Kategorie-Archiv: Tatort

Tatort-TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Film der Woche: Tatort (1051) aus Bremen: Im toten Winkel (2018)

Als der Rentner Horst Claasen seine demenzkranke Frau tötet, sehen sich die Bremer Ermittler Inga Lürsen und Stedefreund mit einem gesellschaftlichen Tabuthema konfrontiert. Hat sich Horst Claasen die häusliche Pflege tatsächlich nicht leisten können?

Der Gutachter Carsten Kühne führt die Ermittler Schicht um Schicht in den Alltag von Pflegenden ein, die sich aufopferungsvoll um ihre Angehörigen kümmern. Die Kommissare geraten in einen toten Winkel des deutschen Pflegesystems, ihnen stockt angesichts der Ungerechtigkeit und der persönlichen Schicksale der Atem.

Der „Tatort – Im toten Winkel“ (RB / X Filme) setzt weniger auf die üblichen Spannungs-Elemente eines Krimis, er porträtiert eher nüchtern, fast dokumentarisch Menschen, die bei der häuslichen Pflege von Angehörigen an ihre psychischen, physischen und ökonomischen Grenzen stoßen. Katrin Bühlig hat das Buch geschrieben, Philip Koch führte Regie – ohne stilistische Überhöhungen, ruhig und genau, ist stets nah an den Figuren und den Situationen, die einen „aufregen“ können und die niemanden kalt lassen werden . Ein ungewöhnlicher „Tatort“ aus Bremen, mehr Drama als Krimi. Ein Film zwischen Wut & Hilflosigkeit. (Quelle: tittelbach.tv)

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Wer wie ich so langsam in die Jahre kommt – der Renteneintritt ist nicht mehr so lange hin -, dem wird dieser Tatort sicherlich zu denken geben. Aber im Grunde kann jeder zum Pflegefall werden, vor schweren Unfällen ist niemand gefeit, eine ernste Erkrankung kann jeden treffen. Was ist also, wenn ich zum Pflegefall werde?

In diesem Tatort geht es in erster Linie um die häusliche Pflege, also wenn Angehörige die Pflege übernehmen oder Pflegedienste ins Haus kommen. Der Film zeigt in manchmal krassen Bildern auf, welcher Belastung die pflegenden Angehörigen ausgesetzt sind. Und auf der anderen Seite: Mit welchen Mitteln einige Pflegedienste arbeiten, denen der materielle Gewinn vor dem Wohlergeben seiner Klientel geht. Gerade im Alter haben viele Menschen zum Leben zu wenig – und das auch zum Sterben.

Ich war erst skeptisch, als ich las, um was es in diesem Tatort geht. Aber den Bremern ist ein eindrucksvoller Film gelungen, der dem Thema voll und ganz gerecht wird und sicherlich zum Nachdenken anregt.


Film der Woche: Tatort (1051) aus Bremen: Im toten Winkel (2018) – Link auf Webseite – direkter Link auf das Video (Download) – Video verfügbar bis 10.04.2018

(Wiederholter) technischer Hinweis: Ich getraue und bediene mich der Mediatheken Öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten (zusammen mit dem direkten Link auf den Film zum Herunterladen). Zudem bediene ich mich eines Videoplayers, der das Plugin Adobe Flash benötigt. Solltet Ihr damit Probleme haben, so findet Ihr hier auch immer den direkten Link auf die Webseite mit dem Video der entsprechenden Sendeanstalt.

Film der Woche: Tatort (1049): Borowski und das Land zwischen den Meeren (2018)

Für mich war diese Tatort-Folge mit dem Ermittler aus Kiel eine ganz besondere. Ich mag die Tatort-Serie und besonders mag ich Klaus Borowski, den Hauptkommissar aus der schleswig-holsteinischen Hauptstadt. Dieses Mal kommt der Standort hinzu: eine (fiktive) Insel in der Nordsee! Ich mag diese kleinen Halligen und Inseln wie Neuwerk oder Helgoland. Tagsüber mag es dort etwas turbulent zugehe. Aber spätestens dann, wenn die Tagestouristen ausgereist sind, wird es himmlisch ruhig. Auf so eine Insel in der weiten Landschaft des nordfriesischen Wattenmeeres führt uns dieser Tatort. Auf Suunholt, einer kleinen, verschlafenen Nordseeinsel nahe Dänemark.

    Film der Woche: willizblog.de guckt TV

Klaus Borowski ermittelt im Todesfall eines Mannes, der vor einigen Jahren die Schlüsselfigur eines Korruptionsskandals in der Kieler Baubehörde war. Offenbar hatte Oliver Teuber auf der kleinen Nordseeinsel Suunholt ein neues Leben und eine neue Liebe gefunden. Er verließ Frau und Tochter in Kiel und fand Unterschlupf bei der alleinstehenden Famke Oejen, die in einem Strandhaus der Insel lebt und Teuber nun tot in ihrer Badewanne auffindet. Borowski reist nach Suunholt und nimmt mit der örtlichen Polizistin Schütz Ermittlungen auf. Verdächtig erscheinen zunächst der Landwirt Iversen und der Bäcker des Ortes, Torbrink, die Teuber erpressten. Bald darauf ist auch Iversen tot. Borowski vernimmt die traumatisiert erscheinende Oejen, die an Gedächtnislücken leidet, und verbringt eine Nacht mit ihr. Schließlich erinnert sich Oejen und gesteht, Teuber selbst in der Wanne ertränkt zu haben. (Quelle: de.wikipedia.org)

Tatort (1049): Borowski und das Land zwischen den Meeren (2018)
Tatort (1049): Borowski und das Land zwischen den Meeren (2018)

Wenn ein Kommissar aus der Stadt in der Provinz ermittelt, ist das Erzählmuster meist ähnlich: Die Einheimischen bilden eine verschworene Gemeinschaft, der Polizist trifft auf eine Mauer des Schweigens. In diesem Fall sorgt schon allein die Bildgestaltung dafür, dass sich Borowski fremd fühlt: Regisseur Sven Bohse und Kameramann Michael Schreitel haben dafür gesorgt, dass die Bilder betont unwirtlich sind. „Borowski und das Land zwischen den Meeren“ ist letztes Jahr im März und im April entstanden, aber von Frühling kann keine Rede sein; die Nebelbilder sorgen für eine melancholische Trostlosigkeit, die fast mit Händen zu greifen ist. Kein Wunder, dass sich der Kommissar hinreißen lässt: Famke (Christiane Paul), die Freundin des Toten, ist der einzige Mensch auf Suunholt, der ihm nicht mit Ablehnung begegnet. Als sie überfallen wird und bei ihm Zuflucht sucht, verbringen sie die Nacht in seinem Hotelbett. Neben all’ den anderen Qualitäten dieses Films, zu denen wie stets die Leistung Axel Milbergs gehört, ist diese Drehbuchidee (Peter Bender, Ben Braeunlich und Bohse) womöglich der Grund dafür, warum der Film noch ein bisschen mehr als „nur“ ein überdurchschnittlich guter „Tatort“ ist, denn spannend im herkömmlichen Sonntagskrimisinn ist er eher nicht; selbst wenn es noch drei weitere zum Teil recht unappetitliche Mordfälle gibt (ein Schweinezüchter wird seinen eigenen Tieren zum Fraß vorgeworfen). Die Tatsache, dass auch Borowski – wie offenbar die meisten männlichen Insulaner – der rätselhaften Famke verfällt, beschert der Geschichte eine spezielle emotionale Spannung, zumal der Auftakt dafür sorgt, dass ihre Unschuld außer Frage steht: Der Film beginnt mit Famkes Rückkehr vom morgendlichen Schwimmen im kalten Meer und der Entdeckung Teubers in der Wanne. (Quelle: tittelbach.tv)


Tatort (1049): Borowski und das Land zwischen den Meeren (2018) – Link auf Webseite – direkter Link auf das Video (Download) – Video verfügbar bis 25.03.2018

(Wiederholter) technischer Hinweis: Ich getraue und bediene mich der Mediatheken Öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten (zusammen mit dem direkten Link auf den Film zum Herunterladen). Zudem bediene ich mich eines Videoplayers, der das Plugin Adobe Flash benötigt. Solltet Ihr damit Probleme haben, so findet Ihr hier auch immer den direkten Link auf die Webseite mit dem Video der entsprechenden Sendeanstalt.

Film der Woche: Tatort (1037): Böser Boden (2017)

Es ist, als wolle man aus einer Zitrone noch den allerletzten Tropfen Saft pressen. Der neueste Tatort hatte Fracking (genauer: Hydraulic Fracturing) als Thema gewählt, eine Methode, mit der gewissermaßen auch der letzte Tropfen Erdöl oder der letzte Hauch Erdgas dem Erdboden entrissen werden soll.

Leider ist dieser Tatort, ich gebe es zu, wenig zufriedenstellend. Der bzw. die Täter des Mordes wurden zwar ermittelt, aber wer eigentlich Schuld an den offensichtlichen Vergiftungen der Landbevölkerung hat, blieb im Dunkeln. Die Behörden werden sich schon darum kümmern. Zwar sind die Anleihen beim Fantasyhorror ganz witzig, wirken aber im typischen Krimi-TV-Realismus eher wie Fremdkörper.

Im ländlichen Niedersachsen wird ein Mann brutal ermordet aufgefunden: Arash Naderi ist erst vor einigen Monaten aus dem Iran nach Deutschland migriert. Für die Ermittler Julia Grosz und Torsten Falke deutet einiges darauf hin, dass es sich um einen politisch motivierten Mord handeln könnte; möglicherweise ist der Tote einer rechten Gewalttat zum Opfer gefallen.

Wie Falke und Grosz schnell herausfinden, wurde Arash Naderi in der Zeit vor seinem Tod tatsächlich bedrängt. Und zwar von Bauern und Öko-Aktivisten aus der Gegend, deren Rädelsführer auch schon öfter in Konflikt mit dem Verfassungsschutz geraten ist. Er veranstaltet regelmäßig Treffen in seiner Scheune und ist bekannt dafür, Leute aufzuhetzen. Falke und Grosz finden bald heraus, worum es bei diesen konspirativen Treffen geht. Die Bauern entpuppen sich als militante Umweltschützer und planen Kampagnen gegen Fracking und Erdgasförderung.

Immer stärker kristallisiert sich heraus, dass nicht seine Herkunft das Opfer zur Zielscheibe gemacht hat, sondern sein Job. Arash Naderi war als Fahrer für ein Erdgasunternehmen tätig und einem handfesten Umweltskandal auf der Spur.

Das Ganze geschieht in der Nähe von Rotenburg/Wümme beim Bullensse (wovon es eigentlich zwei gibt, den großen und den kleinen). Bis zu meinem Wohnort ist es nicht mehr allzu weit. Ich muss gestehen, dass mir beim Sehen des Tatortes ziemlich mulmig wurde. In den Landkreisen Rotenburg und Heidekreis hat ExxonMobil inzwischen 56 Bohrungen zur Förderung von Erdgas und 99 Fracs vorgenommen. ExxonMobil steht nicht nur bei mir für Umweltverseuchungen der schlimmsten Art. Im Tatort ist es wohl eine lecke Leitung, durch die der sogenannte Flowback (der Rückfluss des oft durch Ausspülungen verseuchte Produktionswasser) fließt, der die Menschen vergiftet hat.

Fracking ist äußerst umstritten, da u.a. eine Verunreinigung des Grundwassers zu befürchten ist. Von all den anderen Umweltschäden ganz zu schweigen. Im Landkreis Harburg, in dem mein Wohnort liegt, soll es (zumindest vorerst) kein Fracking und keine weitere Suche nach Erdöl geben.

(Wiederholter) technischer Hinweis: Ich getraue und bediene mich der Mediatheken Öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten (zusammen mit dem direkten Link auf den Film zum Herunterladen). Zudem bediene ich mich eines Videoplayers, der das Plugin Adobe Flash benötigt. Solltet Ihr damit Probleme haben, so findet Ihr hier auch immer den direkten Link auf die Webseite mit dem Video der entsprechenden Sendeanstalt.

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Tatort (1037): Böser Boden (2017)

40 Jahre Deutscher Herbst – der Tatort

Es ist ein Teil unserer Geschichte. Und hierzu ist viel geschrieben worden. Es gibt Filme, ob nun als Dokumentation oder als Spielfilm, die diese Tage im Oktober vor 40 Jahre thematisieren:
Im Oktober 1977 fand der Deutsche Herbst seinen traurigen Höhepunkt. Nach der Ermordung von Hanns-Martin Schleyer und der Befreiung der gekaperten „Landshut“ nehmen sich die RAF-Gründer Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober im Gefängnis Stammheim das Leben. Hier ein Überblick von Radio Bremen

Fahndungsfoto der RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe. | Bildquelle: rb / picture-alliance/dpa

40 Jahre liegen der Deutsche Herbst und die Todesnacht von Stammheim zurück. Die Folgen dieser traumatischen Zeit beeinflussen den aktuellen Fall der Kommissare Lannert und Bootz.

In der Nacht zum 18. Oktober 1977, nach Befreiung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Mogadischu und der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, fand der sogenannte Deutsche Herbst seine Zuspitzung in der „Todesnacht von Stammheim“, in der Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Gefängniszellen den Tod fanden und Irmgard Möller sich lebensgefährlich verletzte. Diese historische Situation, die sich in diesem Herbst zum 40. Mal jährt, bildet den Hintergrund für Dominik Grafs Stuttgarter „Tatort: Der rote Schatten“. Die langen Schatten jener Nacht und des Kampfs gegen den RAF-Terrorismus reichen in dem Tatort bis in die Gegenwart. Genauso wie die ungeklärten Fragen, die damit verbunden sind, zum Beispiel: Wie kamen die Waffen wirklich in den Hochsicherheitstakt des Stammheimer Gefängnisses? Wie weit reicht der Spielraum für den Verfassungsschutz? Warum ist es nicht möglich, die Ereignisse in der Nacht zum 18. Oktober zweifelsfrei zu klären? Dominik Graf beschäftigt sich in seinem ersten Stuttgarter „Tatort“ mit diesen Fragen. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander. Dafür nutzt Dominik Graf historisches Material, das er virtuos mit nachgedrehten Szenen verschränkt.


Tatort 1031 aus Stuttgart (2017): Der rote Schatten (ARD-Mediathek – verfügbar bis 14.11.2017)

siehe auch meinen Beitrag: 30 Jahre „Deutscher Herbst“

Tatort (1008) aus Wien (2017): Schock

Nein, der Tatort-Serie in der ARD bin ich nicht untreu geworden. Inzwischen gab es das große Jubiläum mit der 1000sten Folge, die den gleichen Titel wie die erste Folge aus dem Jahr 1970 trug: Taxi nach Leipzig. Und aktuell gab es am letzten Sonntag die 1008. Folge aus Wien: Schock.

Das Duo Eisner und Fellner soll diesmal einen Mord verhindern. Der hoch intelligente Entführer führt die Ermittler an der Nase herum. Das rätselhafte Tatmotiv lenkt die Aufmerksamkeit zu Problemen der sogenannten Generation Y.

Tatort aus Wien - Ermittlerduo Eisner und Fellner © ORF

Ein junger Mann veröffentlicht eine Videobotschaft im Internet. Er heiße David Frank und werde seine Eltern entführen, um zuerst sie und anschließend sich selbst zu töten. Er wolle mit seiner Aktion auf gesellschaftliche Missstände hinweisen. Worum genau es ihm gehe, sollen die Ermittler schrittweise und unter Beobachtung durch die Öffentlichkeit im Internet herausfinden. Seine Botschaft wird über soziale Medien rasch verbreitet und landet schließlich beim Bundeskriminalamt. Eisner wird zum Leiter der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) ernannt, die den Drohungen der Videobotschaft nachgehen und die angekündigte Tat verhindern soll. In der BAO stört Eisner vor allem der Verfassungsschützer Gerold Schubert mit seinen Anmerkungen.

Der Ermittlungen ergeben, dass es sich bei David Frank um einen 22-jährigen Medizinstudenten handelt. Sein Vater Hans Georg ist Universitätsprofessor für Mathematik, seine Mutter Agnes eine Anwältin. Eisner und Fellner statten deren Villa einen Besuch ab, die Franks sind jedoch nicht anzutreffen. In einer erneuten Videobotschaft gibt David einen Hinweis auf die Universitätsdozentin für Soziologie, Sarah Adler. Sie behandelt in ihren Seminaren unter anderem Fälle junger Gewalttäter, insbesondere von Amokläufern, deren diffuse Motive und den Einfluss der Gesellschaft auf sie. Adler ist aber auch Autorin eines Buches mit dem Titel Völlig normal. Darin behandelt sie Leistungsdruck und schlechter werdende Zukunftsperspektiven. David Frank bezieht sich in seinen Botschaften mehrfach auf das Buch und kritisiert die darin beschriebenen gesellschaftlichen Missstände, beispielsweise dass die Gesellschaft nur wenige Sieger, jedoch viele Verlierer hervorbringe. Die Kriminalpsychologin Lisa Aichinger, die ebenfalls Mitglied der BAO ist, kennt Adler noch aus ihrer eigenen, gemeinsamen Studienzeit. Sie nimmt deren Befragung vor, erhält aber von ihr keine hilfreichen Hinweise, da die Soziologin sich wenig kooperativ zeigt. (Quelle: de.wikipedia.org)

Ein Livestream lockt das Einsatzkommando Cobra, Oberstleutnant Moritz Eisner und Kollegin Fellner im Tatort „Schock“ in die Universität Wien, in der die Spezialisten des BKA den Server ermittelt haben, von dem aus David Frank gerade sendet. Das Gelände wird mit Maschinenpistolen im Anschlag sichergestellt. Doch im Serverraum wartet nicht David Frank, sondern lediglich ein Zettel mit dem Text „SIE KÖNNEN MICH NICHT FINDEN ABER SIE KÖNNEN ES VERSUCHEN“ sowie einem liegenden A in einem Kreis auf die Polizisten – und eine Webcam. Live gehen Eisner und Fellner über die sozialen Netzwerke um die Welt, bloß gestellt von Frank, der ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Kriminalbeamten treibt. Als Krönung für ihren „Ermittlungserfolg“ gibt es tosenden Applaus von den im Gebäude befindlichen Studenten.

Die Kripo muss sich eingestehen, dass es David Frank versteht, mit den Medien zu spielen und seine gesellschaftskritischen Botschaften an die Öffentlichkeit zu tragen. Geschickt entzieht er sich jeder Verhaftung und ist nicht aufzuspüren. Je länger die Jagd auf ihn im Wiener Tatort „Schock“ dauert, desto klarer wird Moritz Eisner und Bibi Fellner, dass der Medizinstudent aus reichem Hause unmöglich auf eigene Faust handeln kann. Dass die Suche nach Komplizen aber ausgerechnet zu Eisners Tochter Claudia führt, damit hätte der Kommissar niemals gerechnet … (Quelle: tatort-fans.de)


Tatort (1008) aus Wien (2017): Schock

Video (ab 20 Uhr abrufbar) – verfügbar bis 29.01.2017 auch bei ard.de

Es geht um den Leistungsdruck auf die gegenwärtige Generation junger Menschen – bei schwindenden Zukunftsperspektiven. Das erfährt David am Beispiel seiner Freundin und das erklärt Eisners Tochter Claudia ihrem Vater: „Wir sind die Pflichterfüller-Generation“. Nach außen hin funktioniert die sogenannte Generation Y perfekt, doch sie droht am permanenten Druck zu zerbrechen. Es sind durchweg relevante Themen unserer Zeit. […] Wie weit darf man gehen, um auf Missstände aufmerksam zu machen? Gibt es eine Form von gerechtfertigter Gewalt? (Quelle: tittelbach.tv)

Man muss feststellen, dass der Leistungsdruck in der gesamten Gesellschaft größer geworden ist – also das Phänomen, sich mit anderen in Konkurrenz zu begreifen. Dabei gehen schnell Werte wie z.B. Solidarität verloren, nur noch höher, schneller und egoistischer zählt. Auch auf die Politik greift es über, wer lauter schreit, auch wenn es Unwahrheiten sind, wird zz. gefeiert. In dieser Tatort-Folge geht es nicht allein um den wachsenden Leistungsdruck auf unsere Jugend, sondern um die völlige Überforderung und Verheizung eines großen Teils der Bevölkerung für Ziele, die nur wenige je erreichen werden und das zum Preis der eigene Selbstverleugnung und Selbstausbeutung. Ein Thema, das auch hinter all den Oberflächenphänomenen unserer Tage steckt (Trump, Pegida, AfD, die Politikverdrossenheit der Bevölkerung).

Tatort (991) aus Stuttgart (2016): HAL

Die Tatort-Reihe der ARD zeichnet sich dadurch aus, dass neben ‚normalen‘ Kriminalfällen auch immer wieder gesellschaftspolitische Themen aufgegriffen werden. So wurde bereits in mehreren Fällen die Flüchtlingsproblematik angesprochen. Der neueste Fall aus Stuttgart HAL ist ein Experiment, mehr Science Fiction als Krimi, und spielt in der nahen Zukunft:

Februar 2017: Ein Kind entdeckt die Leiche einer Frau im Neckar. Die Kommissare Lannert und Bootz nehmen die Ermittlungen auf. Sie finden heraus, dass die Tote die Schauspielschülerin Elena Stemmle ist und sie zwei Nebenjobs nachging: sie arbeitete als Prostituierte für den Escortservice des Onlinedienstes Love Adventure und war zusätzlich als Probandin für das Unternehmen BlueSky mit Sitz in Stuttgart tätig.

Den Kommissaren liegt ein Video vor, das den Mord an Elena zeigt. Das Video belastet den BlueSky-Entwickler David Bogmann, da es nach den Lannert und Bootz vorliegenden Informationen über eine von ihm genutzte IP-Adresse ins Internet auf eine Darknetplattform hochgeladen und dann auf einer Tauschbörse für Snuff-Videos veröffentlicht wurde. Bogmann wird zum Verhör geladen und bestreitet zunächst, Elena gekannt zu haben. Die weiteren Ermittlungen ergeben jedoch, dass Bogmann Elena kannte und sie am Abend ihres Todes unter falschem Namen in ein Hotel gebucht hatte.

Bogmann entwickelt im IT-Unternehmen BlueSky ein gleichnamiges Sicherheitsprogramm, das verteilt arbeitet, mit künstlicher Intelligenz autonom lernt und agiert und zudem schon weit verbreitet ist, insbesondere schon auf vielen Smartphones ohne Wissen der Nutzer im Hintergrund läuft. Die Geschäftsführerin Mea Welsch und der Data Scientist Bogmann verlieren allerdings zunehmend die Kontrolle über ihre Software, das System überwacht Bogmann, Welsch und alle Personen im Umfeld der beiden und manipuliert Daten. Als das Computersystem sich durch die Ermittlungen von Lannert und Bootz beeinträchtigt sieht, überwacht es auch diese und beeinträchtigt die Ermittlungen. So legt es unter anderem das Dienstfahrzeug der Kommissare lahm.

Bogmann fühlt sich zunehmend von BlueSky verfolgt und versucht, das System abzuschalten. Als das nicht gelingt, dringt er in den Serverraum ein, um das System mit seiner Sportwaffe zu zerstören. BlueSky löst Alarm aus und meldet die Existenz einer weiteren Person – einer Putzfrau – im Serverraum, woraufhin die Einsatzleitung anordnet, den Serverraum zu stürmen. Hierbei wird Bogmann angeschossen und erliegt später seinen Verletzungen.

Bogmanns Vorgesetzte Welsch räumt daraufhin den Komissaren gegenüber ein, die Kontrolle über BlueSky verloren zu haben und zeigt den Ermittlern, dass das belastende Video eine computergenerierte Fälschung ist. Es gelingt Lannert und Bootz, von BlueSky eine Aufzeichnung des tatsächlichen Mordes an Elena zu erhalten, welche belegt, dass Elena nach dem Treffen mit Bogmann von ihrem Freund aus Eifersucht erwürgt wird. (Quelle: de.wikepedia.org)


Tatort (991) aus Stuttgart (2016): HAL

Der Filmtitel nimmt Bezug auf den Science-Fiction-Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum, in dem das vollautomatische Computersystem HAL 9000 heißt. Ähnlich wie in dem Filmklassiker versucht auch hier das Computersystem, denjenigen, der es abschalten möchte, auszuschalten und letztlich zu töten. Auch andere Elemente z.B. die Eingangssequenz und die Schlussszene zitieren diesen Film. So hören wir das Lied Hänschen Klein. Das Programm BlueSky begrüßt David Bogmann fast ebenso wie HAL den David Bowman im Film.

Erwähnenswert ist zudem, dass diese Tatort-Folge mit Kapitelüberschriften wie „Die Verschollene“, „Der Prozess“ oder „Die Verwandlung“ versehen ist, die auf Werke von Franz Kafka anspielen und damit die kafkaeske Attitüde dieses Films verstärken, dessen Protagonist ein Opfer der Geister wird, die er gerufen hat.

Niki Stein, der bereits für über ein Dutzend anderer Tatorte das Buch geschrieben und dann auch Regie geführt hat, bleibt mit seiner Geschichte durchaus in der Gegenwart, denn er greift die Angst der Menschen vor allumfassender Überwachung auf. Der Software-Entwickler David Bogmann (Ken Duken) hat ein Programm entworfen, das die Kriminalitätsbekämpfung auf eine neue Stufe heben soll: BlueSky ist in der Lage, nicht nur die Mimik und die Körpersprache der Menschen sondern auch Verhaltensmuster zu analysieren. Auf diese Weise sollen vor allem potenzielle Terroristen an ihren Verbrechen gehindert werden.

    Die Maschine lebt. Das Gesichtserkennungsprogramm von Bluesky liefert in Windeseile Daten zu allen Besuchern, so auch von Kommissar Bootz (Felix Klare)

Ich fand diese Tatort-Folge durchaus logisch nachvollziehbar. Sicherlich ist die Technik noch nicht so weit gediehen, wie hier gezeigt. Aber der Weg wird aufgezeigt und damit die generelle Frage gestellt, wie der Mensch die Technik lenkt. Und die Technik den Menschen. Welchen Bildern vertrauen wir, wenn wir nicht mehr wissen, wer sie produziert hat? Wo hört die Kontrolle auf, wo beginnt die Manipulation?

Siehe hierzu auch die ausführliche Rezension auf tittelbach.tv.

Zudem weist dieser Tatort durchaus auch Humor auf. Wenn z.B. das über das Online-Portal Love Adventure gebuchte Callgirl dem Kunden zuletzt sagt: „Du kannst mich ja liken, wenn’s Dir gefallen hat!“. Facebook lässt grüßen. Oder: Das sagt Mutti und ist deshalb besonders wichtig, wenn es um die richtige Partnerwahl geht: „Einer fürs Image, viele für’n Sex“. (siehe auch zeit.de/zeit-magazin).

Tatort (987) aus Bremen (2016): Der hundertste Affe

Die Hauptkommissare Inga Lürsen und Stedefreund werden in einen Krisenstab beordert: Erpresser fordern die Freilassung eines inhaftierten Biochemikers, der an gentechnisch verändertem Saatgut geforscht hat. Die Erpresser gehen nicht nur professionell vor, sondern scheinen auch zu allem bereit. Schon bald erkennen Lürsen, Stedefreund und ihre Kollegen, dass sie Bremen vor einem katastrophalen Anschlag bewahren müssen.

Bremen im Ausnahmezustand, die Kommissare Inga Lürsen und Stedefreund stehen unter Hochdruck: Eine Gruppe um die Umweltaktivistin Luisa Christensen droht, die Stadt zu terrorisieren. Sie fordert ein Bekenntnis des Wissenschaftlers Dr. Urs Render zu seinen Forschungen für einen Biotechnologiekonzern, aber Render schweigt. Die Erpresser sind zum Äußersten bereit, der eiligst einberufene Krisenstab um Leiter Helmut Lorentz und Kommissar vom Dienst Joost Brauer (Werner Wölbern) befürchtet das Schlimmste. Kann die eigenwillige BKA-Kollegin Linda Selb Inga Lürsen und Stedefreund beim Wettlauf gegen die Zeit helfen?

(Quelle: tatort-fundus.de)


Tatort (987) aus Bremen (2016): Der hundertste Affe (u.a. auch in 3D)

Dieser Tatort aus Bremen ist durch seine Optik auf zeitgemäß getrimmt: schnelle Schnitte und eine rasante Kamera, die aus der Höhe in die Tiefe fährt und manchmal ein bisschen zu hektisch Actiongefühl herbei wackelt. Sehenswert die allerlei ins Bild rückenden Wasser-Motive. Der allzu routinierten Arbeit der Bremer Ermittler Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) wird die Arbeit der ‚Gastarbeiter‘ entgegengehalten: voran der Leiter des Krisenstabs Lorenz (Barnaby Metschurat) und die ziemlich schräge BKA-Expertin Linda Selb (Luise Wolfram), eine hochintelligente Soziopathin. Beeindruckend auch Friederike Becht als alle moralische Maßstäbe über Bord werfende Öko-Aktivistin. Es gibt für mich aber noch einen anderen Grund, diese Tatort-Folge für sehenswert zu halten:

Was die Wohnstätte betrifft, in der ich jetzt fast 21 Jahre lebe, ist es das Haus in Tostedt. Als Wohnort ist es aber immer noch Bremen, wo ich in insgesamt drei Wohnungen über 25 Jahre lebte. Allein das ist schon immer ein Grund für mich, den Bremer Tatort zu sehen. Diesmal gab es mindestens gleich zwei Lokalitäten, die mich an meine Zeit in der Stadt an der Weser erinnerten. Ziemlich am Anfang gibt es diese aus der Vogelperspektive aufgenommene Filmsequenz über das Weser-Stadion hinweg zum Stadion-Bad. Klar war ich früher öfter bei Spielen des SV Werder Bremen live dabei. Aber ich kenne auch das Stadion-Bad mit seinem Sprungturm. Bis ganz nach oben (10 Meter) hatte ich es damals zwar nicht geschafft, war aber öfter aus fünf und wohl auch einmal aus 7 ½ Meter Höhe ins Wasser gehechtet. Heute würde ich nicht einmal mehr vom Dreier springen wollen.

Tatort (987) aus Bremen (2016): Der hundertste Affe – Stadionbad beim Weser-Stadion

Und in jungen Jahren war ich an den Wochenende oft mit meinen Mitmusikern (ich spielte Bass in einer Band – siehe den Beitrag: Schweine-Dachboden-und-Keller-Mucke) nach der Bandprobe am Samstagabend im Bremer Ostertorviertel unterwegs. Meist stärkten wir uns mit einem Giros Pita in dem kleinen Imbiss am Sielwall, um anschließend der Live-Musik bei einem gepflegten Bierchen im StuBu zu lauschen. Diesen Imbiss scheint es ja noch heute zu geben – wie eine Szene aus dem Bremer Tatort zeigt. Dabei dürfte es über 30 Jahre her sein, dass ich dort eingekehrt bin (im anderen Oval sind die Bremer Tatortkommissare Stedefreund und Lürsen zu sehen).

Tatort (987) aus Bremen (2016): Der hundertste Affe – Taverna Sielwall

siehe auch:
Herr Lehmann und die Bundeswehr
Ausflug nach Bremen 2014

WilliZ Krimi des Jahres 2015

Ich weiß: Im Fernsehen, besonders bei den Öffentlich-Rechtlichen, werden fast nur noch Krimis und Heimatfilme gesendet. Mancher Krimi ist dann auch noch eine Art Heimatfilm – und umgekehrt. Wenn man weder das eine noch das andere mag, wird man wahrscheinlich längst den Dauerauftrag für den ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice (früher GEZ genannt) widerrufen haben. Oder man guckt Sport (aber immer die Bayern mag auch selbst der Fußballbegeisterte nicht mehr sehen).

Ich mag Krimis. Und Krimis mit einem gewissen Lokalkolorit sind mir auch durchaus recht. Viele fragen sich natürlich, warum man sich das antun muss: Mord und Todschlag ohne Ende. Ich denke, der Mensch ist eine Bestie und in jedem steckt, wenn auch nur verborgen, das Raubtier. Wer hat nicht schon mal gedacht: Den (oder die) bring ich um! Fürchtete man nicht die Konsequenzen, dann würden viele Leichen die Straßen pflastern.

Aber im Ernst: Es ist die psychologische Komponente, die mich an Krimis interessiert. Fällt die mager aus, dann taugt der Krimi nicht viel. Gemetzel (z.B. à la Tatort-Schweiger) sind nicht mein Ding. Hat ein Krimi dann auch noch eine gewisse Portion Humor, dann finde ich auch das in Ordnung.

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Nun ist ein Jahr (nämlich 2015) wieder vorbei – und ich habe einmal gesichtet, welche Kriminalfilme mir im letzten Jahr besonders gefallen haben. Da gibt es eine fast unübersichtlich große Anzahl von Serie. An vorderster Front natürlich die ARD mit dem Tatort. 2015 hat der Tatort übrigens mit 40 Folgen einen neuen eigenen Rekord aufgestellt. So viele Folgen gab es bisher noch nie in einem Jahr. Drei Folgen ragten dabei für mich heraus:

Tatort (937): Das Haus am Ende der Straße – Frankfurt (Steier)
Tatort (964): Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes – Kiel (Borowski/Brandt)
Tatort (968): Wer bin ich? – Wiesbaden (Murot)


Tatort (937): Das Haus am Ende der Straße


Tatort (964): Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes – Kiel (Borowski/Brandt)

Die Frankfurter Episode war leider der letzte Fall mit dem Ermittler Steier (hervorragend von Joachim Król gespielt) und mehr Kammerspiel als Krimi – auch dank eines geradezu genialen Armin Rohde. Zum ‚stillen Gast‘ habe ich ja schon einiges geäußert. Axel Milberg ist der mir zz. liebste Tatort-Ermittler. Und Murot aka Ulrich Tukur – da reicht schon die Nennung des Namens Tukur: ein Tatort, der angenehm aus der Reihe fällt, soll plötzlich der Schauspieler, der den Kommissar spielt, ein Mörder sein – ein Spiel mit Identitäten (wie schon der Titel verheißt).

Was der Tatort für die BRD ist, das war vor der Wende der Polizeiruf 110 für die DDR. Wie gut, dass diese Serie nicht eingestellt wurde und jetzt auch Ermittler in den alten Bundesländern auf Tätersuche gehen wie z.B. Kommissar Hanns von Meuffels (hervorragend gespielt von Matthias Brandt) in München. Matthias Brandt ist übrigens der jüngste Sohn des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt und dessen Frau Rut:

Polizeiruf 110 (351): Kreise

Apropos Armin Rohde. Er ist nicht immer der Böse, sondern kann auch auf gut (ohne ein Gutmensch zu sein) und ermittelt selbst in Hamburg in der ZDF-Reihe Nachtschicht:

Nachtschicht (12): Wir sind alle keine Engel


Nachtschicht (12): Wir sind alle keine Engel

Wie gesagt: Mancher Kriminalfilm ist auch (fast) ein Heimatfilm. So gibt er mehrere Serien, die die Region, in der sie spielen, im Namen tragen:

Spreewald-Krimi (8): Die Sturmnacht
Alle Folgen zu dieser wirklich sehenswerten Serie gibt es jetzt als Spreewaldkrimi – Komplettbox – Folge 1-7 [4 DVDs]


Spreewald-Krimi (8): Die Sturmnacht

Der Usedom-Krimi (2): Schandfleck


Der Usedom-Krimi (2): Schandfleck

Stralsund (7): Es ist nie vorbei

Weitere sehenswerte Kriminalfilme waren die folgenden, die aus dem Vielerlei an Krimis durch ihre Thematik oder Machart herausragten:

Begierde – Mord im Zeichen des Zen
Das Dorf der Mörder
Die kalte Wahrheit


Die kalte Wahrheit

Kritiken zu all den im Fernsehen gesendeten Kriminalfilmen gibt es viele. Ein gutes Näschen für Fernsehproduktion haben die Kritiker von tittelbach.tv – der Fernsehfilm-Beobachter (daher auch fast durchweg die Links zu den Filmen auf diese Website führen). Und so findet sich hier auch eine Kritik zu einem TV-Film, den ich gewissermaßen als die Nummer eins der 2015 gesendeten Krimis erwählt habe (okay, die Erstsendung war ein Jahr zuvor, 2014 – aber hier darf es auch einmal eine 2015 wiederholte Ausstrahlung sein):

München Mord (2): Die Hölle bin ich

In der 2. Folge der ZDF-Reihe München Mord tauchen wir als Zuschauer „in das andere München der neureichen Glücksritter [ein]. Ein rachsüchtiger Krimineller übernimmt die Arbeit der Polizei. Die Charaktere machen ihrem bisherigen Image als Kommissarin ohne Selbstvertrauen, als Casanova-Cop und als „Psycho“ alle Ehre.“ Es ist ein Krimi mit viel Witz und ebenso viel Spannung, wobei das mir liebe Psychologische keineswegs auf der Strecke liegen bleibt. Das mag ich.


München Mord (2): Die Hölle bin ich

Also viel Holz für mehrere lange Winternächte. Wer denn mag: Viel Spannung und Spaß beim Gucken!

siehe auch: Williz Tatort-Sammlung

Tatort (307) aus München (1995): Im Herzen Eiszeit

Sicherlich ist es nicht unbedingt einer der besseren Tatort-Folgen aus München. Aber interessant ist er allemal. Die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr ermitteln in ihrem 10. Fall Im Herzen Eiszeit, bei dem es um einen Mord unter den Tatverdächtigen eines alten Überfalles auf ein Geschäft von Rudolph Moshammer geht. Dabei führen die Ermittlungen zu einem privaten Rachefeldzug der Tochter des erschossenen Wachmannes.

Moshammer hat einen kurzen Auftritt (ohne seinem Yorkshire Terrier Daisy) und spielt sich natürlich selbst.

Hintergrund dieser Tatort-Folge ist die Hausbesetzerbewegung und neoanarchistischen Szene in München Anfang der 80-er Jahre. Die Hauptrolle spielt der Ex-Frontmann der Band Ton Steine Scherben Rio Reiser, der gut ein Jahr später verstarb. Er komponierte auch die Filmmusik und das Lied „Träume verwehn“. Angesichts seines politischen Engagements galt er als Idealbesetzung für die Figur des Kammermeier und bekam die Rolle vom Regisseur Hans Noever persönlich angeboten, denn in den 70er Jahren war Reisers Lied „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“ in der Szene der Hausbesetzer bereits zur Hymne geworden.

Reinhard Kammermeier wird nach elf Jahren Haft aus der JVA entlassen, nachdem er als einziger der vier Täter verhaftet und verurteilt werden konnte. Er zieht wieder mit in seines Vaters Wohnung. Da dieser im Rollstuhl sitzt, war ihm oft die Nachbarin Susanne Koron behilflich. Reinhard, der im Gefängnis noch verschlossener geworden ist als er vorher schon war, weist die junge Frau zurück.

Franz Leitmayr in der Anarcho-Szene 1981

Intererssant ist sicherlich, etwas aus dem ‚Vorleben‘ eines der Münchener Kommissare, Franz Leitmayr, zu erfahren. Denn als die Ermittler alte Fernsehaufnahmen der Demonstrationen und Hausbesetzungen ansehen, ist auch Leitmayr zu sehen (im Bild links – rechts Rio Reiser als Reinhard Kammermeier). Als er dann später in den Polizeidienst eintrat, hat er natürlich seine früheren Kontakte zu der Anarcho-Szene verschwiegen, der böse Bub!


Tatort (307) aus München (1995): Im Herzen Eiszeit

Bereits ein Jahr zuvor im Tatort (300) … und die Musi spielt dazu (1994) hatten die Toten Hosen einen kurzen Gastauftritt. Da sage einer, der Bayerische Rundfank sei CSU-durchseucht.

Tatorte (969/970) aus Hamburg: Showdown im ‚Metronom‘

Ach ja, gleich zum Jahresanfang diese zwei Schweiger-Tatorte. Zunächst aber zwei Nachrichten, die ich loswerden muss, eine gute und eine schlechte. Zunächst die gute Nachricht: Schweiger verschont uns knapp zwei Jahre als Kriminalhauptkommissar Nikolas „Nick“ Tschiller. Dafür gibt es Anfang Februar Tschiller: Off Duty in den Kinos. Wer sich das antun möchte, bitte … Ansonsten darf man voraussichtlich bis zum Januar 2018 warten. Dann wird dieser Kinofilm auch im Fernsehen gesendet. – Die schlechte Nachricht: Wer den Schluss der insgesamt vierten Folge Tschiller-versus-Clanchef-Firat-Astan („Fegefeuer“) gesehen hat, ahnt es bereits: Film- und reale Tochter von Tschiller-Schweiger (Luna Schweiger) übt mit ihrem suspendierten Vater das Schießen. Schweiger sorgt für Nachwuchs … – auch bei der Tatort-Serie?

    aus Tatort Hamburg: Willkommen in Hamburg (2013)

Apropos Schweiger-Tochter: In Folge drei Tschiller-gegen-Astan („Der große Schmerz“) wird die Ex-Frau unseres immer irgendwie gequält dreinschauenden Kommissars vom Bösewicht Astan erschossen, als sich diese schützend vor ihre Tochter stellt. Tschiller hat gerade Ladhemmung. Es wäre für den Zuschauer sicherlich erlösend gewesen, hätte Astan die Tochter getroffen (dann wäre aber nichts mit dem Tatort-Nachwuchs). Im Teil vier nun beteuert dieser Astan gegenüber Tschiller mehrmals, dass er dessen Frau eigentlich nicht erschießen wollte. Und zuletzt rückt er endlich damit heraus: Er wollte die Tochter töten! Ein Witz? Hätte er doch nur …

Überhaupt sind beide Tatort-Folgen ein Witz, denn was sich hier der Autor zusammengereimt hat, ist dermaßen an den Haaren herbeigezogen, das selbst James Bond gegen Tschiller wie ein Sängerknabe wirkt. Zwar holt sich der Hamburger Ermittler eine blutige Nase, wird unter Wasser gedrückt und gewürgt. Sobald aber auf ihn geschossen wird, scheint ihn ein Schild der Unantastbarkeit zu schützen. Keine Kugel kann ihn etwas antun.

Und wenn’s der Film erfordert, dann wird nicht lang gefackelt und die Handlung macht Sprünge, um dort zu landen, wo der Autor die Protagonisten haben will, auch wenn’s logisch nicht nachvollziehbar ist. Hohle Story, banale Psychologie, coole Action – so fasst tittelbach.tv die Tschiller-Doppelfolge zusammen. Action gibt es genug, aber Mord und Totschlag ist eben nicht alles, was einen guten Tatort ausmacht.

Immerhin sorgt Tschillers Mitstreiter Yalcin Gümer (gespielt von Fahri Ogün Yardım) mit einigen auflockernden, allerdings für einen Hauptkommissar auch recht proletenhaften Sprüchlein für einen gewissen Humor.

Und zum Ende zu gibt es noch eine dicke Überraschung, der Showdown im Zug, einem Metronom, der zwischen Bremen und Hamburg verkehrt und mit dem auch ich wochentags zur Arbeit unterwegs bin. Allerdings wird auch hier getrickst. Von dem Gleis in Sprötze (Gleis 1 – siehe Bild), von dem Astan und Tschiller den Zug besteigen, fährt der Zug eigentlich in Richtung Bremen und nicht wie im Film nach Hamburg. Übrigens liegt Sprötze nur 5 Bahnminuten bzw. eine Station von Tostedt entfernt, meinem Wohnort.

Tatort (970) aus Hamburg: Fegefeuer - Showdown im Metronom

Alle vier TschillerFolgen gibt es zz. ab 20 Uhr noch in der ARD-Mediathek zu sehen:

Willkommen in Hamburg (2013) – verfügbar bis 10.01.2016
Kopfgeld (2014) – verfügbar bis 10.01.2016
Der große Schmerz (2016) – verfügbar bis 08.01.2016
Fegefeuer (2016) – verfügbar bis 10.01.2016