Kategorie-Archiv: WilliZ Welt

WilliZ kleine (eigene) literarische Welt

Willis Plaudereien (9): Und und/oder oder?

Denen, die jetzt Bahnhof verstehen, sei es erklärt: Es geht um die Frage, ob jemand ein Und-Typ ist oder doch eher ein Oder-Typ – oder vielleicht beides: Ein Und-Oder-Typ. Geddit? Immer noch nicht?

Es ist ganz einfach: Es gibt die ‚berühmten‘ Fragen: Tee oder Kaffee? Meer oder Berge? Beatles oder Stones? Und derer viele mehr. Na, geht Dir so langsam ein Licht auf? Avete capito, wohin die Reise geht?

Was für ein Typ bist Du? Trinkst Du lieber Tee oder doch lieber Kaffee? Reist Du lieber ans Meer oder in die Berge? Magst Du lieber die Beatles oder doch eher die Rolling Stones?

Willi mit Helm in lila (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)
Willi mit Helm in lila (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)

Nein, ich will hier nicht in die Welt der Antonyme, der Gegensatzwörter, einsteigen, obwohl dazu natürlich viel zu schreiben wäre. Es geht hier (soviel darf doch geschrieben sein) um Antonyme im weiteren Sinne.

Was für ein Typ bist Du also? Bleiben wir bei der Frage nach Tee oder Kaffee? Der eine mag also lieber Tee als Kaffee oder umgekehrt. Manche mögen aber durchaus auch beide Getränke gern (Und-Oder-Typ). Da fällt mir natürlich gleich ein, dass ich etwas vergessen habe: die Weder-Noch-Typen, die also weder Tee noch Kaffee mögen, lieber Milch, Saft oder Wasser trinken.

O je! Wir Menschen sind schon seltsame Gebilde. Viele fragen nach dem Sinn des Lebens und stolpern schon über kleinste Kleinigkeiten wie eben diese: Was mag ich lieber? Und vor allem: Was mag meine Liebste/mein Liebster gern.

Ich weiß nicht, ob es viele dieser Deckungsgleichheiten in einer Partnerschaft geben muss, um ihr eine gewisse Dauer zu garantieren. Angeblich mögen sich Gegensätze anziehen, aber auf lange Sicht habe ich da doch meine Bedenken, was die Zeitspanne einer solchen Beziehung betrifft.

Zudem lässt es sich gut streiten, was denn nun besser (oder gesünder und/oder schöner und beglückender etc.) ist. Wie auch immer: Es ist gut, dass wir Menschen auch in solch kleinen Dingen unterschiedlich sind. Es wäre langweilig, wenn alle nur Kaffee mögen. Da käme dann aber ein Ostfriese um die Ecke (wie in der Werbung) und würde fragen: Und was ist mit Tee?!

Nein, so doch nicht … (13): In postideologischen Zeiten

    Wo man früher über Kapitalismus, Marxismus und die Qualität der Politiker stritt, geht es heute um Fleischkonsum und Vollkornrettung. Und wer meint, dass wir in postideologischen Zeiten leben, möge doch beim Elternabend vorschlagen, den Kindern beim Wandertag ein Wurstbrötchen, Vollmilchschokolade und eine Dose Cola mitzugeben, wie früher. Ebenso gut könnte man Heroin anpreisen.
    Nils Minkmar im ‚Spiegel‘

2016 wurde Minkmar mit dem Ben-Witter-Preis ausgezeichnet und geehrt als „lebenskluger Beobachter unserer kleinen Welt, der sich seinen freien Blick und sanften Spott bewahrt hat“.

Nein, so doch nicht ...
Nein, so doch nicht …

Wer ist schon frei von Ideologie? Auch wenn wir uns nicht mehr so sehr um das große Ganze streiten, so hat doch jeder sein spezielles Gedankengebäude errichtet – bei dem einen ist es eher klein, bei dem anderen eher etwas größer aufgestellt -, um gewissermaßen über die alltäglichen Runden zu kommen.

Und wenn mancher meint, die ‚große Ideologie‘ von vorgestern bemühen zu müssen, dann verbirgt sich dahinter doch ein kleinkariertes Denken, das eher Schaden anrichtet als Nutzen bringt.

So sind mir diejenigen doch lieber, Herr Minkmar, die ernährungstechnisch ins Ideologische reichende Vorstellungen haben, als solche, die Nation und Volk zu völkischem Chauvinismus verwandeln wollen.

Nein, so doch nicht … (12): Das Wörtchen ‚man‘

Kafkas Prozess beginnt damit („Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, …“), Goethe benutzte es in seinem Faust („Ich weiß, wie man den Geist des Volks versöhnt; …“). Es geht um Indefinitpronoma, also um unbestimmte Fürwörter, die sich leider nicht immer vermeiden lassen, besonders das Wörtchen ‚man‘. Die Frage, die ich hier erörtern will, ist, ob ‚man‘ frauenfeindlich ist, wenn man ‚man‘ benutzt.

In diesem Blog bemühe ich mich, das Wörtchen ‚man‘ tunlichst zu vermeiden. ‚Man‘ klingt wie Mann. Ist aber ‚man‘ mit Mann gleichzusetzen? Werden Frauen also diskriminiert, weil ’s immer nur ‚man‘ und nie ‚frau‘ heißt?

Das Wörtchen ‚man‘ ist wie jemand (siehe Kafka), alle, einer, manche, wer, etwas, einige, andere ein Indefinitpronomen, also unbestimmtes Fürwort. Pronomen treten „an die Stelle eines Nomens (Substantiv; deutsch Namenwort)“ und das Wörtchen ‚man‘ verwenden wir insbesondere dann, wenn wir etwas verallgemeinern, also nicht konkret von einer Person, Sache usw. sprechen. Und ‚man‘ taucht noch in vielen anderen Wörtern auf wie mancherlei – manchmal – mannigfach. Und gibt es da noch jedermann (Hugo von Hofmannsthal und Salzburg lassen grüßen).

Nein, so doch nicht ...
Nein, so doch nicht …: Das Wörtchen ‚man‘

Wie verhält es sich nun mit der ‚Männlichkeit? Was dafür spricht, ist das generische Maskulinum, die Benutzung der verallgemeinernden männlichen Form, z.B. Man hat sein Glück gemacht, wenn … Das Possessivpronomen (besitzanzeigende Fürwörter) ’sein‘ ist männlich (so wie: Er hat sein Glück gemacht!).

Nun habe ich aber zur Etymologie von ‚man‘ gelesen (pinkstinks.de bzw. frauensprache.com), dass ‚man‘ im ursprünglichen Altnordischen „Frau“ (engl. woman) bedeutet. Das Wort für „Mann“ war nicht ‚man‘, sondern ‚wer‘, aus der Sanskritwurzel vir, wie in wer-wulf, dem Wolfsmann. Und die englische Isle of Man war z.B. der Mondfrau geweiht, die auch als Seejungfrau daher kam. Im Europa des Altertums sei es Mana, die Mondmutter, gewesen, die die Menschen hervorbrachte. Dem widerspricht allerdings, was ich über den Namen der Isle of Man gelesen habe. Danach lehnt sich ‚Man‘ an das keltische Wort für Berg, könnte allerdings auch der Name eines Königs sein. Männlich oder weiblich? Mann oder Frau? Wer weiß es genau? Wie auch immer …

Der Duden sagt, dass die Herkunft mittelhochdeutsch, althochdeutsch sei und ‚man‘ eigentlich irgendeiner, jeder beliebige (Mensch!) meint. Oder an anderer Stelle: ‚man‘ meint irgend jemand, manche oder alle Menschen, formal sind Frauen mitgemeint, wenn MAN „man“ sagt:

Der Duden geht dann noch etwas mehr in die Tiefe und definiert ‚man‘ u.a. mit:

– jemand (sofern er in einer bestimmten Situation stellvertretend für jedermann genommen werden kann), z.B. … man nehme … (wie viele Kochbücher müssten umgeschrieben werden, wenn …)

– irgendjemand oder eine bestimmte Gruppe von Personen, z.B. … man vermutet … (es wird allgemein vermutet)

– du, ihr, Sie; er, sie (zum Ausdruck der Distanz, wenn jemand die direkte Anrede vermeiden will), z.B. … hat man sich gut erholt? …

Und im digitalen Grimm (Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm) finden MAN u.a.:

man, seit der mhd. zeit im gebrauche […], sagt ohne bezug auf ein bestimmtes subject im allgemeinen aus, was zugleich von mehreren gelten kann (gramm. 4, 220); bei dieser allgemeinheit ist eine mehrheit verstanden, man menschen, leute …

Wie gesagt: Das Wörtchen ‚man‘ verallgemeinert. Und deshalb versuche ich, es zu umgehen. Wer laufend ‚man‘ benutzt, bleibt im Unbestimmten. Wir wollen angesprochen werden (wir oder ihr statt ‚man‘).. Oder wir wollen, dass sich der Schreiber zu erkennen gibt (ich statt ‚man‘).

Auf jeden Fall finde ich die Verwendung von ‚frau/man‘ statt ‚man‘ für – na ja – unpassend. Ich bin durchaus für eine geschlechtergerechte Sprache. Aber mit diesem ‚frau/man‘ ginge der Schuss nach hinten los. Nein, so doch nicht …!

Zuletzt: Nun, ich komme aus norddeutschem Gefilde. Und da gibt es eine Eigenheit mit dem Wörtchen ‚man‘, das nur hier zu finden ist: ‚man‘ als Adverb (Umstandswort), norddeutsch umgangssprachlich für nur, mal, z.B.:

– lass man gut sein!
– na, denn man los!

Ja, richtig: Lass man gut sein, Willi!

Kurz und spitz (01): Polterer

    Die Deutschen sind Polterer, ob von links oder von rechts. Es fehlt ihnen das Vermögen zur feinen Spitze, zur eleganten Ironie, die den Gegner bloßstellt, ohne ihn zu vergrößern.
    Dirk Kurbjuweit

Kurz und spitz: Polterer
Kurz und spitz: Polterer

Hier entsteht eine neue Rubrik, eine neue Kategorie (wie es in Blogs auch genannt wird), in der kurz, dafür möglichst spitz, Gedanken formuliert werden, die Anstoß zum Überdenken geben sollen.

Ja, feine Spitzen der Ironie gegen den Unverstand, die Ignoranz braucht das Land. Denn was mich immer wieder wundert, gar ärgert, ist, wie es bei uns immer wieder geschafft wird, den Gegner größer dazustellen, als er es ist. Wir müssen wohl noch einiges lernen.

Willis Plaudereien (8): Die ‚große Freiheit‘

    Wie Hamburg habe ich meine „Große Freiheit‘. In allem. Ich halte mich nicht einmal an den Kalender. Wieso Neujahr feiern? An jedem Tag beginnt ein neues Jahr.
    Tomi Ungerer

Der Mann hatte gut reden. Natürlich kann jeder sich, anders als die anderen, an eigene Regeln halten, und übliche Gesetzmäßigkeiten außer Acht lassen. Irgendwann soll endlich die Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit entfallen. Da soll es aber schon heute Leute geben, die das gar nicht interessiert. Die haben immer Winterzeit (die Normalzeit übrigens). Bei denen ist es nicht 15, sondern erst 14 Uhr. Auf diese Art leben die Guten eine Stunde ‚länger‘.

Und ab einem bestimmten Alter wollen einige wiederum nicht mehr älter werden. Die bleiben 39 oder 49 oder 59 und eines Tages ‚vergessen‘ sie ganz einfach ihren Geburtstag (entsprechende Daten bei Facebook, Twitter usw. beizeiten löschen). Und wer mit Geschenken kommt, wird erschlagen.

Willi mit Helm - unscharf (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)
Willi mit Helm – unscharf (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)

Und für viele ist jeder neue Tag nicht nur der Beginn eines neuen Jahres (wie bei Herrn Ungerer), sondern sogar der Anfang eines neuen Lebens. Da wärst Du platt, lieber Tomi!

Schnutenpulli

Auf der Suche, nein, nicht nach der verlorenen Zeit, sondern nach einem Begriff für diese Dinger, die wir seit Wochen, gar Monaten im öffentlichen Raum vor dem Gesicht zu tragen haben, Nasen-Mund-Maske, nein, von Schutz (Mundschutz oder Atemschutz) darf nicht gesprochen werden, denn findige Anwälte drohen sonst mit Abmahnungen, da „mit diesen Bezeichnungen […] eine Widmung vorgenommen [würde], die Medizinprodukten vorbehalten ist“, also auf der Suche nach einer Bezeichnung dieser Masken für die niederdeutsche Sprache (Plattdeutsch oder kurz: Platt), gab es den Vorschlag: Schnutenpulli.

Selbst diejenigen, die nicht der plattdeutschen Sprache mächtig sind, sollten wissen, was eine Schnute * ist, oder? Eine Schnute ziehen – das kennen wir über Bundeslandgrenzen hinaus. Schnute – das ist grob die Schnauze im Hochdeutschen, also der Mund. Und ein Pulli, ist doch auch klar, ist die umsprachssprachliche Kurzform für Pullover. Schnutenpulli ist also ein Mundpullover, also eine Nasen-und Mund-Maske.

'Schnutenpulli' in grün (Dschungelversion)
‚Schnutenpulli‘ in grün (Dschungelversion)

Und das eigentliche kommt ja noch: „Schnutenpulli“ wurde inzwischen zum plattdeutschen Wort des Jahres gekürt. Auch wenn in einigen Bundesländern bereits diskutiert wird, die Maskenpflicht, sorry: Schnutenpullipflicht aufzuheben – eigentlich gehe ich jetzt geradezu gern mit diesem Ding vor Nase und Mund hinaus – bei einer so liebevollen Benennung!

* Schnüt|chen; Schnu|te, die; -, -n (bes. nordd. für Mund; ugs. für [Schmoll]mund, unwilliger Gesichtsausdruck)
Duden – Die deutsche Rechtschreibung– 24. Auflage 2007

Snüff de Schnauze, Nase; holl dien Snüff! halt deine Schnauze!
Snuut de Schnauze; übertragen Mund, Schnute; nu harr ik mi man de Snuut verbrannt nun habe ich mir den Mund verbrannt; maak man nich so ’n Snuut mach nicht so ein Gesicht oder so eine Schnute; -> Snüff

Mund de Mund, de Babbel, de Beck, de Gaap, de Keek, dat Muul, de Sabbel, de Snuut, de Snüss
Langenscheidt Lilliput Plattdeutsch – 2012

Schlaf – des Todes kleiner Bruder

Vor wenigen Tagen, am 21. Juni, war der Tag des Schlafes. Gerade auch noch an einem Tag mit Neumond. Da soll es sich besser schlafen lassen.

Der Schlaf hat einen Bruder, den Tod. Wie die Träume sind Schlaf und Tod Kinder der Nyx, der aus dem Chaos entstandenen Nachtgöttin der griechischen Mythologie. Wenn der Schlaf die Menschen überkommt, entrückt er sie. Er kann bleiern kommen oder leicht, friedlich oder unruhig, mit süßen Träumen oder mit Alpdrücken. Und er kann ausbleiben – für zahllose Menschen eine schwere Folter. Noch heute hat der Schlaf für uns etwas Unfaßbares, Unkontrollierbares.
(Quelle: zeit.de – Regina Oehler)

Der Schlaf - des Todes kleiner Bruder
Der Schlaf – des Todes kleiner Bruder

Süßer Schlaf! Nichts bereitete mir so viel Freude, schenkte mir so viel Freiheit und gab mir die Macht, geschützt vor dem Elend meines Bewusstseins, zu fühlen, zu denken, zu träumen. Ich litt nicht an Schlafsucht – ungewollt nickte ich nie ein. Ich schlief einfach für mein Leben gern.
Ottessa Moshfegh: Mein Jahr der Ruhe und Entspannung (My Year of Rest and Relexation. 2018) – deutsch von Anke Caroline Burger

Wer sich zwingen will einzuschlafen und dabei nur daran denkt, dass er gerade nicht schlafen kann, wird nie Ruhe finden. Man muss eine Egalheit dem eigenen Schlaf gegenüber entwickeln.
Hazel Brugger

Ob nun acht die richtige Anzahl Stunden Schlaf sind, mag dahin gestellt sein. Viele kommen mit weniger Stunden pro Nacht aus, manche wie ich schlafen auch gern einmal länger. Es kommt dann darauf an, wann ich eingeschlafen bin, denn oft geht mir noch einiges, was mich des Tags beschäftigte, durch den Kopf und es dauert dann, bis ich wirklich schlafe. Und an einige Tagen gönne ich mir auch noch ein Mittagsschläfchen.

Und? Letzte Nacht gut geschlafen?

Es ist übrigens erstaunlich (oder auch nicht), wie oft ich mich mit Schlafen beschäftigt habe, wobei in diesem Blog ‚Schlafen‘ oft auch im übertragenem Sinne vorkommt.

siehe auch: Der Schlaf in der Literatur – Bruder des Todes, Glückszustand und großes Rätsel

‚Willi‘ Marx

Seit Montag haben die Friseure wieder geöffnet. Ich lasse mir noch etwas Zeit, aber in den nächsten Tagen werde ich wohl mein Haupthaar endlich schneiden lassen. Mit der Bartpracht sieht es leider nicht so gut aus. Das Kinngewächs muss ich mir wohl erst einmal selbst kürzen. Sei es drum …

    Bärtiger Marx-Willi (mit und ohne Brille)
    Bärtiger Marx-Willi (mit und ohne Brille)

An Marx‘ Gesichtsbehaarung komme ich aber erst einmal noch nicht heran. Wenn die Marx’sche Stirn auch ziemlich hoch ist, so ist der Rest der reinste Wildwuchs. Immerhin stimmt die Farbe. Und wenn ich noch etwas warten würde, dann … Aber auch heute schon ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu leugnen, oder?

Karl Marx wird zu 'Willi'
Karl Marx wird zu ‚Willi‘

Übrigens: Vor wenigen Tagen (5. Mai) hatte Karl Marx Geburtstag. Es wäre sein 202. (1818 in Trier geboren). Der 5. Mai ist übrigens Europa- und Hebammentag.

Und da ich gerade bei Marx bin: Gerhard_Henschel schrieb in seinem ‚Erfolgsroman‘:

„Man soll ja auch in seiner eigenen Bibliothek Entdeckungen machen können“, sagte sie und zog ‚Das Kapital‘ aus dem Regal.
„Hab ich auch mal zu lesen versucht. Schön und gut, aber irgendwie hätte ich gedacht, es müßten mehr Indianer drin vorkommen …“

Da hat jemand May mit Marx verwechselt, oder? – In diesem Sinne: Indianer kennen keinen Schmerz und überstehen auch die Coronakrise.Bleibt gesund!

Nein, so doch nicht … (9): Lustgewinn und Schmerzvermeidung

Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind, denn es sind keine anderen da. Und für jeden einzelnen dieser Menschen, auch für dich und für mich, geht es, aufs Wesentliche runtergebrochen, ausschließlich um zwei Dinge: Lustgewinn und Schmerzvermeidung. Wer das einmal begriffen hat, ist den entscheidenden Schritt weiter. Also, zähl deine Geschenke, nicht deine Probleme.

Heinz Strunk, Jürgen

Nein, so doch nicht ...
Nein, so doch nicht …

Reduzieren wir den Lebenssinn aufs den Kern, dann mag Heinz Strunk recht haben: Nun tut sich kaum einer wirklich so leicht. Viel zu oft werden wir ausgebremst, wenn es um ‚Lustgewinn‘ geht (nicht nur durch Konventionen – und wer will schon so, wie wir es wollen). Und spätestens, wenn wir ins Alter kommen, lassen sich durch die mit den angesammelten Jahren bedingte Schmerzen (aller Fitnessübungen zum Trotz) kaum vermeiden. Klar, dem, der weint und verzagt, wird es nicht besser gehen. Also aufgerafft, den Hintern hoch, hinein ins mit Energie strotzende Leben. Und her mit den ‚Geschenken‘. Die Sorgen lasst zu Hause!

Nein, so doch nicht … (6): Leben in Lüge

„Es ist witzlos, ein charmanter Bursche zu sein, es sei denn, man hat Vermögen. Das Romantische ist das Privileg der Reichen, nicht der Stand des Stellungslosen. Die Armen sollten praktisch und prosaisch sein. Ein regelmäßiges Einkommen zu haben ist besser, als faszinierend zu sein. Das sind die großen Wahrheiten des Lebens.“
Oscar Wilde: Der Millionär als Modell (deutsch von Eike Schönfeld)

Nein, so doch nicht ...
Nein, so doch nicht …

Das ist allerhöchstens die halbe Wahrheit. Ich muss nicht Kommunist sein, es reicht der gesunde Menschenverstand, um zu wissen, dass Reiche auf Kosten anderer reich sind. Da sind die Reichen, die auf einem großen Paket Aktien sitzen, diesen wahrscheinlich geerbt haben, und noch nie etwas Sinnvolles für Volk und Gesellschaft geleistet haben. Die Arbeit lassen sie andere machen. Und wer im Geschäft steht, wer die Kommandos gibt, ohne wirklich etwas zu tun, der wird nur vom Eigennutz geführt: die Gier ist mit ihm!

So nagt der Geiz, die Gier an des Reichen Seele. Ausgeglichen wird das durch Kaufrausch. Und die Reichen reden sich jeden Tag ein gutes Gewissen ein. Ist das das Romantische in ihrem Leben? Sie führen ein Leben in Lüge …

Der erste Tag in Freiheit

Was tun wir nicht alles für unsere Lieben. Da quälen wir uns durch den Alltag, um pekuniäre resp. monetäre Standfestigkeit zu erheischen, nur damit die lieben Kleinen nicht vor Hunger schreien. Aber dann hat man es satt! Ein gefüllter Magen sättigt lange schon nicht unseren Mangel an Freiheit.

Übrigens Angst und Hunger sind Geschwister im Hypothalamus, der ‚unteren Kammer‘ unseres Gehirns. Hier werden Neurotransmitter produziert, so genannte Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen. So auch Neuropeptid Y, einen Botenstoff auf Aminosäurenbasis, das an der zentralnervösen Steuerung des Hungers und der Angst beteiligt ist, hai capito?

Aber was quatsche ich da von Hunger und Angst! Jetzt findet auch mein Freiheitsbedürfnis, mein Hunger nach Freisein Sättigung. Obwohl: Wer sich ewig (ehelich!) bindet, der ist gebunden! Aber das ist ein anderes Thema …

Vom Franz zum Willi (wie aus Kafka ein Albin wird, wenn auch nur grafisch)
Vom Franz zum Willi (wie aus Kafka ein Albin wird, wenn auch nur grafisch)

Der Freiheitsdrang bzw. das Erreichen von Freiheit löst meist einen Schwall menschlichen Übermutes aus. Man möchte rufen, brüllen … Nur was? FREIHEIT?! Das klingt nach Müller-Westernhagen, muss also nicht sein. Da fällt mir Herr Lothar Frohwein ein. Sein (bzw. Loriots) „Kraweel, Kraweel!“ hat so etwas Besonderes, das nach lauthalsen Verkünden verlangt:

    Kraweel, Kraweel!
    Taubtrüber Ginst am Musenhain!
    Trübtauber Hain am Musenginst!
    Kraweel, Kraweel!


Kraweel, kraweel!

Ach, die Freiheit! Es überkommt einem ein ungesättigte Gefühl wie Fett, das für den Menschen so essentiell ist. Dabei ist Fett nicht gleich Fett, Freiheit nicht gleich Freiheit. Wer faul auf seiner Haut liegt, mag durch Lassen resp. Unterlassen befreit sein vom Tun. Aber was zu tun ist, sollte getan werden, auch wenn man sich dazu aufraffen muss. Freiheit ist die Freiheit, tun zu können, was man will. Und wie gesagt: frei von Angst und Hunger!

[Just habe ich einen Bärenhunger bekommen – von dem ganzen Geschreibe!]