Kontrastprogramm

Seit gestern gastiert Ian Anderson mit seiner Band in Deutschland (mit Abstechern in die Schweiz usw.), um beide Teile von Thick as a Brick aufzuführen. Inzwischen gibt es im Netz mehrere Mitschnitte von Konzerten aus England, u.a. aus der Symphony Hall im Birmingham vom 30.04.2012. Ich selbst habe in einen Mitschnitt aus der Newcastle City Hall vom 17.04.2012 hineingehört (Download z.B. via μtorrent möglich).

Die Aufnahmen sind zwar nicht berauschend, aber doch gut genug, um einen Eindruck von den Auftritten zu bekommen. Soviel möchte ich dazu hier und jetzt sagen:

Nachdem ich bereits erste Videos gesehen habe, die mich leider enttäuschten, fand ich das gehörte Konzert doch besser als erwartet. Wenn man mit einer nicht zu großen Erwartungshaltung ins Konzert geht, besonders was die gesanglichen Leistungen des Meisters betreffen (damit auch gleich genug zu diesem Thema), dann wird man mit Sicherheit einen guten Abend mit Anderson und seinen Jungs erleben. Hier noch einmal:


Ian Anderson Thick As A Brick 2012 Liverpool Philharmonic Hall

Gut, auf den Aufnahmen scheppert mir das Schlagzeug etwas zu blechern. Das dürfte aber im Wesentlichen an der Aufnahme selbst liegen. Das Zusammenspiel aller ist noch nicht immer hundertprozentig, sollte aber von Abend zu Abend besser werden. Ryan O’Donnell, der besonders beim ersten Teil (1972er TAAB) längere Parts im Wechsel mit Ian Anderson singt, offenbart einige stimmliche Schwächen. Er ist eben kein Ian Anderson früherer Jahre. Dafür bin ich über die instrumentale Dynamik bei TAAB2 positiv überrascht.

Hier ein kleiner Zusammenschnitt aus TAAB1 vom Konzert in Newcastle. Natürlich ist es nicht das absolute Gelbe vom Ei. Aber wenn die Life-Atmosphäre hinzukommt, dann sollten die Konzerte in Deutschland schon ganz okay werden. Allen Karteninhabern wünsche ich auf jeden Fall viel Spaß:


Jethro Tull’s Ian Anderson: Thick as a Brick (Ausschnitte aus einem Konzert vom 17.04.2012 in der Newcastle City Hall/Newcastle Upon Tyne/England)

Band:
Ian Anderson – Vocals, Flute, Acoustic Guitar
David Goodier – Bass Guitar
Scott Hammond – Drums, Percussion
John O’Hara – Keyboards, Accordion
Florian Opahle – Electric Guitar
Ryan O’Donnell – Additional Vocals, Theatre

First Set
01 Intro
02 Thick As A Brick (Part 1)
03 Weather Report And Prostate Cancer Awareness
04 Thick As A Brick (Part 2)

Second Set
01 Intro
02 From A Pebble Thrown
03 Pebbles Instrumental – Might-have-beens
04 Upper Sixth Loan Shark – Banker Bets, Banker Wins
05 Swing It Far
06 Adrift And Dumfounded
07 Old School Song
08 Wootton Bassett Town
09 Power And Spirit – Give Till It Hurts
10 Cosy Corner – Shunt And Shuffle
11 A Change Of Horses
12 Confessional
13 Kismet In Suburbia
14 What-ifs, Maybes And Might-have-beens
15 Band Intros And Concert Outro

Sicherlich werden einige von uns Martin Barre (besonders bei TAAB1) vermissen. Der hat eine eigene Band zusammengestellt – Martin Barre’s New Day – und präsentiert mit dieser die Musik von Jethro Tull. Die Band besteht aus:

Martin Barre – guitar
Pat O’May – guitar/vocals
John Mitchell – vocals/guitar
John Noyce – bass
Frank Mead – flute/sax./harmonica/vocals
Geoff Dunn – drums

Am 10. Juli kommt er nach München und tritt im Bayerischen Hof auf. Weitere Termine gibt es zz. nur für den Herbst und da auch nur für England. Barre bietet gewissermaßen das Kontrastprogramm zu Ian Andersons TAAB2-Tour. Während Anderson den Konzertmeister mimt, präsentiert sich Martin Barre’s New Day noch als echte Rockband. Das fetzt dann schon etwas anders als bei Anderson, auch wenn es sicherlich Geschmackssache ist, statt der Flöte ein Saxophon zu hören. Das Sopransaxophon erinnert mich an Andersons ‚Versprechen’, nie mehr Saxophon spielen zu wollen – der Auftritt kommt hier also einer Provokation gleich. Die Gesangsleistungen von Herrn Mitchell sind sicherlich auch nicht die tollsten. Sein Stimmumfang ist ziemlich reduziert. Und doch klingt das für mich deutlich besser als bei Herrn Anderson. Vielleicht mag ich es einfach etwas ‚dreckig’ und weniger steril.

Bei YouTube gibt es einige ganz interessante Aufnahmen von Martin Barre und seinen Mitstreitern, die ebenfalls im April d.J. aufgenommen wurden:


Martin Barre’s New Day: To Cry You a Song (Tavistock, April 2012)


Martin Barre’s New Day: Teacher (Tavistock, April 2012)


Martin Barre’s New Day: Minstrel in the Gallery (Tavistock, April 2012)

Sollte Martin Barre’s New Day in nächster Zeit einmal in die Nähe meines Wohnortes kommen (z.B. Hamburg und die Fabrik wären schön), dann werde ich dabei sein. In einem nicht allzu großen Club zu zivilen Preisen (für Anderson & Co. muss man ab 40 € aufwärts bis zu über 70 € auf den Tisch legen) und mit einer Kanne gepflegten Bieres in der Hand: das könnte mir gefallen!

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.