Kategorie-Archiv: Fußball: Welt- und Europameisterschaften

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006/2010 & Europameisterschaft 2008

Wenn die Kleinen die Großen ärgern

Wer ins Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft kommen will, muss zunächst sechs Spiele (davon drei vielleicht sogar mit Verlängerung) beschreiten, um dann im siebten Spiel nach der Krone (in diesem Fall nach dem Pokal) zu greifen. Das ist ein langer Weg – nach einer sowieso schon langen Saison. Also wird eine Mannschaft nicht schon gleich im ersten Spiel alle Energie hineinstecken wollen, um die nötigen Punkte einzuheimsen. So z.B. Brasilien gestern bei der WM in Russland gegen die Schweiz. Nachdem die Südamerikaner 1:0 führten und das Spiel (scheinbar) im Griff hatten, schalteten sie einen Gang zurück, zumal die Schweizer im Angriff eher harmlos wirkten. Eine Standardsituation änderte dann aber wieder alles: Nach einer Ecke glichen die Eidgenossen aus. Und so blieb es bis zum Spielende: 1:1.

    (c) FIFA

Ja, wenn die Kleinen die Großen ärgern. Schon zuvor taten sie die vermeidlichen Favoriten schwer: Uruguay schaffte gerade noch ein 1:0 gegen Ägypten, Frankreich erkrebste sich ein 2:1 gegen Australien. Argentinien kam ebenfalls nicht über ein 1:1 gegen Island hinaus. Und das deutsche Team verlor sogar gestern gegen Mexiko.

Das Unternehmen Titelverteidigung der deutschen Mannschaft ist so gehörig ins Stocken geraten. Jetzt müssen Punkte her gegen Schweden und Südkorea (aber die müssten sowieso geholt werden). Sollte den Deutschen das gleiche Schicksal ereilen wie vor vier Jahren, als der damals amtierende Weltmeister Spanien bereits in der Vorrunde ausschied?

Der Bessere soll gewinnen – und das war gestern Mexiko gegen eine desolat agierende Mannschaft aus Deutschland. Schon in den letzten Vorbereitungsspielen zeigte ‚die Mannschaft‘, wie weit sie vom angepeilten Weg entfernt ist. So wird das nichts.

Da freue ich mich für die Isländer. Selten hatte ich so feuchte Hände wie bei diesem Spiel gegen den immerhin noch amtierenden Vizeweltmeister Argentinien. Die erste Halbzeit mit dem 1:1 ging dann auch voll und ganz in Ordnung. Nur in der 2. Halbzeit, als Island sich nur noch als Bollwerk gegen die Südamerikaner stemmte (und nach dem verschossenen Elfer durch Messi auch noch das dazugehörge Glück hatte), hätte ich mehr Entlastungsangriffe erwartet. Aber am Ende reichte es dann ja doch: HUH!

Mich interessiert das Abschneiden Islands mehr als das der Deutschen. Island, das ja bereits bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren für Furore sorgte (Unentschieden gegen Portugal, Siege gegen Österreich und England), sind die klaren Außenseiter. Die Mannschaft definiert sich über eine starke Abwehr und durch das geschickte Ausnutzen von Standards (die Einwürfe sind jetzt schon berüchtigt). Wie sagt Alfred Finnbogason, Spieler des FC Augsburg und Schütze des isländigen Treffers: „Wir sind leicht zu analysieren, aber schwer zu schlagen!“.

Wenn die deutsche Mannschaft in den kommenden Spielen wieder zu ihrer alten Klasse zurückfindet, dann werde ich mich natürlich freuen. Mehr noch werde ich aber jubeln, wenn Island das Achtelfinale erreichen sollte (und dann vieleicht noch etwas mehr).

Ich gestehe aber auch schon: Nach bisher 11 von insgesamt 64 Spielen bei der WM 2018 ist bei mir schon ein gewisser Sättigungsgrad erreicht. Spiele wie Marokko – Iran schaue ich erst gar nicht (höchstens noch in der Zusammenfassung). Es sind einfach zu viele Teams dabei. Bedenkt man, dass bei der WM in acht Jahren bereits 48 Nationalmannschaften an der Endrunde teilnehmen sollen (16 Gruppen a drei Mannschaften), dann ist das Maß längst überschritten. Und dann kommt noch vom europäischen Fußballverband ab diesem Jahr die UEFA Nations League hinzu. Da dürfen sich die Fußballfans über noch mehr ‚Gegurke‘ freuen!

Das Tippen von Spielergebnissen erspare ich mir dieses Jahr. Natürlich wollt Ihr wissen, wer für mich der Favorit auf den WM-Titel ist. Irgendwie dachte ich an Frankreich. Nach dem bisher besten Spiel Portugal – Spanien (Endergebnis 3:3) meine ich, das Spanien wieder zum engeren Favoritenkreis gezählt werden muss.

Italian Apocalypse Now

Nein, ich will und kann mich nicht darüber lustig machen, dass Italien die Fußball-WM-Endrunde in Russland im nächsten Jahr verpasst hat. Natürlich konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als im Vorfeld des Playoff-Rückspiels gegen Schweden der italienische Team-Manager Gabriele Oriali sagte, dass eine Weltmeisterschaft ohne den viermaligen Titelträger Italien unvorstellbar wäre. Verbandschef Carlo Tavecchio legte da verbal noch einen drauf: „Die Aussicht, dass wir uns nicht qualifizieren, würde einer Apokalypse ähneln.“

Apocalypse Now: Italien verpasst die WM 2018 in Russland

Nun die Fußball-Großmacht Italien hat erstmals seit 1958 eine WM-Endrunde verpasst und damit die von Verbandschef Carlo Tavecchio befürchtete Apokalypse im Land der viermaligen Weltmeisters perfekt gemacht. Nach der 0:1-Niederlage in Schweden spielten die Italiener nur 0:0 vor Mailänder Publikum und müssen nun den Schweden den Vorrang lassen. Carlo Tavecchio wandte sich schon mal vorsorglich an den Weltverband FIFA. Der Präsident sprach sich für einen „Traditions-Bonus“ für Top-Nationen aus: „Ich habe mit FIFA-Chef Gianni Infantino über das Qualifikationssystem geredet. Man kann nicht die vier WM-Titel Italiens unberücksichtigt lassen. Man kann nicht die Geschichte ignorieren“, sagte er.

Was ist dazu zu sagen? Es ist schon etwas lächerlich.

Zum Rückspiel vorgestern: Bereits in der neunten Minute forderten die Hausherren einen Elfmeter, als der Bremer Profi Ludwig Augustinsson im Strafraum Marco Parolo einen Schubser verpasste. Der spanische Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz ließ aber weiterspielen. Auf der anderen Seite verwehrte der Referee Schweden einen Strafstoß, nachdem Matteo Darmian den Ball mit der Hand touchiert hatte. Nach einer knappen halben Stunde lag der Referee falsch, als er ein Handspiel von Andrea Barzagli im italienischen Strafraum übersah. Obwohl die „Squadra Azzurra“ deutlich mehr vom Spiel hatte, so wirkte sie überhastet und oft ideenlos.

Für Italiens 39 Jahre alte Torwart-Legende Buffon, der seine sechste WM-Teilnahme verpasste, war das 175. Länderspiel auch sein letztes. Mit ihm beendeten einige weitere Weltmeister von 2006 ihre internationale Karriere sofort nach der Partie: Die Verteidiger Andrea Barzagli (36) und Giorgio Chiellini (33) sowie Mittelfeldspieler Daniele De Rossi (34) werden nicht mehr für Italien auflaufen.

Neben dem letztmaligen WM-Dritten Niederlande werden nun also auch die Italiener die WM im nächsten Jahr von den heimischen Stuben aus betrachten dürfen. Niederlande und Italien also nicht, dafür haben sich Panama und vor allem Island (Achtung Russland: Die Wikinger kommen), die bereits bei der Europameisterschaft im letzten Jahr für Furore gesorgt haben, für die WM 2018 qualifiziert. Für gute Stimmung auf den Rängen ist also gesorgt, da leider weder Wales, Nord-Irland noch Irland die Qualifikation schafften. Irland verlor nach dem 0:0 in Dänemark, was noch für Hoffnung sorgte, gestern zu Hause trotz einer frühen 1:0-Führung am Ende mit 1:5 gegen die Dänen. Wenn sein Stern bisher nur in der englischen Premier League zu glänzen verstand, so dürfte er vielleicht einer der neuen WM-Stars werden: Christian Eriksen, der allein drei der fünf Tore für Dänemark schoss und spätestens seit gestern Abend der neue Nationalheld Dänemarks ist.

Bis jetzt stehen 30 der insgesamt 32 Teilnehmer (von 210 Bewerbern) an der WM in Russland, die vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 mit insgesamt 64 Spielen stattfindet, fest. Heute Morgen ab 10 Uhr MEZ wird der 31. Qualifikant im Spiel Australien – Honduras (Hinspiel in Honduras 0:0) und in der Nacht zu Donnerstag (ab 3 Uhr 15 MEZ) der 32. Teilnehmer zwischen Peru und Neuseeland (Hinspiel ebenfalls 0:0) ermittelt.

Ergänzung: Australien gewinnt 3:1 gegen Honduras und ist der 31. Teilnehmer an der WM. Und im letzten Qualifikationsspiel gewinnt Peru 2:0 gegen Neuseeland.

Somit haben sich folgende Mannschaften für das WM-Turnier qualifiziert:

aus Europa:

Russland als Gastgeber
Frankreich
Portugal
Deutschland
Serbien
Polen
England
Spanien
Belgien
Island
Kroatien
Schweiz
Schweden
Dänemark

aus Nord- und Mittelamerika:

Mexiko
Costa Rica
Panama

aus Südamerika:

Brasilien
Uruguay
Argentinien
Kolumbien
Peru

aus Asien:

Iran
Südkorea
Japan
Saudi-Arabien
Australien

aus Afrika:

Nigeria
Ägypten
Tunesien
Marokko
Senegal

Die Ozeanische Zone stellt leider keine Ländermannschaft. Neuseeland ist als letzter Kandidat in den Interkontinentalen Play-offs an dem Fünftplatzierten aus Südamerika Peru gescheitert.

WM-Auslosung am 1. Dezember in Moskau

Nachdem alle 32 Qualifikanten feststehen, ist auch bekannt, welche Mannschaften sich in welche der vier Lostöpfe befinden. Die WM beginnt mit einer Gruppenphase. Dabei gibt es acht Gruppen mit jeweils vier Mannschaften, die gegeneinander spielen. Die deutsche Auswahl wird bei der Zeremonie am 1. Dezember im Moskauer Kreml im ersten Topf sein und somit in der Gruppenphase nicht auf andere Favoriten wie Brasilien, Argentinien oder Frankreich treffen können. Ein Vorrunden-Duell mit Spanien oder England, die in Topf zwei sind, ist hingegen möglich.

Die 32 Teams werden gemäß ihren Weltranglistenplatzierungen vom Oktober den vier Töpfen zugeteilt. In der WM-Vorrunde können nur maximal zwei Teams aus Europa in einer Gruppe aufeinandertreffen. Aus den anderen Konföderationen können die jeweiligen Teams nicht in eine Gruppe gelost werden. Eine mögliche Gruppenkonstellation wäre für Deutschland beispielsweise Spanien, Senegal und Japan. Eine leichtere Konstellation mit Peru, Iran und Panama ist auch möglich.

Die vier Töpfe

Topf 1
Russland (Gastgeber)
Deutschland
Brasilien
Portugal
Argentinien
Belgien
Polen
Frankreich

Topf 2
Spanien
Peru
Schweiz
England
Kolumbien
Mexiko
Uruguay
Kroatien

Topf 3
Dänemark
Island
Costa Rica
Schweden
Tunesien
Ägypten
Senegal
Iran

Topf 4
Serbien
Nigeria
Australien
Japan
Marokko
Panama
Südkorea
Saudi-Arabien

Achtung Russland: Die Wikinger kommen

Eigentlich sollte Fußball in diesen Tagen für einen echten Fan aus Deutschland wenig Spaß machen. Sowohl in der Champions League wie auch in der Europa League haben die deutschen Mannschaften bisher enttäuscht. Okay, die Nationalmannschaft hat sich locker für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland qualifiziert.

Freude kam für mich aber auf, als ich gesehen habe, wie die isländische Mannschaft für diese leider mehr als umstrittene Weltmeisterschaft im nächsten Jahr die Quaifikation erlangt hat.

Gylfi Sigurdsson (l) mit Birkir Bjarnason  | Bildquelle: picture alliance/ AP Photo/ Brynjar Gunnarson

Denn: Island ist erstmals bei einer WM-Endrunde dabei. Gegen den Kosovo ließen die Nordländer nichts mehr anbrennen. Damit setzt Islands Fußball-Nationalmannschaft ihr Fußballmärchen fort und hat sich zum ersten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Mit dem 2:0 (1:0) über Tabellenschlusslicht Kosovo sicherte sich das Team von Trainer Heimir Hallgrimsson am letzten Spieltag der Gruppe I den ersten Platz und das Ticket für die Endrunde im kommenden Jahr in Russland.


Sie haben es noch drauf: Isländer feiern die Qualifikation zur WM 2018

Der ehemalige Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson brachte die Gastgeber am Montag (09.10.2017) in der 40. Minute in Führung, Johann Gudmundsson traf zum Endstand (67.). Bereits im vergangenen Jahr hatte das 330.000-Einwohner-Land in Frankreich das EM-Debüt gefeiert und mit dem Achtelfinal-Sieg über das Fußball-Mutterland England überrascht. Erst im Viertelfinale war damals gegen den Gastgeber Endstation gewesen.

So darf ich also im nächsten Sommer wieder mein Island-T-Shirt herausholen. Dann heißt es auch für mich: Áfram Ísland! Und: Huuuh!

Bisher haben sich für die WM in Russland neben dem Gastgeber folgende Mannschaften qualifiziert, wobei es einige Überraschugnen gab. Die Niederlande verpasst nach der EM 2014 nun auch die WM. Ebenso Wales. Und auch Chile mit seiner ‚goldenen Generation‘ muss zu Hause bleiben. Dagegen schaffte es Argentinien dank der drei Tore von Messi gerade noch, das Ticket für Russland zu lösen.

aus Europa:

Russland als Gastgeber
Frankreich
Portugal
Deutschland
Serbien
Polen
England
Spanien
Belgien
Island

Vier Plätze sind noch frei und werden in einer Playoff-Runde unter den acht besten Zweitplatzierten der Gruppenphase ausgemacht:

Schweden
Schweiz
Nordirland
Irland
Dänemark
Italien
Griechenland
Kroatien

aus Nord- und Mittelamerika:

Mexiko
Costa Rica
Panama

Die USA sind draußen. Honduras muss noch in einem interkontinentalen Playoff gegen den Asien-Fünften Australien antreten.

aus Südamerika:

Brasilien
Uruguay
Argentinien
Kolumbien

Wie gesagt. Chile hat es nicht geschafft. Peru muss noch in einem interkontinentalen Playoff gegen den Ozeanien-Vertreter Neuseeland antreten.

aus Asien:

Iran
Südkorea
Japan
Saudi-Arabien

aus Afrika:

Nigeria
Ägypten

Drei Mannschaften stehen noch aus und werden erst im November ermittelt.

Und zwei Mannschaften finden über interkontinentale Playoffs noch den Weg nach Russland: Die Sieger aus Honduras gegen Australien und Peru gegen Neuseeland.

Das Mottenspiel

Was war eigentlich interessanter, der Angriff der Motten oder der der französischen Équipe? Wie befürchtet so war das Endspiel zwischen Portugal und dem Gastgeber Franklreich bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 nicht der eigentliche Höhepunkt, sondern eher eines der Spiele, die uns schon zuvor eher gelangweilt und daher nur wenig unterhalten haben. Wären da nicht die Motten, die die Spieler umschwirrten.

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Und wie fast gleichfalls befürchtet, so siegte am Ende der Außenseiter Portugal – und das ohne ihren Superstar Cristiano Ronaldo, der sich nach einem Zusammenprall mit Dimitri Payet am Knie so schwer verletzte, sodass er trotz der Bemühungen der medizinischen Abteilung der Portugiesen nicht weiterspielen konnte. Trotz oder gerade wegen seines Ausfalls gelang der Mannschaft in der Verlängerung das entscheidene Tor. Ronaldo fungierte da gewissermaßen als Ko-Trainer und latschte ungestraft auch durch die Coachingzone der Franzosen. Er genießt eben Narrenfreiheit.

Dimitri Payet bremst Cristiano Ronaldo aus: Euro 2016 Finale Portugal - Frankreich 1:0 n.V.

Wären da nicht die Mannschaften aus Island, Irland und Wales gewesen, diese EM würde man schnell vergessen. Die Aufstockung der Europameisterschaft von 16 auf 24 Mannschaften tut dem Ganzen nicht gut. Spielerisch brachte sie nur wenige Höhepunkte hervor. Und am Ende siegte die Mannschaft, die sich mehr oder weniger durchs Turnier mit wenig Aufwand durchgemogelt hatte. Übrigens wäre Portugal bei einem 16er-Feld bereits in der Gruppenphase ausgeschieden. So kam die Mannschaft als eine der vier besten Gruppendritten gerade noch in die KO-Runde. Und dann waren da ja noch die Motten

Wie wäre es mit Handball …

Aus und vorbei: Obwohl die deutsche Mannschaft im Halbfinale der Euro 2016 gegen Gastgeber Frankreich über weite Strecken das tonangebende Team war, verloren sie 0:2 durch krasse individuelle Fehler. Das Handspiel von Schweinsteiger in der Nachspielzeit der 1. Halbzeit leitete die Niederlage ein. Schon Boateng bescherte im Viertelfinale durch ein Handspiel den Deutschen eine Verlängerung und ein unendliches Elfmeterschießen gegen Italien. Hätte man sich ersparen können. Vielleicht sollten Boateng und Schweisteiger in die Handballabteilung ihrer Vereine wechseln?!

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Ich weiß, in Deutschland gibt es mindestens 80 Millionen Fußballexperten, die es besser wissen als Löw & Co. Aber ich möchte doch anfragen, warum Thomas Müller, der bei der EM nicht ein Bein auf die Erde bekam, auch wieder gegen Frankreich auflaufen durfte. Müller ist ein ganz toller Spieler. Aber bei dieser EM war er nicht einmal ein Schatten seiner selbst. Ohne ihn hätte es für die deutsche Mannschaft nur besser laufen können.

Wer in einem KO-Spiel kein Tor schießt, kann nur eins: verlieren. Da nützen viele Chancen nichts. Wenn die Präsision fehlt, dann fallen keine Tore. Ähnlich erging es leider schon den Walisern gegen Portugal. Denen genügten drei Minuten, um zwei Tore zu schießen und damit ins Finale zu ziehen.

Das Endspiel lautet also Portugal gegen Gastgeber Frankreich. Wer interessiert sich eigentlich für das Spiel? Wären nicht Mannschaften wie Island und Wales und die Anhänger der irischen (und auch nordirischen) Mannschaft, dann wäre das eine tröge, spielerisch magere Europameisterschaft. Was für mich bleibt, das ist der Schlachtruf der Isländer. Der schallte gestern auch noch einmal durch Marseille – die Reverenz der Franzosen an unerschrockene Wikinger aus dem hohen Norden. Vielleicht sollten Mannschaften wie Island, Wales und Irland in Zukunft ein Abo auf die Europameisterschaft bekommen …

AusgeHUHt

Auch der schönste Traum endet einmal: Islands Fußballmannschaft verlor gestern Abend gegen den Gastgeber der Euro 2016, Frankreich, mit 5:2 im Viertelfinale und darf nun den Heimweg antreten. Aber es war ein großartiges Turnier, das die Isländer gespielt und womit sie Europas Fußballherzen im Sturm erobert haben. Die Huh-Rufe der Fans werden wir vermissen.

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Frankreich trifft nun am Donnerstag auf die deutsche Mannschaft, die am Samstagabend zwar ihr Italien-Trauma loswurde (in großen Turnieren verloren sie alle bisherigen vier Spiele gegen die Italiener – zuletzt bei der Euro 2012 im Halbfinale in Warschau mit 1:2), dafür haben sie jetzt aber ein Elfmeter- und ein Verletzten-Trauma. Was da beim entscheidenden Elfmeterschießen in Bordeaux abging, war eher 3. Kreisklasse: Thomas Müller, der schon während des Spiels enttäuschte, mit einem Kullerbällchen, Schweinsteiger mit einem Schuss in die Wolken (Uli Hoeneß lässt grüßen von der EM 1976) – und, zwar kraftvoll geschossen, nur gegen den Pfosten getroffen: Mesut Özil. Das Deutschland weiterkam ist dem gleichfalls großartigen Versagen einiger italienischer Fußballspieler zu verdanken, allen voran Simone Zaza, der extra fürs Elfmeterschießen eingewechselt wurde: Mit seinen Trippelschrittchen kann er sich fürs Ballett bewerben, aber keinen Elfer schießen. Vielleicht sollten all die Herren einmal Ben Lyttletons Buch Elf Meter – Die Kunst des perfekten Strafstoßes lesen.

Euro 2016: Viertelfinale Deutschland-Italien 7:6 – Thomas Müller vergeigt einen Elfer

Neben der Gelbsperre für Hummels fallen durch Verletzung Gomez und Khedira für das Halbfinale gegen Frankreich aus. Schweinsteiger ist lädiert. Keine allzu guten Voraussetzungen für das deutsche Team. Für mich sind die Franzosen Favorit. Im ersten Halbfinale am Mittwoch zwischen Portugal und Wales treffen zwei Superstars von Real Madrid aufeinander: Cristiano Ronaldo und Gareth Bale. Wem meine Sympathie gehört, brauche ich wohl nicht zu sagen: Bale und seinen Waliser! Was die Isländer nicht geschafft haben, das Finale anzusteuern, sollte Wales vielleicht gelingen: Wie Island so wurde auch Wales als großer Außenseiter gehandelt. Aber beide Mannschaften überzeugten durch mannschaftliche Geschlossenheit, wobei die Waliser auch spielerisch (z.B. beim 3:1-Sieg gegen den Favoriten Belgien) überzeugen konnten. Ymlaen Cymru! Vorwärts Wales!

Worte zum Wochenende (26. KW 2016)

Die Euro 2016 in Frankreich geht in ihre letzte, allerdings entscheidende Phase. Gestern mit dem Sieg im Elfmeterschießen der Portugiesen gegen Polen begann das Viertelfinale. Es kommen jetzt nur noch schlappe sechs Spiele (45 liegen schon hinter uns). Nach Wales-Belgien heute Abend (wird der sportliche Brexit nun endgültig vollzogen?), folgt morgen das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Italien. Und am Sonntag empfängt dann der Gastgeber Frankreich die Huh-huh-uh-Truppe aus Ísland. Meine Daumen sind schon blau angelaufen vom vielen Däumchendrücken (hat ja aber doch was genützt, oder liebe Isländer?).

Ist Euch eigentlich schon aufgefallen, dass Portugal, die sich bis unter die letzten vier Mannschaften geschlichen haben, in keinem ihrer bisherigen Spiele nach 90 Minuten gesiegt hätte? Drei Unentschieden in der Gruppenphase, ein 1:0 erst in der Verlängerung gegen Kroatien und jetzt der Sieg nur durch Elfmeterschießen! Cristiano Ronaldo, der Minimalist!

Worte zum Wochenende (26. KW 2016 – WilliZBlog)

Und: Die isländischen Trikots (die blauen Heim-Trikots) sind inzwischen ausverkauft (nur die weißen Auswärts-Trikots sind wohl noch zu haben). Der italienische Sportartikelhersteller, der die isländische Mannschaft ausstattet, dürfte sich die Hände reiben, während die deutschen Trikots bisher noch nicht die gewünschte Käuferschar gefunden haben. Also muss der Europameistertitel her, sonst geht Adidas noch pleite?! Übrigens: Ich sitze hier mit einem himmelblau-farbenen Island-T-Shirt. Die gibt es noch. Kam gestern mit der Post (Foto folgt). Hoffe, es über den Sonntag hinaus tragen zu dürfen.

Ja, das Wochenende steht wieder vor der Tür. Und bei mir winkt auch schon mein Sommerurlaub. Guckt man auf die Wetterkarte, dann werden einem nicht nur vom Weinen die Augen feucht. Es ist zum Heulen, was uns da die nächsten zwei Wochen prognostiziert wird. Abends kann ich mich ja noch mit Fußball trösten (wirklich trösten wohl nicht, es sei denn, statt des taktischen Geplänkels gibt’s endlich Fußball, richtigen Fußball), aber sonst?

siehe auch:
Worte zum Wochenende (20. KW 2016)
Worte zum Wochenende (23. KW 2016)
Worte zum Wochenende (25. KW 2016)

Englands Abschied von Europa

Es ist schon traurig, was Englands Obere zu bieten haben. David Cameron wirft hin. Und Roy Hodgson auch. Nach dem Brexit jetzt das Aus der englischen Nationalmannschaft bei der Euro 2016 in Frankreich. Der eine, Cameron, Noch-Premierminister von Großbritannien, dürfte von Londons früherer Ex-Bürgermeister Boris Johnson, der sich an die Spitze der Brexit-Kampagne gestellt hatte, beerbt werden. Noch so ein schräger blonder Wirrkopf! Der andere, Hodgson, hat als Trainer ausgedient. Da ging so einiges gehörig schief im ‚Vereinigten Königreich‘ in diesen Tagen.

Islands Fan – Achtelfinale Euro 2016: England – Island 1:2

Ísland hat sein erstes KO-Spiel bei einem großen Fußball-Turnier überstanden und die Engländer nach einem 2:1-Sieg und aufopferungsvollem Kampf besiegt. Wenig beeindruckt vom Rückstand durch einen von Wayne Rooney verwandelten Foulelfmeter (4.) drehte Island das Spiel innerhalb von zwölf Minuten. Zunächst traf der ehemalige Hoffenheimer Gylfi Sigurðsson nach einem längst bekannten Einwurf-Trick (6.), dann sah Englands Torhüter Joe Hart beim Schuss von Kolbeinn Sigþórsson schlecht aus (18.). Je länger das Spiel dauerte, desto entnervter wurden die Engländer: Sie hatten die meiste Zeit den Ball, aber sie wussten damit nichts anzufangen – auch Rooney nicht. Die Isländer rannten und kämpften die Lücken zu, sie warfen sich in jeden Ball. Und sie erzwangen ihr Glück.

Ich gestehe, mich selten so für eine Mannschaft gefreut zu haben. Es heißt weiterhin: Áfram Ísland! Und jetzt gegen den Gastgeber Frankreich am Sonntag um 21 Uhr. Wer weiß, was noch alles möglich ist?

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Abgesehen von Island glaube ich nun doch fast, dass Deutschland Europameister werden könnte. Okay, die Belgier haben gegen Ungarn beim 4:0-Sieg ganz ordentlich gespielt. Der gestrige 2:0-Sieg der Italiener gegen den noch amtierenden Europameister Spanien geht in Ordnung, denn besonders in der 1. Halbzeit agierten die Spanier wie unter Einwirkung von Schlafmitteln. In der 2. Halbzeit war dann die Altherrentruppe Italiens wie ausgelaugt, hatte aber auch da noch die besseren Torchancen. Außerdem hat das deutsche Team gegen die Italiener (beide treffen am Samstag im Viertelfinale aufeinander) eine Rechnung von der letzten EM offen, als Italien im Halbfinale die Deutschen 2:1 schlug. Deutschlands 3:0-Sieg gegen die Slowakei hätte gut und gern auch höher ausfallen können. Und die anderen Teams mühten sich mehr recht als schlecht durchs Achtelfinale: Polen erst im Elfmeterschießen, Portugal in der Verlängerung, Wales und Frankreich mit knappen Siegen. Nach zwei Ruhetagen geht es dann am Donnerstag mit den Viertelfinalspielen weiter. Und natürlich drücke ich da besonders den Isländern wieder die Daumen!

Worte zum Wochenende (25. KW 2016)

Oh je, müssen jetzt die Fußball-Teams aus England und Wales die Heimreise antreten, weil ihr Wahlvolk für Brexit, also dem Austritt aus der EU gestimmt hat (Nordirland dürfte bleiben, dort war man mehrheitlich für den Verbleib)? Keine EU, keine EM? 😉

Worte zum Wochenende (25. KW 2016 – WilliZBlog)

So richtig glauben mag man es noch nicht, dass bei einer Wahlbeteiligung von immerhin 72,2 % 17,41 Millionen Briten (51,9 %) für Brexit und ‚nur‘16,14 Millionen Briten (48,1 %) für den Verbleib gestimmt haben.

    EU-Referendum Brexit – Ergebnis nach ‚Nationen‘

Neben den Nordiren sind es vor allem die Schotten, die weiterhin in der EU bleiben möchten. Die hätten vor zwei Jahren wohl doch besser für ihre Unabhängigkeit stimmen sollen: (Leave won by 52% to 48% with England and Wales voting strongly for Brexit, while London, Scotland and Northern Ireland backed staying in the EU). Was nicht ist, kann aber doch noch werden.

Natürlich ist der Brexit Top-Thema des heutigen Tages. Stellvertretend möchte ich einen Kommentar auf der Facebookseite der Scottish National Party (SNP) hier aufführen: Hope you are accepting immigrants from Wales when you get independence.

    EU-Referendum Brexit – ‚lokale‘ Ergebnisse

Apropos Fußball und EM: Morgen geht’s (endlich) wieder weiter mit den Achtelfinalspielen. Ab da gilt das KO-System. Wie gestern erwähnt so teilt sich die KO-Phase in zwei Stränge, wobei sich die Favoriten schon vor dem Finale eliminieren werden: Spanien, Italien, England, Frankreich und Deutschland werden sich schon vor dem Finale begegnen und gegenseitig ausschalten. Im zweiten ‚Strang‘ befinden sich die vermeintlichen Außenseiter wie die Schweiz, Polen, Kroatien, Portugal oder Belgien. Hätte das deutsche Team gegen Nordirland 1:1 gespielt statt mit 1:0 zu siegen, dann wären sie ‚nur‘ Gruppenzweiter geworden und hätten es mit den (ich wiederhole es: vermeintlich) leichteren Gegnern zu tun. Ein Eigentor kurz vor Ende des Spiels wäre doch machbar gewesen, oder? 😉 Und statt der Slowakei wäre die Schweiz am Wochenende Gegner des deutschen Teams. Ziemlich absurd das Ganze (weil aber eben auch Mannschaften wie England und Spanien ‚nur‘ Zweite in ihren Gruppen wurden).

Worte zum Wochenende (20. KW 2016)
Worte zum Wochenende (23. KW 2016)

Áfram Ísland!

Eigentlich wollte ich hier etwas über die maue Torausbeute bei der Euro 2016 in Frankreich schreiben. Und wie so mancher Fußballstar nicht die Kurve bekommt:

Bisher war es eine Meisterschaft der Kollektive. So konnten sich Mannschaften wie Nordirland, Island oder Irland (ja, auch die!) fürs Achtelfinale qualifizieren, die durch mannschaftliche Geschlossenheit – besonders in der Abwehr – überzeugen konnten. Von den großen Star konnten nur wenige überzeugen, sicherlich Andrés Iniesta, der aber die 2:1-Nierderlage der Spanier gegen Kroatien auch nicht verhindern konnte (Sergio Ramos hatte bisher nicht seine besten Tage) – und vielleicht Gareth Bale, der mit seinen walisischen Mannen trotz der unglücklichen Niederlage gegen England den Gruppensieg (vor England) einfahren konnte. Und das dürfte noch nicht das Ende sein

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Der gestrige Tag begann nicht besonders. Als ich aber nach Hause kam, kreuzte mein Sohn (der jüngere der beiden) freudestrahlend meine Bahn: Er hatte morgens ein Vorstellungsgespräch und hat ab 1. August den Job. SUPER! Und dann gab es gestern das Spiel der Isländer gegen Österreich. Ein Unentschieden hätte den Nordmännern zum Weiterkommen gereicht. Und nach einem Lattentreffer war es nach knapp 18 Minuten Kolbeinn Sigþórsson, der den Ball zum 1:0 für Island in die Maschen des Tores jagte. Nach dem Ausgleich für Österreich nach 60 Minuten schien die isländische Mannschaft zu wanken. Aber die Abwehr hielt dicht. Und durch einen Konter in der Nachspielzeit gelang dann durch Arnór Ingvi Traustason sogar noch der Siegtreffer für Island. Áfram Ísland! Vorwärts Island! Als Gruppenzweiter – vor Portugal, geht es nun gegen England im Achtelfinale. Was für eine Geschichte!

Euro 2016 in Frankreich: Isländische Fans

Natürlich hatten die Isländer viel Glück. Aber das Glück ist bekanntlich mit den Tüchtigen. Und überhaupt: halb Europa hat die isländische Mannschaft inzwischen adoptiert. So wie viele den Iren die Däumchen drücken (allein schon wegen ihrer unbeschreiblichen Fans), so halten viele zu Island. Und auch Islands Fan kann man nur ins Herz schließen. Oder auch wie ich in einem Kommentar bei 11freunde.de las: … „wenn sich die Mannschaftsaufstellung schon liest wie aus ‚Wickie und die starken Männer‘ kann das nur gut werden: ISLAND!“Hannes Þór Halldórsson, Ragnar Sigurðsson, Aron Gunnarsson, Theódór Elmar Bjarnason, Jón Daði Böðvarsson und natürlich Eiður Guðjohnsen. Nordisch-lyrischer Singsang wie aus der Edda.

Nun auch Irland hat es geschafft. Und so dürfen wir uns neben den Isländern weiterhin auch an den Iren und ihren Fans erfreuen. Die Euro ist gottlob nicht nur ein kommerzielles, taktisch defensiv ausgerichtetes Unternehmen. Auch wenn die Iren und Isländer nicht immer den technisch ausgefeiltesten Fußball bieten. Man bangt mit ihnen, hält die Daumen und freut sich über jede halbwegs gelungene Aktion. Glückwunsch an Irland, Island – auch die Nordiren will ich nicht gegessen!

Euro 2016 in Frankreich: Isländische Fans

Gestern endet also die Gruppenphase. Damit sind bereits 36 von 51 Spielen Fußball-Geschichte (über 70 %). Nach zwei Tagen Pause geht’s dann am Samstag mit den Achtelfinalspielen in der KO-Phase weiter, und damit, ganz ehrlich, beginnt die eigentliche Europameisterschaft.

Neben Island und Irland freut mich natürlich auch das bisher gute Abschneiden der walisischen Mannschaft um Superstar Gareth Bale. Ja, ich und meine Affinität zum ‚Nordischen‘ bzw. Britischen. Nicht umsonst haben meine beiden Söhne als Zweitnamen Namen aus Island (Einar) und Wales (Vaughan – abgeleitet von fechan = klein (Walisisch)).

Und die KO-Phase teilt sich in zwei Stränge, wobei sich die Favoriten schon vor dem Finale eliminieren werden: Was haben Spanien, Italien, England, Frankreich und Deutschland gemeinsam? Diese EM-Mitfavoriten werden sich schon vor dem Finale begegnen und gegenseitig ausschalten. Die Chance, dass es dagegen ein vermeintlicher Außenseiter ins Finale schafft, ist größer denn je (Schweiz, Polen, Kroatien, Portugal oder Belgien).

Mit Zlatan Ibrahimović (Schweden) und Tomáš Rosický (Tschechien) haben sich zwei Altstars bereits von der Euro 2016 verabschiedet. Hinzu kommt Zlatko Junuzović (Österreich), der durch eine Verletzung und dann durch das frühe Ausscheiden seiner Mannschaft leider nicht auf sich hat aufmerksam machen können. Vielleicht ganz gut für den SV Werder Bremen, denn dann wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als in Bremen zu bleiben.

Gestern ist wohl der Knoten bei Cristiano Ronaldo (Portugal) geplatzt. Mit zwei sehenswerten Toren meldete er sich und Portugal zurück im Euro-Geschehen. Bei anderen ist es noch nicht soweit: Robert Lewandowski (Polen) und Paul Pogba (Frankreich) enttäuschten bisher. Luka Modrić (Kroatien) muss sich auch erst noch beweisen (war zuletzt verletzt ausgeschieden).

Und Russland, der Gastgeber der nächsten Weltmeisterschaft 2018? Die zweitälteste Mannschaft (nach Italien) schied sang- und klanglos aus. Es reichte nur zu einem Unentschieden gegen England. Lediglich die brutalen russischen Hooligans machten auf sich aufmerksam. Mich wundert es, dass Putin nicht längst eingegriffen hat, um den russischen Fußball auf den ‚richtigen Weg‘ zu bringen. Ein Umbruch der Mannschaft zwei Jahre vor der WM kommt reichlich spät. Und die Gefahr vor gewaltbereiten Hooligans? Das wird Putin allerdings schon zu regeln wissen. Notfalls wandern die in den Knast. Oder mit ihren guten Kontakten zur Politik werden sie sich schon ruhig verhalten (vielleicht dürfen sie auch mit Duldung höchster Stellen den einen oder andern schwulen Fußballfan ‚zur Raison‘ bringen).

Am Samstag geht’s also weiter. Natürlich gucke ich auch die Spiele der deutschen Mannschaft. Ich sehe da noch reichlich Steigerungspotential. Aber das deutsche Team ist bekanntlich eine Turniermannschaft und hat sich immer zur rechten Zeit – von kleinen Hängern abgesehen – finden können. Die Slowakei ist der nächste Gegner (Sonntag, 26.06., um 18 Uhr), gegen die es allerdings in der Vorbereitung eine 1:3-Niederlage hagelte.

Putin und die Hooligans

Die offensichtlich gut organisierten russischen Hooligans bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sind extrem nationalistisch, also ganz im Sinne von Präsident Putin. Mit Sport wird in Russland Außenpolitik betrieben – entsprechend eng sind die Verbindungen zwischen der Szene und der Politik. (Quelle: tagesschau.de)

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Da gibt es das staatlich gesteuerte Doping, sodass Überlegungen angestellt werden, Russland bei der im August d.J. in Rio stattfindenden Olympiade auszuschließen. Und bei der Vergabe der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft 2018 an Russland dürfte die Korrumpierbarkeit einige FIFA-Offiziellen ausgenutzt worden sein.

Zurück nach Frankreich: Etwa 150 russische Hooligans waren an den Ausschreitungen zwischen Fangruppen in Marseille beteiligt. „Sie sind gekommen, um sich zu schlagen“, sagte Staatsanwalt Brice Robin über die „extrem trainierten“ ‚Fußballanhänger‘. Die Polizei konnte keinen von ihnen festnehmen. Sie hätten extrem schnell gehandelt und seien dann wieder verschwunden. (Quelle: sportschau.de)

Russische Hooligans hatten sich am Samstag in der französischen Hafenstadt Marseille vor einem EM-Spiel einen brutalen Straßenkampf mit überwiegend englischen Fußballfans geliefert, es gab mehrere Schwerverletzte. Inzwischen wurden drei der beteiligten russischen Hooligans identifiziert und am Donnerstag im Schnellverfahren in Frankreich zu Haftstrafen verurteilt.

Sechs weitere russische Hooligans haben auf ihrer Rückreise aus Marseille in Köln spanische Touristen angegriffen und einen von ihnen schwer verletzt. Die gewalttätigen Fußballfans seien daraufhin in Polizeigewahrsam genommen worden, teilte die Polizei Köln mit. Die 26 bis 30 Jahre alten Männer seien am Donnerstagabend gegen 19 Uhr „äußerst aggressiv und brutal“ auf die Touristen losgegangen. (Quelle: heute.de)

Für Empörung hatte die Äußerung des russischen Parlaments-Vizepräsidenten Igor Lebedew gesorgt, der nach den Ausschreitungen rund um das EM-Spiel zwischen Russland und England in Marseille erklärt hatte, er könne nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden: „Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so“, hatte Lebedew bei Twitter geschrieben. (Quelle: heute.de)

Natürlich sind auch ‚Anhänger‘ anderer Nationalmannschaften an Ausschreitungen beteiligt. So deutsche ‚Fans‘ von Dynamo Dresden, denen die Einreise nach Frankreich verweigert wurde. Dresden? Warum kommt mir das so bekannt vor?

Es ist nicht das erste Mal, dass deutsche ‚Fans‘ unrühmliche Fußballgeschichte geschrieben haben. So wurde bei der Weltmeisterschaft 1998 – ebenfalls in Frankreich – im nordfranzösischen Lens der Polizist Daniel Nivel durch deutsche Hooligans zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Er überlebte den Vorfall, ist heute aber schwerbehindert und kann sich an nichts mehr erinnern. (Quelle: de.wikipedia.org)

Und bereits knapp zwei Jahre zuvor bei einem Testspiel am 4. September 1996 in Zabrze zwischen Deutschland und Polen interessierten die Tore von Oliver Bierhoff und Jürgen Klinsmann niemanden – es wurde einer der dunkelsten Tage in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Denn ein Teil der Fans, die die Mannschaft begleiteten, fielen mit antisemitischen Gesängen und Plakaten auf. „Schindler-Juden, wir grüßen Euch“, war zu lesen – „Wir sind wieder einmarschiert“, war zu hören. Ausschreitungen auf den Rängen gab es ebenfalls. „15 Jahre hat es gedauert, ehe Deutschland mal wieder ein Länderspiel in Polen ausgetragen hat, von uns aus darf es nun wieder 15 Jahre dauern“, wurde später ein polnischer Polizist in Medien zitiert. Er sollte Recht behalten. Außenminister Klaus Kinkel schrieb der polnischen Regierung: „Ich schäme mich.“ (Quelle: sportschau.de)


Deutschland – Polen in 1996 Zabrze

Natürlich gibt auch eine sportliche Seite der Fußball-Europameisterschaft. So taten sich Frankreich gegen Albanien und England gegen Wales bei ihren knappen Siegen äußerst schwer, die erst in der Nachspielzeit klar gemacht werden konnten. Und dem deutschen Team ging es nicht besser: Gestern reichte es nur zu einem 0:0 gegen Polen. Bereits zuvor hatten die Nordiren überraschend 2:0 gegen die Ukraine gewonnen, so wie schon am Dienstag Ungarn die Österreicher und am Mittwoch die Slowakei die Russen aus ihren EM-Träume rissen.

Es ist eine EM der wenigen Tore, die zudem oft erst in der Nachspielzeit fallen. Und weiterhin wird viel Beton angerührt. Ich denke, dass es keine so gute Idee war, die EM von 16 auf 24 Mannschaften aufzustocken.