Kategorie-Archiv: Glotzkiste

Neues und Altes im Kino & TV

Good bye, Emma Peel – Good bye, James Bond

Er galt als bester Bond aller Zeiten. Nun ist er letzte Woche – kurze Zeit nach seinem 90. Geburtstag – gestorben: Sean Connery. Erst vor kurzem habe ich einen älteren Film mit ihm (Ransom – die Uhr läuft ab aus 1974) gesehen. Und bereits am 10. September starb im Alter von 82 Jahren Diana Rigg, die ich natürlich aus der Serie der 1960-er Jahre: Mit Schirm, Charme und Melone kenne. Auch von ihr habe ich erst vor kurzer Zeit aus der Serie Doctor Who die Folge 11 der 7. Staffel: The Crimson Horror (Der feuerrote Schrecken) aus dem Jahr 2013 gesehen. Jüngeren Leuten ist Diana Rigg aus der Serie Game of Thrones von der dritten Staffel an als Lady Olenna Tyrell bekannt.

Diana Rigg als Emma Peel / Sean Connery als James Bond
Diana Rigg als Emma Peel / Sean Connery als James Bond

Beide, sowohl Diana Rigg als auch Sean Connery, sind bis zuletzt mit diesen Rollen, Emma Peel und James Bond, identifiziert worden. Aber sie waren natürlich mehr als die Verkörperung dieser Rollen. Diana Rigg war von 1959 bis 1964 Mitglied der Royal Shakespeare Company, seit 1967 arbeitete sie freiberuflich als assoziiertes Mitglied der Company. Von 1971 an war sie Mitglied des National Theatre of Great Britain. Und sie ist aus vielen Filmrollen bekannt. Für mich bleibt sie natürlich jene Emma Peel, die für ihre Zeit ungewöhnlich emanzipiert war. Ich habe mich in diesem Blog öfter schon dazu geäußert: Emma Peel!


Good bye, Emma Peel – Mit Schirm, Charme und Melone

Sean Connery ist durch die Rolle des James Bond weltgerühmt geworden. Aber er wollte mehr sein als jener Bond, James Bond. Und wir kennen ihn aus vielen anderen Rollen, in denen sich der als ärmlichen Verhältnissen stammene Connery zum schottischen Gentleman entwickelte. Schottland, sein Heimatland, war ihm, der wegen seines schottischen Akzents manche Schelte einstecken musste, Herzenssache.


Mein Name ist Connery, Sean Connery – Zum Tod einer Legende

Ein Jahr Rentnerdasein

Wie die Zeit vergeht: Heute vor einem Jahr hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Und (offiziell) mit dem 1. November 2019 begab ich mich in Rente. Was war das für ein Jahr …

The Best of 'Willi auf Arbeit' (Die letzten Tage ...)
The Best of ‚Willi auf Arbeit‘ (Die letzten Tage …)

Natürlich bin ich froh, in Corona-Zeiten nicht mehr Tag für Tag stundenlang zur Arbeit und zurück fahren zu müssen. Der letzte Arbeitstag z.B. (noch ohne Corona) hatte sich sehr prickelnd entwickelt: Zugausfälle und Verspätung in beide Richtungen! Danke, Metronom! Danke, HVV!

Den ersten Monat ‚in Freiheit‘ nutzte ich dank des schönen Wetters für Radtouren rund um meinen Wohnort. Und im Dezember ging es dann ja auf Weihnachten zu – ein letzter Tag auf der Arbeit zur Weihnachtsfeier.

Dann kam das Corona-Virus und sollte von nun an unser weiteres Leben beeinflussen. Als Rentner habe ich davon natürlich nicht allzu viel gemerkt. Gut zum Einkaufen muss auch ich mir diesen Schnutenpulli vors Gesicht binden. Aber auch sonst … und jetzt geht es wieder von vorn los: Vorerst für November 2020 gilt: Restaurants, Bars usw. müssen schließen, und Zusammenkünfte mit Personen aus mehr als zwei Haushalten sind untersagt.

Willi mit Gesichtsmaske
Willi mit Schnutenpulli

Die Reise mit meiner Frau im Mai zu Bekannten auf Sizilien mussten wir canceln. Inzwischen haben wir wenigstens das Geld für Bahn und Flug erstattet bekommen (hat bis zu fünf Monaten gedauert). Dafür machte ich dann die Radtour nach Cuxhaven mit meinen beiden Söhnen. War ja auch nicht schlecht!

Aber dann, aber dann … geht’s so richtig los!

Nun so richtig los ging es eigentlich noch nicht. Vieles, das auf meinen ‚Zettel‘ steht, ist noch nicht abgehakt. Dafür habe ich aber endlich wieder viel gelesen und komme in den vergangenen zwölf Monaten auf über 12.000 Seiten (oder fast 50 Bücher), wenn es mit James Joyce‘ Ulysses auch noch nicht geklappt hat (oder nur teilweise – ich traue mich nicht …). Einige der Bücher habe ich hier ja in den letzten Wochen vorgestellt.

Und dann habe ich den Griff in meine hauseigene Videothek (die wie von Geisterhand Tag für Tag größer wird) gewagt und mir Filme unterschiedlichstem Genre allabendlich ‚reingezogen: Neben den sonntäglichen Tatortfolgen viele andere Krimis in Miniserie: Countdown Copenhagen II (8 Folgen aus 2019), Trapped – Gefangen in Island (5 Folgen aus 2019), Hindafing (2. Staffel – 6 Folgen aus 2019), Der Pass (8 Folgen aus 2019), Die Frau aus dem Meer (6 Folgen aus 2019), Arctic Circle – Der unsichtbare Tod (10 Folgen aus 2018), Mammon (6 Folgen aus 2014), The Bay (6 Folgen aus 2019), Mammon (2. Staffel – 8 Folgen aus 2015), Dunkelstadt (6 Folgen aus 2020), Professor T (4. Staffel – 4 Folgen aus 2020), Kommissar Van der Valk (3 Folgen aus 2019), New Blood I – III (insgesamt 7 Folgen aus 2017), The Killing [Kommissarin Lund – Das Verbrechen] (1. bis 3. Staffel – insgesamt 40 Folgen 2007 – 2012), Darkness – Schatten der Vergangenheit (8 Folgen aus 2019), Dan Sommerdahl – Tödliche Idylle (4 Folgen aus 2020), Mord im Böhmerwald (8 Folgen aus 2018) und viele einzelne Folgen weiterer Krimiserien.

Von weiteren Serie habe ich geguckt: Doctor Who (4. bis 9. Staffel), Neues aus Büttenwarder (14. Staffel aus 2019), Unterleuten – Das zerrissene Dorf (3 Folgen aus 2020), Warten auf’n Bus (8 Folgen aus 2020), Die Kanzlei (4. Staffel – bisher 12 Folgen aus 2020), Oktoberfest 1900 (8 Folgen aus 2020), Sløborn (8 Folgen aus 2020), Pan Tau (14 Folgen aus 2020), Da is‘ ja nix (6 Folgen aus 2020), Babylon Berlin (3. Staffel – 12 Folgen aus 2020); Moloch (1. Staffel – 6 Folgen aus 2019) – und viele Filme von Regisseuren wie François Truffaut, Claude Chabrol, Eric Rohmer, Jean-Luc Godard, Wim Wenders, Werner Herzog, Rainer Werner Fassbinder, Klaus Lemke, Christoph Schlingensief, Alfred Hitchcock, Richard Lester, Jim Jarmusch, Brian De Palma, Roman Polanski u.v.m.

Und ab und zu habe ich – wie ihr seht – auch die Zeit gefunden, hier den einen oder anderen Beitrag zu veröffentlichen. Und so komme ich ins Rentenjahr No. 2 …

Helge Schneider bezieht Prügel von Schimanski

Gestern sah ich einen alten Tatort (Folge 159) aus Duisburg, also mit Schimanski: Zweierlei Blut – aus dem Jahr 1984. Der WDR hat die alten Tatort-Folgen aus Duisburg aufgehübscht. Diese sind jetzt in der Mediathek aufrufbar. Jede Woche kommt eine neue Folge hinzu.


Tatort 159 aus Duisburg (1984) Zweierlei Blut (Schimanski)

Die Folge „Zweierlei Blut“ enthält ein kleines Schmankerl (wie die Bajuwaren sagen): einen Miniauftritt von Helge Schneider in jungen Jahren.

(1) Helge Schneider als MSV-Duisburg-Fan
(1) Helge Schneider als MSV-Duisburg-Fan

1984 wurde er vom Arbeitsamt Köln an einen Schimanski-„Tatort“ vermittelt. Im Interview mit der „Az“ verriet der 64-Jährige, wie das war. Er sagte: „Ach, den Schimanski hab‘ ich damals gar nicht so wahrgenommen.“ Auf die Frage, welche Rolle er damals hatte, sagte er: „Irgendso ‘nen Typen von einer Rockerbande. So ‘nen ganz Fiesen. Einmal musste ich auf einen einprügeln, und dann hat der mich sofort umgehauen.“ Hört sich nach einem tollen Job an, es gab aber einen Haken. Schneider sagte weiter: „Irgendwann wurden dann beim Dreh alle Rocker versammelt, und einer sagte zu mir: „Du nicht.“ Dabei wollte ich doch berühmt werden! Ich hatte auch noch andere Jobs beim Fernsehen.“ (Quelle: fan-lexikon.de/musik)

(2) Helge Schneider als MSV-Duisburg-Fan guckt nach dem Ball
(2) Helge Schneider als MSV-Duisburg-Fan guckt nach dem Ball

Tatsächlich kommen sich Rocker und angeblicher MSV Duisburg-Fan Helge und Schimanski beim Kampf um einen Ball kurz ins Gehege.Die Szenen mit Helge Schneider beginnen nach genau 35 Minuten und enden nach gut einer Minute. Zunächst sitzt Rocker Helge auf der Lehne einer Parkbank (1). Dann greift er ins Geschehen ein: ein Ball wird hin- und hergeworfen. Beim Versuch, den Ball zu erhaschen (2), kommt ihn Schimanski zuvor. Dieser schubst ihn dann mit dem Ball. Helge fällt zu Boden, fasst sich noch einmal ins Gesicht … und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Natürlich ist das nicht der erste Tatort mit besonderem Besuch. Ebenfalls in einem Duisburg-Tatort laufen sich Schimanski und Jan Fedder (Brakelmann aus Neues aus Büttenwarder) über den Weg. Und in einem Tatort aus München (… und die Musi spielt dazu (1994)) sind die Toten Hosen als Seemannsquintett „Andi Frege und seine Wasserratten“ in Matrosenanzügen zu sehen (Matrosenanzüge als norddeutsches Pendant zur Bayerntracht).

François Truffaut: Der Wolfsjunge (1970)

Auf arte.tv werden in diesem Tage Filme von François Truffaut ausgestrahlt, u.a. der 1970 in Schwarz/Weiß uraufgeführte Film Der Wolfsjunge (Originaltitel: L’Enfant sauvage). Truffaut war Mitglied und maßgeblicher Begründer der Ende der 1950-er Jahre entstandenen Nouvelle Vague („Neue Welle“), einer Stilrichtung des französischen Kinos, zu der weitere bedeutende Regisseure wie Jean-Luc Godard, Claude Chabrol und Éric Rohmer sowie viele andere gehörten.

Truffaut als Dr. Itard und der 'Wolfsjunge' Victor machen Sprechübungen
Truffaut als Dr. Itard und der ‚Wolfsjunge‘ Victor machen Sprechübungen

Den Film ‚Der Wolfsjunge‘ habe ich als jungen Mensch wohl in den 1970-er Jahren zum ersten Mal gesehen und war beeindruckt. Er spielt um das Jahr 1800 in Frankreich und zeigt die Lebensgeschichte des Wolfsjungen Victor von Aveyron nach dem Dokumentarbericht Mémoire et rapport sur Victor l’Aveyron des Arztes Jean Itard. Der Wolfsjunge wurde in einem dokumentarfilmähnlichen Stil in Schwarzweiß gedreht und gehört zu den Schlüsselwerken des Regisseurs. Truffaut, der selbst die Rolle des Dr. Itard spielt, verbindet hier zwei seiner Kernthemen: Kinder und Bildung. Der mit geringem Etat gedrehte Film erhielt eine Reihe von Preisen und stieß in Frankreich und in den USA über Cinéastenkreise hinaus auf eine unerwartet große Resonanz.


François Truffaut: Der Wolfsjunge (1970) – (englischer Trailer: The Wild Child)

Um den jungen Schauspieler in „Der Wolfsjunge“ besser in Szene setzen zu können, beschloss François Truffaut, die Rolle des Tutors selbst zu spielen. Da ist die Schönheit, die Welt zu entdecken, und die Grausamkeit der Ablehnung durch andere. Da ist die plötzliche schlechte Laune der erschöpften Kindheit und, in einem Wimpernschlag, die Liebe zum anderen, die plötzlich erwacht.

Für mich ist dieser Film einer der besonderen. Truffaut spielt den Arzt mit großer Einfühlsamkeit, wie ich sie heute in unserer Welt leider oft vermisse. „Der Wolfsjunge“ zeigt, dass sich erst in entsprechender sozialer Umgebung die natürlichen Anlagen des Menschen entfalten können. Außerhalb der Zivilisation bleibt der Mensch ein Tier.

Leider ist der Film nicht in der Mediathek von arte.tv aufrufbar. Er wird allerdings am 27.10.2020 morgens um 1 Uhr 25 wiederholt. Schade, denn auch die anderen, wirklich sehenswerten Filme von Truffaut werden im Netz nicht gezeigt (anders als vor Zeiten bei den Filmen von Chabrol und Rohmer).

Hierzu empfehle ich auch die Erzählung Das wilde Kind von T.C. Boyle

Große Film-Sammlung zum 75. Geburtstag von Wim Wenders

Er ist als Vorreiter des Neuen Deutschen Films international bekannt geworden und gilt als einer der renommiertesten Vertreter des Deutschen Kinos der Gegenwart: Der Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Fotograf Wim Wenders, der in seinem kreativen Leben zahlreiche Filmpreise und Auszeichnungen erhielt. Anlässlich seines 75. Geburtstags sind ab 14. Juli 28 seiner Filme für 3 Monate exklusiv in der ARD Mediathek zu sehen, darunter die Klassiker „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“, „Buena Vista Social Club“, „Pina“ und „Palermo Shooting“.

Action: Wim Wenders wird am 14. August 75 Jahre alt
Action: Wim Wenders wird am 14. August 75 Jahre alt

Online-Downloads der Wim Wenders-Filme über MediathekView möglich (bis zu FullHD)

Film der Woche: Unterleuten – Das zerrissene Dorf

Es sind über 15 Jahre her, da hatte ich den Roman Spieltrieb von Juli Zeh gelesen, ein Roman über die Unmoral und ihre Folgen, ein moralischer Roman, der die Fortgeltung von überkommenen Wertprizipien in Frage stellt und sich damit einer der großen Fragen unserer Zeit annimmt: Wer weiß noch, was gut und was böse ist.

In diesen Tagen sendet das ZDF den Dreiteiler Unterleuten – Das zerrissene Dorf nach Juli Zehs Roman Unterleuten. In der Mediathek des ZDFs ist dieser Dreiteiler bereits vorab zu sehen:

Unterleuten ist ein fiktives Dorf in der brandenburgischen Provinz. Hier leben sie zusammen: Wende-Gewinner und Wende-Verlierer, Ostalgiker, Kapitalisten, zugereiste Städter und Alteingesessene. Als ein Windpark in unmittelbarer Nähe zum Dorf entstehen soll, spaltet das die Bewohner. Freunde werden zu Feinden und umgekehrt.

Unterleuten - Das zerrissene Dorf (Foto: ZDF/tittelbach.tv)
Unterleuten – Das zerrissene Dorf (Foto: ZDF/tittelbach.tv)

Juli Zeh gelang 2016 mit dem Bestseller ein treffendes Zeit- und Gesellschafts-Porträt, das die großen Fragen von Grundbesitz, Strukturwandel und Energiewende mit einer spannenden & berührenden Geschichte im dörflichen und familiären Umfeld verbindet. (Quelle: tittelbach.tv)

Obwohl der nationalistische, populistische und rechtsextreme Spuk außen vorbleibt (das wäre dem Guten zuviel), tauchen wir als Zuschauer (bzw. als Leser) in eine Welt ein, die an vielen Stellen in Deutschland zu finden ist. Es werden die Brüche und Risse im gesellschaftlichen Zusammenleben aufgezeigt.

Ich habe den Dreiteiler mit Genuss gesehen. Die Figuren sind vortrefflich gezeichnet und wirklich ideal besetzt. Nach dem zweiten Teil fragte ich mich, wie das Ganze nur enden wird, denn die Situation im brandenburgischem Dorf hätte nicht verwickelter sein können. Und dann kam es böser als ich es mir habe vorstellen können … – Ich kann diesen Mehrteiler nur wärmstens empfehlen, denn es gibt viel zu entdecken im brandenburgischen Nirgendwo.

Williz Filmtipp: Unterleuten – Das zerrissene Dorf

Thriller mit Tomaten

Abgeleitet vom Begriff der Massentierhaltung sprechen wir inzwischen von einer Massenbierhaltung, gern polemisch besetzt, wenn es um die Produktion von Bieren durch Großbrauereien geht. Hier läuft alles vollautomatisch. Im Grunde braucht es nur noch einen Braumeister, der von einer computergesteuerten Leitstelle den Brauprozess überwacht. Dagegen regt sich schon seit einigen Jahren Widerstand. Im Schatten dieser Großmacht entstanden und entstehen viele Craft-Beer-Brauereien. Das sind Bierhandwerker, die quasi gegen den Massengeschmack anbrauen und ihre eigenen Biere kreieren. Mittlerweile scharen diese jungen Enthusiasten eine wachsende Szene um sich, mit Netzwerken, Bierdegustationen, Bierworkshops, Läden und Publikationen. „Craft Beer ist das Gegengewicht zum Mainstream-Bier der Braukonzerne“, schreibt das Magazin „Hopfenhelden“ selbstbewusst.

Was in der Viehhaltung die Massentierhaltung ist, das sind die Monokulturen im Anbau von Nahrungspflanzen. Ganz vorn dabei ist der Anbau von Tomaten ‚made in‘ den Niederlanden. In diesen Tagen habe ich einen Thriller aus eben diesem Land gesehen, bei dem es um den virtuellen Diebstahl von Identitäten ging: Die Akte Bellicher aus dem Jahr 2012. Neben diesem durchaus interessanten Thema zeigte der Film auch Gewächshäuser und in diesen den Anbau von Tomaten.

Gewächshäuser mit Tomatenpflanzen in den Niederlande - aus 'Die Akte Bellicher', NL 2012
Gewächshäuser mit Tomatenpflanzen in den Niederlande – aus ‚Die Akte Bellicher‘, NL 2012

Tomaten aus den Niederlanden galten lange als wässrig und ohne besonderen Geschmack. Da mag sich inzwischen einiges getan haben. Der Anbau erfolgt schon aus klimatischen Gründen in Gewächshäusern. Neben dem Deichbau und der Abgewinnung von Land aus dem Meer sind die Niederländer Weltmeister im Gemüseanbau in Gewächshäusern. So nebenbei: Island ist klimatisch noch weniger für den Anbau von Tomaten geeignet – und deckt inzwischen einen Großteil seines Tomatenkonsums aus eigenen Gewächshäusern.

Zurück zu den Niederlanden: Heute werden rund 80 Prozent der Produkte im südlichen Teil Westlands in Gewächshäusern angebaut, in denen jede Menge Technik steckt – wie etwa beim Anbauunternehmen Duijvestijn Tomatoes. Dort biegen sich die Ranken der Pflanzen unter dem Gewicht ihrer roten, gelben, grünen und dunkelvioletten Früchte. Wer in die Gewächshäuser rein will, muss als Besucher aus Hygienegründen einen Schutzanzug tragen.

„Insgesamt hat die Anlage eine Länge von 13 bis 14 Metern und produziert etwa 33 Tomatenstauden“, sagt der Chef des Unternehmens, Ad van Adrichem.

Tomatenanbau in den Niederlande - aus 'Die Akte Bellicher', NL 2012
Tomatenanbau in den Niederlande – aus ‚Die Akte Bellicher‘, NL 2012

Damit erreichen die Gewächshäuser in Westland Erträge von 70 Kilogramm Tomaten pro Quadratmeter Anbaufläche. Das ist knapp das Zehnfache des durchschnittlichen Ertrags in anderen Ländern – Spanien oder Marokko zum Beispiel, wo die Gemüse auf offenen Feldern angebaut werden. Dazu kommt die niederländische Methode praktisch ohne Pestizide aus, und sie braucht im Vergleich zum Anbau draußen auch achtmal weniger Wasser.

Das klingt schon einmal ganz gut. Und doch fehlt solchen Tomaten ein wichtiger Faktor: Die Sonne! Die macht den eigentlichen Geschmack. Ich denke da an Urlaub in Südspanien oder auf Sizilien. Was dort an Tomaten auf den Markt kommt, das ist das, was ich unten schmackhaften Tomaten verstehe. Da muss nicht eine Tomate wie die andere aussehen. Im Gegenteil: Jede Tomate ist da gewissermaßen ein Unikat. Und bei uns? Im Herbst und noch in den Winter hinein gibt es die so genannte RAF-Tomate, die allerdings nicht billig ist (rund 10 € pro Kilo). Abgeblich kommt der Geschmack auch durch Salzwasser, mit dem diese begossen werden. Lieber warte ich aber auf einheimische Tomaten, wie z.B. die aus den Hamburger Vierlande.

So bin ich also von einem Thriller auf Tomaten gekommen. Was mag da noch so kommen ….? 😉

Kurt Brakelmann is dood! – Abschied von Jan Fedder

Meine Frau und ich sind Fans der Serie Neues aus Büttenwarder. Diese Sendereihe ist Kult in Norddeutschland (und längst nicht nur mehr dort). Einer der Hauptakteure dieser Reihe, Kurt Brakelmann alias Jan Fedder, ist am 30.12.2019 gestorben: Kurt Brakelmann is dood! Wir werden Dich vermissen. Uns geht viel ‚Nennwert‘ an Humor verloren ohne Dich! Das können keine Barmittel aufwiegen. RIP #JanFedder

Jan Fedder - 'Kurt Brakelmann' aus 'Neues aus Büttenwarder'
Jan Fedder – ‚Kurt Brakelmann‘ aus ‚Neues aus Büttenwarder‘

Heute findet ab 14 Uhr im Hamburger Michel die Trauerfeier für Jan Fedder (dem Namensvetter meines ältesten Sohnes) statt. N3 überträgt die Trauerfeier ab 13.45 Uhr.

Es ist einige Jahre her, da sagte Jan Vedder: „Im Himmel warten drei Hamburger Damen auf mich! Loki Schmidt, Heidi Kabel und meine Mutter, die ja Gymnastiklehrerin beim St. Pauli-Turnverein war. Die drei da oben – drei hanseatische Grazien. Heidi Kabel macht einen plattdeutschen Chor, Loki richtet einen Wolkengarten ein und meine Mutter gibt Gymnastikkurse.“

Nun denn, viel Spaß mit den drei hanseatischen Grazien im Himmel!

Willi auf Radtour (07): Baum fällt

Letzten Sonntag gab es eine Tatort-Folge aus Wien mit dem Titel ‚Baum fällt‘ (Video ist verfügbar bis zum 24.12.2019). Es ging dabei u.a. um die Rodung von Wäldern in Osteuropa. Die Bäume wurden in dem Film von einem Sägewerk in Österreich billig aufgekauft und weiter u.a. zu Pellets verarbeitet. Das ist in zweifacher Hinsicht nicht gerade umweltfreundlich: Die gerodelten Flächen werden nicht wieder aufgeforstet und Pellets geben u.a. Feinstaub und Ruß ab. Von Nachhaltigkeit kann da keine Rede sein.

Ich bin lange Zeit mit der Bahn gefahren und wurde in meinem Fortkommen oft durch ins Gleis gefallene Bäume aufgehalten. Die Bahn will dem jetzt entgegenwirken, d.h. Bäume fällen, die spätestens beim nächsten Sturm der Bahn gefährlich werden könnten. Ein richtiges Konzept wie die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) scheint die Deutsche Bahn (DB) aber immer noch nicht zu haben.

Gefällte Bäume an der Bahnstrecke Hamburg - Bremen
Gefällte Bäume an der Bahnstrecke Hamburg – Bremen

Auf meiner Tour mit dem Fahrrad rund um meinen Wohnort bin ich auch in die Nähe der Bahnstrecke Hamburg – Bremen gekommen und musste mich doch sehr wundern, wie hier zahlreiche Bäume der großen Keule resp. Säge zum Opfer fielen. Ob das in dieser Form notwendig war (zwischen den Bäumen und den Gleisen gibt es noch einen Graben), möchte ich bezweifeln.

Gefällte Bäume an der Bahnstrecke Hamburg - Bremen
Gefällte Bäume an der Bahnstrecke Hamburg – Bremen

So viel vorerst zu meinen Radtouren rund um Tostedt. Ich habe die geschossenen Fotos zu einem kleinen Video zusammengefasst, das Ihr nachfolgend betrachten könnt:


Willi auf Radtour rund um Tostedt/Lüneburger Heide im November 2019

Anny Ondra und Hitchcock

Im Jahre 2011 verbrachte ich mit meinen Lieben meinen Urlaub im brandenburgischen Bad Saarow. Der Ort war in den „Goldenen Zwanzigern“ ein bevorzugter Erholungsort und Treffpunkt der Berliner Kultur- und Filmszene. Unter anderen erwarb hier der damalige Boxweltmeister im Schwergewicht, Max Schmeling, ein Anwesen. Auch Maxim Gorki weilte zwischen 1922 und 1923 in Saarow zur Erholung. Am 6. Juli 1933 heiratete Schmeling in Bad Saarow die deutsch-tschechische Filmschauspielerin Anny Ondra, die er bereits 1930 kennengelernt hatte.

Bis zum Tod der beiden lebten Schmeling und Anny Ondra in Wenzendorf, Ortsteil Dierstorf-Heide, in der Samtgemeinde Hollenstedt, etwa 12 km von meiner Wohnstätte entfernt.

Woher nun mein Interesse für Anny Ondra (Schmeling interessiert nur am Rande)? In diesen Tagen sah ich zwei alte Filme von Alfred Hitchcock. Im Jahr 1929, also noch früh am Anfang seiner Karriere, drehte er die Filme Der Mann von der Insel Man (The Manxman) und Erpressung (Blackmail). In beiden Filmen spielte Anny Ondra die weibliche Hauptrolle. Der erste der beiden ist Hitchcocks letzter Stummfilm; ‚Erpressung‘ ist dagegen Hitchcocks erster Tonfilm, wobei es den Film in zwei unterschiedlichen Fassungen gibt: eine Stummfilmfassung, die damals mangels technischer Ausstattung in den meisten Kinos gezeigt wurde, und eine Tonfassung, die heute in der Regel als Referenzfassung gilt.

Anny Ondra in Hitchcocks ‚Der Mann von der Insel Man‘ (The Manxman), 1929
Anny Ondra in Hitchcocks ‚Der Mann von der Insel Man‘ (The Manxman), 1929

Ursprünglich war der Film ‚Erpressung‘ nicht als Tonfilm vorgesehen; der Dreh wurde als Stummfilm begonnen. Die Filmproduzenten (British International Pictures) entschieden jedoch während der laufenden Produktion, aus dem Film den ersten britischen Tonfilm zu machen. Dieser Beschluss hatte signifikante Auswirkungen auf den Film, denn ein beträchtlicher Teil des Projekts war zu diesem Zeitpunkt bereits ohne Ton gefilmt worden. Einige dieser Szenen wurden nun mit Ton neu gedreht, aber einige blieben in ihrer ursprünglichen Fassung stumm. Ferner hatte die Hauptdarstellerin Anny Ondra, die aus Galizien stammte, einen sehr starken Akzent, der nicht zu ihrer Rolle passte.

Prolog zu Hitchcocks ‚Erpressung (Blackmail), 1929
Prolog zu Hitchcocks ‚Erpressung‘ (Blackmail), 1929

Da auch mit ihr einige Szenen bereits „im Kasten“ waren, wurde entschieden, dass Ondra ihre Rolle weiter spielen, bei ihren Einsätzen aber nur die Lippen bewegen sollte. Ihr Text wurde synchron von der Schauspielerin Joan Barry aus dem Off gesprochen. Dies bewirkte zweifelsohne, dass Ondras Schauspielleistung ein wenig unbeholfen wirkte. Anny Ondra als Alice White dürfte so auch eine der ersten Mörderinnen im Hitchcock’schen Kosmos der Schwerstverbrecher sein, wenn sie auch nur aus Notwehr handelt.

Anny Ondra in Hitchcocks ‚Erpressung (Blackmail), 1929
Anny Ondra in Hitchcocks ‚Erpressung‘ (Blackmail), 1929

Somit dürfen wir Anny Ondra durchaus mit in die Reihe der Diven stellen, die mit Hitchcock gedreht und ihm sicherlich einen Teil ihres Ruhms zu verdanken haben: Neben Anny Ondra also Joan Fontaine, Ingrid Bergman, Grace Kelly, Kim Novak, Tippi Hedren, Julie Andrews oder die 1955 noch sehr junge Shirley MacLaine.

Die Cameo-Auftritte des Herrn Hitchcock – Teil 3

Mancher Filmregisseur liebt es, einen Kurzauftritt in den eigenen Filmen zu haben. Besonders bekannt sind diese so genannten Cameo-Auftritte vom Meisterregisseur Alfred Hitchcock.

Einige dieser Auftritte habe ich bereits vor längerer Zeit bzw. erst vor kurzem vorgestellt. Ich habe noch einmal weitergeforscht – und wurde fündig. Hier also noch acht weitere Bilder von den Auftritten des großen Regie-Meisters.

    Alfred Hitchcock: Psycho (1960)

Zuvor aber doch noch einer der großen Filme von ihm. Ich habe den Film ‚Der unsichtbare Dritte‘ aus dem Jahr 1959 in diesen Tagen gesehen. Trotz seiner 60 Jahre, die er auf dem Buckel hat, ist er mit Cary Grant in der Hauptrolle noch absolut sehenswert (leider ist die Synchronstimme von Erik Ode, bekannt aus der Kriminalserie Der Kommissar, nicht gerade passend – Grants eigentliche Synchronstimme wurde in diesem Film dem Schauspieler Leo G. Carroll als ‚der Professor‘ geliehen). Dieser Film enthält einige Szenen, die in die Filmgeschichte eingegangen sind. Die bekannteste dürfte die so genannte „Maisfeldszene“ sein, oft in anderen Filmen referenziert und kopiert. Ebenfalls bekannt geworden ist die Flucht von Eve und Thornhill über die steinernen Präsidentenköpfe des Monuments von Mount Rushmore gegen Ende des Films.

Alfred Hitchcock: Der unsichtbare Dritte (1959): Die Filmfehler-Szene
Alfred Hitchcock: Der unsichtbare Dritte (1959): Die Filmfehler-Szene

Obwohl Hitchcock als sehr akribisch galt, ist ihm dennoch ein – mittlerweile legendärer – Filmfehler („blooper“) unterlaufen: Als Eve Kendall im letzten Drittel des Films Thornhill zum Schein erschießt, hält sich ein kleiner Junge im Hintergrund in Erwartung des lauten Knalls bereits Sekunden vor dem Schuss die Ohren zu, obwohl er nichts von Eves Absicht wissen und die Waffe aus seinem Blickwinkel nicht sehen kann.

Alfred Hitchcock: Der unsichtbare Dritte (1959): Hitchcocks Cameo-Auftritt
Alfred Hitchcock: Der unsichtbare Dritte (1959): Hitchcocks Cameo-Auftritt

Und natürlich hatte Hitchcock auch in diesem Film seinen Cameo-Auftritt. Diesmal gleich am Anfang (noch während des Vorspanns).


Alfred Hitchcock: Der unsichtbare Dritte (1959)

Aber komme ich auf Alfred Hitchcock und seinen weiteren acht weiteren Cameo-Auftritten zurück:

Erpressung (1929)

Mord – Sir John greift ein (1930)

Erpressung (1929)

Mord – Sir John greift ein (1930)

Die 39 Stufen (1935)

Sabotage (1936)

Die 39 Stufen (1935)

Sabotage (1936)

Eine Dame verschwindet (1938)

Rebecca (1940)

Eine Dame verschwindet (1938)

Rebecca (1940)

Der falsche Mann (1957)

Frenzy (1972)

Der falsche Mann (1957)

Frenzy (1972)

In Erpressung (1929) liest Hitchcock in der U-Bahn eine Zeitung und wird dabei von einem Jungen gestört, der ihm den Hut über die Ohren zieht (nach 11 Min.). Im Film Mord – Sir John greift ein (1930) sehen wir Hitchcock, wie er im Gespräch mit einer Frau an dem Haus vorbeigeht, in dem der Mord stattfand (nach 60 Min.). In Die 39 Stufen (1935) geht er über den Gehsteig und wirft eine Kaugummipackung weg, während Robert Donat und Lucie Mannheim fluchtartig das Theater verlassen (nach 6 Min.). in Sabotage (1936) geht Hitchcock bereits nach 9 Minuten an einem Kino vorbei. Fast ganz am Schluss geht Hitchcock in dem Film Eine Dame verschwindet (1938) in der Londoner Victoria Station mit dunklem Mantel und einer Zigarette hastig auf den Bahnsteig entlang. Auch ziemlich zum Ende zu geht er in dem Film Rebecca (1940) hinter George Sanders vorbei, als dieser neben einer Telefonzelle mit einem Polizisten diskutiert. In Der falsche Mann (1957) schließlich tritt er am Anfang des Films persönlich auf und spricht den Prolog. Dies ist gleichzeitig seine einzige Sprechrolle in einem seiner Kinofilme. Hitchcock beginnt mit den Worten: „Meine Damen und Herren, hier spricht Alfred Hitchcock. Der Film, den Sie heute sehen werden, ist von all meinen früheren Filmen grundverschieden …“. Am Anfang des Films Frenzy (1972), als die Leiche in der Themse gefunden wird, steht er in der Menge und ist der einzige, der dem Redner nicht applaudiert (nach 3 Min.).

Alle Bildausschnitte sind übrigens etwas größer auf meiner Facebook-Seite: Hitchcocks Cameo-Auftritte zu sehen.