Demontage einer Lichtgestalt?!

Ich gebe zu, in meinen Beiträgen hier manchmal die Gänsefüßchen, Tüddelchen bzw. Anführungszeichen zu vergessen, wenn ich fremd zitiere (ich setze es oft dafür in kursive Schrift), immerhin verlinke ich auf die zitierten Textstellen.

Den kleinen Teilbeitrag zu den zu Guttenbergschen Plagiatsvorwürfen, den ich gestern veröffentlicht habe, verfasste ich bereits am Mittwoch. So war ich gestern doch überrascht, welchen Medienrummel dieses Thema verursachte. Zunächst hielt ich den Hype für übertrieben und gar die ‚Hetzjagd’ im Netz (Nutzer suchen online nach Guttenberg-Plagiaten) für überzogen. Inzwischen denke ich, dass es mehr als Not tun, dem Freiherrn das Handwerk zu legen. Der sich selbst stilisierende Biedermann muss entlarvt werden.

Sicherlich kann es passieren, dass man bei Fremdzitaten die Anführungsstriche und die entsprechenden Fußnoten vergisst. Gerade heute im Zeitalter des Internets, in dem man Texte aus dem Netz nur zu markieren, kopieren und an gewünschter Stelle einzufügen braucht, kann man schnell den Fremdverweis unterschlagen. Aber wer in mindestens 23 Fällen Fremdzitate als eigene ausgibt, muss sich den Vorwurf des Plagiats gefallen lassen. Im Fall zu Guttenberg wiegt dabei besonders schwer, „dass er selbst in den bewertenden Teilen der Arbeit, die ganz besonders nach einer Eigenleistung des Autors verlangen, fremde Einschätzungen übernommen hat.“ Quelle: Financial Times Deutschland

Nun es geht nicht allein um Plagiate. Es geht um die Person zu Guttenberg. Es ist schon erstaunlich, wie dieser Mann innerhalb kürzester Zeit zum ‚beliebsteten’ Politiker in Deutschland aufsteigen konnte: „… Berichterstatter, wie etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung, kritisierten die ‚Hofberichterstattung’ einiger Medien wie Spiegel Online. Sähe man genauer hin ‚dann fällt auf, dass Karl-Theodor zu Guttenberg für blanke Selbstverständlichkeiten gepriesen wird’.[1] Die Zeit resümierte, dass für Guttenberg in der ‚Kluft zwischen öffentlicher Bewunderung und politischer Bilanz’ die Gefahr läge: ‚Wie soll er die Projektionen mit seinen realen Möglichkeiten je zur Deckung bringen?’ Bislang versuche er ‚mit demonstrativer Unterstützung des Boulevards’ diese ‚Differenz zwischen Schein und Sein durch Inszenierung und Imagebildung zu überspielen.’ Auf den irrealen Hoffnungen, die sich an seine Person knüpfen, antwortet er mit Selbststilisierung’. [2]

Zitiert aus de.wikipedia.org/

Besonders erstaunlich ist mir zu Guttenbergs rein „taktisches Verhältnis zur Wahrheit“. Sagt er heute A, dann sagt er morgen durchaus B, wenn dies seine Popularität steigert. Hier sind als Stichworte Opel, Kundus und Abschaffung der Wehrpflicht genannt. „Wenn er es für opportun hält, wechselt der Freiherr seine Ansicht so schnell wie seine Anzüge“ (Thomas Reichart, ZDF-Hauptstadtstudio)

Zu Guttenberg ist vor allem von der Boulevardpresse gepusht worden, allen voran von der BILD. Und da ist nicht verwunderlich, die Kolumne des Herrn Franz Josef Wagner zu lesen: Post von Wagner: Lieber Dr. zu Guttenberg. Eigentlich müssten dem Herrn zu Guttenberg solche Unterstützung peinlich sein (F. J. Wagner: „Ich habe keine Ahnung von Doktorarbeiten. Ich flog durchs Abitur und habe nie eine Universität von innen gesehen. Also, ich kann von außen sagen: Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor.“), aber wenn es hilft, dadurch weiter bei einer breiten Wählerschaft beliebt zu bleiben, dann akzeptiert man auch solchen ‚Scheiß’.

Ich war versucht, diesen Beitrag „Faustus zu Guttenberg“ zu betiteln. Faust sehe ich dabei als karrieregierigen Scharlatan, dem jedes Mittel recht ist, an Macht und Geld (evtl. und auch an Frauen) zu kommen. Der erbärmliche Berlusconi ist hierfür ein Beispiel. Notfalls verkauft man dem Teufel hierfür auch seine Seele. Ist auch zu Guttenberg so ein moderner Faust? Seine Ziele sind eindeutig: Er will eines Tages zumindest Bayerns Ministerpräsident werden, eher noch Bundeskanzler. Davor behüte uns Gott!

„Guttenbergs Reden sind oft moralisch durchtränkt. Hier gibt einer Maßstäbe vor, für sich, für andere, ja für alle. Diesen Maßstäben wird er einmal mehr nicht gerecht.“ (Mitteldeutsche Zeitung) Aber trotzdem: Wie viele andere Politiker, so wird sich auch der Herr zu Guttenberg, zwar mit Blessuren, aber am Ende doch eher ungeschadet aus dieser Affäre ziehen. Man darf gespannt sein, mit welchen Tricks sich der Freiherr aus dieser zu winden verstehen wird. Die Lichtgestalt kommt ins Wanken, aber fällt sie auch …?

Und noch ein Fremdzitat: „Viel Stil, weniger Substanz. Nicht immer hundertprozentig im Thema, aber stets eloquent und gut gekämmt. Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Meister der Symbolpolitik, vielleicht der Prototyp des Medienpolitikers unserer Zeit. Aber wer Erwartungen weckt, die niemand erfüllen kann, dem fallen sie irgendwann auf die Füße.“ (Lausitzer Rundschau)

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.