Wenn der Ball wieder rollt …

Am Wochenende geht es also nun doch wieder los: die Fußballbundesliga und die 2. Liga starten in die Endrunde der für über zwei Monate unterbrochenen Saison 2019/2020. Die Begeisterung der Fans hält sich in Grenzen: die letzten Spieltage finden ohne sie statt. Der Ball rollt vor leeren Zuschauerrängen. Corona hin, Corona her: Es geht ums Geld aus TV-Einnahmen. Für den SV Werder Bremen sollen es bis zu 45 Millionen € sein, die dem Verein fehlen würden, wäre die Saison vorzeitig abgebrochen worden. Bei einer Fortsetzung mit Geisterspielen sind es dann nur 20 Millionen € Verlust, sagte Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Erstmals seit der Ausgliederung der Profi-Abteilung hat die SV-Werder-Kapitalgesellschaft einen Kredit aufgenommen. In zweistelliger Millionenhöhe.

Trainer Kohfeld mit den Werder-Spielern: Wenn alles schief geht
Trainer Kohfeld mit den Werder-Spielern: Wenn alles schief geht

Da viele Vereine keine finanziellen Reserven aufweisen, hätte nach einem Bericht des „kicker“ 13 Clubs aus Liga 1 und 2 noch in dieser Saison die Insolvenz gedroht.

Beim SV Werder kostet der Kader aktuell in etwa 58 Millionen Euro pro Saison. Wie groß das Budget in der kommenden (Erstliga?)-Saison noch sein darf, sagte Filbry zwar nicht, doch es ist wohl keine Frage, dass zum einen kleine Namen verschwinden werden, um den derzeit stolze 32 Spieler umfassenden Profi-Kader zu verschlanken und kostengünstiger zu machen. Zum anderen muss es für die große Wirkung aber auch große Namen treffen. Milot Rashica steht dabei an erster Stelle. Werder verspricht sich trotz allem immer noch eine Ablöse zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Da aber der Transfermarkt eher einzubrechen droht, weil demnächst weit weniger Geld im Markt sein wird, glaube ich selbst nicht an eine solch hohe Ablösesumme. Aber eine langfristige und ausreichende Entlastung des Etats ist mit ihm allein nicht zu erreichen. Andere Gutverdienende werden bei Werder Bremen ebenfalls auf die Verkaufsliste rücken, z.B. Maximilian Eggestein oder Davy Klaassen, die aber durch ihre zuletzt eher bescheidenen Leistungen nicht gerade von anderen Vereinen umworben sein dürften.

Zum Teil haben Spieler auf Teile ihrers Gehalts verzichtet, die einen freiwillig, andere offensichtlich unter Zwang. Trotzdem ist es schwer zu verstehen, dass die Clubs ihren Spielern vorerst keine weiteren Zugeständnisse abringen wollten, gleichzeitig aber Ticketinhaber bezirzen, ihr Geld nicht zurückzufordern. Geisterspiele machen keinen einzigen Fan glücklich, sondern nur die Gehaltsempfänger in den Clubs, die am Tropf der TV-Sender hängen. Die Fans zahlen und die Spieler kassieren. Der Profi-Fußball, das wurde in der Krise klar, hat sich mit seiner turbokapitalistischen Dynamik schon lange von der Gesellschaft abgekoppelt.

Es ist jetzt an der Zeit, über eine neue Moral im Fußball zu reden. Die absurden Gehälter, die sich immer weiter hochschraubenden Ablösesummen – wer will das alles noch? Es sind immer mehr Fans, die sich vom Profi-Fußball abwenden. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt, fürchte aber, dass bald alles wieder beim Alten sein wird. Nur einige Vereine, vielleicht auch der SV Werder, werden auf der Strecke verblieben sein.

Denn sportlich muss sich in diesen letzten neun (für Werder sind es noch zehn) Spiele in Bremen noch einiges tun. Mit vier Punkten hinter dem Relegationsplatz und schon acht Punkten hinter dem rettenden Ufer (Platz 15) steht Werder mit mehr als einem Fuß vor dem Abstieg.

Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber sollten es die Bremer nicht schaffen, in der 1. Liga zu verbleiben, dann wird es in Zukunft schwer werden: Mit einem Kader, dem die großen Namen fehlen, mit reichlich Miesen auf dem Konto – es droht Werder Bremen der dauerhafte Abschied aus der Fußball-Bundesliga.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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