Es ist für mich an der Zeit, mich mit den literarischen Werken der Weltliteratur zu beschäftigen. Und so habe ich mich auf die ‚Göttliche Komödie‘ von Dante Alighieri (1265-1321) gestürzt. Ich habe die Übersetzung von Karl Witte (1800-1883) vorliegen, die 1865 in Berlin erschien und mit 136 Illustrationen (entnommen einer Ausgabe in drei Bänden, Berlin o.J. [1870-1871]) von Gustave Doré (1832-1883) wunderbar bebildert ist.
Dantes „Göttliche Komödie“ (La Divina Commedia – Foligno 1472), verfasst im frühen 14. Jahrhundert, beschreibt die imaginäre Reise des Dichters durch die drei Reiche des Jenseits. Das Werk gilt als Meilenstein der Weltliteratur und prägte die italienische Sprache maßgeblich.

Dante und Vergil beobachten die büßenden Seelen (Illustration: Gustave Doré)
Die drei Stationen der Reise
Die Erzählung beginnt im Jahr 1300, als sich Dante in einem „dunklen Wald“ (Sinnbild für eine Lebenskrise) verirrt. Er wird vom römischen Dichter Vergil (70-19 v.Chr.) gerettet, der ihn durch die ersten beiden Reiche führt.
Erster Gesang
Es war in unseres Lebensweges Mitte,
Als ich mich fand in einem dunklen Walde;
Denn abgeirrt war ich vom rechten Wege.
Wohl fällt mir schwer, zu schildern diesen Wald,
Der wildverwachsen war und voller Grauen
Und in Erinnrung schon die Furcht erneut:
So schwer, dass Tod zu leiden wenig schlimmer.
Doch um das Heil, das ich dort fand, zu verkünden,
Will, was ich sonst gesehen, ich berichten. –
[…]
1. Inferno (Hölle): Dante steigt durch neun konzentrische Kreise hinab zum Erdmittelpunkt. Jeder Kreis ist einer spezifischen Sünde gewidmet, wobei die Strafen nach unten hin immer grauenhafter werden, bis sie im Zentrum auf den im Eis gefangenen Luzifer treffen.
2. Purgatorio (Fegefeuer): Auf der anderen Seite der Erde erklimmen Dante und Vergil den Läuterungsberg. Hier büßen Seelen ihre Sünden auf sieben Terrassen ab, um sich für den Himmel würdig zu machen. Am Gipfel verlässt Vergil Dante, da er als Heide das Paradies nicht betreten darf.
3. Paradiso (Paradies): Dantes Jugendliebe Beatrice (1266-1290, sie starb früh bei einer Epidemie und begleitet Dante ab dem 30. Gesang des Fegefeuers) übernimmt die Führung durch die neun himmlischen Sphären. Die Reise endet in einer göttlichen Vision, bei der Dante die Einheit mit Gott und das „Licht der Liebe“ erfährt.
Das Ende (Paradies – 33. Gesang)
[…]
Das Kreisen, das mir dreifach aufgefasst
Erschienen war, es dünkte, wie ein Spiegel,
Als meine Augen länger es betrachtet,
In seinem Innern mit den eignen Farben
Mir unsres Angesichtes Bild zu zeigen,
Weshalb mein Schau’n ich völlig drin versenkte.
Dem Geometer, der sich ganz vertieft,
Den Kreis zu messen, und, wie sehr er sinne,
Den Grundsatz dessen er bedarf nicht findet,
War ich vergleichbar bei dem neuen Anblick.
Wie mit dem Kreise jenes Bild sich einigt,
Und wo sein Platz drin ist, wollt‘ ich erkennen;
Doch nicht vermochten das die eignen Flügel.
Da wurde plötzlich, wie von einem Blitze,
Mein Geist durchzuckt und das Ersehnte kam.
Hier schwand die Kraft der hohen Fantasie;
Doch schon bewegte Willen und Verlangen
Mir, wie ein gleichbewegtes Rad, die Liebe,
Die kreisen macht die Sonne wie die Sterne.
Bilder aus der Hölle – wie sie sich Dante (‘Die göttliche Komödie’) vorstellte (und Gustave Doré zeichnete) – Musik: Francesco Landini
Zentrale Merkmale
• Struktur: Das Werk besteht aus 100 Gesängen (33 pro Teil plus ein Einleitungsgesang).
• Symbolik: Die Zahl 3 (Symbol für die Dreifaltigkeit) ist allgegenwärtig – drei Reiche, drei Führer, dreizeilige Strophenform (Terzinen).
• Hintergrund: Dante verarbeitete in dem Epos auch persönliche politische Konflikte und sein Exil aus Florenz.

Kurze Anmerkung:
In Fegefeuer 8. Gesang, Zeile 91, und 31. Gesang, Zeile 106, wird von ‚leuchtenden vier Sterne‘ berichtet, worunter die vier moralischen Tugenden (Gerechtigkeit, Stärke, Weisheit, Mäßigkeit) zu verstehen sind. Diese genügen, um den Menschen auf den Weg der Buße zu Besserung zu führen; wenn er aber ermattet, wenn für ihn die Nacht anbricht, müssen die drei theologischen (Glaube, Liebe und Hoffnung) ihn aufrechtherhalten.