Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Theodor Storm: Ostern (Wh.)

Die Sonne scheint (vielleicht nicht überall), was wollen wir mehr. Ich wünsche allen geruhsame Osterfeiertage und ein fröhliches Ostereiersuchen …!

OsternEs war daheim auf unserm Meeresdeich;
ich ließ den Blick am Horizonte gleiten,
zu mir herüber scholl verheißungsreich
mit vollem Klang das Osterglockenläuten.

Wie brennend Silber funkelte das Meer;
die Inseln schwammen auf dem hohen Spiegel;
die Möwen schossen blendend hin und her,
eintauchend in die Flut die weißen Flügel.

Im tiefen Kooge bis zum Deichesrand
war sammetgrün die Wiese aufgegangen;
der Frühling zog prophetisch über Land,
die Lerchen jauchzten, und die Knospen sprangen. –

Entfesselt ist die urgewalt’ge Kraft,
die Erde quillt, die jungen Säfte tropfen;
und alles treibt, und alles webt und schafft,
des Lebens vollste Pulse hör‘ ich klopfen.

Der Flut entsteigt der frische Meeresduft;
vom Himmel strömt die goldne Sonnenfülle;
der Frühlingswind geht klingend durch die Luft
und sprengt im Flug des Schlummers letzte Hülle.

O wehe fort, bis jede Knospe bricht,
daß endlich uns ein ganzer Sommer werde;
entfalte dich, du gottgebornes Licht,
und wanke nicht, du feste Heimaterde! –

Hier stand ich oft, wenn in Novembernacht
aufgor das Meer zu gischtbestäubten Hügeln,
wenn in den Lüften war der Sturm erwacht,
die Deiche peitschend mit den Geierflügeln.

Und jauchzend ließ ich an der festen Wehr
den Wellenschlag die grimmen Zähne reiben,
denn machtlos, zischend schoß zurück das Meer –
das Land ist unser, unser soll es bleiben!

Theodor Storm

Ostereier (Wh.)

Wer kennt sie nicht, die hartgekochten und dann eingefärbten Ostereier. Besonders aber in den slawischen Ländern werden meist ausgeblasene Eier von Hühnern oder Enten kunstvoll bemalt zu Ostern als Dekoration verwendet. Die Techniken reichen vom „einfachen“ Bemalen über Batik- (mit Wachs) bis hin zu Kratz- und Ätztechniken.

Im Jahr 1983 war ich mit einem Freund eine Woche vor Ostern mehrere Tage in Prag. An der Karlsbrücke wurden den interessierten Käufern wundervoll bemalte Eier angeboten. Da konnte auch ich nicht widerstehen. Leider sind die Eier, da ausgeblasen, im Laufe der Jahre zu Bruch gegangen. Hier nun einige sehr schöne Beispiele für kunstvoll gestaltete Ostereier:

Sorbische Ostereier Ostereier aus der Kaschubei
Sorbische Ostereier Ostereier aus der Kaschubei (man erinnere sich an Günter Grass und „Die Blechtrommel“)
Ostereier aus Tschechien Ostereier aus der Ukraine
Ostereier aus Tschechien Ostereier aus der Ukraine

weitere Infos zu Osterbräuchen [1] [2]

Karfreitag – von Hermann Hesse (Wh.)

Karfreitag

Verhangener Tag, im Wald noch Schnee,
Im kahlen Holz die Amsel singt:
Des Frühlings Atem ängstlich schwingt,
Von Lust geschwellt, beschwert von Weh.

So schweigsam steht und klein im Gras
Das Krokusvolk, das Veilchennest,
Es duftet scheu und weiß nicht was,
Es duftet Tod und duftet Fest.

Baumknospen stehn von Tränen blind,
Der Himmel hängt so bang und nah,
Und alle Gärten, Hügel sind
Gethsemane und Golgatha.

aus: Hesse – Die Gedichte

Gründonnerstag (Wh.)

Heute ist Gründonnerstag, der fünfte Tag der Karwoche. Bei uns ist es Tradition, an diesem Tag ‚etwas Grünes’ zu essen. Uns ist der religiöse Hintergrund dieses Tages bewusst und dieser mag auch eine gewisse Rolle dabei spielen, eine entsprechend ausgewählte Speise auf die Teller zu bringen.

Früher, als unsere Kinder noch klein waren, gab es Spinat an diesem Tag. Unsere Kinder mochten Spinat – und auch wir Erwachsene haben nichts gegen dieses Gemüse. Seit einige Jahren aber, ist es selbstgemachte Pesto zu Pasta, die am Abend auf den Tisch kommt. Unser jüngster Sohn ist Pesto-Spezialist und hat bereits heute Mittag diese ungekochte Würzsoße fertiggestellt:

Pesto ist eine Soße für Pasta, also für Nudeln (am besten Spaghetti). Gib 150 g Basilikumblätter (drei bis vier Töpfe), 50 g Pinienkerne (Walnusskerne gehen auch), 80 g Parmesan, Olivenöl, eine Prise Salz und Pfeffer in einen Mixer und vermixe alles zu einem cremigen Brei. Einige Knoblauchzehen sollten nicht vergessen werden. Pesto wird gleich nach dem Kochen der Nudeln und Abtropfen mit den Nudeln vermischt und dann serviert.

Guten Appetit!

Karwoche (Wh.)

Die Karwoche beginnt nach dem Palmsonntag, schließt Gründonnerstag und Karfreitag ein, und endet mit dem Karsamstag. Abendmahl, Kreuzestod und Auferstehung Jesu gehören eng zusammen.

Daher feierte man bis zum 4. Jahrhundert in der Osternacht alle drei Ereignisse; heute feiert man drei Tage von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn ab Gründonnerstag. Augustinus sprach im 5. Jahrhundert vom heiligen „Triduum des gekreuzigten, begrabenen und auferstandenen Christus“. In der evangelischen Kirche werden in der Karwoche traditionell tägliche Andachten – „Passionsandachten“ – abgehalten.

Der Karfreitag gedenkt des Kreuzestodes Jesu; „chara“, althochdeutsch, bedeutet „Trauer, Wehklage“. An diesem wie auch am folgenden Tag findet in katholischen Kirchen keine Messe statt, es wird nur ein einfacher Wortgottesdienst gehalten. In Österreich hat sich das Brauchtum des Heiligen Grabes etabliert. Dabei wird „der tote Jesus“ im Anschluss an die Karfreitagsliturgie in einer feierlichen Prozession in sein Grab gelegt.

KARWOCHE

O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!
Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,
Du breitest im verjüngten Strahl der Sonne
Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde,

Und senkest schweigend deine Flöre nieder;
Der Frühling darf indessen immer keimen,
Das Veilchen duftet unter Blütenbäumen
Und alle Vöglein singen Jubellieder.

O schweigt, ihr Vöglein auf den grünen Auen!
Es hallen rings die dumpfen Glockenklänge,
Die Engel singen leise Grabgesänge;
O still, ihr Vöglein hoch im Himmelblauen!

Ihr Veilchen, kränzt heut keine Lockenhaare!
Euch pflückt mein frommes Kind zum dunkeln Strauße,
Ihr wandert mit zum Muttergotteshause,
Da sollt ihr welken auf des Herrn Altare.

Ach dort, von Trauermelodieen trunken,
Und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften,
Sucht sie den Bräutigam in Todesgrüften,
Und Lieb‘ und Frühling, alles ist versunken!

Eduard Mörike

Heute Ruhetag (10): August Strindberg – Ostern

Heute Ruhetag!

Elis kommt herein in aufgeknöpftem Winterüberzieher, er trägt ein großes Bündel Akten, die er auf den Schreibtisch legt. Dann zieht er den Überzieher aus und hängt ihn links auf. Guten Tag, mein Schatz.

Kristina. Guten Tag, Elis!

Elis sieht sich um. Die Doppelfenster herausgenommen, der Fußboden gescheuert, reine Gardinen … ja, es ist wieder Frühling geworden … Und sie haben die Eisbahn aufgebrochen, und die Palmenweide blüht unten am Fluß … ja, es ist Frühling … Und ich will den Winterüberzieher … weißt du, er ist so schwer – wägt den Rock in der Hand – als ob er alle Mühen des Winters, allen Schweiß der Angst und allen Staub der Schule eingesogen hätte … Ah!

Kristina. Und jetzt hast du Ferien!

Elis. Osterferien! Fünf schöne Tage, um zu genießen, zu atmen, zu vergessen. Reicht Kristina die Hand und setzt sich dann in den Lehnstuhl. Nein, sieh, die Sonne ist wiedergekommen … im November ging sie davon, ich entsinne mich noch des Tages, als sie hinter der Brauerei schräg über der Straße verschwand … Ach, dieser Winter! Dieser lange Winter!

[…]

August Strindberg: Ostern – ein Passionsspiel in drei Akten (Erster Aufzug: Gründonnerstag)

Jethro Tull 25th Songbook und die neue Scheibe

Heute ist es nun soweit: Jethro Tull’s Ian Anderson und seine neue Band bringen 40 Jahre nach Thick as a Brick den zweiten Teil: Thick as a Brick 2, auch kurz TAAB2 genannt, auf den Markt. Meine Special Edition mit CD und DVD ist bereits seit gestern in der Post und dürfte heute rechtzeitig bei mir eintreffen (siehe auch zuletzt meinen Beitrag: Was ist eigentlich aus Gerald Bostock geworden?)

Was ist eigentlich aus Gerald Bostock geworden?

Die Euphorie im Netz ist ziemlich groß. Anderson hat auf der Jethro Tull- bzw. Ian Anderson-Website viele Musik-Ausschnitte bereitgestellt. Aber so ganz konnte mich das bisher nicht überzeugen. Und das liegt nicht nur an Andersons Stimme, die seit Jahren nicht mehr die beste ist. Immerhin hat man viel technischen Aufwand getrieben, um die Stimme einigermaßen ‚hinzubiegen’. Aber warten wir es ab. Ich lasse mich gern positiv überraschen.

So oder so habe ich bereits meine positive Überraschung. Es handelt sich um das Jethro Tull 25th Songbook, das der Palmyra Verlag seit vielen Jahren immer wieder neu auflegen will und das bis heute nicht geschafft hat. Endlich habe ich ein Exemplar aller Liedertexte bis 1995 (Roots to Branches) von Jethro Tull – mit den deutschen Übersetzungen von Karl Schramm. Ich hatte mich vor Jahren daran versucht, z.B. Thick as a Brick zu übersetzen, bin dann aber an vielen der Wortspiele von Ian Anderson mehr oder weniger gescheitert. Damals gab es eben kein Internet, mit dessen Hilfe ich vielleicht weitergekommen wäre (endgültig aufgegeben hatte ich es mit der Zeile: „Where the hell was Biggles when you needed him last Saturday?“ Ich fragte mich nicht, wo zum Teufel Biggles war, sonder WER Biggles war? Inzwischen weiß ich das natürlich. Er ist wie Superman ein Comic-Held: James Bigglesworth, ein Flieger aus dem ersten Weltkrieg! In den Niederlanden gibt es eine entsprechende Website zu Biggles, also: Wo zum Teufel war Biggles …? – siehe u.a. meinen Beitrag Was ist bloß mit Ian los? Teil 38: Friede auf Erden). Jetzt kann ich mein Schulenglisch also etwas auffrischen und mit Andersons eigenen Wortklaubereien erweitern, denn durch Zufall bin ich, lieber Lockwood, an ein Exemplar aus der 3. Auflage von 1997 herangekommen.

Aber dem nicht genug: Am Montag erscheint ja das Buch Jethro Tull Over Germany von Wolfgang Thomas und Sohn Kevin (siehe auch jethrotullovergermany.de).

Two and a half men

Ja es ähnelt der US-amerikanische Sitcom mit diesem Namen, das was die FDP zz. präsentiert: die Boygroup Westerwelle, Rösler und Döring (wer da den halben Hahn darstellt, bleibt dem Leser überlassen). Und man kann schon Angst um die Jungs bekommen. Nach der Wahl im Saarland, bei der die FDP nur unter ‚ferner Liefen’ ins Ziel stolperte, mag man gar nicht erst an die nächsten Wahlen im Mai denken (Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen) – und noch weniger an die Bundestagswahl SPÄTESTENS im Herbst 2013 denken.

Die FDP hat allem Anschein nach ausgedient. Als Ersatz haben wir nun die Piraten gewissermaßen als FDP 2.0. Da stellt sich natürlich die Frage, was werden unsere FDP-Jungs SPÄTESTENS ab Herbst 2013 beruflich tun?

Westerwelle ist promovierter Jurist und seit 1991 als Rechtsanwalt zugelassen. Er arbeitete bis zu seiner Wahl zum Generalsekretär der FDP 1994 in der Bonner Anwaltskanzlei seines Vaters Heinz Westerwelle. Das war nicht allzu lang und ist schon ziemlich lang her (Quelle: de.wikipedia.de).

Rösler ist promovierte Arzt ohne abgeschlossene Facharztausbildung und war zuletzt bis 2003 Stabsarzt bei der Bundeswehr. Auch das ist lange her und mit der Berufserfahrung hapert es einwenig (Quelle: de.wikipedia.de).

Und Döring ist Diplom-Ökonom und hat seit 1999 einige berufliche Erfahrung in mittelständischen Versicherungsunternehmen in Hannover sammeln können. Auch nicht so toll (Quelle: de.wikipedia.de).

Ja, was werden die Herren in Zukunft beruflich machen, wenn sie in Berlin ausgedient haben? Wer mag denen einen Job geben, muss zu befürchten sein, dass sie die Firma auch schnellstmöglich an die Wand fahren? Die Partei wechseln? Wer nimmt die schon?
Hartz IV? Oder auf Vorruhestand mit ’ner Art ‚Ehrensold’?

Ziemlich uncool, Sven Regener

Also Ihren Lehmann finde ich ja ganz cool, Herr Regener. Vielleicht weil er einiges auch mit mir zu tun hat: Sielwall in Bremen, überhaupt Ostertor – dann die Bundeswehr, mir ging es ähnlich wie Herrn Lehmann – und Berlin, bin dort zwar geboren, habe später aber woanders gelebt, bin aber oft genug nach Berlin gefahren. Mit Ihrer Musik (Element of Crime) habe ich weniger am Hut. Und jetzt das: Ihre Wutrede bei Bayern 2 im Rundfunk, Ihre Stellungnahme zu Urheberrecht und Internet.

Es ist nicht so, dass ich Sie nicht verstehe. Natürlich ist YouTube ein Milliardenunternehmen und bereichert sich ohne eigenes künstlerische Zutun mit den Werken anderer. Aber Millionen Menschen gucken tagtäglich die Videos dort und erfreuen sich daran. Und es soll viele Künstler geben, die sogar freiwillig ihre Videos dort einstellen, um bekannt zu werden.

    Urheberrecht auf die eigene Scheiße

Ihr Loblied auf die GEMA kann ich aus ihrer Sicht durchaus nachvollziehen. Mich würde, so nebenbei gefragt, interessieren, wie die GEMA-Einnahmen an ihre Mitglieder ausgeschüttet werden, es soll nach einem komplexen Verteilerschlüssel geschehen. Sie, Herr Regener, werden dabei sicherlich nicht allzu schlecht abschneiden. Aber wie YouTube Positives wie Negatives einschließt, so ist auch bei der GEMA nicht alles bestens. So finde ich die Pauschalabgaben für Geräte und Medien, die das Kopieren von Musik ermöglichen, nicht okay. Warum wird damit jedem Käufer unterstellt, dass er auch urheberrechtlich geschützte Musik kopiert? Und warum kassiert die GEMA auch, wenn z.B. die evangelische Kirche bei uns im Ort so genannte Bandabende veranstaltet. Und zwar nicht gerade wenig (etwa 200 €). Kassiert wird auch dann, wenn die Bands, die übrigens kostenlos auftreten, keine Titel covern, sondern nur Eigenkompositionen vortragen. Ich nenne so etwas hanebüchen. Und wenn ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt Weihnachtsmusik abspielt, dann kassiert die GEMA, damit auch Sie sich, Herr Regener, eine fette Weihnachtsgans leisten können. Und mit Kindergärten und Schulen war da auch noch etwas. Man kann es auf die Spitze treiben.

Natürlich sollten sich YouTube und GEMA endlich einig werden, damit nicht jedes 2. Video in Deutschland als nicht verfügbar ausgewiesen wird, „da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden.“ Die Musiker, die die GEMA vertritt, hätten dann auch etwas vom großen Kuchen (siehe hierzu den interessanten Artikel bei spreeblick.com).

Der Unterschied zwischen Urheber- und Nutzungsrechten ist Ihnen sicherlich bekannt, Herr Regener. In unserem Bekanntenkreis gibt es einen, der vor vielen Jahr einmal ein Buch geschrieben hat, das dann auch ein Verlag herausbrachte. Jetzt hätte er es gern, dass eine Neuauflage erscheint. Der Verlag, der die entsprechenden Nutzungsrechte hält, ist aber nicht interessiert. Natürlich könnte er das Buch selbst herausbringen. Dann müsste er aber für die Nutzungsrechte des Verlags zahlen. Sein Urheberrecht, das bekanntlich nur vererbt, aber nicht veräußert werden kann, kann er sich in die Haare schmieren.

Und so wie dieses Buch also nie mehr erscheinen wird, gibt es mindestens ein Dutzend Filme, die ich gern sehen möchte, für die ich auch angemessen zahlen würde, wenn sie auf dem Markt erhältlich wären, was sie aber nicht sind (z.B. Literaturverfilmungen wie Martin Walser: Der Sturz oder Halldór Laxness: Am Gletscher; dagegen ist z.B. die für mich interessante Verfilmung von Einar Kárason: Die Teufelsinsel nur ‚illegal’ im Internet zu beziehen). Wenn Film-, Musik- oder auch Verlagsindustrie keine Kohle verdienen können, dann verschwinden Werke einfach vom Markt.

Und was halten Sie vom Wahn der Abmahnindustrie? Es kann doch auch in Ihrem Interesse nicht liegen, dass ganze Bevölkerungsteile kriminalisiert werden, Rechtsanwälte sich dabei eine goldene Nase verdienen – und am Schluss der Autor und Urheber trotzdem nichts davon hat.

Die Welt verändert sich nun einmal. Sie werden mir doch sicherlich nicht erzählen wollen, dass Sie in jungen Jahren nicht auch die eine oder andere Kopie gezogen haben? ‚Damals’ war das eben aufwändiger und mit Qualitätsverlust behaftet, z.B. eine LP auf Musikkassette zu ziehen. Heute ist das ganz einfach und es kann jeder Trottel. Nein, Ihr ‚Geschäftsmodell’ zieht nicht mehr, weil die Technik voranschreitet. Und so müssen auch Musiker wie Sie zwangsläufig umdenken.

Ich will und kann Ihnen hier kein neues ‚Geschäftsmodell’ generieren, da müssen Sie sich schon selbst den Kopf zerbrechen. Aber viele Musiker vermarkten sich im Netz inzwischen selbst, weil sie es vor allem auch satt haben, in die Taschen der Musikindustrie zu arbeiten. Wie viel bekommen sie von einer verkauften CD und wie viel verdient z.B. ein Plattenlabel wie Sony? Sicherlich ist es richtig, dass viele kleine Indie-Labels heute keine Überlebenschance mehr haben. Aber das liegt nicht nur daran, dass Musik ‚unentgeltlich’ im Netz zu haben ist.

Ihre Wutrede war sicherlich spontan und emotional getragen. Aber die war leider auch ziemlich einseitig und ohne Blick zur Seite und nach vorn. Was wollen Sie gegen YouTube & Co. und den Raubkopierern tun? Alle verbieten oder einsperren? Sicherlich nicht! Sie als Musiker (und als Buchautor) sollten sich an der öffentlichen Diskussion beteiligen. Eine fäkalträchtige Standpauke genügt da nicht. Das eigentliche Problem ist dabei nach meiner Meinung weniger das Urheber- als vielmehr das Nutzungsrecht. Trotzdem muss beides überdacht (von Denken) und auf neue Füße gestellt werden. Ich könnte Ihnen, lieber Herr Regener, noch vieles andere unter die Nase reiben. Das soll aber für heute genügen. Blieben Sie cool, Herr Regener!