verwandlung. Als Menelaos, der König von Sparta (und Gemahl der Helena, die nach Troja entführt wurde und damit den Trojanischen Krieg auslöste), sich an ihn wandte, um eine Weissagung zu erhalten, verwandelte er sich in eine Vielzahl von Tieren und Gestalten, bevor er ihm schließlich – von dessen Geduld ermattet – eine Antwort gab.

Im Proteus-Kapitel des Ulysses ist es ein Hund, der diese Verwandlungen durchmacht – jedoch in der Phantasie von Stephen, der den Hund bei seinem Spaziergang am Strand von Sandymount beobachtet. Das Umhertollen des Hundes, bis dieser schließlich auf einen Hundekadaver trifft („Ach, du armes Hundeaas, du! Hier liegt des armen Hundeaases Aas.“ – Und nicht ganz zufällig hatte auch Buck Mulligan Stephen als „Hundeaas“ bezeichnet), beschreibt Joyce in einer furiosen kraftvollen und metaphernreichen Prosa.

Das Kapitel ist geprägt vom Gedankenstrom Stephens. Der Wechsel zwischen Realem und Gedachtem erfolgt unangekündigt und wird dem Leser häufig erst im Nachhinein bewusst. Der Spaziergang hat offensichtlich kein Ziel – eine Rückkehr zum Martello Tower kommt nicht in Betracht, und ein anderes Zuhause hat Stephen nicht. Er fragt sich, ob er seiner Tante einen Besuch abstatten sollte, doch während er nachsinnt, verpasst er den Weg zu ihr („An der Abzweigung zu Tante Sara bin ich schon vorbei. Geh’ ich denn nicht hin? Anscheinend nicht.“). Schließlich lässt er sich nieder und schreibt einige Gedichtzeilen. Zum Ende des Kapitels erblickt er einen Dreimaster, „ein schweigendes Schiff“, das „heimwärts, stromauf“ fährt – ein Hinweis darauf, dass Stephen in Dublin keine Heimat mehr sieht.
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 3. Kapitels

Es ist lediglich Stephen Dedalus, der dieses Kapitel gestaltet, das wir als Gedankenstrom Stephens, also als Monolog, wie er sich im Kopf abspielt, erleben. Mit diesem Kapitel endet auch der erste [Telemachie] der drei Hauptteile dieses Romans, der uns aus der Sicht eben dieses Stephan Dedalus geschildert wurde.

Anmerkungen zu diesem 3. Kapitel

Ich hoffe besonders bei den Übersetzungen (Französisch, Italienisch, Lateinisch) die ‚richtigen Worte‘ gefunden zu haben (der Google-Übersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen).

S. 53: maestro di color che sanno [Meister der Wissenden – Dante über Aristoteles in der Göttlichen Komödie]
des Diaphanen [des Durchscheinenden]
Los Demiurgos [Schöpfer, eigentlich Handwerker -> William Blake]
S. 54: delin [eigentlich ein Vorname]
Adam Kadmon [in der Kabbala der ursprüngliche Mensch]
Velin [Pergamentpapier]
S. 55: lex aeterna [„ewiges Gesetz“ – Plan der göttlichen Weisheit und Liebe]
konsubstantiell [die Abendmahllehre betreffend: die sakramentale Einheit von Leib und Blut Jesu Christi mit Brot und Wein]
Arius [Priester aus Alexandria, 3./4. Jh.)]
Kontransmagnificundjudenpengtantialität [‚Kunstwort‘ bezogen auf die Wesensgleichheit von Gott und Gott-Sohn]
Omophorion [Kleidungsstück der orthodoxen Priester]
Mananaan [Sagengestalt der irischen Mythologie]
Kotte [Kate, kleines Haus]
S. 56: Duces-tecum … [Zwangs- …]
Requiescat [Ruhe]
All’erta [Achtung]
aria di sortita [Arie zum Eintritt einer handelnden Person in einer Oper]
S 57: Joachim Abbas [italienische Theologe, 12./13. Jh.]
Descende, calve, ut ne nimium decalveris [Steige herab, Kahlkopf, damit du nicht noch kahler gemacht werdest – bezogen auf eine Meditation des Johannes Abbas]
Ziborium [Behälter mit geweihter Hostie -> Altar}
die Kusen [im Original: Pyx = Gefäß mit geweihtem Brot]
Occam [Wilhelm von Ockham, Theologe, Vorbild für „Der Name der Rose“]
Hypostasis [Wesensmerkmal der personifizierten göttlichen Gestalt]
S. 58: O si, certo! [O ja, natürlich]
Epiphanie [Erscheinung]
Mahamanvantara [sankrit: ein großer Tag]
Pico della Mirandola [italienischec Philosoph, 15. Jh.]
S. 59: Qui vous a mis dans cette fichue position? [Wer hat dich in diese verdammte Position gebracht]
C’est le pigeon, Joseph [Es ist die Taube …]
lait chaud [heiße Milch]
lapin [Hase]
gros lots [Jackpot]
M. Leo Taxil [Erfinder der Fake News – um 1900]
C’est tordant, vous savez. Moi je suis socialiste. Je ne crois pas en l’existence de Dieu. Faut pas le dire à mon père. [Es ist urkomisch, wissen Sie. Ich bin Sozialist. Ich glaube nicht an die Existent Gottes. Sage es nicht meinem Vater]
Il croit? [Er glaubt?]
Mon père, oui. [Mein Vater, ja]
P.C.N. – physiques, chimiques et naturelles [physikalisch, chemisch und biologisch]
S. 60: mou en civet [weicher Eintopf]
Boul‘ Mich‘ [Boulevard St. Michel]
Lui, c’est moi [Er ist ich]
Encore deux minutes [Noch 2 Minuten]
Fermé [Geschlossen]
Columbanus, Fiacrius und Scotus [irische Missionare u.a.]
Euge! [gut erledigt]
Pantalon Blanc et Culotte Rouge [Unterhaltungsmagazin]
S. 61: Belluomo [gut aussehend, schöner Mann]
chaussons [Kuchen, eigentlich Hausschuh]
pus des flan breton [mehr bretonischer Flan = Art Pudding]
Un demi setier! [ein halbes Setier = Volumenmaß]
Il est irlandais. Hollandais? Non fromage. Deux irlandais, nous, Irlande, vous savez? Ah oui! [Ist es Irisch? Holländisch? Kein Käse! Zwei Iren, wir, Irland, wissen Sie? Ah, ja …]
S. 62: Dalcassians [gälisch-irischer Stamm]
Arthur Griffith [irischer Politiker, – 1922 Präsident]
Barchent [Mischgewebe]
Vieille ogresse … dents jaunes [altes Ungeheuer … gelben Zähnen]
bonne à tout faire [gut in allem]
Moi faire … Tous les messieurs [Ich tue … alle Herren]
S. 63: Mon fils [mein Sohn]
S. 64: Panther-Sahib und seinen Pointer [„Herr“, Europäer, der einen P. erlegt hat – Zeiger, Wegweiser]
Segge [Sauergrasgewächs]
Un coche ensablé [eine sandige Kutsche]
S. 65: Torques [fester Halsreif aus Metall]
Terribilia meditans [schreckliche Dinge]
Prätendent [Ansprucherheber]
Perkin Warbeck [trat im 15. jh. gegen den englische König an]
Lambert Simnel [Hochstapler im 15./16. Jh., gab sich als englischer König aus]
Natürlich, … [Im Original auch deutsch]
S. 67: Tatters! [wohl Name des Hundes]
Parder [Raubkatze]
Harun al Raschid [8./9. Jh. Kalif -> 1001 Nacht)]
S. 68: Gannef [jiddisch für Gauner]
frate porcospino [Mönch Stachelschwein]
S. 69: Omnis caro ad te veniet [alles Fleisch wird zu dir kommen]
Cassiopeiae [eigentlich Mutter der Andromeda]
S. 70: piuttosto [eher]
Et vidit Deus. Et erant valde bona. [Und Gott sah … und es war (sehr) gut]
S. 71: Tripudium [ein Tanz]
Tiens, quel petit pied! [Hey, was für ein kleiner Fuß!]
diebus ac noctibus iniurias patiens ingemiscit [Tag und Nacht beklagt er das Unrecht, das er erleidet]
S. 72: Mich dürstet []… wie Jesus am Kreuz]
Lucifer, dico, qui nescit occasum [L., sage ich, der die Gelegenheit kennt …]
S. 73: Già [bereits]
Übermensch [im Original: superman]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]
Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]

Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel – Nestor [Telemachie]

Heute nun meine ‚Aufarbeitung‘ des 2. Kapitels des Romans Ulysses von James Joyce, das Nestor gewidmet ist. Nestor ist ein Helden der griechischen Mythologie und dort als Herrscher von Pylos bekannt. In Homers Ilias führt Nestor neunzig Schiffe nach Troja.

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Inhalt des 2. Kapitels: Nestor (Schule)

Dieses Kapitel ist im Stile eines informellen Kathechismus verfasst. Das Wort „Katechismus“ bedeutet wörtlich „von oben herab tönen“ und davon abgeleitet „unterrichten“. Das Kapitel spielt in einer Schule

in diesem Kapitel geht Stephen Dedalus seiner Arbeit als Hilfslehrer in Geschichte nach. Auch hier gibt es autobiographische Hintergründe. Im Jahr 1904 unterrichtete Joyce an der Clifton School in Dalkey. Dem Schulleiter Francis Irwin ist die Figur des patriotischen Mr. Deasy im Ulysses nachempfunden.

Mit zwei Personen kommt Stephen im Laufe des Kapitels näher ins Gespräch. Nach dem Ende der Schulstunde, als die Schüler sich eilig zum Hockeyspielen verabschieden, ist es zunächst der schüchterne Cyril Sargent, der ihn um Hilfe bei Mathematik-Aufgaben bittet. Stephen sieht sich selbst in dem Schüler: „Meine eigene Kindheit krümmt sich da neben mir.“ Schließlich begibt er sich in das Arbeitszimmer von Mr. Deasy, um sich sein Gehalt abzuholen. Dort muss er sich Auslassungen über die grassierende Rinderseuche, über Sparsamkeit und den Sinn des Lebens anhören. Mr. Deasy als Nestor ist hier nicht im übertragenen Sinne eines Weisen und Ratgebers zu verstehen, sondern ganz analog zur Odyssee: Dort sucht Telemach (Stephen) den alten König Nestor auf, um Informationen über seinen Vater zu erhalten. Doch Nestor weiß nichts über dessen Verbleib und hält ihn lediglich mit seiner Beredsamkeit auf.

Der Leserbrief, den Mr. Deasy im Zusammenhang mit der Maul- und Klauenseuche Stephen übergibt, damit er ihn an bekannte Redakteure der Tagespresse weiterreiche, verweist auf damals aktuelle politische Hintergründe. So schrieb Joyce selbst 1912 einen Aufsatz über „Politik und Viehkrankheit“. England nutzte einzelne Fälle der Viehkrankheit für ein Embargo gegen das selbstbewusste Irland, das auf die Exporte nach England angewiesen war. Irland sollte in seine Schranken verwiesen werden.

Einige Motive des Telemach-Kapitels (Kapitel 1) werden wieder aufgegriffen. So erweist sich Mr. Deasy ebenso wie bereits Haines als unverhohlener Antisemit: Die „jüdischen Kaufleute haben ihr Zerstörungswerk bereits begonnen. Old England liegt im Sterben.“ Der irische Freiheitskampf gegen England taucht im Gespräch mit Mr. Deasy ebenfalls mehrfach auf, etwa mit Verweisen auf Daniel O’Connell und die Orange Logen. Auch das Mutter-Motiv wird thematisiert: Zunächst in jenem Nonsens-Rätsel, das Stephen seiner Schulklasse in Gedichtform präsentiert – der Fuchs, der seine Großmutter begräbt, ist letztlich Stephen selbst, den noch der Verlust seiner Mutter schmerzt. Und Cyril Sargent lässt Stephen an seine Mutter denken: „Und doch hatte ihn eine geliebt, hatte ihn auf ihren Armen getragen und in ihrem Herzen.“
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 2. Kapitels

Neben Stephen Dedalus, der uns bereits im ersten Kapital begegnet ist, sind das zwei Personen, die eine Rolle spielen, der Schulleiter Mr Deasy und der Schüler Cyril Sargent. Daneben tauchen noch einige weitere Schüler auf (Cochrane, Blake), die aber keine weitere Bedeutung haben.

Mr. Garrett Deasy gilt als Narr und Antisemit und ist Direktor der Schule. Stephen lässt seinen lächerlichen Brief (Maul- und Klauenseuche) im Evening Telegraph drucken, in deren Redaktion man Witze darüber macht.

Deasy zeichnet sich durch eine Vielzahl kleiner körperlicher Details aus, die ihn antiquiert und heruntergekommen erscheinen lassen Diese unattraktiven körperlichen Eigenschaften stimmen mit seiner Angewohnheit überein, nicht auf das zu hören, was andere Leute sagen, und seinem griesgrämigen Beharren darauf, unerwünschte Ratschläge zu geben. In einem späteren Kapitel erfahren wir, das Deasy von seiner Frau getrennt (aber nicht geschieden) ist.

Cyril Sargent ist ein eher unfähiger Schüler von Dedalus, erinnert Stephen aber an eigenes Versagen.

Anmerkungen zu diesem 2. Kapitel

S. 41: Amor matris [Mutterliebe]
Genetivus subjectivus [Genetiv in Hinsicht auf den Urheber: Liebe der Mutter]
und objectivus [Genetiv in Hinsicht auf das Objekt: Liebe zur Mutter] – im Lateinischen wird beides gleich gebildet
S. 45: O’Connell [irischer Politiker]
Orange-Logen [radikale Protestanten in Nordirland]
Fenier [Mitglied eines irischen Geheimbundes für die Trennung Irlands von Graoßbritannien]
Croppies [Personen mit kurz geschnittenem Haar]
Per vias rectas [auf dem richtigen Weg]
S. 46: Ventilierung [Überlegung]
S. 47: Tjoste [mittelalterlicher Zweikampf]
in nuce [in Kürze]
S. 50: Ulster [altirische Provinz, heute Nordirland]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel
Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]

Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel – Telemachos [Telemachie]

Nach und nach werde ich hier die 18 Kapitel des Romans Ulysses von James Joyce, soweit ich sie gelesen habe, aufarbeiten. Im Augenblick lese ich das 10. Kapitel, habe von den gut 1000 Seiten gerade einmal etwas über 330 Seiten (also rund 33 %, mithin 1/3 des Romans) geschafft. Gut Ding braucht Weile. Also habt etwas Geduld mit mir (das Jahr ist noch ziemlich jung).

Noch einmal für die, die zwar schon irgendeinmal etwas vom Ulysses gehört haben, aber eigentlich nicht wissen, um was es in diesem Roman geht: Joyce beschreibt im Ulysses in 18 Episoden einen Tag, den 16. Juni 1904, im Leben des Leopold Bloom, seines Zeichens Anzeigenakquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung. In Anlehnung an Homers Irrfahrten des Odysseus lässt er den Leser an den (Irr-)Gängen seines Protagonisten durch Dublin teilhaben.Eine weitere ‚wichtige Figur ist die des Stephen Dedalus, der schon aus Joyce‘ früherem Roman Ein Porträt des Künstlers als junger Mann bekannt ist.

Leopold Bloom entspricht dabei Odysseus, dem König von Ithaka (Ulysses steht englisch für Odysseus, von lateinisch Ulixes), einer der Helden des Trojanischen Krieges und angeblich der Erfinder des Trojanischen Pferdes.mit dessen Hilfe die Griechen Troja erobern konnten.Seine im Trojanischen Kriege vollbrachten Taten werden von Homer (nein, nicht der Simpson) in der Ilias, seine zehnjährige Irrfahrt auf der Heimreise in der Odyssee (Wanderungen des Odysseus) geschildert. Während all seiner Abenteuer zeichnete er sich vor allem durch außergewöhnlichen Verstand und listige Ideen aus. Nach seiner Rückkehr tötete er Penelopes Freier (Penelope ist Odysseus‘ Frau) und übte wieder die Regierung in Ithaka aus.

Die 18 Kapitel von Joyce‘ Roman beziehen sich mehr oder weniger auf Homers Odyssee. Übrigens die Frau von Bloom entspricht dabei der Frau des Odysseus, Penelope. Als Sohn Telemachos muss Stephen Dedalus ‚herhalten‘.

Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 – S. 63)
Oh, oh, die Jungs von Kilkenny … (Kapitel 3 – S. 63)
James Joyce: Ulysses (in dt. Übersetzung von Hans Wollschläger) / Penelope (The Last Chapter of ) / Flasche Kilkenny – Irish Red Ale / Fritz Janschka: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce

Mit Stephen Dadalus beginnt dann auch der Roman:

Inhalt des 1. Kapitels: Telemachos (Martello-Turm)

Dieses Kapitel ist im Stile eines normalen Romans verfasst.

16. Juni 1904, es ist etwa acht Uhr am Morgen. Stephen Dedalus begibt sich auf die Brüstung des Martello Tower von Sandycove, etwa 14 km vom Stadtzentrum Dublins entfernt, zu seinem Mitbewohner Buck Mulligan. In diesem Wehrturm wohnte Joyce 1904 tatsächlich für etwa eine Woche mit dem Medizinstudenten und Hobbyschriftsteller Oliver St. John Gogarty (1878–1957), der das Vorbild für Buck Mulligan darstellt. Joyce hatte Hoffnungen, die Freundschaft mit Gogarty in diesem Turm wieder aufleben zu lassen, als Künstlergemeinschaft im Sinne einer Renaissance irischen Freigeistes. Doch das erste Kapitel gibt Zeugnis von der zerbrochenen Beziehung. Den permanenten selbstverliebten Sticheleien Mulligans begegnet Stephen nur mehr mit noch mürrischerer Introvertiertheit.

Noch berührt vom kürzlichen Tod seiner Mutter, beschwert sich Stephen bei Mulligan über die nächtlichen Eskapaden des elitären Engländers Haines (ähnlich dem französischen haine, der Hass), der zu dieser Zeit ebenfalls dort nächtigt. Auch die Figur Haines’ entspricht einer realen Person: dem Studenten Samuel Chevenix Trench aus Oxford, der hier als Symbol für einen überheblich-freundlichen britischen Kolonialismus eingesetzt wird – oder wie Joyce es formuliert – „Horn eines Stieres, Huf eines Pferds, Lächeln eines Sachsen.“ Trench wurde von Gogarty hofiert, und so nutzt Joyce dieses Duo als Sinnbild für das usurpierte Irland: Mulligan als Verräter Irlands und kleingeistiger Versemacher, Haines als der nachsichtige, reiche Engländer, der Irland mit dem überheblichen Auge eines Touristen in Augenschein nimmt.

Nach einem kargen Frühstück verkündet Haines, in die Bibliothek zu gehen. Mulligan möchte erst ein Bad in der See nehmen. Nachdem alle den Turm verlassen haben, unterhalten sie sich noch einige Minuten, dann macht sich Stephen allein auf den Weg. Ihm wird klar, dass er am Abend nicht in sein Domizil zurückkehren wird. Wie Telemachos in der Odyssee bricht er auf, um – im übertragenen Sinne – seinen verschollenen Vater zu suchen, den er später in Leopold Bloom finden wird.
(Quelle: de.wikipedia.org)

Personen des 1. Kapitels

Im Ulysses verkörpert Stephen Dedalus einen modernen Telemachus, der auf der Suche nach einem geistigen Vater ist, obwohl der junge Mann selbst als Intellektueller zu beschreiben ist. Ihm fehlt viel mehr ein vaterähnlicher älterer Freund, der ihm die „Schule des Lebens“ näher bringt – diese Rolle nimmt im Verlauf des Ulysses immer stärker die eigentliche Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom, ein. Der erste Teil des Ulysses ist Stephen Dedalus gewidmet. Die ersten drei Kapitel führen den Leser in die stark vergeistigte Gedankenwelt und die soziale Umwelt der Figur ein. In diesem ersten Teil des Werkes sind die autobiographischen Züge an Dedalus besonders hervortretend.

Buck Mulligan ist ein Medizinstudent mit einer zynischen Sicht auf den menschlichen Zustand, den er als „spöttisch und tierisch“ beschreibt. Paradoxerweise ist er auch der beständigste fröhliche Charakter in Ulysses und wird als ständiges Streben nach der nächsten Gelegenheit dargestellt, zu essen, zu trinken und fröhlich zu sein. Er gilt weithin als Held, weil er Männer vor dem Ertrinken gerettet hat, und scheint bei allen Charakteren des Buches sehr beliebt zu sein, mit Ausnahme von Stephen Dedalus (der ihn als „Bastard“ und „kontaminierten, doppelten Grobian“ abtut) und in geringerem Maße Leopold Bloom.

Haines kommt hauptsächlich in „Telemachus“ vor. Er ist ein Engländer, der bei Buck Mulligan im Martello Tower wohnt, und er hat ein Interesse an irischer Folklore und dem Landleben entwickelt. Stephen verachtet ihn von Anfang an, und Stephen ist besonders beunruhigt über einen Traum, den Haines in der Nacht zuvor hatte, in dem er von einem schwarzen Panther schwärmte. Stephen fragt wiederholt, wann Haines gehen wird, und obwohl Mulligan versucht, Stephen zu ermutigen, ist klar, dass er nicht die Absicht hat, Haines in absehbarer Zeit abzuwerfen. Haines steht stellvertretend für eine englische Haltung gegenüber den Iren, die um die Jahrhundertwende üblich war. Die Haltung wurde manchmal als „die Iren mit Freundlichkeit töten“ beschrieben. Haines ist zu Recht neugierig auf die irische Literatur und Geschichte und schlägt vor, eine Sammlung von Stephens Sprüchen zu erstellen. Haines Interesse ist jedoch rein akademisch und spekulativ. Er hält Irland für ein kurioses Studienobjekt, zeigt aber keinerlei Empathie für die Menschen dort.

Anmerkungen zu diesem 1. Kapitel

Um es gleich zu sagen: Der Roman enthält viele Zitate (z.B. aus der Bibel bzw. aus kirchlichen Texten, aus den Werken von Shakespaeare – hier besonders im 9. Kapitel) und Bezüge auf die irische Geschichte (Personen, Ereignisse), aber auch auf das damalige Zeitgeschehen (z.B. der Brand und Untergang einer Raddampfers in New York einen Tag zuvor – Kapitel 10, S. 308). Die Anzahl der erwähnten Personen ist zwar geradezu endlos lang, die meisten spielen aber keine wesentliche Rolle (z.B. Händler), sind daher eher zu ‚vernachlässigen‘.

S. 7: Introibo ad altare Dei [Gehe zum Altar Gottes]
eucharistisch [zum Abendmahl gehörig]
S. 8: Chrysostomos [Goldmund – vergl. auch Hermann Hesse: Narziß und Goldmund]
S. 9: Epi oinopa ponton [Auf weinfarbenem Meer … (weiter: segelnd zu anderen Menschen) aus: Homer: Odyssee)
S. 10: Thalatta! [Meer! als Freudenschrei]
Hyperboreer [Angehöriger eines sagenhaften nordischen Vokes]
S. 12: Caliban [Unhold bei Shakespeare: Der Sturm]
Jalapen [Abführmittel]
S. 13: … omphalos [Nabelschnur]
S. 15: Doktor Sir Peter Teazle [fiktiver Charakter aus dem Stück ‚School of Scandal‘]
Loyola [Mitbegründer der Jesuiten]
„Und nimmer geht beiseit‘ und sinn‘ …“ [Verse von W.B. Yeats]
S. 16: Fergus [urkeltischer Name -> 1. König von Galloway/Heiliger]
S. 17: Ghul [Dämon]
Liliata rutilantium. Turma circumdet. Iubilantium te virginum.[eigentlich: Liliata rutilantium te confessorum turma circumdet: iubilantium te virginum chorus excipiat“ – Möge die Schar der Beichtväter, leuchtend wie Lilien, dich umgeben. Möge der Chor der jubelnden Jungfrauen dich aufnehmen]
S. 19: Janey Mack [in Dublin Ausruf i.S.v. „Jesus“]
S. 20: In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. [Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes]
Mabinogion [Sammlung mitelalterl. walisischer Erzählungen]
Mary Ann [Gestalt aus einem derben irischen Lied]
S. 21: Wenn die mal ihre Röcke hißt [weiter: und wie ein Mann pisst!]
S. 24: Dere gewizzede biz [Gewissensbiss]
S. 27: Billy Pitt [William P., ehemaliger Premierminister von Großbritannien]
Japhet [Sohn von Noah, neben Sam und Ham Stammvater (der nordischen Völker)]
S. 28: … der in die See nickt über seinem Fuß [NICHT statt nickt aus Shakespeare: Hamlet]
Muglin [Leuchtturm]
S. 30: Famaliaris [Kofferwort aus Fama=Gerücht, Ruf – und familiaris= zur Familie gehörig]
S. 31: et unam sanctam catholicam et apostolicam ecclesiam: [und die heilige katholische und apostolische Kirche]
Missa Papae Marcelli [Musikmesse für Papst Marcellus II (1555) von Giovanni P. Da Palestrina]
Photius [im 9. Jh. Patriarch von Konstaninopel]
Konsubstantialität [Lehre von der Wesensgleichheit von Gott-Vater und Gott-Sohn]
Nom de Dieu! [im Namen Gottes]

In deutscher Sprache gibt es zwei Übersetzungen, zunächst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte Übersetzung von Georg Goyert (1927) – dann die 1975 erschienene Neuübersetzung von Hans Wollschläger, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag)

siehe auch: Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel

Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel

Ojemine, es sind schon wieder zwei Jahre (Welttag des Buches 2020) vergangen, seitdem ich mir vorgenommen habe, endlich (!!!) den Ulysses von James Joyce zu lesen. Und wer es glaubt oder nicht: Das erste Kapitel habe ich mir tatsächlich zu Gemüte geführt. Bevor ich mich hier zu den einzelnen der 18 Kapitel des über 1000 Seiten starken Romans auslasse, möchte ich doch einige Infos zu diesem Joyce’schen Werk loswerden.

James Joyce (© Suhrkamp Verlag)
James Joyce (© Suhrkamp Verlag)

Am gleichen Tag wie James Joyce habe ich Geburtstag, den 2. Februar. James Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Dublin geboren, wo er in schwierigen und ärmlichen Familienverhältnissen aufwuchs. Joyce studierte am University College von Dublin moderne Sprachen, u.a. Englisch, Französisch und Italienisch. 1902 ging er nach Paris, um ein Medizinstudium zu beginnen. Er wandte sich dort aber dem Schreiben zu und führte einen ausschweifenden Lebensstil. 1903 kehrte er nach Dublin zurück, konnte dort jedoch nicht Fuß fassen. Mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Nora Barnacle siedelte er 1904 auf den Kontinent über und lebte hauptsächlich in Triest.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er mit seiner Familie nach Zürich, wo sein bekanntestes Werk Ulysses entstand. Der Roman wurde 1918-1920 in Auszügen in der amerikanischen Zeitschrift »The Little Review« abgedruckt; 1921 wurde er wegen obszöner Inhalte verboten. 1922 erschien Ulysses schließlich in (zensierter) Buchform in der Pariser Buchhandlung »Shakespeare and Company«. Das war genau am 2. Februar 1922 – also vor jetzt über 100 Jahren (und wieder an einem 2. Februar).

1920 zog Joyce auf Einladung seines Freundes Ezra Pound nach Paris, wo er bis zu Frankreichs Besetzung im Zweiten Weltkrieg lebte. Dort entstand sein letzter Roman Finnegan’s Wake (Finnegans Totenwache), der 1939 veröffentlicht wurde. James Joyce starb am 13. Januar 1941 in Zürich. (Quelle: suhrkamp.de)

Der »Ulysses« ist bis heute die ultimative Herausforderung für jeden Freund der Weltliteratur. Im Grunde ist alles ganz einfach: James Joyce erzählt, was seinem Helden Leopold Bloom an nur einem einzigen Tag des Jahres 1904 in seiner Heimatstadt Dublin widerfährt. Dies allerdings ist sehr weit verzweigt, schließt mächtig strömende Gedanken und jede Menge Sprach-Abenteuer mit ein. – Georg Goyert war der erste Übersetzer des Romans ins Deutsche; seine »Ulysses«-Übertragung wurde von James Joyce autorisiert. 1975 erschien dann eine neue Übersetzung von Hans Wollschläger, die ich als einmalige Sonderausgabe 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main – vorliegen habe.

Joyce beschreibt im Ulysses in 18 Episoden einen Tag, den 16. Juni 1904, im Leben des Leopold Bloom, seines Zeichens Anzeigenakquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung. In Anlehnung an Homers Irrfahrten des Odysseus lässt er den Leser an den (Irr-)Gängen seines Protagonisten durch Dublin teilhaben.

James Joyces Ulysses ist der Roman eines Tages, des 16. Juni 1904. Die beiden Protagonisten, Stephen Dedalus, der schon aus Joyces früherem Roman Ein Porträt des Künstlers als junger Mann bekannt ist, und der Annoncenakquisiteur Leopold Bloom sowie eine ganze Reihe weiterer Figuren werden im Verlauf dieses Tages von acht Uhr morgens bis tief in die Nacht in ihren Bewegungen durch die Stadt Dublin, in Gesprächen, bei der Arbeit, vor allem aber in ihren Gedanken und Erinnerungen verfolgt. Dabei wird die Stadt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zum Leben erweckt: Die Wege der Protagonisten durch Dublin lassen sich minutiös nachvollziehen, wir sehen sie in einer Schule, am Strand, auf einer Beerdigung, in einer Zeitungsredaktion, einem Museum, einer Bibliothek, in einer Reihe von Kneipen und Restaurants, einem Krankenhaus und schließlich auch im Bordellviertel, das damals zu den größten Europas zählte. Joyce sagte einmal, Dublin könnte, wenn es vollständig zerstört werden sollte, nach der Lektüre seines Romans wiederaufgebaut werden. Aber auch das Leben der Romanfiguren läßt sich fast vollständig rekonstruieren, und die Schilderung des einen Tages ist damit ebenso umfassend wie ein Roman, der die Biographien seiner Helden von der Geburt an nachzeichnet.

Ulysses ist zudem der Roman einer Epoche, der literarischen Moderne, und er lädt ein zu einer Reise durch eine Fülle sprachlicher und stilistischer Möglichkeiten, die von Joyce neu entwickelt oder zitiert und variiert wurden. Jedes Kapitel ist einer anderen literarischen Technik gewidmet, die Palette reicht von der einfachen Erzählung, vielfältigen Parodien und Sprachspielen, Experimenten mit dem musikalischen Potential der Sprache, zu einem Durchgang durch die Stile der literarischen Prosa vom Mittelalter bis in die Moderne, zur Darstellung von Halluzinationen in Form eines Dramas – bis schließlich, am Ende des Tages, nicht nur die Figuren ermüdet sind, sondern auch die Sprache einen Zustand der Erschöpfung erreicht hat. Am Schluß steht dann der berühmte Monolog von Leopold Blooms Frau, Molly, die im Bett vor dem Einschlafen auf mehr als sechzig Seiten ohne Punkt und Komma ihre Sicht der Welt und ihres Lebens wiedergibt.
(aus: Ulysses: Kommentierte Ausgabe – hier: Leseprobe)

Nach diesem ersten gelesenem Kapitel des Uysses überlegte ich, ob ich mir vielleicht doch die kommentierte Ausgabe zulege. Aber ich habe mich anders entschieden: Anhand des englischen Originals und der hierzu ausführlich im Internet kommentierten Textteile versuche ich, das mir vielleicht fehlende Wissen anzueignen. Was z.B. die Textpassagen in lateinischer Sprache betrifft, so nutze ich den Google Übersetzer.

Folgende Websites dienen mir dabei, mein Verständnis des Ulysses-Romans zu erweitern:

Wikipedia/Ulysses (dt.)
Joyceproject
Ulyssesguide
Columbia University New York/ Ulysses: A marked up version.