Halldór Laxness: Am Gletscher

Vor einiger Zeit habe ich den kleinen Roman ‚Am Gletscher‘ des isländischen Literaturnobelpreisträgers Halldór Laxness aus dem Jahr 1968 (dt. 1974 unter dem Titel ‚Seelsorge am Gletscher‘, 1989: ‚Am Gletscher‘) erneut gelesen. Der besondere Humor, mit dem der Roman geschrieben ist, ist dabei besonders erwähnenswert. Der Roman wurde 1989 von Laxness’ Tochter Guðný Halldórsdóttir unter dem Titel ‚Kristnihald undir Jökli‘ in Island verfilmt. Eine deutsche Synchronfassung mit dem Titel ‚Am Gletscher‘ liegt vor.

In Halldór Laxness‘ Roman „Am Gletscher“ (Originaltitel: Kristnihald undir Jökli, 1968) reist ein junger, namenloser Gesandter des isländischen Bischofs – genannt „Embi“ (für Emissär) – an den Fuß des Snæfellsjökull. Er soll dort das seltsame Verhalten von Pfarrer Jón Prímus untersuchen, gegen den schwere Vorwürfe vorliegen.


Der ‚Embi‘ wird am Gletscher lediglich mit Kaffee (Island ist ein Kaffeetrinkerland) und Torten verpflegt (sein Ebenbild tut sich auf)

Halldór Laxness: Am Gletscher (1968)
Halldór Laxness: Am Gletscher (1968)

Die Handlung
Der Auftrag: Embi soll prüfen, warum der Pfarrer seine Amtspflichten vernachlässigt: Er hält keine Gottesdienste mehr ab, begräbt die Toten nicht und hat die Kirche vernageln lassen. Stattdessen verbringt Jón Prímus seine Zeit mit dem Beschlagen von Pferden und der Reparatur alter Gebrauchsgegenstände.
Die Begegnung: Am Gletscher trifft Embi auf eine skurrile Gemeinschaft, in der Realität und Mythisches verschwimmen. Jón Prímus vertritt eine pragmatisch-mystische Weltanschauung, in der das Hier und Jetzt und die Natur wichtiger sind als dogmatische Zeremonien.
Das Geheimnis: Im Zentrum der rätselhaften Ereignisse steht Ua, die verschwundene Ehefrau des Pfarrers. Um sie ranken sich Gerüchte über Auferstehung und Ewigkeit, die das rationale Weltbild des Gesandten zunehmend erschüttern.

Zentrale Themen
Kritik an Institutionen: Laxness nutzt die Figur des Jón Prímus, um eine Kirche zu hinterfragen, die sich mehr um Riten als um das Leben der Menschen sorgt.
Mystik vs. Rationalität: Der Kontrast zwischen dem bürokratischen Embi und der archaischen, fast magischen Welt am Gletscher thematisiert die Grenzen der Logik.
Menschlichkeit: Die Seelsorge wird hier nicht durch Predigten, sondern durch praktische Hilfe und das Akzeptieren des Unerklärlichen geleistet.

Der Roman gilt als eines der komplexesten und humorvollsten Werke des Nobelpreisträgers. Er ist im Steidl Verlag als Taschenbuch erhältlich.

Die Seele als Fisch
Ein zentrales Element des Romans ist die Vorstellung, dass die Seele der verstorbenen Údua (die Frau von Pfarrer Jón Prímus) in einen Fisch beschworen wurde.
• Symbol der Konservierung: Der Fisch wird in einem speziellen Behälter auf dem Gletscher aufbewahrt, um dort bis zu einer möglichen Wiederauferstehung oder Rückkehr zu verharren.
• Transformation: Dieses Motiv spielt mit der Idee der Seelenwanderung und stellt eine Verbindung zwischen dem Spirituellen und der physischen Natur (dem Element Wasser/Eis) her.


Der ‚Embi‘ mit Ua/Údua und dem ‚Fisch‘

Christliche Symbolik und ihre Dekonstruktion
Der Fisch ist das traditionelle Symbol für Christus (Ichthys). Laxness nutzt dies jedoch oft auf ironische Weise: Im Roman wird ein Fisch, der als religiöses oder spirituelles Symbol dient, eher profan behandelt – er wird „achtlos aufgetaut“ und schließlich von Vögeln gefressen.

Dieser Beitrag wurde zum Teil von KI erstellt

siehe meine weiteren Beiträge zu Halldór Laxness in diesem Blog

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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