Der letzte Mohikaner

Ja, wahrscheinlich bin ich zu dusselig, um mich impfen zu lassen. Seit dem 26. April sind auch Übersechzigjährige ‚priorisiert‘. Ich mit meinen schlappen 67 Lenzen auf dem Buckel sollte also dazu gehören. Dann wurde das Ganze um zwei Wochen verschoben. Immerhin konnten ab diesem Termin dann auch Hausärzte impfen, soweit Impfstoff überhaupt vorhanden war. Von offizieller Seite wurde darauf hingewiesen, dass sich die Impfwilligen möglichst nicht bei ihrem Hausarzt telefonisch melden sollten, um eine Überlastung zu vermeiden. Die Ärzte würden sich schon melden … Ich Trottel habe also meinen Hausarzt nicht konsultiert, um dann bald hören zu müssen, dass der bereits eine viele Seiten umfängliche Warteliste hatte.

Meine Frau wurde bei ihrer Frauenärztin geimpft (inzwischen auch schon zum 2. Mal). Diese bot ihr an, auch mich, ihren Ehegatten, zu impfen. Inzwischen etwas schlauer geworden, meldete ich mich dann auch online beim Impfzentrum bei uns in der Nähe, in Buchholz an. Das Ist jetzt alles bereits über fünf Wochen her, denn der Landesregierung hier in Niedersachsen fiel ein, die Erstimpfungen erst einmal auf Eis zu legen und die Zweitimpfungen vorzuziehen. Ist ja auch okay so.

Aber jetzt wurde die Priorisierung in ‚meinem‘ Bundesland aufgehoben. Die Hausärzte werden sich freuen: Die Telefonleitungen dürften ‚glühen‘. Und ich bin weiterhin in zwei Warteschlangen und warte und warte und warte.

Inzwischen hat sich am 25. Mai auch das Impfzentrum in Buchholz erneut gemeldet – mit dem gleichen Wortlaut wie zuvor wurde mir mitgeteilt, dass ich auf der Warteliste stände und mich noch gedulden darf.

Warten aufs Impfen ...
Warten aufs Impfen …

Zur Info: Meine Frau, der jüngste meiner zwei Söhne und die Freundin meines ältesten Sohnes sind inzwischen zum 2. Mal geimpft. Der ältere Sohn und die Freundin des jüngeren Sohnes sind immerhin schon zum 1. Mal geimpft. Ich bin also der letzte der Mohikaner!

Mir ist es eigentlich egal. Und ich habe nichts dagegen, wenn Jüngere als ich, geimpft werden. Ich denke vor allem an die Jugend, die Schülerinnen und Schüler – und auch an die Studentinnen und Studenten. Aber warum das ganze Gezetere um Prioritäten, wenn sich doch keine Sau daran hält. Und auch ich möchte gern in Urlaub … (Schnelltests hin und Schnelltests her …)!

Ganz im Zeichen einer FPP2-Maske (Grün ist die Hoffnung!)
Ganz im Zeichen einer FPP2-Maske (Grün ist die Hoffnung!)

Und wenn ich dann höre und sehe, wie der Bundesgesundheitsminister unsere Steuergelder für unbrauchbare Masken verbrät – und das in Milliardenhöhe, dann bekomme ich einen dicken Hals (nicht vom Coronavirus).

Bleibt gesund! Auch mein Tag wird kommen … 😉

Willi backt Brot

Früher einmal, da habe ich öfter unser Brot selbst gebacken. Allzu viel Aufwand ist es nicht, rechne ich Vorbereitung und später den Abwasch nicht. Allerdings ist Selberbacken nicht unbedingt billiger.

Nun, meine Frau meint, ich hätte als Rentner nicht viel zu tun (dabei komme ich zu dem, was ich auf meinem Zettel habe, fast gar nicht …) und könnte – eben wie früher – auch einmal wieder unser Brot selbst backen.

Ich habe mich nun tatsächlich aufgerafft, und erst einmal Brötchen, dann auch meine ersten Brote nach langer Zeit gebacken. Der eigentlich Anreiz für mich war der folgende – Punkt 1: In der Vorosterzeit 1982, also vor fast 40 Jahren, war ich mit einem Kumpel nach Prag gereist und hatte u.a. einen Halt in Pilsen eingelegt (Zlatá Praha (2): Hinfahrt nach Prag 1982). Dabei aßen wir in einer Art Imbiss (damals war Prag noch die Hauptstadt der ČSSR, der Tschechoslowakische Sozialistische Republik) jeder einen halben Flattermann (Hähnchen) und bekamen dazu Brot. Und was für ein Brot! Es schmeckte herrlich nach Kümmel und anderen Gewürzen. – Punkt 2: Da gibt es aus Südtirol diese Vinschgauer Paarl, Vinschgauer oder Vinschger genannten Brötchen im Doppelpack. Auch diese zeichnen sich durch eine spezielle Würze aus. – In beiden Fällen handelte es sich um Brote mit hohen Roggenanteil.

Nun ich bin ein absoluter Fan von Roggenbrot (und daneben natürlich von Gerstenkaltschalen). Bei uns in Norddeutschland kennen wir das Gersterbrot, was nichts mit Gerste zu tun hat. Der Wortbestandteil „Gerster“ wird auf das Verb gerstern, gersteln bzw. gesseln zurückgeführt, das sich auf das Herstellen einer ausgeprägten Brotrinde im Ofenfeuer bezieht. Das ist zwar auch sehr lecker, Aber es fehlen mir die Gewürze.

Und so habe ich mich tatsächlich aufgemacht, um ein kräftiges Roggenbrot ganz nach meinem Geschmack zu backen. Ich habe dabei natürlich etwas experimentiert. Und das Experiment ist geglückt.

Willi backt Brot – zwei Roggen-Dinkelbrote im Ofen
Willi backt Brot – zwei Roggen-Dinkelbrote im Ofen

Hier das von mir modifizierte Rezept für zwei Roggenbrot mit Dinkelanteil samt Sauerteig:

250 g Dinkelmehl
250 g Roggenschrot
450 g Roggenmehl (z.B. Type 1150)
150 g flüssiger Natursauerteig (im Supermarkt bzw. Bioladen erhältlich)
1 EL Zucker
1-2 EL Salz
1 Würfel frische Hefe (42 g) – Trockenhefe aufgelöst in etwas warmen Wasser mit dem Zucker geht natürlich auch
725 ml Wasser, lauwarm (bzw. anteilig 330-500 ml Bier)
und natürlich feingemahlene Gewürze je 1 TL Kümmel, Fenchel, Koriander, Bockshornklee, Anis



Für die Roggendinkelbrote alle Zutaten mit der Knetmaschine oder dem Handmixer zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig abgedeckt an einem warmen Ort ca. 20 Minuten ruhen lassen (Ich mach das im Backofen, den ich zuvor auf 50 ° C erwärmt habe). Nach der Ruhezeit den Teig in zwei gleichgroße Stücke teilen.

Die Teigstücke rundwirken, in Roggenmehl wälzen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Nochmals abgedeckt an einem warmen Ort ca. 40 Minuten gehen lassen.

Wichtig: Den Ofen ca. 10 Minuten vorwärmen. Dabei ein feuerfestes Gefäß mit etwa ½ l Wasser auf den Boden des Ofens stellen.

Auf unterer Schiene dann bei 200 ° C (Umluft) backen. Durch das Wasser dampft es ordentlich im Ofen. Das sorgt aber für eine gute, krosse Kruste.

Nach 10 Minuten Backzeit die Hitze auf 180° C herunternehmen, dabei einmal kurz die Ofentür öffnen, um den Dampf abzulassen. Weitere 40 Minuten backen. Den Ofen danach während des weiteren Backens NICHT mehr öffnen. Das ist ganz witzig!

Nach dem Backen die Brote auf einem Gitter oder Holzbrett auskühlen lassen. Diese sollten sich beim Klopfen auf die Unterseite hohl anhören. In der Ruhezeit nach dem Backen festigt sich die Kruste und wird stabil.
Guten Appetit!

Hier das Ergebnis: Ein gehaltvolles, wundervoll geschmackvolles Brot mit einer knackig-krossen Kruste:

Willi backt Brot – zwei Roggen-Dinkelbrote kühlen aus
Willi backt Brot – zwei Roggen-Dinkelbrote kühlen aus

Erdbeerblüte und Erdbeerernte 2021

Anders als im letzten Jahr (Erste Erdbeeren) sind die Erdbeeren auf dem freien Felde noch nicht ganz soweit. Sie stehen zwar in voller Blüte und erste Früchtchen sind auch zu sehen (wenn auch noch blassgrün statt sattrot).Das Wetter war bekanntlich noch nicht ganz so toll.

Erdbeerblüte Anfang Juni 2021 in Tostedt/Niedersachsen
Erdbeerblüte Anfang Juni 2021 in Tostedt/Niedersachsen

Aber bei uns in Tostedt ist vorgesorgt. Es gibt jede Menge Gewächshäuser, in denen die Erdbeeren reifen, um Ende Mai/Anfang Juni auf den Markt zu kommen.

Gewächshäuser mit Erdbeerpflanzen in Tostedt 2021
Gewächshäuser mit Erdbeerpflanzen in Tostedt 2021

Und es sind fleißige Pflückerinnen und Pflücker, die für uns die Erdbeeren ernten, damit diese schnellstmöglich zum Verkauf und damit bei uns auf den Tisch kommen.

Erdbeerernte in den Gewächshäusern in Tostedt 2021
Erdbeerernte in den Gewächshäusern in Tostedt 2021

Ich war wieder mit dem Rad unterwegs und habe mich über den Stand der Erdbeerernte in unserem Örtchen schlau gemacht. Auf dem Lande gibt es immer etwas zu sehen. Und per Rad bin ich immer schnell an Ort und Stelle 😉




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Passt scho: die Landkrimis aus Österreich

Wir Norddeutsche haben zu den Bayern und Österreichern ein zwiespältiges Verhältnis. Wir betrachten unsere südlicher wohnenden Mitmenschen gern mit leichter Ironie. Natürlich wird das gern heimgezahlt: Für die Bayern sind wir die Preißn oder gar Saupreißn. Und der Deutsche insgesamt ist bei den Österreichern der Piefke, was durchaus mit ‚arroganter Fatzke‘ übersetzt werden kann (z.B. auch weil manche Norddeutschen meinen, die dortigen Dialekte parodieren zu müssen).

Natürlich stört mich auch die Rechtslastigkeit der Wähler, aber das ist für mich ein anderes Thema. Ich finde Bayern und Österreich nämlich schön, die Menschen (meist) nett und Landschaft wie Städte sehenswert. Was bestimmt den Ausschlag für diese unsere Abneigung gibt, sind die Mundarten der Bayern bzw. Österreicher. Wir haben da unsere Verständigungsschwierigkeiten.Übrigens werden (bis aufs Fränkische) die Mundarten der beiden Regionen als bairisch-österreichische Dialekte zusammengefasst, die sich aber durchaus voneinander unterscheiden. Ich mag diese Dialekte durchaus, auch wenn ich vieles nicht immer verstehe (einzig dem Sächsische stehe ich etwas ‚ratlos‘ gegenüber).

Einige von Euch wissen es längst: Ich bin ein Krimi-Liebhaber. Mehr im Film als in der Literatur. So gehöre ich auch zu den Leuten, die Sonntagabend für Sonntagabend den Tatort gucken, zu dem auch die Österreicher ihren Beitrag leisten (Eisner und Fellner in Wien). Wesentlicher Bestandteil einer Tatort-Folge ist der lokale Bezug. Seit 2014 gibt es nun im österreichischen Fernsehen ORF eine Reihe, die sich Landkrimi nennt, und auch bei uns im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen war (sowohl in der ARD, im ZDF, auch bei arte und 3SAT).

ORF – Landkrimi (2014 - ...)

ORF – Landkrimi (2014 – …)

Wie gesagt (geschrieben): Die dortigen Mundarten machen uns Norddeutsche zu schaffen. Aber wer das richtige Ohr dafür hat, kann sich nach kurzer Zeit ‚hineinhören‘. Okay: Eine Folge gab es auch schon mal mit Untertiteln (da war es etwas zu arg der Mundart). Ich habe inzwischen mehr als die Hälfte der bisher 20 Folgen gesehen und bin sehr angetan von diesen manchmal mit viel Witz, dann auch mit geradezu archaisch anmutenden Dorfgemeinschaften ausgestatteten Episoden. Das Lokalkolorit kommt nie zu kurz. Und die Besetzung entspricht dem Who is Who der österreichischen Filmlandschaft.Wie der Titel der Serie schon verheißt: Die Krimis spielen in den jeweiligen Landesteilen Österreichs – in den Bundesländern von Vorarlberg bis Kärnten. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die nächste neue Folge des Landkrimis.

Wie sagt der Österreicher (und natürlich auch der Bayer): Passt scho! Also: Alles paletti! Nicht übel! Klar doch! Wird gemacht!




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Give us an ‚A‘

1980 begann nicht nur ein neues Jahrzehnt, sondern auch ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Gruppe Jethro Tull … Es war die Zeit von New Wave (bei uns als ’neue deutsche Welle‘ imitiert) mit oft starkem Gewicht auf elektronische Instrumente. Zusammen mit Martin Barre, Dave Pegg, Eddie Jobson als „Gast“ (Keyboards, E-Geige) und Mark Craney (Drums) spielte Ian Anderson im Sommer 1980 das Album ‚A‘ ein, dass zunächst als Andersons Soloalbum geplant war. Die Plattenfirma bestand jedoch darauf, dass Album als Jethro-Tull-Album zu veröffentlichen, um Umsatzeinbußen zu vermeiden. Im Vergleich zu den drei Vorgängeralben ist der Folkeinfluss auf ‚A‘ vermindert, in den meisten Stücken haben elektronische Instrumente ein starkes Gewicht. Das Album leitete damit eine Phase der Hinwendung zu elektronischer Musik ein, die sich auf den beiden nachfolgenden Tull-Alben und dem ersten Solo-Album Ian Andersons fortsetzte.

Nun, die 1980-er Jahre waren nicht mehr ‚meine‘ Jahre. Mode und Musik waren meist nicht mein ‚Fall‘. Eddie Jobson kannte ich natürlich von Roxy Music her und als Sessionmusiker bei Frank Zappa. Sein Einfluss auf dem ‚A‘-Album ist unverkennbar (nicht nur durch das „zusätzliche musikalische Material“, das er beisteuerte).Natürlich ist das Album noch als von Ian Anderson und seiner Gruppe Jethro Tull erkennbar. Aber der damalige Zeitgeist spiegelt sich doch deutlich in den Aufnahmen wider.

Mancher Tull-Fan war damals entsetzt. Das war nicht mehr die Musik, die er mochte. Ganz so schlimm ging es mir nicht. Es war interessant zu hören (und auch zu sehen), wie sich Anderson zu wandeln verstand. Aus heutiger Sicht kann ich dem Album sogar einiges abgewinnen.

Nun hat sich Steven Wilson auch dieses Album vorgeknöpft und es neu abgemischt. In einem Set mit drei CDs und drei DVDs ist es seit kurzem erhältlich – Jethro Tull: A (a la Mode) (the 40th Anniversary Edition) – mit zusätzlichen Tracks, Konzertaufnahmen im vollen Umfang: November 1980 LA Sports Arena – das ‚Sliptstream‘-Video – alles ‚remixed‘ von Steven Wilson in Stereo und 5.1.-Surroundton – dazu ein Booklet mit 104 Seiten.

Viel Holz fürs Geld. Natürlich habe ich damit meine Sammlung an von Steven Wilson neu abgemischten Alben (mit jeweils viel Bonusmaterial in Ton und Bild) der Gruppe vervollständigt:

Williz Sammlung: Jethro Tull (1969-1980)
Williz Sammlung: Jethro Tull (1969-1980)

Und was gibt es Neues? Ian Anderson arbeitet schon geraume Zeit an einem neuen Album namens ‚The Zealot Gene‘, das dann wieder unter dem Namen Jethro Tull (entgegen früherer Aussagen, ohne Martin Barre den Namen nicht mehr zu verwenden) irgendwann erscheinen soll.

Muntermachergebet

Ich hoffe, es wird nicht als Blasphemie ausgelegt, wenn analog dem Vaterunser dem morgendlichen Muttermacher gehuldigt wird: dem frisch gebrühten Kaffee, der Tass‘ Kaff‘, wie wir hier im hohen Norden auch sagen.

Muntermachergebet
Muntermachergebet

Da wir schon im hohen Norden sind: Da gibt es natürlich einen Landstrich, in dem vor allem der Tee gepriesen wird: Ostfriesland! Nun, ich bin sowohl Kaffee- wie Teetrinker (in diesem Fall ein Und-Typ). Auf der Arbeit hatte ich gern Tee getrunken (ich spreche hier vom schwarzen Tee), da die Muntermachereigenschaft bei Tee langsamer kommt, dafür aber auch länger anhält. Kaffee trinke ich gern am Nachmittag zu Kuchen oder ähnlichem. Mein heutiger Alltag beginnt sowohl mit einem Becher Kaffee als einer Kanne Tee (Kaffee zum Muntermachen, Tee als Tagesgetränk, meist auch grüner Tee).

Ich weiß nicht wie lange, aber es müssen schon 40 Jahre sein, dass meine Frau und ich Kunden bei einem Versand für Tee und Kaffee (und noch vielen anderen Leckereien wie Gebäck, Lebensmittel für den Gourmet, Spirituosen usw.) sind, der vor nun 100 Jahren in Bremen gegründet wurde: Paul Schrader & Co., früher auch kurz Tee-Schrader genannt:



Hier gibt es wirklich Tee, Kaffee und die vielen anderen leckeren Sachen nur vom Feinsten. Ich kann diesen Versandhandel nur wärmstens empfehlen. Wer sich hin und wieder etwas Gutes für Leib und Seele gönnen möchte, ist hier genau richtig.

Versenkt!

Ja, auch Vereinslegende Thomas Schaaf hat nichts genützt: Dank eines Tores der Kölner in der 86. Spielminute sackte der SV Werder noch auf den 17. Tabellenplatz ab und damit auf einen direkten Abstiegsplatz. Immerhin wurde uns damit eine Blamage gegen die Kieler in der Relegation erspart. Drücken wir Holstein Kiel für das Rückspiel gegen Köln morgen die Daumen. Wäre schon ein Ding, wenn die Kieler mit dem bei Werder aussortierten Fin Bartels in der nächsten Saison erstklassig sein sollten, während Werder in den trüben Gewässern der 2. Liga fischen muss.

Hier vom vorerst letzten Spiel der Bremer in der Bundesliga. Wahrlich (k)eine Offenbarung fußballerischen Könnens…:


Fußball-Bundesliaga: SV Werder Bremen – Borussia Mönchengladbach 2:4 (34. Spieltag 2020/2021)

Ja, das Bild mit dem sinkenden Werder-Schiff: Immer wenn dunkle Wolken über der Weser aufzogen, drohte ich mit dem sinkenden Werder-Schiff. Und immer dann schafften es die Bremer in letzter Sekunde, in der Bundesliga zu bleiben (Herr Detektiv Graue, ob mit oder ohne dem Schiff: Ich bin unschuldig an Werders Versenkung in der Bedeutungslosigkeit):

SV Werder Bremen – nach dem 33. Speiltag 2020/2021
SV Werder Bremen – nach dem 33. Speiltag 2020/2021

Diesmal hat es also nichts genützt. Das Werder-Schiff ist untergegangen. Bei den bescheidenen Leistungen an den letzten zehn Spieltage (von 30 möglichen Punkten holten die Bremer gerade einen einzigen) ist das kein Wunder. Aber was soll ich mich da noch weiter auslassen:

SV Werder Bremen – nach dem 34. Speiltag 2020/2021
SV Werder Bremen – nach dem 34. Speiltag 2020/2021

Die Hälfte der Spieler dürfte Bremen verlassen. Und ein neuer Trainer ist (noch) nicht in Sicht. Sportchef Frank Baumann peilt natürlich den direkten Wiederaufstieg an. Aber bei der Konkurrenz in der 2. Liga (der HSV hat es im 3. Anlauf nicht geschafft) dürfte das schwer fallen.

Philipp Köster, Geschäftsführer und Chefredakteur der 11 Freunde (und Bielefeld-Fan – Glückwunsch zum Klassenerhalt) machte sich in seinem Newsletter zum Wochenende folgende Gedanken zum erster Spieltag der Bundesliga:

Wenn demnächst die Spielplaner der DFL zusammensitzen und die Ansetzungen der neuen Saison ausbaldowern, würden wir uns für den Auftakt gerne folgender Kracherpartien wünschen: Arminia Bielefeld – TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen – VfL Wolfsburg, RB Leipzig – Spvg Greuther Fürth, Holstein Kiel – VfL Bochum, FSV Mainz 05 – FC Augsburg und SC Freiburg – Union Berlin. Ach, wenn wir das so lesen, steigt die Vorfreude ins Unermessliche. Zumindest auf den Auftakt der zweiten Liga.

Dem wollen wir doch alle gern beipflichten: Das klingt wirklich nicht nach echten Kracherpartien. In der 2. Liga kicken inzwischen solche Traditionsvereine wie 1. FC Nürnberg, Fortuna Düsseldorf, Karlsruher SC, Hannover 96 , HSV und FC St. Pauli – sowie ehemalige Bundesligisten wie SV Darmstadt 98, SC Paderborn und wahrscheinlich FC Ingolstadt – aus dem Osten Dynamo Dresden und Hansa Rostock als Aufsteiger aus Liga 3. Natürlich Werder Bremen und – als Norddeutscher hoffe ich es (wg. Holstein Kiel) – der 1. FC Köln. Sonst eben: Holstein Kiel. So viele Nordderbys hat es bisher noch nicht gegeben. Da kann man Betriebssportruppen wie TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und RB Leipzig vergessen.



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Nie mehr erste Liga?

Schlimmer hätte es kaum kommen können: Da macht der SV Werder in Augsburg das Spiel – und verliert am Ende mit 0:2. Und ist plötzlich auf dem Relegationsplatz, muss außerdem fürchten, nach dem letzten Bundesliga-Spieltag sogar direkt abzusteigen. Neben Werder Bremen (31 Punkte) streiten sich noch der 1. FC Köln (30 Punkte) und Arminia Bielefeld (32 Punkte) um den rettenden 15. Tabellenplatz.


Fußball-Bundesliga 2020/2021 – 33. Spieltag: FC Augsburg – SV Werder Bremen 2:0

Denn die Bremer müssen gegen Borussia Mönchengladbach ran, die noch um den 7. Platz kämpfen, der zur Qualifikation zur neu geschaffenen Europa Conference League (noch so ein Thema, das vielen den Profifußball vergällt) berechtigt. Ein Spiel um Alles oder Nichts. Die Kölner haben den Schonabsteiger Schalke 04 zu Gast. Bielefeld muss in Stuttgart ran.

Nach der Niederlage in Augsburg musste der Trainer Florian Kohfeldt nun doch seinen Hut nehmen und wird für das Ende der Saison durch die Werder-Legende Thomas Schaaf trainiert.Nichts gegen Schaaf. Aber ob es sinnvoll ist, für diesen einen Spieltag (evtl. könnten noch die Relegationsspiele gegen den Dritten der 2. Liga hinzukommen, woran ich nicht glaube, dann könnte es vielleicht eine Art Nordderby werden: Holstein Kiel hat den direkten Aufstieg nach der 2:3-Niederlage in Karlsruhe noch nicht geschafft, ist aber mindestens 3.) den Trainer zu wechseln, wird sich zeigen. Wenn nicht, dann wird vor allem Geschäftsführer Frank Baumann die ganze Wut abbekommen, über den jahrelangen Niedergang des Klubs, die Fehleinkäufe en gros, den viel zu lange nicht und dann zu spät erfolgten Rauswurf des Trainers. Was sich eben so angestaut hat. Es ist vieles verkehrt gelaufen an der Weser: Rashica, Füllkrug, Selke und Sargent – den Namen nach könnte das ein ‚Sturm‘ sein, der für viele Tore sorgt. Aber nicht erst das Spiel gegen Augsburg offenbarte, dass die vier nur zu einem lauen Lüftchen im Stande sind.

Was kann da jetzt nur noch helfen? Da war das Bild vom sinkenden Werder-Schiff! Immer wenn dunkle Wolken über der Weser aufzogen, drohte ich mit dem sinkenden Werder-Schiff. Und immer dann schafften es die Bremer in letzter Sekunde, in der Bundesliga zu bleiben. Vielleicht hilft es ja auch jetzt wieder:

    Werder Bremen: Rettung in letzter Minute?!
    Werder Bremen: Rettung in letzter Minute?!

Der Sportverein Werder hat sich immer bemüht, einen eigenen Weg zu gehen, weg von der Hektik und Kurzatmigkeit, mit der Profiklubs sonst ihre Geschäfte betreiben. Vom diesem Weg ist Werder inzwischen längst abgekommen: Ich denke da nicht nur an die unglückseligen Partnerschaften mit Wiesenhof und wohninvest. Jetzt versucht der Verein, Geld durch Anleihen zu bekommen. Will man in der 1. Liga überleben, dann kann Werder Bremen nichts anderes sein als ein ganz ’normaler‘ Verein. Vielleicht täte da ein Abstieg in die 2. Liga ganz gut, um wieder zu den ‚Wurzeln‘ zurückzukehren. Aber dann erginge es den Bremern wie dem HSV, der auch im 3. Anlauf den Wiederaufstieg nicht geschafft hat. Endlich wieder ein echtes Nordderby: Werder gegen den HSV?!

Erschreckend in diesem Zusammenhang: Der Stadionsprecher und TV-Moderator Arnd Zeigler ist noch während des Spiels gegen Augsburg digital bedroht, belästigt und beleidigt worden: Er will seine Social-Media-Seite bei Facebook vorerst schließen. »Es ging nur um Fußball«, schrieb der Moderator. Wie bescheuert muss man sein, um seinen Frust auf diese Weise abzulassen.

siehe zuletzt: Der SV Werder Bremen in Corona-Zeiten: Dem Abstieg entgegen ..



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Wie mein Tag beginnt …

Ich habe keine Ahnung, wie viele Doppelzentner Haferflocken ich in meinem Leben bereits verzehrt habe. Schon als Kind habe ich morgens, bevor ich zur Schule ging, meine Haferflocken mit Kakao und Milch gegessen. Später erweiterte sich die Palette der Zutaten.

MyMuesli ist Williz Müesli
MyMuesli ist Williz Müesli

Werktags beginnt bei mir der Tag heute (nach Aufstehen und Duschen) mit einem kräftigen Müsli. Gern auch esse ich die schottische Variante eines Haferbreis, ein gehaltvolles Porridge (schottisch-gälisch: brochan – ich bin nun einmal Schottland-Fan). Dabei bin ich mehr der ‚fruchtige Typ‘, d.h. mein Müsli bzw. Porridge muss viel Frucht enthalten. Am liebsten in Form von Beeren (z.B. Him-, Brom-, Heidel- oder Erdbeeren). Andere mögen es wohl mehr schokoladig.



MyMuesli 2 go – einfach probieren!

Nun ich habe manche Art eines Müslis probiert. Da gibt es die Mutter aller Müslis, das Bircher-Müsli. Aber inzwischen ist das Angebot an Müsli bzw. Porridge dermaßen umfangreich, so dass die Wahl fast zur Qual wird. Natürlich kann man ein Müsli auch selbst erstellen: Haferflocken oder andere Getreideflocken, Früchte der Saison, vielleicht Nüsse und/oder Schokoladenraspel. Versüßen kann man es z.B. mit Honig oder Ahornsirup.


Undank Coronavirus habe ich mir nun u.a. einen Sechserpack MyMuesli 2 go zusenden lassen. Die Auswahl an Müslis und Porridges (aber es gibt noch einiges mehr: Snacks, Bowls, Fruit Shakes und auch Babynahrung) ist wirklich enorm. Und je nach Saison kommen immer neue Variationen hinzu. Auf den ersten Blick sind die Produkte nicht gerade billig. Aber Qualität hat seinen Preis. Und die Zutaten sind vom Feinsten und vielfältig. Man gönnt sich ja sonst nichts!

Ein Tag mit einem gesunden, wohlschmeckenden Müsli am Morgen vertreibt vielleicht nicht Kummer und Sorgen, aber verheißt zumindest einen guten Start! Ich esse mein Müsli übrigens mit Haferdrink statt Kuhmilch. Dazu bereitet ich mir eine Kanne grünen Tee (für den weiteren Morgen) und einen großen Becher Kaffee (zum Wachwerden) zu. Bei unserem Obsthändler auf dem Wochenmarkt kaufe ich Apfelsaft, der mit den verschiedensten anderen Ostsorten gemischt ist (Him- oder Brombeere, Aronia, auch Zwetschge und Fliederbeere), und trinke davon zum Müsli ein Glas.

So kann der Tag kommen! 😉

Verimpft?!

Warten auf Godot aufs Impfen

Seit Ende April ‚dürfen‘ jetzt auch die Personen geimpft werden, die älter sind als 60 Jahre. Ich Glücklicher gehöre dazu. Glücklich? Über eine Woche habe ich jetzt auf eine entsprechende postalische Einladung durch das Gesundheitsministerium Niedersachsen gewartet. Auch nach dem Telefon gelauscht, ob sich vielleicht mein Hausarzt meldet oder die Frauenärztin, bei der ich auf der Warteliste stehe … Nichts! Inzwischen habe ich gehört, dass es z.B. bei meinem Hausarzt mit der Nachlieferung an Impfstoff etwas hapert. So habe ich nun online um einen Termin beim nächsten Impfzentrum gebeten. Und landete auch dort nur auf einer Warteliste.Ich will keine Wette eingehen, aber ich schätze einmal, vor Juni keinen Impftermin zu bekommen. Oder?

Warten aufs Impfen ...
Warten aufs Impfen …

Lockerungen für Geimpfte

Nach den Plänen von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sollen vollständig Geimpfte und Genesene rechtlich mit Menschen gleichgestellt werden, die negativ getestet sind (mit Tests nicht älter als 24 Stunden bei PCR-Tests mit Bestätigung; Selbsttests müssen unmittelbar vor dem Eintritt vorgenommen werden). Geimpfte und Genesene dürften dann auch ohne vorherigen Test in Geschäfte, Zoos oder zum Friseur gehen.

Dass das nicht unbedenklich ist, sollte klar sein. So kritisieren z.B. Amtsärzte vor allem geplante Ausnahmeregelungen wie etwa eine Aufhebung der Testpflicht für Geimpfte. Stichwort: Mutanten (Virusmutationen).

Sicherlich ist eine Neiddebatte nicht sinnvoll, aber ich denke da schon an die vielen jungen Menschen, besonders Schülerinnen/Schüler und Studentinnen/Studenten, für die soziale Kontakte besonders wichtig sind und die unter der Coronakrise bisher mit am meisten zu leiden hatten und in der Impfreihenfolge so ziemlich am Ende auftauchen. Es sollte bei den Tests als erstes Kriterium bleiben.

Im Datendunkelfeld

Es gibt wohl keinen der verantwortlichen Politikerinnen und Politiker, die sich im Klaren darüber sind, wann die Pandemie tatsächlich als besiegt betrachtet werden kann. Heute wird mit Werten wie Inzidenz und Impfquote jongliert, Zahlen, die als Datengrundlage etwas dünn ausfallen. Die Politik befindet sich im Datendunkelfeld. Es kann natürlich keine Sammelwut von Daten in die Wege geleitet werden, aber es geht vor allem um den Blick in die Zukunft: Wie gehen wir zukünftig mit Pandemien um? Haben wir dann endlich einen Plan?

Noch etwas: Die Sieben-Tage-Inzidenz ist natürlich von der Anzahl der Tests anhängig. Je mehr getestet werden, um so höher wird der Inzidenzwert ausfallen. Es wäre sicherlich besser, da transparenter, wenn die Anzahl positiv Getesteter mit den Anzahl der durchgeführten Tests im Verhältnis gesehen wird. Ich möchte dabei allerdings gleich der Darlegung rechter Kreise widersprechen, die genau dieses Argument benutzen, um die gesamte Corona-Pandemie herunterzuspielen. Im Gegenteil sehe ich die Gefahr, das Landkreise mit hohem Inzidenzwert die Anzahl der Tests verringern, um diesen Wert zu senken.

Neu im Duden: Verimpfen

Wann genau dieses Verb Eingang in den Duden hatte, weiß ich nicht. Ich habe eine schon etwas ältere Ausgabe und die kennt das Wort noch nicht: Verimpfen, also impfen mit der Vorsilbe ‚ver-‚.

Der Vorsilbe ‚ver-‚ bei Verben bezeichnet oft ein Nichtgelingen eines Tuns (wenn auch nicht so stark wie die Vorsilbe ‚miss‘), z.B. in: versagen, verzweifeln, vergeuden. Meist findet sich ein solches Verb auch in Verbindung mit dem Pronomen ’sich‘, wie z.B. in: (sich) verfahren, (sich) vergreifen. Oft bedeutet die Vorsilbe ‚ver-‚ auch „fort, hinweg“. Wenn jetzt so und so viele Dosen Impfstoff verimpft wurden, so geht der Impfstoff ‚hinweg‘ (‚ver-‚dünnisiert sich gewissermaßen). Corona wirbelt auch unseren Wortschatz gehörig durcheinander (vom Corona-Glossar ganz zu schweigen).

Bleibt ’negativ‘, bleibt gesund!

Eine ‚verrückte‘ Welt – Des Wahnsinns fette Beute (2)

In Zeiten des Corona-Virus scheint die Welt mehr noch als sonst (und ansonsten ist es schon schlimm genug) dem Wahnsinn zu erliegen. Da tauchen von der rechten Front gesteuert ‚Todeslisten‘ auf, die die Namen der Politiker enthalten, die für die umstrittene Corona-„Notbremse“ gestimmt haben. Die Gewaltbereitschaft von Rechtsaußen nimmt immer mehr zu. Sicherlich ist die „Notbremse“ ein Einschnitt in unsere Bürgerrechte. Aber sie soll und kann nur temporär gelten und dient der Erhaltung eines anderen Bürgerrechts, nämlich des Rechtes auf Unversehrtheit.

Aber dem ist lange noch nicht genug …

Sascha, der paranoide Diktator

In Belarus hält sich der selbst zum Sieger bei der letzten Präsidentschaftswahl ernannte Alexander ‚Sascha‘ Lukaschenko durch brutale Polizeigewalt an der Macht. Vielen Belarusen ist es längst klar geworden, dass er eine Dynastie zu gründen plant, als seinen Nachfolger seinen Sohn Viktor vorsieht. Ein entsprechender Erlass soll in den nächsten Tagen verkündet werden. Hintergrund: Angeblich wurde ein Attentat auf ihn und eine Invasion von Litauen kommend verhindert. Im belarusischen Fernsehen wusste Stanislaw Knyazew – ein belarusischer Doktor der Rechtswissenschaft und ehemaliger KGB-Mitarbeiter – zu berichten, es seien „ungefähr 150 Geländefahrzeuge mit schweren Maschinengewehren vorbereitet“ worden. Wer genau diese Staatsfeinde seien, will Lukaschenko in den kommenden Tagen bekannt geben. Sie hätten jedenfalls auch geplant, die belarusische Armee gegen die Sonderpolizei OMOM, die Truppen des Innenministeriums und den KGB aufzuhetzen. Ein schrecklicher Bürgerkrieg hätte ausbrechen können.

Eigentlich könnte man jetzt Lukaschenko für paranoid halten. Bekanntlich litten viele Diktatoren von Hitler bis Stalin an Größen- und Verfolgungswahn. Aber es gehe vor allem darum, so der belarusische Politologe Waleri Karbalewitsch, die Opposition zu „dämonisieren“ und zu zeigen, dass sie nicht viele Unterstützer habe. „Man will auch die Gesellschaft darauf vorbereiten, dass mit solchen Leuten, die so schreckliche Verbrechen vorbereiten, alles getan werden darf. Das ist eine lang bekannte Taktik der Entmenschlichung des Gegners.“

Dass so ein politisches Vorgehen in Europa noch möglich ist, ist das erschreckend, aber nicht verwunderlich, wenn wir bedenken, was auch bei uns ‚möglich‘ ist.

Wenn der Wahnsinn die Welt regiert ...
Wenn der Wahnsinn die Welt regiert …

Maskenaffäre – Lobbyismus vom Feinsten

Wenn sich Wirtschaftsunternehmen an Politiker wenden, um Einfluss auf Entscheidungsprozesse zu nehmen, so sprechen wir von Lobbyismus. Was ist aber nun, wenn sich solche Unternehmen darum bemühen, über Volksvertreter ihre Produkte ‚an den Mann‘ zu bringen? So haben sich bisher 40 Abgeordnete ans Gesundheitsministerium gewandt, um in Namen mehrerer Firmen bei der Beschaffung von Schutzausrüstung (es geht u.a. um ein Auftragsvolumen von gut zwei Milliarden Euro für die Lieferungen von mehr als einer Milliarde OP- und FFP2 Masken) ‚behilflich‘ zu sein. Darunter sind auch FDP-Chef Lindner und Wirtschaftsminister Altmaier.

Sicherlich haben nur wenige der Abgeordneten für die Vermittlung Provisionen erhalten. Aber für mich stellt sich die Frage, warum sich die Firmen nicht direkt an das Gesundheitsministerium gewandt haben. Es lebe hoch der Lobbyismus!

Demontage eines Trainers

Erst vor wenigen Tagen habe ich mich zum Niedergang des SV Werder Bremen geäußert. Im Kreuzfeuer steht nun der Cheftrainer, Florian Kohfeldt, wie immer in einer solchen Situation (Augsburg hat seinen Trainer schon entlassen). Nach der siebten Niederlage in Folge berieten nun die Oberen des Vereins, wie es weitergehen soll. Das Ergebnis: Nach einer hochdramatischen Aufsichtsratssitzung am Montag, also ganze zwei Tage nach der letzten Niederlage, wurde dem Übungsleiter eine weitere Gnadenfrist zugebilligt.

Das dezente Abrücken des Sportvorstandes Frank Baumann von seinem Trainer, die Gerüchte in der Lokalpresse über Nachfolgekandidaten und Abfindungsverhandlungen, eine länger andauernde Krisensitzung – das alles hätte sich der Verein schenken können, wenn er schon am Wochenende dem Trainer entschlossen den Rücken gestärkt hätte. Aber in Krisenzeiten wird bei uns lieber palavert, die Medaille von der einen wie von der anderen Seite eingehend betrachtet. So ein Entscheidungsprozess dauert eben etwas. Und so brachte man Kohfeldt in unnötige Bedrängnis, was einer Demontage fast gleichkommt.

Und der Witz ist, dass sich Werder Bremen jetzt zwischen Abstieg und Pokaltraum (am Freitag im Halbfinale in Leipzig – die Sportschau zeigt das Spiel) befindet. Da weiß man gar nicht, ob man den Bremern den Einzug ins Finale wünscht oder doch lieber den Klassenerhalt. Wahnsinn!


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Apropos Leipzig: Julian Nagelsmann, Noch-Trainer in Leipzig, zieht es zu den Bayern. Vielleicht gibt es diesen besonderen Effekt, von den Werder profitieren könnte: Wenn der Wechsel eines Trainers schon vor Saisonende feststeht, gerät seine Mannschaft meist ins Trudeln.

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