Zinc (Eddie Jobson): The Green Album

Mitte des Jahres 1980 zog sich Ian Anderson von der Gruppe Jethro Tull zu Aufnahmen ins Maison Rouge Mobile und Maison Rouge Studio, Fulham, London, zurück, um das Album „A“ aufzunehmen. Neben Ian Anderson, Martin Barre und Dave Pegg wirkten Mark Craney (Drums) und Eddie Jobson (Keyboards, elektrische Geige) als neue Mitglieder der Gruppe mit. Das Album erschien am 29.08.1980 in Großbritannien und am 01.09.1980 in den USA.

Die dazugehörige „A“-Tour der Band begann am 04.10.1980 im State College von Salisbury, Md. USA, und endete am 24.02.1981 im Palais des Sports von Lyon, Frankreich. Dieses Konzert in Lyon war gleichzeitig der letzte Auftritt von Mark Craney mit Jethro Tull. Von dieser Tour gibt es auch zusammen mit der CD Jethro Tull: A (Remastered) eine Bonus-DVD mit den Konzertaufnahmen.

Eddie Jobson trat dann noch einmal mit Jethro Tull anlässlich des 300. Geburtstag von Johann Sebastian Bach im International Congress Centrum zu Berlin am 16.03.1985 auf.

Es gibt zu diesem Auftritt in Berlin noch einen kurzen Videoschnipsel von einer Probe mit Eddie Jobson (der sitzt eigentlich die ganze Zeit nur am Klavier …): Jethro Tull USA 1985 news segment Bachs Birthday rehearsal w Eddie Jobson

Im Zusammenhang mit Jethro Tull wurde Eddie Jobson in diesem Blog schon öfter erwähnt. Jobson fiel allein durch sein Äußeres aus dem Rahmen. Hier die besonders männlich wirkenden Anderson, Barre und Co., dort der androgyne Typ eines Eddie Jobson. Hinzu kam natürlich, dass Ian Anderson mit dem „A“-Album einen stilistischen Bruch seiner Musik hin zum Electronic Rock vollführte und Jobson musikalisches Material dazu lieferte. Ich habe fast den Eindruck, als ob mancher alter Tull-Fan Jobson in gewisser Hinsicht verantwortlich für diesen Stilwandel machte.

Vor der Arbeit mit Jethro Tull hatte sich Jobson einen Namen bei Curved Air und als Nachfolger von Brian Eno (einem ähnlichen Typen wie er, wenn auch früh schon mit hoher Stirn) bei Roxy Music gemacht. Außerdem arbeitete Eddie Jobson eine zeitlang mit Frank Zappa zusammen. Eine Merkwürdigkeit: Auf dem Cover von Zoot Allures ist Jobson zwar abgebildet, hat aber nicht mitgespielt. Erst auf dem Live-Album „Zappa in New York“ wirkte Jobson mit. Ende der 1970er Jahre formierte sich aus ehemaligen Mitgliedern diverser Progressive-Rock- und verwandter Bands mit U. K. die letzte Prog-Supergroup der 70er – u.a. mit Eddie Jobson.

Nach der Zusammenarbeit mit Jethro Tull stellte Jobson seine eigene Band namens „Zinc“ zusammen, welche ein einziges Album (The Green Album) auf den Markt brachte. Das Album erschien 1983 als LP und wurde 1993 noch einmal als CD aufgelegt. Heute ist es fast eine Rarität: Eddie Jobson (Zinc).

All Songs Written By Eddie Jobson

1. „Transporter“ 1:11
2. „Resident“ 6:01
3. „Easy for You to Say“ 4:07
4. „Prelude“ 2:30
5. „Nostalgia“ 2:27
6. „Walking from Pastel“ 2:07
7. „Turn It Over“ 4:15
8. „Green Face“ 4:22
9. „Who My Friends…“ 6:31
10. „Colour Code“ 1:05
11. „Listen to Reason“ 5:56
12. „Through the Glass“ 6:03
13. „Transporter II“ 0:22

Für die Studioaufnahmen holte sich Jobson diverse Musiker. Einer davon rangt für mich besonders heraus: Gary Green – langjähriges Mitglied der Band Gentle Giant, einer meiner Lieblingsgruppen. Im Grunde handelt es sich aber bei der Gruppe „Zinc“ um ein erstes Solo-Projekt.

Eddie Jobson – vocals, keyboards, electric violin, vocoder
Michael Barsimanto – drums on 6 tracks
Jerry Watts – bass on 5 tracks
Alon Oleartchik – bass on 4 tracks
Nick Moroch – guitar on 4 tracks
Michael Cuneo – guitar on 4 tracks
Gary Green – guitar on 2 tracks
Cary Sharaf – guitar on 1 track

Doug Lunn- bass(„Turn It Over“ video only)

Ob Eddie Jobson jemals mit „Zinc“ live aufgetreten ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ich denke aber: eher nicht. Aber Youtube sei dank gibt es einige Videos mit den Aufnahmen dieses Albums. Jobson singt sogar seine Stücke zum ersten und letzten Male selbst – und unterstreicht mit seiner hohen Stimme (sie ähnelt der von Jon Anderson von der Gruppe Yes, mit der Jobson später wohl auch noch zusammengearbeitet hat) sein androgynes Äußeres. „The Green Album“ hat bei vielen Stücken viel Ähnlichkeit mit dem „A“-Album von Jethro Tull – sowohl von der Rhythmik her, dem Vorrang der Tasteninstrumente und dem Einsatz der elektrisch verstärkten Geige (statt der Querflöte). Die Keyboards klingen manchmal so pompös wie die von Keith Emerson von Emerson, Lake & Palmer, nur nicht ganz so aufdringlich. Aber es gibt auch Stücke mit klassischen Ansätzen (z. B. Prelude). Bemerkenswert ist auf jeden Fall die Verbindung von Keyboards und Geige (von daher auch live von einer Person nicht nachspielbar). Wer die Gruppe „Yes“ und Tulls „A“-Album mag, dem wird dieses Album sicherlich auch gefallen. Für mich hat es auf jeden Fall einige ganz interessante Ansatz und gefällt mir insgesamt ganz gut. Aber hören wir doch einfach hinein. Eddie Jobson ist auf alle Fälle ein Ausnahmemusiker – was allein die Tatsache beweist, dass Leute wie Ian Anderson und Frank Zappa sich seine Dienste zu eigen gemacht haben. Hier einige der Stücke vom „The Green Album“ (in der Reihenfolge des Albums – noch am besten gefallen mir die Stücke „Listen to Reason“ und „Nostalgia”: Hier fallen die Töne des Keyboards wie Wassertropfen und werden von einer zarten Melodie auf der Geige überlagert: sehr schön wie ich finde):


Zinc (Eddie Jobson) – Transporter/Resident


Zinc (Eddie Jobson) – Easy for You to Say


Zinc (Eddie Jobson) – Turn It Over


Zinc (Eddie Jobson) – Who My Friends


Zinc (Eddie Jobson) – Listen to Reason

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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