Nein, so doch nicht … (3): Schöngeredet

    Auch die Geschäftsführung der SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA legte den Vereinsmitgliedern am Montagabend die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres vor, das am 30.06.2014 endete. Die Geschäftsführung konnte dabei in der Spielzeit 2013/2014 auf eine Steigerung der Gesamterträge auf 91,3 Mio. Euro (im Vorjahr 87,9 Mio Euro) und ein Nachsteuerergebnis von – 9,8 Mio. Euro verweisen. (Quelle: werder.de)

Ich hatte es bereits am Montag angekündigt und will mich heute etwas ausführlicher zur Finanzsituation des Bundesliga-Fußball-Vereins SV Werder Bremen äußern. Anlass hierzu war die ebenfalls am Montag stattgefundene jährliche Mitgliederversammlung, bei der der Verein seine wirtschaftlichen Eckdaten präsentierte. Danach ergibt sich eine nahezu ausgeglichene Bilanz, mit einem geringen Verlust von – 5.241 Euro und einen konstanten Umsatz mit 3,7 Mio. Euro (im Vorjahr 3,8 Mio. Euro). So steht’s bei werder.de.

Am Ende kommt man dann bei Werder aber auf einen satten Verluste von 9,8 Millionen Euro. Schuld daran sind u.a. Abschreibungen aus Transfers. Ansonsten, so beteuerte Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, wäre Werders wirtschaftliche Grundkonstitution als weiterhin gut zu beschreiben: „Wir sind nicht arm und nicht reich. Wir sind gesund und liquide.“

Das mag für den Augenblick zutreffend sein, aber wohl kaum für die Zukunft. Ich will hier nicht auf Einzelheiten eingehen, das wurde von Marc Hagedorn vom Weser-Kurier in seinem Bericht Gute Zahlen, schlechte Zahlen (vom 20.11.2014) hinreichend beschrieben (siehe auch: twitlonger.com). Ergänzendes findet sich im Bericht des Weser-Kuriers vom 24.11.2014: Minus noch größer als befürchtet (siehe auch hier: twitlonger.com).

Soviel sei aber gesagt: Die Rücklagen von einmal 40 Millionen sind durch diesen bereits dritten Jahresverlust in Folge (Wirtschaftsjahr 2011/12 –13,9 Mio / Wirtschaftsjahr 2012/13 –7,9 Mio und jetzt für 2013/14 –9,8 Mio) fast dahingeschmolzen. Wenn Werder auf seiner Website wie eingangs erwähnt schreibt: „Die Geschäftsführung konnte dabei in der Spielzeit 2013/2014 auf eine Steigerung der Gesamterträge auf 91,3 Mio. Euro (im Vorjahr 87,9 Mio Euro) und ein Nachsteuerergebnis von – 9,8 Mio. Euro verweisen.“, dann klingt das in meinen Ohren äußerst geschönt (man könnte das Minuszeichen fast als Bindestrich interpretieren).

SV Werder Bremen: Umsätze und Gewinne/Verluste 2005 - 2014
SV Werder Bremen: Umsätze und Gewinne/Verluste 2005 – 2014

Es sind neben dem Ausbleiben des sportlichen Erfolgs einige Knackpunkte, die Werder in diese Situation gebracht haben. Noch verfügt der Verein über ein angemessenes Eigenkapital. Aber der Trend geht weiterhin bergab. Man bedenke nämlich, dass die Bundesliga boomt wie nie zuvor, dass die Gelder fließen – nur Werder bekommt davon wenig ab, eben mangels sportlichen Erfolgs.

Zudem fehlen Werder die Erlöse aus Spielerverkäufen. Aaron Hunt verließ wie zuvor Lukas Schmitz und Tim Wiese den Verein ablösefrei. Andere vermeintlich lukrative Transfers waren sowohl sportlich wie finanziell Verlustgeschäfte, z.B. Marko Arnautovic und Mehmet Ekici. Als weitere Pleiten dürften sich Eljero Elia, Nils Petersen und Makiadi erweisen. Um nur einige Namen zu nennen. Eigentlich ist Werder gezwungen, vermehrt nach ablösefreien Spielern zu suchen. Aber nun ist man sogar bereit, sich auch zu verschulden, um endlich den oder die Spieler zu holen, die den Verein sportlich wieder nach vorn bringen (u.a. ist ein linker Verteidiger im Gespräch). Welche auch immer das sein werden, sollten die sich dann als weitere Reinfälle erweisen, dann ist neben dem sportlichen auch der finanzielle Niedergang perfekt.

Ein Knackpunkt ist sicherlich auch das Weserstadion, das für 80 Millionen Euro umgebaut wurde. Vielleicht hätte man tatsächlich für das Geld ein dann auch noch größeres Stadion auf der anderen Weserseite neu erbauen können. Als der Umbau begann, war die sportliche wie finanzielle Lage in Bremen eine noch weitaus bessere. Die Zahlen die damals entwickelt wurden, stimmen heute einfach nicht mehr.

Werder braucht also Geld, braucht strategische Partner. Klaus-Dieter Fischer, scheidender Vereinspräsident und nun Ehrenpräsident sagte dazu: „Denkt über einen strategischen Partner oder Investor nach, ohne die Seele von Werder Bremen zu verkaufen.“

    100 % SV Werder Bremen

Mit Erreichen der dritten Runde im DFB-Pokal steht Werder immerhin schon einmal besser da als in den Vorjahren. Vom Vermarkter Infront gibt’s eine dicke Einmalzahlung von etwa acht Millionen Euro. Und auch die Vertragsverlängerung mit dem Ausrüster Nike zu verbesserten Konditionen zahlt sich jetzt aus. Trotz Imageeinbuße möchten man auch weiterhin nicht auf die Wiesenhof-Gelder verzichten.

„Dazu besitzt der Klub die Möglichkeit, Anteile an der Werder GmbH & Co. KG aA zu verkaufen. Schätzungen gehen davon aus, dass Werder 250 Millionen Euro wert ist. Ein Aktionär, der zehn Prozent kauft, müsste also um die 25 Millionen Euro dafür lockermachen. Aktionären mit mindestens 20 Prozent Beteiligung würde ein Sitz im Aufsichtsrat zustehen.“ Auch steht noch das Tafelsilber wie Stadionname oder Markenrechte zur Veräußerung bereit. Aber das sind Finanzquellen, mit deren Erschließung sicherlich auch „die Seele von Werder Bremen“ verkauft werden würde.

Nach Wiesenhof und möglicher Verschuldung durch Spielereinkäufe wäre das dann allerdings schon fast der nächste ‚logische’, wenn auch verhängnisvolle Schritt. Nein, so dann bitte doch nicht …

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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