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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Zu schnell für eine Frau?

Nachdem die 18-jährige Südafrikanerin Caster Semenya im Endlauf über 800 m den Favoritinnen enteilte und Gold gewann, wurde es publik: Bei den Herren (vielleicht auch Damen) des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF bestehen Bedenken hinsichtlich der Weiblichkeit der Siegerin. So wurde Caster Semenya einem Geschlechtstest unterzogen. Das bestätigte der Verband am Mittwoch. Zweifel, ob die 18-Jährige eine Frau ist, waren wegen ihrer männlichen Erscheinung aufgekommen. Die Ergebnisse der genetischen Untersuchung sollen innerhalb einer Woche vorliegen. Caster Semenya war vor drei Wochen aus dem Nichts kommend mit einer Zeit von 1:56,72 Minuten Weltjahresbestzeit gelaufen. Und nun der Sieg bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin in neuer persönlicher Bestzeit.

Mann oder Frau? Caster Semenya

Bei der üblichen Pressekonferenz der Medaillengewinner erschien Semenya nicht. Der Weltverband sah sich gezwungen, die 18-jährige Südafrikanerin zu schützen. Auf ihrem Platz saß IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss und entschuldigte das Fehlen der Siegerin mit dem Hinweis, dass Semenya „nicht darauf vorbereitet ist, auf ihre Fragen zu antworten“.

800 m Endlauf Leichtathletik WM 2009: Fotofinish

Geschlechtstests wurden bei den Olympischen Spielen 1968 eingeführt, nachdem eine Reihe von osteuropäischen Athleten in Verdacht geraten waren. Vor den Sommerspielen 2000 in Sydney wurde die sogenannte „Gender verification“ jedoch wieder abgeschafft und ist seitdem nur noch in strittigen Fällen vorgesehen.

Da gab es in den 60er Jahren den Fall der Press-Schwestern. Tamara Press, Olympiasiegerin in Kugelstoßen und Diskuswerfen, Irina Press, die jüngere Schwester, Olympiasiegerin im 80-Meter-Hürdenlauf und im Fünfkampf.

Irina und Tamara Press

Den beiden Schwestern wurde nachgesagt, ihr Geschlecht könne nicht festgelegt werden. Sie galten manchen schon bald zumindest als Hermaphroditen, also Zwitterwesen; nach anderer Ansicht waren sie mit männlichen Hormonen gedopt. Spötter nannten die beiden „Press Brothers“. Nachdem die Bestimmung des Geschlechts für alle international auftretenden Sportler 1968 zur Pflicht wurde, verschwanden beide Sportlerinnen von der Sportlerbühne. Die westliche Presse verstand diesen Rückzug als Eingeständnis. Die russischen Zeitungen dementieren dies bis heute.

Der Name ‚Tamara Press’ war lange Zeit ein Synonym für ein ‚gewaltiges’ Mannweib. Ein anderer Fall von Hermaphroditismus (oder genauer Intersexualität) in der Leichtathletik war der Fall der Stella Walsh aka Stanis?awa Walasiewicz. Die als Polin geborene Amerikanerin holte über 100 Meter 1932 in Los Angeles Gold und vier Jahre später in Berlin Silber. Als sie 1980 bei einem Überfall erschossen wurde, stellte sich heraus, dass Walsh männliche Geschlechtsorgane hatte.

Kleine Spielchen in Flash

Flash ist aus dem Internet nicht mehr wegzudenken. Gemeint ist Adobe Flash (ehemals Macromedia Flash), eine Entwicklungsumgebung zur Erstellung multimedialer Inhalte, den so genannten Flash-Filme. Die resultierenden Dateien liegen im SWF-Format vor, einem auf Vektorgrafiken basierenden Grafik- und Animationsformat. Das Kürzel SWF steht dabei für Shockwave Flash.

Da gibt es nun eine kleine Website abowman.com, die u.a. solche Flash-Filme anbietet, die man selbst noch etwas konfigurieren (z.B. mit eigenem Hintergrundbild versehen) kann – und schon hat man ‚eingebetteten Code“, den man dann auf einer Seite der eigenen Website einfügt.


Fette, bunte Spinne wandert über den Bildschirm


Bunte Fische füttern (Hintergrund: Eibsee bei Grainau)

Menschliche Gier

Kam hangeln wir uns aus der Finanzkrise, schon wird wieder kräftig an Börsen und in den Investmentabteilungen gezockt. Haben wir also nichts dazugelernt? Wie für alles (oder doch für vieles), so gibt es immer eine gute Ausrede. Hier sogar eine wissenschaftlich fundierte:

„Das Belohnungszentrum im Hirn verleitet zum Zocken“, sagt Christian Elger, Neurowissenschaftler am Bonner Uni-Klinikum. Will heißen: Der Mensch kann zwar nicht mit Geld umgehen, er kann aber auch nichts dafür. Darauf weisen die Forschungsergebnisse einer relativ jungen Wissenschaftsrichtung hin, der Neuroökonomie. Sie vereint Erkenntnisse aus Psychologie, Ökonomie und Hirnforschung. Die Kernbotschaft: Das Gehirn ist nicht für Geldentscheidungen gebaut – ganz zu schweigen von Finanzkrisen.

Menschliche Gier

Hiernach ist die Gier nach Geld dem Menschen angeboren. Wer an Geld denkt, tut das dummerweise in einem Hirnareal, das auch bei Schokolade, Sex oder Drogen aktiv ist – im Belohnungssystem. Der Mensch reagiert auf Gewinnchancen also wie auf Koks. Klingt nicht eben nach rationaler Entscheidung. Wer es etwas genauer wissen will, dem sei folgendes Buch empfohlen: Jason Zweig: Gier. Neuroökonomie: Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht

Nun Ausreden – wie diese wissenschaftlich untermauerte – führen dazu, phlegmatisch zu reagieren: Was soll man dagegen tun, wenn es nicht geändert werden kann. Aristoteles schon hielt den Phlegmatiker in ethischer Hinsicht für unzulänglich und damit sittlich minderwertig. Dem gebe ich gern Recht. Ich erinnere daher an ein Streben, das wir Sublimierung nennen und unter dem Sigmund Freud eine Umwandlung oder Umlenkung von Triebwünschen in eine geistige Leistung oder kulturell anerkannte Verhaltensweise verstand. Bisher ‚begrenzte’ man die Sublimierung auf Bereiche wie Kultur, Religion oder Wissenschaften. Es wird Zeit, dass diese Verhaltensweise auch im Bereich der Ökonomie, also der Wirtschaft und Finanzen, Einzug hält.

siehe auch zdf.de: Gier – Verstand 1:0

40 Jahre Woodstock

Ohne Zweifel: Es war die Mutter aller Festivals der Rockmusik: das Woodstock Music and Art Festival 1969, das vor genau 40 Jahren vom 15. bis 18.August 1969 auf einer Farm in Bethel im US-amerikanischen Bundesstaat New York stattfand. Auf dem Festival traten 32 Bands und Solisten der Musikrichtungen Folk, Rock, Soul und Blues auf. Dabei herrschten auf dem Festivalgelände chaotische Zustände, da die erwarteten Besucherzahlen um ein Vielfaches übertroffen wurden.

Dieses Foto dürfte bei nicht wenigen als Poster im Schlafzimmer an der Wand gehängt haben. Es verdeutlicht das Motto des Festivals: 3 Tage im Zeichen der Liebe und der Musik – zeigt aber auch, welches Chaos durch Regen und Sturm während der Tage herrschten.

Durch Woodstock haben einige Musiker ihre Karriere zu verdanken, neben Richie Havens, der das Festival am Freitag eröffnete und solange spielte, bis ihm die Lieder ausgingen – der dann eine Version des Spirituals Motherless Child („Kind ohne Mutter“) improvisierte, der er eine Strophe mit dem ständig wiederholten Wort Freedom („Freiheit“) hinzufügte – bis hin zu Joe Cocker, der zuvor eher unbekannt war und der am Sonntag mit einer Coverversion des Beatles-Klassikers „With a Little Help from My Friends“ den ersten großen Durchbruch in seiner Karriere erreichte.


Richie Havens: Freedom – Woodstock 1969


Joe Cocker: With a little help from my friends – Woodstock 1969

Legendär natürlich der Auftritt von Jimi Hendrix am Ende der Festivals. Hendrix spielte unter anderem den Titel The Star-Spangled Banner, seine Interpretation der US-amerikanischen Nationalhymne, als einen Friedensappell vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges, in der er das Geräusch einschlagender Raketen und das Sterben der Soldaten musikalisch wiederzugeben versuchte. Mit Hendrix’ Darbietung von Purple Haze, einer Improvisation und Villanova Junction (gefolgt von Hey Joe als Zugabe) endete das Konzert am Montagmorgen gegen 9:00 Uhr.

Woodstock ging natürlich auch schon deshalb in die Geschichte der Rockmusik ein, weil über 20 Kameraleute auf dem Festival über 100 Stunden Farbfilmmaterial erstellt hatten. Aus diesem Material wurde ein dreistündiger Dokumentarfilm im Breitwandformat geschnitten, der dann auch in unsere Kinos kam. Bemerkenswert ist die Splitscreen-Technik, mit der teilweise bis zu drei Perspektiven nebeneinander montiert wurden.

Nachdem das eigentliche Festival ein finanzielles Desaster gewesen war, spielte der Film die ersten 5 Millionen Dollar innerhalb von nur 18 Wochen ein.

Im Vorfeld war nicht absehbar, dass Woodstock einmal in die Annalen der Rockmusik eingehen würde. Die Veranstalter rechneten mit etwa 60.000 Besuchern. Tatsächlich machten sich rund eine Million Menschen auf den Weg, die Hälfte von ihnen blieb in verstopften Zugangswegen stecken und wurde von der Polizei wieder nach Hause geschickt. Über 400.000 Besucher erreichten dann das Festival.

So war auch ein Auftritt der Gruppe Jethro Tull für den Sonntag vorgesehen. Der Manager der Gruppe, Terry Ellis (u.a. auch Mitbegründer des Plattenlabels Chrysalis), entschied sich aber für einen finanziell lukrativeren Konzerttermin genau für die drei Tage vom 15. – 17. August im „Revolution“ in Monticello, NY. USA, also gar nicht soweit von Woodstock entfernt. Immerhin traten dann Jethro Tull 1970 beim Festival auf der Isle of Wight auf (das mit geschätzten 600.000 Besuchern wahrscheinlich bestbesuchte Festival in der bisherigen Geschichte der Rock-Musik); siehe hierzu mein Beitrag Jethro Tull – Their Fully Authorized Story

1969 war ich 15 Jahre alt, also so alt wie mein jüngster Sohn heute. Woodstock war mir damals gegenwärtig, interessierte mich aber doch nur eher am Rande. Im Kino habe ich den Film nie gesehen, erst sehr viel später habe ich mir den als DVD gekauft. Viele der Auftritte (Hendrix, Joe Cocker, Joan Baez usw.) kannte ich aber natürlich aus Fernsehaufzeichnungen – bei YouTube sind viele zu betrachten.

Die Frage stellte sich mir ein Jahr später – sollte ich zur Insel Fehmarn, um mir das dortige Festival auf einem Acker vor dem Flügger Strand anzuschauen. Das Festival fand vom 4. bis 6. September 1970 statt, und obwohl der Wetterbericht einen sonnigen Spätsommer versprach, regnete und stürmte es drei Tage lang, dass sich jeder nur wunderte, wieso alle trotzdem blieben. Höhepunkt dieses Festivals war wieder einmal Jimi Hendrix, der nur 12 Tage später in London verstarb, so wurde das Fehmarner Festival zu Jimi Hendrix’ letztem Auftritt. Zur Erinnerung daran steht nun auf besagtem Festival-Acker vor dem Flügger Strand ein Gedenkstein. Am 5. September d.J. gibt es übrigens das 15. Jimi Hendrix Hendrix-Revival-Festival am besagten Flügger Strand.

Nun ich bin damals nicht nach Fehmarn gereist und habe auch bis heute keines dieser Open-Air-Festivals besucht, die so oft, wie es scheint, in guter Woodstock-Manier ins Wasser gefallen sind. Sicherlich ist es ein Ereignis, im Matsch zu zelten und mit vielen Gleichgesinnten der Musik zu lauschen. Dass ich durch meine Abwesenheit etwas verpasst habe, möchte ich aber nicht behaupten.

siehe auch ard.de: Drei Tage „Love, Peace and Music“

Fauna im Garten

Neben der Flora, den Blumen, Sträuchern und Bäumen, macht besonders auch die Fauna einen lebendigen Garten aus. Klar, ohne Bienen und den anderen fleißigen Insekten, die die Blüten bestäuben, wäre ein solcher Garten sehr schnell eine Geröllwüste.

Marienkäfer sind in diesem Jahr sehr zahlreich vorhanden, vielleicht zu zahlreich. In Norddeutschland haben wir geradezu eine Invasion. Das gilt besonders für die asiatischen Marienkäfer (ihre Flügel sind orangefarbend statt rot), die unseren einheimischen Käfern das Leben schwer machen.

Obwohl der nächste Teich oder Tümpel eigentlich um einiges von unserem Garten entfernt ist, verirrt sich ab und zu eine Libelle bis zu uns – wie das eine Bild unten zeigt.

Da wir Schmetterlinge mögen, sorgen wir auch dafür, das deren Nachwuchs eine Chance in unserem Garten hat. So lassen wir u.a. auch Brennnesseln stehen, die für einige Schmetterlingsarten als Futterpflanze für deren Raupen dienen. Sollte es sich bei den Raupen in unserem Garten wirklich um die des Tagpfauenauges handeln?

Fauna im Garten: Marienkäfer

Fauna im Garten: Libelle

Fauna im Garten: Marienkäfer

Fauna im Garten: Libelle

Fauna im Garten: Raupen

Fauna im Garten: Raupen

Fauna im Garten: Raupen

Der Witzableiter (10): Warum denn auf die Spitze gehen?

Fortsetzung von: (9): Paradox? Im Prinzip ja

Im 10. Teil der Kolumne „Der Witzableiter“ von Eike Christian Hirsch, die 1984 im ZEITmagazin erschien, behandelt dieser den Übertreibungswitz und zeigt auf, wie witzig Über-, natürlich auch Untertreibungen sein können. Hier wird einiges ‚auf die Spitze’ getrieben.

Der baumlange Milliardär aus Texas kommt während der Hauptsaison nach Saint Tropez. Er erscheint mit diamantglitzernden Manschettenknöpfen in der Halle des teuersten Hotels. Eine Karawane dienstbarer Geister folgt mit Koffern, Skier, Schlittschuhen, Pelzen und einer kompletten Winterausrüstung. Dem fassungslosen Empfangschef bleibt der Mund offen stehen. Dann wendet er sich an den Gast: „Verzeihen Sie bitte, aber es gibt hier keinen Schnee …“ „Keinen Schnee!?“ dröhnt der Texaner. „Der kommt mit dem Rest des Gepäcks.“

Übertreibungs-Witze sind eine Spezialität der Amerikaner, nicht erst seit Mark Twain diese Art von Humor unsterblich gemacht hat. Es soll auch heute noch jährlich Wettbewerbe in den Staaten für die beste lügenhafte Übertreibung geben. „Unser Badezimmer ist so klein – wenn die Sonne reinscheint, müssen wir rausgehen.“ „Das ist noch gar nichts. Unsere Küche ist so niedrig, daß wir darin nur Omelettes und Schollen backen können.“

Zugegeben, das Baumuster ist schlicht und läßt sich endlos variieren, aber wer wird denn gleich die Nase rümpfen? Das tut ein deutscher Professor, der jüngst schrieb: „Der Übertreibungswitz wendet sich vor allem an primitive Geister.“ Also denn – mehr davon. Hier sind sie. Ein Bauführer zu seinen Leuten: „Nehmt euch ein Beispiel an der Konkurrenz. Da wird nicht krankgefeiert. Wenn einer zum Beispiel Schüttelfrost hat, meldet er sich zum Sandsieben.“

Jede Übertreibung baut eine neue Wirklichkeit neben der alten auf. Sie muß irgendwie noch glaubhaft sein, wenigstens auf den ersten Blick. Die eigentliche Wirklichkeit muß man in ihr noch wiedererkennen – wie in der Karikatur das wiedergegebene Objekt. Der Referent für kirchliche Entwicklungshilfe eilt zu seinem Vorgesetzten und sagt: „ Bruder Nikodemus aus Niger klagt schon wieder über den dortigen Wassermangel.“ „Das tut er doch in jedem Brief“, sagt der Vorgesetzte. „Stimmt, aber diesmal ist die Briefmarke mit einer Reißzwecke befestigt.“

Daß es sich hier ebenfalls um eine Paradoxie handelt, muß ich kaum erwähnen. Das wissen Sie ja schon. Nur werden Sie mich vielleicht fragen, wo denn hier die zwei Positionen seien, die angeblich zu jeder Paradoxie gehören. Richtig, es ist nur eine zu sehen. Die zweite Position ist, so scheint es, die Wirklichkeit, wie wir sie kennen und vor der als Hintergrund die Übertreibung doch überhaupt erst als solche zu erkennen ist. Etwa so: Ein Tourist fragt den Bürgermeister des Kurorts: „Ist das Klima hier wirklich so gesund?“ „Und ob“, gibt der zurück, „um den Friedhof endlich einweihen zu können, waren wir gezwungen, unseren ältesten Einwohner zu vergiften.“

Wer hat schon etwas dagegen, wenn sich jemand so klar ausdrücken kann wie jener Zahnarzt, der zu seinem Patienten sagte: „Sie brauchen den Mund nicht so weit aufzureißen. Ich bleibe während der Behandlung draußen.“

Witzableiter (10)

Dagegen hätte auch Immanuel Kant nichts gehabt, der allerdings empfindlich war gegen Übertreibungen wie die, jemand habe „in einer Nacht graue Haare bekommen“. In seiner „Kritik der Urteilskraft“ (1790) erzählt er hingegen gern als gelungene Übertreibung die Geschichte von einem Kaufmann, „der aus Indien mit all seinem Vermögen in Waren nach Europa zurückkehrend, in einem schweren Sturm alles über Bord zu werfen genötigt wurde und sich dermaßen grämte, daß ihm darüber in derselben Nacht die Perücke grau ward.“ (Das Wort Perücke ließ Kant vorsichtshalber gesperrt drucken).

Gleich im Anschluß daran teilt Kant eine treffende Beobachtung mit über die Art, wie man gewöhnlich einen Witz versteht. Er meinte, daß wir uns zwar plötzlich in unserem ersten Verständnis der Geschichte getäuscht sähen, aber „unsere verfolgte Idee wie einen Ball noch eine Zeitlang hin- und herschlagen, indem wir bloß meinen, ihn zu greifen und festzuhalten“.

Das finde ich deshalb so treffend beobachtet, weil wir wirklich zwischen Verblüffung und Erleuchtung noch eine Weile hin- und herschwingen, indem wir unsere alte Täuschung und unsere neue Einsicht miteinander vergleichen. Patient zum Arzt: „Herr Doktor, mein Schielen hat sich verschlimmert. Wenn ich weinen muß, laufen mit jetzt die Tränen schon den Rücken kreuzweise herunter.“

Das Hin und Her vergleicht Kant mit dem Schwingen einer Saite. Heute würde man wohl von einer Rückkopplung sprechen können. Mit diesem technischen Vergleich ließe sich auch der Streit schlichten, den wir das letzte Mal diskutiert haben, ob die Verblüffung zuerst kommt oder das Verständnis. Beide wechseln sich wohl noch eine Weile ab und beeinflussen sich dabei gegenseitig.

Ich glaube, wir haben einen entscheidenden Punkt erkannt, wenn wir diese Hin- und Herbewegung beim Witz beobachtet haben. So funktioniert er. Dieses Springen, Schwanken, Flimmern ist sehr typisch. Noch einmal eine Probe:

Der Chef zum Buchhalter: „Am besten, Sie tragen den Jahresgewinn in Schwarz ein.“ „Es ist aber nur rote Tinte da, Chef.“ „So kaufen sie eben schwarze!“ „Dann sind wir wieder in den roten Zahlen.“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 37/1984

[Fortsetzung folgt]

Einen Wunsch frei … Die Sternschnuppen kommen

Es heißt, wer eine Sternschnuppe am nächtlichen Himmel erblickt, hat einen Wunsch frei. Wer sich also beim Anblick einer fallenden Sternschuppe schnell etwas wünscht, dessen Wunsch geht in Erfüllung. Die Chance bietet sich in diesen Tagen, denn jetzt sind die so genannten Perseïden-Sternschnuppen zu sehen. Die meisten werden für diese Nacht vom 12. auf den 13. erwartet. Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen Ende der Abenddämmerung und Mitternacht, wo der tiefstehende Mond die Beobachtung noch wenig stört. Man schaue dabei in Richtung Nordosten – wenn denn das Wetter mitspielt und nicht zu viele Wolken den Abendhimmel verschleiern.

Sternschnuppen

Die Perseïden sind ein jährlich in der ersten Augusthälfte wiederkehrender Meteorstrom. Für den Betrachter scheinen diese in der hohen Atmosphäre aufleuchtenden Partikel aus dem namensgebenden Sternbild Perseus zu kommen.

Da das Erscheinen der Perseïden mit dem Namenstag des Märtyrers Laurentius (10. August) zusammenfällt, werden sie im Volksmund auch Laurentiustränen beziehungsweise Tränen des Laurentius genannt.

Die Perseïden bestehen aus den Auflösungsprodukten des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Die Erde kreuzt auf ihrer Bahn immer um den 12. August die Staubspur, die dieser Komet im All hinterlassen hat. Die Staubteilchen rasen dabei mit hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre und bringen die Luftmoleküle zum Leuchten. Die Sternschnuppe ist daher nicht das verglühende Staubkorn selbst, sondern besteht aus „heißer Luft“.

Siehe auch zdf.de: Die Sternschnuppen kommen

Sonnenuntergänge auf Neuwerk (2)

Hier noch einige Fotos von den bemerkenswerten Sonnenuntergängen auf der Insel Neuwerk [1] [2] [3] [4] [5] [6]. An einem Abend schob sich flacher Nebel über die Wiesen, wie wir diesen aus Alpentälern am frühen Morgen her kennen. Die Fotos geben nur andeutungsweise die beeindruckende Stimmung wieder.

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Abendlicher Nebel auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Abendlicher Nebel auf der Insel Neuwerk

Abendlicher Nebel auf der Insel Neuwerk

siehe auch: Sonnenuntergänge auf Neuwerk (1)

Der Nicht-Service der Deutschen Bahn

Für die Fahrt zum Taubertal Festival bei Rothenburg ob der Tauber am vergangenen Wochenende benutze mein großer Sohn und sein Freund die Deutsche Bahn AG (DBAG). Das Ticket war online rechtzeitig gebucht – Dauer Spezial für Hin- und Rückfahrt. Auf der Hinfahrt stellten beide fest, dass auf der Fahrkarte als Rückfahrttag der 18.08. und nicht der 10.08. eingetragen war. Klar, das hätte die beiden jungen Herren früher feststellen können.

So gingen sie gleich bei der Ankunft in Rothenburg zum Fahrkartenschalter, um die Rückfahrt zu klären. Umbuchen oder Erstattung der Fahrkosten? Ging nicht! Ist ausgeschlossen! Neues Dauer Spezial Ticket? Ging auch nicht – das muss man spätestens drei Tage vor dem Reisetag buchen. Aber es war doch Freitag, also drei Tage vor dem Reisetag am Montag. Ohne im Computer nachzuschauen behauptete der Bahnmensch weiterhin: Njet! Am Ende kauften sich die beiden ein Schönes Wochenende Ticket und fuhren bereits am Sonntag morgens gegen 10 Uhr los – auf den Auftritt der Toten Hosen verzichtend. Kurz vor 18 Uhr sollten sie nach sieben oder acht Mal Umsteigen zu Hause eintreffen.

Wie schön könnte Bahnfahren sein!

Natürlich verpassten sie einen Anschluss und mussten eine Stunde länger warten. Dann gab es in Hamburg-Harburg, also kurz vor ihrem Ziel, ein Gewitter – ein Baum blockierte das Bahngleis ‚auf unbestimmte Zeit’. Am Ende holte die Mutter des Freundes die beiden in Harburg ab. Endlich kurz vor 20 Uhr waren beide zu Hause.

Am Fahrkartenschalter (oder im Reisezentrum der DBAG) zeigte man sich wenig freundlich gegenüber den beiden jungen Männern, immerhin potentielle Kunden in der näheren Zukunft. Dass die Bahn insgesamt dermaßen unflexibel reagiert, konnte von beiden nur mit gewissem Staunen zur Kenntnis genommen werden. Flexibel nur in der undurchschaubaren Preisgestaltung: Beiden wurden erst Tickets für rund 250 € angeboten, dann ging es plötzlich doch billiger.

Wie auch immer: Beide haben fürs erste die Schnauze gestrichen voll, was das Bahnfahren betrifft. Sicherlich hat nicht die Bahn den Fehler (falsches Rückfahrdatum) zu vertreten, aber etwas mehr Entgegenkommen sollte doch erwartet werden. Und Hilfe! Der Service der Bahn verdient den Namen nicht. Kein Wunder, wenn selbst meine Firma für Dienstreisen auf Bahnfahrten verzichtet und stattdessen den Flieger ‚verordnet’.

Sonnenuntergänge auf Neuwerk (1)

Besonders bemerkenswert waren während unseres Aufenthalts auf der Insel Neuwerk [1] [2] [3] [4] [5] [6] in der Elbmündung die abendlichen Sonnenuntergänge. Unsere Ferienwohnung hatte zwei Fenster in Richtung Westen, die einen herrlichen Blick über den Deich auf das Wattenmeer ermöglichte. Die untergehende Sonne spiegelte sich dabei selbst bei Ebbe in den wasserführenden Prielen und bot einen einmaligen Anblick.

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Sonnenuntergang auf der Insel Neuwerk (Juli 2009)

Jethro Tull live at Madison Square Garden 1978 DVD/CD

Wer denkt, er hätte schon alles von unserer Lieblingsgruppe Jethro Tull im Plattenschrank, dem darf ich folgenden Nachschlag (dank an Laufis Jethro Tull Diskussionsforum für die Info) empfehlen:

Jethro Tull live at Madison Square Garden, New York 1978

Das Label EMI veröffentlicht ab 21.09.2009 zwei Scheiben (eine DVD und eine CD), zunächst wohl erst einmal im Vereinigten Königreich – die DVD ist mit Dolby 5.1 Surroundklang ausgestattet. Viele kennen die Aufnahmen von YouTube oder haben diese als Bootleg in ihrer Tull-Schatzkammer. Aber die Qualität ist nicht so besonders. Das sollte mit dem veröffentlichten Material mit Sicherheit anders werden. Ich bin gespannt.


Jethro Tull – Thick as a Brick complete – Madison Square Garden 1978

Hier die Tracks im Einzelnen:

CD
1. Bagpipe Intro (Live At Madison Square Garden)
2. Sweet Dream (Live At Madison Square Garden)
3. One Brown Mouse (Live At Madison Square Garden)
4. Heavy Horses (Live At Madison Square Garden)
5. Opening (Live At Madison Square Garden)
6. Thick As A Brick (Live At Madison Square Garden) (2009 Digital Remaster)
7. No Lullaby (Including Flute Solo Of God Rest Ye Merry Gentlemen) (Live At Madison Square Garden)
8. Songs From The Wood (Live At Madison Square Garden)
9. Band Intro (Live At Madison Square Garden)
10. Quatrain (Live At Madison Square Garden)
11. Aqualung (Live At Madison Square Garden)
12. Locomotive Breath (Including Dambusters March) (Live At Madison Square Garden)
13. Too Old To Rock ‚N‘ Roll (Live At Madison Square Garden)
14. My God/Cross Eyed Mary (Live At Madison Square Garden)
15. Locomotive Breath (Encore) (Including Dambusters March) (Live At Madison Square Garden)
16. Aqualung (Encore) (Live At Madison Square Garden)

DVD
1. Sweet Dream (Live At Madison Square Garden)
2. One Brown Mouse (Live At Madison Square Garden)
3. Heavy Horses (Live At Madison Square Garden)
4. Opening (Live At Madison Square Garden)
5. Thick As A Brick (Live At Madison Square Garden) (2009 Digital Remaster)
6. No Lullaby (Including Flute Solo Of God Rest Ye Merry Gentlemen) (Live At Madison Square Garden)
7. Songs From The Wood (Live At Madison Square Garden)
8. Band Intro (Live At Madison Square Garden)
9. Quatrain (Live At Madison Square Garden)
10. Aqualung (Live At Madison Square Garden)
11. Locomotive Breath (Including Dambusters March) (Live At Madison Square Garden)
12. Too Old To Rock ‚N‘ Roll (Live At Madison Square Garden)
13. My God/Cross Eyed Mary (Live At Madison Square Garden)