Auf der Suche nach dem ‚Schnee von gestern‘

Wintereinbruch – auch bei uns im hohen Norden. Wann hatten wir zuletzt ein solches Winterwetter mit Schnee und fast 10 Tagen Dauerfrost? Und nur wenige Tage danach: Frühling! Statt minus 12 Grad plötzlich 18 Grad plus. Und Sonne! Da zieht es uns ins Freie.

So wie der Schnee kam, so schnell war er dann auch wieder weg. Dahingeschmolzen, Dreck hinterlassend!

Der Schnee von gestern: Ein Haufen Dreck und Matsch
Der Schnee von gestern: Ein Haufen Dreck und Matsch

Letzte Woche Donnerstag hatte ich mich auf den Weg gemacht, auf der Suche nach dem ‚Schnee von gestern‘ und fand nur zusammengekratzten Schneematsch, im Wald auch noch unberührten Nassschnee: eben der ‚Schnee von gestern‘.

Der Schnee von gestern: Düvelshöpen/Tostedt
Der Schnee von gestern: Düvelshöpen/Tostedt

Den Schnee von gestern kennen wir als Redewendung, die besagt, das etwas Vergangenheit ist, das nicht mehr gilt, eine Sache, die einmal wichtig war, jetzt aber nicht mehr von Bedeutung ist.

Ursprünglich lautete die Redewendung „Schnee vom vergangenen Jahr “ und stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Der Dichter des französischen Spätmittelalters Francois Villon soll den Ausdruck geprägt haben. Er ist Teil seiner Ballade des dames du temps jadis („Ballade der Frauen von einst“): „Mais ou sont les neiges d’antan?“ – „Aber wo ist der Schnee vom letzten Jahr?“ Villon nutzt die Redewendung als Refrain und verweist damit auf Vergangenes wie historische Ereignisse und Personen und eine längst vergangene Schönheit.

Sascha hat Husten – die gescheiterte Revolution in Belarus

Die Massenproteste gegen den Betrug bei der Präsidentschaftswahl im August 2020 und für die Forderungen nach Neuwahlen, der Abdankung Lukaschenkos und die Freilassung der politischen Gefangenen in Belarus sind verebbt. Es gibt nur noch sporadische Versammlungen der Gegner des belarusischen Regimes. Sicherlich liegt es am extremen Wintereinbruch, der starke Schneefälle und Temperaturen nahe – 20 ° C zur Folge hatte. Aber eigentlich ist es Lukaschenko gelungen, den Großteil der protestierenden Bevölkerung durch den brutalen Einsatz seiner Schergen einzuschüchtern. Selbst vor 13-jährigen Jugendlichen macht die Staatsmacht nicht halt: So wurde z.B. ein Junge verhaftet und in Verhören massiv bedroht.

Das ist natürlich alles nichts Neues in Belarus. In dem Buch Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus der belarusischen Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch erzählt eine damals 21-jährige Studentin von den Protesten nach der Präsidentschaftswahl 2010 (das letzte Kapitel: Vom Mut und Bangen) und ihrer Flucht nach Russland. Auch damals gab es Repressionen ohne Ende. Und auch damals verlief die Protestwelle zuletzt im Sande.

Das Regime gibt keine Ruhe und geht jetzt auch gegen Journalisten und Journalistinnen hart vor. So sollen zwei TV-Mitarbeiterinnen heute zu drei Jahren Haft verurteilt werden. Sie hatten im November von einer Oppositionskundgebung live berichtet – laut Anklage eine „Störung der öffentlichen Ordnung“.

Das eigentlich Perfide: Die staatlichen Stellen (Polizei, Gerichte usw.) geben sich als Rechtsstaat aus. So kommt niemand ins Gefängnis, wenn er nicht zuvor ‚ordentlich‘ von einem Gericht verurteilt wurde. Das erinnert schon stark an den Volksgerichtshof, einem Sondergericht der Nazizeit.

Jetzt gab es die 6. Allbelarusischen Volksversammlung, zu der sich 2700 ausgewählte Delegierte aus angeblich allen Bevölkerungsschichten trafen. Die Hauptbestimmung der Versammlung ist die Verabschiedung eines fünfjährigen sozial-wirtschaftlichen Entwicklungsprogramms des Landes. In diesem Jahr wurde das Treffen vor allem für Propagandazwecke genutzt. So wurde es dargestellt als Forum, bei dem jeder seine Position zum Ausdruck bringen könne. Dabei trafen sich hier nur ausgewählte, linientreue Funktionäre. Alexander Lukaschenko erklärte: Die Allbelarusische Volksversammlung hat eine hohe Nachfrage der Gesellschaft nach der Erhaltung von Wertsystem und Prioritäten gezeigt. – Ein Wertsystem im Sinne des Machthabers.

Sascha hat Husten
Sascha hat Husten

Dass die Delegierten ohne Abstand und meist ohne Maske auf ihren Plätzen saßen, schien keinen zu stören. Corona hin, Corona her. Und dass Alexander „Sascha“ Lukaschenko auch noch einen halbminütigen Hustenanfall bekam ( „Ізноў да мяне гэтая зараза прыйшла. Прабачце. Трэці дзень…“ – „Diese Infektion ist wieder bei mir aufgetreten. Es tut mir leid. Der dritte Tag …“), erschreckte nur einen der Anwesenden, der seine Maske etwas fester ins Gesicht zog. Von welcher Infektion sprach da der gute Mann?

Quellen: Telegram-Kanal von Euroradio / arte.tv / Belarusische Telegraphenagentur BelTA (staatliche Nachrichtenagentur)

Verloren in Übersetzung

Zu meinem Geburtstag habe ich nur schöne Geschenke bekommen. Ich meine es ernst. Manchmal bekommen wir ja Sachen, die wir partout nicht gebrauchen können, schon haben oder einfach nur hässlich finden. Dem war also nicht so.

Zu zwei Geschenken gab es eine Gebrauchsanleitung. Ich benutze häufig den Google Übersetzer, dessen Qualität in der letzten Zeit deutlich besser wurde. Die zwei Geschenke sind Made in China – und die genannten Gebrauchsanleitungen sind in diversen Sprache verfasst, so auch auf Deutsch. Und diese deutschen Texte sind gewissermaßen „in der Übersetzung verloren“ gegangen (ich muss da gleich an den Film Lost in Translation der Regisseurin Sofia Coppola mit Bill Murray und Scarlett Johansson in den Hauptrollen denken).

Vielleicht nicht ‚verloren‘, aber ins Deutsche durch einen automatischen Übersetzer gejagt (Google hätte das bestimmt besser hinbekommen), sodass das ‚Ergebnis‘ fast unverständlich bleibt. Wer kennt sie nicht, diese kuriosen Anleitung zum Gebrauch, die wenig hilfreich sind.

Beim ersten Geschenk, einer Fitness Tracker-Uhr der Firma YAMAY half ein wenig Intuition, den Text zu verstehen, hier ein kleines Beispiel zum Herzfrequenz-Modus des Geräts:

… Anmerkung: Nach dem Aufenthalt auf die Herzfrequenz-Schnittstelle für 1s beginnt Messung der Herzfrequenz, … nach der Messung von korrekten Daten zeigen Sie die Daten an.

Nun, nicht ich zeige die Daten an, sondern das Gerät.

Es wuchern Bart und Zins, nicht nur bei Kuntz und Hintz!
Es wuchern Bart und Zins, nicht nur bei Kuntz und Hintz!

Weiterhin bekam ich einen Bartpflegeset zum Geschenk. Wie oben zu sehen ist, wuchert mein Bart in Coronazeiten zu weihnachtsmännlichen Dimensionen. Da hatte einer meiner Söhne ein Einsehen mit mir. Also ran an die Schere – und anschließend gut geölt in die sonnendurchflutete Winterlandschaft. Es ist nicht nur die durchgängige Kleinschreibung (auch am Satzanfang) der Gebrauchsanleitung, die irritieren könnte, Der ganze Text z.B. zum Thema ‚Bart Öl‘ ließ mich meinen Bart nachdenklich kraulen:

Dein Bart noch überschaubar: von den ersten einsatz, dieser bart – weichmacher öl wird dein bart weniger grob – und schleifmittel. es behandelt auch getrennte endet auch, ob sie anfangen zu kommen, natürlich oder treten nach einer rasur.

Anfahrt: Noch ein paar tropfen von der handfläche die öl, sanft in den vollbart, spitzbart und schnauzbart auf die tiefe der haut zu beenden, bräutigam bart und stil, wie üblich.

Klar, ‚… wie üblich‘.

Wodka zu Whisky

Eigentlich ist Whisky zunächst nichts anderes als unser guter Korn, der zu Maltwhisky aus Gerstenmalz (gebranntes Bier), zu Grainwhisky meist aus Weizen gebrannt wird. Als gute Norddeutsche kennen wir Korn in Kombination mit Bier als Lütt un Lütt, auch Lüttje Lage oder Herrengedeck genannt. Whisky wird erst zu Whisky durch seine Lagerzeit in Fässern. Dabei spielt das Holz und besonders sein früherer Inhalt, z.B. Sherry, die entscheidende Rolle für den besonderen Geschmack.

Der Effekt der Fasslagerung lässt sich nun im Miniaturformat und binnen kurzer Zeit nachstellen, mit Chips aus Naturholz. Verfeinert wird der so gereifte ‚Whisky‘ durch so genannte Botanicals, pflanzliche Aromageber in Form von Kräutern, Gewürzen und Früchten.

Grundlage ist ein neutraler Alkohol auf Getreidebasis., also z.B. ein guter Wodka aus Weizen. Es kann aber auch ein guter Doppelkorn sein.

Holzchips & 'Botanicals' aufgesetzter Whisky (Coffeine Kick & Hot Summer)
Holzchips & ‚Botanicals‘ aufgesetzter Whisky (Coffeine Kick & Hot Summer)

Zunächst wird der Alkohol (also Wodka oder Doppelkorn) für zwei bis zu vier Wochen mit den Holzchips aufgesetzt. Nach dieser Zeit werden die Chips herausgefiltert und der Alkohol für 24 Stunden mit den Botanicals befüllt. Danach auch diese Aromageber herausfiltern und die so entstandene Mischung nochmals für 12 Stunden kaltstellen. Fertig ist die Laube!

Das Gleiche gibt es u.a. auch für Gin. Ich habe einen entsprechenden Set DO YOUR WHISKY | DIY Infusion Set zum Herstellen meines eigenen ‚Whiskys‘ von meinen beiden Söhnen zu Weihnachten geschenkt bekommen und auch schon zwei 0,35 l-Flaschen mit Wodka in den Geschmacksrichtungen Coffeine Kick (u.a. mit Kaffee- und Kakaobohnen) sowie Hot Summer (mit Orangenschalen und Chili als Aromageber) aufgesetzt und inzwischen fertiggestellt, das Ergebnis: Natürlich lässt sich das nicht mit einem guten Single Malt Whisky aus Schottland vergleichen. Beim Hot Summer hatte ich die Chilischoten wohl auch etwas zu lang ziehen lassen, das Zeugs ist ziemlich scharf geworden. Auch kommt der Geschmack des Wodkas am Ende noch leicht heraus (etwas alkoholisch wie bei Grain-Whiskys). Ich will es erneut mit etwas geschmacksneutralerem Doppelkorn probieren. Insgesamt finde ich es aber ganz witzig, auf diese Art seinen eigenen Whisky zu kreieren. Wer also auf Whisky (in Maßen ist klar!) steht, der oder die können hier ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Dann mal Prost!

16 Jahre Willizblog

Ich habe nichts gegens Feiern. Manche haben zum Feiern ja immer einen Anlass. Ich gehöre zu denen, die keinen Anlass brauchen. Und gibt es einen Anlass, dann komme ich eher ohne Feier aus. Corona hin, Corona her. Auch ohne Corona würde ich heute aufs Feiern verzichten. Aber erwähnt möchte ich es doch haben: heute vor 16 Jahren habe ich diesen Blog eröffnet. Damals sicherlich mit der Gewissheit, 16 Jahre später NICHT einen solchen Beitrag schreiben zu können. Ihr versteht, was ich meine?!

    Willi in WilliZ Welt - schottlandmäßig
    Willi in WilliZ Welt – schottlandmäßig

Nun also keine Glückwünsche und keine ‚Dankesbekundungen‘. Ich mache das hier zu meinem eigenen Vergnügen, gewissermaßen als Training für den Kopf. Und auch manchmal, um ‚Luft abzulassen‘. Und wenn sich der eine oder die andere hin und wieder zu meinen geistigen Ergüssen per Kommentar äußert, so soll es mir Recht sein. Besonders dann, wenn es in meinem Sinne ist. Ich hoffe, Ihr versteht auch das …

siehe auch: 60 Jahre Willi – 9 Jahre Willizblog

Wenn ein Haus auf Reisen geht …

Das sieht man nicht alle Tage: Auf den Bundesstraßen 75 und 3 im Landkreis Harburg ist letztes Wochenende ein seltener Umzug zu sehen. Ein 50er-Jahre-Bau wird per Schwertransport ins Freilichtmuseum am Kiekeberg gebracht.

Seit Mitte der letzten Woche war das Siedlungshaus aus Tostedt in Bewegung. Zunächst haben Experten es am Mittwoch mithilfe von hydraulischen Pressen angehoben, auf einem Transportfahrzeug mit eigenem Antrieb positioniert und von dort auf den Schwertransporter geladen, wie das Museum mitteilte. Am Freitag stand der acht Meter breite Tieflader einen Tag auf der B75 bei Kakensdorf. Grund war laut Museum eine Pause für die Fahrer. Der Verkehr wurde währenddessen über die angrenzenden Parkplätze umgeleitet. Sonnabend ging es dann auf den 22 Achsen weiter Richtung Rosengarten. „Der Wetterumschwung ist eine echte Herausforderung“, wie Polizeisprecher Jan Krüger sagte. Die verschneiten Straßen hätten zunächst geräumt werden müssen. Am Abend sollte das Haus das Museumsgelände erreichen.

Siedlungshaus wird Teil der „Königsberger Straße“

Einen derart aufwendigen Transport organisiert das Museum nicht zum ersten Mal. Für das Projekt „Königsberger Straße. Heimat in der jungen Bundesrepublik“, baut es einen Straßenzug mit fünf Originalgebäuden auf. Das erste war den Angaben zufolge vor zwei Jahren eine Tankstelle aus den 50er-Jahren, im vergangenen Jahr kam ein Siedlungsdoppelhaus hinzu. Am vergangenen Sonntag sollte dann der Ziegelbau aus Tostedt auf seinen neuen Keller gesetzt werden. Das Besondere an dem Haus ist laut Museum, dass es nahezu im Originalzustand sei. Nach dem Bau 1955 sei es bis 1963 erweitert und danach nicht mehr verändert worden. Errichtet hat es seinerzeit ein Ehepaar, das aus Ostpreußen in die Region geflohen war.
(Quelle: ndr.de)


Ungewöhnlicher Schwertransport: Haus rollt über die Straßen

Weitere Infos und Fotos siehe kiekeberg-museum.de

Querbeet (11): Neues von alten Männern

Das Fell des Bären

Bekanntlich soll man das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist: Wenn schon nicht Parteichef, dann eben Bundesminister: Dass Friedrich Merz nach Höherem strebt, hat er oft gesagt. Nun würde er gerne Wirtschaftsminister werden. Doch Kanzlerin Merkel, die Merz schon vor Jahren den Laufpass gegeben hatte, lehnt eine Kabinettsumbildung ab. So hofft der gute Mann natürlich auf spätere Zeiten, um nach der Bundestagswahl im Herbst diesen Jahres in einem Kabinett Laschet (oder Söder oder …?) den angestrebten Posten zu erringen. Die Wahl ist zwar noch lange nicht gelaufen, aber über Pöstchen kann man (Merz) ja schon einmal verhandelt.

.... querbett

Das Lieblingsspielzeug weggenommen

Lukaschenko, Präsident Belarus‘ von eigenen Gnaden, liebt Eishockey. Und freudestrahlend empfing er vor einigen Tagen den Präsidenten der Eishockey-Föderation IIHF, René Fasel, um ihn vor laufender Kamera freundschaftlich zu umarmen. In Corona-Zeiten nicht gerade das richtige Signal, auch wenn beide die CoVid-19-Infektion bereits überstanden haben. Es ging um die Ausrichtung der Eishockey-Weltmeisterschaft 2021, die ab 21. Mai in Riga, Lettland, und Minsk, Belarus, stattfinden sollte.

Da aufgrund der Menschenrechtslage in Belarus verschiedene Sponsoren mit Rückzug drohten, hat der IIHF entschieden, wegen „wachsender Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit den zunehmenden politischen Unruhen sowie Covid-19“ die WM nicht wie geplant in Minsk abhalten zu lassen.

„Das ist ein schwerer Schlag für den Diktator und sein Image“, sagte der belarusische Menschenrechtsaktivist Ales Bialiatski dem SID. Lukaschenko hätte die WM nur zu gerne für seine Politik benutzt, betonte der mit dem „Alternativen Nobelpreis“ (Right Livelihood Award) ausgezeichnete Bialiatski: „Es ist ein bisschen so, als nimmt man einem Kind das Spielzeug weg.“

Bereits zuvor hatte das Internationale Olympische Komitee den belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko von allen olympischen Aktivitäten einschließlich der Sommerspiele in Tokio ausgeschlossen.

Potus, ab in den Lokus – oder: Von weiteren Fellen

US-Präsident Trumps Stunden sind gottlob gezählt. Der alte Potus (President Of The United States) geht (ab in den Lokus mit ihm), der neue Potus kommt (heute ist bekanntlich Joe Bidens Amtseinführung). Nein, ich schreibe nichts mehr über diesen trotz Reagan, Bush Vater und Bush Sohn schlechtesten Präsident der USA. Seine Felle haben längst begonnen, davon zu schwimmen. Ich hoffe nur noch, das er bald im Knast landet. Schön wäre das. Aber vielleicht begnadigt er sich als letzte Amtshandlung selbst prophylaktisch. Würde zu ihm passen. Bannon hat er ja bereits begnadigt. Die Begnadigung Bannons ist deshalb bemerkenswert, weil der frühere Chefstratege zwar angeklagt ist, allerdings bislang nicht verurteilt. In der Regel begnadigen US-Präsidenten vor allem bereits Verurteilte.

Imaginäre Interviews (01): Willi Kojote, Schamane

I[nterviewer]: Willi Kojote, wie muss ich Sie ansprechen: Mit Namen oder mit Schamane?
W[illi Kojote]: Sagen Sie ganz einfach: Willi! Beim ‚Sie‘ dürfen Sie aber gern bleiben.

Imaginäre Interviews
Imaginäre Interviews

I: Was habe ich unter Schamane zu verstehen? Soviel ich weiß, ist ein Schamane einer mit heilenden Kräften, der die Verbindung zur Geisterwelt herzustellen versteht, oder?
W: Das Wort Schamane kommt aus der mandschu-tungusischen Sprache und bedeutet „jemand, der weiß“. Sie haben schon Recht: ein Schamane ist, wenn Sie so wollen, ein spiritueller, vielleicht auch religiöser, meist ein heilerischer, vor allem aber ein ritueller Spezialist, dem magische Fähigkeiten zugesprochen werden

I: Sie besitzen also magische Kräfte?
W: Nicht mehr als Sie!

I: Einen Schamanen stellen wir uns immer als Mann im biblischen Alter vor. Wie alt sind Sie eigentlich, wenn ich fragen darf?
W: In wenigen Tagen werde ich 267. [Pause]. Nein, ist ein Witz. Ich werde 67. Ist ja auch schon fast biblisch, oder?

I: Um Schamane zu sein, muss dieser dort gewisse Qualifikationen besitzen, bzw. eine entsprechende Ausbildung absolviert haben.
W: Das Leben ist Ausbildung genug. Wer in meinem Alter nicht die notwendige Reife erlangt hat, wer nicht den nötigen Abstand zu den Aufgeregtheiten der Zeit besitzt, der wird sich natürlich nicht zum Schamanen eignen. Aber da sind erfahrene Menschen genug, die sich zu diesem Amt eignen, ohne es zu wissen.

Willi Kojote, der Schamane
Willi Kojote, der Schamane

I: Das klingt etwa so, als könnte man sich selbst zum Schamanen erklären.
W: Könnte man, machen ja in diesen Tagen auch viele …

I: Sie sprechen da den Schamanen mit den Büffelhörnern an, der mit Gesinnungsgenossen das Kapitol in Washington besetzt hatte.
W: Der ist gerade halb so alt wie ich und denkt, die eben angesprochene Reife bereits erlangt zu haben. Ein Wicht ist das. Allein dadurch, dass er sich eine indianische Schamanen-Kopftracht mit Bisonhörnern und Kojotenfell mit zwei Schwänzen anlegt, ist er noch lange kein Schamane. Hinter diesem bison man, wie man diesen armseligen Menschen auch nennt, verbirgt sich ein aufgeblasener Dummkopf, der nur nach Aufmerksamkeit heischt, der ersten Stufe der Egomanie. Es folgen Geldgier und dann Machtbesessenheit. Trump hat übrigens die letzte Stufe erreicht.

I: Was macht dann einen Schamanen aus?
W: Ein Schamane ‚wirkt‘ wie ein Medikament. Medizin allein heilt nicht. Wenn der Körper nicht mitspielt – Stichwort: Selbstheilungskräfte des Körpers -, dann wird das nichts. So wie jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch anderen Menschen durch Rat und Tat helfen kann, so versucht auch ein zum Schamanen Tauglicher zu helfen.

I: Das klingt ganz normal und hat wenig mit Handauflegen, Verabreichung von Kräutersäften und ähnlichem zu tun. Dinge, die wir eigentlich mit einem Schamanen in Verbindung bringen.
W: In erster Linie braucht ein Schamane das, was wir gesunden Menschenverstand nennen. Die Handlungen, die Sie eben nannten, können den Heilungsprozess unterstützen, sind aber nicht vorrangig wirksam.

I: Gesunder Menschenverstand?
W: Ich weiß: Leider ist dieser dank unserer Politiker, die sich immer wieder auf ihn berufen,
längst verpönt.Aber ich glaube an ihn. Er geht einher mit Logik. Was nicht Ergebnis einer
vernünftigen Schlussfolgerung ist, was nicht Bestand hat vor ordnungsgemäßem Denken, das taugt nichts, auch wenn es gut gemeint ist.

I: Demnach war z.B. Albert Einstein so etwas wie ein Schamane, oder?
W: Ohne Zweifel. Sein logisches Denken diente nicht nur naturwissenschaftlichen Entdeckungen und Erfindungen, sondern ermöglichte ihm auch Einsichten im Alltäglichen, wie wir sie uns vor allem von den Personen wünschen, die meinen, über uns bestimmen zu können, z.B. Politiker.

I: Ich danke Ihnen für dieses aufschlussreiche Gespräch.
W. Ich habe zu danken!

Kurz und spitz (10): Vorgedrängelt

    In der Skisaison ist es wie im Sozialismus: Man muss anstehen und an den Fortschritt glauben. Wie man sich erfolgreich vordrängelt, bleibt aber auch in anderen Monaten des Jahres eine wertvolle Kulturtechnik. Zum Beispiel, wenn man nach dem Opernbesuch schnell ein Taxi erwischen will oder nach dem Fussballmatch das nächste Tram.
    NZZ am Sonntag

Aber:

    Wer kennt sie nicht – die Leute, die sich immer vordrängen und doch nie vorn sind.
    Johannes Gross

Kurz und spitz: Vorgedrängelt
Kurz und spitz: Vorgedrängelt

Ich bekenne mich schuldig: Auch wenn es jetzt über ein Jahr her ist, aber ich gehörte auch zu diesen Dränglern. Aber was ist eigentlich schlimmer: Die drängeln oder die, die immer im Weg stehen?

Mir ging es nicht darum, erster, ganz vorn zu sein. Am frühen Morgen, wenn ich mich auf dem Weg zur Arbeit machte, mich zeitig zum Ausgang im Nahverkehrszug begab, um diesen möglichst schnell zu verlassen, damit ich noch meinen Anschlusszug bekomme: Der Bahnsteig ist brechend voll. Da hilft nur, sich durchzuschlängeln. Und dann die Rolltreppe: blockiert durch zwei geschwätzige, aber für mich taube Gestalten! Ich will nicht drängeln, aber der Zug wartet nicht …

Oder zum Feierabend hin: Am Hauptbahnhof ankommend wird die Tür in der S-Bahn von einem Typen versperrt, der unbedingt noch per Handy ein Telefonat führen muss. Überhaupt oben auf dem Verbindungssteg die auf ihre Smartphones stierenden Käuze, die sich genau dann mir in den Weg stellen, wenn ich sie überholen will?!

Zwangsläufig wurde ich da zum Drängler, zum Hinwegschubser: Step aside, aus dem Weg, ihr Narren, der Meister hat es eilig!

Kurz und spitz (09): Gute Vorsätze

    Was hatte ich mir alles vorgenommen. Meine zahlreichen Vorsätze in Blei gegossen, nur um dann 12 Monate später bei Pizza und Wein festzustellen, dass das mit dem Fitness-Abo noch immer nicht so richtig geklappt hat. Was mich angeht, ich habe mir für das Neue Jahr nichts anderes vorgenommen, als mich öfters zu langweilen.
    Lea Hagmann
    Gute Vorsätze haben etwas Fatales: sie werden immer zu früh gefasst.
    Oscar Wilde

Gewissermaßen als Erkenntnis aus all den nicht umgesetzten Vorsätzen:

Kurz und spitz: Gute Vorsätze
Kurz und spitz: Gute Vorsätze

Ja, die guten Vorsätze, die wir fürs Neue Jahr fassen. Was schief gehen kann, geht schief. So schrieb ich vor einigen Jahren das Folgende:

Ein neues Jahr beginnt bei vielen mit guten Vorsätzen: endlich den Winterspeck loswerden, endlich etwas mehr für die Gesundheit tun. Ich habe mir diese an den Beginn eines neuen Jahres gebundenen Wunschphantasien längst abgewöhnt. Vorsätze sind bekanntlich dazu da, sie schnell wieder zu vergessen. Ich schrieb bereits einmal darüber. Wer einen guten Vorsatz realisieren will, muss sich diesen Vorsatz jeden Tag aufs Neue vor Augen führen (nicht nur am 1. Januar). Und so mühe ich mich jeden Tag aufs Neue, Geduld zu haben, Gelassenheit zu wahren und mit Ruhe die Aufgaben des Tages anzugehen. Aber das ist schon eine Überlebensstrategie und hat mit Vorsätzen wenig gemein.

Frohe Weihnachten 2020 und einen guten Rutsch ins Neue Jahr

 

 

 

Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr 2021

Oh je, ist es schon wieder soweit? Wie die Zeit vergeht … Alle Jahre wieder um diese Zeit: Allen Freunden, Bekannten, Verwandten und Besuchern meines Weblogs wünsche ich ein geruhsames Weihnachtsfest 2020 und einen gelungenen Start ins Neue Jahr 2021. Mag das Corona-Virus auch viele unserer Pläne in diesem zu Ende gehenden Jahr durchkreuzt haben. So lassen wir uns trotz der auferlegten Beschränkungen die Laune nicht vermiesen. Bleibt gesund! Bleibt negativ! Es kann nur besser werden …

Mögen die Geschenke zahlreich, besonders aber sinnvoll sein, die Weihnachtsgans nicht allzu fett und der Tannenbaum feuerfest.

Fliegender Weihnachtsmann

Fröhliche Weihnachten 2020 - Euer Willi

Fliegender Weihnachtsmann

… zu guter Letzt auch noch ein kleines Weihnachtsvideo:


Frohe Weihnachten /Merry Christmas 2020