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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Grainau 2012 (6): Ruhepunkte

    Der Wanderer, auf der Höhe angelangt, setzt sich nieder und blickt um sich, bevor er seinen nun absteigenden Weg wieder aufnimmt. Er such zu erkennen, wohin ihn sein verschlungener Pfad endlich führt, dieser Pfad, der sich (denn der Abend sinkt) in Schatten und Nacht zu verlieren scheint. So macht der Autor (der nichts im voraus weiß) ein wenig Rast, schöpft Atem und fragt sich unruhig, wohin seine Erzählung ihn führen soll.

    aus: André Gide: Die Falschmünzer – Les Faux-monnayeurs (1925 – dt.1928), S. 189

Manche Urlaubsreise wirkt lange Zeit nach. Jetzt bin ich mit meinen Lieben eigentlich schon zwei Wochen wieder zu Hause, habe auch schon wieder anderthalb Wochen Arbeit hinter mich gebracht. Aber auch dank der vielen Fotos, die der ältere meiner beiden Söhne ‚geschossen’ hat, ‚kehre’ ich immer wieder nach Grainau, dem Ziel, aber auch Ausgangspunkt unserer Reise zurück.

Wir waren fast immer den halben Tag unterwegs. Da läuft man schon so manchen Kilometer ab. Aber es sind und waren dann die Ruhepunkte, die Augenblicke, in denen man zur Ruhe kommt, in denen man das Äußere, die Landschaft mit den Bergen, innerlich wirken lässt. Einfach einmal abschalten, wirklich abschalten. Und genießen …


Fotos © Jan Einar Albin

Ruhepunkt: Osterfelderkopf 2012

Grainau 2012 (5): Garmisch-Classic-Rundfahrt

Für 25 €/Erwachsener (es gibt auch Familienermäßigung) kann man eine so genannte Garmisch-Classic-Rundfahrt unternehmen. Die Rundfahrt ist natürlich auch in der ZugspitzCard mit enthalten.

Rundreisen der Bayerischen Zugspitzbahn

Da wir uns am Anfang unseres vorösterlichen Urlaubs in Grainau noch nicht in das Getümmel rund um die Zugspitze stürzen wollten, wählten wir zunächst die besagte Garmisch-Classic-Rundfahrt aus. Von Grainau fuhren wir so zunächst mit der Zugspitzbahn in Richtung Garmisch-Partenkirchen bis zum Bahnhof Kreuzeck/Alpspitze und nahmen dort die Alpspitzbahn (Talstation 750 m), mit der man zum 2.050 Meter hohen Osterfelderkopf kommt. Hier oben am Osterfelderkopf befindet sich dann auch einige Meter höher die bereits erwähnte Aussichtsplattform AlpspiX.


Fotos © Jan Einar Albin (Alpspitzbahn Talstation und unterwegs mit Blick auf Garmisch-Partenkirchen / Hochalmbahn unterwegs und Talstation / Kreuzeckbahn Bergstation und unterwegs)

Von hier aus hat man einen schönen Ausblick auf die Waxensteine und die riesige Alpspitz-Nordwand. Über die AlpspiX kann man jetzt neben dem Blick auf Grainau und Garmisch-Partenkirchen auch einen Blick in die wilde Höllentalklamm werfen. Überhaupt ist der Osterfelderkopf Dreh- und Angelpunkt verschiedener Wanderwege. Im Restaurant Alpspitze kann man sich zuvor stärken.

Da es sich um eine Rundreise handelt, geht die Fahrt von der Bergstation, die auch die Alpspitzbahn beheimatet, weiter mit der Hochalmbahn, einer Pendelbahn mit nur zwei Kabinen, hinunter auf 1700 m Höhe eben zur Hochalm. Von dort führt dann im Sommer ein schön ausgebauter Wanderweg, Gehzeit ca. 30 Minuten, zur Bergstation der Kreuzeckbahn. Dieser Weg war für uns leider gesperrt und diente den Skiläufern. So mussten wir einen höher gelegenen Winterwanderweg benutzen, auf dem uns allerdings auch Skiläufer entgegen kamen. Mit der Kreuzeckbahn geht es dann wieder ins Tal und man kommt in der Nähe der Alpspitzbahn wieder an. Im Sommer kann man über einen Wanderweg auch zu Fuß ins Tal kommen. Natürlich kann man diese Rundreise auch in umgekehrter Abfolge unternehmen.

Wegen Revisionsarbeiten an den genannten Seilbahnen ist diese Rundfahrt bis zum 10. Juni leider nicht möglich.

Gramisch-Classic-Rundfahrt: Alpspitzbahn

Fortsetzung folgt …

Dit un dat im Internet (8)

Ab und wann stolpert man ja im Netz über Seiten, die gerade in kleinen Dingen sehr hilfreich sein können. Da gibt es z.B. den Color Scheme Designer, mit dessen Hilfe man schnell ein Farbschema zusammenstellen kann, z.B. die entsprechende Komplementärfarbe findet und ihren Farbenwert. Farben spielen in unserem Leben eine bekanntlich wichtige Rolle und beeinflussen auch unser Wohlbefinden. Hierzu einige interessante Info-Grafiken (wenn auch auf Englisch).

Es geht nichts über einen geordneten Desktop. Und diese ‚Schreibtischoberfläche’ soll dann auch noch möglichst ‚stylish’ und ‚trendy’ sein. Dafür sorgen so genannte Icons, also die kleinen Bildchen, die die zu Verfügung stehenden Programme symbolisieren. Bei sixrevisions.com finden sich solche Icons, die man evtl. mit einem Icon Editor wie Greenfish auch noch individuell anpassen kann.

Da wir schon bei Trend und Stil sind: Immer wieder beliebt sind außergewöhnliche Fonts, also Schriftarten. Freie Fonts finden sich in Hülle und Fülle bei fontsquirrel.com.

Heute arbeitet man ja längst nicht nur auf der Arbeit ‚im Netz’, sondern hat auch zu Hause ein kleines Netzwerk (LAN) installiert. Hierfür gibt es natürlich auch jede Menge beliebte und hoffentlich auch hilfreiche Netzwerk-Tools.

Zum Schluss noch zwei Websites, über deren Sinn und Zweck man nicht zu streiten braucht. Zum einen dürfen Beichtsüchtige ihre Sünden dem Netz anvertrauen, die dann andere zu ihrem Vergnügen lesen können: beichthaus.com. Und damit man/frau etwas zum Beichten hat, gibt es bei hyperhero.com eine lange Liste mit Schimpfwörter, wenn einem solche einmal ausgehen sollten.

Grainau 2012 (4): Gruppenbild mit Dame

Es kommt ja selten vor, dass meine Familie mit mir gemeinsam auf einem Foto festgehalten wird. Zuletzt war das wohl anlässlich einer Hochzeit (Ende Juli 2011). Während unseres Urlaubs vor nun schon fast zwei Wochen in Grainau ergab sich aber gleich mehrmals die Gelegenheit, uns vier Hübsche dank freundlicher Unterstützung anderer Reisender auf ein Speichermedium eines Fotoapparats zu bannen (einmal mit dem hölzernen Gamsbock in der Mitte, fotografiert auf der österreichischen Seite der Zugspitze, half ein extra gefertigtes, ebenfalls hölzernes Podium und der Selbstauslöser). Ein letztes Foto musste dann aber wieder einmal auf meine Wenigkeit verzichten. Immerhin sind so drei Fotos (Zugspitze und AlpspiX) als Gruppenbiilder mit Dame entstanden.

Grainau 2012 (3): Alpspix

„Schwindelerregender Blick in tausend Meter Tiefe: Über dem Höllental ist [im Sommer vor einem Jahr] die Aussichtsplattform Alpspix eröffnet worden. Die Stahlkonstruktion bei Garmisch-Partenkirchen ragt 13 Meter ins Nichts – und wird von Naturschützern als ‚Verunstaltung der bayerischen Gebirgswelt’ gerügt.“ (Quelle: spiegel.de)

Ich muss gestehen, dass ich mich vor über einem Jahr auch am Protest gegen diesen x-förmig angebrachten Skywalk für Schwindelfreie beteiligt habe. Sicherlich ist es eine Attraktion. Aber auch ohne diese hätten und haben wir uns dann auch auf die Garmisch Classic Rundfahrt während unserer vorösterlichen Urlaubs in Grainau gemacht (mehr davon später). Ausgangspunkt war für uns die Alpspitzbahn, mit der man zum 2.050 Meter hohen Osterfelderkopf kommt. Mit der Zugspitzbahn erreicht man die Talstation (750 m) in der Nähe des Bahnhofes Kreuzeck/Alpspitze. Hier oben am Osterfelderkopf befindet sich dann auch einige Meter höher die Aussichtsplattform AlpspiX.


Fotos (cc) Meikel1965 und © u.a. Jan Einar Albin

Von oben aus hat man einen schönen Ausblick auf die Waxensteine und die riesige Alpspitz-Nordwand. Über die AlpspiX kann man jetzt neben dem Blick auf Grainau und Garmisch-Partenkirchen auch einen Blick in die wilde Höllentalklamm werfen. Überhaupt ist der Osterfelderkopf Dreh- und Angelpunkt verschiedener Wanderwege. Im Restaurant Alpspitze kann man sich zuvor stärken.

Nun an der AlpspiX scheiden sich die Geister. Meine Frau und meine beiden Jungs fanden das ganz okay. Natürlich habe auch ich mich auf die beiden sich überlappenden Stahlkonstruktionen begeben. Aber ich denke, man kommt auch ohne solchen Zinnober aus. Und die wirkliche Spitze wäre es, wenn sich die Planung zu einer mehrere hundert Meter langen Hängerutsche mit Namen „Mega Flying Fox“ verwirklicht hätten. Danach sollte die Startposition nahe der Münchner Hütte am Osterfelderkopf liegen. Der End- und Landepunkt war unterhalb der Bergstation der Kreuzeckbahn vorgesehen. Damit käme die Seilrutsche auf eine Länge von 1800 Meter, zu überwinden wäre ein Höhenunterschied von etwa 188 Metern. Spätestens dann würde die Bergwelt rund um Garmisch-Partenkirchen und Grainau zu einem Freizeitpark verkommen (Quelle u.a. merkur-online.de).

AlpspiX - © Jan Einar Albin

Europa ade?!

Würden nicht auch die direkten Konkurrenten immer wieder Punkte verlieren, dann hätte sich der SV Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga längst auch von der Teilnahme an der Europa League in der nächsten Saison verabschieden können. Aber trotz unnötiger Unentschieden und kaum für möglich gehaltener Niederlagen (z.B. zu Hause gegen Mainz 05) besteht noch eine – zumindest theoretische – Chance, in den letzten drei Ligaspielen die benötigen Punkte zu holen.

Es geht um wenigstens den siebten Tabellenplatz, den zz. Hannover 96 mit 44 Punkten, zwei Punkte vor Werder, innehat. Aber, um ehrlich zu sein, stehen die Chancen schlecht. Trotz zweier Heimspiele (allerdings gegen die Bayern und gegen Schalke 04) und einem Auswärtsspiel beim Mitkonkurrenten VfL Wolfsburg dürfte das Minimalziel Europa League für die Bremer kaum zu erreichen sein.

Wie schon vor knapp anderthalb Jahren befürchtet, sind die fetten Jahre beim SV Werder vorbei. Ansatzweise bestand zwar noch Hoffnung, dass die Mannschaft die Kurve bekommt. Nach dem hoffnungsvollen 3:0-Sieg am 25. Spieltag gegen Hannover 96 gab es allerdings nur noch drei schlappe Punkte aus fünf Spielen. Das ist einfach zu wenig.

Sinkendes Schiff: SV Werder Bremen

Wie soll es nun weitergehen? Ich will nicht spekulieren, aber es ist zu befürchten, dass sich die Bremer in den nächsten Saison (wenn nicht doch noch Zeichen und Wunder geschehen) weiter nach unten orientieren müssen. Sokratis, der von FC Genua ausgeliehen ist, wird Werder wahrscheinlich wieder verlassen. Francois Affolter dürfte zu Young Boys Bern zurückkehren, was sicherlich kein allzu großer Verlust ist. Aber was ist mit Pizarro und Tim Wiese, ja selbst mit Naldo? Claudio Pizarro hat die Option gezogen und seinen Vertrag gekündigt. Sollte er wirklich Bremen verlassen, dann bekommt der Verein nicht einmal eine Ablöse für ihn. Auf jeden Fall kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Pizarro bereits jetzt nicht mehr so ganz bei der Sache ist. Um Tim Wiese ranken bereits die wildesten Gerüchte. Angeblich soll selbst Real Madrid an dem Torwart interessiert sein. Sollte er Werder zum Saisonende verlassen, dann schaut Klaus Allofs auch bei ihm ablösesummentechnisch in die Röhre. Und Naldo bleibt wohl vielleicht doch nur, weil die Brasilianer Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense nicht das nötige Kleingeld aufbringen werden.

Überhaupt laufen zum 30.06.2012 noch einige Verträge aus (z.B. bei Markus Rosenberg, der immerhin in den letzten Spielen dreimal getroffen hat, oder Sebastian Boenisch), über deren Verlängerung langsam gesprochen werden sollte.

Ich könnte jetzt sagen, dass Klaus Allofs das alles bestimmt rechtzeitig hingebogen bekommt. Aber so sicher bin ich mir leider nicht mehr. Die Saison 2011/2012 habe ich innerlich abgehakt. Und auf die nächste Saison mag ich mich irgendwie nicht so richtig freuen …

Nachträglich zwei Korrekturen: Für Sokratis Papastathopoulos (23) hat Werder die Kaufoption gezogen, dieser liebäugelt aber wie Naldo mit ‚anderen‘ Aufgaben. Und Tim Wiese wird definitiv Werder verlassen.

Heute Ruhetag (11): Mark Twain – Die Schrecken der deutschen Sprache

In dieser Rede, die Mark Twain am 21. November 1897 vor dem Presse-Club in Wien gehalten hat, macht Mark Twain einige ironische Vorschläge zur »Verbesserung und Vereinfachung« der deutschen Sprache. Er macht sich auch ein wenig über die deutsche Sprache lustig, aber man merkt: er liebt sie (und er spricht und schreibt hervorragend!).

Heute Ruhetag!

Ich würde nur einige Änderungen anstreben. Ich würde bloß die Sprachmethode – die üppige, weitschweifige Konstruktion – zusammenrücken; die ewige Parenthese unterdrücken, abschaffen, vernichten; die Einführung von mehr als dreizehn Subjekten in einen Satz verbieten; das Zeitwort so weit nach vorne rücken, bis man es ohne Fernrohr entdecken kann. Mit einem Wort, meine Herren, ich möchte Ihre geliebte Sprache vereinfachen, auf daß, meine Herren, wenn Sie sie zum Gebet brauchen, man sie dort oben versteht.

Ich flehe Sie an, von mir sich beraten zu lassen, führen Sie diese erwähnten Reformen aus. Dann werden Sie eine prachtvolle Sprache besitzen und nachher, wenn Sie Etwas sagen wollen, werden Sie wenigstens selber verstehen, was Sie gesagt haben.

The Horrors of the German Language

I would only some changes effect. I would only the language method – the luxurious, elaborate construction compress, the eternal parenthesis suppress, do away with, annihilate; the introduction of more than thirteen subjects in one sentence forbid; the verb so far to the front pull that one it without a telescope discover can. With one word, my gentlemen, I would your beloved language simplify so that, my gentlemen, when you her for prayer need, One her yonder-up understands.

I beseech you, from me yourself counsel to let, execute these mentioned reforms. Then will you an elegant language possess, and afterward, when you some thing say will, will you at least yourself understand what you said had.

Mark Twain: Die Schrecken der deutschen Sprache (The Horrors of the German Language)

Romananfänge (3): Rost ist der Schimmel des Eisens

Im November 2004 begann ich einen Text zu verfassen, der im Untertitel „Ein Leben zwischen Stadt und Land, Beruf und Berufung“ tragen sollte. Sehr viel weiter als zu den unten aufgeführten Sätzen bin ich nicht gekommen. Man beginnt etwas und bald bleibt es liegen, verschwindet für lange Zeit und taucht plötzlich auf, weil man sich im Zusammenhang mit etwas anderen (Romananfänge) daran erinnert: Da war doch etwas …

In einer Vorbetrachtung zum Thema Romananfänge läutete ich gewissermaßen einen Wettbewerb für gekonnt formulierte erste Romansätze ein. Dazu bin ich, wie geschrieben, durch John Irving angeregt worden. Hier also ein weiterer Anfang: Da war doch noch etwas …

Willi und die Romananfänge

Ich nähme zwei, drei Schritte Anlauf im Dunkeln, stieße mich von der obersten hölzernen Stufe der Treppe ab, um die Beine wie ein Weitspringer bei der Landung (in der Sandkiste) nach vorn schnellen zu lassen, bekäme aber keinen Boden unter die Füße, sondern schlüge mit dem Kopf oder dem Rückgrat auf den untersten Treppenabsatz auf, dessen hölzerne Beschaffenheit den Aufprall nur leicht dämpfte, spürte einen stechenden Schmerz durch meine Glieder fahren (vom Kopf her oder vom Rücken), bis Ohnmacht mich in mich versinken ließe.

Aber ich liege im Bett, die Bettdecke über beide Ohren gezogen, und genieße die Wärme und die Ferne des Schmerzes, der mich, der zerschmettert auf der Treppe läge, übermannt hätte, wenn ich tatsächlich gesprungen wäre. Vielleicht wäre ich dann (mit dem Kopf oder dem Rücken) auf die Kante aus Eisen, die eingelassen in die betreffende Stufe, die gerostet im Laufe der Zeit ist, aufgeschlagen, so dass der Rost über die Wunde am Kopf (oder dem Rücken) in mein Inneres eindringend mich vergiften könnte, Rost ist der Schimmel des Eisens und wie Schimmel vergiftet Rost das Blut, obwohl – oder gerade deshalb – die Farbe des Blutes der des Rostes ähnelt.

Ich liege im Bett! Mit ist wohl zumute. Es ist kein Grund vorhanden, wehmütig oder gar todesmutig zu sein. Vielleicht todmüde.

Grainau 2012 (2): Bahnhof Zugspitzbahn & ZugspitzCard Gold

Bevor man loslegt, muss man erst einmal ankommen. Um das Ziel unserer Osterreise, Grainau unterhalb der Zugspitze, zu erreichen, mussten wir von Garmisch-Partenkirchen aus das letzte Stück mit der Zugspitzbahn fahren. Den Bahnhof dort kennen wir ja schon von unseren früheren Urlaubsreisen her. So ist es schon witzig, an gleicher Stelle auf die Bahn zu warten, wo man bereits vor fünf Jahren gewartet hatte. Alles fotografisch dokumentiert:

Bahnhof Zugspitzbahn Garmisch-Partenkirchen 2007

Bahnhof Zugspitzbahn Garmisch-Partenkirchen 2012

Bahnhof Zugspitzbahn Garmisch-Partenkirchen 2007

Bahnhof Zugspitzbahn Garmisch-Partenkirchen 2012

Bahnhof Zugspitzbahn Garmisch-Partenkirchen 2012

ZugspitzCard Gold 2011/2012

ZugspitzCard Gold 2011/2012

ZugspitzCard Gold 2011/2012

Für unsere Urlaubstage kauften wir uns die ZugspitzCard Gold, die für sechs Tage 100 € kostete (weitere Infos siehe: Auf zur Zugspitze). Das ist viel Geld, das wir aber voll ausgeschöpft haben: So waren wir fünf Mal im Zugspitzbad von Grainau (das kostet selbst für Kurkarteninhaber 4,50 € x 5 = 22,50 €), sind mindestens vier Mal mit der Zugspitzbahn oder dem Eibseebus von Grainau nach Garmisch-Partenkirchen gefahren (2,60 € x 4 = 10,40 €), waren im Kletterwald (22 € Eintritt), haben ein Eishockeyspiel des SC Riessersee (Eintritt Stehplatz 11 €) gesehen – und haben folgende Seilbahntouren unternommen: Zugspitz-Rundreise (49,50 €), Garmisch-Classic-Rundfahrt (Rundfahrt mit Alpspitz-/ Hochalm- und Kreuzeckbahn für 25 €) und Wankbahn Berg- u. Talfahrt für 19 € – das sind nach Adam Riese zusammen 159,40 €; gegenüber den Einzelpreisen haben wir also satte 59,40 € gespart. Hab ich noch etwas vergessen?

siehe auch: Grainau 2012 (1): Entlang der Loisach

Fortsetzung folgt …

Was wäre, wenn … Ian Anderson: Thick as a Brick 2

2003 war Ian Anderson das letzte Mal im Aufnahmestudio (für sein Soloalbum „Rupi’s Dance“ und für das Jethro Tull Christmas Album), die letzte ordnungsgemäße Scheibe von Jethro Tull war „J-Tull DOT COM“ aus dem Jahre 1999. Es ist also schon lange her, dass uns der Flötenmeister mit neuen Tunes beehrt. Lange hat er uns mit Versprechen hingehalten, hier und da einige neue Noten live präsentiert. Aber eigentlich wollte schon keiner mehr daran glauben, dass der Tag kommen könnte, an dem in den Regalen der Plattenläden ein neues Album stehen wird..

Wir haben es wohl auch seinem alten Freund Derek Shulman von Gentle Giant zu verdanken, der Ian Anderson den Floh von einer Fortsetzung des Thick as a Brick-Albums ins Ohr setzte. Plötzlich hatte er eine Idee und ein Ziel: Thick as a Brick 2, kurz TAAB2.

Wenn man in ein bestimmtes Alter kommt (der Meister wird im August 65 Jahre alt, befindet sich also gewissermaßen kurz vor der Rente), dann stellt man sich meist recht komische Fragen: Was wäre, wenn … ja, wenn das Schicksal (Bestimmung, Karma oder Kismet) es mit uns anders gewollt hätte. Was hätte z.B. aus jenem Gerald Bostock werden können, dem fiktiven kindlichen Autoren von Thick as a Brick, der in diesen Tagen 50 Jahre alt geworden wäre.

Was ist eigentlich aus Gerald Bostock geworden?

Und es liegt wohl auch am Alter, dass ein Mann wie Ian Anderson plötzlich in einen Schaffensrausch verfällt, wenn er erst einmal ein auch für ihn wichtiges Thema gefunden hat. Selten haben wir ihn so agil gesehen. Keine Mühen, keine Kosten scheute er, um uns am Ende die heißersehnte Scheibe zu präsentieren.

Es ist nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch ein Alterswerk geworden. Im Alter neigt man schnell zur Verknappung – und man wiederholt sich gern. Ab einem bestimmten Alter will man es vor allem aber den Jungen zeigen, dass man noch nicht zum alten Eisen gehört. Da lässt man durchaus alte Weggenossen links liegen (Martin Barre, der mit seinem Gitarrenspiel immerhin 40 Jahre lang die Musik von Jethro Tull mitgeprägt hat) und sucht sich talentiertes Jungvolk aus (Florian Ophale als Barre-Ersatz oder Scott Hammond, den neuen Schlagzeuger – okay, der wird nächstes Jahr auch schon 40).

Das soll keine Kritik sein, das ist nun einmal so – im Alter! Entgegen der allgemeinen Euphorie (z.B. in Laufis Jethro Tull Board) sehe ich TAAB2 etwas nüchterner. Okay, ich habe mir die Scheibe bisher noch keine 20 Mal angehört – am ersten Tag habe ich mir die DVD ins Laufwerk meines Rechners gelegt und zum ersten Mal vollständig gehört, dann habe ich mir die Lieder auf meinen MP3-Player überspielt – und während meines Osterurlaubs per Kopfhörer zweimal im Zug angehört. Ian Anderson hat sehr viel Arbeit und Schweiß in diese Scheibe investiert, ohne Zweifel. Aber wirklich überzeugen kann sie mich trotzdem nicht ….

Wie ich schon im Vorfelde geschrieben habe: Instrumental wirkt das Ganze schon sehr virtuos, wenn es auch, wie ich finde, manchmal etwas kalt, steril klingt. Diesem Urteil bleibe ich treu. „Thick as a Brick“, ich meine den ersten Teil aus dem Jahre 1972, hatte ich in Ausschnitten bereits im Jahr der Veröffentlichung live miterleben dürfen (die Gnade der frühen Geburt). Bereits bei diesem ersten Mal war ich begeistert und konnte kaum die Veröffentlichung der Scheibe erwarten. Jetzt bei TAAB2 ist es weniger die Liebe auf dem ersten Blick (beim ersten Hören).

Ian Anderson und seine Jungs haben das abgeliefert, zudem sie fähig sind. Andersons Flötenspiel ist in seiner Virtuosität über jede Kritik erhaben, allerdings sind es mir immer einige ‚Schlenker’ zuviel; das soll wahrscheinlich die Tatsache, dass das Material manchmal doch etwas mager ist (Stichwort: Verknappung), verschleiern. Florian Opahle ist ein großartiger Gitarrist, aber sein Spiel ist eben nicht das eines Martin Barre, der vielleicht nicht immer ‚sauber’ spielte, der aber eine Spontanität an den Tag legte, die Opahle abgeht. Überhaupt wirkt das Zusammenspiel der Musiker auf mich äußerst abgeklärt, damit aber auch – wie geschrieben – oft kalt und steril. Es liegt nach meiner Meinung an der restriktiven Vorgabe des Meisters, dem Perfektion wichtiger waren als intuitives Spiel. Sicherlich enthält auch das 1972er TAAB viele Wiederholungen, Selbstzitate – aber manches Stück, das hier als Neukomposition ausgegeben wird, ist in geänderter Form bereits schon einmal zu hören gewesen (z.B. A Change of Horses erinnert mich an Andersons Divinities).

Ich will hier nicht auf einzelne Stücke eingehen, dazu muss ich mir die Scheibe noch öfter anhören. Aber es gibt mindestens zwei Stücke, in denen langsame mit schnellen Passagen wechseln: Da passt mir das eine nicht zum anderen. Auch die Stimmverfremdungen (und –verdopplungen) finde ich unpassend – ‚befremdlich’.

Das ist mein gänzlich subjektives Urteil. Natürlich enthält TAAB2 auch für mich einige Höhepunkte. Aber die können nun einmal meinen Gesamteindruck nicht ändern. Man merkt eben das Alter des Meisters auch dieser Scheibe an.

Eigentlich sollte ich froh sein, dass es Ian Anderson endlich geschafft hat, wenn auch unter diesem sperrigen Namensungetüm „Jethro Tull’s Ian Anderson“, ein neues Werk auf den Markt zu werfen. Und ich bin es auch. Aber es ist leider kein Meisterwerk wie das 1972er TAAB, wenn TAAB2 auch ein dem Umständen entsprechend hörenswertes Alterswerk geworden ist.

Übrigens: Das Buch Jethro Tull Over Germany: Fotos und Geschichten aus über vier Jahrzehnten von Wolfgang Thomas und Sohn Kevin (siehe auch meinen Beitrag: Jethro Tull Over Germany) habe ich inzwischen bestellt. Mehr dazu, wenn ich es in Händen halte.

Grainau 2012 (1): Entlang der Loisach

Urlaubstage vergehen viel zu schnell. Schon sind wir wieder zu Hause, zurück aus den Alpen, aus Grainau (Groana, wie wohl die Einheimischen sagen), dem Dorf unmittelbar unterhalb der Zugspitze.

Nach zwei Sommerurlaube 2002 und 2007 waren wir jetzt also die Tage vor Ostern in einer der sieben Gemeinden der ehemaligen Grafschaft Werdenfels. Und es war ein Urlaub zwischen Winter und Frühling. In den luftigen Höhen von Osterfelderkopf (2050 m) mit der Aussichtsplattform Alpspix, in der Höhen von Zugspitze (2962 m) und Wank (1780 m) lag noch jede Menge Schnee, während es in Grainau schon frühlingshaft war – nicht ganz, denn am Ostersonntag schneite es kräftig, (fast) mehr als im ganzen Winter bei uns in Norddeutschland.


Fotos © Jan Einar Albin

Mit der ZugspitzCard Gold waren wir viel unterwegs; nur den ersten Tag, den 1. April, wanderten wir entlang der Loisach, ein Wildwasser, das in der Nähe Grainaus in Richtung Garmisch-Partenkirchen fließt.

Inzwischen habe ich bereits die Videoaufnahmen auf meinen Rechner gespielt und auf knapp 50 Minuten zusammengeschnitten. Diesmal war es der ältere meiner Söhne, der für die Fotoaufnahmen ‚zuständig’ war. Von über 900 sind etwa 700 Fotos geblieben. Hier einige wenige Fotos von unserer ersten Wanderung entlang der Loisach. Leider verlieren die verkleinerten Aufnahmen etwas von ihrer Tiefenschärfe und damit von ihrem besonderen Reiz. Schön anzuschauen sind sie trotzdem. In den nächsten Tagen (und Wochen) etwas mehr von diesem wirklich erholsamen Tagen in Grainau. Und wir alle denken, dass es nicht der letzte Urlaub dort unten in dem Zugspitzdorf war.

Loisach bei Grainau