Nachbetrachtungen zu einer Fußball-WM

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist bereits ‚Geschichte‘. Frankreich wurde Weltmeister – wie von mir prognostiziert (am 18. Juni schrieb ich: „Irgendwie dachte ich an Frankreich.“), hatte aber auch Spanien ‚auf dem Zettel‘, die dann bereits im Achtelfinale nach Elfmeterschießen gegen die Russen ausschieden. Dass ich mit Spanien gar nicht so schlecht lag, beweist die Tatsache, dass die Russen wiederum nur im Elfmeterschießen gegen die Kroaten die Segel streichen mussten – und die fanden immerhin den Weg ins Finale.

    © FIFA

Apropos die Kroaten. Diese Weltmeisterschaft war für mich allein schon durch die Anwesenheit der isländischen Mannschaft interessant. Leider musste diese bereit nach der Vorrunde die Rückreise antreten. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die Isländer in der Qualifikation zu dieser WM immerhin die Kroaten hinter sich gelassen hatten – und erneut in der Vorrunde auf Kroatien trafen, diesmal aber, wenn auch spät, den Kürzeren zogen. Und das gegen den späteren Vizeweltmeister. So schlecht können die Isländer also nicht sein.

Nun Frankreich zählte von Anfang an zu den Favoriten, die Kroaten weniger. Erstaunlich wie schnell die anderen angeblichen Favoriten scheiterten. Nach Deutschland waren das bereits im Achtelfinale Argentinien (nun gut gegen Frankreich), Portugal und Spanien. Diese drei Mannschaften haben die deutsche Mannschaft also nur um ein Spiel überlebt. Im Viertelfinale waren es dann die Brasilianer, die gegen Belgien verloren und damit ausschieden. Deutschland befindet sich also in bester Gesellschaft. Da kann ich den ganzen Zirkus, den der DFB nach dem frühen Ende veranstaltete, nicht so ganz nachvollziehen. Diese gegenseitigen Schuldzuweisungen sind lächerlich.

Aber komme ich zum Sportlichen zurück: Für mich war das Halbfinalspiel Frankreich – Belgien das eigentliche Finale. Nichts gegen die Kroaten, die im Finale noch einmal alles versucht haben und u.a. durch eine unfaire Aktion (Schwalbe durch Antoine Griezmann – der nachfolgende Freistoß führte zum 1:0 für die Franzosen) schon früh betrogen wurden. Die Belgier gewannen dann immerhin noch das Spiel um Platz 3 gegen England.

Frankreichs Staatspräsident Macron jubelt über ein Tor für die Franzosen im WM-Finale
Frankreichs Staatspräsident Macron jubelt über ein Tor für die Franzosen im WM-Finale

Überhaupt das Endspiel: Bemerkenswert das zweite Tor für Kroatien. Wie schon zuvor u.a. in der Champions League im Halbfinale durch Bayerns Sven Ulreich oder im Finale von Liverpools Loris Karius jeweils gegen Real Madrid, so verursachte auch Hugo Lloris, Torwart der Franzosen, ein kurioses Tor, indem er den Ball einem gegnerischen Spieler beim Abstoß direkt in die Füße spielte.

Nein, nichts zu Putin, nur soviel: Während bei der Siegerehrung der französische Präsident und die kroatische Präsidenten wortwörtlich im Regen standen, gönnte sich der russische Präsident einen Schirmträger. Das Netz bedachte ihn dafür reichlich mit Hohn und Spott.

'Schirmherr' Putin lässt Macron und Frau Grabar-Kitarović im Regen stehen
‚Schirmherr‘ Putin lässt Macron und Frau Grabar-Kitarović im Regen stehen

Und da waren dann noch die Aktivisten von Pussy Riot, die als Flitzer in Uniformen fröhlich winkend mitten im Finale auf den Platz mit den Forderung stürmten, politische Gefangene freizulassen. Festnahmen bei Kundgebungen sollten aufhören, das Land brauche mehr politischen Wettbewerb. Wenn vielleicht auch eher widerwillig, so klatschte der französische Jungstürmer Kylian Mbappé doch mit einer der Aktivistinnen ab. Ist doch ein schönes Bild. Putin wird sich gefreut haben 😉

Pussy Riot-Aktivistin klatscht mit Frankreichs Kylian Mbappé ab
Pussy Riot-Aktivistin klatscht mit Frankreichs Kylian Mbappé ab

Neben dem WM-Pokal für die französische Mannschaft gab es noch einige weitere Ehrungen für einzelne Spieler. Bester Torschütze wurde der Engländer Harry Kane, dessen sechs Tore allerdings schon aus der Vorrunde herrührten. Ähnlich wie der Franzose Olivier Giroud (kein Tor) versiebte er dann in der KO-Runde etliche hochkarätige Chancen.

Zum besten Spieler des WM-Turniers wurde von der „technischen Studiengruppe“ der FIFA der Kroate Luka Modrić vor Eden Hazard (Belgien) und Antoine Griezmann (Frankreich) gewählt. Der belgische Torhüter Thibaut Courtois wurde von der FIFA zum besten Torhüter des Turniers und der französische Spieler Kylian Mbappé zum besten Nachwuchsspieler des Turniers bestimmt. Ich kann das durchaus mit unterschreiben.

Vielleicht als tragische Helden sind der Uruquayer Edinson Cavani, der Portugal mit seinen zwei Toren fast allein besiegte und dann verletzt mit ansehen musste, wie seine Mannschaft gegen Frankreich verlor – und der Torschützenkönig von der WM 2014, James Rodríguez, der ebenfalls wegen einer Verletzung nur sporadisch eingesetzt werden konnte. Sein Pass auf Falcao zum 2:0 gegen Polen (Endstand: 3:0) dürfte wohl zu den Sahnestückchen dieser WM gehören.

Und da war dann noch der Videobeweis, der zum ersten Mal bei einem großen Turnier eingesetzt wurde und manche falsche Schiedrichterentscheidung korrigierte.

Spielerisch wurde diese WM oft durch defensive Taktiken bestimmt, die manches Spiel nicht allzu attraktiv erscheinen ließen. Belgien war da eher die große Ausnahme. Deren schnelles Umschaltspiel durch Eden Hazard, Kevin de Bruyne und Romelu Lukaku gehörte zu den sehenswerten Momenten dieser WM. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.

Es hat nicht sollen sein

Als Argentinien gegen Nigeria in der 86. Minute mit 2:1 in Führung ging, da brauchten die Isländer nur das EINE Tor, um ins Achtelfinale einzuziehen. Aber – wie bei den Deutschen gegen Süd-Korea – es fiel in der 90. Minute ein Tor für den Gegner, hier: Kroatien. Und damit endeten die Träume von einem Weiterkommen für Island. Es hat eben nicht sein sollen.

    (c) FIFA

Wenigstens boten die Isländer all ihr Können auf, um bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ähnlich erfolgreich zu sein wie vor zwei Jahren bei der EM in Frankreich. Im Gegensatz zum deutschen Team sind die spielerischen Mittel der Isländer beschränkt, was durch Kampfgeist und mannschaftliche Geschlossenheit ausgeglichen wird.

Wie gesagt. Ähnlich erging es den Deutschen. Es fehlte ein Tor gegen Süd-Korea und der Einzug ins Achtelfinale (dann allerdings gegen Brasilien) wäre perfekt gewesen. Stattdessen ein pomadiges, ideenloses Gekicke und am Ende zwei Tore für den Gegner.

Manuel Neuer als 11. Feldspieler verliert den Ball - 0:2 für Süd-Korea
Manuel Neuer als 11. Feldspieler verliert den Ball – 0:2 für Süd-Korea

2014 erklomm das Ensemble von Joachim Löw die Weltbühne als harmonische Einheit. Tatendurstige junge Männer, die das beste Beispiel für Integration und Zusammenhalt abgaben. Ein Weltmeister ohne Weltstar, in der ein jeder unabhängig von Hautfarbe oder Religion seinen Anteil hatte. Und 2018?

Da waren die Stars, die über sich haben Filmchen drehen lassen, die Modelinien unterhalten und per Mobiltelefon ihre millionenfach besuchten Social Media-Accounts füttern. Viel Gerede um eine Mission Titelverteidigung. Aber die Ambitionen sind bloße Behauptung geblieben, und man kann dem Bundestrainer den Vorwurf nicht ersparen, dass er diese Wird-schon-klappen-Mentalität mit lässigem Schweben vorgelebt hat.

Diese WM hat sich für den DFB als einzige Fehleinschätzung erwiesen: Löw ist dem trügerischen Gefühl aufgesessen, er würde all die Einzelgeschichten, die seine Spieler ins Turnier schleppen, schon wieder zu einer guten Gesamtgeschichte zusammenfügen – einfach, weil’s immer so war. Einige Spieler kamen aus Verletzungspausen, andere waren in ihren Klubs keine Stammspieler oder hatten keine Form, wieder andere haben das Klima und sich selbst mit einem Erdoğan-Foto belastet – es war zu viel für dieses Team, dessen Selbstüberschätzung im dritten Spiel plötzlich in Angst, nur keine Fehler zu machen, umschlug.

Inzwischen sind drei Viertel aller Spiele absolviert und es geht so langsam ‚ans Eingemachte‘. Hier die Spiele der Achtelfinalrunde (in der Reihenfolge der Spiele):

    Frankreich – Argentinien
    Uruguay – Portugal
    Spanien – Russland
    Kroatien – Dänemark
    Brasilien – Mexiko
    Belgien – Japan
    Schweden – Schweiz
    Kolumbien – England

Es sind fast wieder nur die ‚üblig Verdächtigen‘, die sich für die Runde des letzten 16 qualifiziert haben. Neben Deutschland ist es eigentlich nur Polen, die schon früh ‚die Segel streichen‘ mussten. Zwar haben manche kleine Mannschaften die ‚Großen‘ geärgert, aber zum Weiterkommen hat es nur für die Japaner gereicht. Aus diesem Ensemble der besten Mannschaften haben sich bisher nur Kroatien und Belgien positiv hervorgetan. Besonders enttäuschend fand ich die Auftritte von Frankreich und Argentinien. Aber die Karten sind neu gemischt.

Heute ist ein Ruhetag (fast schon mehr für die Zuschauer als für die Spieler). Und: Die TV-Quoten dürften nach dem Ausscheiden der Deutschen bei uns beim weiteren Verlauf der WM wohl ziemlich in den Keller gehen.

Halldór Laxness: Die glücklichen Krieger

Schon als Halbwüchsiger begeistert sich Thorgeir (isländisch: Þorgeirr) Havarsson für Waffen. Und Thormod (isländisch: Þormóðr) Bessason hat seit jeder eine Leidenschaft für die Poesie. Die beiden schwören Blutsbrügerschaft, denn ohne Heldentaten keine Dichtung, und ohne Dichtung kein Heldenruhm. Thorgeir verläsß Island und folgt einem Wikingerheer nach England und Frankreich. Er begegnet der Grausamkeit einer Soldateska, die keine Rücksicht kennt.

Dichter Thormod hat inzwischen geheiratet und ist seßhaft geworden. Doch eines Tages macht er einen grausamen Fund: Jemand hat den Kopf seines Freundes ans Hoftor genagelt. Thormod macht sich auf und durchstreift die Welt, um den Mörder zu finden. Dieser Roman über den Krieg verarbeitet die Erfahrungen des gewaltsamen zwanzigsten Jahrhunderts.
(aus dem Kladdentext)

    Halldór Laxness: Die glücklichen Krieger
    Halldór Laxness: Die glücklichen Krieger

Gerpla ist ein Roman des isländischen Schriftstellers Halldór Laxness. Die deutsche Übersetzung trägt den Titel Die glücklichen Krieger. Das Buch ist eine Nachahmung einer isländischen Saga und nach Die Islandglocke der zweite historische Roman Laxness‘; er erschien 1952, drei Jahre bevor er den Literatur-Nobelpreis erhielt.

Der Stil Halldór Laxness‘ orientiert sich an dem der mittelalterlichen Sagas. Bereits der Titel Gerpla ist eine Neuschöpfung und eigentlich unübersetzbar. Er orientiert sich an die Tradition der Kurztitel altisländischer Sagas wie Grettla für Grettis saga oder Egla für Egils saga. Das Ausgangswort des Titels ist garpur, der Held. Gerpla bedeutet also in etwa: Heldenbuch, Heldengeschichte bzw. Heldenlied. Scheinbare Authentizität gewinnt der Erzähler durch die Verwendung altisländischer Sprachformen aus dem 11. Jahrhundert, die in Island auch heute noch unmittelbar verstanden werden (im Gegensatz zu althochdeutschen Texten des Mittelalters, die wir Deutsche kaum noch entziffern können). Allerdings erlaubt sich Laxness einige witzige Ausnahmen. So sehr sich der Roman formal an den mittelalterlichen Werken orientiert, verkehrt Laxness die Heldensagen inhaltlich in eine Anti-Saga, deren Heldentum sich in blutrünstiger Mord- und Raublust sowie hemmungsloser Gier nach Geld und Macht erschöpft.

Während das Original den Isländersagas nachempfunden ist, orientiert sich die deutsche Übersetzung an den älteren deutschen Übersetzungen der Isländersagas. So entsteht auch im Deutschen der Eindruck, es handle sich um einen altertümlichen Test. Noch einmal zur isländischen Sprache: „In Island ist wegen der Isolation des Landes, der starken Stellung der altisländischen Literatur und der nationalistischen Sprachpolitik eine einmalige Kontinuität der Sprache gegeben, die es geübten Lesern noch heute ermöglicht, die Sagas im Original zu lesen.“ (Halldór Gudmundsson: Halldór Laxness — Sein Leben, S. 177)

Für empfindliche Leser ist dieser Roman in der Beschreibung der Grausamkeiten sicherlich ziemlich brutal. Das ist Absicht. Krieg mit Mord und Totschlag hat mit Heldentum am Ende wenig zu tun. Alles wird ungeschön, wenn auch meist sehr lapidar, also knapp und schnörkellos beschrieben. Laxness gewährt uns dabei einen ungewöhnlichen Einblick in das alte Island, das vom alltäglichen Überlebenskampf geprägt ist. Und es ist ein Blick in die Geschichte Anfang des 11. Jahrhunderts. So findet der Leser historische Personen als Protagonisten wieder wie Olaf der Dicke, norwegischer König von 1015 bis 1028, der später Olaf der Heilige genannt werden wird, oder den englischen König Æthelred (im Buch Adalrad).

Wer Halldór Laxness gelesen hat, kennt seinen oft mit ironischem Unterton besetzten Stil. In diesem Roman kann man diesen Ton nur als beißenden Spott deuten, denn das angebliche Heldenepos entlarvt sich als zynische Lüge.

… wieder da

Nein, nicht ER IST wieder da, ICH BIN wieder da. Nach fast dreimonatiger Pause habe ich mich gestern mit einem Beitrag zur zz. laufenden Fußball-WM in Russland hier in meinem Blog zurückgemeldet. – Ja, wie kommt denn das? War ich verschollen in der Arktis? Entführt? In Koma gefallen?

Es war (und ist noch) eine bedingte Auszeit. Ich habe mir am rechten Knie etwas schnippeln lassen (dazu später sicherlich etwas mehr), aber ich hatte einfach keine Lust mehr, mich mit Facebook, Twitter und damit auch mit meinem Blog zu beschäftigen. Endlich bin ich wieder einmal zum Lesen gekommen, habe mir den einen oder anderen guten Film angeguckt (auch dazu später mehr). Erholung abseits der ‚Dinge‘, die einen nur Zeit rauben.

Willi lässt sich treiben

Vor allem habe ich das schöne Wetter der letzten Wochen genossen. Ja, ich bin schuld, dass der Sommer bereits im April und Mai über uns gekommen ist. Als hätte ich es geahnt, habe ich die Auszeit genau zu der Zeit genommen, als das Wetter meinte, auf Sommermodus umschalten zu müssen. Eigentlich dauert meine Auszeit wohl noch einige Wochen. Und so ganz verstehe ich nicht, dass es jetzt zum baldigen Sommeranfang eher herbstlich daher kommt. Aber es wird schon noch (wieder) werden, sicherlich …

Warum denn jetzt aber diese Kehrtwende und zurück ‚ins Netz‘? Warum ist die Banane krumm? Ach, ich weiß es wohl selbst nicht genau. Sollte mir etwas gefehlt haben?

Wie auch immer: Ave! Seid gegrüßt! Ich bin wieder da!

Wenn die Kleinen die Großen ärgern

Wer ins Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft kommen will, muss zunächst sechs Spiele (davon drei vielleicht sogar mit Verlängerung) beschreiten, um dann im siebten Spiel nach der Krone (in diesem Fall nach dem Pokal) zu greifen. Das ist ein langer Weg – nach einer sowieso schon langen Saison. Also wird eine Mannschaft nicht schon gleich im ersten Spiel alle Energie hineinstecken wollen, um die nötigen Punkte einzuheimsen. So z.B. Brasilien gestern bei der WM in Russland gegen die Schweiz. Nachdem die Südamerikaner 1:0 führten und das Spiel (scheinbar) im Griff hatten, schalteten sie einen Gang zurück, zumal die Schweizer im Angriff eher harmlos wirkten. Eine Standardsituation änderte dann aber wieder alles: Nach einer Ecke glichen die Eidgenossen aus. Und so blieb es bis zum Spielende: 1:1.

    (c) FIFA

Ja, wenn die Kleinen die Großen ärgern. Schon zuvor taten sie die vermeidlichen Favoriten schwer: Uruguay schaffte gerade noch ein 1:0 gegen Ägypten, Frankreich erkrebste sich ein 2:1 gegen Australien. Argentinien kam ebenfalls nicht über ein 1:1 gegen Island hinaus. Und das deutsche Team verlor sogar gestern gegen Mexiko.

Das Unternehmen Titelverteidigung der deutschen Mannschaft ist so gehörig ins Stocken geraten. Jetzt müssen Punkte her gegen Schweden und Südkorea (aber die müssten sowieso geholt werden). Sollte den Deutschen das gleiche Schicksal ereilen wie vor vier Jahren, als der damals amtierende Weltmeister Spanien bereits in der Vorrunde ausschied?

Der Bessere soll gewinnen – und das war gestern Mexiko gegen eine desolat agierende Mannschaft aus Deutschland. Schon in den letzten Vorbereitungsspielen zeigte ‚die Mannschaft‘, wie weit sie vom angepeilten Weg entfernt ist. So wird das nichts.

Da freue ich mich für die Isländer. Selten hatte ich so feuchte Hände wie bei diesem Spiel gegen den immerhin noch amtierenden Vizeweltmeister Argentinien. Die erste Halbzeit mit dem 1:1 ging dann auch voll und ganz in Ordnung. Nur in der 2. Halbzeit, als Island sich nur noch als Bollwerk gegen die Südamerikaner stemmte (und nach dem verschossenen Elfer durch Messi auch noch das dazugehörge Glück hatte), hätte ich mehr Entlastungsangriffe erwartet. Aber am Ende reichte es dann ja doch: HUH!

Mich interessiert das Abschneiden Islands mehr als das der Deutschen. Island, das ja bereits bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren für Furore sorgte (Unentschieden gegen Portugal, Siege gegen Österreich und England), sind die klaren Außenseiter. Die Mannschaft definiert sich über eine starke Abwehr und durch das geschickte Ausnutzen von Standards (die Einwürfe sind jetzt schon berüchtigt). Wie sagt Alfred Finnbogason, Spieler des FC Augsburg und Schütze des isländigen Treffers: „Wir sind leicht zu analysieren, aber schwer zu schlagen!“.

Wenn die deutsche Mannschaft in den kommenden Spielen wieder zu ihrer alten Klasse zurückfindet, dann werde ich mich natürlich freuen. Mehr noch werde ich aber jubeln, wenn Island das Achtelfinale erreichen sollte (und dann vieleicht noch etwas mehr).

Ich gestehe aber auch schon: Nach bisher 11 von insgesamt 64 Spielen bei der WM 2018 ist bei mir schon ein gewisser Sättigungsgrad erreicht. Spiele wie Marokko – Iran schaue ich erst gar nicht (höchstens noch in der Zusammenfassung). Es sind einfach zu viele Teams dabei. Bedenkt man, dass bei der WM in acht Jahren bereits 48 Nationalmannschaften an der Endrunde teilnehmen sollen (16 Gruppen a drei Mannschaften), dann ist das Maß längst überschritten. Und dann kommt noch vom europäischen Fußballverband ab diesem Jahr die UEFA Nations League hinzu. Da dürfen sich die Fußballfans über noch mehr ‚Gegurke‘ freuen!

Das Tippen von Spielergebnissen erspare ich mir dieses Jahr. Natürlich wollt Ihr wissen, wer für mich der Favorit auf den WM-Titel ist. Irgendwie dachte ich an Frankreich. Nach dem bisher besten Spiel Portugal – Spanien (Endergebnis 3:3) meine ich, das Spanien wieder zum engeren Favoritenkreis gezählt werden muss.

Jetzt sollte nichts mehr schief gehen …

Schon aufgefallen? Werder Bremen ist wieder die Nummer eins im Norden! Durch den 3:1-Sieg in Augsburg ist das Team von Trainer Florian Kohfeldt auf Platz zwölf der Bundesliga-Tabelle geklettert – und hat nach dem HSV und dem VfL Wolfsburg nun auch Hannover 96 hinter sich gelassen. Jetzt sollte eigentlich nichts mehr schief gehen, was den Klassenerhalt betrifft.

Schon gleich zu Anfang zeigte sich Werder als das deutlich dominantere Team, dann am Ende konterstark. Ohne Überraschungen in der Startelf geht es Florian Kohfeldt offenbar nicht: Kapitän Zlatko Junuzovic rutschte trotz seiner beiden Vorlagen beim 3:1-Sieg gegen Köln schon wieder aus der Startelf. Ein ähnliches Schicksal ereilte Milot Rashica, der am Montag sein erstes Tor für Werder erzielt hatte. Für sie durften Philipp Bargfrede (nach überstandenen Magen-Darm-Problemen) und Ishak Belfodil von Beginn an ran. In der Abwehr ersetzte erwartungsgemäß Sebastian Langkamp den verletzten Milos Veljkovic.

Und die Entscheidung für Ishak Belfodil wurde belohnt. Nicht nur, dass der Algerier in Bremens Diensten zwei Tore schoß, er gab auch die Vorlage zum 3. Werder-Tor durch Max Kruse.

Die Hereinnahme des Angreifers in die Startelf war aber nicht Kohfeldts einzige Maßnahme, die voll griff. Dazu zählte auch die Manndeckung von Michael Gregoritsch. Philipp Bargfrede kümmerte sich um den Torjäger der Augsburger und machte bei Ballbesitz der Gastgeber aus der Bremer Vierer- eine Fünferkette. Damit kamen Gregoritsch und Co. überhaupt nicht zurecht, ihnen gelang fast nichts.


Fußball-Bundesliga 2017/2018 (27. Spieltag): FC Augsburg – Werder Bremen 1:3

Obwohl Werder mit zehn Punkten aus den letzten vier Spielen einen enormen Zwischenspurt hingelegt hat, obwohl der Vorsprung auf den Relegationsplatz mittlerweile acht Zähler beträgt und obwohl die Mannschaft in Augsburg eine erste Halbzeit hingelegt hatte, die mit das Beste war, was Werder in den letzten Jahren gezeigt hat, besteht die maximale Zuversicht aus Sätzen wie diesem: „Wir haben einen wichtigen Schritt gemacht – mehr nicht.“ Florian Kohfeldt bringt es auf den Punkt: „Wir sind noch lange nicht durch. Jetzt können wir erstmal durchatmen. Aber dann werde ich die Jungs auch wieder daran erinnern.“

Und der HSV? Der Bundesliga-Dino taumelt unaufhaltsam der 2. Liga entgegen. Nach der 1:2-Niederlage zu Hause gegen Hertha BSC übernahmen die Hamburger das Schlusslicht vom 1. FC Köln. Einigen der HSV-Fans schmeckt das natürlich überhaupt nicht: Nach Droh-Plakaten und Grabkreuzen auf dem Trainingsplatz folgte mit dem Spiel gegen Berlin die nächste Krawall-Stufe. Diesmal blieb es nicht bei Drohungen. Die Chaoten wollten direkt auf die Spieler los, versuchten die Kabine zu stürmen. Es gab neun Verletzte.

Wenn’s mal wieder etwas länger dauert …

Wer kennt es nicht, das Warten in langen Schlangen vor irgendwelchen Schaltern oder Kassen – oder beim Arzt – in Händen eine Zeitschrift älteren Datums, die einen eigentlich nicht interessiert – nur um die Zeit tot zu schlagen.

    Ladesymbol (Loading spinner)

Wir verbraten viel Zeit mit Arbeit, die uns immerhin die Brötchen sichert, für deren Verzehr wir wiederum viel Zeit investieren. Und um uns zu erholen, legen wir uns nieder zum Schlaf, der grob gerechnet rund ein Drittel unserer Lebenszeit auffrisst. Da sind wir dann doch schon ziemlich genervt, wenn uns auf andere Art und Weise Zeit gestohlen wird – durch – wie wir meinen – unnötiges Warten!

Gewissermaßen vor Augen haben wir diese sssssiiissss – sssssiiissssiit sich drehenden Ladesymbole, kleine GIF-Animationen, die uns verdeutlichen sollen, dass das Erwartete bald, sehr bald auf der Bildfläche erscheinen wird (oder auch nicht).

Natürlich ist es Spielerei, wenn ich auch hier, bevor die gewünschte Seite meines Blogs aufgerufen wird, den Besucher mit einem solchen Ladebildchen (auch neudeutsch Loading Spinner oder Preloader genannt) beglücke. Angeblich soll das professionell aussehen oder cool. Wie auch immer.

    Ladesymbol (Loading spinner)

Um sich solche animierten Bildchen zu erstellen, gibt es eine kleine Hilfe bei ajaxload. Mit dem Animation Shop kann dann noch ein Feinschliff vorgenommen werden (wenn gewünscht – z.B. kann hier die Anzahl der Wiederholung oder die Wiedergabezeit in 1/100 Sek. pro Bild geändert werden soll).

Ja, ich weiß, solche GIF-Animationen sind eigentlich der Schnee von gestern. Mit einer Palettengröße von maximal 256 Farben lassen sich komplexere Bilder nur unzureichend darstellen (es sei denn, man wünscht die erzielten ‚Verfremdungen‘). Trotzdem mag ich nicht endgültig auf das GIF-Format verzichten (und mit dem Animation Shop lassen sich Bildsequenzen auch in einem Videoformat abspeichern).

Aber die komme vom Thema ab (wie so oft). Nun denn, wenn es tatsächlich einmal doch viel länger dauern sollte als gedacht, dann kann es schon passieren, dass mein sonst so ‚grüner‘ Kopf rot anläuft – wie der neue Header (das Bild ganz oben) verdeutlicht (auch ein GIF):

Header-Bild als GIF-Animation

P.S. Professioneller Look hin, cooler Look her: Ich habe den Baustein, der beim Start meines Blogs das Ladesymbol generiert, wieder entfernt: Es dudelt solange, bis die Seite im Hintergrund endgültig geladen ist (und das kann dauern) …

Film der Woche: Tatort (1051) aus Bremen: Im toten Winkel (2018)

Als der Rentner Horst Claasen seine demenzkranke Frau tötet, sehen sich die Bremer Ermittler Inga Lürsen und Stedefreund mit einem gesellschaftlichen Tabuthema konfrontiert. Hat sich Horst Claasen die häusliche Pflege tatsächlich nicht leisten können?

Der Gutachter Carsten Kühne führt die Ermittler Schicht um Schicht in den Alltag von Pflegenden ein, die sich aufopferungsvoll um ihre Angehörigen kümmern. Die Kommissare geraten in einen toten Winkel des deutschen Pflegesystems, ihnen stockt angesichts der Ungerechtigkeit und der persönlichen Schicksale der Atem.

Der „Tatort – Im toten Winkel“ (RB / X Filme) setzt weniger auf die üblichen Spannungs-Elemente eines Krimis, er porträtiert eher nüchtern, fast dokumentarisch Menschen, die bei der häuslichen Pflege von Angehörigen an ihre psychischen, physischen und ökonomischen Grenzen stoßen. Katrin Bühlig hat das Buch geschrieben, Philip Koch führte Regie – ohne stilistische Überhöhungen, ruhig und genau, ist stets nah an den Figuren und den Situationen, die einen „aufregen“ können und die niemanden kalt lassen werden . Ein ungewöhnlicher „Tatort“ aus Bremen, mehr Drama als Krimi. Ein Film zwischen Wut & Hilflosigkeit. (Quelle: tittelbach.tv)

    Film der Woche: willizblog.de guckt TV

Wer wie ich so langsam in die Jahre kommt – der Renteneintritt ist nicht mehr so lange hin -, dem wird dieser Tatort sicherlich zu denken geben. Aber im Grunde kann jeder zum Pflegefall werden, vor schweren Unfällen ist niemand gefeit, eine ernste Erkrankung kann jeden treffen. Was ist also, wenn ich zum Pflegefall werde?

In diesem Tatort geht es in erster Linie um die häusliche Pflege, also wenn Angehörige die Pflege übernehmen oder Pflegedienste ins Haus kommen. Der Film zeigt in manchmal krassen Bildern auf, welcher Belastung die pflegenden Angehörigen ausgesetzt sind. Und auf der anderen Seite: Mit welchen Mitteln einige Pflegedienste arbeiten, denen der materielle Gewinn vor dem Wohlergeben seiner Klientel geht. Gerade im Alter haben viele Menschen zum Leben zu wenig – und das auch zum Sterben.

Ich war erst skeptisch, als ich las, um was es in diesem Tatort geht. Aber den Bremern ist ein eindrucksvoller Film gelungen, der dem Thema voll und ganz gerecht wird und sicherlich zum Nachdenken anregt.


Film der Woche: Tatort (1051) aus Bremen: Im toten Winkel (2018) – Link auf Webseite – direkter Link auf das Video (Download) – Video verfügbar bis 10.04.2018

(Wiederholter) technischer Hinweis: Ich getraue und bediene mich der Mediatheken Öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten (zusammen mit dem direkten Link auf den Film zum Herunterladen). Zudem bediene ich mich eines Videoplayers, der das Plugin Adobe Flash benötigt. Solltet Ihr damit Probleme haben, so findet Ihr hier auch immer den direkten Link auf die Webseite mit dem Video der entsprechenden Sendeanstalt.

Mit Pauken und Trompeten (und Geigen) – Teil 1

Vor einiger Zeit habe ich mich an dieser Stelle über E- bzw. U-Musik, also der ernsten und der Unterhaltungsmusik geäußert (Ernst und/oder unterhaltend (Musik)). Obwohl ich eher zur Unterhaltungsmusik (Rockmusik, Jazz, auch anspruchsvollen Pop) tendiere, so habe ich schon früh begonnen, auch die ‚ernste‘ Seite der Musik zu erforschen. Musik muss für mich einen gewissen ‚Nährwert‘ haben. Allzu simples Gedudel ist nichts für meine Ohren. Was heute so auf dem Musikmarkt zu finden ist, weckt selten meine Begeisterung. Ich bin, wenn ich es sagen darf, auf der Suche nach ‚neuen Klängen‘.

Und manchmal lassen sich solche Klänge in der E-Musik, der klassischen Musik, wie wir sie meist nennen, finden. Ich will hier nicht zu weit ausholen. Vielleicht noch kurz etwas zu den Schnittstellen zwischen E- und U-Musik. Da ist z.B. Frank Zappa und sein Werk The Yellow Shark, das 1992 in der Alten Oper zu Frankfurt/Main aufgeführt wurde. Und wer Emerson, Lake & Palmer kennt, der kennt auch deren Interpretation von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, eigentlich ein Werk für Klavier, das Maurice Ravel kongenial in eine Orchesterfassung übertragen hat. Das klingt vielleicht manchmal etwas zu pompös, ist aber ein Stück Musik, das sich trotz seiner eher melodiösen Einfachheit angenehm vom musikalischen Schrott unserer Tage abhebt.

Etwas weniger bombastisch ist da Camille Saint-Saëns‘ Karneval der Tiere, als Einstieg in die Welt der E-Musik aber sehr gut geeignet. Und auch für Kinder geeignet ist Peter und der Wolf von Sergei Prokofjew (auf die Russen komme ich im 2. Teil noch zu sprechen), ein musikalisches Märchen, das von Jack Lancaster and Robin Lumley adaptiert und mit vielen namhaften Musikern der Rockmusik eingespielt wurde.

Eine Schnittstelle zwischen E- und U-Musik bildet sicherlich auch meine Lieblingsband Jethro Tull mit Ian Anderson, der sich nicht nur bei Bach bediente, sondern auch immer wieder auf andere Komponisten der klassischen Musik (siehe meinen Beitrag Heavy Humoresque?) zurückgriff. Apropos Heavy Humoresque bzw. Heavy Horses; zz. gibt es die vor 40 Jahren (1978) erschienene Scheibe als Remix und in 5.1-Ton mit zusätzlichem Material, das mir bisher unbekannt war: Heavy Horses (New Shoes Edition)


Antonín Dvořák: Humoreske – op. 101.7 in Ges-Dur für Klavier versus Jethro Tull: Heavy Horses (1978)

Aber weiter mit der E-Musik: Natürlich habe ich mich besonders um die alten Meister bemüht, z.B. Händels Feuerwerksmusik, natürlich im Freien beim Château de Chambord in Frankreich aufgeführt – mit anschließendem Feuerwerk. Von Johann Sebastian Bach habe ich seine h-Moll-Messe gehört (und gesehen). Natürlich in einer Kirche vorgetragen. Von Ludwig van Beethoven habe ich die Symphonien Nr. 3 in Es-Dur (Eroica) und Nr. 5 in c-Moll (Schicksalssymphonie), natürlich von den Berliner Philharmoniker (Dirigent: Herbert von Karajan) vorgetragen, via Tablet gesehen und gehört.

Für mich bedeutet der Feierabend ‚doppelten‘ Genuss. Zum einen freue ich mich natürlich, nach getaner Arbeit nach Hause zu kommen. Zum anderen nutze und genieße ich die Zeit im Zug, per Tablet die zuvor aus dem Netz heruntergeladenen Musikvideos zu sehen und zu hören. Gerade auch der optische Eindruck ist für mich sehr wichtig.

Zurück zu den alten Meistern, da darf das Wolferl natürlich nicht fehlen. Mozart ist schlechthin der Inbegriff des genialen Komponisten. Natürlich war er ein Kind seiner Zeit und wenn mich etwas interessieren würde, dann was wäre, wenn er heute lebte. Ja, was habe ich im Laufe des letzten Jahres alles von Mozart gehört (und natürlich gesehen): 25. Klavierkonzert C-Dur KV 503 – seine letzten drei Symphonien Es-Dur (KV 543)g-Moll (KV 550)C-Dur (KV 551)die Krönungsmesse und Mozarts letzte Komposition, das Requiem.

Hierzu muss ich natürlich gleich erwähnen, dass mich in erster Linie Instrumentalwerke interessieren. Mit dem Gesang, besonders was Opern anbelangt, tue ich mich etwas schwer. Arien sind nicht so mein Ding (mein Vater sprach da gern von der ‚Arie des rollenden Furzes auf der Gardinenstange‘ oder von der ‚Arie von der wilden Sau‘ 😉 ). Ich mag auf jeden Fall Chorgesang (vor vielen Jahren war ich in der St Paul’s Cathedral zu London und lauschte dort einem Knabenchor – bei der dortigen Akustik ein atemraubendes Hörerlebnis). Mozarts Zauberflöte habe ich noch auf einer externen Festplatte gespeichert. Diese ‚Singspiel‘ wollte ich mir eigentlich schon immer angucken.

Graham Jones of the Liverpool Phil has cracked Mahler's Sixth © Jon Super

Etwas moderner sind da die Sinfonien von Gustav Mahler. Gehört-gesehen habe ich seine 3. Sinfonie in d-Moll, seine 4. Sinfonie in G-Dur und seine 7. Sinfonie in e-Moll. Letztere ist auch als Lied der Nacht benannt. Verwundert kann hier der Auftritt von Gitarre und Mandoline gehört und betrachtet werden. Nicht umsonst trägt der 4. Satz dieser Sinfonie die Tempobezeichnung Andante amoroso und könnte uns gut und gern auf eine Gondel nach Venedig entführen. Allerdings mit Wiener Schmäh angereichert. Ich konnte den Wiener Kongress tanzen hören. Dafür krachte es dann ordentlich im letzten Satz: Gustav Mahler hatte wohl eine Vorliebe für Pauken und Trompeten (neben Geigen). Geradezu berüchtigt ist seine 6. Sinfonie, in der auch der nach ihm benannte Mahler-Hammer zum Einsatz kommt.

Woher stammen meine musikalischen Eindrücke? Da ich nicht der große Konzertgänger (mehr) bin, so gewinne ich aus TV und Netz (bzw. aus der Kombination beider) die klanglichen Ergüsse. Wer kennt nicht arte oder 3SAT, die Sender für Kultur – oder auch ARD-alpha, den Bildungskanal. Hier ist jede Menge Musik (meist in Konzertform) zu finden – nicht nur aus dem Bereich der Klassik, sondern natürlich auch viel Zeitgenössisches aus aller Herren/Damen Länder. Wer sich (wie ich) auf die Suche nach ‚neuen Klängen‘ macht, könnte hier fündig werden.

Für heute soll es erst einmal genug sein.

Ach Hartmut, lass ab von mir

Ein Gedicht entsteht hier nicht, auch wenn die Sonne lyrisch vom Himmel scheint. Sie reimt sich nur auf Kälte, nein, Eiseskälte, frostige Winde, die aus dem Osten zu uns hinüberströmen. Das Hoch Hartmut hat uns nun schon seit gut einer Woche in seinen Klauen. Und ich habe den Eindruck, als wollte es nicht weichen. Mindestens bis zum Sonntag soll es weiterhin auch tagsüber klirrend kalt bleiben.

Hoch Hartmut bringt Eiseskälte aus Sibirien

Aber dann … Ab Montag soll es hier im Norden wieder wärmer werden, nicht gerade frühlingshaft, aber immerhin. Bis dahin muss ich immer auch noch mit Schal, Mütze und Handschuhen ins Freie, um mir keine Frostbeulen zu holen. Die Hände leiden bereits am leichten Gefrierbrand. Die Gedanken drohen einzufrieren.

Ach Hartmut, lass ab von mir. Trügerisch hast du die Sonne im Gepäck, die aber gegen deine lausig bittere Kälte kein Mittel ist. Wer sich draußen nicht in Wallung bringt, erliegt womöglich einer winterlichen Lethargie.

Zieht Euch also warm an. Ich wünsche noch ein schönes Wochenende.

Alexandra Reinwarth: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

Also ehrlich: So ein Ratgeber geht mir eigentlich am Arsch vorbei. Wird einem ein solcher Ratgeber geschenkt (z.B. mir zu Weihnachten), dann wird natürlich ein Blick hineingeworfen – und am Ende auch gelesen. Okay, natürlich trifft das Buch einen Nerv. Wir sind alle zu sehr bemüht, es allen und jedem recht zu machen. Wir opfern unsere Zeit für Dinge, die uns eigentlich in keiner Weise tangieren.

Ich spreche von Alexandra Reinwarth und ihrem Buch Am Arsch vorbei geht auch ein Weg: Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich endlich locker machst. Inzwischen ist es längst ein Bestseller, sodass die Autorin uns mit weiteren Büchern zu diesem Thema zu beglücken meinte (die ich mir allerdings am Arsch vorbei gehen lasse).

„Es gibt Momente im Leben, in denen einem klar wird, dass man etwas ändern muss. Der Moment, als Alexandra Reinwarth ihre nervige Freundin Kathrin mit einem herzlichen ‚Fick dich‘ zum Teufel schickte, war so einer. Das Leben war schöner ohne sie … und wie viel schöner könnte es erst sein, wenn man generell damit aufhörte, Dinge zu tun, die man nicht will, mit Leuten, die man nicht mag, um zu bekommen, was man nicht braucht!“ (aus dem Kladdentext)

Alexandra Reinwarth: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg
Alexandra Reinwarth: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

„Bikinifigur? Am Arsch vorbei! Ein besserer Mensch werden? Am Arsch vorbei! Afterwork-Dates mit langweiligen Kollegen oder beknackte Whats-App-Gruppen, die einem nur Zeit stehlen? Am Arsch vorbei! Alexandra Reinwarth mistet gründlich aus. Das Leben kann schließlich ruhig mehr Freiheit, Muße, Eigenbestimmung und Schokolade vertragen.“

Es sind oft die kleinen Dinge, die uns die Zeit rauben. „Die Autorin probiert diverse Dinge und stößt auch an Grenzen, diese zum Beispiel: Das Kind ungeschminkt in die Kita zu bringen, ist okay. Sich im Schlabberlook an den Schreibtisch in der Werbeagentur zu setzen, nicht. Das beklemmt mehr als es befreit.“ (Quelle: mittelbayerische.de)

Auch ohne dieses Buch habe ich erkannt, dass ich nicht auf jeder Hochzeit tanzen muss, dass ich nicht jeden Kram brauche, dass manchmal weniger mehr ist. Ich muss mich nicht mit Leuten abgeben, die mir auf den Geist gehen. Es sind oft nur kleine Entscheidungen, die einen großen Effekt auf die Lebensqualität haben können. So vieles darf uns am Arsch vorbeigehen. Eine Einsicht, die wir klar vor Augen haben, aber viel zu oft nicht zu ihrem Recht kommen lassen. Insoweit ist das Buch ein erneuter Anstoß zu überdenken, was wir fallenlassen können, ohne in Gewissensnöte zu geraten. Ja, am Arsch vorbei geht ein Weg.