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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Martin Schüller: Tod in Garmisch (Oberbayern Krimi)

Urlaubszeit ist oft auch Lesezeit. Aber während unseres kurzen Urlaubs in Grainau in den Tagen vor Ostern bin ich gar nicht zum Lesen gekommen, obwohl ich Lektüre mit auf die Reise genommen hatte. Dafür habe ich aber am vorletzten Tag, als wir beim Warten auf den Eibseebus, der uns von Garmisch-Partenkirchen nach Grainau zurückbringen sollte, kurzen Halt in einem Buchladen gemacht. Und da fiel mir ein Kriminalroman in die Hand: Tod in Garmisch von Martin Schüller. So kommt man unverhofft zu einem etwas anderem Souvenir.

Der Klappentext versprach Spannung mit Lokalkolorit:
„Schneeschmelze. Scheinwerfer in der nächtlichen Klamm. Die Bergwacht versucht, einen zerschmetterten menschlichen Körper zu bergen, den die tobende Partnach in einem Strudel gefangen hält.
Wer ist der Mann? Wurde er Opfer einer uralten Familienfehde?
Kommissar Schwemmer kann sich nicht sicher sein, denn es gibt zu viele offene Fragen: Wer hat Geld unterschlagen? Wer manipuliert Autos? Wer vergiftet Hunde? Und vor allem: Wer lügt?
Schwemmer und seine Kollegen ermitteln quer durch das Werdenfelser Land. Sie treffen auf Knechte und Bauern, Bankiers und Betrüger, alte Feinde und jung Verliebte und einen versnobten Privatdetektiv, der ihnen gerade noch gefehlt hat.“

    Martin Schüller: Tod in Garmisch

Nicht nur gekauft – sondern inzwischen zu Hause auch gelesen. Ich bin zwar kein ausgesprochener Vielleser von Kriminalromanen, so habe ich in den letzten Jahren eher ‚alte’ Krimis gelesen, wie die wohl ältesten Detektivgeschichten der Weltliteratur von Edgar Allan Poe oder die Sherlock Holmes-Romane von Sir Arthur Conan Doyle. Zuletzt las ich von Léo Malet die Nestor Burma-Krimis (Paris des Verbrechens) und habe früher auch den einen und anderen Krimi von Patricia Highsmith, von Raymond Chandler oder Dashiell Hammett kennen gelernt. Dafür stehe ich aber durchaus auf gute Kriminalfilme und bin ein Fan des Tatorts (Horst Schimanski, Duisburg oder Tatort: Thiel und Boerne).

Martin Schüller, Jahrgang 1960, (eigene Website) kam über die Musik zum Schreiben. Im Emons Verlag erschienen von ihm bisher acht Kriminalromane, u.a. „Tod in Garmisch“, mit dem der gebürtige Rheinländer erstmals eine Geschichte in Oberbayern ansiedelte. Neben seinen Romanen verfasste Schüller auch sechs Bücher der emons-TATORT-Reihe, Novellisierungen von eben den bereits genannten Tatort-Fernseh-Krimis.

Nun die Partnachklamm kennen meine Familie und ich von eigener Anschauung her. Und natürlich Garmisch-Partenkirchen und weite Teile der Umgebung. Hier spielt der Krimi mit EKHK (erster Kriminalhauptkommissar) Balthasar Schwemmer (genannt Hausl), seiner Frau Burgl – und den Kollegen, den immer kranken Oberkommissar Schafmann (mal plagt ihn der Magen, dann eine Migräne oder er verletzt sich die Hand), Frau Silvia Fuchs, der Sekretärin im Vorzimmer, und Frau Isenwald, der Staatsanwältin, die den beiden Kriminalbeamten das Leben schwer macht.

Hias stieg von der Leiter. Er stellte sich vor Maiche Meixner auf und nahm langsam das Gewehr von der Schulter. „’s is aus, Maiche“, sagte er, „’s is lang vorbei.“

Im Mittelpunkt steht wie im Klappentext erwähnt eine uralte Familienfehde zwischen den Meixners und den Schedlbauers. Dabei treffen Welten aufeinander, die moderne in Form von Magdalena Meixner (genannt Lenerl), der Besitzerin eines Hotels in Garmisch, ihren Angestellten Andi Weidlinger und dem Privatdetektiven Jo Kant aus Düsseldorf, der bei Martin Schüller eine eigene Reihe hat. Die alte Welt wird besonders verkörpert durch Magdalenas Mutter Reserl, den Großvater und Bauern Melchior (genannt Maiche) und dessen Knecht Hias. Natürlich bedient sich Schüller dabei einiger Klischees, den grantelnden Alten und seinem wortkargen Knecht. Aber das Ganze macht dann eher Spaß und gibt dem Buch neben der gehörigen Spannung auch viel Witz (wie eben auch den Running Gag mit dem kranken Oberkommissar). Schüller hat einen Blick fürs Detail und schreibt mit viel Gespür für den Rhythmus und die Akzente der Geschichte. Natürlich gibt es reichlich viele Verwicklungen, aber als Leser verliert man dabei nicht die Übersicht, weil alles schlüssig bleibt.

Wenn es einen kleinen Wermutstropfen gibt, dann ist es die Sprache der Alten: Natürlich sprechen sie bairisch. Nordlichtern dürfte das vielleicht Probleme machen. Ich habe aber alles bestens verstanden. Und es wäre eher umgekehrt, also ein Wermutstropfen, wenn alle hochdeutsch sprächen. So lernt man nebenbei etwas von der bayerischen Mundart.

„Fesselnde, gut ausgefeilte Charaktere und ein Plot, der Spannung bis zu letzten Seite bietet.“ Garmisch-Partenkirchener Tagblatt

„Kommissar Schwemmer ist eine ganz großartige Figur auf dem Krimimarkt. Ein super-sympathischer Charakter, jemand, den man sofort in sein Herz schließt.“ Peter Hetzel, SAT1

Ich fand den Krimi wirklich gut. Die Mischung als Witz, viel Spannung und ebenso viel lokaler Farbtupfer ist wirklich gelungen. Mehr davon. Und es gibt mehr.

Inzwischen gibt es mit Die Seherin von Garmisch – Schwemmers zweiten Fall:

Kommissar Schwemmer traut seinen Ohren nicht, als Johanna Kindel sein Büro betritt und ihm von einem Mord berichtet, den sie im Traum gesehen hat. Ist im Bergwald wirklich ein junger Mann erschossen worden? Oder kann es gar sein, dass das Verbrechen erst in der Zukunft geschehen wird?
Schwemmer ist gewarnt: Schon sein Vorgänger stolperte über eine Aussage der ‚Seherin von Garmisch’. Doch die alte Dame scheint zu wissen, von was sie spricht. Schwemmer steht vor schwierigen Entscheidungen.
Eine Explosion, eine Rockband, eine Grabschändung und ein Hexenschuss halten Schwemmer und sein Team auf Trab. Dass sich dann noch das BKA einmischt, ist mehr, als seine gute Laune vertragen kann.

Und seit dem letzten Jahr auch ein drittes Buch: Der Teufel von Garmisch: Kommissar Schwemmers dritter Fall

Dass durchaus einmal ein Toter aus der Partnachklamm zu bergen ist, zeigt der Artikel auf tz-online.de: Toten Münchner in der Klamm gefunden

Grainau 2012 (14): Iglu-Dorf Zugspitze

Auf unserem Weg zur Zugspitze während unseres Grainau-Urlaubs die Woche vor Ostern machten wir einen Halt auf dem Zugspitzplatt. Anfang April war hier noch reger Skibetrieb. Wenn man mit der Zugspitzbahn hier oben ankommt, sich dann vom Gletscherrestaurant SonnAlpin westlich hält und die kleine Kapelle links liegen lässt, dann steht man plötzlich vor dem Eingang zum Iglu-Dorf Zugspitze.

Vor dem Iglu-Dorf Zugspitze

Hotelzimmer aus Schnee und Eis sind ja in den letzten Jahren stark im Kommen und man findet sie überall dort, wo Schnee, Eis und Frost längere Zeit die Landschaft prägen. So bot sich natürlich auch der obere Teil des Zugspitzplatts an, hier ein Iglu-Dorf zu errichten. In der Regel übernachtet man hier nur eine Nacht und kann bei einer Nachtwanderung den funkelnden Sternenhimmel erkunden. Als Abendessen wartet auf die Gäste ein original Schweizer Gourmet-Käse-Fondue. Das bereits erwähnte Gletscherrestaurant SonnAlpin begrüßt am nächsten Morgen zum morgendlichen Gipfel-Frühstück. Hierbei kann man einen faszinierenden Sonnenaufgang über den höchsten Spitzen Deutschlands genießen und als erster die Pistenabfahrt nutzen.

Wir selbst waren zwar nicht über Nacht hier, haben uns aber die Anlage anschauen können und fotografisch und filmisch festgehalten:


Iglu-Dorf Zugspitze 03.04.2012

Horror ‚dahoam’

In weniger als drei Wochen beginnt in Polen und der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft 2012. Da fragt man sich, wie es um ‚unsere Jungs’ steht. Allen voran die Spieler des FC Bayern München.

Die eigentliche Saison endete ja am Samstag mit dem Endspiel in der UEFA-Champions League im München, dem Finale ‚dahoam’ (daheim) der Bayern gegen den FC Chelsea und der unnötigen Niederlage im Elfmeterschießen. So wurde für den FC Bayern das Finale ‚dahaom’ zum Horror ‚dahoam’. Im Grunde hat keiner der beiden Mannschaften die ‚Krone’ des europäischen Vereinsfußball verdient. Die Bayern hätten eigentlich gewarnt sein müssen. Was der FC Chelsea da abzog, war Fußball zum Abgewöhnen. Und den Bayern fehlten die erfolgversprechenden Ideen.

Denn es war ein bescheidenes Spiel, auch wenn die Bayern eindeutig über lange Strecken drückend überlegen waren. Es kam eben nicht viel Zählbares dabei heraus, okay 17:1 Ecken, aber bis zur 83. Minute kein Tor, obwohl die Bayern über 40 Torschüsse erzielten, die aber zur Hälfte durch Chelsea-Spieler geblockt oder oft genug ‚in die Wolken’ abgefeuert wurden. Charakteristisch dabei die Spielweise von Arjen Robben, der zwar viel mit Ribéry rochierte, aber insgesamt zu sehr verkrampft war und immer wieder ersuchte, mit einem Pass in den Strafraum oder einem Schuss aus unmöglichen Positionen heraus den Siegtreffer zu erzwingen. Ich finde Robben sowieso überbewertet. Inzwischen müsste jeder Verteidiger in Europa seinen ‚Trick’ kennen. Er stürmt auf der rechten Außenbahn, versucht den Gegenspieler zu täuschen, indem er so tut, als wolle er weiter auf Rechtsaußen bleiben, sucht dann seinen Weg in die Mitte parallel zur Torauslinie mit einem allerdings enormen Antritt, um dann von hieraus aufs Tor zu zielen, wenn er eine Lücke erspäht.

Aber es geht ja um die Spieler, die Bayern München der deutschen Nationalmannschaft zur Verfügung stellt. Von denen konnte lediglich Philipp Lahm überzeugen. Mario Gomez spielte in der Spitze glücklos und ‚versemmelte’ eine Großchance, Toni Kroos spielte eher verkrampft und Bastian Schweinsteiger ist noch nicht ausreichend fit. Wie er seinen Elfer beim entschiedenen Elfmeterschießen gegen den Pfosten setzte, war schon erschreckend (es sah aus, als wolle er sich beim Spitzentanz bewerben), Joachim Löw ist gewarnt und sollte ihn erst einmal nicht als Elfmeterschütze einplanen. Bei Thomas Müller wechselten Licht und Schatten ab. Auch er ‚versemmelte’ mindestens zwei große Chancen, erzielte aber durch einen etwas merkwürdigen Kopfballaufsetzer das einzigste Feldtor der Bayern. Boateng konnte nicht viel falsch machen.

Es sind also wieder nicht wenige Bayern, die für das deutsche Team bei der EM (Website der UEFA zur EM) auflaufen werden. Aber die brauchen jetzt erst einmal eine psychologische Betreuung – nach diesem Drama von München. Man kann nur hoffen, dass diese ‚mit ihrer Leere im Kopf’ nicht die anderen Spieler anstecken.

Sicherlich will und kann das deutsche Team Europameister 2012 werden. Aber dazu bedarf es eindeutig mehr, als die Bayern am Samstag gezeigt haben. Hoffen wir auf einen gut aufgelegten Mesut Özil, der selbst mit wenigen gelungenen Pässen ein ganzes Spiel entscheiden kann. Aber es wird alles andere als einfach werden.

Grainau 2012 (13): Standpunkte

Ist man im Gebirge unterwegs, sind Ruhepausen (‚Ruhepunkte’) notwendig. Nach kurzer Zeit erhebt man sich wieder, um sich umzuschauen. Man sucht sich neue Standpunkte, von denen aus die beste Aussicht möglich ist. Wie im Leben ist alles eine Frage des ‚Standpunkts’. Manchmal muss man nur den ‚Standpunkt’ wechseln, um den besten Überblick zu bekommen.

Während unseres Urlaubs vor Ostern in Grainau waren wir viel im Gebirge unterwegs. Und von manchem ‚Standpunkt’ aus gab es eine uneingeschränkte Fernsicht.


Fotos © Jan Einar Albin

AlbinZ Standpunkte in den Alpen

Kafka lächelt mir traurig zu – aber er lächelt

Seit knapp einem Jahr ist meine Frau Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes – Ortsverein Tostedt e.V. Dieser Ortsverein veranstaltet öfter kleine Fahrten. So heute eine Fahrt nach Graal-Müritz an der Ostsee. Da fiel mir natürlich gleich Franz Kafka ein. Der war nämlich dort einmal zur Erholung. Nun, meine Frau nimmt mit ihrer Mutter an dieser Fahrt teil (ich bleibe zu Hause, warum eigentlich – meine Söhne können sich auch selbst versorgen?!). Und ich bat sie darum, auf eventuell noch vorhandene Spuren von Kafka zu achten, diese vielleicht fotografisch festzuhalten.

Franz Kafka (etwa 1923/24) - Dora Diamant (1928)

    Franz Kafka (etwa 1923/24) – Dora Diamant (1928)

Mit Spuren ist es wohl nicht viel. Kafka war vom Juni bis September 1923 (ein Jahr vor seinem Tod) mit seiner Schwester Elli in Müritz und lernte dort seine letzte Lebensgefährtin Dora Diamant kennen (siehe meinen Beitrag: Rotraut Hackermüller: Das Leben, das mich stört). Franz Kafka und Dora Diamant sind dann weiter nach Berlin. Was für Spuren gibt es jetzt eigentlich in Müritz noch: „Es gibt einen Kafkaweg, eine kleine Kafka-Vitrine im Heimatmuseum und eine Erinnerungstafel an Franz Kafka und Dora Diamant [eine nichtssagende Erinnerungstafel in der Strandstraße]. Doch die wichtigsten Erinnerungsstätten, das Haus, in dem Dora Diamant jüdische Kinder bekochte und betreute und das Haus in dem Franz Kafka eine Ferienwohnung gemietet hatte, gibt es nicht mehr. Ersteres wurde 2007, letzteres 2002 abgerissen. Dort stehen jetzt neue Gebäude.

[…] Was Nazis und Kommunisten (denen niemand Sympathien für Kafka nachsagen kann) nicht geschafft haben – die Marktwirtschaft hat es ermöglicht.“

So schreibt Roland Linowski (Franz Kafka kennenlernen) und schreibt noch einiges mehr. Ich habe das für meine Frau ausgedruckt, damit sie es vor der Reise liest.

Apropos Kafka und meine Frau: Meine Frau war erst vor zwei Wochen ein verlängertes Wochenende zu einem Frauenseminar im Kloster Drübeck im Harz. Das liegt nur wenige Kilometer entfernt von Stapelburg. Und wieder einige Kilometer weiter zwischen Stapelburg und Bad Harzburg gab es früher einmal die Kuranstalt Just’s Jungborn, die Kafka ab Juli 1912 für drei Wochen aufsuchte (siehe meinen Beitrag Kafka „kehrt zur Natur zurück!“).

Vielleicht sollte ich öfter mit meiner Frau am Wochenende verreisen.

Kontrastprogramm

Seit gestern gastiert Ian Anderson mit seiner Band in Deutschland (mit Abstechern in die Schweiz usw.), um beide Teile von Thick as a Brick aufzuführen. Inzwischen gibt es im Netz mehrere Mitschnitte von Konzerten aus England, u.a. aus der Symphony Hall im Birmingham vom 30.04.2012. Ich selbst habe in einen Mitschnitt aus der Newcastle City Hall vom 17.04.2012 hineingehört (Download z.B. via μtorrent möglich).

Die Aufnahmen sind zwar nicht berauschend, aber doch gut genug, um einen Eindruck von den Auftritten zu bekommen. Soviel möchte ich dazu hier und jetzt sagen:

Nachdem ich bereits erste Videos gesehen habe, die mich leider enttäuschten, fand ich das gehörte Konzert doch besser als erwartet. Wenn man mit einer nicht zu großen Erwartungshaltung ins Konzert geht, besonders was die gesanglichen Leistungen des Meisters betreffen (damit auch gleich genug zu diesem Thema), dann wird man mit Sicherheit einen guten Abend mit Anderson und seinen Jungs erleben. Hier noch einmal:


Ian Anderson Thick As A Brick 2012 Liverpool Philharmonic Hall

Gut, auf den Aufnahmen scheppert mir das Schlagzeug etwas zu blechern. Das dürfte aber im Wesentlichen an der Aufnahme selbst liegen. Das Zusammenspiel aller ist noch nicht immer hundertprozentig, sollte aber von Abend zu Abend besser werden. Ryan O’Donnell, der besonders beim ersten Teil (1972er TAAB) längere Parts im Wechsel mit Ian Anderson singt, offenbart einige stimmliche Schwächen. Er ist eben kein Ian Anderson früherer Jahre. Dafür bin ich über die instrumentale Dynamik bei TAAB2 positiv überrascht.

Hier ein kleiner Zusammenschnitt aus TAAB1 vom Konzert in Newcastle. Natürlich ist es nicht das absolute Gelbe vom Ei. Aber wenn die Life-Atmosphäre hinzukommt, dann sollten die Konzerte in Deutschland schon ganz okay werden. Allen Karteninhabern wünsche ich auf jeden Fall viel Spaß:


Jethro Tull’s Ian Anderson: Thick as a Brick (Ausschnitte aus einem Konzert vom 17.04.2012 in der Newcastle City Hall/Newcastle Upon Tyne/England)

Band:
Ian Anderson – Vocals, Flute, Acoustic Guitar
David Goodier – Bass Guitar
Scott Hammond – Drums, Percussion
John O’Hara – Keyboards, Accordion
Florian Opahle – Electric Guitar
Ryan O’Donnell – Additional Vocals, Theatre

First Set
01 Intro
02 Thick As A Brick (Part 1)
03 Weather Report And Prostate Cancer Awareness
04 Thick As A Brick (Part 2)

Second Set
01 Intro
02 From A Pebble Thrown
03 Pebbles Instrumental – Might-have-beens
04 Upper Sixth Loan Shark – Banker Bets, Banker Wins
05 Swing It Far
06 Adrift And Dumfounded
07 Old School Song
08 Wootton Bassett Town
09 Power And Spirit – Give Till It Hurts
10 Cosy Corner – Shunt And Shuffle
11 A Change Of Horses
12 Confessional
13 Kismet In Suburbia
14 What-ifs, Maybes And Might-have-beens
15 Band Intros And Concert Outro

Sicherlich werden einige von uns Martin Barre (besonders bei TAAB1) vermissen. Der hat eine eigene Band zusammengestellt – Martin Barre’s New Day – und präsentiert mit dieser die Musik von Jethro Tull. Die Band besteht aus:

Martin Barre – guitar
Pat O’May – guitar/vocals
John Mitchell – vocals/guitar
John Noyce – bass
Frank Mead – flute/sax./harmonica/vocals
Geoff Dunn – drums

Am 10. Juli kommt er nach München und tritt im Bayerischen Hof auf. Weitere Termine gibt es zz. nur für den Herbst und da auch nur für England. Barre bietet gewissermaßen das Kontrastprogramm zu Ian Andersons TAAB2-Tour. Während Anderson den Konzertmeister mimt, präsentiert sich Martin Barre’s New Day noch als echte Rockband. Das fetzt dann schon etwas anders als bei Anderson, auch wenn es sicherlich Geschmackssache ist, statt der Flöte ein Saxophon zu hören. Das Sopransaxophon erinnert mich an Andersons ‚Versprechen’, nie mehr Saxophon spielen zu wollen – der Auftritt kommt hier also einer Provokation gleich. Die Gesangsleistungen von Herrn Mitchell sind sicherlich auch nicht die tollsten. Sein Stimmumfang ist ziemlich reduziert. Und doch klingt das für mich deutlich besser als bei Herrn Anderson. Vielleicht mag ich es einfach etwas ‚dreckig’ und weniger steril.

Bei YouTube gibt es einige ganz interessante Aufnahmen von Martin Barre und seinen Mitstreitern, die ebenfalls im April d.J. aufgenommen wurden:


Martin Barre’s New Day: To Cry You a Song (Tavistock, April 2012)


Martin Barre’s New Day: Teacher (Tavistock, April 2012)


Martin Barre’s New Day: Minstrel in the Gallery (Tavistock, April 2012)

Sollte Martin Barre’s New Day in nächster Zeit einmal in die Nähe meines Wohnortes kommen (z.B. Hamburg und die Fabrik wären schön), dann werde ich dabei sein. In einem nicht allzu großen Club zu zivilen Preisen (für Anderson & Co. muss man ab 40 € aufwärts bis zu über 70 € auf den Tisch legen) und mit einer Kanne gepflegten Bieres in der Hand: das könnte mir gefallen!

Himmelfahrt erneut

In verschiedenen Religionen, besonders aber auch in Mythen, finden wir die Himmelfahrt als das höchste Ziel, nämlich mit allem, was einem eigen ist, ins Jenseits einzutreten. Am heutigen Feiertag feiert die Christenheit Christi Himmelfahrt, also die Rückkehr des Jesus von Nazareth als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel, nachdem er zu Karfreitag gekreuzigt und zu Ostern wiederauferstanden war von den Toten.

Grundlage der Himmelfahrt Christi ist das Evangelium von Lukas 24 Verse 50ff.:

Jesu Himmelfahrt
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.
51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude
53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

In unseren Breiten wird der Himmelfahrtstag zunehmend als Vatertag für Saufgelage missverstanden – wie bereits berichtet. Apropos Vatertag:

Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
weil es allgemein beliebt.
Selbst der Lasterhafte zeigt,
daß er garnicht abgeneigt.
Nur will er mit seinen Sünden
keinen guten Zweck verbinden,
sondern, wenn die Kosten kommen,
fühlet er sich angstbeklommen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Wolfgang und Kevin Thomas: Jethro Tull Over Germany

Es ist schon erstaunlich, wie viele Bezüge die Rockgruppe Jethro Tull zu Deutschland hat. Nach Großbritannien und den USA dürfte die Band wohl in Deutschland die meisten Konzerte gespielt haben. Das begann bereits Mitte der sechziger Jahre (wohl 1964) mit Mick Abrahams, dem ersten Gitarristen von Jethro Tull, der mit seiner damaligen Gruppe „The Toggery Five“ längere Zeit in einem Club namens Party Club in Hannover engagiert war. Auch Clive Bunker, der erste Tull-Schlagzeuger gehörte zu der Band.

Ian Anderson, der Kopf von Jethro Tull, trat neben den unzähligen Tull-Konzerten zudem mit Solo- und Tull-Lieder samt einigen klassischen Stücken mit diversen Philharmonie-Orchestern in Deutschland auf, u.a. dem Neue Philharmonie Frankfurt Orchester, von dem es auch eine Aufzeichnung vom Dezember 2004 in Mannheim als DVD Ian Anderson – Plays the Orchestral Jethro Tull gibt. Und als Pied Piper, als Rattenfänger der Rockmusik, hat Ian Anderson auch eine besondere Beziehung zur Rattenfängerstadt Hameln. Erwähnenswert ist natürlich auch die Zusammenarbeit in Deutschland mit Leslie Mandoki, Sänger, Schlagzeuger, Komponist und Musikproduzent in einer Person, der immer wieder namhafte Musiker um sich scharte, so auch Ian Anderson (die Videos sind mir allerdings bei YouTube ‚abhanden’ gekommen). Nicht zu vergessen sei auch das weihnachtliche Konzert 2006 von Ian Anderson im Kloster Maria Laach, zu dem der damalige Bundespräsident, Herr Horst Köhler, eingeladen hatte. Natürlich findet auch der wirklich empfehlenswerte Fotoband Didi Zill: Jethro Tull live und in Farbe. 250 seltene und meist unveröffentlichte Fotos Erwähnung (inzwischen Kult und nur noch zu horrenden Preisen zu erhalten – siehe hierzu auch meinen Beitrag: Altes „Neues“ von Jethro Tull).

Dieses und viel mehr ist jetzt nachzulesen in dem Buch Jethro Tull Over Germany: Fotos und Geschichten aus über vier Jahrzehnten von Wolfgang Thomas und Sohn Kevin, das ich mir in der letzten Woche zu Gemüte geführt habe.

    Wolfgang und Kevin Thomas: Jethro Tull Over Germany

Das großformatige Buch enthält auf über 250 Seiten eine Fülle von Informationen und Hintergrund-Stories über die Auftritte der Band in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen dabei die Beziehungen von deutschen Fans zur Gruppe, manchmal witzig beschrieben, selten wirklich banal. Auch ich durfte meinen kleinen Beitrag zu diesem Buch leisten (siehe meinen Beitrag zur Vorgeschichte hierzu: Jethro Tull Over Germany) und beschreibt meine kurze Begegnung mit Herrn Anderson am 12.02.1981 in der Bahn auf dem Weg von Bremen zu dem Konzert am Abend in Bremerhaven. Das in diesem Zusammenhang genannte Konzert am 10. Juni 2005 hatte ich auch besucht, es war mein bisher letztes Konzert von Jethro Tull (Übrigens der Link in den Danksagungen am Ende des Buchs auf weitere Eintrittskarten von mir, Willy Albin – richtig wäre natürlich Wilfried oder Willi – stimmt leider nicht).

WilliZ Beitrag zum Buch: Jethro Tull Over Germany

Neben den Fan-Äußerungen gibt es viele Interviews mit den Musikern und allem voran natürlich eine Unzahl an Fotos, die meisten sind bisher noch nirgends veröffentlicht worden. Dabei gefallen mir die Konzertplakate und Eintrittskarten besonders gut.

Natürlich wendet sich das Buch in erster Linie an deutsche Fans von Jethro Tull. Selbst der Hardcore-Fan der Gruppe wird hier Informationen finden, die er bisher nicht kannte. Leider kommen nach meinem Geschmack die frühen Jahre etwas zu kurz. Und am Schluss wird es etwas zu sehr zu einer Werbeveranstaltung zu Ian Andersons morgen in Deutschland anlaufenden TAAB-Tour. Alles in allem ist es wirklich lesens- und betrachtenswert – und für Tull-Fans ein absolutes Muss. Der Preis ist natürlich stattlich, dafür bekommt man aber auch ein Hochglanz-Fotobuch, das vielleicht eines Tages – ähnlich wie das Fotobuch von Didi Zill – Kult und damit um einiges mehr wert sein könnte, was aber nicht das Kriterium für den Kauf sein sollte.

Komm inne Puschen!

„Abfahrt auf Gleis ölf!“. Als ich das hörte, dachte ich, oje, ölf wie zwölf, oder? Wo kommt der gute Zugbegleiter bloß her? Aber ganz klar: aus Bremen! Es war wohl noch in der Grundschule, als mich meine Lehrerin, die ansonsten eine ganz nette und liebe war, korrigierte, denn auch ich sagte damals ölf statt elf. Das hat sich bei mir gewissermaßen festgefressen, ab da hieß es bei mir nur noch ELF. Mit vier ein halb Jahren war ich mit meinen Eltern und Geschwistern aus Pforzheim nach Bremen gekommen und sprach einen schwäbischsüdfränkischen Dialekt, sodass mich keiner in hohen Norden richtig verstand. Diesen Dialekt legte ich schnell ab und nahm – völlig unbewusst – den Bremer Dialekt an … Es ist schon erstaunlich, wie schnell man als Kind eine solche Sprache annimmt.

Der Bremer Dialekt (bremisch: Bremer Schnack, auch: Bremer Snak) ist eine in Bremen verbreitete Umgangssprache, genauer: es ist Missingsch, eine Mischsprache aus Hoch- und Niederdeutsch und dadurch entstanden, dass „niederdeutsche Muttersprachler Standarddeutsch zu sprechen versuchten“. Oft wird der niederdeutsche Satzbau beibehalten und volkstümliche Lehnübersetzungen niederdeutscher Wendungen ins Standarddeutsche übertragen (z.B. Schnacken von snacken für sprechen, reden). In Hamburg gibt es ein ähnliches Messingsch (und Käpt’n Blaubär spricht es auch: Moin-Moin, Kinners!).

Was mich allerdings am meisten überrascht, ist die Feststellung, dass ich auch heute noch viele Begriffe des Bremer Schnack nicht nur verstehe, sondern tatsächlich spreche (zumindest im Wortschatz habe). Und ich habe lange Zeit ziemlich stark genuschelt und Buchstaben – besonders die letzte Silbe eines Wortes – ‚verschluckt’ (Brem’n statt Bremen) – beides sind Charakteristika des Bremer Dialektes. „Man sagt auch: ‚Der Bremer Dialekt kann mit wenig Kraftanstrengung gesprochen werden – man braucht die Zähne ja nicht auseinander zu machen.’ Die Intonation mehrsilbiger Wörter fällt oft nach der ersten Silbe ab.“ (Quelle: de.wikipedia.de). Ich musste mir angewöhnen, ‚die Zähne weiter auseinander zu bekommen’.

Natürlich s-tolpern Bremer auch gern über den s-pitzen S-tein (hängt mit dem Niederdeutschen, also Plattdeutschen zusammen). Allerdings gibt es eine wenig nachvollziehbare ‚umgekehrte Regel’, aufgrund der ST und SP in Fremd- und Lehnwörtern englischer oder vermeintlich englischer Herkunft wie SCHT bzw. SCHP ausgesprochen werden, z.B. Illuschtrierte oder Pischtole.

Während der schwäbisch-südfränkischen Dialekt, mit dem ich sprechen gelernt hatte, aus dem Oberdeutschen stammt, verwendet der Bremer Dialekt wie gesagt niederdeutsche Elemente.

Es gibt also Wörter und Sätze, die ich heute durchaus noch verwende: So heißt z.B. backen auch kleben (Der Zuckerguss backt wie Teufel), und verschüttet man ein Getränk, so plörrt man (zu dünn geratener Kaffee ist eine Plörre). Und wenn jemand nicht in Gang kommt, so fordert man ihn zur Eile auf: Hau ma’ ’n Schlach ran (Hau’ einmal einen Schlag ’ran) oder: Komm inne Puschen (Komm’ in die Puschen = Filz-Hausschuhe). Einen Putzlappen nenne ich so auch heute noch Feudel und aufwischen ist feudeln. Nur die Elf ist bei mir keine Ölf mehr oder die Birne keine Bürne bzw. die Kirsche keine Köhrsche mehr.

siehe auch: weser-kurier.de – Bremer Mundart gerät in Vergessenheit

Volker Ernsting: Bremer Freimarkt
Volker Ernsting: Bremer Freimarkt

Ischa Freimaak!
Bedrohte Sprache: Halunder
Bedrohte Sprachen in Deutschland

Kronprinzensterben

Nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein mit leichten Verlusten kam es für die CDU in Nordrhein-Westfalen besonders hart. Und das geht eindeutig auf die Kappe von Norbert Röttgen, ihrem Spitzenkandidaten, der leider nicht immer ein heller Kopf zu sein scheint, denn wie soll ein Fauxpas wie jenes „bedauerlicherweise entscheidet der Wähler“ zu deuten sein? Genau, Herr Röttgen, der Wähler hat entschieden. Sie dürfen in Berlin bleiben. Und ich habe den Eindruck, dass dies dem Herr Röttgen, dem Karrieristen, sogar mehr als Recht ist. Das Thema Landespolitik, zu dem ihn mit Sicherheit die Bundeskanzlerin gedrängt hat, ist abgehakt. Jetzt geht’s ran an die Nachfolge von Frau Merkel …?!

Aber so leicht dürfte das nicht gehen. Ein Mann wie Röttgen, der beim Wähler schlecht ankommt, weil zu kopflastig und wenig bürgernah (wie z.B. Frau Hannelore Kraft) ist, wird kaum als Nachfolger für Frau Merkel in Frage kommen. Und damit geht das Sterben der Erben weiter. Nachdem sich ein Herr von Guttenberg selbstverschuldet von der Thronfolge verabschiedet hat, Herr Wulff (u.a. auch ein Herr Oettinger) zunächst weggelobt und dann ebenso kläglich gescheitert ist wie der Ex-Doktor, da gehen der CDU die Kronprinzen aus.

Das Ganze hat etwas von einem griechischen Drama. Es war Saturn, der seine eigene Kinder fraß. Und so sorgt Frau Merkel dafür, dass potentielle Nachfolger wie auch immer auf der Strecke bleiben. Das Wahlergebnis von Herrn Röttgen ist auf jeden Fall keine Empfehlung für höhere Aufgaben.

Die FDP darf sich zwar sowohl über den Einzug ins Landesparlament von Schleswig-Holstein als auch in das von Nordrhein-Westfalen freuen. Aber beide Erfolge sind lediglich die Erfolge der Herren Kubicki und Lindner. Damit wird es für die Berliner Boygroup um Rösler, Westerwelle und Patrick Döring nicht leichter werden.

Auch andere Trends sind klar erkennbar. Die Aufwärtsentwicklung der Grünen ist zugunsten der Piraten jäh gestoppt. Und die Linke taumelt zusehends der Bedeutungslosigkeit – zumindest im Westen – entgegen.

Alles Gute zum Muttertag

Heute ist Muttertag. An jedem 2. Sonntag im Mai ehrt man und Kind mit Blumen und anderen kleineren Präsenten seine Mutter. Wie so vieles kommt dieser Feiertag, der
in Deutschland allerdings kein offizieller Feiertag ist (aus gutem Grund, wie sich später zeigen wird), aus den USA, wo er vor knapp 100 Jahren ins Leben berufen wurde. Anfang der 20-er Jahre war es dann der “Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber”, der dafür sorgte, das der Muttertag auch in Deutschland populär wurde.

Während der Muttertag im konservativ-nationalistisch gesinnten Bürgertum Anklang fand, wurde im Jahre 1910 durch die 2. Internationale sozialistische Frauenkonferenz der Internationale Frauentag eingeführt. Seit 1911 wird der 8. März als internationaler Frauentag in der revolutionären Frauenbewegung als Tag des Kampfes für die Rechte der Frauen, begangen und gefeiert – bis heute.

Der Muttertag dagegen entsprach dem konservativen Frauenbild. Die sprichwörtliche Opferbereitschaft der Frauen sollte gewürdigt werden. Besonders zu Zeiten des Nationalsozialismus in Deutschland kam dem Muttertag besondere Bedeutung zu und wurde durch “”Mütterehrungsfeiern” und die Verleihungen von Mutterkreuzen erweitert.

Nun, ich will hier den Muttertag nicht an den Pranger stellen. Ich denke sogar, dass man sowohl Mutter- als auch Frauentag feiern kann. Aber des Missbrauchs eines solchen Feiertages sollte man sich schon bewusst werden. In diesem Sinne:

Alles Gute zum Muttertag 2012

Alles Gute allen Müttern zum heutigen Muttertag!