WM 2014: Sieg, Unentschieden oder Niederlage!

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.

    (Jean-Paul Sartre)

Passend zur laufenden Fußballweltmeisterschaft in Brasilien kann ich es wieder einmal nicht lassen, altbekannte Weisheiten der Herren Fußballspieler zu wiederholen. Okay, ich habe bisschen daran herumpoliert, aber die Sprüche sind immer noch die selben.

Nun seit einer Woche rollt der Ball in Brasilien …! (Na, wohin rollt er denn …? Ich hoffe ins Tor!) Und man darf sich weiterhin auf gelungene Spielzüge, ‚verlängerte Pässe’ (nein, nicht Reisepässe), schöne Tore und – auf neue gelungene Sprüche der Fernsehkommentatoren und manchen Fauxpas der Spieler in den Interviews freuen.

    FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

Wenn der Ball ins Rollen kommt, dann wissen wir als Fußballkenner, dass es „nur eine Möglichkeit“ für eine Fußballmannschaft gibt, nämlich: „Sieg, Unentschieden oder Niederlage!“ – so hat es „Kaiser“ Franz Beckenbauer sehr schnell erkannt. „Am Ergebnis wird sich nicht mehr viel ändern, es sei denn, es schießt einer ein Tor.“ (gleichfalls Franz Beckenbauer, diesmal als Co-Kommentator) Das grenzt an höhere Mathematik.

Zunächst zu den Kommentatoren des Fernsehens und ihren Sprüchen. Im Eifer des Gefechts leisten sich da die Sportreporter schon so manchen verbalen Schnitzer, der, einmal ausgesprochen, diesem ewig anhängt. Gerd Rubenbauer brachte es auf eine ansehnliche Sammlung („Die Paraguayer foulen wie Lepra-Kranke!“, „Die Rudi-Rufe hat es vorher nur für Uwe Seeler gegeben.“ usw.), besonders sein Jubel über das 1:0 der deutschen Mannschaft bei der WM 1990 in Italien im Endspiel dürfte Fußballfreunden in Erinnerung geblieben sein: „Jaaaa! Tor für Deutschland! 1:0 durch Andreas Brehme. Alles wie gehabt!“. Bei der WM 1998 in Frankreich wunderte sich Rubenbauer: „Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!“ – dabei zeigte der FIFA-Beauftragte lediglich eine Minute Nachspielzeit an.

Natürlich bemühen sich Sportreporter besonders geistreich zu sein. Mancher Witz ergibt sich oft spontan und endet als Kalauer – wie bei Wolf-Dieter Poschmann: „Von Jürgen Kohler, den sie alle nur Kokser nennen, zurück zum heutigen Gegner Kolumbien – eine gelungene Überleitung wie ich finde.“

Geradezu bissig waren dann Kommentare wie die von Marcel Reif: „Wenn Sie dieses Spiel atemberaubend finden, haben sie es an den Bronchien.“ – oder Johannes B. Kerner: „Wenn man Gelb hat und so reingeht, kann man nur wichtige Termine haben.“

Um Kommentator zu sein, bedarf es schon einer gewissen Intelligenz und der Fähigkeit, sich halbwegs verständlich auszudrücken. Von einem Fußballspieler erwartet man in erster Linie, dass er Fußball spielen kann. Sicherlich gibt es Spieler, die mit Köpfchen spielen, bei anderen reichen die Füße: „Ich denke nicht vorm Tor – das mach ich nie!“ (Lukas Podolski). Die mit Köpfchen (im Sinne von Verstand) sind wohl nicht die Regel, eher die wie Poldi – Ausnahmen bestätigen aber die Fußballregel: „Ich werde sicher nebenbei studieren, damit ich nicht komplett verblöde.“ So Alessandro Riedle, Sohn des Ex-Nationalspielers Karlheinz Riedle.

Aber bleiben wir noch einmal kurz bei denen mit Köpfchen: Von Albert Camus, dem Kollegen von Jean-Paul Sartre (siehe oben den einleitenden Spruch), wissen wir, dass er in jungen Jahren Torwart beim Fußballverein Racing Universitaire d’Alger, immerhin mehrmals Meister in den französischen Gebieten Nordafrikas, war. Aber Philosophen sind weniger Fußballspieler – eher umgekehrt.

Es gibt natürlich auch Fußball-Philosophen, über die ich mich an anderer Stelle schon einmal etwas ausführlicher geäußert habe. Hier möchte ich in diesem Zusammenhang lediglich Gary Lineker zu Wort kommen lassen, der die Philosophie des Fußballs mit nur einem Satz zu erklären verstand: „Fußball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ – Okay, den Spruch kennt inzwischen jeder.

Kommen wir zu den eigentlichen Fußballersprüchen, also zu jenen Artikulationsversuchen von Fußballspielern, aber auch Trainern und sonst wie tätigen Fußballverantwortlichen. Nein, auch diesmal keine Sprüche von Thomas Doll. Auch nicht von Christoph Daum (zu Trapattoni, heute betreut er die Fußballauswahl der Vatikanstadt (Halleluja!), habe ich mich früher schon kurz geäußert: Trapattoni: Ich schon wieder da).

Besonders schön sind wieder einmal Sprüche mit Drehern, d.h. „geflügelte Worte“ bzw. Zitate, in denen Begriffe verdreht wurden:

Der krempelt die Arme hoch.
(Reiner Calmund)

Wir müssen das alles noch mal Paroli laufen lassen.
(Horst Hrubesch)

Das ist Schnee von morgen.
(Jens Jeremies)

Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
(Rudi Völler)

Uns steht ein hartes Programm ins Gesicht.
(Andreas Brehme)

Fußball ist natürlich oft auch Leiden, besonders bei Niederlagen:

Fußball ist auf der Bank ein Leidensgeschäft. Ich bin leidender Angestellter hier in Nürnberg.
(Klaus Augenthaler, Trainer)

Schlimm ist dieses Gejammer. Tut hier weh, tut da weh. Aber solange Sie das Handy halten können, muss ja noch genug Kraft da sein.
(Werner Lorant)

Wir steigen jetzt in den Bus ein und heulen im Kollektiv. Dann fallen wir uns in die Arme. Dann ist es vergessen.
(Dietmar Demuth nach einer 0:4-Niederlage des FC St. Pauli bei Energie Cottbus)

Fußballersprüche

… und der Rest kreuz und quer:

Ich glaube, die Mannschaft hat sich im Trainingsplan in der Spalte geirrt. Tag der offenen Tür ist erst am Sonntag.
(Stuttgart-Trainer Ralf Rangnick zum 0:4 gegen Freiburg)

Ich habe 2 1/2 Jahre bei Young Boys Bern, 6 Monate bei Lierse und 53 Minuten bei Duisburg gespielt.
(Mini Jacobsen)

Ich bleibe auf jeden Fall wahrscheinlich beim KSC.
(Sean Dundee)

Luis Figo ist ganz verschieden zu David Beckham – und umgekehrt.
(Kevin Keegan)

David Beckham hat zwei Füße – das haben heutzutage nicht mehr viele Spieler.
(Jimmy Hill)

Wenn du so gerne das Fähnchen schwenkst, dann such dir doch ’nen Job am Flughafen.
(Eric Meijer zum Linienrichter)

Pässe der Marke Lothar Matthäus – da möchte man Ball sein.
(Johannes B. Kerner, Reporter)

Ich bin sicher, daß ich in vier oder sechs Wochen Interviews auf Englisch geben kann, die auch der Deutsche verstehen wird.
(Lothar Matthäus)

Wenn jeder Spieler 10 Prozent von seinem Ego an das Team abgibt, haben wir einen Spieler mehr auf dem Feld.
(Berti Vogts)

In der Mitte, da sind sie vierbeinig.
(Karl-Heinz Rummenigge über die Abwehr von Luxemburg)

Wenn man über rechts kommt, muß die hintere Mitte links wandern, da es sonst vorn Einbrüche gibt.
(Karl-Heinz Rummenigge)

Da sieht man mal wieder, wie schnell 100 Jahre um sind.
(1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser zur Prophezeiung von Franz Beckenbauer, dass die Löwen noch 100 Jahre auf einen Sieg gegen den FC Bayern warten müssen)

Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war’s mir wurscht. Da hab i g’sagt: „Sauft’s weiter.“
(Max Merkel)

Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf – wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
(Reiner Calmund)

Vergangene Woche gegen Piräus hat er auf einer für ihn ungewohnten Position gespielt und brauchte anschließend einen Kompass, um in die Kabine zu kommen.
(Reiner Calmund über Neuzugang Hanno Balitsch)

Wir werden nur noch Einzelgespräche führen, damit sich keiner verletzt.
(Frank Pagelsdorf, Trainer)

Unbegreiflich, ich habe keinen Spurt von ihm gesehen.
(Werner Lorant über einen Muskelfaserriss seines Spielers Borimirov)

Im ersten Moment war ich nicht nur glücklich, ein Tor geschossen zu haben, sondern auch, dass der Ball reinging.
(Mario Basler)

Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meinte: ein Quartett.
(Fritz Walter jun.)

Ich hab´ spekuliert, was ich machen soll. Offensichtlich habe ich gut spekuliert, aber nicht getroffen.
(Peter Közle über zwei hundertprozentige Torchancen, die er beide vergab)

Der Trainer hatte nach den ganzen Ausfällen im Angriff nur noch die Wahl zwischen mir und dem Busfahrer. Da der Busfahrer seine Schuhe nicht dabei hatte, habe ich gespielt.
(Eintracht Frankfurts Torschütze Jan-Aage Fjörtoft zu den Gründen für seinen ersten Saisoneinsatz von Beginn an)

Elfmeter ist nicht das, was man von der Tribüne aus sieht. Elfmeter ist das, was ich auf dem Platz sehe.
(Schiedsrichter Markus Merk zu seinen Elfmeter-Pfiffen)

Wir wollten unbedingt einen frühen Rückstand vermeiden. Das ist uns auch gelungen. Der VfB Stuttgart hat in den ersten zweieinhalb Minuten kein Tor geschossen.
(Bernd Krauss)

Weitere schöne, geradezu klassische Fußballsprüche findet man u.a. hier:

fussballweisheiten.de

    „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“
    (Andreas Brehme)

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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