Kurz und spitz (10): Vorgedrängelt

    In der Skisaison ist es wie im Sozialismus: Man muss anstehen und an den Fortschritt glauben. Wie man sich erfolgreich vordrängelt, bleibt aber auch in anderen Monaten des Jahres eine wertvolle Kulturtechnik. Zum Beispiel, wenn man nach dem Opernbesuch schnell ein Taxi eriwschen will oder nach dem Fussballmatch das nächste Tram.
    NZZ am Sonntag

Aber:

    Wer kennt sie nicht – die Leute, die sich immer vordrängen und doch nie vorn sind.
    Johannes Gross

Kurz und spitz: Vorgedrängelt
Kurz und spitz: Vorgedrängelt

Ich bekenne mich schuldig: Auch wenn es jetzt über ein Jahr her ist, aber ich gehörte auch zu diesen Dränglern. Aber was ist eigentlich schlimmer: Die drängeln oder die, die immer im Weg stehen?

Mir ging es nicht darum, erster, ganz vorn zu sein. Am frühen Morgen, wenn ich mich auf dem Weg zur Arbeit machte, mich zeitig zum Ausgang im Nahverkehrszug begab, um diesen möglichst schnell zu verlassen, damit ich noch meinen Anschlusszug bekomme: Der Bahnsteig ist brechend voll. Da hilft nur, sich durchzuschlängeln. Und dann die Rolltreppe: blockiert durch zwei geschwätzige, aber für mich taube Gestalten! Ich will nicht drängeln, aber der Zug wartet nicht …

Oder zum Feierabend hin: Am Hauptbahnhof ankommend wird die Tür in der S-Bahn von einem Typen versperrt, der unbedingt noch per Handy ein Telefonat führen muss. Überhaupt oben auf dem Verbindungssteg die auf ihre Smartphones stierenden Käuze, die sich genau dann mir in den Weg stellen, wenn ich sie überholen will?!

Zwangsläufig wurde ich da zum Drängler, zum Hinwegschubser: Step aside, aus dem Weg, ihr Narren, der Meister hat es eilig!

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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