Kategorie-Archiv: Tatort

Tatort-TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Tatort (600) aus Bremen: Scheherazade (2005)

Es sind jetzt 14 Jahre her, dass sich die Terroranschläge vom 11. September ereigneten. Vier Jahre danach wurde in der ARD die Tatort-Folge (600) Scheherazade ausgestrahlt, die diese Anschläge thematisierte.

Zu den Anschlägen vom 11. September haben sich viele Verschwörungstheorien entwickelt. Deren Vertreter gehen meist davon aus, dass die US-Regierung und/oder ihre Geheimdienste die Anschläge wissentlich zugelassen oder selbst durchgeführt haben. Eine dieser Theorien, nämlich die These von einer „kontrollierten Sprengung“ (controlled demolition) der eingestürzten WTC-Gebäude mit heimlich platzierten und gezündeten Explosivstoffen, ist Ausgangspunkt der Tatort-Folge aus Bremen mit den Ermittlern Inga Lürsen und Nils Stedefreund. Hinzu kommt, dass mehrere der Attentäter zuvor in Hamburg lebtenund dort zu einer Gruppe islamistischer Studenten an der Technischen Universität Hamburg-Harburg gehörten. Sie sollen nach Zeugenaussagen dort als „Hamburger Terrorzelle“ seit Frühjahr 1999 die Anschläge auf das WTC und das Pentagon zu planen begonnen haben.

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Völlig verängstigt taucht eine junge Frau im Kommissariat von Inga Lürsen und Stedefreund auf. Nach einer langen Nacht, kurz bevor ein Täter endlich gestehen will, platzt sie mitten in das Verhör. Der Täter schweigt wieder.

Hauptkommissarin Inga Lürsen ist genervt und müde. Manu berichtet von einem brutalen Mord an ihrem Freund, aber Inga Lürsen glaubt ihr nicht. Für sie ist Manu eine Märchenerzählerin wie Scheherazade. Bereits vor Jahren hat sie Manu mit einem Geständnis überführt, für Totschlag im Drogenmilieu, und schon damals erzählte Manu oft Geschichten und nur selten die Wahrheit. Aber Manu lässt nicht locker, sie beharrt darauf, dass ihr Freund in den Terror um den 11. September verwickelt war. Nur Stedefreund – fasziniert von dieser Frau – ist bereit, sich auf ihre Behauptungen einzulassen. Er überredet Inga Lürsen, gemeinsam mit Manu zu der Wohnung zu fahren, in der die Leiche liegen soll; doch die Kommissare finden nichts – keine Leiche, keine Spuren, keinerlei Hinweise auf Manus Geschichte. Aber Stedefreund will der Geschichtenerzählerin glauben.

Nur für Inga scheint der Fall ganz klar, bis plötzlich ihre alte Liebe auftaucht, und dann muss auch sie sich für eine Wahrheit entscheiden.


Tatort (600) aus Bremen: Scheherazade (2005)

Nun die Tatort-Serie beschäftigt sich immer wieder mit aktuellen Themen. So wagte man sich in Bremen gut drei Jahre nach den Ereignissen vom 11.09.2001 an den brisanten Stoff. Christian Jeltsch schrieb das Buch. Er zeichnete auch für andere Vorlagen mit aktuellen politischen Motiven verantwortlich. Regie führten Peter Henning und Claudia Prietzel. Erwähnenswert ist auch die hervorragende Kameraarbeit von Ngo The Chau, der hierfür den Deutschen Fernsehpreis 2005 (Beste Kamera) und den Deutschen Kamerapreis (Fernsehspiel) bekam.

Am Ende bleibt dieser Fall zwangsläufig ungeklärt. Auch von dem Toten gibt es keine Spur. Aber der Zuschauer weiß, dass hier ‚höhere Interessen‘ eine Rolle spielen. Was als Zufall erschien, war von langer Hand geplant. Natürlich ist alles Fiktion. Aber wie die Wirklichkeit aussieht, wissen nur die wenigsten.

Tatort und Fußball

Vor dem Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2016 der deutschen Mannschaft gegen Polen am letzten Freitag schaute ich mir noch die Tatort-Folge 805 aus Ludwigshafen (2011) an: Im Abseits. Gerwissermaße als Einstimmung auf das Fußballspiel. Diese Folge wurde anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 gezeigt und hat Gastauftritte einiger prominenter Vertreter des DFB (neben Theo Zwanziger, dem damaligen DFB-Präsidenten, auch Joachim Löw, Steffi Jones u.a.). Es geht dabei um den Mord ein einer Fußballspielerin:

Die Frauenfußballmannschaft vom FC Eppheim ist beim Training, während die attraktive Fadime Gülüc ein Fotoshooting hat. Der Fotograf möchte, dass sie auch in aufreizenden Dessous posiert. Sie lehnt das zunächst ab, willigt dann aber doch ein. Nach dem Duschen wird sie erschlagen aufgefunden.

Allzu aufregend ist dieser Fall zwar nicht (am Ende ist der Platzwart der Täter), vor allem der Auftritt der DFB-Oberen hat eher etwas Peinliches. Aber immerhin gibt es da einen kleinen Gag, den sich die Ausstatter des Films geleistet haben. Als Abonnent des Magazins für Fußballkultur 11 Freunde fiel es mir natürlich gleich ins Auge. Als Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal den verdächtigen Manager des Vereins verhört, sieht man sie vorn auf einem Tisch liegen: nein, keine Ausgaben von 11 Freunde, sondern Ausgaben von 11 Freundinnen.

Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal – 11 Freund/innen

Anschließend legte also die deutsche Fußballnationalmannschaft los und siegte mit 3:1 gegen die Polen. Es war ein ansehnliches Spiel mit kleinen Schönheitsfehlern in der Abwehr. Heute in Glasgow gegen die Schotten kann man alles klarmachen für die Qualifikation zur EM im nächsten Jahr in Frankreich.

UEFA Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich

Es reichte zwar nur zu einem 0:0 gegen Kasachstan: Aber neben Gastgeber Frankreich, den Engländern und Tschechen haben es auch die Isländer in Gruppe A geschafft: Bereits nach acht von zehn Spieltagen haben sie sich für die EM 2016 qualifiziert. Glückwunsch! Dagegen muss der WM-Dritte, die Niederlande, um eine Qualifikation bangen. Nach der 0:3-Niederlage in der Türkei sind sie nur noch Gruppen-Vierte und würden als solcher ausscheiden. Zuvor hatten die Holländer zu Hause gegen Island 0:1 verloren.

Mit Gareth Bale sind auch die Waliser in Gruppe B auf dem besten Weg, sich neben Belgien die Fahrkarte nach Frankreich zu holen. In Gruppe C streiten sich Spanien, die Slowakei und die Ukraine um die Plätze. Neben Deutschland haben die Polen in Gruppe D die besten Chancen für eine direkte Qualifikation. England hat sich bereits in Gruppe E qualifiziert. In Gruppe F liegen neben Nordirland und Rumänien noch die Ungarn gut im Rennen. Österreich führt die Gruppe G vor Schweden und Russland an und könnte mit einen Unentschieden heute in Schweden alles klar machen. In Gruppe H führt Italien knapp vor Norwegen und Kroatien. Am spannendsten ist es wohl in Gruppe I, wo sich Portugal, Albanien und Dänemark ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Neben Island sind es also die vermeintlich Kleinen, die für Furore sorgen: Albanien, Nordirland, auch Österreich und Wales haben gute Chancen sich direkt oder spätestens über die Play-off-Spiele der Gruppendritten für Frankreich zu qualifizieren.

Der Tatort aus Ludwigshafen ist nicht der erste, der sich um Fußball dreht. Im gleichen Jahr, 2011, gab es die Folge 794 aus Hannover: Mord in der ersten Liga, die sich mit Homosexualität und Homophobie im Profifußball beschäftigte. 2004 gab es zudem die Folge 581 aus Leipzig mit dem Titel Abseits, in deren Mittelpunkt das neue Leipziger Zentralstadion steht (heute heißt es nach diesem österreichischen Brausehersteller), das in zwei Tagen mit einer großen Feier eröffnet werden soll. Dort ist Susanne Fellner, Leiterin der Personalabteilung, erschlagen aufgefunden worden.

Zu Martin Walser (5): Walser und die Krimis – Teil 1

Wenn ein angesehener Schriftsteller zur Feder greift, um Kriminalromane zu schreiben, dann rümpft mancheiner die Nase. Oder es wird einfach die Tatsache unter den Tisch gekehrt, dass einer einmal zu diesem Zwecke die Feder ergriff …

Anders kann ich es mir nicht erklären, dass von keinem anderen als Martin Walser beflissentlich die Veröffentlichung von immerhin sechs Krimis, die allerdings als Hörspiele gestaltet wurden, verschwiegen wird, z.B. bei Wikipedia kein Wort.

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Nicht verschweigen konnte man bis jetzt seine Mittäterschaft bei dem Schreiben zu einem Drehbuch für eine Folge der ARD-Reihe Tatort. Ich habe es erst jüngst erwähnt (seinen Schwiegersohn Edgar Selge betreffend, Schauspieler wie seine Frau, Franziska Walser, Martin Walsers Tochter). Es handelt sich um eine Tatort-Folge aus Hamburg mit den Ermittlern Paul Stoever (Manfred Krug) und Peter Brockmöller (Charles Brauer) aus dem Jahr 1989: Armer Nanosh. Das Drehbuch hierzu schrieb Martin Walser zusammen mit Asta Scheib.

Das Walser durchaus große Sympathie für seinen Schwiegersohn hegt, lässt sich daraus ersehen, dass er eine Rolle hauptsächlich für diesen verfasst hat, wenn es dann am Ende auch die Rolle des … ist – aber ich will nicht zu viel verraten. Okay, es ist nicht einer der besten Tatort-Folgen. Interessant ist er aber trotzdem …


Tatort (220) aus Hamburg (1989): Armer Nanosh

Nun, ich taste mich langsam voran. Bevor ich zu den anfangs erwähnten sechs Kriminal-Hörspielen komme (als Stichwort sei bereits der Name Tassilo genannt), sei noch auf eine Kurzgeschichte von Martin Walser hingewiesen, die der Länge wegen wohl nur mit anderen Werken in Buchform erschienen ist; diese hier aber nicht aufgeführt zu haben, käme einem Verbrecher gleich, gelt?

Um es gleich zu sagen: Die Walser’sche Erzählung hat Marcel Reich-Ranicki als Herausgeber in Die besten deutschen Erzählungen, also die nach Ansicht Reich-Ranickis besten deutschen Erzählungen, veröffentlicht. Neben Goethe, Brecht, Namensvetter Robert Walser, Kafka u.v.a. darf Martin Walser in dieser Auswahl nicht fehlen, auch wenn sich zu Lebzeiten Reich-Ranickis beide nicht immer wohlgesonnen waren.

Es handelt sich um die Erzählung Selbstporträt als Kriminalroman:

„Unser Freund“ hat ein nicht näher beschriebenes Verbrechen begangen.

Unser Freund hat ein harmloses Verbrechen begangen. Er hält sein Verbrechen für harmlos. Er tut zumindest so, als halte er sein Verbrechen für harmlos. Er ist nicht bereit zuzugeben, dass sein Verbrechen ein ernsthaftes, ein schlimmes Verbrechen sein könne. Er ist sehr empfindlich, wenn jemand auf sein Verbrechen zu sprechen kommt.

Sobald jemand sein Verbrechen erwähnt, braust er auf. Erst wenn man ihn hemmungslos für sein Verbrechen lobt, beruhigt er sich. Dann lächelt er wie ein dreizehnjähriges Mädchen, dem man sagt, es sehe hundertmal verführerischer aus als Marilyn Monroe. Unser Freund behauptet allerdings, es sei ihm peinlich, gelobt zu werden und beschuldigt sich erneut des Verbrechens.

Ja, wer denn nicht, sagen wir dann! Ob er uns jemanden sagen könne, der in der Geschichte der Menschheit irgendeine Rolle spiele, und kein Verbrechen begangen habe! Schon eine Rolle zu spielen, oder spielen zu wollen in der Geschichte der Menschheit, sei ja der Beginn jedes großen Verbrechens …

Unser Freund verdächtigt uns alle, dass wir lügen, wenn wir ihn loben, und er unterstellt uns, dass wir auf der Seite des Inspektors stünden.

Der Inspektor, also. Die große Gegenfigur unseres Freundes. Er redet andauernd von diesem Inspektor. […]
Der Inspektor ist ein Verbrecher, der nicht den Mut gehabt hat, etwas zu begehen.

Der Inspektor verfolgt unseren Freund, und der beobachtet jeden seiner Schritte, ist genaugenommen mehr hinter dem Inspektor her als der hinter ihm. Inzwischen hat jedoch der Inspektor das Interesse an unserem Freund verloren.

Das ist für einen, dem das Verfolgtwerden zum Lebensinhalt geworden ist, offenbar das Schlimmste.

(Quelle. dieterwunderlich.de)

Das klingt nach Kafkas Prozess – und im ‚Inspektor‘ lässt sie der eben jene frühere Kritiker-Papst Reich-Ranicki erkennen (vergleiche Zu Martin Walser (4): Tod eines Kritikers). Eine literarische Fingerübung des ‚Autors vom Bodensee‘.

Für heute genug: zu den sechs genannten Kriminal-Hörspielen von Martin Walser in den nächsten Tagen mehr …

Lavinia und Edgar

Eigentlich wollte ich zunächst etwas zu Martin Walser und die Krimis, seine Krimis schreiben. Ja, Walser hat auch Kriminalromane verfasst. Aber oft kommt man vom Weg ab, so auch ich: Bekanntlich hat Walser eine Tochter, Franziska Walser, die Schauspielerin ist. Und diese ist wiederum mit einem Schauspieler, Edgar Selge, verheiratet. Beide waren öfter schon im Tatort und im Polizeiruf 110, beides Krimiserien der ARD, zu sehen – Selge sogar in zwanzig Folgen der Polizeiruf 110-Reihe als Kriminalhauptkommissar Tauber in München und Umgebung.

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Zum ersten Mal gesehen habe ich Edgar Selge in einer Tatort-Folge aus Hamburg mit den Ermittlern Paul Stoever (Manfred Krug) und Peter Brockmöller (Charles Brauer) aus dem Jahr 1989: Armer Nanosh. Das Drehbuch hierzu schrieb sein Schwiegervater, Martin Walser (womit wir wieder bei diesem wären), zusammen mit Asta Scheib.

Warum ich eigentlich auf Selge komme: Letzte Woche gab es im ZDF den Kriminalfilm Hattinger und die kalte Hand, der am Chiemsee spielt. Den namensgebenden Kommissar spielt übrigens Michael Fitz, den wir bis 2007 insgesamt 15 Jahre als Assistent Carlo Menzinger der Münchner Tatort-Ermittler, Batic und Leitmayr, kennengelernt haben. Selge spielt in dem Chiemseekrimi mit Bravour den Mörder Ostermeier, von dem er sagt: „Ostermeier ist eine Art Michael Kohlhaas im Endstadium. Das Leid, das er in seinem Leben erfahren hat, empfindet er so tief, es hat sich über so viele Jahre angestaut, dass seine Zerstörungswut unendlich ist. Die Anarchie hat den Kleinbürger fest im Griff. Da ihm sein eigenes Leben nichts mehr bedeutet, gibt er sich sturzartig all seinen Stimmungen hin. Ein Mensch in seinem Urzustand.“


Hattinger und die kalte Hand – ein Chiemseekrimi (2013)

Schon zuvor glänzte Edgar Selge in der Berliner Tatort-Folge Machtlos aus dem Jahr 2013, in der er ein bewegendes Psychospiel mit den Kommissaren Ritter und Stark treibt. Dank Selge sicherlich eines der besten Tatort-Folgen.


Tatort (858) Berlin: Machtlos (2013)

Letzte Woche gab es (ebenfalls als Wiederholung) auf 3Sat dem Kriminalfilm Ein Dorf sieht Mord aus dem Jahr 2009 mit Lavinia Wilson, die darin eine schillernde Darstellung bietet. Dieser Krimi verbindet den Plot mit einem Meilenstein in der Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung, dem von Mai bis Anfang Juni 1980 bei Gorleben eingerichteten Hüttendorf „Republik Freies Wendland“. Dank Lavinia Wilson ein sehenswerter Film.


Ein Dorf sieht Mord (2009)

Lavinia Wilson spielte ebenfalls in mehreren Tatort-Folgen, zuletzt in dem Kieler Tatort Borowski und der Engel aus dem Jahr 2013 die Altenpflegerin Sabrina Dobisch und bietet dabei ein spannendes Porträt einer Borderline-Persönlichkeit. Borowski-Tatorte sind meist schon etwas Besonderes, dieser ist ein ganz besonderer (siehe u.a. meinen Beitrag Tatort auf Tatort …).


Tatort (892) Kiel: Borowski und der Engel (2013)

Lavinia und Edgar – Lavinia Wilson und Edgar Selge: Beide gehören ohne Zweifel zur ersten Garde deutscher Schauspieler bzw. Schauspielerinnen. Übrigens sucht Lavinia Wilson für den 8. und 9. August Statisten in Berlin. Wer also gerade zu der Zeit in unserer Bundeshauptstadt weilt …:

Ich brauche Eure Hilfe! Für den 8.und 9. August suchen mein Freund Barnaby Metschurat und ich dringend Menschen, die…

Posted by Lavinia Wilson on Montag, 20. Juli 2015

Williz Tatort-Sammlung

Bekanntlich unterschiedet man die Menschen in Sammler und Jäger, wobei mir der Unterschied nicht ganz klar ist: Sammler jagen zunächst dem nach, was sie dann sammeln. Jäger verzichten wahrscheinlich aufs Sammeln …

Bleiben wir bei den Sammlern: Die einen sammeln Briefmarken (in jungen Jahren habe ich die Briefmarkensammlung meines älteren Bruders ‚geerbt‘ und dann fortgesetzt … Die Alben müssen bei uns irgendwo in Keller dahindümpeln), die anderen Teddybären. Ich sammle ‚Tatorte‘.

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Inzwischen gibt es 952 Folgen (Stand: 27.06.2015) der ARD-Krimi-Serie. Hier kommen weitere 13 Folgen hinzu, die zwischen 1985 und 1989 fürs Österreichische Fernsehen produziert, in Deutschland aber nicht gezeigt wurden. Einige Ableger gibt’s dann auch noch – wie z.B. eine Folge mit dem heute in Kiel fahndenden Klaus Borowski (damals ermittelte er in Hannover) aus der Anfang des Jahrtausend neu aufgelegten Stahlnetz-Serie: Psi (2002).

Wer Pilze sammelt, geht in den Wald – wer ‚Tatorte‘ sammelt geht … ins Internet und hier auf die Seite des Video-Portals Youtube. Spätestens am Folgetag nach einer neuesten Tatort-Folge wird man dort fündig. Und natürlich gibt es auch viele alte Folgen – wie z.B. auf dem Account eines gewissen Arthur Arapetian, dessen Konto aber zumindest für längere Videos erst einmal gesperrt ist. Bei Youtube hat er es mit dem Einstellen von Tatort-Videos wohl zu bunt getrieben (er muss aber eine riesige Sammlung im Laufe der Jahre zusammengestellt haben).

Diese Videos lassen sich in den meisten Fällen auch auf den eigenen Rechner herunterladen. Hierfür gibt es für den Internetbrowser Firefox jede Menge so genannter Add-ons, mit deren Hilfe man dies besorgen kann. Die Qualität der Videos ist natürlich meist nicht in HD, sondern oft in Standard-Auflösung oder noch bescheidener (aber wer unermüdlich sammelt, der nimmt auch ‚kleine Pilze‘). Und es landet Tag für Tag auch jede Menge Schrott bei Youtube (oft dann auch schon die x-te Kopie eines vor langer Zeit ins Netz gestellten Videos), so als wolle man Youtube bewusst zumüllen. Sei es drum …

Natürlich kann man eine Reihe von Tatort-Folgen auch käuflich als DVDs erwerben: Tatort.

Einen nicht unerheblichen Teil meiner Tatort-Sammlung habe ich allerdings aus dem Fernsehen aufgenommen (das gilt besonders für alle neuen Folgen). Das mache ich mit einem TV-USB-Stick am Rechner. Diese Sticks sind nach ihrem Empfang (Kabel, Satellit, terrestrisch über Antenne) ausgerichtet (beim Kauf darauf achten). Alles Weitere hierzu findet Ihr in meinem Beitrag zur kostenlosen Video-Bearbeitungssoftware XMedia Recode (die ich allerdings nur zur Konvertierung der zugeschnittenen Videos benutze – ansonsten habe ich als Hobbyfilmer natürlich eine andere Software, die mir etwas mehr an Möglichkeiten bietet).

Natürlich gibt es auch Festplattenrekorder, mit denen man Fernsehsendungen über Kabel, Satellit oder Antenne aufnehmen kann. Über TV-USB-Stick habe ich die Aufnahmen aber gleich auf dem PC und kann sie dort nach Belieben weiterbearbeiten.

Erstaunlich finde ich, dass manche TV-Sender (‚dritte‘ Programme) immer wieder auch sehr alte Folgen wiederholen. Die bisher älteste Folge (Folge 2: Saarbrücken, an einem Montag… aus dem Jahr 1970) habe ich so in HD-Qualität (HDTV/720p) aufnehmen können (natürlich in einem Seitenverhältnis 4:3, wie damals üblich).

Im Laufe der letzten zwei Jahre hat sich meine Tatort-Sammlung so von etwa 60 auf inzwischen über 720 Folgen erhöht. Das sind von über 950 bisher gesendeten Folgen etwa 75 %. Wie gesagt: Die Qualität ist dabei nicht immer die beste. (Was man aber hat, das hat man …). Wer sammelt, dokumentiert natürlich auch. So habe ich in einer Liste all die Tatort-Folgen entsprechend gekennzeichnet, die bei mir auf einer externen Festplatte von drei TB abgespeichert sind (siehe PDF-Datei). Es ist wohl verständlich, dass ich nicht die Zeit habe, um eventuelle Wünsche nach Kopien bestimmter Tatort-Folgen zu erfüllen.

Warum diese Sammelwut? Und warum gerade ‚den Tatort‘? Dazu später sicherlich etwas mehr. Nur soviel: ‚Der Tatort‘ hat mich gewissermaßen den Großteil meines Lebens begleitet. Ich kenne die Serie von der ersten Folge (1970) an und habe – mit einigen Unterbrechungen – immer wieder ‚hineingeschaut‘. Auch meine Frau und meine Söhne sind begeisterte Tatort-Fans. Das eigentlich Faszinierende daran ist, dass sich in gewisser Weise unser Leben in Deutschland (bzw. Schweiz und Österreich) in dieser Serie spiegelt. Kein Thema war zu heiß (okay, manche dann vielleicht doch …), um nicht in Form eines Krimis abgebildet zu werden. Und wenn einen dann die Sammlerleidenschaft packt, dann kann man sich ihr kaum noch entziehen. Wahrscheinlich bin ich wirklich mehr Sammler als Jäger.

Tatort (952) aus Stuttgart: Der Inder (2015)

Der neueste Tatort (952) aus Stuttgart Der Inder entpuppte sich als schwäbischer Politthriller, also etwas gemächlich, aber auch als durchaus spannend. Im Mittelpunkt: Stuttgart 21, einem in Bau befindliches Verkehrs- und Städtebauprojekt zur Neuordnung des Eisenbahnknotens Stuttgart. Kernstück ist der Umbau des Kopfbahnhofes Stuttgart Hauptbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof. Die Zulaufstrecken werden in Tunneln verlegt und die frei werdenden Gleisflächen der Stadtentwicklung zur Verfügung gestellt. Trotz der Auseinandersetzung mit den aktuellen wirtschaftspolitischen Vorgänge ist diese Tatort-Folge ein Krimi: Kurz nach seinem Auftritt vor einem Untersuchungsausschuss wird ein für den Bahnhofsbau zuständiger früherer Staatssekretär ermordet; selbst der abgewählte Ministerpräsident gerät ins Visier der Ermittler. Diesen wollte man anfangs wohl etwas mehr in den Mittelpunkt stellen, was dann aber unterblieb. Trotzdem dürfte sich Herr Mappus in Gestalt des Rubert Heinerle (von Ulrich Gebauer wunderbar gespielt) als machtbesessener Politiker wiedererkannt haben, der es nicht verstehen kann, dass man ihn nicht wiedergewählt hatte.

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Zunächst wirkt der Film etwas unübersichtlich, da er fortwährend zwischen verschiedenen zeitlichen Ebenen hin- und herhüpft. Nach und nach entsteht aber so wie bei einem Puzzle das Gesamtbild. So öffnet am Anfang des Films im Beisein der beiden Kommissare Lannert und Bootz der Gerichtsmediziner einen in Plastik verschweißten Koffer, der eine maßgerecht zerstückelte Männerleiche freigibt. Erst am Ende erfahren wir, um welche Person es sich bei dem Toten handelt.

Bei ersten Ermittlungen stoßen die beiden Kommissare rasch auf den Architekten Busso von Mayer, mit dessen Namen sich ein großer Skandal der Vergangenheit verbindet: Der Architekt hatte auf dem Stuttgart-21-Gelände ein millionenschweres, visionäres Bauprojekt geplant, für dessen Finanzierung sich ein indischer Investor fand – der sich jedoch letztlich als Hochstapler entpuppte (daher auch der eher etwas irreführende Titel der Folge, denn ‚der Inder‘ spielt eigentlich keine weitere Rolle).

Eben dieser inhaftierte Architekt (Thomas Thieme verleiht der Rolle ‚volles Gewicht‘) rückt immer mehr ins Geschehen. Besonders reizvoll sind die Dialoge zwischen ihm und dem Ermittler Lannert, z.B. wenn Mayer die Stadt Stuttgart beschreibt: „Schauen Sie sich Stuttgart an: ein Drecksloch, ein städtebaulicher Irrtum, ein zubetonierter Talkessel, der von den Abgasen einer ewig im Stau stehenden Blechlawine aufgeheizt wird.“


Tatort (952) aus Stuttgart: Der Inder (2015)

Ein Geflecht von Macht und Manipulation zeichnet sich ab. Geht es um mehr als Wirtschaftskriminalität? Spuren deuten darauf hin, dass ein professioneller Auftragskiller die tödlichen Schüsse auf den ehemaligen Staatssekretär abgab und: Der Täter wurde verletzt. Nur wer gab den Auftrag? Und wo ist der Killer?

Man kann die Handlung dieses Tatorts nicht unbedingt mit den wirklichen Ereignissen um Stuttgart 21 in Beziehung setzen, auch wenn es im ‚wirklichen Leben‘ sicherlich Kungeleien, vielleicht auch Bestechung gab. Denn schließlich geht es bei solchen Großprojekten (wie auch bei den ewigen Baustellen Flughafen Berlin-Brandenburg oder der Elbphilharmonie in Hamburg) um viel, zu viel Geld. Es wundert mich fast, dass es so lange dauerte, bis Stuttgart 21 in einem Tatort thematisiert wurde. Denn Deutschlands Großbaustellen scheinen sich für Tatort-Krimis (zuletzt in Berlin) als Location bestens zu eignen.

Neben der gewiss interessanten Thematik punktet diese Tatort-Folge besonders durch eine abwechslungsreiche Bildsprache, die durch viele Details besticht und voll und ganz im Dienst der Geschichte steht. Die Musik tut ihr Übriges dazu (siehe auch tittelbach.tv). Und der Film hat zudem seine humorvollen Seiten. Dabei fügt sich alles Stein für Stein – eher noch wie ein Mosaik zu einem Gesamtbild zusammen. Das Drehbuch stammt von Niki Stein, der auch Regie führte und der schon für andere außergewöhnliche Tatort-Folgen verantwortlich zeichnete.

Gegen den Strom – Tatort (951) aus Bremen: Windparks, SuedLink und Y-Trasse

25 Jahre habe ich in Bremen gelebt. Das ist inzwischen auch schon wieder über 32 Jahre her. Aber natürlich habe ich immer noch einige ‚heiße Drähte‘ zu der Stadt an der Weser, nicht nur dass ich Anhänger des SV Werder Bremen bin. Und als Fan der Tatort-Reihe habe ich natürlich auch zu den Bremer Kommissaren Inga Lürsen und Nils Stedefreund ein ‚besonderes Verhältnis‘.

Am Sonntag lief die neueste Folge aus Bremen: Wer Wind erntet, sät Sturm. Der Titel, man ahnt es, ist eine Ableitung des biblischen Zitats Wer Wind sät, wird Sturm erntet aus Hosea 8,7. Hosea war ein Prophet, der etwa zwischen 750 und 725 v. Chr. im Nordreich Israel wirkte. Das ihm zugeschriebene gleichnamige Buch eröffnet die Reihe der Zwölf kleinen Propheten. – Man erahnt aber auch sogleich die Thematik dieser Tatortfolge: Es geht um die Gewinnung von Windenergie (Wind ernten) und den Widerstand dagegen (… sät Sturm).

Tatort (951) aus Bremen (2015): Wer Wind erntet, sät Sturm – Windpark in der Nordsee

Die Bremer Tatorte beschäftigten sich schon öfter mit Themen, die etwas mit dem Meer, also der Seefahrt und jetzt mit dem Betreiben von Offshore-Windparks, zu tun haben. Sicherlich ist die Gewinnung von Windenergie eine ‚saubere‘ Sache, greift aber stark in die Natur ein. Wer durch Gegenden mit hohen Windstärken fährt (z.B. die Küstenlandschaft Norddeutschlands) wird zwangsläufig auf jede Menge Windkraftanlagen mit riesigen Rotoren stoßen. Das sieht nicht besonders gut aus. Und dass solche Anlagen gerade dort, wo Zugvögel in großen Scharen vorbeiziehen, für diese zur tödlichen Falle werden (‚Vogelschredder‘), kann man sich denken. Das ist dann auch der Ausgangspunkt der Bremer Tatortfolge.

Aber bleibe ich noch etwas beim Thema Windkraft. Auf dem Festlandssockel der deutschen Nordseeküste ist eine riesige Windparklandschaft im Entstehen. Der hier gewonnene Strom reicht aus, um große Teile Deutschlands damit zu beliefern. Aber noch fehlt es an Leitungen von Nord nach Süd, um diesen Strom zu übertragen. Natürlich ist auch das längst in Planung und trägt den Namen Südlink (SuedLink). So wie sich Widerstand gegen die Windparks regt, so formiert sich Widerstand gegen diese Stromtrasse.

Ich wohne 70 km von Bremen, auf halben Weg Richtung Hamburg, entfernt. Und genau vor unserer Haustür ist so eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitung (HGÜ) mit einer Übertragungskapazität von 10 Gigawatt geplant. Elektrosmog für die Anwohner inklusive. Dem nicht genug: Ebenfalls vor unserer Haustür ist die so genannte Y-Trasse geplant, eine Erweiterung des Schienenverkehrs, die zunächst der zeitlichen Verkürzung des Personenverkehrs Richtung Süden dienen sollte, jetzt verstärkt für den Gütertransport bereitgestellt werden soll. Laut einer Prognose würden angeblich bis 2025 im Hamburger Hafen und in den Bremischen Häfen dann doppelt so viele Container umgeschlagen wie jetzt. Auch wenn bei uns keine neuen Schienen verlegt werden, so bedeutet das aber trotzdem einen Zuwachs von mindestens 200 Güterzügen am Tag (und in der Nacht natürlich auch). Prost, Mahlzeit! Noch denken wir (meine Familie und ich) nicht über einen Wegzug nach …

Aber zurück zum Krimi aus Bremen: Es geht zunächst um den Mord an einem Umweltaktivisten, der mit drei Schüssen niedergestreckt wurde. Ein weiterer Aktivist ist verschwunden. Ins Visier der Fahnder rückt schnell der Betreiber eines Windparks, der aber andere Sorgen hat, z.B. mit seiner Hausbank, die plötzlich wegen der Ereignisse den vereinbarten Kredit nicht herausrücken will. Zudem ist ein Hedgefonds-Unternehmen an ‚Claims‘ (Ansprüche auf Gebiete im Meer) interessiert, um eigene Windparks errichten zu lassen. Eine undurchsichtige Rolle spielt dabei auch jene Karin Lorenz (Annika Blendl), die sowohl mit dem Windparkbetreiber als auch dem verschwundenen Umweltaktivisten bestens bekannt ist. Als Vizechefin einer Umweltschutzorganisation vergibt sie Zertifikate gegen Geld an Unternehmen, um gewissermaßen deren Umweltverträglichkeit zu attestieren. Am Ende des Krimis haben wir (wenn ich mich nicht verzählt habe) ein halbes Dutzend Tote.


Tatort (951) aus Bremen: Wer Wind erntet, sät Sturm (2015)

Das ist natürlich ‚viel Holz‘ für 90 Minuten Tatort. Und es bleibt dann auch nicht aus, dass sich einige Protagonisten mancher Plattitüde bedienen („Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt zur Quelle“), um das Thema möglichst schnell auf den Punkt zu bringen. Am Ende kommt aber ein Kriminalfall heraus, der das Betrachten lohnt: Für Spannung ist bis zum Schluss gesorgt. Und wenn man die Thematik Windpark eigentlich auch nur anreißen kann, so macht diese Tatort-Folge doch sehr nachdenklich.

Bitte mitmachen! Noch etwas zur Y-Trasse – Wer in unmittelbarer Nähe von Bahnhöfen oder Bahnstrecken wohnt (gilt besonders für die Strecke Bremen – Hamburg bzw. die Bereiche Seevetal, Buchholz/Nordheide, Rosengarten, Tostedt, Jesteburg, Hanstedt, Buxtehude, Horneburg und Stade), der kann sich unter laermaktionsplanung-schiene.de an einer Befragung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) zum Thema Bahnlärm beteiligen. Die Phase der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung läuft noch bis zum 30. Juni – Weiteres siehe kreiszeitung-wochenblatt.deBitte mitmachen! Anmelden, Immissionsort (eigene Anschrift), Emissionsort (Bahnstrecke/Bahnhof) angebe, dann die wenigen Fragen beantworten mit Ankreuzen – das war’s dann schon …

Tatort (300) aus München: … und die Musi spielt dazu (1994)

Auf Schloss Elmau, auf halbem Weg zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald im wunderschönen Werdenfelser Land, fand am Sonntag und Montag das Treffen der G7, also der Staats- und Regierungschefs der bedeutendsten Industrienationen der westlichen Welt, statt, um wieder einmal über das Schicksal des ganzen Planeten Erde zu bestimmen. US-Präsident Obama hatte zwar seine ‚Lederhosen‘ vergessen, grüßte aber das Volk mit einem zünftigen ‚Grüß Gott‘ (immerhin gab er sich nicht als Bayer aus wie einst einer seiner Vorgänger glaubte, ein Berliner zu sein: Ish bin ein Bearleener).

Im Rahmenprogramm dieser Veranstaltung, die dem Steuerzahler angeblich 360 Millionen Euro kostete (und somit weit mehr als die Bunderegierung bisher bereit ist, für die Flüchtlingshilfe auszugeben), gab es reichlich Blasmusik und Männer mit Sepplhosen und Tirolerhut samt Gamsbart (die armen Gämse). Jetzt weiß auch der letzte US-Amerikaner, dass die Deutschen des Tags und des Nachts in Lederhosen und Dirndl herumlaufen.

Apropos Lederhosen und Dirndl: Am Dienstag sendete das Bayerische Fernsehen eine Wiederholung des Tatorts … und die Musi spielt dazu aus dem Jahr 1994. Es ermitteln darin die Münchener Kommissare Batic und Leitmayr mit Hilfe ihres Assistenten Carlo Menzinger. Es ist der 300. von bis dato 950 Tatort-Folgen. Sollte es da etwa ein Zusammenhang mit dem G7-Treffen geben?

Der Film spielt in der Welt der volkstümlichen Musik. In guter Columbo-Manier (‚howcatchem‘) wissen alle bis auf die Ermittler der Münchener Mordkommission, wer der Täter ist. Daraus entwickelt sich schnell eine muntere Mörderhatz.


Tatort (1994): Herz ist Trumpf (Und die Musi spielt dazu) [leider nur ein kleiner Ausschnitt]

Spätestens wenn das Seemannsquintett „Andi Frege und seine Wasserratten“ in Matrosenanzügen zu sehen ist (Matrosenanzüge als norddeutsches Pendant zur Bayerntracht), wissen auch die letzten Zuschauer, dass hier diese Art von Volksmusik gehörig durch den Kakao gezogen wird. Kenner der Musikszene sind gleich im Bild: Andi bzw. Andreas Frege ist der Realname von Campino, dem Sänger, Frontmann und Songwriter der deutschen Musikgruppe Die Toten Hosen. Und auch Franz Josef Strauß scheint mir in der Figur eines Sängers posthum sein Fett abzubekommen. Man achte übrigens auch auf manch gelungenes Bonmot (wenn diese vielleicht auch in der bayerischen Mundart für uns Norddeutsche etwas untergehen).

Tatort (300) München (1994): … und die Musi spielt dazu – ‚Andi Frege und seine Wasserratten‘ aka Campino und Die Toten Hosen

Nun ja, dieser Tatort aus München kommt ziemlich bayerisch gemächlich daher (ähnlich wie der letzte 950. Tatort Gier, in dem die Wiener Kollegen Eisner und Fellner dem Täter auf die Pelle rückten). Auf jeden Fall ist es ein Spaß für Freunde UND Feinde der Volksmusik.

Etwas ‚versteckt‘ habe ich nun auf Youtube doch das gesamte Video der Folge finden können:


Tatort (300) aus München: … und die Musi spielt dazu (1994)

Tatort (949) aus Münster: Erkläre Chimäre (2015)

Am Sonntag lief die bisher 27. Tatort-Folge aus Münster (damit die 949. Folge insgesamt in der ARD) mit den Lieblingen der deutschen Tatort-Fans: Kriminalhauptkommissar Frank Thiel und dem Rechtsmediziner Professor Dr. Karl-Friedrich Boerne. Ergänzt werden die beiden weiterhin durch Thiels Assistentin Nadeshda Krusenstern und Silke Haller, der Assistentin von Prof. Boerne, der Staatsanwältin Klemm und dem Vater von Thiel, Herbert Thiel, dem Taxifahrer. In dieser Folge kam gerade auch den Nebenrollen etwas mehr Spielzeit zu, sodass sich das Ganze zu einem flotten, vielleicht nicht ganz so spannenden Reigen entwickelte: Erkläre Chimäre.

Man mag vom Münster-Tatort halten was man will. Im Mittelpunkt steht immer wieder das Duo Thiel/Boerne und damit die verbale Auseinandersetzung dieser beiden grundverschiedenen Typen. Und damit steht meist auch der Spaß im Vordergrund. Aber natürlich wird die Spannung, die einen Krimi ausmacht, nicht ganz vergessen. Wer’s nicht mag, der findet sicherlich in anderen Tatorten das, was er sucht.

Assistentin Krusenstern (Friederike Kempter) ist zur Kommissarin befördert worden, was sie mit Hauptkommissar Thiel und dem Rechtsmediziner Boerne ausgiebig feiert.

In Wodka-Laune bietet Boerne Thiel ein Kanapee an, das diesem im Hals stecken bleibt. Nur ein beherzter Luftröhrenschnitt rettet den Kommissar, der daraufhin ein paar Sprachprobleme hat.

Der geübte Münster-Tatort-Zuschauer ahnt schon: Der arme Kommissar wird noch oft genug an die Lebensrettung erinnert werden.

Kaum wieder auf den Beinen, müssen sie sich um eine Leiche kümmern: Ein etwa 30-jähriger Brasilianer ist mit einem Schnitt durch den Hals getötet worden. Die zunächst einzige Spur führt zu einem alteingesessenen Weingut. Doch die Besitzer mauern und Thiel hat schnell einen noch dickeren Hals.

Diesmal wird es ganz pikant. Boerne will seinen Erbonkel (Christian Kohlund) davon überzeugen, dass er schwul ist und geheiratet hat. Und da er außer Thiel kaum einen kennt, muss der – sozusagen als Dank für die Lebensrettung – herhalten.
Hochzeitsfoto Thiel und Boerne (Tatort Münster 2015: Erkläre Chimäre)

Und es klappt tatsächlich. Erbonkel Gustav ist auch ganz begeistert von dem propperen Kerlchen. Boerne und Thiel sind wirklich ein süßes Pärchen. Dazu kommt in dem Fall noch, dass fast alle Hauptakteure im Krankenhaus landen und sich da auch etliche komische Szenen ergeben.

(Quelle: swr.de)


Tatort (949) aus Münster: Erkläre Chimäre (2015)

Wenn dieser Fall auch nicht so ganz an die ersten Folgen des Münsteraner Duos herankommt, so bot er doch Unterhaltung genug. 13 Millionen Zuschauer können sich nicht irren.

Tatort (944) aus Köln: Dicker als Wasser (2015) und mehr

Hätte nicht Armin Rohde in dem neuesten Kölner Tatort mitgespielt, die Folge (944) Dicker als Wasser würde man schnell wieder vergessen. Denn irgendwie zog sich das Alles gehörig in die Länge. Da half auch der neue Assistent Tobias Reisser (gespielt von Patrick Abozen) wenig, der bereits in einer früheren Folge (nach dem Tod von Franziska Lüttgenjohann, Assistentin der Kriminalhauptkommissare Ballauf und Schenk von 2000 bis 2014) zu sehen war:

Laura Albertz findet ihren Freund Oliver Mohren nachts tot vor seinem Szenelokal „Sax Club“ auf. Bei der Befragung durch Max Ballauf und Freddy Schenk verwickelt sich Laura schnell in Widersprüche. Auch der ehemalige enge Freund von Oliver, Erik Trimborn, gerät unter Verdacht.

Nach und nach greift der Vater von Erik Trimborn (gespielt eben von Armin Rohde) ins Geschehen ein, ein Tyrann, wie er im Buche steht. Dieser wird auch gleich von Kommissar Freddy Schenk aufs Korn genommen, der aber schnell ins Hintertreffen gerät. Am Schluss muss Schenk froh sein, mit halbwegs heiler Haut davongekommen zu sein.

Rohde reißt förmlich jede Szene an sich, in der er auftritt. Spiegel online erweist ihm berechtigterweise in einer Hommage ganze Ehre: Diese Pranken können liebkosen. Und würgen. Manchmal beides zusammen. So viel Zärtlichkeit, so viel Zerstörungswille, wie der 100-Kilo-Koloss Armin Rohde am Sonntag in der ansonsten eher unterkühlten Kölner „Tatort“-Episode „Dicker als Wasser“ verstrahlte, kriegt man selten in ein und derselben Rolle zu sehen.


Tatort (944) aus Köln: Dicker als Wasser (2015)

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, das eben jener Armin Rohde in einer anderen Tatortfolge (937), diesmal aus Frankfurt, brillierte: Das Haus am Ende der Straße. Auch hier spielt er seinen Gegenpart, in Gestalt des Frankfurter Ermittlers Steier.(gespielt von Joachim Król) in seinem leider letzten Fall, an die Wand. Und das will schon einiges heißen, dann Król legte als Steier, der mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat, immer eine sehenswerte Performance hin. Diese Tatort-Folge ist einerseits wortgewaltiges Kammerspiel, anderseits ein Thriller der Extraklasse. Vielleicht nichts für schwache Nerven, ansonsten wirklich sehenswert:


Tatort (937) aus Frankfurt: Das Haus am Ende der Straße (2015)

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Letzte Woche habe ich hier den ersten Tatort aus Nürnberg vorgestellt und damit den Schauspieler Fabian Hinrichs. Dieser war ja erst 2012 in dem Tatort (856) aus München: Der tiefe Schlaf als neuer Assistent Gisbert Engelhardt zu sehen gewesen, der die Hauptkommissare Batic und Leitmayr gehörig nervte – und am Schluss selbst Opfer eines Mordes wurde. Hinrichs hatte bekanntlich 2009 einen Auftritt im Kieler Tatort Borowski und die heile Welt als gewaltbereiter Vater Thies Nowak. Letztes Wochenende habe ich mir diese Folge noch einmal angeschaut. Axel Milberg als Kommissar Borowski (Bester Schauspieler Hauptrolle) und Fabian Hinrichs (Bester Schauspieler Nebenrolle) waren für den Deutschen Fernsehpreis 2009 nominiert.

Beide Schauspieler glänzen in einem Fall, den man ohne weiteres zu den besten dieser Fernsehreihe zählen darf. Borowski ist erschüttert vom Tod eines kleinen Mädchen. Hinzu kommt, dass die Polizeipsychologin Frieda Jung ihren Abschied verkündet. Sie hat ein lukratives Arbeitsangebot aus der Schweiz. Borowski und Jung haben ein ambivalentes Verhältnis miteinander. Beide fühlen sich zueinander hingezogen. Und doch kommen sie nicht zusammen. Borowski ist enttäuscht, als er erfährt, dass Frieda Jung ihn ‚verlassen‘ will. Erst, als er ihr ziemlich am Schluss sagt, dass er sie braucht (er meint es eigentlich rein dienstlich), da wirft sie den bereits unterschriebenen Arbeitsvertrag in den Papierkorb.

Tatort Kiel: Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski und Polizeipsychologin Frieda Jung

Selten habe ich mit einem Protagonisten so empfunden wie mit Thies Nowak, brillant gespielt von Fabian Hinrichs. Als ehemaliger Knasti hat er sich hochgearbeitet, eine Familie gegründet und ein Restaurant eröffnet. Immer wieder werden ihm Steine in den Weg gelegt, immer wieder versucht er sich trotz aller Probleme zu beherrschen („innerlich bis drei zählen“), was ihm nicht immer gelingt. Mir würde sicherlich auch der Kragen platzen.

Bei diesem Fall handelt es sich mehr um ein Familiendrama als um einen Kriminalfilm. Es geht um die Diskrepanz zwischen Täuschung und Wahrheit, zwischen Liebe und Selbstbetrug in Beziehungen. Eingefangen wurde das ohne jede Effekthascherei, ganz sensibel. Ich mag Axel Milberg als Klaus Borowski. Wunderbar sein mimisches Repertoire. In diesem Fall wird er ganz an seine Grenzen gedrängt. Welche Erleichterung muss es für ihn sein zu hören, dass Frieda Jung ihm erhalten bleibt.


Tatort (732) aus Kiel: Borowski und die heile Welt (2009)

Am Ostermontag gab es die neue Folge (942) der Ermittler Falke und Lorenz, dem ersten Tatort-Ermittlerteam der Bundespolizei: Frohe Ostern, Falke. Dieser Fall erinnert mich sehr an eine Folge (843) aus Bremen: Hochzeitsnacht (2012). Auch hier stürmen bewaffnete und maskierte Männer eine feiernde Gesellschaft.

So interessant der Bremer Fall war, so „an den Hasenohren herbeigezogen“ wirkt dieser, wie Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung schrieb. Es ist schon abstrus, einen Auftragsmord zu kaschieren, indem man eine zuvor friedliche Aktivistengruppe in eine solche Geiselnahme hineinzieht. Alle Action zum Trotz, das war nichts, Herr Falke.


Tatort (942) aus Hamburg: Frohe Ostern, Falke (2015)

Leid tut mir dabei Petra Schmidt-Schaller (in dem Tatort die Kommissarin Lorenz), die ich Tage später in dem Fernsehfilm Die kalte Wahrheit gesehen habe. Hier spielt sie die junge Ärztin Helen Liebermann, die an einem kalten, nebligen Wintermorgen auf der Landstraße einen jungen Mann anfährt und tötet. Obwohl sie von aller Schuld entlastet wird, macht sie sich auf, die Hintergründe dieses Unglücks zu erforschen: der junge Mann war ohne Jacke und ohne Schuhe unterwegs. Der Film ist ein „Psychodrama um das Thema Schuld und Schuldbewältigung“, in dem Petra Schmidt-Schaller „die Zweifel und Gewissensbisse der Helen Liebermann geradezu körperlich spürbar“ werden lässt:


Die kalte Wahrheit – Fernsehdrama 2015

Fünf Filme – das dürfte ‘Material’ genug sein für die nächsten sonnendurchtränkten Abende. Und die nächsten Tatort-Folgen warten ja bereits auf uns. Viel Spaß beim Gucken!

Tatort (943) aus Nürnberg: Der Himmel ist ein Platz auf Erden (2015)

Die neuen Tatort-Ermittler aus der ARD-Krimireihe geben sich in diesen Wochen die Klinke in die Hand. Nach den Neuen aus Berlin, die mich eher enttäuschten, sind es nun die Kriminalhauptkommissare Felix Voss und Paula Ringelhahn aus Nürnberg, die Unterstützung durch die Kommissare Wanda Goldwasser und Sebastian Fleischer erhalten. Felix Voss wird von Fabian Hinrichs gespielt und ist den Tatort-Freunden kein Unbekannter. Erst 2012 war er in dem Tatort (856) aus München: Der tiefe Schlaf als neuer Assistent Gisbert Engelhardt zu sehen gewesen, der die Hauptkommissare Batic und Leitmayr gehörig nervte – und am Schluss selbst Opfer eines Mordes wurde.

Für diese Rolle erhielt Fabian Hinrichs sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien und sozialen Netzwerken. Sicherlich ein Grund, warum wir ihn jetzt im zweiten (nach dem Münchener) Tatort-Team des Bayerischen Fernsehens sehen. Aber es gab noch weitere Tatort-Auftritte von Hinrichs, u.a. in dem Tatort (732) aus Kiel (2009): Borowski und die heile Welt als gewaltbereiten Vater Thies Nowak (werde ich mir in den nächsten Tagen wohl noch einmal angucken – ich weiß nur noch, dass Hinrichs auch diese Rolle meisterlich bewältigte).

    Tatort – TV-Reihe der ARD (seit 1970)

Aber kommen wir auf das neue Ermittler-Team aus Nürnberg zurück, dessen erster Fall (Tatort-Folge 943) Der Himmel ist ein Platz auf Erden am letzten Sonntag gesendet wurde:

Kriminalhauptkommissar Voss kommt zu seiner neuen Arbeitsstelle nach Nürnberg und lernt seine Kollegen am Tartort kennen. Der Professor der Erlanger Universität Christian Ranstedt wird in seinem Auto im Wald tot aufgefunden. Der verheiratete Vater zweier Kinder wurde mit Kopfschüssen aus nächster Nähe geradezu hingerichtet. Offensichtlich hatte er Sex im Wagen; beide Türen stehen offen, der Fahrersitz mit dem toten Ranstedt ist weit zurückgeschoben.

(Video tgl. ab 20 Uhr) | Video verfügbar bis 19.04.2015
Tatort (943) aus Nürnberg: Der Himmel ist ein Platz auf Erden

„Färberböck [der Regisseur und Mitautor des Drehbuchs] wagt die Revolution im modernen Tatort: Er bringt Ermittler, die keinen an der Klatsche haben. Sie sind eher warm als innerlich erfroren, eher linkisch als cool. Und berührbar von dem, was passiert. […] Dieser Fall […] hat ein paar Längen, aber die Geschichte nimmt Fahrt auf, sie findet einen Sound, und tatsächlich alle Darsteller sind mit Liebe ausgesucht“, schreibt Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung.

Auch mein jüngster Sohn, inzwischen längst Tatort-Spezialist, fand die neuen Tatort-Kommissare äußerst sympathisch. Dem schließe ich mich gern an. Dabei erinnert mich Felix Voss aka Fabian Hinrichs doch sehr an den Saarbrücker Kommissar Jens Stellbrink (gespielt von Devid Striesow), nicht nur äußerlich. Und Paula Ringelhahn kommt der Bremer Kommissarin Inga Lürsen ziemlich nah, in ihrer Art, vom Aussehen und auch vom Alter her.

Ähnlich wie im letzten Berlin-Tatort so ist auch in dem ersten Nürnberger Fall die Stadt eine der Hauptfiguren des Films. Und es ist eine Frau, die geradezu unauffällig ins Zentrum der Handlung rückt, die Nachbarin des Mordopfers, gespielt von Ulrike C. Tscharre, die ebenfalls schon in mehreren, früheren Tatort-Folgen zu sehen war. Diese weibliche Figur zeigt sich sowohl verletzlich wie verletzend und wird vom Regisseur einmal von nah, dann von fern in Szene gesetzt, ohne ihr letztes Geheimnis zu offenbaren. Sie ist der Schlüssel zur Auflösung des Falles.

Trotz mancher Längen (die dann irgendwie sogar Sinn machten) gefällt mir dieses neue Ermittlerteam. Und es entspricht besonders einem der drei Tatort-Grundregeln, Kriminalfälle regional anzusiedeln: Nürnberg und das fränkische Umland, sowohl Land wie Leute, stehen im Mittelpunkt. Ich habe gar nicht gewusst, dass Franken manchmal so schweigsam sind …