Kategorie-Archiv: Musik und mehr

Von Musik und allem Drumherum

These old tom-cat feelings

    Well the night does funny things inside a man
    These old tomcat feelings you don’t understand

    Tom Waits: I Hope That I Don’t Fall in Love with You (Debutalbum: Closing Time 1973)

Die Szene spielt sich in einer Kneipe oder Bar ab. Viele Leute sind da und die Musik spielt. Der gute Thomas Alan (Tom Waits) trinkt sein Bier. Und da ist eine Frau mit einem Typen. Zwischen ihr und Thomas Alan knistert es (er aber hofft, sich nicht in sie zu verlieben). Der Typ ist dann gegangen, sie und er tauschen Blicke aus. Es geht auf Feierabend zu. Er bestellt sich noch ein Bier. Da ist sie verschwunden. Und er denkt, dass er sich gerade in sie verliebt hat.

    Tom Waits: Swordfishtrombones

Kneipe, Alkohol und Zigaretten – die Welt des Tom Waits. Vielleicht alles etwas schmuddelig, verrucht-verräuchert und mit Bierlachen benetzt. Während die Erzählung Dshamilja von Tschingis Aitmatow wohl die schönste Liebesgeschichte der Welt ist, so ist dieses Lied von Tom Waits mindestens eines der schönsten Liebeslieder, die ich kenne.


Tom Waits I hope that I don’t fall in love with you (Lyrics) (Chords/Akkorde)

Mit Pauken und Trompeten (und Geigen) – Teil 1

Vor einiger Zeit habe ich mich an dieser Stelle über E- bzw. U-Musik, also der ernsten und der Unterhaltungsmusik geäußert (Ernst und/oder unterhaltend (Musik)). Obwohl ich eher zur Unterhaltungsmusik (Rockmusik, Jazz, auch anspruchsvollen Pop) tendiere, so habe ich schon früh begonnen, auch die ‚ernste‘ Seite der Musik zu erforschen. Musik muss für mich einen gewissen ‚Nährwert‘ haben. Allzu simples Gedudel ist nichts für meine Ohren. Was heute so auf dem Musikmarkt zu finden ist, weckt selten meine Begeisterung. Ich bin, wenn ich es sagen darf, auf der Suche nach ‚neuen Klängen‘.

Und manchmal lassen sich solche Klänge in der E-Musik, der klassischen Musik, wie wir sie meist nennen, finden. Ich will hier nicht zu weit ausholen. Vielleicht noch kurz etwas zu den Schnittstellen zwischen E- und U-Musik. Da ist z.B. Frank Zappa und sein Werk The Yellow Shark, das 1992 in der Alten Oper zu Frankfurt/Main aufgeführt wurde. Und wer Emerson, Lake & Palmer kennt, der kennt auch deren Interpretation von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, eigentlich ein Werk für Klavier, das Maurice Ravel kongenial in eine Orchesterfassung übertragen hat. Das klingt vielleicht manchmal etwas zu pompös, ist aber ein Stück Musik, das sich trotz seiner eher melodiösen Einfachheit angenehm vom musikalischen Schrott unserer Tage abhebt.

Etwas weniger bombastisch ist da Camille Saint-Saëns‘ Karneval der Tiere, als Einstieg in die Welt der E-Musik aber sehr gut geeignet. Und auch für Kinder geeignet ist Peter und der Wolf von Sergei Prokofjew (auf die Russen komme ich im 2. Teil noch zu sprechen), ein musikalisches Märchen, das von Jack Lancaster and Robin Lumley adaptiert und mit vielen namhaften Musikern der Rockmusik eingespielt wurde.

Eine Schnittstelle zwischen E- und U-Musik bildet sicherlich auch meine Lieblingsband Jethro Tull mit Ian Anderson, der sich nicht nur bei Bach bediente, sondern auch immer wieder auf andere Komponisten der klassischen Musik (siehe meinen Beitrag Heavy Humoresque?) zurückgriff. Apropos Heavy Humoresque bzw. Heavy Horses; zz. gibt es die vor 40 Jahren (1978) erschienene Scheibe als Remix und in 5.1-Ton mit zusätzlichem Material, das mir bisher unbekannt war: Heavy Horses (New Shoes Edition)


Antonín Dvořák: Humoreske – op. 101.7 in Ges-Dur für Klavier versus Jethro Tull: Heavy Horses (1978)

Aber weiter mit der E-Musik: Natürlich habe ich mich besonders um die alten Meister bemüht, z.B. Händels Feuerwerksmusik, natürlich im Freien beim Château de Chambord in Frankreich aufgeführt – mit anschließendem Feuerwerk. Von Johann Sebastian Bach habe ich seine h-Moll-Messe gehört (und gesehen). Natürlich in einer Kirche vorgetragen. Von Ludwig van Beethoven habe ich die Symphonien Nr. 3 in Es-Dur (Eroica) und Nr. 5 in c-Moll (Schicksalssymphonie), natürlich von den Berliner Philharmoniker (Dirigent: Herbert von Karajan) vorgetragen, via Tablet gesehen und gehört.

Für mich bedeutet der Feierabend ‚doppelten‘ Genuss. Zum einen freue ich mich natürlich, nach getaner Arbeit nach Hause zu kommen. Zum anderen nutze und genieße ich die Zeit im Zug, per Tablet die zuvor aus dem Netz heruntergeladenen Musikvideos zu sehen und zu hören. Gerade auch der optische Eindruck ist für mich sehr wichtig.

Zurück zu den alten Meistern, da darf das Wolferl natürlich nicht fehlen. Mozart ist schlechthin der Inbegriff des genialen Komponisten. Natürlich war er ein Kind seiner Zeit und wenn mich etwas interessieren würde, dann was wäre, wenn er heute lebte. Ja, was habe ich im Laufe des letzten Jahres alles von Mozart gehört (und natürlich gesehen): 25. Klavierkonzert C-Dur KV 503 – seine letzten drei Symphonien Es-Dur (KV 543)g-Moll (KV 550)C-Dur (KV 551)die Krönungsmesse und Mozarts letzte Komposition, das Requiem.

Hierzu muss ich natürlich gleich erwähnen, dass mich in erster Linie Instrumentalwerke interessieren. Mit dem Gesang, besonders was Opern anbelangt, tue ich mich etwas schwer. Arien sind nicht so mein Ding (mein Vater sprach da gern von der ‚Arie des rollenden Furzes auf der Gardinenstange‘ oder von der ‚Arie von der wilden Sau‘ 😉 ). Ich mag auf jeden Fall Chorgesang (vor vielen Jahren war ich in der St Paul’s Cathedral zu London und lauschte dort einem Knabenchor – bei der dortigen Akustik ein atemraubendes Hörerlebnis). Mozarts Zauberflöte habe ich noch auf einer externen Festplatte gespeichert. Diese ‚Singspiel‘ wollte ich mir eigentlich schon immer angucken.

Graham Jones of the Liverpool Phil has cracked Mahler's Sixth © Jon Super

Etwas moderner sind da die Sinfonien von Gustav Mahler. Gehört-gesehen habe ich seine 3. Sinfonie in d-Moll, seine 4. Sinfonie in G-Dur und seine 7. Sinfonie in e-Moll. Letztere ist auch als Lied der Nacht benannt. Verwundert kann hier der Auftritt von Gitarre und Mandoline gehört und betrachtet werden. Nicht umsonst trägt der 4. Satz dieser Sinfonie die Tempobezeichnung Andante amoroso und könnte uns gut und gern auf eine Gondel nach Venedig entführen. Allerdings mit Wiener Schmäh angereichert. Ich konnte den Wiener Kongress tanzen hören. Dafür krachte es dann ordentlich im letzten Satz: Gustav Mahler hatte wohl eine Vorliebe für Pauken und Trompeten (neben Geigen). Geradezu berüchtigt ist seine 6. Sinfonie, in der auch der nach ihm benannte Mahler-Hammer zum Einsatz kommt.

Woher stammen meine musikalischen Eindrücke? Da ich nicht der große Konzertgänger (mehr) bin, so gewinne ich aus TV und Netz (bzw. aus der Kombination beider) die klanglichen Ergüsse. Wer kennt nicht arte oder 3SAT, die Sender für Kultur – oder auch ARD-alpha, den Bildungskanal. Hier ist jede Menge Musik (meist in Konzertform) zu finden – nicht nur aus dem Bereich der Klassik, sondern natürlich auch viel Zeitgenössisches aus aller Herren/Damen Länder. Wer sich (wie ich) auf die Suche nach ‚neuen Klängen‘ macht, könnte hier fündig werden.

Für heute soll es erst einmal genug sein.

Jimi, Bob & Joan (sowie Frank)

Ein Blick auf die Programmseiten von arte lohnt sich meist. In den letzten Monaten wurden hier höchst interessante, da aufschlussreiche Dokumentationen zu Musikern ‚unseres Vertrauens‘ gezeigt. So gab es dort eine abendfüllende Hendrix-Biografie unter dem Titel „Hear My Train A Comin'“ aus dem Jahr 2013, die u.a. erst kürzlich aufgetauchtes, bislang unbekanntes Bildmaterial zeigt, auf das Regisseur Bob Smeaton zurückgreifen konnte, darunter Amateurfilme, die Hendrix selbst und Drummer Mitch Mitchell auf ihren Reisen gedreht haben. Etwas älter (aus dem Jahr 2009) ist die Dokumentation Jimi Hendrix – The Guitar Hero, die one (früher Eins Festival) ausstrahlte. „Renommierte Musiker wie Dave Mason, Eric Clapton, Mick Taylor und Slash diskutieren in diesem Dokumentarfilm über Jimi Hendrix‘ Musik und sie erklären, warum seine Arbeit noch heute einen Höhepunkt der Rockmusik darstellt.“


Jimi Hendrix: „Hear My Train A Comin'“

Man muss nicht Pfadfinder (gewesen) sein, um irgendwann in seinem Leben mit in die Verse des Liedes ‘Blowin‘ in the Wind‘ eingestimmt zu haben; spätestens „The answer, my friend, is blowin’ in the wind. The answer is blowin’ in the wind” kann wohl (fast) jeder mitsingen. Längst ist das Lied eine Hymne und in jedem Liederbuch zu finden, das zum Erlernen des Gitarrenspiels oder für gemütliche Abende am Lagerfeuer zusammengestellt wurde.

Martin Scorsese, einer der wichtigsten zeitgenössischen US-Filmemacher, der mit so gut wie allen namhaften Schauspielern der USA zusammengearbeitet hat, zeichnete auch für zahlreiche Dokumentationen verantwortlich, so die 2005 entstandene über Bob Dylan: No Direction Home. Dieses zweiteilige, fast drei 1/2 –stündige Porträt zeigt Dylans Schaffen und Umgebung im Zeitraum 1961 bis 1966 (und lief ebenfalls auf arte).

Bob Dylan - No Direction Home

Bob Dylan ist als Songwriter, Folksänger und Rockmusiker „einer der einflussreichsten und innovativsten Musiker der Gegenwart. Starregisseur Martin Scorsese gelang es, den scheuen Künstler vor die Kamera zu bekommen und ein Porträt des Phänomens Bob Dylan zu entwerfen. Angefangen bei seinen Wurzeln in Minnesota über seine ersten Auftritte in den Bars von Greenwich Village 1961 und seinen kometenhaften Aufstieg bis hin zum Jahr 1966, als er bei seinem ersten Auftritt mit einer elektrischen Gitarre seine Fans verprellte und sich zeitweilig von der Konzertbühne zurückzog.“

„Da erfahren wir, dass der Mann, den die ganze Welt für die zentrale musikalische Figur der amerikanischen Protestbewegung gehalten hat, sich selbst nicht dafür hielt. ‚Mit irgendwelchen Ideologien hatte ich nie wirklich was am Hut. Egal in welcher Szene ich mich bewegte, ich fühlte mich immer als Außenseiter.‘ Mal schildern Weggefährten wie Pete Seeger, Joan Baez oder Allen Ginsberg die Entwicklung Dylans, der sich vom Rock ’n‘ Roller seiner Jugendtage über den Protest-Folksänger der frühen 60er bis zum elektrischen Rocker jener England-Tour wandelte.“

Am 28. August 1963 trat Dylan gemeinsam mit Joan Baez und anderen Folksängern bei der Abschlusskundgebung des Civil Rights March nach Washington auf, bei der Martin Luther King seine berühmte Rede I Have a Dream hielt. Dieser Auftritt findet sich natürlich auch in der Dokumentation über Joan Baez wieder.

Joan Baez und Martin Luther King

Es ist wieder der Sender arte, der (noch wenige Tage) die Dokumentation über Joan Baez – How Sweet the Sound aus dem Jahr 2010 zeigt(e):

„Das Gewissen einer Generation: Die politisch engagierte Folksängerin Joan Baez sang im Luftschutzbunker, während draußen die Bomben fielen. Aber sie ist auch eine der wichtigsten und bekanntesten Vertreterinnen der Folkmusik. Seltene Archivaufnahmen und sehr persönliche Interviews machen den Dokumentarfilm zu einem zugleich persönlichen und historischen Porträt.“

„In einem ersten umfassenden Dokumentarfilm über Joan Baez werden sowohl die Privatperson Baez als auch ihre Karriere, ihre Geschichte als Live- und Studiomusikerin und ihr bemerkenswerter Weg als Menschenrechtsaktivistin beleuchtet. Historische Aufnahmen zeigen Joan Baez bei ihrem umstrittenen Besuch in Nordvietnam, wo sie mit den Einwohnern von Hanoi während der heftigsten Luftangriffe des Kriegs betet, aber auch Martin Luther King Jr., der der inhaftierten Joan Baez einen Solidaritätsbesuch abstattet.“

„Musikalische Aufnahmen vom legendären Auftritt auf dem Newport Folk Festival 1959 oder eines frühen Auftritts im historischen Club 47 in Cambridge werden mit Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie David Crosby, Bob Dylan oder Reverend Jesse Jackson zu einer dichten Erzählung verwoben. Der Dokumentarfilm gibt in bisher nicht dagewesener Art und Weise Einblick in das Leben der Künstlerin und Aktivistin, die mit über 70 Jahren noch auf internationalen Tourneen unterwegs ist.“


Joan Baez – How Sweet the Sound (im englischen Original)

Vor gut einem Jahr feierte Joan Baez ihren 75. Geburtstag. Ins Beacon Theatre in New York lud sie hierzu viele namhafte Gäste ein, die mit ihr auf die Bühne traten, nämlich David Bromberg, Jackson Browne, Mary Chapin Carpenter, Judy Collins, Emmylou Harris, Indigo Girls, Damien Rice, Paul Simon, Mavis Staples, Nano Stern und Richard Thompson. „Bis heute fühlt sie sich politischen und sozialen Aspekten ebenso verbunden wie Menschenrechts- und Umweltthemen. Außerdem unterstützt und fördert sie seit Jahrzehnten jüngere Kolleginnen und Kollegen – einige von ihnen stehen mit ihr bei diesem Konzert auf der Bühne des Beacon Theaters.“ Joan Baez 75th Birthday Celebration wurde ebenfalls von arte gesendet.


Joan Baez 75th Birthday Celebration – Beacon Theatre New York – 2016

Und dem nicht genug: der Sender arte zeigt am Freitag (17.03.2017) ab 21 Uhr 45 Frank Zappa: „Er war ein hochtalentierter Musiker und hellsichtiger Kritiker seiner Zeit: der amerikanische Rockmusiker Frank Zappa. In „Zapped – Frank Zappa in seinen eigenen Worten“ beleuchtet Thorsten Schütte anhand von selten gezeigten Fernsehinterviews und Bühnenauftritten die zwei Facetten des Frank Zappa. Der Dokumentarfilm lässt das reiche musikalische Erbe des Ausnahmekünstlers wieder aufleben und erinnert an dessen unermüdlichen Kampf gegen den Konformismus.“

Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Wenn es stimmt, dann hat Frank Zappa bereits seit seinem 15. Lebensjahr Partituren für Kammermusik verfasst; erst mit 20 Jahren schrieb er den ersten Rock-Song. Bekannt wurde er dann mit seiner Gruppe The Mothers of Invention, die von 1964 bis 1976 bestand und 1966 mit Freak out! das erste Album veröffentlichte.


Zappa – Freak out!

Aus dieser Anfangszeit gibt es ein schönes Video von der US-amerikanischen Fernsehshow, der Steve Allen Show vom 4. März 1963, da war Frank Zappa junge 22 Jahre alt und präsentierte ein Konzert für Luftpumpe und gefiddeltem Fahrrad. Schon da kamen seine außerordentlich musikalische Begabung und der spöttische Witz zusammen:


Frank Zappa on The Steve Allen Show March 4, 1963 (Konzert für Luftpumpe und Fahrrad)

Bereits in jungen Jahren interessierte ich mich neben der populären Musik, die allerdings nicht so ganz dem Massengeschmack entsprach, auch für Neue Ernste Musik. Karlheinz Stockhausen war mir ein Begriff wie auch Igor Strawinsky oder Edgard Varèse und György Ligeti. Maurice Ravels Boléro fand ich faszinierend. Und irgendwie dort in der Mitte zwischen Pop- und Rockmusik und Neuer Musik fand ich dann Frank Zappa. Wie und wo genau weiß ich nicht mehr. Aber es muss Ende der 1960-er, Anfang der 1970-er Jahre gewesen sein, also als Zappa in Deutschland noch als Geheimtyp gehandelt wurde. Davon später etwas mehr, wenn ich auf Zappas letzte Aufnahmen aus dem Jahre 1993 zurückkomme, die kurz vor seinem Tod in der Adventszeit 1993 entstanden.

Im besagten Jahr 1993 erschien von Zappa das Album The Yellow Shark und es sollte Zappas letztes Album zu Lebzeiten sein. Diese Orchesterkomposition Zappas wurde von dem renommierten Ensemble Modern eingespielt und gilt bis heute als die beste Interpretation von Zappas Orchesterwerken. „The Yellow Shark“ wurde 1992 in der Alten Oper in Frankfurt am Main aufgenommen. Das Konzert war der letzte öffentliche Auftritt Zappas: Er dirigierte dabei – schon von seiner Krankheit gezeichnet – Teile des Werkes. An der Show waren auch der kanadische Choreograf Édouard Lock und seine Truppe La La La Human Steps beteiligt, deren hervorragende Performance hoch gelobt wurde.

Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Tom Waits bezeichnet das Opus als eines seiner Lieblingsalben und sagt darüber: „Das Werk ist beeindruckend, ein Bühnenfestival der Strukturen und Klangfarben. Es zeugt von seiner völligen Verrücktheit und Virtuosität. Frank lässt sich von Elmore James genauso inspirieren wie von Strawinski. Er ist durch und durch unkonventionell.“ (… genauer: „The ensemble is awe-inspiring. It is a rich pageant of texture in colour. It’s the clarity of his perfect madness, and mastery. Frank governs with Elmore James on his left and Stravinsky on his right. Frank reigns and rules with the strangest tools.“)


Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Ironie und kritische Hiebe bestimmen diese vorletzte größere Sound-Collage Zappas. Eine Nummer namens „Times Beach“ erinnert an einen amerikanischen Dioxin-Skandal aus dem Jahre 1983; der „G-Spot Tornado“ bringt den vaginalen Orgasmus auf den Punkt. Der Titel „Yellow Shark“ geht auf einen anonymen Fan zurück, der eine aus einem gelben Surfbrett geschnitzte Fischskulptur vor Zappas Haustür als Geschenk ablud.

Zappa komponierte in seinen letzten Jahren auf einem Synclavier, das Töne harmonisieren und verfärben, Glissandi türken und polyrhythmische Metren unterlegen kann. Bei Bedarf druckt ein Hilfscomputer die fertige Partitur aus. Die Noten zu „Yellow Shark“ hatte Zappa seit dem Sommer 1991 aus seiner Eremitage im Laurel Canyon bei Hollywood nach Frankfurt hinübergefaxt. (Quelle: spiegel.de)

Die Welturaufführung von Zappas „The Yellow Skark“ wurde auch erst kürzlich auf arte gesendet und ist noch in der Mediathek von arte aufrufbar: Yellow Shark von Frank Zappa

Jethro Tull’s Martin Barre Band – live 2015 in Spanien

Es ist jetzt schon wieder über zwei Jahre her, dass Martin Barre, der ehemalige Gitarrist von Jethro Tull, mit seiner Band im Oktober 2013 in Buchholz weilte (Gitarrenzauber mit Martin Barre). Meinen Söhnen und mir hat das Konzert bestens gefallen.

Martin Barre 1962 mit seiner 1. Gibson ES 330 Gibson Les Paul 1959 Martin Barre mit seiner Gibson Les Paul 1959
Martin Barre 1962 mit seiner 1. Gibson ES 330 Gibson Les Paul 1959 Martin Barre mit seiner Gibson Les Paul 1959
Küsschen von Ian Anderson Martin Barre spielt eine Ibanez
Küsschen von Ian Anderson Martin Barre spielt eine Ibanez

Am 10. Juli 2015 trat Martin Barre mit Band beim XVIII Festival Internacional Jazz in San Javier, Spanien, auf. Das Konzert wurde vom Fernsehen aufgezeichnet und ist bei Youtube zu sehen. Für sein Alter gibt Martin noch einmal richtig Gas.


Martin Barre & Band beim XVIII Festival Internacional Jazz San Javier 2015
(u.a. in Full-HD)

Im April und wieder ab September tourt Martin Barre übrigens durch die USA. Im November feiert er dann bereits seinen 70. Geburtstag (siehe auch meinen Beitrag: Happy birthday, Martin: Martin Lancelot Barre wird 60)

Hurricane-Wetter 2015

Ich guck’ gerade aus dem Fenster: Die Sonne scheint … Das kann nicht sein! Ab morgen läuft doch wieder das Hurricane Festival unmittelbar vor unserer Haustür am Eichenring in Scheeßel zwischen Bremen und Hamburg. Hurricane sagt doch alles: Sturm und Regen: ein Matschbad gehört mit zur Tradition. Aber was nicht ist, soll ja noch werden 😉

Vielleicht sollten die Veranstalter das Festival einfach mal umbenennen: Fair Weather Festival oder so.

Hurricane Festival 2015

Übrigens: Karten soll es wohl noch geben … Siehe auch:

Hurricane @ twitter.com
Hurricane @ facebook.com

Wehe, wenn sie losgelassen …

Bereits heute geht es ja los. Um 14 Uhr 30 öffnen sich die Tore zum Campingplatz und abends gibt es mit einem Warm-Up-Partymarathon bereits ’ne ordentliche Breitseite Musik auf die Ohren. So reisen die ersten Fans an. Und das heißt: Wohnwagenkolonnen auf der B75, voll besetzte Metronom-Züge zwischen Hamburg und Bremen.

Mein jüngster Sohn mit seinen Kumpeln ist diesmal auch dabei. Vielleicht hält sich Regen (und Sturm) doch in Grenzen. Auf los geht’s los!

Joan Armatrading solo live 2015

Eigentlich war ich skeptisch, was den Solo-Auftritt von Joan Armatrading auf ihrer letzten großen Welttournee betrifft: Südafrika, Australien und Neuseeland hatte sie im letzten Jahr besucht – jetzt ist Europa dran – und natürlich UK, dann Nordamerika und nochmals Südafrika. Wie soll das gehen? Joan allein auf der Bühne ohne Band? Aber das geht und zwar viel besser als man vermuten kann …

    JOAN'S LAST MAJOR TOUR AND FIRST SOLO CONCERTS

Nun letzten Freitag war es soweit: Joan Armatrading trat in der Empore in Buchholz/Nordheide auf – bei uns gleich um die Ecke. Die erste halbe Stunde gehörte aber einem Duo namens (Oh) Bright Sparks, die gleich mit Witz und ohne großes Getue für Stimmung in der Halle sorgten, die tatsächlich ausverkauft war. Joan Armatrading gibt immer wieder jungen Talenten die Chance, in ihren Konzerten als Vorgruppe Erfahrungen zu sammeln.

Nach einer kurzen Umbaupause legte Joan Armatrading dann kurz nach 21 Uhr los und beschallte den Raum gut anderthalb Stunden lang. Wie gesagt solo. Nur bei einigen Liedern bediente sie sich von ihr zuvor eingespielter Instrumentalpassagen als der Konserve, z.B. bei überaus fetzigen Soli auf der elektrischen Gitarre.

Joan begann mit einem Lied von ihrem ersten Album: City Girl (Whatever’s for us – 1972) und sang vor allem viele der Stücke, die ich sehr gern habe: Back to the Night, Down to Zero und natürlich Love and Affection. Das Konzert endete mit Willow. Eine Zugabe gab es allerdings nicht.

Hier die Playlist, wenn auch nicht chronologisch dem Konzertverlauf nach, sondern entsprechend den Plattenveröffentlichungen (ich hoffe, nicht allzu viele Lieder vergessen zu haben):

City Girl
Whatever’s for us (1972)

Steppin’ Out
Back to the Night
Back to the Night (1975)

Down to Zero
Love and Affection
Joan Armatrading (1976)

Mama Mercy
Kissin’ and a Huggin’
Willow
Show some Emotion (1977)

Me Myself I
All the Way from America
Me Myself I (1980)

Rosie
How Cruel (EP)

Drop The Pilot
The Key (1983)

More Than One Kind Of Love
Promise Land
Hearts and Flowers (1990)

Into the Blues
My Baby’s Gone
Joan entdeckt den Blues (Into the Blues – 2007)

Eintrittskarte Empore Buchholz: Joan Armatrading – Me, Myself, I–Tour 2015

Nun Joans Stimme (sie ist inzwischen 64 Jahre alt) ist schon etwas angeschlagen, aber immer noch gut genug für ein Konzert. Nicht von ungefähr kommt es, dass sie nach dieser langen Tournee in den verdienten Ruhestand gehen will und höchstens nur noch wenige Konzerte in ihrer Heimat geben wird. Bemerkenswert ist auf jeden Fall ihr Spiel auf der Gitarre: Wie schon in frühen Jahren, so bedient sich Joan vorwiegend einer halbakustischen Gitarre der Marke Ovation, einmal als sechssaitige, dann auch als zwölfsaitige Gitarre. In den letzten Jahren spielt Joan Armatrading aber auch viel die E-Gitarre (eine Fender Stratocaster) und bot an diesem Abend gewissermaßen eine Lehrstunde des Gitarrenspiels: neben rhythmischen Reggae-Passagen ließ sie die Gitarre aufheulen und legte einige Soli hin, die selbst bekannte Hardrockgitarristen nicht besser hinbekommen. Bei einigen Liedern begleitete sie sich auf dem Keyboard.

Zwischendurch erzählte Joan von einigen wichtigen Stationen aus ihrem Leben und zeigte dazu auf der Leinwand hinter sich die passende Bilder. Seit über 42 Jahren ist sie im Geschäft und hat in diesen vielen Jahren eine durchaus treue Fangemeinde hinter sich versammelt. Sicherlich füllt sie keine großen Arenen mehr – aber eine Halle wie die Empore in Buchholz bekommt sie noch voll. So ist natürlich auch das Publikum eindeutig in die Jahre gekommen. Ich hatte schon den Eindruck, dass manches Seniorenheim an diesem Abend Ausgang hatte (meine beiden Söhne dürften die mit Abstand jüngsten Besucher dieses Konzertes gewesen sein). Was allerdings die Begeisterung betrifft, so war die Stimmung super und der Zuspruch laut und auch eines jungen Publikums ebenbürtig.

In Concert: Joan Armatrading in Buchholz/Nordheide 23.01.2015

Am Freitag ist es soweit: Wie schon Mitte Oktober 2014 hier angekündigt, so gibt Joan Armatrading, diesmal solo auf ihrer letzten großen Tour, in Buchholz/Nordheide, gleich bei uns um die Ecke, ein Konzert in der Empore.

    JOAN'S LAST MAJOR TOUR AND FIRST SOLO CONCERTS

Wie es aussieht, so ist das Konzert ausverkauft, was mich wirklich freut, denn ohne Zweifel ist Joan Armatrading, die seit nun fast 43 Jahren im Musikgeschäft ist, eine begnadete Musikerin. Dass Joan immer noch eine treue Gefolgschaft hat, beweisen u.a. die über 117 Tausend ‚Likes’ bei Facebook.

So ganz allein kommt Joan Armatrading dann doch nicht: Laut der Website der Empore wird der Konzertabend um 20 Uhr mit einem. ca. 30-minütigen Auftritt der Gruppe Bright Sparks eingeläutet. Bright Sparks – das sind Kimmy und Ash aus England. Die beiden spielen am liebsten live und akustisch und kombinieren ihren Gesang mit Gitarre, Klavier und Schlagzeug. Eine Klangwelt zwischen David Gray und Coldplay. – Nach einem kurzen Umbau folgt dann das Konzert von Joan Armatrading.

Natürlich bin ich gespannt, wie sich Joan Armatrading solo ‚schlägt’. Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack. Vielleicht sehen wir uns ja am Freitag in der Empore:


Love and Affection – Joan Armatrading – Weston-super-Mare 2014

The Both: The Both (2014)

Mit Aimee Mann habe ich mich hier in meinem Blog ziemlich ausführlich beschäftigt. Sie gehört als US-amerikanische Singer-Songwriterin der Indie-Rock-Szene an, d.h. wegen der einschränkenden künstlerischen Einflussnahme kündigte sie 1999 die Zusammenarbeit mit ihrer Plattenfirma auf und gründete ihr eigenes Label. Auch durch den Direktvertrieb ihrer Werke über ihre Website ging die Musikerin neue Wege. Begonnen hatte Aimee Mann mit Punk-Rock und kam über New Wave zu ihrem eigenen Stil, der sowohl Elemente des Rock, Folk, Pop-Rock und Country-Rock zu Alternative Rock verbindet. Bei uns blieb Aimee Mann weitestgehend unbekannt.

Im Jahr 2013 startete Aimee Mann eine Zusammenarbeit mit dem 10 Jahre jüngeren Ted Leo, der mehr noch als Aimee Mann aus der American-Punk-Rock-Ecke stammt, unter dem Namen The Both. Das Duo veröffentlichte im April 2014 sein selbstbetiteltes Debüt-Album.

    The Both: The Both (2014)

Die Zusammenarbeit der BEIDEN verlangte nach einem Namen, der sich dann nach eigenen Angaben aus der Frage entwickelte, ob SIE ein Duo oder gar eine Band wären. Das schien eine schwierige, geradezu philosophische Frage zu sein, deren Antwort lautete: Can’t it be both? Kann es nicht BEIDES sein?

The Both erschien also im April d.J. mit Aimee Mann (Gesang/akustische Gitarre und wie bereits zu Anfang ihrer Karriere: Bass), Ted Leo (Gesang und elektrische Gitarre) und als Gast am Schlagzeug Scott Seiver.

Neben ihrem Humor scheinen die BEIDEN, Mann und Leo, auch musikalisch vieles gemeinsam zu haben. Die Scheibe kann Fans von Aimee Mann bedenkenlos ans Herz gelegt werden. Ted Leo kannte ich bisher nicht, dafür ist mir die US-amerikanische Musikszene doch zu weit entfernt. Dass er aber aus der Punk-Rock-Ecke kommt, lässt sich an seinem Gitarrenspiel schnell ablesen. Die Lieder sind durch ihn deutlich rockiger und gitarrenlastiger, als man das zumindest von Aimee Mann bisher gewohnt war. Alle Lieder bis auf „Honesty Is No Excuse”, das aus der Feder von Phil Lynott (Thin Lizzy) stammt, sind gewissermaßen paritätisch von Aimee Mann und Ted Leo geschrieben worden. Das gilt dann auch für die Gesangspart. Der Einfluss von Aimee Mann ist anhand der wohlklingenden Melodien deutlich herauszuhören. Leo bringt dafür die sehr dominanten Riffs und Licks auf der E-Gitarre ein. Ergänzt wird das hier und da durch die akustische Gitarre von Mann. Die Gruppe tritt als Trio auf. Neben dem Gastschlagzeuger und Leo an der Gitarre spielt Aimee Mann wie schon in sehr frühen Zeiten den Bass. Der klingt auf der Scheibe oft sehr wuchtig, auch wenn sie keine ausgefeilten Riffs spielt. Zusammen mit dem Schlagzeug bildet es aber das rhythmische Gerüst, auf dem sich Leos Gitarre und vor allem der Gesang der beiden bewegen kann.

    The Both - Pressefoto

Setlist des Albums:

1 The Gambler Ted Leo / Aimee Mann 3:08
2 Milwaukee Ted Leo / Aimee Mann 4:21
3 No Sir Ted Leo / Aimee Mann 3:46
4 Volunteers of America Ted Leo / Aimee Mann 3:43
5 Pay for It Ted Leo / Aimee Mann 3:16
6 You Can’t Help Me Now Ted Leo / Aimee Mann 3:38
7 The Prisoner Ted Leo / Aimee Mann 4:41
8 Hummingbird Ted Leo / Aimee Mann 4:04
9 Honesty Is No Excuse Phil Lynott 3:27
10 Bedtime Stories Ted Leo / Aimee Mann 4:05
11 The Inevitable Shove Ted Leo / Aimee Mann 3:50

Ich finde die Scheibe ganz okay. Sicherlich entspricht diese Art der Musik nicht ganz meinem Geschmack. Aber um ab und wann einmal etwas anderes zu hören, dafür ist sie bestens geeignet. Es geht eine gewisser Lockerheit von ihr aus. Natürlich gibt es auch einige Videos der Gruppe (oder doch dem Duo?) im Netz.


The Both – Milwaukee


The Both – Volunteers of America


The Both – You Can’t Help Me Now (FUV Live at Rockwood Music Hall)


The Both: NPR Music Tiny Desk Concert („You Can’t Help Me Now“ / „Milwaukee“ / „No Sir“ / „The Gambler“)

Auf letzter großen Tour: Joan Armatrading solo in Buchholz/Nordheide 23.01.2015

In den letzten Wochen und Tagen habe ich noch einmal genauer in viele der Alben von Joan Armatrading hineingehört (und damit auch alle ihre Alben hier in meinem Blog vorgestellt). Da passt es ‚wie die Faust aufs Auge’, wenn Joan jetzt persönlich ‚vorbeischaut’.

Wie die Zeit vergeht: Es ist bereits sechs Jahre her, dass ich zuletzt Joan Armatrading live bei einem Konzert gesehen habe. Am 10. August 2008 war sie mit Band in der ehrenvollen Fabrik in Hamburg aufgetreten. Und ich hatte zu diesem Konzert auch gleich meine ganze Familie mitgenommen (meine Söhne waren da gerade 14 und 17 Jahre alt). Es war ein schöner, gelungener Abend.

Jetzt nun begibt sich Joan Armatrading auf ihre ‚letzte große Tour’ und präsentiert sich dort zum ersten Mal solo (‚Joan’s last major tour and first solo concerts’):

‚I will never retire but this will be the last major tour that I will undertake.
For the first time these concerts will be me solo on stage playing the guitar and piano and singing. I want these concerts to be a special lively interactive one to one experience. I have absolutely enjoyed the last 42 years of performances but now, with my final major tour, I want to capture a unique memory for both myself and the audience.‘

Nach diesen ihren Worten wird sie zwar nie in Rente gehen, aber es wird ihre letzte große Tournee kreuz und quer durch die Welt sein (zz. weilt sie im weiterhin Vereinigten Königreich). Seit 42 Jahren ist sie auf den Konzertbühnen präsent und will nun solo, nur mit Gitarre, Klavier und Gesang, auftreten, um für sich und das Publikum eine einzigartige Erinnerung zu schaffen. Für diese letzten Konzerte wünscht sie sich, dass diese für alle als eine besonders lebendige zwischenmenschliche Erfahrung haften bleiben.

    JOAN'S LAST MAJOR TOUR AND FIRST SOLO CONCERTS

Es ist noch kein ganze Jahr her, da besuchte ich am 25. Oktober 2013 mit meinen beiden Söhnen ein Konzert mit Martin Barre (dem langjährigen Gitarristen von Jethro Tull) und Band. Es fand in der Empore in Buchholz, nur wenige Kilometer von meinem Wohnort Tostedt entfernt, statt. Genau hierhin wird sich nun auch Joan Armatrading am 23. Januar 2015 (ebenfalls ein Freitag) ‚verirren’.

Ich habe schon etwas gezögert, ob ich zu dem Konzert gehen werde. Joan Armatrading ist eine ausgezeichnete Gitarristin mit einem sehr eigenen, persönlichen Stil. Und auch dem Klavier vermag sie wundersame Klänge zu entlocken. Aber solo? Meine Frau hat mich dann doch überzeugt, zumal es das letzte Mal sein wird, um Joan live sehen zu können. Und so ziehen wir, meine Frau, meine beiden Söhne und ich, also am 23. Januar des nächsten Jahres in die Empore zu Buchholz ein, um den Klängen von Joan zu lauschen.

Wie das in etwa aussehen und sich anhören wird, vermittelt ein Video, das bei einem Konzert vor wenigen Tagen in Weston-super-Mare, England, aufgenommen wurde:


Love and Affection – Joan Armatrading – Weston-super-Mare 08.10.2014

Also bis dann, liebe Joan … in Buchholz/Nordheide!


Joan Armatrading interview – März 2014

Joan Armatrading: Lovers Speak (2003)

Mit ihrem Album What’s Inside (1995) hatte sich Joan Armatrading für fast acht Jahre musikalisch verabschiedet, zumindest was das Veröffentlichen einer weiteren eigenen Studio-CD betraf. Im Dezember 1998 hatte sie immerhin noch eine CD mit dem Titel „Lullabies With A Difference“ zugunsten einer Kinderwohltätigkeitsorganisation namens PACES herausgebracht, die Beiträge von Mark Knopfler, Jools Holland, Midge Ure, Tina Turner, The Cranberries, Melissa Etheridge, Brian May und Taylor Lewis enthält; alles Künstler, die Joan bewunderte und die sie um Unterstützung ersuchte.

Hommage auf Nelson Mandela: The Messenger - von Joan Armatrading (1999)

Im Jahr 1999 schrieb sie ein Lied (The Messenger) als Hommage auf Nelson Mandela und führte dieses Lied auch im Beisein des ersten schwarzen Präsident von Südafrika und Friedensnobelpreisträger auf. Ansonsten beschäftigte sich Joan Armatrading mit anderen Sachen. So studierte sie im Fernstudium an der Open University und erhielt ihren Bachelor (Honours) in Geschichte im Jahr 2001. Später erhielt sie sogar drei Ehrendoktorwürden im Bereich Musik der University of Birmingham (2002), Royal Scottish Academy of Music and Drama (2008) und Open University (2013). Außerdem ist Joan Armatrading Member of The British Empire (MBE 2001).


Joan Armatrading: The Messenger (1999)

Joan Armatrading: Doktorat 28. Juni 2008 an der Royal Scottish Academy of Music and Drama, Glasgow (Honorary Doctorate Music)

Es dauerte also bis zum 25. März 2003, bis Joan Armatrading ihr insgesamt 15. Studioalbum herausbrachte: Lovers Speak. Die Scheibe wurde bei G2 Music aufgenommen und bei Denon Music, einem Teil der Savoy Label Group, veröffentlicht.

    Joan Armatrading: Lovers Speak (2003)

Auf Lovers Speak, das Joan Armatrading vollständig allein komponierte, textete, arrangierte und produzierte, spielt sie auch alle Instrumente – bis auf Schlagzeug und die Bläsersätze auf zwei Stücken (Saxophon und Trompete) – selbst. Gewidmet wurde das Album Joans guten Freunden Gus Dudgeon und seiner Frau Sheila Bailey, die beide bei einem Autounfall im Juli 2002 getötet worden. Gus Dudgeon hatte ihr Debüt-Album Whatever’s for Us im Jahr 1972 produziert.

Nun die Jahre waren nicht völlig ungeschadet an Joan Armatrading vorübergezogen. Nicht nur, dass sie ‚kleinere Brötchen’ backen musste (für das Vorgängeralbum hatte ihr die Plattenfirma neben vielen namhaften Studiomusikern nicht nur ein ganzes Orchester zur Untermalung bereitgestellt, sondern auch noch ein bekanntes Streichquartett und eine Bläsergruppe), auch scheint sie mir etwas ‚aus der Übung’ gekommen zu sein. Das betrifft ihre Stimme, die deutlich gereift ist, aber auch ihr Gitarrenspiel. Okay, auf ‚What’s Inside’ hatte sie noch einmal richtig einen Zahn zugelegt. Acht Jahre später war sie inzwischen 52 Jahre alt und damit ruhiger und bedachter geworden. Das Spielen der Keyboards hatte sie zuvor anderen überlassen können. Jetzt haute sie wieder selbst in die Tasten. Und selbst den Bass entlockte sie Töne, wenn auch eher schlicht gestrickt (und bei einigen Stücken verzichtete sie ganz auf dieses Instrument). Am Ende tut es aber diesem Album gut. Manches Frühere war für mich zu überarrangiert. ‚Lovers Speak’ kommt eher schlicht daher, ist gerade dadurch aber wieder näher bei der Joan Armatrading früher Jahre.

In einem Interview für die Washington Post im Juli 2003 sagt sie über die Lieder dieses Albums, dass diese von den Reaktionen der Menschen handeln die Liebe betreffend: Alles was in der Liebe passiert, das sich Verlieben und wie man das sich Verlieben ‚überlebt’ (that they „are about people’s reactions to love and what happens in love, falling in love and how to survive falling in love“.)

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

1. „Lovers Speak“ – 5:59
2. „Physical Pain“ – 3:24
3. „In These Times“ – 3:16
4. „Waiting“ – 2:52
5. „Prove Yourself“ – 3:33
6. „Fire And Ice“ – 3:26
7. „Love Bug“ – 3:20
8. „Let’s Talk About Us“ – 3:59
9. „Ocean“ – 3:33
10. „Tender Trap“ – 4:09
11. „Less Happy More Often“ – 3:53
12. „Crazy For You“ – 4:09
13. „You Make Your Bed“ – 3:52
14. „Blessed“ – 1:49
15. „Lovers Speak“ (Radio Edit) – 3:32

Das Album beginnt gleich mit dem Titellied „Lovers Speak“, einen poppigen, angenehm anzuhörenden Opener mit Ohrwurmqualität. Dem Gesang wurde hier noch ziemlich ‚overdubbed‘ nachgeholfen:


Joan Armatrading: Lovers Speak

„Physical Pain“ kommt mit Bluescharakter daher und klingt im Zusammenspiel von Gitarre und Klavier etwas abgehakt. In der Mitte gibt es ein erstes Gitarrensolo von Joan. Das Lied handelt offensichtlich vom ‚Liebesschmerz’:


Joan Armatrading: Physical Pain

„In These Times“ ist ein sehr bewegendes Lied und passt in unsere Zeit, in der Terror die Welt in Atem hält. Joan begleitet sich auf dem Klavier. Im Hintergrund sind Strings (Streicher) zu hören, ebenfalls auf dem Keyboard gespielt:


Joan Armatrading: In These Times

In „Waiting“, einem Blues, erklingt eine ‘schmetternde’ akustische Gitarre. Als Untermalung dient die elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: Waiting

„Prove Yourself“ swingt mit akustischer Gitarre und diversen Keyboardeinsätzen, die andere Instrumente imitieren (ich höre u.a. ein Zylophon heraus). Das Stücke enthält wiederum ein kurzes Solo auf der elektrischen Gitarre:


Joan Armatrading: Prove Yourself

„Fire And Ice“ ist ein langsames Lied mit Wechselgesang durch Joan. Wieder klingt ein Keyboard mit String-Unterstützung:


Joan Armatrading: Fire And Ice

„Love Bug“ ist so etwas wie ein ‘Gute-Laune-Stück’ mit Bläsern und stampfenden Bass und Perkussion. In kurzen Zwischenspielen erklingt auch eine elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: Love Bug

„Let’s Talk About Us“ beginnt mit akustischer Gitarre und dem Gesang von Joan. Dann klingt es wie ein Vortrag von Richie Havens: Joan haut in ihre akustische Gitarre, dazu hämmern Congas – als weiteren Höhepunkt ein feines Solo auf der elektrischen Gitarre:


Joan Armatrading: Let’s Talk About Us

„Ocean“ ist besonders anfangs und in Zwischenpassagen ein Anklang an alte Zeiten mit Joan Armatrading. Getragen wird das Lied wiederum durch akustische Gitarre und Perkussionsinstrumente:


Joan Armatrading: Ocean

„Tender Trap“ ist ein schönes, leicht-lockeres Lied im Reggae-Stil. Da darf auch der Bass wieder einmal etwas mehr wummern. Die Mandoline dient zur Untermalung. Und dann erklingt auch noch eine Mundharmonika. Das Lied endet mit elektrischer Gitarre:


Joan Armatrading: Tender Trap (Liveversion von der DVD: All the Way From America, Juni 2003)

„Less Happy More Often“ ist ein Wechsel zwischen Piano und akustischer Gitarre und ein eher langsames Stimme, das durch die kraftvolle Stimme Joans bestimmt wird:


Joan Armatrading: Less Happy More Often

Mit „Crazy For You“ folgt ein weiteres langsames Stück mit Keyboards, in dem der Bass wieder etwas brummen darf:


Joan Armatrading: Crazy For You

„You Make Your Bed“ ist ein durch Bass und Schlagzeug rhythmisch betontes Stück. Dazu erklingt die akustische Gitarre im Hintergrund, dann die elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: You Make Your Bed

Mit „Blessed“ endet die eigentliche CD. Es ist ein langsames Stück und enthält erst Keyboards, dann die akustische Gitarre – am Ende hören wir dann noch ein Saxophonsolo. Für Joan ist das Lied ein Dank an ihr Leben, das sie hat: „It’s not about fame and money, it’s just life and how you feel.“ („Es geht nicht um Ruhm und Geld, es ist nur das Leben und wie du dich fühlst.“)


Joan Armatrading: Blessed

Auf meiner CD folgt noch die ‘Radio Edit’, die verkürzte Radiofassung des Titelsongs „Lovers Speak“.

Als das Album 2003 erschien, war die Freude groß, endlich einmal wieder etwas Neues von Joan Armatrading zu hören. Und da sie sich auf dem Album der alten Tugenden früherer Jahre bediente, gewissermaßen ‚zurück zu ihren Wurzeln’ kehrte, war die Freude beim Hören noch um einiges größer. Joan war reifer, auch körperlich fülliger geworden. Der Spaß, ja die Freude an dem eigenen Schaffen, vor allem wenn man vieles inzwischen viel lockerer sieht, überträgt sich auch auf den Zuhörer.