Kategorie-Archiv: Unsere Erde – unsere Welt

Schutz und Verschmutzung unserer Umwelt

Futterhaus mit Kamera: Besuch aus der Vogelwelt

Eine Wildkamera haben meine Frau und ich bereits im Garten aufgebaut. Trotz der lärmenden Baustelle nebenan finden Tiere in unser Grün – vom Eichhörnchen bis zu verschiedenen Vogelarten. Letztere waren wohl der Auslöser dafür, dass wir für die Vögel für diesen Winter nicht nur ein neues Futterhaus zugelegt haben, sondern eines, das mit einer Kamera ausgestattet ist.

Futterhaus mit Kamera: Kohlmeise
Futterhaus mit Kamera: Kohlmeise

Durch die angesprochene Baustelle ist allerdings die Artenvielfalt, die wir bisher hatten, doch deutlich zurückgegangen. Wir hoffen auf baldige Besserung.

Futterhaus mit Kamera: Kleiber
Futterhaus mit Kamera: Kleiber

Immerhin sind es vorallem Meisen, aber auch ein keckes Rotkehlchen, das den Flug in unseren Garten und jetzt auch in das Futterhaus findet.

Futterhaus mit Kamera: Rotkehlchen
Futterhaus mit Kamera: Rotkehlchen

Thriller mit Tomaten

Abgeleitet vom Begriff der Massentierhaltung sprechen wir inzwischen von einer Massenbierhaltung, gern polemisch besetzt, wenn es um die Produktion von Bieren durch Großbrauereien geht. Hier läuft alles vollautomatisch. Im Grunde braucht es nur noch einen Braumeister, der von einer computergesteuerten Leitstelle den Brauprozess überwacht. Dagegen regt sich schon seit einigen Jahren Widerstand. Im Schatten dieser Großmacht entstanden und entstehen viele Craft-Beer-Brauereien. Das sind Bierhandwerker, die quasi gegen den Massengeschmack anbrauen und ihre eigenen Biere kreieren. Mittlerweile scharen diese jungen Enthusiasten eine wachsende Szene um sich, mit Netzwerken, Bierdegustationen, Bierworkshops, Läden und Publikationen. „Craft Beer ist das Gegengewicht zum Mainstream-Bier der Braukonzerne“, schreibt das Magazin „Hopfenhelden“ selbstbewusst.

Was in der Viehhaltung die Massentierhaltung ist, das sind die Monokulturen im Anbau von Nahrungspflanzen. Ganz vorn dabei ist der Anbau von Tomaten ‚made in‘ den Niederlanden. In diesen Tagen habe ich einen Thriller aus eben diesem Land gesehen, bei dem es um den virtuellen Diebstahl von Identitäten ging: Die Akte Bellicher aus dem Jahr 2012. Neben diesem durchaus interessanten Thema zeigte der Film auch Gewächshäuser und in diesen den Anbau von Tomaten.

Gewächshäuser mit Tomatenpflanzen in den Niederlande - aus 'Die Akte Bellicher', NL 2012
Gewächshäuser mit Tomatenpflanzen in den Niederlande – aus ‚Die Akte Bellicher‘, NL 2012

Tomaten aus den Niederlanden galten lange als wässrig und ohne besonderen Geschmack. Da mag sich inzwischen einiges getan haben. Der Anbau erfolgt schon aus klimatischen Gründen in Gewächshäusern. Neben dem Deichbau und der Abgewinnung von Land aus dem Meer sind die Niederländer Weltmeister im Gemüseanbau in Gewächshäusern. So nebenbei: Island ist klimatisch noch weniger für den Anbau von Tomaten geeignet – und deckt inzwischen einen Großteil seines Tomatenkonsums aus eigenen Gewächshäusern.

Zurück zu den Niederlanden: Heute werden rund 80 Prozent der Produkte im südlichen Teil Westlands in Gewächshäusern angebaut, in denen jede Menge Technik steckt – wie etwa beim Anbauunternehmen Duijvestijn Tomatoes. Dort biegen sich die Ranken der Pflanzen unter dem Gewicht ihrer roten, gelben, grünen und dunkelvioletten Früchte. Wer in die Gewächshäuser rein will, muss als Besucher aus Hygienegründen einen Schutzanzug tragen.

„Insgesamt hat die Anlage eine Länge von 13 bis 14 Metern und produziert etwa 33 Tomatenstauden“, sagt der Chef des Unternehmens, Ad van Adrichem.

Tomatenanbau in den Niederlande - aus 'Die Akte Bellicher', NL 2012
Tomatenanbau in den Niederlande – aus ‚Die Akte Bellicher‘, NL 2012

Damit erreichen die Gewächshäuser in Westland Erträge von 70 Kilogramm Tomaten pro Quadratmeter Anbaufläche. Das ist knapp das Zehnfache des durchschnittlichen Ertrags in anderen Ländern – Spanien oder Marokko zum Beispiel, wo die Gemüse auf offenen Feldern angebaut werden. Dazu kommt die niederländische Methode praktisch ohne Pestizide aus, und sie braucht im Vergleich zum Anbau draußen auch achtmal weniger Wasser.

Das klingt schon einmal ganz gut. Und doch fehlt solchen Tomaten ein wichtiger Faktor: Die Sonne! Die macht den eigentlichen Geschmack. Ich denke da an Urlaub in Südspanien oder auf Sizilien. Was dort an Tomaten auf den Markt kommt, das ist das, was ich unten schmackhaften Tomaten verstehe. Da muss nicht eine Tomate wie die andere aussehen. Im Gegenteil: Jede Tomate ist da gewissermaßen ein Unikat. Und bei uns? Im Herbst und noch in den Winter hinein gibt es die so genannte RAF-Tomate, die allerdings nicht billig ist (rund 10 € pro Kilo). Abgeblich kommt der Geschmack auch durch Salzwasser, mit dem diese begossen werden. Lieber warte ich aber auf einheimische Tomaten, wie z.B. die aus den Hamburger Vierlande.

So bin ich also von einem Thriller auf Tomaten gekommen. Was mag da noch so kommen ….? 😉

Þorláksmessa – der Tag der stinkenden Rochen

Meine Frau ist mit einer Isländerin befreundet. Traditionell feiern die Isländer am 23. Dezember die Torlaksmesse (isländisch: Þorláksmessa) zur Erinnerung an den isländischen Bischof Thorlak Thorhallson (Þorlákur Þórhallsson) (1133–1193), dem Schutzheiligen Islands. Der Torlaksmesstag wird dazu genutzt, das Haus bzw. die Wohnung gründlich zu reinigen und sich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Außerdem ist es üblich, ein besonderes Fischgericht zu essen: Kæst skata. Dabei handelt es sich um ein fermentiertes Fischgericht aus einer vor Island vorkommenden Rochenart. So waren wir (aus familiären Gründen) bereits gestern zum Essen dieses sehr speziellen Fischgerichts eingeladen.

Kæst Skata - mit Kartoffeln und ausgelassenem Speck
Kæst Skata – mit Kartoffeln und ausgelassenem Speck

Der vergorenen Rochen wird gekocht. Am besten geschieht das außerhalb der eigenen vier Wände, also im Freien, denn es verbreitet sich schnell ein mehr als strengen Geruch nach Ammoniak und Fisch. Dazu werden Kartoffeln gereicht. Alles wird mit der Gabel auf dem Teller zusammen mit ausgelassenem Speck gemust.

Kæst Skata - Willi wagt sich an stinkendem Rochen (mit Zutaten)
Kæst Skata – Willi wagt sich an stinkendem Rochen (mit Zutaten)

Das Gericht ist schon äußerst gewöhnungsbedürfig, schmeckt aber besser als es stinkt. Am besten spült man es mit einem Bier und dem svarti dauði („Schwarzer Tod“), wie man den Brennivín (isländisch „Branntwein“), Islands bekanntestes Alkoholgetränk, auch gern nennt, herunter. Statt Brennivín tut es auch Wodka oder ein Kräuterschnaps.

Empfehlenswert ist es, die Klamotten noch am gleichen Tag in die Wäsche zu geben, denn der Gestank von Kæst Skata setzt sich in jedes Kleidungsstück (bis in die Unterwäsche und den Socken) fest.

Willi auf Radtour (05): Schafstall ohne Schafe

Heide verbinden wir oft mit Schafen. Die Lüneburger Heide mit Heidschnucken. Im Umfeld meines Wohnortes sind Schafe aber eher rar. Auf einer Radtour bin ich zwar beim Schafstall Riepshof vorbei gekommen. Aber der dient eher als Begegnungsstätte für zahlreiche Anlässe. Schafe gibt es hier nicht (mehr).

Schafstall Riepshof
Schafstall Riepshof

Schafe fand ich dann aber auf einer anderen Tour, die mich u.a. von Todtglüsingen in Richtung Neddernhof führte, beides gehört zu Tostedt. Neben einer Heidschnucke graste auch ein normales Hausschaf.

Schafe auf der Wiese bei Todtglüsingen
Schafe auf der Wiese bei Todtglüsingen

Wer Schafe, speziell Heidschnucken, in einer Herde sehen will, der muss schon etwas tiefer in die Heide fahren. In Schneverdingen zum Beispiel ist jeden Morgen gegen 10:30 h am Schafstall am Höpen von Ostern bis Oktober (dieser Zeitraum gilt auch als Blütezeit der Heide) der öffentliche Heidschnuckenaustrieb (Eintrieb gegen 17 Uhr) zu sehen. Hier an der L 171 und in der Nähe des Heide-Kiosks sind die Heidschnucken von Schneverdingens Schäfer Günther Beuße zu Hause. Insgesamt ziehen über 9.000 Heidschnucken in 13 Herden an 365 Tagen im Jahr durch die Heideflächen der Lüneburger Heide.

Willi auf Radtour (02): Von Rindviehern, Pferden und Gänse

Niedersachsen ist auf dem Lande von der Tierhaltung geprägt. Dass das nicht immer so super ist, wissen wir eigentlich alle. Ich sage nur Gülle, die hauptsächlich aus Urin und Kot landwirtschaftlicher Nutztiere besteht. Und ich sage Nitrat, das ins Trinkwasser gelangt. Besonders die Schweinezucht als Massentierhaltung ist äußerst bedenklich. So sind Schweine im Freien auch nicht anzutreffen, dafür aber deren ‚Duft‘, der neben der eigentlichen Gülle oft genug auf dem Lande die Luft verpestet.

Aber ich komme vom Thema ab. Wenn ich mit dem Rad durch die Gegend fahre, so sind immer auch Tiere zu sehen. In Quellen, gehört zu Wistedt, einem Nachbarort von Tostedt, gibt es den Biohof Quellen, der u.a. Limousin-Rinder hält. Auf einer Wiese waren schwarze Rinder zu sehen (es muss sich um die Rasse Angus handeln). Als ich vorbeifuhr, säugten gerade zwei Muttertiere ihre Kälber.

Angus-Rind mit Kalb in Quellen
Angus-Rind mit Kalb in Quellen

Ebenfalls in Quellen schnatterte eine Schar Gänse, die zwar den Martinstag überlebt hatte, die aber wohl zu Weihnachten als Festbraten auf manchem Mittagstisch landen werden.

Gänse in Quellen
Gänse in Quellen

Niedersachsen hat ein springendes Pferd im Wappen. Rund um Tostedt finden sich so natürlich viele Pferde (meist Reitpferde) auf den Wiesen.

Pferde beim Futtern im Düvelshöpen
Pferde beim Futtern im Düvelshöpen

Hier noch ein weiteres Rindvieh, ein Holstein-Rind, das vorwiegend der Milchwirtschaft dient. In Dohren gibt es den Hof Dallmann, der Tostedt und Umfeld mit Milch und Milchprodukten beliefert.

Holstein-Rindvieh bei Dohren
Holstein-Rindvieh bei Dohren

Ebenfalls in Dohren sah ich die folgenden Pferde in der Sonne verweilen.

Pferde in Dohren
Pferde in Dohren

Alaris Schmetterlingspark Buchholz/Seppensen

Es ist viele Jahre her, da war ich mit Frau und Kindern zuletzt im Schmetterlingspark bei uns in der Nähe, in Seppensen bei Buchholz in der Nordheide. Am letzten Wochenende wurde es also wieder Zeit, bei den fliegenden, schuppengeflügelten Insekten vorbeizuschauen.

Schmetterling in Willis Haaren – Schmetterlingspark Buchholz/Seppensen
Schmetterling in Willis Haaren – Schmetterlingspark Buchholz/Seppensen

Bei tropischer Wärme und hoher Feuchte der Luft flatterten die Schmetterlinge uns um die Ohren. Einer wagte es, sich auf meinem Haupt niederzulassen. Ein anderer setzte sich auf meinen Arm, um von dem von Schweißdrüsen abgesonderten wässrigen Sekret zu kosten. Mit seinem langen Saugrohr ließ es sich der Falter gut schmecken.

Schmetterling auf Willis Arm – Schmetterlingspark Buchholz/Seppensen
Schmetterling auf Willis Arm – Schmetterlingspark Buchholz/Seppensen

Leider schließt der Schmetterlingspark bereits zum kommenden Wochenende und öffnet erst wieder im April 2020. Fürs nächste Jahr steht der Garten der Schmetterlinge in Friedrichsruh bei Aumühle (Hamburg) auf unserem Zettel, der für dieses Jahr bereits geschlossen hat. Hier ist die exotische Welt der Schmetterlinge und Pflanzen im 500 qm großen Tropenhaus zu bewundern.

Dit un dat im Internet (9)

Trump – Klappe, die erste: Und jetzt … NICHT ins fu**in‘ Weiße Haus

Auf die Frage in einem Interview hin, ob sie bei einem Sieg der US-amerikanischen Mannschaft bei der Fußball-WM der Frauen einer Einladung des Präsidenten ihres Landes in dessen Amtssitz Folge leisten würde, antwortete Megan Rapinoe: „Ich gehe nicht ins fu**ing Weiße Haus!“

Auf einer Pressekonferenz bei der Weltmeisterschaft in Frankreich nahm Rapinoe das Schimpfwort zurück, stand aber weiterhin klar zu ihrer Aussage, nicht ins Weiße Haus gehen zu wollen. Sie ermutigte auch ihre Teammitglieder, die Einladung nicht anzunehmen, um Trump keine Bühne zu bieten.

Donald Trumps Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Sie solle erstmal GEWINNEN bevor sie REDET! Beende den Job!

Nun sind die US-Amerikanerinnen Weltmeister geworden und Megan Rapinoe zudem beste Spielerin und beste Torschützin des Turniers. Sie hat also ihren Job getan! Da wurde selbst Trump kleinlaut …

Übrigens: Neben Rapinoe hatten unter anderem Alex Morgan, Ali Krieger und Becky Sauerbrunn angekündigt, sich den Ausflug nach Washington zu schenken.

Trump – Klappe, die zweite: Ehrliche Einschätzung eines Botschafters

Die britische Zeitung „Mail on Sunday“ hatte am letzten Sonntag die eigentlich für das Außenministerium in London bestimmten Berichte des britischen Botschafters in den USA, Kim Darroch, publik gemacht. Der schrieb u.a., dass er Zweifel hege, ob das Weiße Haus „jemals kompetent wirken“ werde. Mit Trump könne man sich nur verständigen, indem man sich mit einfachen Worten und unverblümt ausdrücke. Er hält die Regierung Trump für dysfunktional, unberechenbar; gespalten, diplomatisch ungeschickt und unfähig.

Wem erzählt er das?

Horde oder Individuum

Für mich zählt er zu den bedeutendsten Schriftstellern unserer Zeit: Mario Varga Llosa. Jetzt hat er mit Der Ruf der Horde eine intellektuelle Autobiografie verfasst:

Er begann als Kommunist und entwickelte sich zu einem glühenden Verfechter des Liberalismus. Das Leben des Schriftstellers Mario Vargas Llosa hat selbst das Zeug zum Gesellschaftsroman. Nächtelang stritt er mit Fidel Castro, speiste mit Margaret Thatcher und eroberte mit seinem Freund Gabriel García Márquez die literarische Welt. Nun hat der peruanisch-spanische Nobelpreisträger unter dem Titel «Der Ruf der Horde» seine intellektuelle Autobiographie vorgelegt. Darin lässt er unter anderen Adam Smith oder Karl Popper aufleben: Philosophen, die sein liberales Denken geprägt haben.

Mario Marqués de Vargas Llosa
Foto: Daniele Devoti – Padova, Italien (13. Juni 2010)

Gegen den „Ruf der Horde“ (Karl Popper), gegen den weltweit grassierenden, primitiven Populismus vergegenwärtigt Mario Vargas Llosa die Traditionen des Liberalismus, die ihn geprägt, bereichert und ein ganzes Leben lang geleitet haben – als politischen Schriftsteller wie als schreibenden Politiker.

Für seine politischen Überzeugungen ist der peruanische Nobelpreisträger jahrzehntelang kritisiert, beschimpft und angefeindet worden – aber was, wenn er recht hatte? Und welche Denker, welche Bücher haben ihm zu diesen Überzeugungen verholfen?

Mit essayistischer Verve und analytischem Scharfsinn schreibt Mario Vargas Llosa über seine Heroen des historischen Liberalismus, über Adam Smith, José Ortega y Gasset, Friedrich Hayek, Karl Popper, Raymond Aron, Isaiah Berlin und Jean-François Revel. Denn sie haben ihn mit einer ganz anderen Denkungsart vertraut gemacht, mit einer Denkungsart, die das Individuum stets höher stellte als die „Horde“, die Nation, die Klasse oder die Partei und die die freie Meinungsäußerung immer schon als fundamentalen Wert für das Gedeihen von Demokratie zu verteidigen wusste.

„Perfektes Gegenmittel gegen einen derzeitigen Trend, der so viele Menschen in die Arme von Scharlatanen, ruchlosen Mächtigen, charismatischen Demagogen zu treiben droht.“ (El Imparcial)

Zu Hause in Madrid erklärt Vargas Llosa, was ein wahrhaft freies Leben ausmacht – und welche politischen Strömungen dieses derzeit besonders bedrohen.

Er ist einer der großen Schriftsteller unserer Zeit, und einer der wichtigsten politischen Denker. Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger spricht der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa über die Kraft der Fiktion, dem Sieg der Bilder über die Ideen, die Bedrohung durch den Populismus und die philosophischen Quellen seines Schaffens.


Mario Vargas Llosa: Freiheit, die ich meine (Sternstunde Philosophie) – SRF 2019

Zuletzt:

Für die, die es nicht schlimm finden, wenn sie aller Orten (im Internet, per Videokamera usw.) überwacht werden:

„Zu sagen, das Recht auf Privatsphäre sei egal, weil man nichts zu verbergen hat, ist nicht anders als zu sagen, Meinungsfreiheit sei egal, weil man keine Meinung hat.“ Edward Snowden

Willis Knie – Teil 2: Reha und weitere Entwicklung

Fortsetzung von: Willis Knie – Teil 1: Diagnose und OP

Willis rechtes Bein – wo sind die Weichteile?

Am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen, so wurde ich am darauf folgenden Montag bereits in der Waldklinik Jesteburg – dem Zentrum für Rehabilitation aufgenommen. Im Vorfeld hatte ich mich für eine ambulante Reha entschieden. Morgens gegen 8 Uhr wurde ich durch einen Fahrdienst der Klinik abgeholt und nachmittags von diesem wieder nach Hause gebracht. So konnte ich den Abend in den eigenen vier Wänden verbringen und in meinem eigenen Bett schlafen. Das Mittagessen nahm ich in der Klinik ein. Für die Ruhepausen steht ein Ruheraum zur Verfügung. Bei dem schönen Wetter Ende April/Anfang Mai 2018 verbrachte ich viel Zeit draußen an der frischen Luft. Mit der Gehhilfe kein Problem. Und bei dem wäldlichen Umfeld der Klinik geradezu ein Muss!

Waldklinik Jesteburg – Zentrum für Rehabilitation
Waldklinik Jesteburg – Zentrum für Rehabilitation

Die Reha dauerte gut drei Wochen und beinhaltete neben der üblichen Krankengymnastik (einzeln und in kleinen Gruppen) und dem ‚Wasserballett‘ (Krankengymnastik im Bewegungsbad), Training auf dem Ergometer, Lymphdrainage und auch belehrende Vorträge zur gesundheitsbewussten Lebensgestaltung (!). Ich bestätige gern, dass ich die Zeit in der Reha durchaus genossen habe und die Waldklinik gern weiterempfehlen kann.

Willi ruht im Ruheraum der Waldklinik
Willi ruht im Ruheraum der Waldklinik

So wurde es Mitte Mai. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht angenommen, dass ich noch weitere sechs Monate ‚krankfeiern‘ würde, obwohl der Chefarzt der Waldklinik in seinem Entlassungsbericht schrieb, dass „wir … von einem weiteren ambulanten Therapiebedarf von drei bis sechs Monaten aus[gehen].“

Apropos Entlassungsbericht! Ich fand es schon etwas komisch, wie hier unter Punkt 3.2 auch ein allgemeiner psychischer Befund zu meiner Person erstellt wurde. Demnach „[ist] Herr A. … dem Untersucher gegenüber freundlich zugewandt und macht adäquate Angaben. Aus dem Beschwerdebild ergeben sich keine Beeinträchtigungen der verbalen Kommunikation. Keine Orientierungsstörung. Keine Anzeichen einer depressiven Verstimmung oder weiterer psychiatrischer Erkrankungen. Keine Einschränkung bei der Bewältigung von Stress- und Krisensituationen.
Es bestehen keine Einschränkungen beim Lernen, der Anwendung des Erlernten, der Aufgabenlösung sowie der Kommunikation.
Herr A. zeigt sich zum Krankheitsverlauf ausreichend orientiert. Aus der Befragung ergeben sich keine Hinweise auf das Vorliegen psycho-sozialer Konfliktsituationen.“
– Nun denn, Herr Doktor!

Nach der Reha ging ich (zunächst noch auf Krücken) zweimal die Woche zur Krankengymnastik und wurde in der Praxis von Frau Ruth Brandt in Tostedt von Herrn Torsten Schulz bestens betreut. Späterhin nahm ich beim Todtglüsinger SV in der Fitnesshalle zweimal die Woche am Rehasport teil. Ich möchte mich hier bei Simone Barghusen, Karin Pinto da Silva und auch bei Tatjana Oshana-John für ihre Unterstützung bedanken. Ohne Zweifel haben mich Krankengymnastik und Rehasport (der übrigens von meinem Rententräger bezahlt wurde) ein großes Stück weiter gebracht.

Es dauerte lange, bis ich mein Knie wieder einigermaßen strecken und beugen konnte. In der Beugung schaffte ich lange Zeit gerade einmal einen Winkel von maximal 95 ° (etwas mehr als ein rechter Winkel). Zum Fahrradfahren werden mindestens 110° benötigt. Vom Orthopäden wurde so schon angedacht, eine Narkosemobilisation durchzuführen. Ich hatte so sechs Wochen bis zum nächsten Arzttermin Zeit, um die Beugung zu verbessern. Dank Heimtrainer, spezieller Dehnübungen (bis zur Schmerzgrenze) und dann auch durch den Erwerb eines E-Bikes (genauer: Pedelecs) der Firma Lehmkuhl (Serie P2 Classic 7-Gang) schaffte ich es dann: Der Orthopäde war zufrieden. Eine weitere Behandlung nicht mehr notwendig.

Und so arbeite ich seit dem 26. November 2018 wieder – zunächst je zwei Wochen a vier, dann sechs Stunden in einer Wiedereingliederung in das Erwerbsleben (läuft noch unter Krankmeldung und wird von der Krankenkasse bezahlt). Mit dem neuen Jahr arbeite ich wieder voll.

Was macht mein Knie heute? Es ist schon komisch, welche Antworten ich auf meine oft gestellte Frage bekam, wie lange es dauern wird, bis ich wieder beschwerdefrei laufen (sic!) kann. Zunächst war die Rede von drei, dann vier Monaten. Dann wurden es schon sechs Monate – bis zu einem Jahr. Von einem Bekannten hörte ich nun, dass er fast zweieinhalb Jahre brauchte, bis er wieder so gehen (sic!) konnte, wie er es sich wünschte. Heute nach fast neun Monaten seit der OP habe ich immer noch Beschwerden, leichte Schmerzen zwar nur, besonders in der Nacht beim Schlafen, beim Treppenhinabgehen oder beim Anziehen (Socken, Hose), aber immer noch zieht und ziept es. Im Grunde sollen durch ein neues Kniegelenk lediglich die Aktivitäten des täglichen Lebens wieder schmerzfrei ermöglicht werden. Wer mehr möchte, der muss selbst zusehen, wie er klarkommt. Ein menschliches Kniegelenk beinhaltet sehr komplexe Bewegungsabläufe, die durch eine Gelenkprothese nicht vollständig nachgebildet werden können. Bei einer Hüftprothese ist die ärztliche Kunst schon einen Schritt weiter. Schön, wenn man solches, wenn auch verspätet, doch noch erfährt.

Nun, ich will nicht klagen. In spätestens zehn Monaten gehe ich in Rente. Und bis dahin habe ich noch einige Zeit, um noch ein wenig mehr fit zu werden. Allerdings hat sich durch die Verlagerung des Firmensitzes mein Arbeitsweg fast verdoppelt. Morgens wie abends bin ich so bis zu zwei Stunden unterwegs, muss öfter umsteigen und dabei oft genug wegen Verspätungen hinter Bahn oder Bus hinterhersputen, was mit einem immer noch nicht ganz funktionsbereiten Knie nicht gerade ratsam ist.

Mein Rat für Leidensgenossen/-innen: Geht möglichst früh zum Orthopäden (wenn’s im Knie zu knirschen beginnt). Ist die Implantierung einer Totalendoprothese unumgänglich, dann kann damit gewartet werden, solange die Schmerzen nicht zu groß sind. Aber das muss jeder für sich (mit ärztlichem Rat) selbst entscheiden.

Willis Knie – Teil 1: Diagnose und OP

    „… und über eine Zeit sahen sie einen, der stand da auf einem Bein und hatte das andere abgeschnallt und neben sich gelegt. Da sprach der Herr: ‚Du hast dir’s ja bequem gemacht zum Ausruhen.‘ – ‚Ich bin ein Läufer,‘ antwortete er, ‚und damit ich nicht gar zu schnell springe, habe ich mir das eine Bein abgeschnallt, wenn ich mit zwei Beinen laufe, so geht’s geschwinder, als ein Vogel fliegt.‘“

Nun, zum Abschnallen gab es nichts bei mir, auch wenn ich das mir manchmal gewünscht habe. Es war das Knie, das rechte, das mir zusehends Probleme bereitete und mir fortschreitende, der Arzt nennt es progrediente Schmerzen im rechten Kniegelenk verursachte. Erst knirschte es im Gebälk, zunächst sanft, dann fast schon hörbar. Und nach und nach pikste und dann brannte und stach es – bis die Schmerzen einen Grad erreichten, der mich veranlasste, erst einmal aufs Joggen zu verzichten und endlich einen Orthopäden zu konsultieren.

Nein, mit ‚Willis Knie‘ geht es nicht um erotische Anspielungen, nicht um ein zwanghaftes Verlangen, ein Knie, z.B. Claires Knie, zu berühren. Wir bewegen uns hier eher im Tal der Tränen

Des Orthopäden erste Vermutung, ich hätte mir einen Meniskusschaden zugelegt, erwiesen sich nur als halbe Wahrheit. Eine Magnetresonanztomographie (kurz MRT) zeigte es auf: Die Menisken hatten sich geradezu deformiert und zudem kam ein Knorpelschaden hinzu. Das war jetzt vor gut anderthalb Jahren. Die Arthrose des Kniegelenks, Gonarthrose genannt, gehört zu den häufigsten Abnutzungserscheinungen der Gelenke. Der fortschreitende Gelenkverschleiß führte dazu, dass der Knorpel im Kniegelenk zerstört wird.

MRT des rechten Kniegelenks
MRT des rechten Kniegelenks

Die Schmerzen hielten sich noch in erträglichen Grenzen. Und je später operiert wird, denn eine Operation war unerlässlich, je länger hält dann das ‚neue‘ Knie. Anfang des letzten Jahres entschloss ich mich dann aber doch zu einer Voruntersuchung im Krankenhaus Buchholz. Eigentlich sollte das Knie in Hamburg operiert werden, aber Buchholz liegt für mich gewissermaßen gleich ‚um die Ecke‘. Und zumindest vom noch ziemlich neuen Chefarzt des Buchholzer Krankenhauses hatte ich viel Gute gehört. Am Freitag, den 13. April 2018 war es dann soweit: Mir wurde eine zementiertes Triathlon-Knie-TEP (Totalendoprothese) implantiert – also ein künstliches Kniegelenk eingesetzt. Dabei wurden bei mir alle Gelenkanteile überkront. Die wichtigsten Bänder des Kniegelenkes blieben erhalten und gewährleisten so das korrekte Gelenkspiel. Diese moderne Prothese erlaubt besonders viel Beugung bei größtmöglichem Knochenerhalt. Der Knochenverlust ist durch die Überkronung der Gelenkflächen minimiert. Die Operation verlief ohne Komplikationen und wurde vom besagten Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, Herrn Prof. Dr. C.H. Flamme, höchst persönlich durchgeführt. Bei der Chefarztvisite brachte mir der Doktor dann auch gleich ein Bildchen meines neuen Knies mit:

Willis neues Kniegelenk (rechts)
Willis neues Kniegelenk (rechts)

Noch während des Krankenhausaufenthaltes wurde ich einzeln und in der Gruppe physiotherapeutisch betreut (u.a. auch durch Wassergymnastik). Weniger appetitlich sah dann die über 15 cm lange Wunde aus, die mit Klammern zusammengefügt wurde.

geklammerte Wunde nach Knie-OP
geklammerte Wunde nach Knie-OP

Bereits nach einer Woche wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und war dank Unterarmgehstützen schon sehr gut mobil. Kurze Strecken (z.B. im Haus) konnte ich auch ohne Gehhilfen bewältigen. Zur Linderung der natürlich noch vorhandenen Schmerzen wurde nur Tramadol 100 mg und Novaminsulfon 500 mg verordnet.

Willis neues Kniegelenk (rechts) – die Wundklammern sind gut sichtbar
Willis neues Kniegelenk (rechts) – die Wundklammern sind gut sichtbar

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Grainau 2017 (5): Albins vegane Küche

Der Ernährungsreport 2018 zeigt: Essen ist weit mehr als bloße Nahrungsaufnahme. Ernährung ist ein wichtiger Teil der sozialen und kulturellen Identität. Und dazu gehört auch die Zubereitung des Essens. Gemeinsames Kochen macht Spaß!

Wer zwei Söhne hat, die sich vegan ernähren, also neben Fleisch und Fisch auch keine Eier, Milchprodukte und Honig essen, der kann nicht in jedes Restaurant zum Essen gehen. Während unseres Weihnachtsurlaub 2017 in Grainau hatten wir eine Ferienwohnung gemietet, die natürlich auch die Möglichkeit zum Kochen bot. Und die haben wir (meine Frau und ich sowie unsere beiden Söhne) dann auch reichlich genutzt.

Meine Frau und ich, ich habe es an anderer Stelle schon erwähnt, sind keine Veganer. Dafür mögen wir z.B. einfach zu gern Fisch. Und auch auf das wochenendliche Frühstücksei verzichten wir nur ungern. Aber Fleisch kommt bei uns schon seit vielen Jahren nur spärlich auf den Tisch. Schon früh war uns dabei eine ausgewogene, vollwertige Ernährung wichtig, wobei pflanzliche Nahrungsmittel bevorzugt werden. Und schon vor über 30 Jahren verarbeiteten wir auch Tofu, das damals fast ausschließlich im Asia-Laden erhältlich war, weil es einfach zur asiatischen Küche dazu gehört. Heute essen meine Frau und ich, auch wenn unsere Söhne nicht anwesend sind, viele Speisen auf veganer Grundlage.

Nach den Ernährungstrends sollen 2018 insgesamt weniger Fleisch, dafür mehr Gemüse – und ja: mehr Insekten auf die Teller kommen. In Asien ist das gang und gäbe. Ganz so weit sind wir natürlich noch nicht. Ich möchte hier gar nicht auf das Thema Nachhaltigkeit und mit dem Hinweis kommen, dass für ein Kilo Fleisch das Vielfache an pflanzlicher Kost verbraucht wird. Aber unsere Essengewohnheiten werden sich zwangsläufig ändern müssen. Übrigens: Vegane Küche kann sehr schmackhaft und durchaus gesund sein.

Weihnachtsmarkt Garmisch-Partenkirchen 23.12.2017: Veggieburger zu Pommes aus Süßkartoffeln - © Jan Albin
Weihnachtsmarkt Garmisch-Partenkirchen 23.12.2017: Veggieburger zu Pommes aus Süßkartoffeln

Also während unseres Grainau-Aufenthalts Ende des letzten Jahres gab es überwiegend vegane Küche. Am Ankunftstag, es blieb keine Zeit zum Kochen, gingen wir zum Italiener in Grainau und aßen Pizza. Am Tag darauf (23.12.) besuchten wir in Garmisch-Partenkirchen den Weihnachtsmarkt und stillten unseren kleinen Hunger zwischendurch mit Veggieburger und Pommes frites aus Süßkartoffeln. Am Abend kochten wir dann selbst, wobei ich für ein bei uns schon sehr übliches Essen sorgte: Pasta, also Nudeln (Penne), zu einer Knoblauch-Estragon-Olivenöl-Soße, die ich mit getrockneten Tomaten anreicherte. Darauf Parmesankäse für die Nichtveganer und Erntesegen Hefeflocken für meine Söhne.

Tagsüber waren wir während dieser Tage fast ausschließlich unterwegs an der frischen Luft. Da war es wichtig, morgens gut gefrühstückt zu haben. Das eigentliche warme Essen gab es dann abends. Am folgenden Tag schwang dann der ältere unserer beiden Söhne mit unserer Hilfe den Kochlöffel. Beide Söhne haben neben all ihren sonstigen Talenten auch die Gabe, gut kochen zu können. Es gab Chili sin Carne, also eine Gericht mit scharfen Chili, aber statt Fleisch eine Alternative auf Sojabasis. Die großen Portionen sprechen für sich, d.h. für unseren Hunger.

Weihnachtsurlaub in Grainau ganz vegan: Chili SIN Carne - © Jan Albin
Weihnachtsurlaub in Grainau ganz vegan: Chili SIN Carne

Es gab also (es war Heiligabend) keinen Kartoffelsalat mit Würstchen, obwohl das in veganer Variante durchaus möglich wäre. Am Abend gönnten wir uns dann eine Feuerzangenbowle. Den Film (‚Pfeiffer mit drei f‘) hatten wir leider nicht parat.

Man(n)/Frau gönnt sich ja sonst nichts: Feuerzangenbowle zu Heiligabend - © Lukas Albin
Man(n)/Frau gönnt sich ja sonst nichts: Feuerzangenbowle zu Heiligabend

Am ersten Weihnachtstag gab es dann Grünkohl mit panierten Röstkartoffeln. Am Anreisetag waren meine Frau und ich beim Schlachter (oder Metzger, wie es in Bayern heißt), um für uns beide u.a. Kohlwürste zum Grünkohl zu kaufen. Eine Wurst aus Kohl? Nein, eine Wurst zum Kohl, Grünkohl! Schließlich gibt es hier ja auch Fleischpflanzerl. Und die haben wenig mit Pflanzen zu tun. Nun, eine norddeutsche Kohlwurst gab es natürlich nicht, aber doch eine ganz ähnliche, geräucherte Wurst. – So oder so, das deftige Mahl schmeckte uns (mit oder ohne Wurst).

Als nächstes vegane Gericht gab es eine Gulasch-Variante mit viel Paprika, Zwiebeln, Champignons usw. und erneut Fleischersatz auf pflanzlicher Basis (Seitan, also Weizeneiweiß) zu Nudeln.

Und auch das typisch norddeutsche Labskaus, ebenso in veganer Variante, also ohne Pökelfleisch, Spiegeleiern und Hering, dafür mit Räuchertofu kam in diesen Tagen auf den Tisch.

Weihnachtsurlaub in Grainau ganz vegan und norddeutsch: Labskaus - © Jan Albin
Weihnachtsurlaub in Grainau ganz vegan und norddeutsch: Labskaus

Wie in der ‚normalen‘ Küche so macht die richtige Würzung den Geschmack des Essens aus. Wir mögen es durchaus scharf (neben Pfeffer oft Chili) und sind Liebhaber von Kräutern. Salz in Maßen darf nicht fehlen. Es war nicht allein der Hunger nach der übermäßigen Sauerstoffzufuhr, sondern es schmeckte wirklich alles bestens. Wir müssen ja nicht unbedingt Vegetariern oder gar Veganern werden, um unseren, gerade in Deutschland, unmäßigen Fleischverbrauch zu reduzieren. So ein ‚Veggietag‘ schadet niemanden, im Gegenteil: Er ist gut für unsere Umwelt!

Film der Woche: Tatort (1037): Böser Boden (2017)

Es ist, als wolle man aus einer Zitrone noch den allerletzten Tropfen Saft pressen. Der neueste Tatort hatte Fracking (genauer: Hydraulic Fracturing) als Thema gewählt, eine Methode, mit der gewissermaßen auch der letzte Tropfen Erdöl oder der letzte Hauch Erdgas dem Erdboden entrissen werden soll.

Leider ist dieser Tatort, ich gebe es zu, wenig zufriedenstellend. Der bzw. die Täter des Mordes wurden zwar ermittelt, aber wer eigentlich Schuld an den offensichtlichen Vergiftungen der Landbevölkerung hat, blieb im Dunkeln. Die Behörden werden sich schon darum kümmern. Zwar sind die Anleihen beim Fantasyhorror ganz witzig, wirken aber im typischen Krimi-TV-Realismus eher wie Fremdkörper.

Im ländlichen Niedersachsen wird ein Mann brutal ermordet aufgefunden: Arash Naderi ist erst vor einigen Monaten aus dem Iran nach Deutschland migriert. Für die Ermittler Julia Grosz und Torsten Falke deutet einiges darauf hin, dass es sich um einen politisch motivierten Mord handeln könnte; möglicherweise ist der Tote einer rechten Gewalttat zum Opfer gefallen.

Wie Falke und Grosz schnell herausfinden, wurde Arash Naderi in der Zeit vor seinem Tod tatsächlich bedrängt. Und zwar von Bauern und Öko-Aktivisten aus der Gegend, deren Rädelsführer auch schon öfter in Konflikt mit dem Verfassungsschutz geraten ist. Er veranstaltet regelmäßig Treffen in seiner Scheune und ist bekannt dafür, Leute aufzuhetzen. Falke und Grosz finden bald heraus, worum es bei diesen konspirativen Treffen geht. Die Bauern entpuppen sich als militante Umweltschützer und planen Kampagnen gegen Fracking und Erdgasförderung.

Immer stärker kristallisiert sich heraus, dass nicht seine Herkunft das Opfer zur Zielscheibe gemacht hat, sondern sein Job. Arash Naderi war als Fahrer für ein Erdgasunternehmen tätig und einem handfesten Umweltskandal auf der Spur.

Das Ganze geschieht in der Nähe von Rotenburg/Wümme beim Bullensse (wovon es eigentlich zwei gibt, den großen und den kleinen). Bis zu meinem Wohnort ist es nicht mehr allzu weit. Ich muss gestehen, dass mir beim Sehen des Tatortes ziemlich mulmig wurde. In den Landkreisen Rotenburg und Heidekreis hat ExxonMobil inzwischen 56 Bohrungen zur Förderung von Erdgas und 99 Fracs vorgenommen. ExxonMobil steht nicht nur bei mir für Umweltverseuchungen der schlimmsten Art. Im Tatort ist es wohl eine lecke Leitung, durch die der sogenannte Flowback (der Rückfluss des oft durch Ausspülungen verseuchte Produktionswasser) fließt, der die Menschen vergiftet hat.

Fracking ist äußerst umstritten, da u.a. eine Verunreinigung des Grundwassers zu befürchten ist. Von all den anderen Umweltschäden ganz zu schweigen. Im Landkreis Harburg, in dem mein Wohnort liegt, soll es (zumindest vorerst) kein Fracking und keine weitere Suche nach Erdöl geben.

(Wiederholter) technischer Hinweis: Ich getraue und bediene mich der Mediatheken Öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten (zusammen mit dem direkten Link auf den Film zum Herunterladen). Zudem bediene ich mich eines Videoplayers, der das Plugin Adobe Flash benötigt. Solltet Ihr damit Probleme haben, so findet Ihr hier auch immer den direkten Link auf die Webseite mit dem Video der entsprechenden Sendeanstalt.

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Tatort (1037): Böser Boden (2017)