Was ist bloß mit Ian los? Teil 93: Superstars & Idole

Hallo Wilfried, Hallo Lockwood,

nun ist es mir doch nicht mehr gelungen diesen Beitrag rechtzeitig zu Ostern fertigzustellen, und daher kann ich Euch jetzt nur noch nachträglich wünschen frohe Ostern verbracht zu haben. Im Schnee waren die bunten Eier ja sicher auch für Euch leicht zu finden…

Wilfried hat sich in letzter Zeit verdient gemacht, indem er zu Ehren des 40-jährigen Jubiläums von Jethro Tull zahlreiche neue Videos erstellt und auf YouTube geladen hat – einen Überblick über die gesamte Schaffenszeit von 1968 bis heute und Raritäten aus den frühen Jahren (z.B. die Aufnahmen aus dem Chateau D’Herouville). Vielen Dank für diese Kostbarkeiten! Und in seinem letzten Beitrag hat er wieder viele neue Details und Links zu Jethro Tull Seiten geboten. Da kann ich leider nicht mithalten.

Ich hatte Euch letztes Mal versprochen noch ein paar Einblicke in die internationale Superstar-Suche zu geben, und so kommt hier also heute die Folge „American Idol“ (wenn ich auch eher bezweifle, dass Ihr darauf großen Wert legt…). Simon Cowells Bemerkung über die teilweise bescheidene Qualität der Teilnehmer an World Idol hat mich dazu veranlasst einmal einen Blick über den großen Teich zu werfen, was denn die Amerikaner diesbezüglich so zu bieten haben. Und ich muss zugeben – wer bei American Idol in die Endausscheidung unter die Top 12 kommen will, der muss schon wirklich singen können.

Natürlich hat so ein großes Land auch ein großes Reservoir an Talenten, und die Konkurrenz ist hier besonders hart. Jedes Jahr werden zwischen 70.000 und 100.000 Bewerber für die Show gecastet – zurzeit läuft gerade die 7. Staffel. Ich habe einmal überschlagen, dass eine Jury bei 100.000 Bewerbern und 3 Minuten Dauer je Casting bei 10 Stunden Arbeitszeit am Tag ziemlich genau 2 Jahre (500 Arbeitstage) benötigt, um sich alle Kandidaten anzuhören. Das wäre natürlich so nicht machbar, die Castings müssen innerhalb von ein paar Wochen abgewickelt werden. Die Kandidaten müssen daher schon zwei Hürden bei örtlichen Musikproduzenten o.ä. genommen haben, damit sie vor der Jury aus Simon Cowell und Co. vorsingen dürfen.

Da aus diesen zeitaufwändigen und teuren Castings wenigstens ein bißchen Geld wieder hereinkommen soll, werden die Auftritte vor der Star-Jury gefilmt. So können die ersten Anfänge der späteren Popstars dokumentiert werden, aber auch die Darbietungen skurriler Nichtskönner werden festgehalten und zur Belustigung im Fernsehen gesendet. Teilweise habe ich da ja fast Mitleid mit Mr. Cowell bekommen – es muss schon hart sein, wenn man sich tagelang von morgens bis abends solche Aufführungen ansehen und anhören muss.

Und da ich nun einmal so gerne Geschichten erzähle – hier jetzt ein Beispiel dafür, wie man dieser Tage in den USA ein Pop-Star wird. Diese Geschichte wird Euch wahrscheinlich ein wenig an Kurt Nilsen erinnern, und tatsächlich haben sich beide Geschichten im gleichen Jahr zugetragen und auch die Hauptdarsteller sind gleich alt.

Ende 2002 erscheint in Charlotte, North Carolina, ein junger Mann mit Namen Clay Aiken zu den Castings (die auf englisch übrigens Audition heißen) für die zweite Staffel von American Idol. Er singt Somewhere Over The Rainbow (meiner Meinung nach keine sehr glückliche Wahl), und da kann er seine „Startnummer“ 88 drehen und wenden, wie er will, er wird nicht einmal bis zu den Juroren vorgelassen. Er ist halt auch Einer von denen, die nie einen Plattenvertrag bekommen werden, weil bei ihrem Aussehen sowieso niemals jemand eine Platte von ihnen kaufen würde. Unvorstellbar, dass sich dieser Mr. Aiken schon bald kaum noch vor den Scharen seiner kreischenden, weiblichen Fans würde retten können. Kein Mensch würde vermuten, dass er hier einen künftigen Gewinner der Wahl zu „America’s sexiest Singer“ vor sich hat. Aber machen wir erst einmal der Reihe nach…

Von seiner Absage in Charlotte lässt sich Mr. Aiken nicht entmutigen. Er nimmt den Flieger nach Atlanta, Georgia, wo die nächsten Castings stattfinden, wartet dort 36 Stunden in der Schlange und campiert auf der Strasse. Diesmal schafft er es tatsächlich bis zu Simon und Randy vorzudringen, und was er zu hören bekommt, nachdem er Always And Forever vorgetragen hat, kommt uns bekannt vor: „Großartige Stimme, aber Du siehst nicht aus wie ein Pop Star“. Bemerkenswerterweise sagt Mr. Cowell den Satz allerdings genau anders herum: „Du siehst nicht aus wie ein Pop Star, aber großartige Stimme“. Und bekanntermaßen bringt man das schlagende Argument immer zum Schluss. Das Video zeigt nicht die komplette Audition, da wurde einiges herausgeschnitten, aber trotzdem scheinen mir doch die Amerikaner weniger zögerlich als die Norweger, den unkonventionell aussehenden Kandidaten durchzulassen. Am Aussehen kann man was machen, meint Randy, und tatsächlich wird Mr. Aiken im Laufe seiner Karriere sein Aussehen noch ganz erheblich verändern.

Jetzt hat er erst einmal eines der heißbegehrten goldenen Tickets nach Hollywood ergattert, aber damit ist er natürlich noch lange nicht im Fernsehen. Zusammen mit über zweihundert anderen Kandidaten muss er über Tage hin in endlosen Vor-, Zwischen- und Endrunden vorsingen, es wird gesichtet und gesiebt. Letztlich gelangt er in die Runde der 32 Kandidaten, die live im Fernsehen vorsingen dürfen, doch er kann die Zuschauer zunächst nicht überzeugen – er fällt durch. Allerdings bekommt er noch eine letzte Chance, er darf zusammen mit 5 weiteren Kandidaten um eine Publikums-Wildcard antreten (wurde die eigentlich extra für ihn erfunden?). Er singt Don’t Let The Sun Go Down On Me, und keine Sorge, das haben sie auch nicht getan. Ganz im Gegenteil, seine Sonne hatte gerade erst angefangen aufzugehen. Und so betritt Pumuckl, Markenzeichen abstehende Ohren, die Bühne von American Idol: Somewhere Out There.

Ja, Pumuckl hat etwas Magisches, man könnte auch sagen etwas Charismatisches. Und er lernt schnell. Nur wenige Wochen später, bei To Love Somebody, sieht er zwar immernoch aus wie Pumuckl, aber der Auftritt erinnert bereits mehr an Frank Sinatra. Ich will’s kurz machen – diese Musik ist ja wahrscheinlich auch nicht so ganz Euer Stil. Überraschenderweise gewinnt Mr. Aiken den Titel NICHT. Er wird mit einem denkbar knappen Rückstand von 0,5% Zweiter. Hinterher wurde von verschiedener Seite angezweifelt, ob das Ergebnis korrekt war. Tatsächlich waren wohl zum Zeitpunkt der Abstimmung die Telefonleitungen und der Wahlcomputer überlastet, viele Clay Fans beschwerten sich darüber, dass sie mit ihrem Anruf nicht durchgekommen seien. Die Produzenten der Sendung gaben später auch an, dass Clay Aiken in allen vorangegangenen Abstimmungen vor dem späteren Sieger Ruben Studdard gelegen habe. Aber letztlich kann das Mr. Aiken auch gleichgültig sein. Er war nach American Idol 2 ein gemachter Mann. Der Gewinner Ruben Studdard hatte dagegen eher bescheidenen Erfolg.

Clay Aiken gilt heute nach Kelly Clarkson und Carrie Underwood als der dritterfolgreichste Teilnehmer an American Idol. Wen es interessiert, der kann sämtliche von ihm gehaltenen Verkaufsrekorde und gewonnenen Preise bei Wikipedia nachlesen. Was mich an der Geschichte des Mr. Aiken so fasziniert hat, ist zweierlei. Zum Einen die unglaubliche Ironie des Schicksals, die sich durch sie hindurchzieht wie ein roter Faden und alle Erwartungen auf den Kopf stellt. Da kommt Mr. Aiken zu seiner Audition herein und antwortet auf die Frage, warum er da sei, achselzuckend und lachend mit den Worten „Well, I am the American Idol“. Das war sicher selbstironisch gemeint, und die Juroren können über diesen Scherz nicht einmal müde lächeln, aber es sollte sich als eine nackte Tatsache entpuppen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs erklärt er dann noch im Rückblick auf American Idol 1, er hätte in dieser Konkurrenz gut der Erste oder mindestens der Zweite sein können (das wurde bei obigem Video herausgeschnitten). Präziser hätte er seine spätere Platzierung nicht voraussagen können.

Und so geht es gerade weiter: Mehr als einmal hat Mr. Aiken in frühen Interviews betont, dass ihm schon klar sei, dass er nicht auf einen Schönheitwettbewerb gehöre. Wo fand einer seiner ersten großen Auftritte nach American Idol statt? Auf einem Schönheitswettbewerb. Natürlich ging es dabei (This Is The Night) nicht um seine eigene Schönheit, aber offensichtlich fanden es die Veranstalter von „Miss America“ nicht unpassend, diesen „hottest guest star ever“ mitten zwischen die geballte „American Beauty“ zu stellen. So furchtbar „hot“ sieht er für meine Begriffe hier ja noch nicht gerade aus, aber das sollte sich auch noch ändern. Anfänglich wirkte es auf mich eher rührend, wie dieser Junge, der eigentlich noch aussieht wie ein halbes Kind, auf der Bühne steht und schmettert, dass die Halle bebt. Schon ein Jahr später wirkt er allerdings merklich gereift, und noch einmal drei Jahre später ist er nicht mehr wiederzuerkennen: Drei Versionen von Solitaire (2003 – 2004 – 2007).

Das Bemerkenswerteste an der Geschichte des Mr. Aiken ist aber wahrscheinlich seine geradezu unglaubliche Transformation vom kopflastigen, spießig-ungelenken Außenseiter (amerikanisch Nerd) zum witzig-unterhaltsamen Frauenschwarm mit Sex-Appeal. Eigentlich sollte man das für unüberbrückbare Gegensätze halten, Mr. Aiken schaffte die komplette Verwandlung innerhalb von etwa drei Jahren. Und hier das Ergebnis: Claymania Anno 2006 mit anschließendem Talkshow-Auftritt. Das hat mich ein wenig an die Metamorphosen des Mr. Anderson erinnert, wobei es da ein paar wesentliche Unterschiede gibt, und das nicht nur, weil die äußerliche Entwicklung der beiden Herren in umgekehrte Richtung verlaufen ist – bei Mr. Aiken spiegelt sie den Effekt von Erfolg und zunehmender Reife wider, bei Mr. Anderson sind die Ursachen wohl eher nachlassender Erfolg und zunehmendes Alter.

Dazu kommt, dass Mr. Aiken nach eigener Aussage kaum Einfluss darauf hat, wie er aussieht. Seine Aufgabe sei es zu singen, um sein Aussehen kümmern sich Andere. Und so kommt es, dass er inzwischen so ziemlich alle Haarfarben, Haarlängen und Frisuren durch hat, da haben sich seine Stylisten nicht lumpen lassen. Hier eine kleine (unvollständige!) Auswahl der Erscheinungsbilder des Mr. Aiken aus den letzten 5 Jahren in etwa chronologischer Reihenfolge. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass er wohl einer der meistphotographierten Männer der letzten Jahre sein muss, und das ist auch nicht weiter verwunderlich. Er ist einfach so ergiebig, denn er sieht ständig anders aus.

Jetzt fehlt aber noch ein wichtiger Aspekt. Oben habe ich geschrieben, Mr. Aiken habe sich vom „Nerd“ (mir fehlt irgendwie das passende deutsche Wort, so eine Art spießiger, zurückgezogener, intellektueller Bücherwurm…) zum „Hottie“ (braucht, glaube ich, keine Übersetzung…) entwickelt. Das stimmt so nicht ganz. Eigentlich ist es eher so, dass er gelernt hat, wie man sich jederzeit bedarfsgerecht vom Einen ins Andere verwandelt. Als ich neulich auf YouTube auf ein Video mit der Überschrift „Clay Aiken = Superman“ gestossen bin, habe ich zuerst gedacht, jetzt sind seine Fans völlig übergeschnappt. Bis mir aufgefallen ist, dass das garnicht so abwegig ist. Es ist vor allem diese rasend schnelle Verwandlung von Clark Kent in Superman, die auch er inzwischen perfekt beherrscht. Dazu kommt die verblüffende Ähnlichkeit der Namen Clark Kent und Clay Aiken. Das hat mir zu denken gegeben. Hier zum Vergleich:

Clark Kent

Superman

Clay Aiken

Superclay

Ist also Mr. Aiken der Superman unserer Tage? Oder geht hier einmal wieder meine überschwängliche Phantasie mit mir durch? Und mit dieser uns alle bewegenden Frage verabschiede ich mich für heute.

Es grüßt Euch ganz herzlich bis zum nächsten Mal Eure Kretakatze

PS.: Passend zu weißen Ostern möchte ich Euch nun doch zum Schluss noch ein kleines Weihnachtslied kredenzen. Natürlich wird es von niemand anderem gesungen als unserem wandlungsfähigen Mr. Aiken. Es heißt Mary, Did You Know, und wenn Ihr Euch noch an John Fogerty und „Mary, Don’t You Weep“ erinnert, dann ahnt Ihr schon, was Euch erwartet. Bleibt mir nur noch Euch einen guten Rutsch in die Sommerzeit zu wünschen…

27.03.2008

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Hallo Ihr beiden Hübchen,

so langsam werde ich wohl die Handbremse betätigen, sonst landet unsere gute Kretakatze auch noch bei der deutschen Variante von „American Idol“, DSDS mit Dieda Bohlen. Also Mark Madlook, oder wie der heißt, kommt mir nicht in mein Blog.

Okay, ich finde Deine „Geschichte“, wie Du es selbst nennst, liebe Kretakatze, rund um diesen Clay Aiken ganz witzig. Sie zeigt, dass so etwas wie der „amerikanische Traum“ durchaus noch möglich ist. Und nicht nur die Karriere von Clay Aiken, er selbst, ist sehr amerikanisch – für mich etwas zu sehr amerikanisch. Ich bestätige gern, dass er eine außergewöhnliche Stimme hat – trotz seiner Schmalbrüstigkeit. Aber alles klingt für mich sehr nach Gospelchor oder Musical. Wobei mir Gospel als solche besser gefallen als der Singsang von Herrn Aiken. Wem das gefällt, okay. Wenn es Dir, Kretakatze, gefällt, so ist das auch okay. Aber da höre ich doch lieber die leicht nasale Stimme von Herrn Anderson (aus alten Tagen, versteht sich).

Superstar? Für viele ist er sicherlich ein Superstar. Und wenn man das Bankkonto von Herrn Aiken einsehen könnte, dann dürfte dieses der Höhe nach das eines Superstars sein. Aber schon allein mit dem Begriff Superstar habe ich meine Probleme (wie vor allem mit dem Begriff Idol). Ian Anderson war und ist nie mein Idol gewesen. Und er selbst wird sich nie als Superstar gefühlt haben. Ich denke, dass das ganze Superstar-Gerede auch ziemlich typisch amerikanisch ist, das sich leider mit den Jahren auch bei uns eingebürgert hat (z.B. DSDSuperstar). Um in Deutschland ein Superstar nach amerikanischem Vorbild zu werden, dann müsste schon jeder zweite Deutsche die Scheiben von einem kaufen.

Natürlich hat uns Kretakatze Clay Aiken auch deshalb präsentiert, weil das anfängliche Äußere des guten Mannes bestimmt nicht die spätere Karriere erahnen ließ. Nun wurde uns durch Dich, Kretakatze, Herr Aiken gewissermaßen in Zeitraffer vorgestellt. Die Bilder aber stammen aus einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren. Da ist der anfangs recht junge Mann schon allein äußerlich gereift (fülliger geworden mit leichtem Bartwuchs). Die Brille wich schon früh einem Satz Kontaktlinsen. Und die großen Ohren wurden dann von längeren Haaren kaschiert. Den Rest besorgten Stylisten. Nein, so verwunderlich findet ich den Wandel gar nicht. Und ein halbwegs forsches Auftreten war schon am Anfang vorhanden, wenn auch noch etwas ungelenk. Aber auch das lässt sich mit der Zeit ‚korrigieren’. – Was mich interessiert: Wie bekannt ist Clay Aiken eigentlich in Deutschland? (Lt. Amazon.de ist der Verkaufsrang von der CD „A 1000 Different Ways“ bei 145205 – da schneidet ja Jethro Tulls „Live in Montreux“ auf Platz 29874 besser ab, die CD, nicht die DVD, die sich weit besser platziert hat – und Medlock/Bohlens Machwerk „Dreamcatcher“ ist z.B. auf Platz 276 bei den CDs) Bisher habe ich von ihm nichts gehört, aber das ist nicht verwunderlich, weil mich diese Art von Musik (samt dem ganzen Klimborium) nicht sonderlich interessiert. Und wenn ich das richtig sehe, so gehen die Verkaufszahlen selbst in den USA doch gewaltig zurück, wenn sie auch noch sehr hoch sind. Clay Aiken ist, so denke ich mir, ein Typ Sänger, der sich schnell ‚verbraucht’. Und ich sage (schreibe) es noch einmal: Da ist mir ein Ian Anderson lieber, der es immerhin auf 40 Jahre Musikerdasein gebracht hat.

Ich selbst, wie in diesem Blog der letzten Tage ablesbar ist, bin musikalisch in die 70-er Jahre abgetaucht. Da ward Ihr beiden noch junge Spunde, wie man bei uns sagt. Das waren natürlich auch die besten Jahre von Jethro Tull. Überhaupt boten besonders die ersten Jahre der 70-er viel erstklassische Musik. Flowerpower und Psychedelische Musik wurden ad acta gelegt. Es wurde experimentiert, Stile gemischt (besonders Jazz und Rock) und viele auch technisch hervorragende Musiker betraten die Bühne. Es wurde – einfach gesagt – wieder Musik gemacht. Der Großteil meiner Plattensammlung stammt aus dieser Zeit. Sicherlich werdet Ihr nicht an allem Gefallen finden, was mich damals begeistern konnte (und was ich heute noch gern höre, wenn vieles auch den etwas indiskreten Charme jener Jahre hat). Da aber viele alte Scheiben technisch aufpoliert den Weg zurück in die Verkaufregale gefunden haben, deutet doch einiges darauf hin, dass diese Musik auch heute noch ihr Publikum findet (und nicht nur bei den alten Hasen).

Ach, Kretakatze hat mich mit ihrem „American Idol“-Kram irgendwie aufs Glatteis gebracht. Und da finde ich den Weg nicht mehr zurück. So soll es für heute genügen.

Und: Kretakatze beginnt sich langsam Sorgen um Lockwood zu machen. Ich weiß nur, dass er vor einigen Tagen seinen 45. Geburtstag gefeiert hat: Und ich habe das glatt vergessen. Tut mir Leid: Von dieser Seite also alles Gute für Dein neues Lebensjahr, Lockwood.

Heute keine Links und keine Bildchen (damit hat uns Kretakatze ja reichlich eingedeckt). Nein, so kann ich mich nicht verabschieden. Hier also ein Video mit einem uralten Micky Maus-Cartoon und … mit Locomotive Breath unterlegt (nun ja, so ganz passt das eigentlich nicht, wenn ich mir auch Herrn Anderson durchaus in der Rolle von Donald Duck vorstellen könnte):


Locomotive Breath – Jethro Tull

Man liest voneinander
Viele Grüße aus der norddeutschen Tiefebene
Euer Willi

P.S. Lockwood – ein Lebenszeichen, bitte! Nur ein kurzes Lebenszeichen!

28.03.2008

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Meine lieben Freunde,

ich schäme mich. Ich schäme mich dafür, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe. Das ist wirklich kein guter Stil. Eure Sorge um mich rührt mich, sie ist aber Gottseidank unbegründet; es geht mir ganz gut. Zwar hatte ich wie wir alle mit den Tücken des Alltags zu kämpfen, aber eigentlich bin ich ok.

Zu Eurem aktuellen Thema „DSDS“ möchte ich auch noch meinen Senf zugeben:
Ich habe die letzten Sendungen der laufenden Staffel in Ausschnitten gesehen. Und ich muss sagen: Die Kandidaten, die jetzt noch im Rennen sind (zurzeit acht) sind alle jung, attraktiv und sehr gut bei Stimme. Besonders die Mädels. Trotzdem oder gerade deswegen kann ich mich nicht für sie erwärmen. Sie sind sich alle zu ähnlich, zu kompatibel. Es sind keine „Typen“ darunter. Sie scheinen alle aus der selben Form gegossen. Wer aussieht wie Tom Waits oder Shane MacGowan und es trotzdem schafft, der ist ein Superstar. Und wenn man schon das Pech hat, gut auszusehen, sollte man sich durch besondere Fähigkeiten unverwechselbar machen, wie z.B. Kate Bush.

Tom Waits (von dem ich durch Wilfried zum ersten Mal hörte) ist wirklich ein interessanter Typ, weit weg von jedem Mainstream, äußerlich wie inhaltlich. Nach Mr. MacGowan ist er vielleicht der häßlichste Mann, der sich je dem Rampenlicht ausgesetzt hat. Diesem Neandertaler-Schädel sind aber einige schöne Melodien entsprungen. So entstammt z.B. Springsteens „Jersey Girl“ Waits’ Feder. Mir als agnostischem Pseudo-Katholiken gefällt auch sein Chocolate Jesus .

Ansonsten hat sich bei mir in Sachen Musik nicht viel getan. In einem bekannten Internet-Auktionshaus habe ich für eine Handvoll Euros ein CD-Album der Don Kosaken ersteigert. Dieses Album habe ich seit ca. 25 Jahren auf Vinyl, aber deren Qualität wird im Laufe der Jahrzehnte nicht besser. CDs sind halt auch praktischer. Es packt mich jedesmal, wenn ich diesen Chor höre. Hier könnten die Superstars dieser Welt lernen, wozu die menschliche Stimme in der Lage ist.

Lieber Wilfried, vielen Dank für Deine guten Wünsche zu meinem Geburtstag ! Der Zahl nach bin ich der Jüngste von uns Dreien, aber nachdem ich heute vier Fahrräder und zwei Autos geputzt habe, schmerzt mein Rücken wie bei einem Greis. Na ja, das vergeht auch wieder.

Ich beende mein Schreiben mit einem Gefühl der Erleichterung. Das schlechte Gewissen ob meiner langen Abwesenheit ist erst einmal wieder besänftigt. Habt Dank für Eure Treue !

Es grüßt Euch herzlichst
Lockwood

29.03.2008

English Translation for Ian Anderson

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