Entschleunigen

Das Coronavirus hat uns weiterhin ‚fest im Griff‘. Wie gut, dass sich das Wetter von seiner schönen Seite zeigt. Wer kann, der wird den Weg ins Freie suchen. Auch um einem möglichen Lagerkoller zuvorzukommen.

Coronavirus
Coronavirus

Ich weiß, dass es einfach klingt, aber wir sollten die Zeit nutzen, um einmal ‚herunterzukommen‘, einmal die Dinge tun, für die uns sonst keine Zeit bleibt. Leichter gesagt, als getan …

Sicherlich gibt es da das Buch, das ich noch nicht gelesen habe, Handwerkliches in der Wohnung, das ich längst getan haben wollte. Aber es gibt auch andere kreative Ideen, mit denen ich mich befassen kann: vielleicht eine Art Corona-Tagebuch führen, sich sportlich betätigen (drinnen wie draußen), gemeinsam kochen (und essen), im Garten buddeln (es tut auch ein Balkon oder die Fensterbank). Oder: Einfach einmal nichts tun, entschleunigen („Einen vollkommen nutzlosen Tag vollkommen nutzlos verbringen!“)

Überall ist zu hören, dass sich mit der Coronakrise vieles verändert und dass die Zeit danach eine andere sein wird. Das ist sicherlich zu begrüßen, nur glaube ich nicht daran.

Vor Ostern war ich im Nachbarort Buchholz/Nordheide und ging durch eine (fast) leere Einkaufpassage, weil die Geschäfte geschlossen hatten. Das soll sich ab kommenden Montag ändern: Kleine Geschäfte dürfen öffnen. Ein wenig Normalität soll wieder einkehren.

leere Einkaufspassage in Buchholz/Nordheide
leere Einkaufspassage in Buchholz/Nordheide

Bis wir aber wieder zu unserem üblichen Alltag zurückkommen, wird noch einige Zeit vergehen. Mein Sohn wollte mit seiner Freundin Mitte Juni zum Hurricane-Festival bei uns in der Nähe. Daraus wird nichts werden, da ja alle Großveranstaltungen bis Ende August ausgesetzt wurden. Und es werden auch viele andere Festivals dem Coronavirus zum Opfer fallen.

Wir sind gewissermaßen auf uns selbst gestellt. Und damit tun sich viele schwer. Warum eigentlich? War unser bisheriger Alltag so stark reglementiert, terminlich bis ins Kleinste festgeschrieben? Dadurch, dass wir vieles zz. nicht tun können, haben wir viel freie Zeit ‚gewonnen‘, etwas, was wir uns doch eigentlich immer gewünscht haben. Und jetzt …?

Allein dadurch, dass ich seit fast einem halben Jahr Rentner bin, habe ich viel mehr zeitliche Freiräume als früher. Bekanntlich haben Rentner keine Zeit. Das kann ich nur bestätigen. Eigentlich habe ich noch zu wenig Zeit. Ich lese viel, gucke abends Filme, die ich immer schon sehen wollte, gehe mit meiner Frau spazieren (und einkaufen), fahre mit dem Rad ins Umfeld meines Wohnortes, schreiben diesen Blog. Und da warten noch Videoaufnahmen (aus dem Urlaub usw.), die ich noch schneiden und überarbeiten möchte. Da ist ‚meine Yahama‘, auf der ich endlich einmal richtig klampfen will.

Sorry, Jungs und Mädels: Aber ich kann wirklich nicht nachvollziehen, wie es Euch langweilig sein kann, wie ihr aus reiner Frustration eure Lieben drangsaliert. Locker bleiben und die Zeit genießen!

Wie schon geschrieben: Ich glaube nicht, dass die Nachcoronazeit eine andere sein wird. Wir werden alle wieder in den gleichen Trott verfallen. Die Luft, die durch das jetzige eingeschränkte Verkehrsaufkommen so rein wie schon lange nicht mehr ist, werden wir wieder verpesten. Wir werden wieder ‚die Alten‘ sein! Oder doch nicht?

Ich hoffe, dass uns einiges klarer wird in dieser Zeit. Dass wir uns unserer Umwelt und der Verantwortung für sie bewusst werden. Das wäre dann schon ein kleiner Schritt auf dem richtigen Weg. Aber wenn wir die großen Firmen heute heulen hören, wie es ihnen nicht schnell genug in die ‚alte‘ Richtung gehen kann, dann werden auch die Letzten auf diesen Zug aufspringen – und alle Erkenntnis ist für die Katz.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Ein Gedanke zu „Entschleunigen

  1. Ja, das befürchte ich leider auch. Ich bedaure nur, dass aus unserer Reise nach Camps – in der Nähe von Schwerin – nichts werden wird. Von dort nach Gneven, zu meiner Freundin oder nach Schwerin mit unseren E-Bikes, wird es sicher nicht kommen. Denn Ende Mai sind die Reisebeschränkungen sicher noch nicht aufgehoben. Schlimm – denn hierauf hatte ich mich so gefreut. Ich wohnte von 78 – 83 in der Schweriner Gartenstadt – meine Tochter kam dort 81 zur Welt. Seither habe ich es 2 x geschafft, Schwerin zu besuchen – und jetzt kommt mir der Virus dazwischen. Das ist´s, was mich nervt. – Ansonsten fahre ich, ausgerüstet mit Mundschutz, den ich erst vor den Geschäften anlege, mit meinem Fahrrad zum Einkaufen. Am Anfang habe ich böse Blicke geerntet – doch jetzt machen es sogar die Bundies nach. (Weil sie hier immer schlauer sind als der Rest der Menschheit!) – Wollen wir also beten, dass der Kelch an uns vorbei geht und wir ein wunderbares Wochenende habe. Genug zu pusseln gibt´s doch! – Grüsse von Ilona W.

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