Was ist bloß mit Ian los? Teil 94: Superstars & Idole Teil 2

Hi, Kretakatze & Lockwood – und allen Besuchern ein fröhliches Hi-ho,

Lockwood lebt noch, wie schön – und willkommen zurück im Club.

Heute möchte ich zwei Fäden vom letzten Mal wieder aufnehmen und miteinander verknüpfen. Zunächst der 1. Faden: Lockwood beschrieb die Endkandidaten aus DSDS der aktuellen Staffel als kompatibel, wohl im Sinne von austauschbar. Dagegen wären Musiker z.B. wie Tom Waits „Typen“, die sicherlich nirgends einen Schönheitspreis gewinnen werden (so übel sah er früher aber gar nicht aus), auch für ihren Gesang nicht, die aber durch ihre Musik als solches zu überzeugen wissen. Ich denke, Lockwood trifft hier den Nagel auf dem Kopf. Selbst der schönste Singsang sagt mir nur wenig zu, wenn so etwas wie Authentizität fehlt. Waits singt Waits, Ian Anderson singt Ian Anderson. Ein Clay Aiken singt in erster Linie nur ein Lied eines anderen. Natürlich gibt es Sängerinnen und Sänger, die vornehmlich Lieder anderer Interpreten vortragen (z.B. Joe Cocker, auf den ich noch kurz zu sprechen kommen werde) und dabei doch ganz „typisch“, echt, also authentisch sind. Diesen Grad hat Clay Aiken für mich nicht erreicht (und wird ihn wahrscheinlich auch nie erreichen).

So nebenbei: Als Nachtrag hier die von Lockwood angesprochenen Versionen des Tom Waits’ Liedes „Jersey Girl“:


Bruce Springsteen Jersey Girl


Tom Waits – Jersey Girl

Das bringt mich zu einem schon früher diskutierten Thema zurück: Coverversionen. Ian Anderson und seine Mannen haben selbst schon gecovert und wurden es. Hier eine längst nicht vollständige Liste der Stücke.

Tom Waits selbst hat ebenfalls Lieder anderer Autoren gecovert – und ist selbst reichlich gecovert worden (nicht nur vom „Boss“ Bruce Springsteen): auch hier eine Liste der Stücke. Und neulich las ich, dass selbst die Schauspielerin Scarlett Johansson (u.a. bekannt aus „Lost in Translation“) ein ganzes Album mit Waits-Liedern auf den Markt bringen will. Interessant vielleicht in diesem Zusammenhang die „Kontroverse“ Rod Stewart vs. Tom Waits.

Meist sind die Originale besser als die nachgespielten bzw. nachgesungenen Lieder. Aber einige Stücke haben dem Original den Rang abgelaufen, haben nicht nur höhere Verkaufszahlen erzielt, sondern das Original ‚förmlich’ in den Schatten gestellt. Mir fällt da z.B. „Black Magic Woman“ von Santana ein, ein Lied aus der Feder von Peter Green, der das Lied damals mit Fleetwood Mac veröffentlichte. Und ich denke da an Richie Havens, wenn einer von Euch den kennt, der besonders durch Versionen von Beatles-Liedern bekannt wurde (Joe Cockers Version von With a Little Help From My Friends werdet Ihr aber kennen). Die gecoverten Versionen waren wohl deshalb „besser“ (wenn man das so überhaupt sagen kann), weil diese die Authentizität haben, von der ich eben sprach.

Nun, was ist mit dem 2. Fädchen? Bei dem ganzen „DSDS“-, „Amercan Idol“-, „Pop Idol“- und sonstigen Kram wird doch auch nur gecovert. Ich kenne mich zwar mit diesen Sendungen nicht aus, aber ich denke, dass es geradezu nicht erwünscht ist, mit eigenen Stücken dort aufzutreten, oder? Also werden Lieder aus der großen Grabbelkiste hervorgeholt. So fällt es dem Zuschauern in der Regel leicht, sein Votum abzugeben, da die vorgetragenen Lieder oft bekannt sind oder zumindest einen entsprechenden Wiedererkennungswert besitzen. Nun habe ich die beiden Fäden am Wickel und knüpfe daraus einen Galgenstrick, denn ich komme zu einem meiner Lieblingsthemen in diesem Zusammenhang: Urheberrechte! Denn wie sieht es mit den Urheberrechten der Autoren dieser Lieder aus? Bekommen die einen müden Euro (Pfund, US-Dollar) dafür, dass ihre Lieder u.a. von skurrilen Nichtskönnern dargeboten werden, wie Kretakatze sagt? Oder geht alles „aufs Haus“, d.h. Sony & Co. schauen zu und lassen hier einmal Urheberrechte Urheberrechte sein.

Wenn ich richtig informiert bin, so haben ja auch nicht die Künstler, die eigentlichen Urheber, die Urheberrechte, sondern treten diese gezwungenermaßen an die Firmen ab (in Form von Nutzungsrechten in Deutschland, da Urheberrechte bei uns nicht übertragbar sind). Dafür bekommen sie dann 9,009 % des Verkauferlöses (wenn ich mich nicht täusche). Also von einer CD für 12,99 € sind das dann 1,17 €. Kein Wunder also, wenn manche Künstler den Vertrieb ihrer Musik selbst in die Hand nehmen wollen (wofür sich das Internet natürlich bestens eignet). Ansonsten dürfen sich auch Nichtskönner an geborgtem Liedergut vergehen, ohne dafür Gebühren zu zahlen (wie gesagt: es geht „aufs Haus“!).

Und damit ich noch mehr vom Kurs abkomme, an dieser Stelle einen kleinen Exkurs: Was die GEMA in etwa ist, solltet Ihr wissen. Die kassiert im Namen der bei ihr vertretenen Künstler für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte; u.a. gehen mehrere Cent pro CD/DVD-Rohling an die GEMA. Und so kassiert die GEMA auch, wenn z.B. die evangelische Kirche bei uns so genannte Bandabende veranstaltet. Und zwar nicht gerade wenig (etwa 200 €). Kassiert wird auch dann, wenn die Bands, die übrigens kostenlos auftreten, keine Titel covern, sondern nur Eigenkompositionen vortragen. Ich nenne so etwas hanebüchen.

Ich gerate in Schlingern. Komme ich so noch einmal kurz auf Tom Waits zurück: So singt Wolfgang Ambros auf seinem Album „Nach mir die Sintflut“ wienerische Versionen von Tom-Waits-Songs, u.a. wird aus Tom Waits‘ „In the Neighborhood“ „Durt bin i daham“. Klingt durchaus interessant.

„In the Neighborhood“ würde ich übrigens zu meinen Lieblingsliedern zählen. Es ist schlicht und trotzdem durch die Bläser sehr schön arrangiert. So komme ich auch gleich zum nächsten Thema des Abends (bei Kretakatze müsste es wohl „des Morgens“ heißen): Lieblingslieder. Es ist gar nicht so einfach, aus der langen Liste der Lieder, die man im Laufe seines Lebens vernommen hat, die Lieder herauszusuchen, die man – immer wieder – am liebsten hört. Einige kann ich natürlich gleich auf Anhieb nennen. Und von Herrn Anderson und seiner Combo ist natürlich auch eines dabei. Aber da fängt das Problem schon an, denn es sollte immer nur ein Lied sein – pro Gruppe bzw. Interpret. Und was sollte da das mir liebste Stück von Jethro Tull sein? Welche Lieder sind denn Eure Lieblinge? Nur frei heraus damit und ohne falsche Scham.

Mit dieser kleinen Hausaufgabe entlasse ich Euch heute. Wir bleiben am Ball bzw. an der Tastatur und hören voneinander.

Bis dahin
Euer Wilfried

01.04.2008

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Kretakatzes Beitrag hat sich mit dem meinen überschnitten. Von daher schreiben wir etwas aneinander vorbei.

Wilfried

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Hallo Ihr Lieben,

„Wellcome Back“ Lockwood – da hattest Du ja wohl in letzter Zeit einigen Stress an der Backe. Auch von mir noch herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Hauptsache, Du hast alles gut überstanden.

Lieber Wilfried, es tut mir leid, wenn ich Dich mit meinem „American Idol“-Kram auf’s Glatteis geführt habe, wie Du schreibst. Das war nicht meine Absicht. Deine Reaktion klang ein wenig gereizt. (Immerhin hat es Mr. Aiken damit wohl geschafft wieder etwas Feuer und Schwung in unsere fast eingeschlafene Diskussion zu bringen – wer hätte ihm das nun wieder zugetraut?) Ich hatte auch bereits den Verdacht, dass ich mich mit meinem Beitrag über Clay Aiken zu weit vom eigentlichen Thema Deines Weblogs entfernt habe, deshalb auch mein Kommentar in der zugehörigen Mail. Veröffentliche ihn einfach nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass Jethro Tull Fans, die in Dein Weblog surfen, noch genervter sind als Du, wenn sie dort mit Clay Aiken konfrontiert werden. Jethro Tull Fans sind, glaube ich, überhaupt recht schnell genervt. Und aus Deiner Reaktion auf meine Geschichte schließe ich, dass einmal wieder vieles von dem, was ich eigentlich deutlich machen wollte, überhaupt nicht angekommen ist. Da habe ich also mal wieder mein Ziel verfehlt – sechs – setzen!

Vorneweg – Du brauchst nicht zu befürchten, dass ich bei DSDS lande. Ist Dir tatsächlich entgangen, dass ich dieses Thema bereits behandelt hatte, und zwar abschließend? Zur Erinnerung: Es war dies mein Beitrag, in dem ich Judith Lefeber vorgestellt hatte.

Jetzt sind also wohl doch noch ein paar Erläuterungen angebracht… Es war nicht meine Absicht Euch Clay Aiken als neue musikalische Offenbarung zu präsentieren. Seine Musik ist nicht mein Stil. Ein paar der Klassiker, die er im Programm hat – z.B. Without You, Everything I Do (I Do It For You) oder die Elton John Titel – höre ich ganz gerne, aber die Originale sind für mich völlig ausreichend, zumal sich seine Covers von den Originalen kaum unterscheiden. (Über Sinn und Unsinn von Covers könnte ich auch noch einiges schreiben, aber das wäre ein eigenes Thema). Die meisten seiner sonstigen Songs oder Hits würde ich in die Kategorie „seichte Schlager“ einordnen, Vieles klingt für mich einfach langweilig. Dazu kommen einige Titel, die deutlich jenseits meiner Toleranzgrenze für Sentimentalität liegen (wie z.B. „Mary Did You Know“, und es gibt da noch Krasseres). Und dann finde ich es auf die Dauer ziemlich anödend, wenn jemand ausschließlich Liebeslieder singt (und das dann gar noch in Kombination mit Weihnachtsliedern). Ich höre gerne Mal Titel mit einem geistreichen Text.

Jetzt fragt Ihr Euch sicher, was ich dann eigentlich mit Mr. Aiken am Hut habe. Genau das habe ich mich auch gefragt, und ich habe versucht dieser Frage nachzugehen. Sie ist mehr oder minder identisch mit der Frage, was halb Amerika mit Mr. Aiken am Hut hat. Allein durch seine Musik ist seine Popularität nicht zu erklären. Leider ist die Frage garnicht so leicht zu beantworten, ich möchte nicht behaupten, dass ich das Phänomen Clay Aiken – und als solches würde ich ihn bezeichnen – schon restlos verstanden hätte. Und vor allem – es hat mit Musik und erst recht mit Jethro Tull nichts zu tun und gehört daher nicht in Dein Weblog. Aber bleiben wir erst einmal noch bei der Aufklärung weiterer Missverständnisse.

Wilfried schrieb: „Die Brille wich schon früh einem Satz Kontaktlinsen.“ Genau das tat sie eben nicht (waren die verlinkten Photos vielleicht doch teilweise so klein, dass man die Brille nicht mehr erkennen konnte?). Für American Idol musste Mr. Aiken natürlich auf Kontaktlinsen umstellen, sonst hätte man ihn nicht auf die Bühne gelassen. Aber kaum war AI vorbei, da kramte er seine Brille wieder raus (vielleicht nicht genau das gleiche Modell). Seither hat er sie in schöner Regelmäßigkeit immer wieder aufgesetzt, die Abstände werden eher kürzer. Besonders Interviews gibt er gerne bebrillt, und bei seiner letzten Konzerttournee stand er wohl mindestens bei der Hälfte seiner Auftritte mit Brille auf der Bühne. Zur Information: Brille ist im Gegensatz zu Kontaktlinsen teurer, unpraktischer, lästiger und man sieht damit auch noch schlechter (eingeschränktes Gesichtsfeld, verzerrte Linien). Das sage ich als Kontaktlinsenträgerin, die über 25 Jahre lang ausschließlich Brille getragen hat. Wer trotzdem Brille trägt, noch dazu als „Künstler“ auf der Bühne, der hat dafür einen bestimmten Grund. Zum einen verleiht eine Brille natürlich Autorität und einen intellektuellen Anstrich. Für Mr. Aiken dient sie nach meiner Einschätzung vor allem dazu sein altes „Nerd“-Image zu pflegen, so als wollte er sagen: „Ich habe mich nicht wirklich verändert, ich bin immer noch der Gleiche.“

Dann hat mich einmal mehr verwundert, lieber Wilfried, dass Du die Frage, ob jemand ein „Superstar“ ist, an der Höhe seines Kontostands festmachst. Wenn das wirklich das Kriterium ist, dann ist mit Sicherheit Mr. Anderson der zigfach, wenn nicht hundertfach, größere Superstar, und das nicht nur, weil er bereits ein paar Jahre länger Zeit hatte Geld zu verdienen. Mr. Aiken investiert sein Geld nämlich nicht in Lachsfarmen, er steckt es in die von ihm selbst gegründete Stiftung für geistig behinderte Kinder und wird daher im Vergleich zu Mr. Anderson wohl immer ein armer Schlucker bleiben. Er ist im Übrigen auch kein Superstar, der Ausdruck passt für ihn nicht, und er sieht sich selbst auch ganz sicher nicht als solchen.

Überhaupt zum Begriff „Superstar“ – nach meiner Erinnerung ist er keineswegs so neu, wie Du das zu empfinden scheinst. Auch wenn ich 1970 noch ein „Jungspund“ war, wie Du das zu formulieren beliebtest, kann ich mich an dieses Jahr doch noch sehr gut erinnern. Seit 1970 war ich regelmäßige Leserin der Bravo (und damit natürlich bestens informiert), habe die Charts beobachtet und regelmäßig die Disco besucht (ja, ich war ziemlich früh dran). Neben CCR waren Elton John und Uriah Heep meine Favoriten („Easy Living“ war der erste Song, auf den ich je in einer Disco getanzt habe). Um’s kurz zu machen – den Begriff Superstar gab es damals schon, die Bravo war voll davon. Die Beatles und die Stones gehörten dazu, aber auch für Neil Diamond wurde nach meiner Erinnerung dieser Begriff gebraucht. Ob er amerikanisch ist, weiß ich nicht, Pop- und Rockmusik waren damals überwiegend britisch. Auf jeden Fall liegen auch meine musikalischen Wurzeln in der ersten Hälfte der siebziger Jahre, allerdings waren sie weniger von Progressive Rock geprägt als Deine. Zu Jethro Tull bin ich, wie ich ja bereits erwähnt habe, erst 1978, also in meiner musikalischen Spätzeit gestossen, als ich eigentlich schon erwachsen war (na ja, wie Ihr wisst bin ich niemals wirklich erwachsen geworden…). Aber das nur am Rande.

Dann hat Dich interessiert, lieber Wilfried, wie bekannt Mr. Aiken wohl in Europa (bzw. in Deutschland) ist. Das weiß ich auch nicht, aber ich würde vermuten, dass ihn kaum Einer kennt. Ich glaube nicht, dass er hier schon einmal aufgetreten ist oder im Fernsehen zu sehen war – so etwas ist für den Bekannheitsgrad entscheidend. Der Austausch von „Stars“ über den Atlantik hinweg funktioniert auch nicht mehr so wie noch vor 30 Jahren. Abgesehen von den „wirklichen Superstars“, zu denen ich Mr. Aiken eben nicht zähle, sind die USA und Europa weitgehend getrennte Märkte (auch das ist übrigens ein interessantes Thema). Außerdem ist das Interessante an Mr. Aiken’s nicht seine Musik, sondern so ziemlich alles andere – und davon ist in Europa vermutlich nie etwas angekommen. Der Verkaufsrang für Mr. Aiken’s letztes Werk bei Amazon wundert mich daher nicht. Man sollte dabei auch bedenken, dass das Album bereits anderthalb Jahre alt ist, da kann man die Chart-Position schlecht mit etwas vergleichen, das erst vor ein oder zwei Monaten herausgekommen ist.

Dann möchte ich doch noch betonen, dass man meiner Meinung nach Mr. Anderson und Mr. Aiken in ihrer Eigenschaft als Musiker nun wirklich nicht miteinander vergleichen kann, das ist als vergleiche man Äpfel mit Kartoffeln – beide sind pflanzlich und man kann sie essen, zweitere allerdings erst nach vorheriger Garung. Scherz beiseite – die Herren spielen nicht die gleiche Sportart. Mr. Anderson ist ein Musiker, der seine Songs selbst schreibt und er ist allein dadurch einzigartig und unersetzlich – ohne ihn würde es diese Musik nicht geben. Mr. Aiken ist ein reiner Interpret, der singt was andere geschrieben haben, und damit ist er prinzipiell austauschbar. Singen können Viele, und die auf Hochtouren laufende Idol-Industrie (es gibt da ja auch noch x-factor, America’s Got Talent und andere) spuckt neue Talente in immer kürzeren Abständen aus, und die werden immer unglaublicher und immer jünger (auch zu diesem Thema habe ich in letzter Zeit einiges Material gefunden). Da wird es immer wieder einen Anderen geben, der besser ist, jünger oder auch einfach nur neuer, und den Favoriten vom letzten Jahr verdrängt, wenn dieser nicht neben seinen gesanglichen Fähigkeiten noch andere aufweisen kann oder durch seine Persönlichkeit einzigartig und unersetzlich ist.

Vor diesem Hintergrund meinst Du, Mr. Aiken wäre ein „Sänger, der sich schnell verbraucht“. Nun, auf 40 Jahre Musikerdasein kann er noch nicht zurückblicken, er ist halt auch noch nicht einmal 30, da hat er schlechte Karten… Dafür, dass er 31 Jahre jünger ist als Mr. Anderson, kann er nichts. Aber ich wäre bereit, lieber Wilfried, mit Dir darum zu wetten, dass in 31 Jahren, wenn wir beide bereits als Tattergreise im Altersheim sitzen und selbst Mr. Aiken nicht mehr ganz jung ist, der Name Clay Aiken in den USA immernoch ein Begriff sein wird. Und das selbst dann, wenn er morgen seine Stimme verlieren und nicht mehr besser klingen sollte als der Mr. Anderson der heutigen Tage. Clay Aiken ist nämlich nicht einfach irgendein amerikanischer Schnulzensänger, er ist eine Symbolfigur, ein „echtes Idol“ im deutschen Sinn des Wortes. Dass das so ist, und warum das so ist, konnte allerdings zugegebenermaßen aus meinem letzten Beitrag über ihn nicht hervorgehen.

Das liegt daran, dass das alles mit Musik nichts zu tun hat, ein Idol hat mit Musik überhaupt nichts zu tun. Mr. Anderson war nie Dein Idol, hast Du geschrieben, lieber Wilfried – meins auch nicht. Ein Idol braucht nämlich einen Vorbild-Charakter und eine Botschaft, und das kann Mr. Anderson nicht bieten – Mr. Aiken schon. Im Fall von Mr. Aiken war die Musik nur das Medium, das ihn an die Öffentlichkeit katapultiert hat, damit sie ihn kennenlernen konnte. Gut, natürlich singt er und verkauft auch CDs, aber ich könnte mir vorstellen, dass in seinem Fall manche die CD mehr wegen ihm als wegen der Musik darauf kaufen. Um das zu verstehen, muss man seine Vorgeschichte kennen und alles, was seither über ihn durch die Presse gegangen ist (oder zumindest einen Teil davon, denn ich habe mit Sicherheit auch nicht alles mitbekommen), auch seine Aktivitäten außerhalb der Popmusik (die schon erwähnte Stiftung, die Tätigkeit als UNICEF-Botschafter usw.) gehören dazu.

In meinem letzten Beitrag hatte ich Mr. Aiken mit Superman verglichen – das war mehr als Gag und scherzhafte Annäherung an die Wahrheit gedacht. Tatsächlich hat er nämlich viel mehr Ähnlichkeit mit einem ganz anderen Helden der Weltgeschichte. Dazu zwei Bilder aus dem Claymania-Video:

Ich glaube man braucht keine besondere Phantasie, damit einem das wie eine moderne Illustration zum Neuen Testament erscheint. Da war Zachäus in einen Baum gestiegen, von dem er wußte, dass Jesus an ihm vorbeikommen würde, denn er wollte zumindest einmal einen Blick auf den Messias werfen. Hier sind gleich mehrere Zachäus auf’s Sims gestiegen, damit sie ihrem Idol wenigstens einmal die Hand schütteln können. Und das sind keine ausgeflippten Teenies, die heute für den Einen kreischen und morgen für einen Anderen. Die sehen aus wie gestandene Männer, älter als der Messias, der eingerahmt von seinen Sicherheitsleuten an ihnen vorüberschreitet.

Die Symbolik in der Geschichte des Mr. Aiken und die Zahl der Parallelen zu Jesus ist wirklich frappierend. Da gibt es z.B die Weissagung nach seinem Vortrag von „Somewhere Out There“ bei American Idol (das Video hatte ich verlinkt), sie kommt von der farbigen Dame in der Jury (ich weiß nicht einmal, wer das ist, aber sie muss wohl hellseherische Fähigkeiten haben). Sie erklärt Mr. Aiken zum Mysterium und prophezeit ihm eine außergewöhnliche Zukunft, denn „You are pure“. Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen.

Kaum ist seine Idol-Zeit vorbei, der bekehrt er auch schon Saulus zum Paulus. Es ist dies Jimmy Kimmel, der Talkshow-Gastgeber, der sich im Claymania-Video als „Leader of the Claymates“ outet und Mr. Aiken anschließend in seiner Show als „My best friend in the whole world“ ankündigt. Das war nicht immer so. Dazu muss man wissen, dass Mr. Aiken zu Zeiten seiner Idol-Auftritte nicht nur mit Euphorie gefeiert, sondern auch mit jeder Menge Spott von Seiten der Medien bedacht wurde, so wie er überhaupt in seinem ganzen Leben noch nie über Mangel an Spott hat klagen müssen. Insbesondere wurde schon früh vermutet er müsse wohl schwul sein, denn er sähe so „gay“ aus und würde sich so „gay“ benehmen. Von den Spöttern war Mr. Kimmel einer der Vorderen. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnen Bemerkungen Kimmel’s in der Show von 2006 wie „…the man whose poster adorns my bedroom“, „This is why there are rumors about you and me together.“ und „I would never have imagined, when you where a young man on American Idol…“ eine ganz neue Bedeutsamkeit. Es klingt als läge diese AI-Zeit Jahrzehnte zurück, es ist gerade einmal 3 Jahre her.

In diesem Video, das den ersten Auftritt Mr. Aikens in Kimmels Show nach American Idol zeigt, kann man sehen, wie der inzwischen geläuterte 40-Jährige Kimmel den Kniefall vor seinem (fast) 25-Jährigen Meister macht, dem er fortan freudig dienen wird. Das Video ist noch aus anderem Grund interessant, denn Mr. Aiken kommt hier neben Britney Spears zu sitzen. Britney war zu diesem Zeitpunkt bereits seit etwa 5 Jahren im Geschäft, und ich finde sie sieht schon ziemlich fertig aus. Jedenfalls ist sie so angemalt, dass man von ihrem Gesicht kaum noch etwas sieht. Sie ist 3 Jahre jünger als Mr. Aiken und auf mich wirkt sie kindisch und naiv. Mr. Aiken sieht zwar aus als wäre er höchstens 16, aber man merkt ziemlich schnell, dass er weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen ist. Die beiden sollten in den nächsten Jahren zu Haupt-Zielscheiben der Boulevard-Presse werden, und da zeigt sich, dass man nicht intelligent sein muss um Popstar zu werden, aber es ist sicher hilfreich, wenn man im Haifischbecken Hollywood ein paar Jahre ohne Nervenzusammenbruch überleben will. Britney Spears war diesen Anforderungen nicht gewachsen.

Inzwischen sind bereits 5 Jahre vergangen und es ist immer noch nicht geklärt, ob Mr. Aiken nun eigentlich schwul ist oder nicht und wie sich sein nicht existentes (oder doch nur im Geheimen verborgenes?) Liebesleben im Detail gestaltet – und die Bemühungen der Boulevardpresse Licht in dieses Dunkel zu bringen und diese ganz Amerika bewegende Frage zu beantworten könnten sich noch einige Jahre hinziehen. Nein, so jemand wird nicht langweilig, er wird „Sexiest Singer“. Aber das nur am Rande.

Habe ich hier schon einmal den Satz „Zeige mir Deine Fans, und ich sage Dir, wer Du bist“ gebraucht? Kein anderer mir bekannter Star kann auf eine vergleichbare Fangemeinde herabschauen – sie ist auch in Amerika bereits sprichwörtlich. Seine Fans haben sich in durchstrukturierten (soll ich sagen „kirchenähnlichen“) Gruppen zusammengeschlossen und sind bestens organisiert. Da wird nicht nur dafür gesorgt, dass, wo immer der Meister erscheint, eine ausreichend große Abordnung zur Stelle ist, um für den ihm gebührenden Geräuschpegel zu sorgen. Tritt Mr. Aiken bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Fernsehen auf, dann werden schon im Vorfeld 30.000 $ an Spenden gesammelt und zu seinen Ehren in seinem Namen überwiesen. Ruft er im Fernsehen zur Beteiligung an einer Aktion auf, kann er sicher sein, dass schon am nächsten Tag seine Jünger zahlreich ausströmen werden, um seiner Bitte Folge zu leisten.

Selbst Präsident Bush hat schon erkannt, dass Mr. Aiken eine nicht zu unterschätzende Größe darstellt. Auf einem seiner Popularitätstiefs (bestand seine Amtszeit nicht eigentlich nur aus Populariätstiefs?) hielt er es für vorteilhaft, Mr. Aiken in eine eigens gegründete Kommission zur Ausarbeitung von Verbesserungsvorschlägen für die Förderung und Integration von geistig Behinderten zu berufen – das war natürlich ein PR-Gag, um ein bißchen von der Popularität Clay Aikens zu profitieren. Wie wir in dem von mir im letzten Beitrag verlinkten Interview bei Jimmy Kimmel gehört haben, hat es Mr. Bush nicht einmal für nötig gehalten Mr. Aiken zum Dank dafür, dass er sich mit seinem Namen schmücken darf, zumindest einmal persönlich die Hand zu schütteln. So wird in den USA Politik gemacht. Aber Politik ist ja auch nicht unser Thema.

Ich könnte noch eine Weile so weiter erzählen, aber ich denke es reicht, Ihr werdet mich sowieso schon für total übergeschnappt erklärt haben. Fassen wir also zusammen: Der moderne amerikanische Jesus ist von Hause aus Lehrer für geistig behinderte Kinder (seelig sind die geistig Armen) und verdient sein Geld als Entertainer. Predigen tut er nicht, das ist total out und würde in der heutigen Zeit nicht gut ankommen. Hin und wieder ein Spendenaufruf oder die Bitte, sich an einer caritativen Aktion zu beteiligen – das reicht – und seine Fangemeinde kommt diesen Bitten freudig nach. Ansonsten tut er lieber selber etwas, z.B. für seine Stiftung oder als UNICEF-Botschafter. Er ist bekennender Christ, steht der Kirche allerdings kritisch gegenüber. Seit er 2004 das sich am schnellsten verkaufende Weihnachtsalbum der Neuzeit herausgebracht hat, ist er außerdem der all-amerikanische, singende Weihnachtsengel, der alljährlich eine spezielle Weihnachtstournee ausschließlich mit Weihnachtsliedern absolviert (davon habt Ihr ja auch bereits ein Kostprobe abbekommen). Er hatte noch nie eine Freundin und hält nichts von vorehelichem Sex, lebt also in völliger Enthaltsamkeit. Seit 5 Jahren bemüht sich die Boulevardpresse ihm irgendetwas anzuhängen – man hat sogar schon seine Stiftung wegen angeblicher Verschwendung von Spendengeldern durchleuchten lassen – es konnte noch kein Makel an ihm gefunden werden. Spott und Häme aus den Medien perlen inzwischen an ihm ab wie Regen auf einem frischgewachsten Rolls Royce und lassen seinen Heiligenschein nur noch heller erstrahlen. Soweit zu Mr. Aiken.

Also wie Ihr seht, hat das alles höchstens noch am Rande mit Musik zu tun, es würde eher in eine Rubrik „Dies und das“ oder „Leute von heute“ passen. Eigentlich ist das schon länger mein Thema. Seit nunmehr einem Jahr durchstreife ich diesen Menschenzoo, den man YouTube nennt, und stoße dabei auf Persönlichkeiten, an denen ich aus irgendeinem Grund hängen bleibe. Der Erste dieser Art war Mr. Anderson, und so bin ich im letzten April schließlich in Deinem Weblog gelandet, lieber Wilfried. Aber Jethro Tull und Mr. Anderson können mich nicht auf ewig fesseln, so ziemlich alle Aspekte seiner Person haben wir inzwischen durchgekaut, und viel Neues ist von seiner Seite nicht mehr zu erwarten. So bin ich denn weiter gesurft und über John Fogerty, k.d. Lang und Andere inzwischen zu Clay Aiken gelangt. Kein Mensch weiß, wie lange er mich noch beschäftigen wird und auf wen ich danach stoßen werde.

Tatsächlich interessiert mich zurzeit wie sich die Musikbranche seit den 70ern verändert hat und wie sie heute funktioniert, und da spielen nun einmal Talentshows eine große Rolle. Die Entwicklung ist allgemein von den Bands weg hin zu Einzelmusikern und Interpreten gegangen. Irgendetwas mit Jethro Tull Vergleichbares gibt es nicht mehr (jedenfalls bin ich bisher noch nicht darauf gestoßen). Wenn mich die Person oder die Story interessiert, dann habe ich auch keine Probleme damit, wenn die zugehörige Musik nicht hundertprozentig meinem Geschmack entspricht.

So lebt denn nun wohl, meine lieben Freunde
Kretakatze

PS.:Zum Lebewohl kann ich mir dann aber doch nicht verkneifen Euch noch ein kleines Video mit auf den Weg zu geben. Es ist ein Kuriosum, denn in ihm ist Musik von Jethro Tull (ca. ab 0:30) und danach auch noch Clay Aiken zu hören (da könnt Ihr ja dann abschalten). Der Hintergrund: Zum letztjährigen Weihnachtsfest wurde im amerikanischen Fernsehen eine „Holiday On Ice“-Show gesendet, zu der Clay Aiken live gesungen hat. Hier werden Bilder vom Training der amerikanischen Meisterin im Eiskunstlauf gezeigt, die zu Clay Aiken’s Version von „Winter Wonderland“ (darauf könnt Ihr sicher gut verzichten) auf dem Eis ihre Vorführung übt. Mr. Aiken singt zu ihrem Training natürlich nicht live sondern kommt aus der Konserve. Zuvor werden – passend zum Thema Eiskunstlauf – ein paar Takte von „Skating Away (On The Thin Ice Of A New Day)“ angespielt. Der alte Tull-Klassiker ist in den USA also auch noch nicht ganz in Vergessenheit geraten.

01.04.2008

English Translation for Ian Anderson

4 Gedanken zu „Was ist bloß mit Ian los? Teil 94: Superstars & Idole Teil 2

  1. Zum Thema Urheberrechte: So manches was die von der GEMA unternehmen ist schwer zu erklären. Zum Beispiel, der Fall mit den Bandabenden der Kirchengemeinde, den Du gerade geschildert hast. Nach meiner Meinung ist so etwas eine Sauerei. Hier in Spanien sieht das Ganze genauso aus. Denn was in Deutschland die GEMA ist, nennt man hierzulande SGAE (Sociedad General de Autores y Editores). Wenn man sich hier nähmlich eine CD brennen möchte, so bekommen die Leute der SGAE einen Teil der Kosten jenes Rohlings. Da wird also angenommen, dass wer eine CD brennt, eine Straftat begeht. Dabei ist es schwer erdenkbar dass die herausfinden ob man sich die CDs mit eigenen Bildern, eigenen Texten oder selbstaufgezeichnete Videos zusammengefertigt hat. Selbst wenn man sich eine Schutzkopie von einer gewissen CD, die original im Laden gekauft worden ist, brennen möchte, muss man den SGAE-Beitrag bezahlen. Und an wen gehen dann diese Einkommen? An die Autoren jener originalen CDs? Kaum zu erdenken, wenn die jenige Debussy, Schubert oder Monteverdi wären. Selbst der Beitrag an lebendigen Autoren ist nicht zu rechtfertigen, denn herauszufinden welche Musik dem Käufer eines Rohlings gefällt, ist ja derzeit nur bei Lidl möglich… Ausserdem sind ja längst nicht alle Autoren bei der SGAE vertreten. Naja.

    Das musste ich mir jetzt von der Seele schreiben.

    Aber ich wollte Euch ja eigentlich nur eine Liste 10 meiner Lieblingslieder mitteilen. Der Inhalt ist nicht all zu streng zu nehmen, denn ich muss leider viele Gruppen auslassen, die ich mag. Ich nehme übrigens Willis Herausforderung auf, und begrenze mich somit auf ein Lied pro Band, bzw. Interpret.

    Wie dem auch sei, hier ist meine aktuelle Liste: Mein persönlicher Chart.

    1. Sultans of Swing (Dire Straits)

    http://www.youtube.com/watch?v=Re9qdd6GdTg&feature=related

    2. Badge (Cream)

    http://www.youtube.com/watch?v=I2I6cP5YD9I&feature=related

    3. Aqualung (Jethro Tull)

    http://www.youtube.com/watch?v=QqZmtq5LhFo

    4. Stairway to heaven (Led Zeppelin)

    http://www.youtube.com/watch?v=ayzhJKy8H_A

    5. Won’t get fooled again (The Who)

    http://www.youtube.com/watch?v=b3mi-bKtDGA

    6. Sympathy for the devil (The Rolling Stones)

    http://www.youtube.com/watch?v=yXPYgEgyXOE

    7. Blackbird (The Beatles)

    http://www.youtube.com/watch?v=-ERnT1X9HPw

    8. Gute Nacht, Freunde (Reinhard Mey)

    http://www.youtube.com/watch?v=Y_1_H5_e_sw

    9. My baby just cares for me (Nina Simone)

    http://www.youtube.com/watch?v=eYSbUOoq4Vg

    10. Wave (Oscar Peterson)

    http://www.youtube.com/watch?v=AYiMGkC56Xk

    Auf Platz 10, befindet sich ein Bossa-Nova Stück vom Brasilianer Antonio Carlos Jobim, welches Erinnerungen in mir weckt. Dieses Lied war nähmlich, in der Aufnahme vom verstorbenen Oscar Peterson, die Begleitmusik zu einer Kinderserie die ich mir im Sommer in Deutschland anschaute, wärend meiner Schulferien (die dauern hier so um die 2 ½ Monate). „Unterwegs mit Odysseus“ hies die Serie, und die faszinierte mich damals so sehr, dass ich die Griechischen Sagen schon von klein auf zu lieben lernte) Das Stück ist im Übrigen, meiner Meinung nach Klasse.

    Platz 9. Da habe ich stark gezweifelt. Denn etwas Jazz gehört nunmal dazu. Aber wer nur? Louis Armstrong, Duke Ellington oder Miles Davis? Eine Frauenstimme wäre angebracht. Lieber die Ella Fitzgerald oder doch Nina Simone? Und dieses mal ist die Entscheidung zugunsten der Letzteren gefallen. Dabei konnte es genau so gut umgekehrt gekommen sein.

    Der nächste Platz gehört Herrn Reinhard Mey, den ich für seine Liedermacherei bewundere. Obwohl alles Gute auch ein Ende hat, auch die Inspiration. Allerdings finde ich sein „Narrenschiff“ einen absoluten Triumph. Und dieses kleine Ding da natürlich auch.

    Die 7 für die Jungs aus Liverpool. Die haben’s ja auch wohl verdient. Und machen es einem schwierig Entscheidungen zu treffen, welches Lied auf die Liste kommen sollte. Von denen gibt es ja wirklich Stoff genug . Und die allbekannte Lieder möchte ich nun auch nicht unbedingt nennen. So hab ich mich für dieses sehr einfache Stück aus dem weissen Album entschieden. Und von jetzt an, geht es in meiner Liste rockiger zu!

    Die Stones. Ja, wie könnten die auch fehlen, wo ich sie letztes Jahr hier in San Sebastián live sehen durfte. Allerdings für Wucherpreise von sage und schreibe 73 euro… Alt und runzelig seien sie, sagen manche. Stimmt ja auch alles. Und trotz allem sind sie noch im Stande Fussballarenen zu füllen. Und dieses Lied ist eben legendär.

    Auf die 5 kommen keine anderen als die „Rivalen“ der 60er Jahren von Beatles und Stones, zu jener vorgeschichtlichen Ära, als es noch Dinosaurier gab. Ich meine natürlich keine Anderen als The Who. Die hab’ ich auch letztes Jahr in Bilbao gesehen. Allerdings blieben diesmal die Gitarren heil, denn Pete Townshend kommt ja langsam auch ins Rentneralter. Immerhin bleiben sie Giganten der Musikszene und des Showgeschäfts.

    Platz 4 ist für Led Zeppelin, wobei ich fast ausschliesslich die frühen Jahren dieser vier Wilden mag. Die wirken heute frischer als jede neue Rockgruppe im Stil von Tokio-Hotel. Aber diese pubertären Knaben sind ja auch eine Gattung für sich… Welches Lied, nun? „Stairway to heaven“, natürlich. Da braucht man nicht lange nachzudenken.

    Die Top 3 geht an Jethro Tull. (Applaus)
    Ich hatte das Glück Herrn Anderson und seine Jungs zweimal sehen zu dürfen. Beim ersten Mal war ich gerade 21 Jahre alt. Sie spielten damals hier in San Sebastián. Und trotz mangelhafter Stimme des Flötenspielers, war ich nach dem Konzert total aus dem Häuschen. Die spielten zwei einhalb Stunden lang, fast ununterbrochen. Und zudem auch alle Hits. Ich vermisste damals aber eines meiner Lieblingsliedern: „Wond’ring aloud“. Nun könnte ich sagen, wir tun dieses auf die Liste. Wenn da nicht all die Anderen wären: “Aqualung”, “Thick as a brick”, “My God”, “Reasons for waiting”, “Bourée”, “With you there to help me”… Oder jenes andere Lied, „Budapest“, das die Gruppe letzten Sommer in Calw spielte, wo ich nun mit 28 zum zweiten Mal Herrn Anderson live gesehen hab’. Ich glaube man merkt es mir schon an – jawohl ich mag’ besonders die ersten Alben der Band. Sagen wir bis „Stormwatch“, doch am allermeisten gefallen mir die erten 6.
    Nun? Zeit ist Gold. Also, „Aqualung“, denn dank dieses Liedes machte ich mit der Gruppe Bekanntschaft.

    „Clapton is God“, sprühte man damals in London auf die Wände. Und die hatten recht, denn Clapton ist einer der Grössten. Schon mit den Bluesbreakers von John Mayall zeigte er seine Künste. Und bei Cream und Derek & the Dominos entfalteten sich seine Kräfte vollkommen. „Layla“ ist klasse, „Have you ever loved a woman“ ist genial, „Sunshine of your love“ ist gewaltig… Und doch entscheide ich mich für Platz 2 diesesmal für „Badge“, das er zusammen mit seinem Freund George Harrison schrieb.

    Und auf dem Top der Liste, die Dire Straits. Die lernte ich dank meines zwölf Jahre älteren Bruders kennen. Der hatte nähmlich damals – müsste sie heute noch haben – die „Alchemy“-Doppelschallplatte, und spielte sie ziemlich oft. Ich mochte damals als sechsjäriger besonders das Lied „Going Home“. Doch mit der Zeit kam ich auf „Sultans of Swing“. Und darüber hinaus auf „Tunnel of love“, „Once upon a time in the west“, “The man’s too strong”, „On every Street“ usw. Als Nr. 1 kann ich eigentlich gar nicht anders als “Sultans of Swing” zu wählen, besonders in jenem Live Auftritt, welches Willi schon bei seinem Beitrag über die DS gezeigt hat.

    So, das wär’s. Schluss für dieses Mal. Das wird ja sonst ewig lang!

    Und für ein anderes Mal lassen wir Schubert, Debussy, Albéniz, Monteverdi, Lasso, Dowland, Wagner, Mussorgsky, Bach, Liszt, Beethoven, Schumann, Kachaturian usw.

    Noch Mal vielen Dank für Deine Super Beiträge, Willi!!!!

    Und viele Grüsse auch an Kretakatze und Lockwood!

    Bis dann!

    Alex R.S.

    P.S.: Entschuldigt, falls ich ortographische- bzw. grammatikalische Fehler gemacht habe. Ich bin immerhin in Spanien zur Schule gegangen, und habe Deutsch nur zuhause bei meiner Mutter gelernt.

  2. Hallo Alex R.S,

    es sieht so aus, als hätten wir mit Dir einen neuen Mitstreiter gefunden. Also, von mir aus ein herzliches Willkommen !!
    Mach‘ Dir keine Gedanken über Orthographie und Grammatik; die sind bei mir auch nicht fehlerfrei und ich bin in Deutschland zur Schule gegangen.

    Auf eine fruchtbare Zusammenarbeit.

    Viele Grüße
    Lockwood

  3. Hallo Alex,

    super Beitrag – viel besser, als ich das zu dem Thema hinbekommen würde! Und mach Dir keine Sorgen wegen Deiner Orthographie – dafür, dass Du keine deutsche Schule besucht hast, ist sie top! Wenn Du wüsstest wieviele Rechtschreibfehler Wilfried in meinem letzten Beitrag korrigieren musste…

    Also mach weiter so, ich glaube dieses Weblog bekommt bald Autoren-Zuwachs.

    Liebe Grüße
    Kretakatze

  4. Danke schön an beide, Lockwood und Kretakatze! Und Willi darf ich natürlich bei dieser kleinen Danksagung auch nicht vergessen!

    Es freut mich mit netten Leuten Plaudern zu dürfen, und wenn es um Themen wie Jethro Tull, Herrn Anderson, Musik im Allgemein usw. geht, dann ist die Freude doppelt so gross!

    🙂

    P.S.: Ihr seid wirklich Spitze!

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